Archive for the ‘WalckerOrgeln Gesuche’ Category

Registereinschaltung Walcker-Orgel in Kairo Baujahr 1912

Sonntag, Juli 17th, 2011

Wir haben es hier mit einem „Zustrom-System“ zu tun, das außergewöhnlich stabil funktioniert.
Nicht nur wegen dem sagenhaften Material, das Walcker schon 1912 für seine Bälge verwendete, die den Stecher in Bewegung versetzen, der die Registerklappen öffnete, sondern auch deswegen, weil man mit diesem System bereits bei mechanischen Kegelladen und dann später bei den pneumatischen Kegelladen genügend Erfahrungen sammeln konnte.
Das Material, das für die Betätigungsbälge verwendet wurde, es handelt sich um einen schwarzen Kunststoff, der völlig unverbraucht vorhanden war, ohne jegliche Undichtigkeit. Und der nur deswegen ausgewechselt werden musste, weil durch den Ein-und Ausbau in jedem Fall Verschleiß stattfindet, der für die eine oder andere Delle sorgt.

Hier die Zeichnung für eine solche komplette elektro-pneumatische Registersteuerung

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Funktionsweise: der Hebelmagnet (rechts unten) hebt das kleine Ventil, welches den größeren Balg unten links mit Wind versorgt. Dieser Balg hebt sich und den Stecher. Dieser Stecher drückt die runde Zinkplatte des Registerventils im Windkanal, was das Aufreißen der Registerplatte nach oben bewirkt. Zwei Haken verhindern, dass die Platte nach oben wegdriftet. Soweit ich gesehen habe sind alle Zinkplatten von gleichem Durchmesser, während die Registerventile leichte Unterschiede in den Maßen aufweisen. Das größte Registerventil haben wir bei der Konzertflöte 8′ im HW, während Principal 8, Bourdon 16 und andere Register weitgehend gleich bemessen sind.

Die im Kanal unter Wind liegenden Registerklappen kennt man bei Walcker schon aus uralten Anfängen. Wir möchten sie hier in Formeines dreifachen Fotos zeigen. Ein in Holzrahmen gefasstes rundes Zinkblech wird von dem Stecher aufgestoßen und öffnet das komplette Registerventil, das dann die Registerkanzelle unter Wind setzt.

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Die Stecher sind zusammengefasst in einem Brett:

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gwm 17.7.11

Die Walcker-Orgel Opus 1085 in Heidelberg-Christuskirche

Freitag, April 1st, 2011

Diese Orgel, im Jahre 1903 rein pneumatisch gebaut, hat in den vergangenen 100 Jahren zwar einige Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen, war aber nie soweit umgestaltet worden, dass man einer Rückführung auf das ursprüngliche Klangbild und jetzt auf den ursprünglichen technischen Zustand, nämlich die pneumatische Traktur, hätte nicht durchführen können.
Nun also ist das Werk wieder auf etwa dem Zustand wie es im Jahr 1903 war. Und das Besondere ist neben dem hervorragenden Klang, den Gerhard Lenter verantwortet, ein pneumatisches Wunderwerk, das sein Sohn Markus gestaltete.
Die Orgel, die in 1954 auf elektropneumatisch umgerüstet wurde, erklingt jetzt als pneumatische Orgel.
Dazu ist festzustellen, dass diese Spielart eine ganz hervorragende Präzision besitzt, die neben dynamischen Möglichkeiten, Register entweder spritzig schnell ansprechen zu lassen, auch ein weicheres Einschwingen der Pfeifen erlaubt. Die Präzision ist unschlagbar, das Beste, das ich bei pneumatischen Instrumenten bisher gehört und gesehen habe.
Der Klang der Orgel dürfte sehr nahe an die Schule „Fritz und Eberhard Walcker“ herankommen, was bekanntlich in Oscar Wackers elsässische Bestrebungen mündete mit der späteren ersten großen Reformorgel in Dortmund Reinoldi.
Noch wird in Heidelberg hart gearbeitet, insbesondere an der Intonation. Die Einweihung soll an Ostern stattfinden.
Wer hier in Deutschland also noch die romantischen Mixturen sucht (2-1 1/3-1-4/5 oder 2-1 3/5-1) wer Sibelius-Klarinetten sucht, die hier natürlich durchschlagend sind und die auch Oscar Walcker in Mensur völlig unverändert übernommen hat oder wer die singenden Principale sucht, die sich vom I.Manual hinauf zum Dritten aufhellen, als ginge das Licht in der Kirche crescendo stufig an, der sollte nach Heidelberg, nicht nur, um den reichen Fundus an Flöten hören zu können, sondern auch, um zu sehen, dass die Walckersche Pneumatik unschlagbar exakt und präzise gearbeitet hat. Daher auch der nur schwerliche Übergang zur elektrischen Traktur, den Carl Walcker für unnötig erachtete.

Dispo aus dem Opusbuch (die bei Doering genannte Disposition ist nicht mehr aktuell)
I.Manual Hauptwerk C-g3
1 Principal 16
2 Principal 8
3 Gedackt 8
4 Doppelflöte 8
5 Viola di Gamba 8
6 Synthemtophon 8
7 Gemshorn 8
8 Octave 4
9 Rohrflöte 4
10 Rauschquinte 2 2/3+2
11 Mixtur 3-5f 2
12 Mixtur min. 4f 1 1/3
13 Trompete 8 c

II.Manual Schwellwerk
14 Bordun 16
15 Principal 8
16 Salicionnal 8
17 Dolce 8
18 Quintatön 8
19 Traversflöte 8
20 Schalmei 8
21 Octav 4
22 Flöte 4
23 Piccolo 4
24 Mixtur 3-4f 2 2/3
25 Clarinette 8

III.Manual Oberwerk schwellb.
26 Lieblich Gedackt 8
27 Geigenprincipal 8
28 Rohrflöte 8
29 Viola 8
30 Vox coelestis 8
31 Aeoliine 8
32 Traversflöte 4
33 Fugara 4

Pedal C-f1
34 Principaalbass 16
35 Violonbass 16
36 Subbass 16
37 Quintbass 10 2/3
38 Octavbass 8
39 Violoncello 8
40 Octav 4
41 Posaune 16
42 Trompete 8
T Gedacktbass 16
T Saicetbass 16

Gerhard Lenter
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hinterm Spieltisch

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gwm

pneumatischer Spieltisch – Walcker-Orgel Bad Nauheim

Donnerstag, Juli 9th, 2009

Diese Orgel erfreut sich immer noch größter Beliebtheit – weil: in dieser Orgel erhebliches Pfeifenmaterial aus der Walcker-Orgel Op 1143 stammt, gebaut 1905 III/42, und sie würde sich sehr viel mehr Maß an Beliebtheit erfreuen, wenn sie noch ihre pneumatische Traktur und ihre originale Disposition aus dieser Zeit hätte. In dieser Beziehung wird es in Deutschland vielleicht noch 30 Jahre dauern, bis man sich aus alten Zwängen befreit hat.
Es ist durchaus nicht verwerfenswert zu sagen, dass heute kaum noch eine größere Orgelfirma in der Lage wäre, diese pneumatischen Instrumente zeitrichtig zu restaurieren bzw. gar neue solche Orgeln herzustellen, denn es gibt dafür kein Geld und keine Klientel. Dennoch gibt es Auffassungen, die respektiert werden sollten und es gibt bereits einige interessante Organisten, die aus dem heutigen Einerlei herausbrechen wollen.
Dafür stellen wir diesen hochinteressanten Spieltisch, sogar mit Organola gebaut, aus der Durchschnittzeichnung der Orgel in Bad Nauheim vor. Denn diese Spieltischseitenansicht zeigt, dass sehr wohl solche Spieltische elegant und freistehend geplant werden konnten – und die auch fast 60 Jahre gespielt wurden, ehe die deutsche Nachkriegsvernichtung zuschlug.
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gwm

Die Walcker-Orgel in Untersimonswald, Op.488 – Baujahr 1888

Dienstag, Juni 9th, 2009

Diese Bildsammlung samt Disposition stammt wieder von Andreas Strittmatter, der uns damit hilft gerade diese Zeit, aus der wir nur wenige Instrumente haben, etwas näher zu bringen. Interessant ist, dass diese Orgel noch mit einem Kastengebläse a la Eberhard Friedrich Walcker ausgestattet ist. Ich werde versuchen die Originaldisposition zu finden und dann ergänzend diesem Blog anheften. In jedem Falle sehr interessante Bilder, die viele wichtige Details offenbaren.
Jetzt nun mal den Momentanzustand, am Ende die Bilder:

Untersimonswald – Katholische Kirche
St. Sebastian
E. F. Walcker & Cie. – 1887 – Opus 488

Disposition (Stand 2009)

Manual I

Bourdon 16’
Principal 8’
Floete 8’
Gemshorn 8’
Octav 4’
Rohrfloete 4’
Octav 2’
Quinte 2 2/3’
Mixtur 5f. 2 2/3’
Trompete 8’
Calcant (stillgelegt)

Manual II

Geigen-Principal 8’
Liebl. Gedeckt 8’
Salicional 8’
Flauto dolce 4’
Waldflöte 2’
Zimbel 3f. 1’

Pedal

Violonbass 16’
Subbass 16’
Violonbass 8’
Choralbass 4’
Posaunenbass 16’

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

Koppeln:
II – I
I – P
II – P

Besonderheiten

Koppeln als Druckschalter zwischen den Manualklaviatiaturen

Treteinrichtung für Windversorgung durch einen Balgtreter erhalten

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Walcker-Orgeln der 50erJahre in Pforzheim

Dienstag, Juni 9th, 2009

Diese Orgeln der Firma Walcker aus den 50er Jahren möchte ich deswegen vorstellen, weil ich dahinter die „milden“ Klänge vermute, die ich bisher aus den Jahren meiner Kindheit an solchen Instrumenten vorgefunden habe und die ich (eher in der Romantik als im Barock beheimatet) als durchaus erhaltenswert einstufen würde.
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Auferstehungskirche in Pforzheim (II/27 ,m/e, Opus 3558 Bj 1956)
Dispo lt. Registerstaffelei
Pedal
1. Subbass 16’
2. Oktavbass 8’
3. Violflöte 8’
4. Choralbass 4’
5. Posaune 16’
6. Engtrompete 8’
I.Manual
7. Rohrpommer 16’
8. Prinzipal 8’
9. Rohrflöte 8’
10. Oktave 4’
11. Holzgedackt 4’
12. Nasard 2 2/3’
13. Blockflöte 2’
14. Mixtur 5f 1 1/3’
15. Solotrompete 8’
16. Clarine 4’

II.Manual
17. Quintade 8’
18. Grobgedackt 8’
19. Salizional 8’
20. Nachthorn 4’
21. Engprinzipal 4’
22. Sesquialter 2f.
23. Oktave 2’
24. Spitzquinte 2 2/3’
25. Zimbel 3f.
26. Krummhorn 8’
27. Tremolo

Pforzheim, Markuskirche (III/27, m/e, Opus 3559, Bj 1957)
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Dispo lt. Registerstaffelei
Pedal
1. Untersatz 16’
2. Oktavbass 8’
3. Gedackt 8’
4. Choralbass 4’
5. Rauschwerk 2f. 2 2/3’
6. Posaune 16’

Rückpositiv I.Man.
7. Singend Gedackt 8’
8. Quintatön 4’
9. Superoktav 2’
10. Spitzquinte 1 1/3’
11. Terzflöte 1 3/5’
12. Scharffmixtur 3f. ½’
13. Krummhorn 8’
14. Tremolo

Hauptwerk II.Man.
15. Rohrgedackt 16’
16. Engprinzipal 8’
17. Holzgedackt 4’
18. Prästant 4’
19. Quinte 2 2/3’
20. Waldflöte 2’
21. Mixtur 4-5f. 1 1/3’
22. Spitztrompete 8’

Brustwerk III.Man.
23. Holzflöte 8’
24. Weidenpfeife 8’
25. Prinzipal 4’
26. Blockflöte 2’
27. Zimbel 3-4f. 1’
28. Rohrschalmey 8’
29. Tremolo

Feste Kombinationen in pneumatischen Orgeln – Walcker-Orgel in Tomintoul

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Wie wurden Feste Kombinationen, Crescendo, etc. , bei pneumatischen Orgeln realisiert? Auf den einschlägigen Zeichnungen wird man nicht sofort schlau. Hier an dieser kleinen Orgeln im schottischen Tomintoul haben wir exemplarisch auf engstem Raum ein Musterbeispiel, das deutlicher kaum zeigen kann, wie es damals gemacht wurde:
Unter den Rückschlagventilen waren die Kanzellen der Kombinationen – horizontal auf dem nachfolgenden Foto – darüber die einfachen Rückschlagventile, in unserem Fall sind es drei. Eines pro Register für das Crescendo (violett), ein weiteres für Tutti(rot) und eines für die direkte Einschaltung (grün). Rückschlagventile waren deswegen notwendig, weil sonst das Register die Kombination aktiviert hätte.
Vertikal also war das Register angeordnet, das mit einem kleinen Kanal (siehe hinteren Deckel) zur Bleiröhre führte, die über ein Relais den Balg aktivierte, der wiederum die Kegelladenkanzelle unter Wind gesetzt hat.
Die Super-Koppel hat übrigens einen größeren Balg gestartet, der direkt auf dieses Kästchen montiert war und der die Eisenhebel der Keilbälgchen, die ausschließlich für die Betätigung der Superkoppel eingebaut waren, freischaltete.
tomintoul_feste_kombin.jpg

Hier noch die Seitenansicht dieser Registerwippen, die zeigt, mit welche stabilen Konstruktionen hier gearbeitet wurden:
registerwippe.jpg

gwm im Crofft-Inn (fast als einziger Gast, der still vergnügt ist, da der Hl. Antonius ihn endlich erhört hat)

Die Walcker-Orgel Opus 382 in Pfaffenweiler, Baujahr 1880

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Hierzu wurden mir von Andreas Strittmatter Bilder und Dispo geschickt, die ich gerne hier zeige, und dem ich auf diesem Wege meinen besten Dank ausrichte.
Das zweimanualige Instrument von den Söhnen Eberhard Friedrich Walckers zeigt sehr gut die Beibehaltung seiner romanischen Gehäuse, aber auch, welche Änderungen 8 Jahre nach seinem Tod in der Dispositionsgestalt eintraten.
Die Orgel wurde später auf drei Manuale erweitert und stellt keine „Denkmalorgel“ dar. Wer auf die Idee kam ein derartig „anti-walckerisches“ III.Manual dazuzubauen, der sollte sich bitte melden. Das geht schon über die „Verbrechen“ der 60er Jahre weit hinaus – oder man fasst es als eine Parodie auf.

Orgel:
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Spieltisch:
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Pfaffenweiler – Katholische Kirche St. Columba

E. F. Walcker & Cie. – 1880 – Opus 382

Manual I

Bourdon 16’
Prinzipal 8’
Floete 8’
Viola da Gamba 8’
Oktav 4’
Rohrfloete 4’
Mixtur 2 2/3’
Trompete 8’

Manual II

Geigenprincipal 8’
Lieblich Gedeckt 8’
Salicional 8’
Aeoline 8’
Flauto dolce 4’

Manual III (ergänzt)

Bourdon 8’
Flauto 4’
Cornet 2 2/3’
Cornet 1 1/7’
Clarinette 8’

Pedal

Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
Violoncello 8’
Oktav 4’
Posaune 16’
Trompete 8’

Koppel II – I
Koppel I – P

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

hist. Ablauf

24. Januar 1880: Kostenberechnung für eine neue Orgel durch Walcker für 6650 Mark. Am 23. April aus Mitteln genehmigt, die durch den Verkauf von gestifteten Grundstücken von Josefa Senftenagel zusammenkamen.

8. August 1917: Kostenvoranschlag der Firma F.W. Schwarz in Überlingen über 338,50 Mark für die Lieferung von Ersatzpfeifen für beschlagnahmte Zinnpfeifen.

10. Oktober 1928: Kostenvoranschlag von Schwarz für Ersatz der billigen Kriegspfeifen.

September 1944: Erneute Ablieferung von Zinn-Orgelpfeifen für Kriegszwecke.

17. Februar 1960: Kostenvoranschlag über 4565 DM durch die Firma Gebr. Späth für Instandsetzung der Orgel mit Versetzung des Spieltischs und Umdisposition von sechs Registern. Umbau im Juli fertig.

1976 – 1978: Kirchenerweiterung bedingt vorübergehenden Ausbau der Orgel. Einbau lt. Kirchenführer in einem auf das Original zurückgeführten Zustand mit 26 (?) Registern auf zwei Manualen.

Nach 1983: Restaurierung und Erweiterung um ein drittes Manual.

gwm aus dem Crofft in den Highlands

hierzu Kommentare:
Hallo Herr Walcker, das „Anti-Wacker Gebilde“ in Pfaffenweiler hat die Fa. H. Weber aus Engerazhofen 1998 gebaut. Ebenso wurden Pedal 4′ sowie die beiden Ped. Zungen und der Geigenprinzipal neu gebaut. Aeoline, Mixtur und Oktavbass 8 sind aus Lagerbeständen zusammengesucht. OSV war Hans Musch aus Freiburg. Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen der Erzd. Freiburg Heft 43, Juli 1999 Unglaublich, dass man noch 1998 meinte eine für ihre Zeit an sich perfekte Orgel „verbessern“ zu müssen. Wo war das Denkmalamt? Muss man das verstehen? Beste Grüße P. – Ich meine nein! – es ist einfach unverständlich, wenn man nahezu „stilreine“ Instrumente mit einem solchen Zuckerguss an wesensfremden Elementen aufmischt, dann zerstört man eine tadellose historische Zusammenhängigkeit auf Kosten schnelllebiger Effekte – ewig gestrige Geistlosigkeit. gwm

Sehr geehrter Herr Walcker
Sie haben ja einen wirklich staunenswerten Internetauftritt, eine sehr interessante Reise durch Orgelwelten! Den Blog mit der Orgel von Pfaffenweiler habe ich zwischenzeitlich auch aufgetan.
Eine Information kann ich noch nachreichen: Die Sanierung und Rückführung in den Originalzustand 1978 wurde ebenfalls durch die Gebr. Späth durchgeführt, welche die Orgel mit II/17 angeben:
http://www.freiburgerorgelbau.de/restaurationen.php?restaurationen=1
Das würde die Vermutung bestätigen, daß bei der jüngsten Ergänzung nicht nur das dritte Manual zugefügt, sondern auch das Pedal erweitert wurde: Eine Trompete 8′ (keine Transmission) dünkt mich für eine Kegelladen-Landorgel für eine einst eher kleinere Kirche nämlich ebensowenig original wie eine Oktav 4′ im Pedal.
An dem „unwalckerischen“ Zusatzmanual lassen Sie ja kein gutes Haar. Bei mir schlagen da zwei Seelen in der Brust: Der Freund möglichst authentisch erhaltener romantischer Orgeln gibt Ihnen vollkommen recht, der (nebenberufliche) Organist ist für das seltsame Einsprengsel wiederum nicht ganz undankbar. Allerdings ist die Clarinette fürchterlich penetrant intoniert. Eine durchschlagende Zunge hätte ich, wenn schon Erweiterung, für reizvoller erachtet … aber wahrscheinlich wollte man der Orgel ein paar „barocke“ Töne einhauchen, ohne zu sehr in die Substanz einzugreifen. Leider war bisher nirgends zu erfahren, wer20dafür verantwortlich zeichnete.
Angespornt durch die ganze Angelegenheit werde ich morgen einen Ausflug nach Simonswald zu einer Walcker- und einer Kiene-Orgel unternehmen, zur Walcker-Orgel kann ich Ihnen gerne wieder Infos und Bilder schicken … AS

Die Walcker-Orgel Opus 3589 in Cartago, Basilika, Bj 1956, 31 Register

Samstag, Januar 24th, 2009

Diese Orgel ist die größte Walcker-Orgel in Costa Rica. Sie ist nach einer Reparatur von mir im Jahre 2007 teilweise spielbar.
Es handelt sich hier um eine Orgel mit elektropneumtischer Kegellade. Vor etwa 20 Jahren stand das Instrument nach Regen rund einen halben Meter unter Wasser, das hat den Kegel-Membranen den Rest gegeben. Aber bemerkenswert, auch diese Orgel ist komplett in Eiche gefertigt, weswegen kein Comejechen-Befall festgestellt wurde, und der Wasserschaden nicht grundsätzliche Zerstörung bewirken konnte, was man auf verschiedenen Bildern sehen kann. Daher kann nur ein Credo für südamerikanische Orgeln sein: Eiche, Eiche und nochmals Eiche!
Momentan wird diese Orgel teilweise im Gottesdienst eingesetzt, was aber durch erheblichen Schaden im Pfeifenwerk und Verstimmungen keinen angenehmen Eindruck hinterlässt.
Diese Kirche ist die berühmteste Kirche in Costa Rica. Hier werden jährlich im August über 3 Millionen Pilger aus ganz Amerika erwartet. Das Gebäude hat eine herrliche Architektur, sowohl außen wie innen. Sie hat ihren Namen von der Schutzheiligen des Landes. Die Fassade ist mit maurischen Bögen und kannelierten Pilastern und Engeln geschmückt. Das kusntvolle Kirchenschiff (siehe Foto) in Form eines doppelten Kreuzes besteht gänzlich aus Harthölzern (leider nicht wie die Orgel aus Eiche, weswegen dort schon Insektenbefall registriert wurde) und ist mit floralen Motiven bemalt. Parabelförmige Bögen ruhen auf kleeblattbekrönten Holzsäulen.
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Disposition:


I.Manual C-c’’’’ = 61 Töne

1. Principal 16’
2. Diapason 8’
3. Flauta 8’
4. Octava 4’
5. Piccolo 2’
6. Mixtur 4-6fach
7. Trompeta 8’

II.Manual im Schweller
8. Bourdon 16’
9. Flauto chimenea 8’
10. Gamba 8’
11. Principal 4’
12. Tapado 4’
13. Flauta de montana 2’
14. Quinta 1 1/3’
15. Oboe 8’
Tremolo

III.Manual im Schweller
16. Quintadena 16’
17. Corno de noche 8’
18. Viola 8’
19. Voix celeste 8’
20. Koppelflöte 4’
21. Principal 2’
22. Sesquialter 2 fach
23. Vox humana 8’
24. Clarin 4’
25. Campanas 20 notas
Tremolo

Pedal C-f’ =30 Töne
26. Contrabajo 16’
27. Subbajo 16’
28. Flauta bajo 8’
29. Pommer 4’
30. Posaune 16’
31. Trompete 8’

6 Normalkoppeln,
dazu
I Super, III/I Super
III/I SUB, III/II SUB, III SUB
III/II Super, III Super
2FK, P-MF- F-Tutti, Anulator
Crescendowalze und 2 Schwelltritte, Zungeneinzelabsteller

und hier weitere Bilder vom Orgelinneren:
cartago_basilica11.jpg cartago_basilica12.jpg cartago_basilica13.jpg cartago_basilica14.jpg cartago_basilica15.jpg cartago_basilica16.jpg cartago_basilica17.jpg cartago_basilica18.jpg cartago_basilica19.jpg cartago_basilica20.jpg cartago_basilica21.jpg

und hier die legendären Röhrenglocken, hier nennt man sie Campanas, die täglich durch das Kirchenschiff erschallen:
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gwm 24.1.09

Die Walcker-Orgel Opus 3051 in Guadalupe-San José

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Gebaut 1952 mit 20 Register auf elektropneumatische Kegelladen in die Kath. Kirche Ntra. Sra. de Guadalupe stellt diese Orgel ein ganz interessanten Typ dar, der mit 12 Achtfüssern kaum davon eine Ahnung hinterlässt, dass es gerade in Germanien sehr neobarock zugeht.
Diese Orgel die momentan unten neben dem Altar steht, soll noch dieses Jahr auf eine eigene Empore auf die Westempore gesetzt werden, wozu ich nachfolgende kleine Grafik erstellt habe:

30511.jpg

Die Dispo, vom Spieltisch abgeschrieben, liest sich also sehr Spät-Romantico:

Pedal C-f’ = 30 notes
1. Subbaß 16’
2. Contrabajo 8’
3. Flauta bajo 8’
4. Coral bajo 4’
5. Bombarde 16’
6. I / Ped
7. II / Ped

I.Manual C-g´´´= 56 notes
8. Bordon 8’
9. Principal 8’
10. Flauta 8’
11. Octaviante 4’
12. Quinta 2 2/3
13. Flautino 2’
14. Lleno 4-5h
15. Trompet 8’
16. II/I

17. Sub II/I
18. Super II/I
19. Sub II
20. Super II

II.Manual im Schweller
21. Geigenprincipal 8’
22. Tapado 8’
23. Viola 8’
24. Unda maris 8’
25. Ital. Principal 4’
26. Super Octaviante 2’
27. Oboe 8’
28. Tremolo

Tutti
Crescendo
2 combinationes libres
14 V =

Ja, man war sogar so s p ä t in seiner Romantik vernarrt, dass man wie auf folgenden Bildern ersichtlich ist, die einzige Mixtur radikal aus den Pfeifenstöcken rausgeworfen hat:
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und hier noch zwei Bilder vom Inneren unter den Laden:

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gwm 21.01.09

von Mahrenholz -und Jahnn-Mensuren

Sonntag, März 9th, 2008

Kein Mensch weiß mehr, wie es zu den Mensurenbezeichnungen bei Walcker um 1925-1940 kam, als man Mahrenholz, Jahnn und Walcker- Bezeichnungen miteinander in den Büchern vermischte. Dies wird auch wahrscheinlich kaum noch auffindbar sein.
2008-03-09_121626.jpg
Aber anhand der Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum wäre zumindest denkbar, dass man hier einige der Schemata anhand vorhandenen Pfeifenmaterials wieder rekonstruieren kann und mindestens eindeutige Bezeichnungen aus dem Opusbuch mit bestehendem Pfeifenmaterial in Einklang bringen kann. Dieses Ziel haben wir uns gesetzt.
Ein erster Schritt ist die hier veröffentlichte Mensurliste, wo es nur so von Mahrenholz- und Jahnn-Mensuren wimmelt.

Diese Liste wird mit tatsächlichen Werten in mm und Audiofiles erweitert.

bukarestmensuren.pdf

Interessante Prinzipalstruktur für alle, die solche Mensurblätter von Walcker zum ersten Mal lesen. Betrachten Sie den Principal 8 des HW der ab c eine sogenannte D-Mensur hat (c=88mm im Licht); nun sehe man auf den Octav 4′, der E-Mensur hat (also zwei HT enger ist) und betrachte man die Superoctav 2, sie hat natürlich Fs-Mensur (also wieder zwei HT enger). Und nun kann man schliessen, dass die Mixtur (ohne Mahrenholz oder Jahnn) der Regel nach Gs-Mensur hat. In Ausnahmefällen wurden Mixturen aber auch ein, zwei HT weiter als der 2′ gemacht, aber immer enger als der 4′.
Dieser Mensuraufbau der Principale war bei Walcker ab Orgelbewegung durchaus Usus, und zwar grundsätzlich auch bei der Nachkriegszeit, wo alle Mensuren sehr schematisch von Karl Bauer nach diesem Schema abgehandelt wurden.
(gwm) 9/3/08

Op 2460 – die Frei-Orgel in Heidelberg Handschuhsheim

Donnerstag, Dezember 27th, 2007

Auch in Deutschland hat Walcker eine Frei-Orgel, wie in Kufstein gebaut. Wobei unklar ist ob es vielleicht noch mehr von diesen Instrumenten gibt.
Diese Orgel war am Totensonntag im Jahre 1934 auf dem Friedhof in Heidelberg spielbar.
Hier jedenfalls ein Bild aus Heidelberg:

2007-12-27_1157081.jpg

Die Orgel wurde im Werk Steinsfurt als Op 22 in Jahre 1934 gebaut. Das Werk hatte vier Register mit der Disposition:

Manual C-g’’’= 56 Tasten, ausgebaut auf g’’’’ = 68 Töne, Bass- Diskant Trennung

1. Gedackt 8’

2. Voix celeste 8’ ab c

3. Principal 4’

4. Gemshorn 4’

Schweller, Bassmelodiekoppel, elektr. Traktur =14V, Taschenladen

„ Frei-Orgel“

Das Instrument wurde im Jahre 1964 entsorgt.

gwm 27.12.07

2460_heidelberg.pdf

Kegellade als Video

Mittwoch, November 14th, 2007

Anmerkungen zu Kegellade nun als Video. Unsere vielfachen Anmerkungen zur Kegellade haben wir uns nun entschlossen um ein Video (3min, 16MB) zu erweitern, da diese Form der Darstellung einige schöne plastische Möglichkeiten in sich birgt. Auch bei YOUTUBE einsehbar
Es handelt sich, wie in dem Video bemerkt, um die Kegellade des Schwellwerks im Bukarester Atheneum, die von den 8 Registern vier dem Pedal als Transmission zur Verfügung stellt. Das wird mit Bälgchen auf den Membran-Bälgchenleisten realisiert, indem Eisenwellen die Bälgchen niederhalten, wenn das Register aus ist, oder umgekehrt es freigeben, wenn Register eingeschaltet wird. Alles dies kann man auf dem Video gut erkennen. Auch die auf diese Leisten eingebauten Relais und die schaltenden Hebelmagnete. Das ist eine Besonderheit hier in Bukarest, die erwähnt werden muss.
Die Kegel sind mit dünnen Scherchen bestückt, die außerdem noch befilzt sind, Tribut an das geräuschhafte Arbeiten der Kegelladen. Was nicht unbedingt bei allen Walcker-Kegelladen zu finden ist.

San José, Colegio Don Bosco – WalckerOrgel Opus 3589. Bj.1958

Sonntag, Oktober 28th, 2007

4 changierende Registerreihen, auf Winddruck 76 mm WS
Bourdon 16 (Subbaß aus Metall) Gedeckt 8’ – Rohrflöte4 Reihe
Trompete 8’ – Oboe 4’ – 2’ Reihe
Principal 8’ – 4’ – Gemshorn 2’ Reihe
Mixtur 1 1/3’ – 1 – 1 1/3’ Reihe
2 Manuale C-g’’’, Pedal C-f’, 34 Registerauszüge.

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Diese Multiplexorgel hat kleine Hebelmagnete unter der Kastenlade und ist komplett in Eichenholz gefertigt, das mit Bootslack lackiert wurde. Es ist die einzige voll funktionsfähige Orgel, die ich in Costa Rica angetroffen habe. Mögliche Probleme werden am Motor erwartet, sonst aber sei der Orgel eine gute und lange Funktionssicherheit beschienen.
Durch eine Umstellung in das neue Kirchengebäude vor rund 20 Jahren sind die Prospektpfeifen teilweise beschädigt worden. Die seltsam hohe Stimmung von 458Hz/18ºC von Beginn an, dies war an den Pfeifen recht leicht zu erkennen, wurde auf 442Hz/18ºC geändert, da kein Chor oder Zweitinstrument mit dieser Stimmung klar kam.
Sehr gut klingt der Principal der über Flöten zur Gemshornmensur changiert. Ebenso die Trompete, welche ab c’ eine Oboe mit Trompetenbechern wird. Die Mixtur dagegen wäre als 2 2/3- 2 – 1 3/5 viel interessanter zu gestalten gewesen, wobei man dann changierend zum echten Kornett übergegangen wäre.
Das Gedeckt, das zur Rohrflöte changiert ist fantastisch und bietet mit den Auszügen aus Principal 1 1/3 und 1’ ganz hervorragende Mischungsmöglichkeiten. Ein solches Instrument ist durch die gute Funktionsfähigkeit der Hebelmagnete anstelle dieser Topfmagnete, die man dann leider später verwendete, oder auch vorher bei Oscar Walcker-Orgeln hatte, eine wichtige Quelle für Hausorgeln. Denn was diesen Orgeln natürlich fehlt ist die Masse an Tonvolumen, das man besonders bei etwas größeren Kirchen nicht mehr aus diesen Instrumenten herausholen kann, aber bei Hausorgeln kaum erwartet wird.
Daher auch hier in Don Bosco, die Orgel kann die volle Kirche kaum füllen. Für Konzerte ist sie interessant weil wir viele Mischungsmöglichkeiten haben, was sehr reizvoll in verschiedenen Stücken eingesetzt werden kann. So kann ich kann sehr gut verstehen, dass Organisten, die hier in Costa Rica ansässig sind, sich besonders für dieses Instrument interessiert haben.
Die Arbeiten an dieser Orgel sind teilweise sehr gut in der Zeitung „La Nación“ fotografisch dokumentiert: „http://www.nacion.com“ .

kleines Video von der Orgel
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Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
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Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
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Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

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Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

Palmares – WalckerOrgel Opus 402, Bj1881

Montag, Oktober 22nd, 2007

Es gibt wirklich nur wenige Orgeln, die einen Orgelbauer restlos begeistern können. Besonders dann, wenn man auf ein Instrument trifft, das völlig andere, nämlich negative Erwartungen ankündigte. Dann aber, nach der Fahrt auf der legendären Panamericana, der längsten Auftostraße der Welt, die sich wohl von Santiago de Chile bis hoch nach Alaska erstreckt, und auf der ich bereits in Guatemala und Equador einige Kilometer zurückgelegt habe, da eröffnete sich mir ein unheimliches Erlebnis.
Als ich die ersten Töne der Viola di Gamba 8′ auf diesem seltsamen Instrument entlocken durfte, als sich beinahe Tränen der Rührung bemerkbar machten, wurde mir der grandiose, stille Klang dieser Walcker-Orgel am anderen Ende der Welt zu etwas gewiss Feststehendem, nämlich, dass es tatsächlich noch Orgeln auf unserem Erdenrund gibt, die jenen Klang bewahrt haben, auf dessen Suche wir uns begeben haben, lebenslang, unser Jakobsweg, und sei es die Panamericana.
Der Klang dieser Orgel wurde bewahrt, wie die Porcellanschilder und natürlich die Windladen und Pfeifen – allerdings in einem teils bedenklichen Zustand. Wir können das recht einfach an verschiedenen Störungen der Traktur und der Windanlage feststellen.
Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, dieses Instrument zu überholen, um die verschwimmende Charakteristika wieder zurückzuholen. Und die Feststellung, hier in Costa Rica ein Instrument zu haben, wie wir es in Deutschland kaum noch anzutreffen hoffen, das beruhigt, das gibt eine gewisse Kraft und festigt die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Leider liess sich auf Grund elementarer Verstimmung und technischen Störungen keine Klangaufnahme machen, dafür aber sehenswerte Bilder:

the magic colores of Palmares

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Porcellanschild Walckers aus 1881

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so wie dieses Schild aussieht, so klingt er, der Principal 8′, fein ziseliert, filigran, warm, warm, warm und tief und breit….

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und hier die Herren, von rechts nach links, der Sakristan, Andrés, der Pfarrer Keneth Castillon, gwm,
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DISPOSITION DER WALCKERORGEL IN PALMARES
Manual
Principal 8
Gedeckt 8
Salicional 8
Viola di Gamba 8
Octav 4
Flöte 4
Octav 2
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5

Pedal
Subbaß 16

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)