Archive for the ‘Windladen’ Category

Hängebalgladen Härpfer (Moyeuvre)

Samstag, November 22nd, 2014

Bei Hängebälgladen haben wir eine Registerkanzellenlade vor uns, die bei der Restaurierung gewisse Besonderheiten aufweisen. Leider hat jeder Orgelbauer eigene Systeme eingebracht, was Restaurierungen mit weiteren speziellen Eigenheiten befrachtet:

moyeuvre_violonbass

hier ein Foto, das zeigt, wie das Ganze in natura aussieht:
moyeuvre_juni_01

1. Bei Haerpfer sind die innenliegenden Federn so schwach, dass der Trakturwind rund 25mm höher sein muss, als der Pfeifendruck. Reduziert man diesen Trakturwind, werden viele Bälgchen „schwach“ und es entstehen Heuler. Dies war ein Grund bei Walcker, die Federn außenliegend zu fertigen und regulierbar zu gestalten.

2. Ebenfalls durch die schwachen Federn verursacht, werden minimale Versetzungen des Bälgchens bei Neueinleimen bestraft. Einen Millimeter zu nah an der Pfeifenbohrung bewirkt, dass das Bälgchen nicht öffnet. Wird das Bälgchen hingegen einen Millimeter zu weit von der Bohrung plaziert, kann es Heuler geben.
Man sieht also, dass dieses System von Härpfer mit enormer Sensibilität ausgestattet ist, wenngleich es schwerfällt die Bälgchen nach Ausbau und neuer Belederung, nun selbst um nur einen Millimeter versetzt einzubauen. Aber durch diesen Akt des Ausbau- Wiedereinbaus wurde in der Regel die Feder leicht geschwächt, was zu Heuler führen kann.
Die Ansprache der Pfeifen geschieht ganz organisch und besonders bei Streicher und Zungen hat man ansprechende Wirkungen.

Schlecht ist allerdings, dass man erst mit vollständig eingerichtetem Register erfährt, welche Bälgchen Probleme hervorrufen, weil bei vollgriffigem Spiel der Pfeifendruck in der Registerkanzelle sinkt und dann der Pfeifenwinddruck manchmal nicht mehr ausreicht die Bälgchen zum Öffnen zu bewegen.

Das heißt dann im negativen Falle: alle Pfeifen des Registers wieder abräumen, Stöcke aufschrauben, fehlfunktionierende Bälgchen nacharbeiten, die Pfeifen wieder ins Raster, und nun ausprobieren, ob alles klappt.

Das kann in der Regel zwei, drei Male gemacht werden, bevor man ein ausgeglichenes Register besitzt. Denn die Intonation der Pfeifen ist vom Öffnen der Bälgchen elementar abhängig. Machen die zu wenig auf, kann die Lautstärke nicht über Fuß oder Kernspalte erwirkt werden.

Hier am Ende möchte ich noch ein Bild aus Solingen, eine Weyland-Orgel aus 1960, einfügen, das ebenfalls mit (Laukhuff-) Auslaßladen bestückt ist, die ebenso ihre Seltsamkeiten aufweisen:
solingen_luther_zeichn

gwm 18.12.2014

Registereinschaltung Walcker-Orgel in Kairo Baujahr 1912

Sonntag, Juli 17th, 2011

Wir haben es hier mit einem „Zustrom-System“ zu tun, das außergewöhnlich stabil funktioniert.
Nicht nur wegen dem sagenhaften Material, das Walcker schon 1912 für seine Bälge verwendete, die den Stecher in Bewegung versetzen, der die Registerklappen öffnete, sondern auch deswegen, weil man mit diesem System bereits bei mechanischen Kegelladen und dann später bei den pneumatischen Kegelladen genügend Erfahrungen sammeln konnte.
Das Material, das für die Betätigungsbälge verwendet wurde, es handelt sich um einen schwarzen Kunststoff, der völlig unverbraucht vorhanden war, ohne jegliche Undichtigkeit. Und der nur deswegen ausgewechselt werden musste, weil durch den Ein-und Ausbau in jedem Fall Verschleiß stattfindet, der für die eine oder andere Delle sorgt.

Hier die Zeichnung für eine solche komplette elektro-pneumatische Registersteuerung

register_cad_gwm.jpg

Funktionsweise: der Hebelmagnet (rechts unten) hebt das kleine Ventil, welches den größeren Balg unten links mit Wind versorgt. Dieser Balg hebt sich und den Stecher. Dieser Stecher drückt die runde Zinkplatte des Registerventils im Windkanal, was das Aufreißen der Registerplatte nach oben bewirkt. Zwei Haken verhindern, dass die Platte nach oben wegdriftet. Soweit ich gesehen habe sind alle Zinkplatten von gleichem Durchmesser, während die Registerventile leichte Unterschiede in den Maßen aufweisen. Das größte Registerventil haben wir bei der Konzertflöte 8′ im HW, während Principal 8, Bourdon 16 und andere Register weitgehend gleich bemessen sind.

Die im Kanal unter Wind liegenden Registerklappen kennt man bei Walcker schon aus uralten Anfängen. Wir möchten sie hier in Formeines dreifachen Fotos zeigen. Ein in Holzrahmen gefasstes rundes Zinkblech wird von dem Stecher aufgestoßen und öffnet das komplette Registerventil, das dann die Registerkanzelle unter Wind setzt.

registerklappe.jpg

Die Stecher sind zusammengefasst in einem Brett:

stecher.jpg

gwm 17.7.11

Die Walcker-Orgel Op.719 , III/38, in Basel mit pneumatische Kegelladen

Sonntag, September 12th, 2010

Dieses vorzügliche spätromantische Instrument aus dem Hause Walcker, von dem wir im höheren Norden bisher nichts zur Kenntnis nehmen wollte, ist tatsächlich nahezu vollständig erhalten (geringe Aufhellung der Mixturen, die man wieder beseitigen sollte).
Ein Umstand der uns sofort begeistert zu dem von Nicoleta Paraschivescu geschicktem Material greifen liess.
Die vorzügliche Restaurierungsarbeit wurde geleistet vom Orgelbauer Eduard Müller, der bei Metzler & Söhne gelernt hat.
Zunächst möchte ich die originale Disposition der Orgel aus 1896 zeigen, die jedem echten Orgelfreund das Herz erzittern lässt:

dispo-1896.jpg

Hieran wurden folgende Änderungen im Laufe der Zeit getan:

a) Die Dolce wurde gegen eine Fugara 4 im Jahre 1905 getauscht
b) die vierfach Mixtur von 2 2/3 auf 2 geändert und die Terzen entfernt (unbedingt sollte man das wieder retournieren)
d) die Trompete wurde 1920 ersetzt (da hätte der Austausch der Blätter gereicht)
e) eine neue Voix céleste 8′ wurde im Jahre 1920 neben die Aeoline gefügt in pneumat. Taschenlade (solcherlei Dinge haben dazu geführt, dass man der Bewegung Gründe lieferte, derartige Instrumente zu verfolgen, wie weiland die Roma und andere)
f) die Oboe 8′ wurde gegen eine aufschlagende ersetzt (verständlich, aber falsch: der butterweiche Schnurreffekt der Durchschlagenden wäre heute dazu angetan, regelrechte Pilgerzüge nach Basel zu leiten. Mindestens wöchentliche Stimmführungen allerdings hätten dazu geführt, dass regelmässig ein paar Zünglein ersetzt werden hätten müssen, was zwischen 1950 und 1980 Probleme mit sich gebracht hätte. Heute, so meine ich, wäre das kein Problem mehr)
g) die Harmonica 8 im III. hatte keine Chance: 1905 ersetzt durch eine Viola 8, dann kam 1950 ein völlig deplaziertes Flageolet 2′
h) Mixtur 2 2/3 wurde 1950 geändert in 1 1/3
i) das Pedal bekam 1920 einen Quintbass 10 2/3 dazu mit Taschenlade
j) der Harmonicabass 16 wurde zum Violonbass 8 und dann 2004 verkümmerte er zur Rohrflöte, was in dieses Klangsystem wohl überhaupt nicht reinpasst.
k) die Posaune 16′ findet sich in der neuen Disposition überhaupt nicht mehr, was wohl der dramatischste Fehler dieser Disposition dann wäre

Wir möchten aber nicht in den Reigen der allfälligen Kritik verharren, sondern das Instrument hervorheben und ausdrücklich lobend als eines der ganz wichtigen spätromantischen Walcker-Orgeln loben. Das wird durch die nachfolgenden Bilder unterstrichen.

Wie sieht denn so eine Pneumatik aus, werden viele unserer Besucher fragen, die sich bestimmt gut im Orgelbau auskennen, aber kaum in der Lage sind frisch und frei in ihrer unmittelbaren Nähe eine pneumatische Orgel aufzufinden.

Hier die Rückseite des Spieltisches. Zu beachten sind die mechanischen Registerzüge und die mechanischen festen Kombinationen.

pneumatik-hinter-spieltisch.jpg

Das folgende Bild zeigt die Steuerung der Registerventile vom Hauptwerk: Mixtur, Gamba, Gedackt, Fugara, Flauto amabile, Principal

balgleiste.jpg

Hier der Spieltisch mit einigen schönen Details

spieltisch00.jpg spieltisch01.jpg spieltisch02.jpg

Vorstellung einzelner Register mit Pfeifen

Die durchschlagende Clarinette, links mit Zinnbecher und Holzstiefeln in unterschiedlicher Höhe, was klanglich von Bedeutung ist, rechts Kopf und Kehle aus Holz mit Rahmen und Krücke aus Messing, darin „schwebt“ die durchschlagende Zunge
pfeifenw01.jpg pfeifen02_clarinette.jpg

Pfeifenwerk im Hauptwerk, von links nach rechts : Trompete mit Zinkbechern, Doppelflöte 8′ in Holz, Bourdon 16′ Holz
pfeifenw03.jpg

Pfeifen des II.Manuals von links nach rechts: das erwähnte „unnötige“ Flageolet 2 (kaum zu sehen), der Salicional und Geigenprincipal 8 auf Augenhöhe, Lieblich Gedackt 16′, dann ohne Deckel Wienerflöte 8′ und ganz am Rand die Becher der Clarinette 8′
pfeifenw04.jpg

und zum krönenden Schluß der vorzügliche Entwurf der Orgel (vom Breslauer Architekten Felix Henry, der mit dem neogotischen Entwurf der Kirche den Wettbewerb 1896 gewonnen hatte)

0719_basel_walcker.jpg

Bei der nachfolgenden Adresse, dort wo sich die Orgel befindet, kann übrigens ein hervorragender Prospekt über die Orgel angefordert werden:
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3
CH-4001 Basel

www.erk-bs.ch

gewalcker@t-online.de (der sich schon wieder auf die Rückreise nach Rom vorbereitet)

Das elektrische System der Tamburini in Rom (1)

Samstag, Juli 31st, 2010

Wir haben in der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia sage und schreibe 1495 Magnete, die von den Registereinstellmagneten im Spieltisch ausgenommen, ausschließlich Ventile an oder in Windladen zu bewegen haben.
An dieser Zahl kann man ermessen, welche Kompliziertheit diese Orgel besitzt.
Im ersten Teil möchte ich auf das alte System und die Verbesserungen durch digitale Systeme kurz eingehen.
Wir haben durch die Digitalisierung bereits über 350 Magnete ausgemustert, welche die Komplexität dieser ganzen Steuerung noch um einiges erhöht hätte.
Es wurde mitgeteilt, dass in diesem parallelen System Störungen schon kurz nach Beginn der Fertigstellung auftraten.

Parallel – Digital?
Ich möchte ganz kurz erklären, was der Unterschied zwischen einem parallelen System und einem digitalen System ist.
Bis weit in die 90er Jahre hinein waren einfache parallele System im Orgelbau die Regel.
Diese System waren davon gekennzeichnet, dass bei einem geschlossenen Kontakt ein Kabel zuständig war das diese Information zum Magnet weiterleitete. Dazwischen konnte, wie auch heute, eine komplexe Logik liegen, aber der Magnet wurde mehr oder weniger unmittelbar von seinem zuständigen Kontakt angesteuert.

Hierzu habe ich ein einfaches Bild gezeichnet. Auf dieser Skizze sehen wir, dass für jeden der drei Kontakte ein Kabel zum Magnet führt:

skizze01_red.jpg

Bei der Digitaltechnik, die bereits seit 1968 vereinzelt im Orgelbau Zugang fand, wird für dieselbe Schaltung nur ein einziges Verbindungskabel gebraucht. Dazwischen liegen zwei synchronisierte Uhren:

skizze02_red.jpg

Was hier nun mit drei Kontakten gezeigt wurde ist natürlich mit 4 Manualen, 1 Pedal und 138 Registerschaltern (= 414 Schalter) ganz genauso möglich. Wir haben dann allerdings noch eine Logik dazwischen, welche die Impulse sortiert und z.B. sagt:
Wenn Registerschalter Fifaro 8′ ein, dann sind die Magnete der Schleiflade S5 im II.Manual freigegeben. Damit verhindern wir, dass bei beliebigem Spiel auf dem II.Manual alle Magnete mitklappern.
Es ist klar, dass z.B. beim Bordun 16′ im III.Manual, der sowohl von Pedal als auch vom III.Manual aus in verschiedenen Registertransmissionen gespielt werden kann, nur dann Magnete mitgehen, wenn die entsprechende Register eingeschaltet sind, – denn leider hat Tamburini auch nicht berücksichtigt bei diesen Einzeltonladen, den Wind abzustellen, wenn die entsprechenden Register nicht gezogen sind. Das birgt Heuler-Gefahr in sich.

Der enorme Relais-Schrott, den wir ausgebaut haben, zeigt welch unheimliche Dimension es annimmt, wenn man solche Transmissionsladen auf diesen alten Systemen aufbaut.

relais.jpg

Was wir hier auf dem Bild sehen, ist längst nicht alles, was ausgemustert wurde. Es sind Einzelteile aus Setzer, festen Kombinationen und STeuerungen, wie oben beschrieben. Die Haarnadelkontakte, die hier von Tamburini verwendet wurden sind füpr solche riesige Anlagen denkbar ungeeignet. Und es versteht sich, dass daran laufend herumgearbeitet wurde.
Die Unlogik musste hier auch noch einen erweiterten Umweg gehen, weil der Setzer natürlich nicht in den Spieltisch gepasst hat, so wurden pro Registereinstellmagnete natürlich drei Kabel nach außen geführt, was dem ganzen komplexen Ungetüm weitere Größen-Dimensionen verschafft hat.

Bei einer neuen Digitaltechnik ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der die Uhren synchronisiert werden (wie oben symbolisch gezeigt), also der Takt des Prozessors, die höchstmögliche Geschwindigkeit hat, die man heute realisieren kann. Das ist wichtig, damit schnelle Repititionen nicht von langsamen Systemen verschluckt werden. Wir sind uns auch 100%ig sicher, dass das von uns verwendete System von Sigmatek, das schnellste ist, das man derzeit in Europa für solche Dinge bekommen kann.

Daneben gilt es natürlich, die Magnete richtig einzuregulieren und mit ausreichend dimensionierten Kabel zu versorgen:
magnete.jpg

Diese Magnete an der Trompeteria, sie steuern wie man am Hintergrund erkennen kann, noch relativ langsame Taschen an, was nicht nur Regulieraufwand bedeutet, sondern vielleicht sogar Änderungen im Windsystem. Die optimale Einstellung all dieser Komponenten ist fast schon Sache der Intonation. Weil natürlich die Windmenge, die das Taschenventil durchlassen muss, mit dem Klang und den Nachbartönen abgestimmt werden muss. Soweit also: elektrische Steuerung und Windfluss an der Tasche bis zum Klang, ein einheitlicher organischer Gedanke. Man sollte nicht glauben, dass der Orgelbauer sich bequem für eine Sache spezialisieren darf und dann von der anderen nichts mehr wissen will.

magnete2.jpg

gwm

Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen

Mittwoch, April 14th, 2010

Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen. Das hieß bei Oscar Walcker im Jahre 1928 (sehen Sie die originale Aktennotiz aus 28.11.1928 weiter unten als Bild) ANLEITUNG zur REGULIERUNG der MECHANIK bei MECHANISCHEN ORGELN.
Denn der Altmeister des Deutschen Orgelbaus hatte noch sehr wenig mit mechanischen Schleifladen zu tun. Es war für ihn klar, dass es sich nur um Kegelladen handeln kann.
Aber zu diesem Thema kommen wir in einem der nächsten Blogs. Weil das Thema „Walcker und die ersten neobarocken Schleifladen-Orgeln“ bereits bei mir vorbereitet wurde und mit Sicherheit auch erhebliches Umdenken bei historisch gewachsenen Vorstellungen verursachen wird.
Wer bereits Gelegenheit hatte mechanische Kegelladen zu regulieren, oder nur ein paar Handgriffe in der Mechanik einer Kegellade leisten konnte, der weiß, welch komplexes Thema hier angeschnitten ist. Reguliert man nämlich entgegen der hier vorgelegten Systematik, so kann man am Ende dieser Arbeit wieder vorn vorne beginnen. Daher sollten sich Orgelbauer, die nur selten an mechanischen Kegelladen zu schaffen haben, unbedingt Oscar Walckers Methode ausdrucken und in die Akten der jeweiligen Orgel übernehmen.

Die nachfolgende Abschrift ist nicht wortwörtlich vorgenommen worden, sondern in heutiger Rede verfasst. Auch wurde die Tabelle nicht zweimal mit 2mm Addition an jeder Stelle erneut geschrieben. Wer die exakte Formulierung Oscar Walckers bevorzugt, der kann das untere Dokument ausdrucken.

freie Abschrift OV/B.28.11.1928
Anleitung
zur Regulierung der Mechanik bei mechanischen Orgeln.
1. Bei einer zweimanualigen Orgel ohne Oberladen:
Zuerst wird das I.Manual reguliert und bei der Windlade angefangen. Man sieht nach, ob die Wellen auf den Stellärmchen aufliegen; dann wird nachgesehen, ob die Kegel der Wellen einen Weg machen, der bei den verschiedenen Laden auch verschieden ist, und zwar macht der Kegel folgenden Gang:
I.Man. Unterlade 7,5mm
I.M. Oberlade 6,7mm
II.M. Unterlade 7,0mm
II.M. Oberlade 6,5mm
Pedallade 11,0mm
Hinzu kommen noch die 2mm Leerreise (Abstand Kegeldrehmutter zu Wellenärmchen)
Damit ist die Wellenärmchenreise 2mm+ die oben angegebenen Werte.
Es ist darauf zu achten, dass bei angezogener Welle (Taste ist gedrückt) die Anschlagmuttern der Kegel auf dem Bodenholz anliegen. Gegebenenfalls nachregulieren, weil sonst Blasgeräusche hier entstehen und die Kegel nicht ganz aufmachen.

2. Bei zweimanualigen Orgel mit Oberladen:
Sind Oberladen vorhanden, so werden diese sofort nach den Unterladen reguliert, ehe man an die Klaviaturen geht.
Oberlade und Unterlade werden miteinander verbunden, ohne dass hier eine Leerreise entsteht.
Als Leerreise darf nur der bereits im oberen Absatz erwähnte Abstand von 2mm zwischen Wellenarm und Kegeldrehmutter sein. Jedoch muss die Leerreise bei den Oberladen im I.Manual um 0,8mm und im II.Man um 0,5mm größer sein als bei der Unterlade.
Beim Einhängen der Mechanik muss insbesondere darauf gesehen werden, dass beim Eindrücken des Stiftchens oder Einhängen der Abstraktennasen, sich die Abstrakte mindestens 1mm seitlich bewegen kann. Vor dem Einhängen danach sehen, dass die Winkel leicht fallen.
Auf die Stiftchen ist es zweckmäßig eine Papierscheibe aufkleben, damit der Stift nicht herausfallen kann.

3. Sind die Laden reguliert, so stellt man nunmehr den Gang der Manualtasten fest. (ich würde davor noch sagen, es ist festzustellen, dass alle Wellen von Wellenbrettern und Abgangswinkel auf halbe Reise überprüft werden, also in exakter Mitte zwischen nicht gedrückt und gedrückten Zustand auf 90 Grad zur Welle oder Winkelarm zu stehen kommt, da extreme Verstellungen wieder die Tastenregulierung durcheinander bringen Anm.gwm)
Und zwar reguliert man die tiefste und die höchste Taste des I.Manuals derart, dass das I.Manual einschließlich Leergang 11,5mm macht.
Diese Regulierung darf jedoch nicht an der Taste selbst, sondern muss in der Orgel am Wellenbrett oder Raster vorgenommen werden.
Die Tasten müssen in der Lage sein, im gedrückten Zustand die Wellen so zu bewegen, dass die Anschlagmuttern unter den Kegeln am Bodenholz anliegen – also im Tastengang von 11,5mm sind die vorher besprochenen 2mm Leerreise an der Welle enthalten.
Nach dieser Regulierung an Wellenbrett bzw. Abgangswinkel in der Orgel wird die Regulierung an den Tasten des I.Manuals vorgenommen. Und dies natürlich in der Form, dass die Tasten möglichst gleichmäßig zu liegen kommen und möglichst gleiche Reise haben.
Die gleiche Regulierung nimmt man vor am II.Manual wobei hier die Tasten eine Reise von 10mm haben sollen. Ein mögliches III.Manual soll mit 9mm Reise nach Oscar Walcker betrieben werden.
Beim Pedal macht der Kegel 11mm Reise, die Taste macht 17mm Gang, also ist hier eine Leerreise von 6mm. Davon sind 3mm Leereise bei den Wellen und 3mm an den Stechern unter der Pedaltaste.

4. Regulierung der Koppeln
Hierauf erfolgt die Regulierung der Koppel II/I. Diese Koppel wird nun gezogen und die Wippe derart reguliert, dass zwischen Wippe und Mutter ca 0,5mm Leerreise sich ergibt, d.h. die Wippe darf am Mütterchen nicht straff anliegen, das sich sonst beim Ziehen der Koppel die Tasten mitbewegen würden.
Die Pedalkoppeln werden ebenso reguliert, nur dass hier zwischen Wippe und Mütterchen 2mm Leereise sein soll.
Nach meiner Erfahrung ist es immer sinnvoll beim Regulieren der Koppeln den Organisten mit einzubeziehen, weil jeder einen anderen Geschmack hat, wie die Abfolge der Ertönung sein soll. Manche wünschen akkurat zur gleichen Zeit die Manuale mit dem Pedal zu hören, während es oft sinnvoller ist, das I.Man etwas nach dem Pedal hören zu lassen und eine Idee später noch das II.Manual. (womit wir wieder bei der Dynamisierung des Spielbetriebes wären).
gwm

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Der letzte röhrenpneumatische Titan – Hannover, Stadthalle

Freitag, Dezember 18th, 2009

Als der letzte röhrenpneumatische Titan am 27.Dez 1914 in der Stadthalle zu Hannover vor 4000 Zuhörern eingeweiht wurde, stand bereits der I.Weltkrieg in hellem Feuer.
Die von Furtwängler und Hammer erbaute Orgel mit IV/124 Register war anders als bei Walcker und Sauer, noch ein rein röhrenpneumatisches Werk, so dass uns deswegen diese Orgel, die durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, als etwas ganz besonderes erscheinen muß. Zudem ist dieses Werk in Taschenladenbauweise exakt wie es Walcker und Sauer bauten, hergestellt.
Ganz besonders interessiert uns natürlich, wie es in der Orgel ausgesehen hat und was wir hier für einen Spieltisch antreffen. Immerhin wurden 4 Freie Kombinationen, die dann natürlich pneumatisch funktionierten, betrieben. Es muss ein heiliger Schauder den Orgelbauern den Rücken heruntergelaufen sein, wenn hier Reparaturen erforderlich waren. Denn aus verschiedenen Zeichnungen der Firma Walcker kann man sehr schön erkennen, welche Komplexität und Fehlermöglichkeiten bei einer solchen Konstruktion möglich waren.
Eine ganz besondere Freude war es, festzustellen, dass auch dieses Heft aus der Bibliothek eines ganz berühmten Organisten und Komponisten stammt, das sich nun in meiner Bibliothek befindet: von Gerard Bunk.
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Das Deckblatt der Schrift zeigt die Stadthalle in Hannover mit ihrer patheonähnlichen Kuppel:

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Hier die Disposition der Orgel

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Orgelansicht:
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Grundriss der Orgel

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Schnitt durch die komplette Halle:

halle_komplett.jpg

Schnitt durch die Orgel

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und hier diese hochinteressanten Ansichten in der Orgel, die wir leider nie mehr real zu Gesicht bekommen können, und die wohl die größte pneumatischen Relais zeigen, die je gebaut wurden:

innenansicht01.jpg innenansicht_relais02.jpg

Hier nun der Spieltisch in drei verschiedenen Ansichten, Zeichnungen:

spieltisch_foto.jpg spieltisch_schnitt.jpg spieltisch_z.jpg

Last not least, die Personen, die hier zum Bau beitrugen und das Windladensystem

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gwm

ergänzender Link zur ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU, die 1915 zu dieser Orgel geschrieben hat DANK an HOLGER FETT

Die Walcker-Orgel Opus 306 in der Wiener Votivkirche

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

„Die Orgel der Wiener Votivkirche ist eine der bedeutendsten Denkmalorgeln der Welt!“, so Prof. Dr. Karl Schütz in einem Bericht aus dem Jahre 1988, als die Restaurierungsarbeiten an dieser Orgel ausgeschrieben wurden.
Es handelte sich 1878, als diese Orgel gebaut wurde, um eine erste Bewährungsprobe der Söhne Eberhard Friedrich Walckers.
Gleichbedeutend mit die Walcker-Orgel in Riga, handelt es sich bei beiden Instrumenten um mechanische Kegelladen-Orgeln, die im I.Manual mit Barkerhebeln betrieben werden.
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Alexander Wilhelm Gottschalg
Es ist interessant diese Orgel anhand der original Pläne studieren zu können, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden und es ist schon etwas Großartiges aus der Feder eines bedeutenden Musikers der damaligen Zeit, dessen Eindrücke über diese Orgel und der Orgelbauanstalt Walcker zu erfahren, der dieses Instrument in der Werkstatt in Ludwigsburg besucht hatte. Es handelt sich hier um Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) thüringischer Kantor, Organist und Komponist, der nicht nur Schüler bei Franz Liszt war, sondern diesem auch beim Komponieren half. Liszt hatte über Gottschalg geäußert: „Wenn ich selbst einmal zur Legende geworden bin, wird Gottschalg mit mir fortleben“.
Jener Gottschalg berichtet nun über Ludwigsburg als dem „Mekka Deutscher Orgelbaukunst“ dem er schon lange einen Besuch abstatten wollte und nun am Bahnhof von Carl Walcker abgeholt wird. Gottschalg berichtet über die Aufstellung der Orgel, über Klänge bereits eingebauter Register und über die Spielart mit den „pneumatischen Maschine“ sprich „Barkerhebel“. Noch nie hat er diese Zukunftswindladen in solch vortrefflicher Vollkommenheit gesehen, als hier bei Walcker. Er geht auf Details ebenso ein, wie die „alten Messingfedern“, die ja nun bei den Kegelventilen nicht mehr notwendig sind, oder er beschreibt die von Walcker erfundenen Stimmrollen – schieber- und Nägel. Wichtig natürlich für uns heute sind seine Beschreibungen der Klänge, die uns direkt zu den Vorstellungen der romantischen Komponisten führen. Er freut sich, dass bei seinem ersten Ausprobieren alle fünf Brüder sich langsam einfinden: Heinrich, Friedrich, Karl, Paul und Eberhard. Und damit haben wir eine wohl eine nicht nur für Walcker- und Nachfahren historisch bedeutende Stunde des Deutschen Orgelbaus erwischt, sondern wohl eine Darstellung über den Deutschen Romantischen Orgelbau, wie es das nicht oft gegeben hat.
Dieser Bericht jedenfalls hat mich soweit motiviert, diese ganzen Unterlagen mit Disposition und Beschreibungen abzufassen. Was nicht wenig Arbeit war. Erhöhte Motivation auch, weil es eben mit dem Umstand verbunden war, dass diese Orgel heute noch vollständig existiert.

1901
Die Tatsache, dass man die Pistonbälge (Kastenbälge) im Jahre 1901 gegen Magazinbälge und Tretgebläse ersetzte, ist allerdings heute als bedauerlich zu verzeichnen, weil diese Pistonbälge mit Schrittmotoren recht gut zu betreiben wären. Im Gutachten von Prof. Dr. Schütz steht, es handle sich um 9 Pistonbälge, die von 3 Männern betreiben worden wären, was offensichtlich falsch ist. Auf unserer Zeichnung sind es 6 Bälge, die tatsächlich von 3 Mann gut betrieben werden könnten.

1914
Wurde die Mechanik zum Betrieb des Gebläsemechanismus wegen Lärm und Abnutzung entfernt und ein Meidinger-Gebläse wurde eingebaut.

1917
Kriegsbedingte Entfernung der Prospektpfeifen

1944/45
Bombenangriff und Schäden an der Orgel

1995/96 Restaurierung der Orgel durch Klais, Bonn

Links zu weiteren Dokumenten:
Disposition der Orgel nach Opusbuch Walcker
Bericht von Alexander Wilhelm Gottschalg aus dem Jahre 1878
Spieltisch der Orgel
Die Walcker-Orgel in der Wiener Votivkirche

Bericht von Herrn Pierre-F.Baron über diese Orgel aus 2006

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Dokument Prof. Dr. Schütz
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Bilder der Zeichnungen

schematischer Grundriss zur Orientierung
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Grundriss mit Pistonbälgen (die jetzt nicht mehr vorhanden sind)
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Schnitt durch HW und Pedal
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Schnitt durch II.Manual und Piano Pedal
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gwm

Wind in pneumatischer Kegelladenorgel

Montag, Juli 13th, 2009

Die Vorstellungen vom Orgelwind sind teilweise so obskur, wie die Vorstellungen der Griechen, bei anbrechender Morgenröte reite die Göttin Eos auf einem purpurnen, güldenen Wagen über das Himmelszelt, weswegen es rotgolden vom Horizont an übers Meer zu blitzen beginnt.
Auch Sachverständigen- und Orgelbauer-internetseiten, oder gar Fraunhoferinstitute glänzen mit seltsamen Projektionen auf, in denen der „Wind“, eigentlich ein vollkommen falscher Begriff für das physikalische Phänomen, mit dem wir im Orgelbau arbeiten, „blasend um die Ecke marschiert und dann dorthin und dahin seinen Weg geht“.
Der Herbstwind, der schön und bildreich gesättigt Blätter vor sich hertreibt, ist und bleibt die falsche Analogie. Es wäre besser man stellt sich zehn oder zwanzig Billardkugeln vor, die an einer Linie aneinanderliegen: bewegt man die erste Kugel, so wird sich synchron im selben Moment die letzte Kugel bewegen. Hat man 100 solcher Kugeln, so ist das exakt der gleiche Vorgang, aber man hat mehr Reibung, muss also mehr Kraft aufwenden.
Genau in dieser Form bewegt sich Wind in der Orgel im geschlossenen System einer pneumatischen Kegellade (siehe die nachfolgende Grafik).

kegel_pneum.jpg
Nochmals gesagt, ich habe darüber bereits ein Blog mit Video gemacht, die Orgel ist windtechnisch gesehen ein geschlossenes System, in dem idealerweise Ausgleich herrscht, das heißt: es herrscht überall der gleiche Druck. Erst durch das Öffnen eines noch so kleinen Verbrauchers, wie der einer Windwaage, entstehen Druckunterschiede. Und da wir den idealen Zustand nie erreichen, also irgendwo immer eine winzige Undichtigkeit ist, gibt es ein kleines Ungleichgewicht.
Diese heisenbergsche Unschärferelation, was natürlich ironisch gemeint ist, verführt dazu, von Wind zu reden, als sei hier ein brausendes Wesen, das irgendetwas Organisches wie der Atem sei. Dies wird sehr oft von Leuten gesagt, die sofort laut aufschreien, wenn man ein Wörtchen gegen die Wissenschaften redet, was sie jetzt, nachdem sie dem Kirchenglauben nicht mehr so richtig trauen, als einzig festen Halt im Leben erkannt haben.
Es soll hier keinesfalls etwas gegen die Ästhetik geredet werden, die dahinterstehen mag, wie bei den Griechen, wo natürlich die Vorstellung von goldenen Wagenlenkern viel erhabener ist, als eine trockene physikalische Erklärung eines langweiligen Mathematiklehrers, sondern es geht darum, dass der Orgelbauer beim falschen Bilde stehen bleiben kann und dann mit unbeholfenen Methoden am „Wind“ herumdoktert.
Da wäre es einfacher bei Störungen in der Pneumatik gleich den Weihwasserkessel zu holen und die fehlfunktionierenden Teile zu besprengen, anstatt mit der besseren Abstraktion zu arbeiten.
Denn wer in ein 3m langes Bleirohr „brausenden oder atmenden Wind“ einführt, und sich dann wundert, dass der nicht beim am Ende aufgeleimten Keilbälgchen ankommt, der hat kaum eine Möglichkeit, den Fehler durch Nachdenken zu ermitteln.
Wir haben also bei einem solchen Rohr Druckverhältnisse, die sich durch minimalste Undichtigkeiten radikal ändern.
Vergleiche mit den Billardkugeln, die dann Zwischenglieder haben mit extremer Reibung, so dass die letzte Kugel nur unter größter Kraftaufwendung bewegt werden kann – aber bis zu der Kugel, die mechanisch einfach nachprüfbar, die aussergewöhnlich hohe Reibung erzeugt – erhellen meiner Meinung nach die Problematik und zeigen besser Lösungswege auf, als wenn wir bei schönen Bildern stehen bleiben, die unseren Verstand aber in die Irre führen.
Man wird auch schnell verstehen, wenn man bei diesem Bild der Billardkugeln bleibt, dass eine Rohrleitung die 10m lang ist, nicht mehr gewährleisten kann, dass das Bälgchen aufgeht, wenn man die Analogie zu einer 10m langen Billardkugelreihe setzt – und dagegen sagen kann, aber mit 3m geht es.
Und nun meine ich, sollte doch klar geworden sein, dass das Windsystem der Orgel viel mehr Neues zu bieten hat, als trockene Wissenschaftler das uns verkaufen wollen.
Vor allem durch den Wind hat sich die Orgel ihre Lebendigkeit bewahrt, und das wollen wir in keinem Falle dogmatisch oder rational abgehandelt wissen wollen.

gwm (nach der Intonation vom Diapason)

Keilbaelgchen für Reparaturzwecke neu beledern

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Gleich zu Beginn möchte ich darauf hinweisen, dass man diese hier vorgestellte Methode tatsächlich nur für Reparaturzwecke anwenden sollte, weil Keilbälgchen in der Regel drei Monate gepresst werden müssen. In diesem Zeitraum, sollten die Bälgchen, wie gut gelagerte Whiskyflaschen, regelmässig in der Presse geöffnet und gängig betrachtet werden. Der Druck der Pressen ist anfangs gering und wird dann regelmäsig erhöht.
Hier bei unserer Reparatur haben wir einige Gänge aufgrund der kurzfristigen Verfügbarkeit abgekürzt.
Zunächst ein Bild, das die Ausgangslage zeigt. Ein Bälgchen mit Ober-und Unterteil wird vom alten Leder befreit, zuvor wurde eine Lederzuschnitt-Schablone erstellt, was einfach geht, wenn man die Abwicklung des Bälgchens auf das Papier überträgt.

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Die beiden Hölzer werden frontseitig auf den Lederzuschnitt mit warmen Hautleim aufgeleimt

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Dann werden die beiden Seiten angeleimt: Leim wird immer nur aufs Holz aufgetragen!

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und nun die beiden anderen Seiten

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so sieht dann das Bälgchen kurz vor dichtigen Abschluss am Scharnierende aus

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das Scharnier ist ein kleiner etwa 1,5qmm großer Holzspan, der unbedingt notwendig ist

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Jetzt werden noch die beiden Falten geformt:

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und nun wird ein ganz bedeutendes Geheimnis der gegenwärtigen Orgelbaukunde geoffenbart. Denn, die Frage geht um, wie man denn diese Bälgchen mit frischem Leder so gangbar bekommt, dass sie unverzüglich zu marschieren beginnen, wenn man sie in den pneumatischen Kreislauf einleimt? Wir haben dieses Geheimnis gelöst, und zeigen das zuständige Foto:

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hier also im lichtdurchfluteten Vorderteil unseres Fahrzeugs können wir nach zwei Tagen Sonnenbeleuchtung diese Bälgchen, die zwischendurch mit der Presse gezwingt werden, entnehmen und problemlos einbauen. Andere Methoden, uns wurden von Mikrowelle bis Backofen alle Möglichkeiten genannten, die man schnell wieder verwerfen sollte, haben sich nicht bewährt.

gwm (wieder im Croft-Inn, wo nur wenige Gäste bei herrlichsten Sonnenschein, meist draußen ihre Trinkpausen feiern)

Anmerkungen zur Taschenlade (video05)

Freitag, April 4th, 2008

In diesem unserem Video wollen wir zeigen, wie man die neuen Taschen einleimt.
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Es gibt ein paar einfache Kniffe, die man wissen sollte. Wichtig ist auch, dass man bei dem Einleimen der Taschen besser warmen Hautleim verwendet anstelle Knochenleim. Das zeigen wir am Beispiel. Der Ausbau der alten Taschen und das Entfernen der Leimreste ist sehr gewissenhaft zu machen, weil sonst die Standfläche des neuen Bälgchens schlechte Voraussetzungen bekommt.
Der Leim sollte eine kleine Idee dickflüssiger (die Konsistenz von Honig) sein als bei normalem Gebrauch. Auch das wird bei dem Video erklärt.

Anmerkungen zur Taschenlade 05 – das Einleimen der Taschen

Taschenlade als Video

Samstag, November 24th, 2007

Ein sehr kurzes Video über die Taschenlade, aber immerhin das erste Video das eine lebendige Tasche zeigt, wie sie in der Windlade den Schnabel auf und zu sperrt.
Hier finden Sie unseren Hauptartikel über die Taschenlade und das bereits Gesagte: Die Walcker Taschenlade Dynamischer Orgelbau in dynamischer Zeit.Mit dem Begriff „Taschenlade“ war so ziemlich alles an „handwerklicher Verluderung“ markiert, das die nach dem II.Weltkrieg aufgekommene Nachgeburt der Orgelbewegung an „Verfall“ und „Untergang“ in der „heruntergekommenen“ Orgelbaukunst der „Verfallszeit“ festmachen konnte. So war es also auch kein Wunder, dass Deutschland weitgehend von diesem Windladensystem „befreit“ da steht.
Und hier der heute gefertigte Kurzfilm:
Die Taschenlade

Kegellade als Video

Mittwoch, November 14th, 2007

Anmerkungen zu Kegellade nun als Video. Unsere vielfachen Anmerkungen zur Kegellade haben wir uns nun entschlossen um ein Video (3min, 16MB) zu erweitern, da diese Form der Darstellung einige schöne plastische Möglichkeiten in sich birgt. Auch bei YOUTUBE einsehbar
Es handelt sich, wie in dem Video bemerkt, um die Kegellade des Schwellwerks im Bukarester Atheneum, die von den 8 Registern vier dem Pedal als Transmission zur Verfügung stellt. Das wird mit Bälgchen auf den Membran-Bälgchenleisten realisiert, indem Eisenwellen die Bälgchen niederhalten, wenn das Register aus ist, oder umgekehrt es freigeben, wenn Register eingeschaltet wird. Alles dies kann man auf dem Video gut erkennen. Auch die auf diese Leisten eingebauten Relais und die schaltenden Hebelmagnete. Das ist eine Besonderheit hier in Bukarest, die erwähnt werden muss.
Die Kegel sind mit dünnen Scherchen bestückt, die außerdem noch befilzt sind, Tribut an das geräuschhafte Arbeiten der Kegelladen. Was nicht unbedingt bei allen Walcker-Kegelladen zu finden ist.

Anmerkungen zur Taschenlade: Ausstrom Relais – Defekte erkennen

Freitag, November 9th, 2007

Die SchwarzFärbungen im Leders sind bei Ausstromsystemen ganz wichtige Zeichen, wo Ursachen von Fehlschaltungen in den Relais vorkommen können. Hier nämlich entweicht Wind.
Bei den Relais, die bei Ausstromsystemen immer zwei Funktionen ausführen müssen, das Zu- und das Abschalten von Windflüssen, kann man so am Dichtungsleder erkennen, ob das Relais richtig arbeitete und ob Störungen vorlagen.
Wir geben hier ein paar Beispiele:

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an dieser Draufsicht eines Relais erkennt man, dass Undichtigkeiten beim Abschalten des Windes, der die Taschen geschlossen hält, vorlag. Hier ist die schwarze Lederscheibe in jedem Fall zu erneuern.

und hier in der folgenden Fotografie erkennt man nicht nur links unten ein völlig undichtes Relais-Ventil sondern auch eine ganze undichte Lederbahn – also komplett neu mit gleichmässig dickem Leder bestücken – ist hier die Devise. (die Fotos können mit Rechtsclick und -Grafik an zeigen- in ganzer Größe angesehen bzw. ausgedruckt werden.)

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Dass nun hier, wie in der folgenden Fotogafie gezeigt, die Relais völlig undicht sind und so nur teilweise Taschen mit Wind füllen bzw. entleeren, dies dürfte nach den vorangegangenen Erläuterungen sich von selbst erklären.

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Nach über fünfzig Jahren und mehrfachen Ab-und Aufschrauben ist das Dichtungsleder nicht mehr in der Lage seine Funktion der Dichtung völlig zufriedenstellend auszuführen. Schraubt man einen solche Relaiskasten nach Jahrzehnten ab, so sollte man in jedem Falle neues Leder bereit halten und dies in exakt den gleichen Breiten dann zuschneiden und mit Warmleim neu aufkleben. Die gleichmässige Dicke des Leders, das sich um 1,2 bis 1,5mm herum bewegen sollte, ist bei gutem Holz und Schrauben wichtig. Aber es ist auch ein Erfahrungswert, den man sich durch die Praxis erarbeiten sollte. Je dicker das Leder ist (über 2mm) desto unwahrscheinlicher ist es, dass man längere Streifen gleichmässig in der Dicke hinbekommt.

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(H.Klein)
(gwm)

Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
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Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
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Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

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Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

weitere Anmerkungen zur Kegellade

Samstag, Oktober 6th, 2007

Also zum Beitrag „Anmerkungen zur Taschenlade hat mir ein begeisterter Orgelbauer geschrieben, dass er diese Erfahrungen „voll und ganz“ bestätigen kann. „Was aber die Auswirkungen bei elektropneumatischen Kegelladen sei, bei Hitzeeinwirkungen, wäre auch wichtig, einmal zur Sprache zu bringen. Das haben wir gleich in die Tat umgesetzt, mit einprägsamen grafischen Zeichnungsbildchen. Denn bei Kegelladen machen sich, mit Ausnahme der bekannten Holzrisse an den großen Bohrungen, im pneumatischen Steuerungsbereich, keine derartig heftigen Störungen bemerkbar. Der Zustromwind wird hier nur schwächer, das heißt, die Membranen oder Bälgchen bekommen weniger Wind und drücken den Kegel im ungünstigsten Fall nicht auf.
Oft ist es dann hilfreich die Schrauben in den kritischen Bereichen anzuziehen und das Problem zu beheben, bevor man die Auswechseln von Membranen beginnt. Das haben wir hier in der nachfolgenden Zeichnung markiert.
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In der hier folgenden Zeichnung haben wir die Relais der Kegellade Bukarest exakt aufgezeichnet, da hier an Reparaturmaßnahmen abgelesen werden konnte, wo überall die Schwachstellen waren, was hier bezeichnend ist.

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(gwm)

Anmerkungen zur Taschenlade

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Was man kaum zu glauben wagt, ist aber tatsächlich hier in Bukarest bei einer sehr berühmten Walcker-Orgel passiert , nämlich bei dem Instrument der Deutschen Kirche.
Es war der Umstand, dass das Instrument in den 1964ern neobarockisiert wurde, eigentlich nicht der Rede wert, ein Scharff 1′ musste unbedingt rein und anderer Quatsch, leider unschön gemacht, aber dann in Folge dieser Arbeit wurde von dem Orgelbauer festgestellt, dass die Taschenladen völlig hinüber sind. Warum? – weil er einzelne Taschen ausgewechselt hatte, ohne, dass sich der Mangel besserte – und der Mangel waren vielfache Heuler.
Die Ursache dieser Störungen waren aber nicht die Taschen sondern die Zuleitungen, sprich: der Trakturwind war nicht dicht. Ein Mangel, der bei Taschenladen immer bei starker Heizung und nun den neuerdings durch Klimaveränderung hervorgetretene heiße Sommer vermehrt auftritt. Die unter 25% gefallene Luftfeuchte holt sich alles was sie an Feuchtigkeit bekommen kann, auch aus dem Orgelholz und dem Dichtungsleder, was dort Schwund verursacht.
Die bei Abstromsystemen notwendige Dichtigkeit aller windführenden Traktur-Teile wird nicht mehr gewährleistet. Das System kann bei starker Trocknung und einigen offenen Taschen völlig zusammenbrechen. Die Störungen sind meist zuerst an den Abstromrelais direkt an der Windlade und dessen kleinen Windkanälen zu den Taschen zu beobachten. Oft hilft ein Anziehen der Schrauben dieser Relais sofort, so dass sie wieder dicht anliegen.
Repariert man ein solchermaßen lädiertes System an der falschen Stelle, also an der Tasche, wird kein Erfolg bei der Störungsbeseitigung zu erwarten sein. Wir konnten diesen Sommer sehr gut an verschiedenen Instrumenten beobachten, wie sich Taschenladenorgeln bei großer Hitze und Lufttrockenheit verhalten. An der Bukarester Walcker-Orgel, wo hilfloses Auswechseln falscher Teile stattfand, hat sich am Schluss ergeben, dass die gesamten Manual-Taschenladen gegen neue Laukhuff-Kegelladen um 1970 ausgewechselt wurden! – eine makabere Fehlentscheidung. Denn neben den enormen Kosten, welche diese Windladen und ihr Einbau verursacht haben, haben Taschenladen ihre herausragenden Vorteile in der präzisen Ansprache und geräuschlosen Arbeitsweise.
Die identischen Fehl-Reparaturen haben wir auch an den Taschenladen im Athenäum in Bukarest entdeckt, wo an Taschen herumgewurschtelt wurde, und doch „schwarze Ausblasstellen“ an den Relais sichtbar waren – Hinweise von der Orgel: „hier musst du arbeiten!“
Alles dies waren Gründe, warum man „Pneumatik“ und „Taschenlade“ verteufelte – also die Unfähigkeit verschiedener Orgelbauer jene Systeme richtig zu pflegen bzw. was die Pneumatik an geht, richtig zu bauen. (gwm)

In der nachfolgenden Skizze habe ich den „kritischen Bereich“ der Taschenlade orange/weiß markiert. Bei größeren Laden ist der Weg von Relais zu Tasche entsprechend länger, dabbei werden die Verbindungen mit Blei- oder Metallrohren gemacht, die mit der Zeit undicht werden können. (besseres Bild am 4.Okt.07 integriert)
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