Archive for the ‘Windanlage’ Category

Kingussie04 Orgelbefeuchtungsgerät von Watkins & Watson Limited

Sonntag, Oktober 23rd, 2016

Selten bin ich so gründlich belehrt worden, wie in dieser Sache.

Wir waren nämlich der Meinung, dass eine direkte Luftbefeuchtung über die Windanlage Schimmel auslöst und nur unter schwierigen Umständen zu exakt voraussagbaren Ergebnissen führt.
Hier in Kingussie haben sie seit Jahren diese direkte Einspeisung von feuchtem Wind in die Windanlage. Mein erster Schritt war, dieses Gerät auszuschalten, bevor wir an die gründliche Untersuchung der Orgel gingen. Gleichzeitig ging einher, dass wir hier während unserer Arbeiten, die Heizung anstellten, die uns tagsüber mit etwa 16-18 Grad Celsius Wärme versorgten.

Als Ergebnis dieser Umstellung mussten wir feststellen, dass mehr und mehr der Winddruck in der Windversorgungsleitung zum Spieltisch sank. Und zwar um rund 40 mm WS. Am Anfang hatten wir 145mmWS gemessen, nun also nach drei Wochen sank der Winddruck auf 105mmWS.
Dieser kritische Windkanal wurde an allen Ecken und Kanten untersucht, abgedichtet wo es nur ging, und so konnten wir wieder auf rund 140mmWS blicken. Aber erst nach den Einschalten des „humidifiers“ konnten wieder Werte gemessen werden, wie ich das von Anfang an erwartet hatte: nach drei Tagen endlich waren wir auf 160mmWS, was ursprünglich so gewesen sein musste.

Das Einspeisen dieser feuchten Luft wird durch ein „Organ Humidifier Type D12a“ von Watkins & Warson Limited besorgt. Diese Geräte sind extrem teuer, aber bei pneumatischen Orgeln hier in GB Standard. Es werden sage und schreibe 10 Liter Wasser am Tag in die Windanlage hinein geblasen, mit dem Ergebnis, dass alle Lederdichtungen und kleine Mängel im Holz geschlossen werden. Wir haben das Gerät so eingestellt, dass es rund 12 Stunden am Tag läuft. Nach etwa 10 Jahren wird ein neues Gerät benötigt, wenn man den Unsinn macht, wie hier, dass man das Gerät 24 Stunden lang laufen lässt.
Auf dem nachfolgenden Bild sehen wir den Humidifier mit angeschlossener Wasserleitung und Windanschluß an den Windkanal zur Orgel. Die Wasserleitung wurde mit einer Wärmeleitung versehen. Der zusätzliche Winddruck durch dieses Gerät beträgt rund 5,5 mm WS.

kingussie_humidifier

Schimmel wurde nur an ganz wenigen Stellen in Windlade und Balg gefunden, in durchaus geringem Aufwand.

Meiner Meinung nach ist eine externe Zeitschaltuhr ein excellenter Weg dieses Gerät zu steuern. Durch den zusätzlichen Einbau eines Luftfeuchtesteuerelements, das auch manuell dazu gefahren werden kann, hat man eine Menge Möglichkeiten, dieses Gerät optimal zur Wirkung zu bringen.
Für pneumatische Orgeln, die bei Trockenheit ihre Störungen an Lederbälgchen und Holzschwankungen zu Äußerungen veranlassen, das Beste das es derzeit gibt.

gewalcker@t-online.de

und hier noch ein Bild, das uns während der Arbeit draußen im courtyard widerfuhr, when sun came:
sun_comes

Die Windanlage in Rom

Montag, August 16th, 2010

In jedem Falle eine Besonderheit, die bemerkenswert ist.
Zunächst einmal war es nicht einfach, die Logik, die hinter der ganzen Anlage steckte auf Anhieb zu erkennen. Das lag daran, dass ein dritter Motor, wahrscheinlich am Schluss der Montagearbeiten von Tamburini dazu montiert wurde, der die Registerhubapparate mit rund 175mm Winddruck versorgte. Das hat man anfangs über direkten Motorwind aus einem der beiden Motoren abgezweigt. Dann hat man in dem dritten Motor in die Ansaugung diesen Motorwind gesteckt
Hier ein erstes Bild dieser seltsamen Windschaltung:
motor03.jpg
Dann war man doch recht erstaunt nahe der Raumdecke vier Bälge zu finden, die über zwei Rollventile mit Motorwind betrieben wurden. Einer der Bälge gar war mit einer drei Meter langen Schnur zum Rollventil verbunden und regulierte damit ganz akurat die 118mmWS, die zu den Windladenbälgen weitergeleitet wurden.
Hierzu zwei Bilder:
baelge01.jpg baelge02.jpg
Die unheimlich verschachtelte Kanal- und Balgverbindungen haben dann langsam eröffnet welche Kanäle zu welchen Bälgen gehören und wo Ein- und Ausgang der jeweiligen Windführung war, so dass wir einen Grundriss dieser komplexen Geschichte hier zeigen können.
Anzumerken ist, dass links von oben die Kanäle von den Motoren aus dem Dach heruntergeleitet werden. Die großen Motoren sind also nicht sichtbar sondern nur an ihren Kanälen erkennbar.
plan_balganlage.jpg

Was nun sicher viele Orgelfreunde erstaunen wird, ist, dass wir es hier mit unheimlich niederen Winddrücken für das Pfeifenwerk zu tun haben:
I.Manual Positiv = 41,5mm WS
II.Manual Hauptwerk = 46mm WS
III.Manual Schwellwerk = 44,5mm WS
IV.Manual Fernwerk = 59mm WS
Pedal = 65,5mmWS beim Subbaß und Transmissionen
Pedal rechts, Fortsetzung der Transmissionen= 58,7mmWS

Es gibt bei den Zungen höhere Drücke:
II.Manual Trompete, liegend 114mmWS
IV.Manual Tromba 111mmWS

Bombarde und Eoline = 56mmWS

Musette = 41,5mmWS

Man muss sagen, dass durch die sehr groß dimensionierten Einfaltenbälge ein sehr stabiles Windsystem und auch eine sehr ruhige Windführung gewährleistet ist. Bei Schwimmer-Regulatoren wären solche drastischen Einführungen in den Balg (Eingang 118mm WS, Ausgang 42mmWS) mit großen Problemen verbunden. Wir kennen das bei Schwimmer schnell das Flattern anfängt und erhebliche Geräusche an den Ventilen, was wir hier nicht vorfinden.

gwm (bei noch schönem Sommerwetter und gedeihlichen Temperaturen am Abend)

Der letzte röhrenpneumatische Titan – Hannover, Stadthalle

Freitag, Dezember 18th, 2009

Als der letzte röhrenpneumatische Titan am 27.Dez 1914 in der Stadthalle zu Hannover vor 4000 Zuhörern eingeweiht wurde, stand bereits der I.Weltkrieg in hellem Feuer.
Die von Furtwängler und Hammer erbaute Orgel mit IV/124 Register war anders als bei Walcker und Sauer, noch ein rein röhrenpneumatisches Werk, so dass uns deswegen diese Orgel, die durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, als etwas ganz besonderes erscheinen muß. Zudem ist dieses Werk in Taschenladenbauweise exakt wie es Walcker und Sauer bauten, hergestellt.
Ganz besonders interessiert uns natürlich, wie es in der Orgel ausgesehen hat und was wir hier für einen Spieltisch antreffen. Immerhin wurden 4 Freie Kombinationen, die dann natürlich pneumatisch funktionierten, betrieben. Es muss ein heiliger Schauder den Orgelbauern den Rücken heruntergelaufen sein, wenn hier Reparaturen erforderlich waren. Denn aus verschiedenen Zeichnungen der Firma Walcker kann man sehr schön erkennen, welche Komplexität und Fehlermöglichkeiten bei einer solchen Konstruktion möglich waren.
Eine ganz besondere Freude war es, festzustellen, dass auch dieses Heft aus der Bibliothek eines ganz berühmten Organisten und Komponisten stammt, das sich nun in meiner Bibliothek befindet: von Gerard Bunk.
titelblatt.jpg

Das Deckblatt der Schrift zeigt die Stadthalle in Hannover mit ihrer patheonähnlichen Kuppel:

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Hier die Disposition der Orgel

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Orgelansicht:
orgelansicht.jpg

Grundriss der Orgel

orgel_grundriss.jpg

Schnitt durch die komplette Halle:

halle_komplett.jpg

Schnitt durch die Orgel

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und hier diese hochinteressanten Ansichten in der Orgel, die wir leider nie mehr real zu Gesicht bekommen können, und die wohl die größte pneumatischen Relais zeigen, die je gebaut wurden:

innenansicht01.jpg innenansicht_relais02.jpg

Hier nun der Spieltisch in drei verschiedenen Ansichten, Zeichnungen:

spieltisch_foto.jpg spieltisch_schnitt.jpg spieltisch_z.jpg

Last not least, die Personen, die hier zum Bau beitrugen und das Windladensystem

personen.jpg wila_system.jpg

gwm

ergänzender Link zur ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU, die 1915 zu dieser Orgel geschrieben hat DANK an HOLGER FETT

Die Walcker-Orgel Opus 306 in der Wiener Votivkirche

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

„Die Orgel der Wiener Votivkirche ist eine der bedeutendsten Denkmalorgeln der Welt!“, so Prof. Dr. Karl Schütz in einem Bericht aus dem Jahre 1988, als die Restaurierungsarbeiten an dieser Orgel ausgeschrieben wurden.
Es handelte sich 1878, als diese Orgel gebaut wurde, um eine erste Bewährungsprobe der Söhne Eberhard Friedrich Walckers.
Gleichbedeutend mit die Walcker-Orgel in Riga, handelt es sich bei beiden Instrumenten um mechanische Kegelladen-Orgeln, die im I.Manual mit Barkerhebeln betrieben werden.
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Alexander Wilhelm Gottschalg
Es ist interessant diese Orgel anhand der original Pläne studieren zu können, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden und es ist schon etwas Großartiges aus der Feder eines bedeutenden Musikers der damaligen Zeit, dessen Eindrücke über diese Orgel und der Orgelbauanstalt Walcker zu erfahren, der dieses Instrument in der Werkstatt in Ludwigsburg besucht hatte. Es handelt sich hier um Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) thüringischer Kantor, Organist und Komponist, der nicht nur Schüler bei Franz Liszt war, sondern diesem auch beim Komponieren half. Liszt hatte über Gottschalg geäußert: „Wenn ich selbst einmal zur Legende geworden bin, wird Gottschalg mit mir fortleben“.
Jener Gottschalg berichtet nun über Ludwigsburg als dem „Mekka Deutscher Orgelbaukunst“ dem er schon lange einen Besuch abstatten wollte und nun am Bahnhof von Carl Walcker abgeholt wird. Gottschalg berichtet über die Aufstellung der Orgel, über Klänge bereits eingebauter Register und über die Spielart mit den „pneumatischen Maschine“ sprich „Barkerhebel“. Noch nie hat er diese Zukunftswindladen in solch vortrefflicher Vollkommenheit gesehen, als hier bei Walcker. Er geht auf Details ebenso ein, wie die „alten Messingfedern“, die ja nun bei den Kegelventilen nicht mehr notwendig sind, oder er beschreibt die von Walcker erfundenen Stimmrollen – schieber- und Nägel. Wichtig natürlich für uns heute sind seine Beschreibungen der Klänge, die uns direkt zu den Vorstellungen der romantischen Komponisten führen. Er freut sich, dass bei seinem ersten Ausprobieren alle fünf Brüder sich langsam einfinden: Heinrich, Friedrich, Karl, Paul und Eberhard. Und damit haben wir eine wohl eine nicht nur für Walcker- und Nachfahren historisch bedeutende Stunde des Deutschen Orgelbaus erwischt, sondern wohl eine Darstellung über den Deutschen Romantischen Orgelbau, wie es das nicht oft gegeben hat.
Dieser Bericht jedenfalls hat mich soweit motiviert, diese ganzen Unterlagen mit Disposition und Beschreibungen abzufassen. Was nicht wenig Arbeit war. Erhöhte Motivation auch, weil es eben mit dem Umstand verbunden war, dass diese Orgel heute noch vollständig existiert.

1901
Die Tatsache, dass man die Pistonbälge (Kastenbälge) im Jahre 1901 gegen Magazinbälge und Tretgebläse ersetzte, ist allerdings heute als bedauerlich zu verzeichnen, weil diese Pistonbälge mit Schrittmotoren recht gut zu betreiben wären. Im Gutachten von Prof. Dr. Schütz steht, es handle sich um 9 Pistonbälge, die von 3 Männern betreiben worden wären, was offensichtlich falsch ist. Auf unserer Zeichnung sind es 6 Bälge, die tatsächlich von 3 Mann gut betrieben werden könnten.

1914
Wurde die Mechanik zum Betrieb des Gebläsemechanismus wegen Lärm und Abnutzung entfernt und ein Meidinger-Gebläse wurde eingebaut.

1917
Kriegsbedingte Entfernung der Prospektpfeifen

1944/45
Bombenangriff und Schäden an der Orgel

1995/96 Restaurierung der Orgel durch Klais, Bonn

Links zu weiteren Dokumenten:
Disposition der Orgel nach Opusbuch Walcker
Bericht von Alexander Wilhelm Gottschalg aus dem Jahre 1878
Spieltisch der Orgel
Die Walcker-Orgel in der Wiener Votivkirche

Bericht von Herrn Pierre-F.Baron über diese Orgel aus 2006

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Dokument Prof. Dr. Schütz
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Bilder der Zeichnungen

schematischer Grundriss zur Orientierung
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Grundriss mit Pistonbälgen (die jetzt nicht mehr vorhanden sind)
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Schnitt durch HW und Pedal
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Schnitt durch II.Manual und Piano Pedal
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gwm

Wind in pneumatischer Kegelladenorgel

Montag, Juli 13th, 2009

Die Vorstellungen vom Orgelwind sind teilweise so obskur, wie die Vorstellungen der Griechen, bei anbrechender Morgenröte reite die Göttin Eos auf einem purpurnen, güldenen Wagen über das Himmelszelt, weswegen es rotgolden vom Horizont an übers Meer zu blitzen beginnt.
Auch Sachverständigen- und Orgelbauer-internetseiten, oder gar Fraunhoferinstitute glänzen mit seltsamen Projektionen auf, in denen der „Wind“, eigentlich ein vollkommen falscher Begriff für das physikalische Phänomen, mit dem wir im Orgelbau arbeiten, „blasend um die Ecke marschiert und dann dorthin und dahin seinen Weg geht“.
Der Herbstwind, der schön und bildreich gesättigt Blätter vor sich hertreibt, ist und bleibt die falsche Analogie. Es wäre besser man stellt sich zehn oder zwanzig Billardkugeln vor, die an einer Linie aneinanderliegen: bewegt man die erste Kugel, so wird sich synchron im selben Moment die letzte Kugel bewegen. Hat man 100 solcher Kugeln, so ist das exakt der gleiche Vorgang, aber man hat mehr Reibung, muss also mehr Kraft aufwenden.
Genau in dieser Form bewegt sich Wind in der Orgel im geschlossenen System einer pneumatischen Kegellade (siehe die nachfolgende Grafik).

kegel_pneum.jpg
Nochmals gesagt, ich habe darüber bereits ein Blog mit Video gemacht, die Orgel ist windtechnisch gesehen ein geschlossenes System, in dem idealerweise Ausgleich herrscht, das heißt: es herrscht überall der gleiche Druck. Erst durch das Öffnen eines noch so kleinen Verbrauchers, wie der einer Windwaage, entstehen Druckunterschiede. Und da wir den idealen Zustand nie erreichen, also irgendwo immer eine winzige Undichtigkeit ist, gibt es ein kleines Ungleichgewicht.
Diese heisenbergsche Unschärferelation, was natürlich ironisch gemeint ist, verführt dazu, von Wind zu reden, als sei hier ein brausendes Wesen, das irgendetwas Organisches wie der Atem sei. Dies wird sehr oft von Leuten gesagt, die sofort laut aufschreien, wenn man ein Wörtchen gegen die Wissenschaften redet, was sie jetzt, nachdem sie dem Kirchenglauben nicht mehr so richtig trauen, als einzig festen Halt im Leben erkannt haben.
Es soll hier keinesfalls etwas gegen die Ästhetik geredet werden, die dahinterstehen mag, wie bei den Griechen, wo natürlich die Vorstellung von goldenen Wagenlenkern viel erhabener ist, als eine trockene physikalische Erklärung eines langweiligen Mathematiklehrers, sondern es geht darum, dass der Orgelbauer beim falschen Bilde stehen bleiben kann und dann mit unbeholfenen Methoden am „Wind“ herumdoktert.
Da wäre es einfacher bei Störungen in der Pneumatik gleich den Weihwasserkessel zu holen und die fehlfunktionierenden Teile zu besprengen, anstatt mit der besseren Abstraktion zu arbeiten.
Denn wer in ein 3m langes Bleirohr „brausenden oder atmenden Wind“ einführt, und sich dann wundert, dass der nicht beim am Ende aufgeleimten Keilbälgchen ankommt, der hat kaum eine Möglichkeit, den Fehler durch Nachdenken zu ermitteln.
Wir haben also bei einem solchen Rohr Druckverhältnisse, die sich durch minimalste Undichtigkeiten radikal ändern.
Vergleiche mit den Billardkugeln, die dann Zwischenglieder haben mit extremer Reibung, so dass die letzte Kugel nur unter größter Kraftaufwendung bewegt werden kann – aber bis zu der Kugel, die mechanisch einfach nachprüfbar, die aussergewöhnlich hohe Reibung erzeugt – erhellen meiner Meinung nach die Problematik und zeigen besser Lösungswege auf, als wenn wir bei schönen Bildern stehen bleiben, die unseren Verstand aber in die Irre führen.
Man wird auch schnell verstehen, wenn man bei diesem Bild der Billardkugeln bleibt, dass eine Rohrleitung die 10m lang ist, nicht mehr gewährleisten kann, dass das Bälgchen aufgeht, wenn man die Analogie zu einer 10m langen Billardkugelreihe setzt – und dagegen sagen kann, aber mit 3m geht es.
Und nun meine ich, sollte doch klar geworden sein, dass das Windsystem der Orgel viel mehr Neues zu bieten hat, als trockene Wissenschaftler das uns verkaufen wollen.
Vor allem durch den Wind hat sich die Orgel ihre Lebendigkeit bewahrt, und das wollen wir in keinem Falle dogmatisch oder rational abgehandelt wissen wollen.

gwm (nach der Intonation vom Diapason)

WORKSHOP (4) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälge- Ergänzungen

Dienstag, September 25th, 2007

Auf Ergänzungen liegt heute unser Schhwerpunkt.
Es waren einige Rückfragen aufgetaucht, die wir hiermit beantworten wollen.
DAS VERFLACHEN der LEDERSTREIFEN
wollte ein Interessent wissen, warum wir diese Sache angesprochen haben, aber nicht weiter darauf hingewiesen haben.
Innerhalb des Balges und auch Außen wo papiert wird, ist es vorteilhaft abgeschräft Lederstreifen zu verwenden, weil diese „aerodynamisch“ geformten Lederstreifen dem Wind weniger Widerstand bieten, und bei Papieren, zwischen Papier und Holz keinen hohlen Luftraum hinterlassen, der zu Rissen führen kann. Meiner Meinung nach kann man diese Lederstreifen nur mit einer mechanischen Maschine derartig behandeln oder bei geleimten Lederstreifen nach der hier auf dem Foto gezeigten Methode verfahren, die sehr umfangreiche Arbeitszeit einfordert. Wir haben alle Bälge so behandelt und brauchen rund 1/2 Tag mehr Zeit für die Anfertigung pro Balg. Für die Restaurierung eines solchen Balges ergibt sich also damit etwa eine Woche Arbeitszeit pro Mann.
Hier das dazugehörige Bild:
img_1155.jpg
Wenn man nun nachdem man alle Lederteile im Innern des Balges über das Leder mit gutem, dünnen Papier das Leder überklebt, dann sollte diese „Aerodynamik“ dafür sorgen, dass der Wind kein Lederstreifen mehr abreissen kann, was bei vorsichtigen Leimungen schnell passieren kann.
Ein Balg sieht ohne die Papierung so aus:
img_1157.jpg
Bei den Zwickeln sind die beiden Ecken in den Falten der größten Last ausgesetzt. Außerdem ist diese Stelle am schwierigsten zu verleimen, weil eben die Spannung beim Auftragen des Zwickels nach oben und unten zieht. Wir haben festgestellt, dass Walcker hier immer noch zusätzliche Lederstreifen eingebracht hat, was wir unbedingt empfehlen:
Bild alte Verleimung Bild neue Verleimung
img_0814.jpg img_1158.jpg

Wie denn der Balg den Wind überhaupt reguliere? …..wurden wir gefragt. Weil natürlich bisher auf diesen einfachen, und scheinbar sonnenklaren Umstand nie hingewiesen wurde. Alle diese Bälge sind mit sogenannten „Galgenventilen“ ausgestattet, die am Ende mit einem Gurt an der oberen Balgplatte verbunden sind. Bei gesenkter Balgplatte ist dieses Ventil ganz geöffnet, bei hochgedrückter Platte ist das Ventil geschlossen. Wir haben hier ein Foto aus der Perspektive des ausströmenden Windes geschossen und werden bei nächster Gelegenheit eine kleine Zeichnung in weiterer Ergänzung einfliessen lassen. Außerdem wollen wir natürlich auch unsere Erfahrungen in den nächsten Tagen mitteilen, wie die ersten Bälge unter Wind reagieren.
Bild des „Galgenventils“ im Balginneren
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Workshop (3) – Restaurierung von Einfalten Magazin-Bälgen

Sonntag, August 26th, 2007

Zum weiteren Verständnis ist erforderlich die beiden vorhergegangenen Workshops anzusehen, die sich auf dieser Seite befinden. Oder einfach unter der Kategorie Bukarest Op.2654 rechts anclicken, geht am schnellsten.
Hier in diesem abschliessenden Teil wollen wir folgende Teile zeigen:
– die Materialien
– Fertigung und Einbau der Darmsaiten
– Zusammenbau der Falten und Einbau
– Abschluss

DIE MATERIALIEN
Beim Papieren haben wir schon darauf hingewiesen, dass zeittypische Materialien bei einer Restaurierung eine grundsätzliche Voraussetzung für eine zielgerichtete Arbeit sind. Hier kommt nun in neuerer Zeit hinzu, dass auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt. Und so dürfte es klar sein, dass man nur mit den verträglichen Mitteln der „alten Zeit“ an alten Orgeln hantiert.
Es stellt sich die Frage bei der Verleimung, „Knochenleim“ oder „Hautleim“? Beide Leime werden bei einer Temperatur zwischen 65 und 72 Grad Celsius verarbeitet. Diese Temperatur von 72 Grad sollte nie überschritten werden, weil dann die Klebekraft erheblich nachlässt. Knochenleim verwenden wir bei Holzverleimungen, während beim Verleimen von Leder Hautleim verwendet wird. Ich denke, dass dieses natürliche Adäquat seine Richtigkeit hat. Eine wahrscheinlich viel größere Rolle spielt die Konsistenz der Leime. Also wie stark wir Wasser beigegeben, wie zäh darf das Wasser-Klebegemisch sein?
Wir haben für Bukarest 10kg Haut- und 10kg Knochenleim herbeigeschafft und denken, dass dies gerade ausreicht. Verarbeitung von Warmleim (Glutinleimen)

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links sieht man also solch einen Leimkocher, beim dem man die Temperatur genau einstellen kann. Auf dem rechten Bild sind die beiden Leimarten, zuerst Knochenleim, dann Hautleim abgebildet.
Nachfolgend auf dem ersten Foto links die „Antique-Nägel, mit denen die Darmsaiten verspannt werden und links eine Darmsaite, die wie auf dem rechten Foto ersichtlich, in kleine „Krampen“ geschnitten wird, die man mit Rundzange nicht zu stark biegt. Die Antique-Nägel wurden vom Portier einer großen süddeutschen Orgelteile-Lieferfirma gefertigt, damit der Mann nicht an Langeweile abkippt – eine sehr fürsorgliche Haltung, die wir zu honorieren wissen.
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EINBAU der DARMSAITEN
Die alten Flexen zu entfernen, scheint mir wohl der einfachste Weg, mit einem Lötkolben in die vorigen Gänge einzubrennen, weil jeder Bohrer sofort verläuft. Während die heiße Lötspitze (Bild 1) den geringsten Widerstand sucht, das ist in der Regel die alte Bohrung. Danach bohrt man mit einem kleinen Fräser (3mm) auf und indem man für den Keil noch etwas Platz fräst, sieht dann bei eingsteckter Darmsaite das Ganze aus wie (Bild 2). In (Bild 3) sieht man dann, wie diese Saite mit Keilen verspannt wurde.
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Die Holzfalten müssen bevor die Darmsaiten eingesetzt werden, alle miteinander über den Knarrriemen verbunden werden (siehe Zeichnung aus Workshop 1) Hierzu müssen die Öffnungen für die Darmsaiten ins Leder eingebracht werden. Also pro paar Holzfalten sind 3 Knarrriemen anzuleimen (Mitte, oben und unten). Und wenn alle vier Paar Falten fertig sind, dann kann auf den unteren Zargen-Rahmen jedes einzelne paar Falten mit Darmsaiten und Knarrriemen befestigt werden. Abschliessend wird dann der Deckelrahmen genauso montiert und der Balg ist konstruktiv fertig.
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Hier die Innenansicht des Balges, auf der man die beiden neu eingesetzten Zwickel erkennen kann. Rechts ein Zwickel der mit zwei Scharnieren-Leder an die Falten angebunden ist, rechts ohne, hier wird es noch gemacht.
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Es folgt noch das Abledern aller kritischen Stellen am und im Balg mit dünnen Lederstreifen. Dann folgt noch das Papieren des gesamten Balges, und schön wäre gleich eine Funktionsprobe machen zu können. Das gleichmässige Blau des Papieres stellt sich nach 6-8 Stunden ein.

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Wir haben es hier also mit dem kleinsten Balg, dem Motorbalg zu tun gehabt, der bekanntlich als erster gebraucht wird. Nun haben wir noch 4 recht große Bälge für Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk und Pedal vor uns. Und es ist sicher, wenn wir alle diese Bälge durchhaben, wird noch ein kleiner „workshop“ drangehängt, der alle weiteren Erfahrungen aus dieser Arbeit widergibt.
(gwm) 26.Aug.2007 – der erste Sonntag unter 36 Grad Celsius in Bucuresti

WORKSHOP (2) -Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

Samstag, August 18th, 2007

DAS PAPIEREN
Bei unserem ersten WORKSHOP haben wir ganz allgemeine Dinge eingebracht und dabei einige „Röntgenfotos“ für Orgelbauer gezeigt. Denn der kann mit technischen Zeichnungen in der Regel mehr anfangen als mit Fotos oder schönen Erklärungen.

Eigentlich wollten wir nun mit der Fertigung der Bälge weitermachen, aber uns fehlen noch die „Antik-Nägel“, wie die Holzkeile zum Verspannen der Darmsaiten heißen. Daher wurde weitergemacht mit dem PAPIEREN der Windanlage.
Wer die technische Zeichnung aus Bukarest studiert hat, wird dort gesehen haben, dass die gesamte Windanlage in einer Höhe auf einem langen Kanal ruht. Dieser Kanal beginnt mit dem größten Körper am Motor und verjüngt sich dann mit im Querschnitt abnehmenden Kanälen zum Pedal hin.
Das Papieren solcher Kanäle und Bälge scheint von Aristide Cavaillé-Coll eingeführt worden zu sein. Eberhard Friedrich Walcker hat sich diesen Umstand 1857 in seinem Kalender notiert. Ab etwa 1860 ist es bei Walcker regelmässig gemacht worden.
Der Vorteil des Papierens ist, dass kleine Undichtigkeiten des Windes durch das Papier abgedichtet wird. Walcker hat in der Regel „billiges Papier“ innen verwendet, was aus veralteten Archivunterlagen (Forstämter u.a. Einrichtungen und teils auch aus eigenem Archiv) stammt und das reichhaltige Literatur bietet. Das äußere Papier ist gutes Blaupapier, das ganz akurat aufgetragen wurde. Und zwar immer mit Kleister aufgeklebt und nie mit irgendwelchen Kunstklebern- oder Leimen, wie man es bei schlechten Reparaturen leider findet. Auch die Anreicherung mit Leimwasser muß unbedingt als nicht reversible Maßnahme gerügt werden.
Denn die Vorteile des Tapetenkleisters sind
a) völlig problemloses Wiederablösen der Papiere und
b) Einfaches Auftragen der Papiere mit Korrekturmöglichkeit und
c) ökologische Handhabung, es ist ja auch ein Naturprodukt (aus Weizenstärke) und man kann danach seine Hände waschen und ist kunst-chemisch nicht touchiert.
Hier nun der Ablauf beim Papieren:
1. Altes Papier entfernen – mit viel Wasser, einweichen lassen, nach etwa 12 Min. vorsichtig abziehen. In der Regel kann man ganze Bahnen herunterziehen. In diesem fotografierten Falle wurden Kunstleime und mehrere Schichten aufeinandergeleimt, was Probleme beim Abziehen macht
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2. Zuschneiden Papier – Man nehme zwei Aluschienen ganz flach, klebe auf die Unterseite 80er Schleifpapier und schneide die Papierstreifen von der Rolle mit einem Rundmesser wie hier abgebildet. Als Unterlage eigent sich hervorragend (wahrscheinlich der einzige brauchbare Fall wo sich das gut eignet) eine Spanplatte.
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3. Papier kleistern – im Gegensatz zum Tapezieren muß das Papier auf einer Seite befeuchtet werden, weil sonst später Trockenringel sich bilden können. Dann auf die andere Seite den Kleister gut auftragen.
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4. Papier auf das Werkstück aufbringen – mit den Möglichkeiten es gut zu plazieren.
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5. Kleinere Klebekorrekturen beim Trocknen und hier sind fast alle großen Kanäle bereits versammelt
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SPEZIALFOTOS FÜR SPEZIALISTEN

Im Inneren der Faltenbälge und Kanäle findet sich eine komplexe Geschichte aus vielflätigen Dokumenten zusammengestückelt. Wir haben zwei Beispiele herausgefiltert. Daneben sind einige „MAKROFOTOS“ von der alten Lederbeleimung aufgeführt, die zeigen, dass das Leder fast auf 0mm in der Dicke endet, so fein wurde es abgeschabt.
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WORKSHOP(1) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

Dienstag, August 7th, 2007

Ab einem gewissen Datum gab es bei der Firma Walcker nur noch Einfalten-Magazin-Bälge. Zudem wurde die Windanlage dadurch elementar vereinfacht indem man die Ziehharmonika-Anschlüsse gegen starre Windkanäle ersetzte, die seitlich in die Windlade geführt wurden. Auch hier führt der Registerkanal auf der Windlade konisch zum Ende. Wer Oscar Walcker’s Sparsamkeit kennt, die aus allen Details der Zeichnungen und Orgelgestaltungen spricht, weiß und sieht, dass hier ein Kenner wesentlichste Dinge des Windes intuitiv geahnt hat. Denn konisch zulaufende Kanäle sind erheblich teurer als ein gradliniger Kubus. Dazu kommt, dass sich all diese Verfeinerung im Windbereich kaum berechnen lassen. Die Faktoren Windgeschwindigkeit und Windmenge sind für den Orgelbauer „unmessbare“ Größen. Gerade mal den Winddruck kann er mit Wasser oder digital fassen.
Wenn, wie im Falle Bukarest, die gesamte Balganlage auf einem großen Kanal ruht, der zudem noch sich zum letzten Balg hin sich verjüngt, so handelt es sich um eine durchaus logische und gut gegliederte Anlage die seine Vorteile hat. Alle Bälge der 3 Manuale haben 95mmWS, das Pedal nur 90mmWS. Der größte Balg ist der des HW, von dem wir erwarten, dass er auch bei zusätzlich gebauter SUB I, einen Versuch den ich einfach ausprobieren muss, sein Durchhaltevermögen offenbart.

Schnitt durch die Orgel in Bukarest mit markierten Bälgen

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Die hier besprochenen Einfalten-Magazinbälge sind einfacher als Doppelfalten-Bälge zu fertigen und auch einfacher zu restaurieren. Dennoch gibt es ein paar wichtig Dinge anzumerken, die falsch ausgeführt, zu einem schnellen Ableben des Balges führen kann. Dann nämlich, wenn zum Beispiel die „Flechsen“ oder „Darmsaiten“, also die organischen Scharniere der Holzfalten nicht sauber durch Keile verspannt wurden. Dann kann noch so schön beledert und papiert werden, diese Scharniere sind dann schnell hinüber und jeder Balg geht zuerst in seinen „Fersen“ zugrunde.

Ja, da hören wir erste Begriffe, die manchem sonderbar erscheinen. Und auch ich habe vergebens nach Literatur gesucht, wo man denn nachschlagen könnte und etwas dazulesen kan, aber nichts gefunden. Daher hier erstmal eine Begriffs-Stütze in Form zweier Zeichnungen, welche die wichtigsten Elemente solch eines Balges erläutern.

balg01.jpg Balg hochgefahren balg02.jpg

drei Ansichten dieses Balges balg03.jpg

Die ersten Arbeiten bei einer solchen Restaurierung sind das absolut klinisch reine Entfernen von Papier, Leder und Kleberesten. Dazu sind vorher einige wichtige Anmerkungen und Dokumentationen, Zeichnungen zu machen, damit man es später auch richtig zusammenbaut. Wir haben hier einige Fotos gemacht die u.a. auch zeigen, das z.B. die Zwickel, das sind die breiten Lederstreifen an den Ecken, noch zusätzlich an den Falten mit Lederstreifen befestigt wurden. An diesem Balg wurden grundsätzlich alle Lederstreifen, auch die Knarr-Riemen, wie auf der Zeichnung auch ersichtlich ist, zum Ende hin verdünnt (geschabt mit einem scharfen Messer, so dass die Kanten nach dem Papieren kaum fühlbar sind ). Das ist ebenfalls ein nicht ungehöriger Aufwand, der zur Ästhetik des Balges beiträgt, und der oft bei Restaurierungen vernächlässigt wird.

Das Entfernen des Papiers geschieht mit viel Wasser, einweichen lassen aufs Papier und abziehen. Dort, wo mit Kunstkleber später herumgeflickt wurde hat man sehr viel Arbeit, das Papier wegzubekommen. Leder wird mit dem Bügeleisen vorgewärmt und abgezogen. Nachdem die Holzfalten trocken sind, werden sie leicht abgeschliffen.

Am besten notiert man sich, wie das Leder und das Papier umgeschlagen wurde, mit welchen Übermaßen.

Der nächste und wesentlich einfachere Schritt ist die Montage der Falten miteinander und dann auf den Deckel-Rahmen mit den Darmsaiten. Das zeigen wir im nächsten WORKSHOP (2) Rest. von Einfalten-Magazin-Bälgen, Zusammenbau, Beledern, Neupapieren.

Bilder – das dritte Bild zeigt eine solche Darmsaite, wie sie als „Scharnier“ eingesetzt ist.
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Ventilator ade!

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Bei Orgeln mit Magazinbälgen die ursprünglich über Kalkanten und einer einfachen Tretanlage mit Schöpferbälgen betrieben wurden, hat sich zu Zeiten der Stromversorgung ein Ventilator dazugesellt. Auch bei Restaurierungen heutzutage werden diese Ventilatoren über Roll- und Rückschlagventile dazugebaut.

Alle mir bekannten Orgeln mit solchen Ventilatoren, seien es Langsam- oder Schnelläufer, leiden unter dem Mangel, einer geräuschhaften Windanlage. Der verwirbelte Wind und Motorenfrequenz macht sich bemerkbar. Im Gegensatz zu Schwimmerbälgen werden bei Magazinbälgen größere Flächen und Windmassen bewegt. Außerdem erschien es mir immer wieder, dass feine Streicher, Dolcen, auch Zungen unter der Ventilatorluft und der damit einhergehenden Unruhe, intonatorische Mängel aufweisen. Bei hohen Tönen wird die Unruhe des verwirbelten Windes in „Zirpsen“ und Unstimmbarkeiten bemerkbar. Ventilatorwind ist zwar „bequem“ aber nicht „authentisch“.
Nun wissen wir seit Töpfer 1853, dass sich Orgelbauer mit Windmaschinen beschäftigten, die vergleichbar ihrer mit Treibriemen angetriebenen Maschinen bedient wurden. Von Eberhard Friedrich Walcker ist bekannt, dass er eine der ersten Dampfmaschinen in Ludwigsburg betrieb (das muss in den 1840er Jahren gewesen sein) und wir wissen außerdem, dass er in den beginnenden 1860er Jahren die Windanlage in Ulm mit einer solchen „Dampf“Maschine betrieb, wo er erstmals einen vertretbaren Wind beim Tutti erzeugen konnte, was die bis zu 12 Kalkanten nicht schafften.

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Die Erzeugung des Windes also, dabei spielt nicht die Muskelkraft das entscheidende Element sondern das stetige großflächige und damit dynamische Bewegen der Tretanlage anstelle der Verwirbelung durch das Rad des Ventilators, scheint heute ein ganz wichter Aspekt zu sein wieder an die Quelle der Winderzeugung zurückzukehren und anstelle der Muskelkraft des Menschen einen elektronisch synchronisierten Schrittmotor zu betreiben, der die Tretanlage über ein Geriebe in Bewegung versetzt.

Außerdem schafft man mit solchen Lösungen, wie sie von Itten, Kuhn, Rensch u.v.a.Orgelbauern sehr erfolgreich bereits durchgeführt wurden, dass wir streng im denkmalpflegerischen Sinne tätig sind und eben im allerwichtigsten Bereich, der Winderzeugung nun auch auf ursprüngliche Methoden zurückkehren.

In der Regel funktioniert eine solche Anlage mit einem Schrittmotor, der eine Geriebe betreibt, das direkt auf den Tretbalken wirkt. Ein Regler oder ein Winddrucksensor misst den Höhenstand des Magazinbalges oder den Winddruck und veranlasst den Microprocessor die Drehzahl des Motors auf die erforderliche Frequenz einzustellen. Wer will kann von hier aus auch Einstellungen am Spieltisch vornehmen lassen, so dass Druckanpassungen an gespielte Literatur oder an veränderte Temperatur vorgenommen werden kann.

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Mit diesen Möglichkeiten der Winderzeugung kehren wir zurück zur ursprünglichen Winderzeugung, wie es bei allen Walcker-Orgeln in der Zeit von 1860 bis etwa 1900 der Fall war. Ich zeige hier zwei Zeichnungen die das veranschaulichen sollen. Die erste ist aus Petersburg Opus 750. Die zweite zeigt eine Windanlage mit zwei Magazinbälgen einem Drehrad, das von Hand und über eine Maschine bedient werden kann, und das gewissermaßen Standart war.

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An der Petersburger Walckerorgel sehen wir, dass über die Transmissionseinrichtung 3 Tretgebläse bedient wurden und wir können uns leicht vorstellen, dass weitere 3 oder 6 solcher Einrichtungen leicht bewerkstelligt werden konnten.