Archive for the ‘Walcker Orgeln’ Category

Die Walcker-Orgel Opus 1085 in Heidelberg-Christuskirche

Freitag, April 1st, 2011

Diese Orgel, im Jahre 1903 rein pneumatisch gebaut, hat in den vergangenen 100 Jahren zwar einige Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen, war aber nie soweit umgestaltet worden, dass man einer Rückführung auf das ursprüngliche Klangbild und jetzt auf den ursprünglichen technischen Zustand, nämlich die pneumatische Traktur, hätte nicht durchführen können.
Nun also ist das Werk wieder auf etwa dem Zustand wie es im Jahr 1903 war. Und das Besondere ist neben dem hervorragenden Klang, den Gerhard Lenter verantwortet, ein pneumatisches Wunderwerk, das sein Sohn Markus gestaltete.
Die Orgel, die in 1954 auf elektropneumatisch umgerüstet wurde, erklingt jetzt als pneumatische Orgel.
Dazu ist festzustellen, dass diese Spielart eine ganz hervorragende Präzision besitzt, die neben dynamischen Möglichkeiten, Register entweder spritzig schnell ansprechen zu lassen, auch ein weicheres Einschwingen der Pfeifen erlaubt. Die Präzision ist unschlagbar, das Beste, das ich bei pneumatischen Instrumenten bisher gehört und gesehen habe.
Der Klang der Orgel dürfte sehr nahe an die Schule „Fritz und Eberhard Walcker“ herankommen, was bekanntlich in Oscar Wackers elsässische Bestrebungen mündete mit der späteren ersten großen Reformorgel in Dortmund Reinoldi.
Noch wird in Heidelberg hart gearbeitet, insbesondere an der Intonation. Die Einweihung soll an Ostern stattfinden.
Wer hier in Deutschland also noch die romantischen Mixturen sucht (2-1 1/3-1-4/5 oder 2-1 3/5-1) wer Sibelius-Klarinetten sucht, die hier natürlich durchschlagend sind und die auch Oscar Walcker in Mensur völlig unverändert übernommen hat oder wer die singenden Principale sucht, die sich vom I.Manual hinauf zum Dritten aufhellen, als ginge das Licht in der Kirche crescendo stufig an, der sollte nach Heidelberg, nicht nur, um den reichen Fundus an Flöten hören zu können, sondern auch, um zu sehen, dass die Walckersche Pneumatik unschlagbar exakt und präzise gearbeitet hat. Daher auch der nur schwerliche Übergang zur elektrischen Traktur, den Carl Walcker für unnötig erachtete.

Dispo aus dem Opusbuch (die bei Doering genannte Disposition ist nicht mehr aktuell)
I.Manual Hauptwerk C-g3
1 Principal 16
2 Principal 8
3 Gedackt 8
4 Doppelflöte 8
5 Viola di Gamba 8
6 Synthemtophon 8
7 Gemshorn 8
8 Octave 4
9 Rohrflöte 4
10 Rauschquinte 2 2/3+2
11 Mixtur 3-5f 2
12 Mixtur min. 4f 1 1/3
13 Trompete 8 c

II.Manual Schwellwerk
14 Bordun 16
15 Principal 8
16 Salicionnal 8
17 Dolce 8
18 Quintatön 8
19 Traversflöte 8
20 Schalmei 8
21 Octav 4
22 Flöte 4
23 Piccolo 4
24 Mixtur 3-4f 2 2/3
25 Clarinette 8

III.Manual Oberwerk schwellb.
26 Lieblich Gedackt 8
27 Geigenprincipal 8
28 Rohrflöte 8
29 Viola 8
30 Vox coelestis 8
31 Aeoliine 8
32 Traversflöte 4
33 Fugara 4

Pedal C-f1
34 Principaalbass 16
35 Violonbass 16
36 Subbass 16
37 Quintbass 10 2/3
38 Octavbass 8
39 Violoncello 8
40 Octav 4
41 Posaune 16
42 Trompete 8
T Gedacktbass 16
T Saicetbass 16

Gerhard Lenter
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hinterm Spieltisch

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gwm

Die Walcker-Orgel Op.719 , III/38, in Basel mit pneumatische Kegelladen

Sonntag, September 12th, 2010

Dieses vorzügliche spätromantische Instrument aus dem Hause Walcker, von dem wir im höheren Norden bisher nichts zur Kenntnis nehmen wollte, ist tatsächlich nahezu vollständig erhalten (geringe Aufhellung der Mixturen, die man wieder beseitigen sollte).
Ein Umstand der uns sofort begeistert zu dem von Nicoleta Paraschivescu geschicktem Material greifen liess.
Die vorzügliche Restaurierungsarbeit wurde geleistet vom Orgelbauer Eduard Müller, der bei Metzler & Söhne gelernt hat.
Zunächst möchte ich die originale Disposition der Orgel aus 1896 zeigen, die jedem echten Orgelfreund das Herz erzittern lässt:

dispo-1896.jpg

Hieran wurden folgende Änderungen im Laufe der Zeit getan:

a) Die Dolce wurde gegen eine Fugara 4 im Jahre 1905 getauscht
b) die vierfach Mixtur von 2 2/3 auf 2 geändert und die Terzen entfernt (unbedingt sollte man das wieder retournieren)
d) die Trompete wurde 1920 ersetzt (da hätte der Austausch der Blätter gereicht)
e) eine neue Voix céleste 8′ wurde im Jahre 1920 neben die Aeoline gefügt in pneumat. Taschenlade (solcherlei Dinge haben dazu geführt, dass man der Bewegung Gründe lieferte, derartige Instrumente zu verfolgen, wie weiland die Roma und andere)
f) die Oboe 8′ wurde gegen eine aufschlagende ersetzt (verständlich, aber falsch: der butterweiche Schnurreffekt der Durchschlagenden wäre heute dazu angetan, regelrechte Pilgerzüge nach Basel zu leiten. Mindestens wöchentliche Stimmführungen allerdings hätten dazu geführt, dass regelmässig ein paar Zünglein ersetzt werden hätten müssen, was zwischen 1950 und 1980 Probleme mit sich gebracht hätte. Heute, so meine ich, wäre das kein Problem mehr)
g) die Harmonica 8 im III. hatte keine Chance: 1905 ersetzt durch eine Viola 8, dann kam 1950 ein völlig deplaziertes Flageolet 2′
h) Mixtur 2 2/3 wurde 1950 geändert in 1 1/3
i) das Pedal bekam 1920 einen Quintbass 10 2/3 dazu mit Taschenlade
j) der Harmonicabass 16 wurde zum Violonbass 8 und dann 2004 verkümmerte er zur Rohrflöte, was in dieses Klangsystem wohl überhaupt nicht reinpasst.
k) die Posaune 16′ findet sich in der neuen Disposition überhaupt nicht mehr, was wohl der dramatischste Fehler dieser Disposition dann wäre

Wir möchten aber nicht in den Reigen der allfälligen Kritik verharren, sondern das Instrument hervorheben und ausdrücklich lobend als eines der ganz wichtigen spätromantischen Walcker-Orgeln loben. Das wird durch die nachfolgenden Bilder unterstrichen.

Wie sieht denn so eine Pneumatik aus, werden viele unserer Besucher fragen, die sich bestimmt gut im Orgelbau auskennen, aber kaum in der Lage sind frisch und frei in ihrer unmittelbaren Nähe eine pneumatische Orgel aufzufinden.

Hier die Rückseite des Spieltisches. Zu beachten sind die mechanischen Registerzüge und die mechanischen festen Kombinationen.

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Das folgende Bild zeigt die Steuerung der Registerventile vom Hauptwerk: Mixtur, Gamba, Gedackt, Fugara, Flauto amabile, Principal

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Hier der Spieltisch mit einigen schönen Details

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Vorstellung einzelner Register mit Pfeifen

Die durchschlagende Clarinette, links mit Zinnbecher und Holzstiefeln in unterschiedlicher Höhe, was klanglich von Bedeutung ist, rechts Kopf und Kehle aus Holz mit Rahmen und Krücke aus Messing, darin „schwebt“ die durchschlagende Zunge
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Pfeifenwerk im Hauptwerk, von links nach rechts : Trompete mit Zinkbechern, Doppelflöte 8′ in Holz, Bourdon 16′ Holz
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Pfeifen des II.Manuals von links nach rechts: das erwähnte „unnötige“ Flageolet 2 (kaum zu sehen), der Salicional und Geigenprincipal 8 auf Augenhöhe, Lieblich Gedackt 16′, dann ohne Deckel Wienerflöte 8′ und ganz am Rand die Becher der Clarinette 8′
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und zum krönenden Schluß der vorzügliche Entwurf der Orgel (vom Breslauer Architekten Felix Henry, der mit dem neogotischen Entwurf der Kirche den Wettbewerb 1896 gewonnen hatte)

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Bei der nachfolgenden Adresse, dort wo sich die Orgel befindet, kann übrigens ein hervorragender Prospekt über die Orgel angefordert werden:
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3
CH-4001 Basel

www.erk-bs.ch

gewalcker@t-online.de (der sich schon wieder auf die Rückreise nach Rom vorbereitet)

Pneumatik anstelle Barkerhebel – Oscar Walckers Vorschläge

Donnerstag, April 15th, 2010

Pneumatisch-mechanische Ventilbetätigungen bei Schleifladen anstelle von Barkerhebeln von Oscar Walcker vorgeschlagen am 15.Aug. 1941.
Der Übergang von Registerkanzellenladen wie Taschen-und Kegelladen auf Schleifladen verlief bei der Firma Walcker gleichzeitig mit einem Generationswechsel.
Nicht nur der Wechsel von einem Windladensystem zum anderen sondern auch die Abkehr von elektropneumatischen Auslaß-Systemen oder reinen elektrischen System der Multiplexinstrumente, die anfangs durchaus von den Leuten der Orgelbewegung begrüßt wurden, und der Wandel hin zur Mechanik brachte eine ganz gewaltige Metamorphose zustande.
So ist es nicht verwunderlich, dass bei Walcker zunächst die pneumatischen und elektropneumatischen Systeme mit der von allen Sachverständigen geforderten Schleiflade in Verbindung gebracht wurden. Die Registermechanik wurde durch pneumatische Bälge ersetzt.
Bild aus der Fertigung:
0000_apparate.jpg
Die Tonkanzellenventile wurden durch barkerähnliche Bälge aufgerissen, die wiederum über eine Mechanik und dazwischen liegendes Ausstromsystem angesteuert wurde. Man konnte sich einfach von diesen Gedanken der penumatischen Ansteuerung, die uns heute völlig abstrus vorkommen, nicht lösen (siehe Zeichnung A)
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Eine weitere Variante, die ebenfalls sehr oft und detailliert gezeichnet worden war, ist diejenige (Zeichnung B) welche einen relativ großen Ausstrombalg, Ventilbalg, (wie er ähnlich bei Registerkanzellen zum Öffnen der Registerkanzelle verwendet wurde) verwendet. Wir können uns anhand der Zeichnung gut vorstellen, welch enormer Empfindlichkeit eine solche Trakturen ausgeliefert sind.
schleiflade_pneum_venti_z02.jpg
Auch die Variante C, bei der unter dem Ventilkasten Keilbälge angeordnet sind, die mit ausströmendem Wind das Tonventil aufreißen, hat seine Eigenarten. So kann an der Mutter über der Traktur die Schnelligkeit, mit der das Ventil wieder schließen soll reguliert werden.
schleiflade_pneum_venti_z03.jpg
Allen drei Konstruktionen liegt vor allem der Gedanke zu Grunde möglichst effektiv die Ventile aufzuziehen und dabei keine Klopfgeräusche zu verursachen, wie das beim normalen Barkerhebel der Fall sein kann.
Zeichnungen werden von Oscar Walcker am 15.Aug.1941 kommentiert.
Wir werden in Zukunft weiter zu untersuchen haben, wo solche Orgeln gebaut wurden, die jene Spieleinrichtungen hatten, und wie sich das alles bewährt hat. Und noch schöner wird es sein, wenn man Instrumente findet, wo solche Spieleinrichtungen vielleicht noch funktionstüchtig sind!
Weitere Dokumente sind
a) die Beschreibung der Systeme von Dr. Oscar Walcker
schleiflade_pneum_ventil.jpg

b) Liste Größe der Tonventil-Bälge lt. Oscar Walcker
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Die Walcker-Orgel Opus 876 -Bj 1899, Motherwell-Schottland, II/23

Sonntag, März 14th, 2010

Eine vollständig erhaltene, rein pneumatische Walcker-Orgel zu finden, ist heute nicht mehr einfach, aber es gelingt hin und wieder in anderen Ländern.
Hier vorab die Disposition dieser spätromantischen Walcker-Orgel, die leider dank unprofessionellem Service heute nicht mehr spielbar ist:
0876 Motherwell (Schottland)
Orgel wurde bestellt am 30.Jan 1899 – lieferbar August 1899
Auslieferung muss aber später erfolgt sein, da Nachbestellungen später.

I.Manual C-c4=61 Noten GREAT
1. Bourdon 16’ Holz
2. Open Diapason 8’ Probezinn, Prospekt, Ds-Mensur
3. Double Flute 8’ Holz
4. Dulziana 8’ von Metall
5. Viola di Gamba 8’ von Metall (nach Dolce)
6. Harmonic Flute 4’ von Holz
7. Principal 4’ von Metall E-Mensur
8. Fifteenth 2’ von Probezinn, 1 Ton enger
9. Mixtur 2 2/3’ 3fach von Metall, 2 2/3-2-?
10. Trumpet 8’ von Metall

II.Manual C-c4=61 Noten SWELL
11. Lieblich Gedackt 16’ von Holz
12. Gedackt 8’ von Holz
13. Small Diapason 8’ 12 Holz, Rest Metall, (Flötenprincipal)
14. Echo Gamba 8’ von Metall
15. Voix celeste 8` von 4’ an Metall (nach Echo Gamb)
16. Principal 4’ von Metall Fs Mensur
17. Rohrfluite 4’ von Metall
18. Cornett 8’ 3 fach Metall, C 4-2 2/3-1 3/5, c 2-1 1/3-4/5
19. Horn 8’ von Metall
20. Oboe 8’ von Metall

Pedal C-f1= 30 Noten
21. Diapason 16’ C-H Holz, Rest Probzinn im Prospekt – stark, weit mensuriert, Gs-Mens
22. Subbaß 16’ von Holz, F Mensur
23. Violoncello 8’ aus Metall

Swell to Great
Great to Pedal
Swell to Pedal
Swell Superoctav
Swell Suboctav
Tremulant for Swell
Balanced Swell Pedal
Gerneralcrescendo and Diminendo
Tutti
Windladen: rein pneumatische Kegelladen

Die Kirche hat sich mit dem Gedanken getragen, die pneumtische Traktur zu elektrifizieren. Also die bekannte „faustische“ Weise, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, anstatt zuerst einmal darüber nachzudenken, dass wir hier eine wirklich großartige historische Substanz zu erhalten haben. Klar, dass wir diesem „pragmatischen Orgelbauervorschlag“ glatt und energisch widersprachen.
Nun zeige ich einige jener Bilder, die uns immer wieder Furcht einflössen, wenn man den Kasten einmal geöffnet hat, und zunächst völlig ratlos vor den letzten Jahren des „general tuning“ stehen.

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Pneumatik
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Spieltisch
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Wer das letzte Bild gesehen hat, der hat tief in das Herz des wartenden Orgelbauers geblickt.

gwm

Gran Fabrica De Organos Tubulares – Sistema Pneumatico de E.F.Walcker Y Compania

Samstag, Dezember 26th, 2009

Gran Fabrica De Organos Tubulares – Sistema Pneumatico de E.F.Walcker Y Compania – Ludwigsburgo, Alemania – México, 25 de Agosto de 1904.
Es la Fábrica de E. F. Walcker y Comp. la más grande y afamada en el mundo y la que marcha á la cabeza de todas las de su especie.
La Fábrica de E. F. Walcker y Comp. es la que ha sido siempre premiada en todas las Exposiciones Universales á que ha concurrido, con las primeras medallas, altas recompensas, títulos y condecoraciones.
En el año de 1895 á la Casa de Walcker le fue encomendada la construcción de un órgano flautado para la Basílica de San Pedro en Roma, cuyo encargo fue desempeñado con tan lisonjero éxito, que la Casa constructora fue felicitada y obsequiada por su Santidad León XIII, con la Gran Medalla de Oro, y además obtuvo la honra de ser nombrada proveedora del Vaticano.
En la construcción de estos famosos instrumentos sólo se emplean materiales de primera calidad y-la mano de obra más perfecta; nada se omite de lo que tienda á asegurar la duración y la perfección de las partes mecánicas y de la estructura general del instrumento; todo lo que la ciencia y el gusto musical pueden producir, está aprovechado. En el órgano de Walcker, el carácter de los diversos registros, es producción de artistas especialmente adiestrados en este difícil trabajo; en cuanto á la construcción de los tubos, se escogen siempre los materiales más adecuados; el material que tiene el más insignificante defecto, es rechazado desde luego.
Cada órgano, cualquiera que sea su tamaño, se sujeta á un estudio y cuidado especial, de manera que todas y cada una de sus partes alcancen una excelencia máxima. Los recursos de la Fábrica de Walcker son tan numerosos y tan grandes, que les permiten no ahorrar ningún gasto para obtener la perfección absoluta del instrumento, tanto en el tono como en la mano de obra. Naturalmente ocurre preguntar, ¿por qué medios la Fábrica de Walcker, ha alcanzado un renombre universal? Sin duda porque en su manufactura y desarrollo artísticos, están ocupados hombres que han llegado á la mayor habilidad en la construcción del órgano. A la cabeza de la Fábrica se encuentran los Sres. D. Carlos, Eberhard y Osear Walcker, á quienes secundan un sinnúmero de ayudantes versados en la ciencia de la acústica, expertos organistas de primera clase.
Desde la fundación de la Fábrica en 1820, se han construido arriba de 20,000 registros sonantes de órgano, cuyas flautas alcanzan la enorme cifra de r.000,000. El número de registros sonantes que se fabricaron el año próximo pasado de 1903, pasa de 1,500 con cerca de. . . 100,000 flautas. Estas enormes cifras indican el crédito y demanda de los Órganos de Walcker. Sumamente interesante es dar un vistazo al índice de la Fábrica en donde constan los lugares en donde se han instalado sus instrumentos; parece que no falta ni una Ciudad de importancia en el mundo, que no cuente con uno de estos preciosos instrumentos.
El renombre universal de los órganos flautados de Walcker, lo confirman las innumerables cartas de felicitación que hemos recibido tanto del Venerable Clero como de los Ilustrísimos Señores Arzobispos y Obispos que nos han encomendado la construcción de un órgano tubular de la Casa de Walcker, y de cuya instalación y supremas cualidades han quedado plenamente satisfechos.
Hasta hoy hay instalados en esta República 24 Órganos de Walcker, y hasta el fin del presenté año, tendremos montados otros 10 Órganos más. En este año hasta la fecha hemos mandado construir 14 Órganos de Walcker, y este gran número, es la eminente prueba del éxito y aceptación que entre nosotros han tenido dichos instrumentos.
No obstante que los referidos Órganos los hemos montado en distintos climas, no hemos tenido ninguna reclamación, la cual prueba, forma ya por sí misma una recomendación.
Entre los órganos en construcción se encuentra el de la Catedral de Morelia, recientemente contratado, obra maestra como existen pocas en Europa y en los Estados Unidos del Norte, y que será el Órgano más grande y más hermoso en toda la América Latina. Verdadera satisfacción nos causa que nuestra casa haya sido la preferida para contratar tan grandioso instrumento, y que tanto el Ilustrísimo y Reverendísimo Señor Arzobispo Dr.D. Atenógenes Silva como el Venerable Cabildo de la Ar-quidiócesis de Michoacán, hayan depositado en nosotros su confianza para dar cima á tan colosal empresa; lo cual pone de manifiesto la superioridad de los instrumentos de la Fábrica f I más grande que existe en el mundo y que nos honramos en representar en esta República, y el gran crédito de que goza nuestra casa, por ser la que mayores garantías presta á su estimable clientela, pues llevando más de diez lustros de existencia, las bases sobre que descansa son sólidas, grande por consiguiente la práctica adquirida, y elementos y personal suficientemente apto, para cumplir con religiosidad todos y cada uno de los compromisos contraídos, no omitiendo gasto ni sacrificio alguno para que el resultado de sus trabajos, sea superior á sus ofrecimientos. Esto no sucederá lo mismo con una casa establecida en pequeño, pues sus pocos medios de acción, y la pequeña esfera en que se mueven, no menos que el reducido número de personal de que puede disponer, no le permitirá dar satisfacción completa á sus ofrecimientos, aunque su voluntad sea mucha.
Tenemos además que advertir que en los precios de los órganos tubulares hay tanta diferencia, como en los precios de los pianos; y esto depende de la primacía de la fábrica de donde procedan. Desde que se fundó nuestra Casa, siempre nuestros cuidados y desvelos han
consistido en procurar que todos los instrumentos que importemos sean de una Fábrica afamada; y lo que en pianos y armónicos mucho nos preocupa, debe de interesarnos aun más cuando se trata de órganos tubulares. Muy fácil nos sería encargar órganos de precio más reducido, pero esto no conviene ni á nuestra estimable clientela, ni al buen nombre de nuestra Casa; porque un instrumento barato, no está construido con materiales de primera clase, en poco tiempo sufriría descomposturas, y como el órgano es un instrumento tan delicado, daría por resultado que en pocos años se tuviera un instrumento defectuoso; así pues, repetimos, hay que preferir los órganos de Walcker porque están fabricados con materiales de primera clase, porque los órganos de Walcker son los más ricos y bellos en su sonido, y, finalmente, porque Walcker con sus órganos tiene la fama tan justamente adquirida como Steinway con sus pianos.
Si en Europa otras fábricas no pueden igualar la construcción de los Órganos Walcker, menos podrán igualarlos en la República Mexicana, ya por la falta de materiales á propósito * para la construcción, ó ya también por falta de un personal bastante instruido, que como es bien sabido, esto sólo se consigue con mucho tiempo y paciencia.
Nosotros hemos pedido al Gobierno una concesión para montar con toda la maquinaria necesaria una Fábrica de Órganos, porque hasta ahora en México no hay ninguna, aunque algunos pretenden tener Fábrica no se les debe creer porque trabajan con un aparato tan primitivo, que para personas inteligentes y conocedoras en la materia no tiene ningún valor. Aunque nosotros queremos instalar la Fábrica con los últimos adelantos, y nos proponemos contratar un basto personal entre todo lo mejor de las Fábricas alemanas, tenemos que confesar, que no ignoramos las dificultades que tenemos que vencer y sí, sabemos muy bien que transcurrirán muchos años para que nosotros lleguemos á fabricar un Órgano debidamente acabado, y que para que nosotros lleguemos á fabricar un instrumento como los mejores de Europa, tales como los de E. F. Walcker y Cía., repetimos: tendrán que transcurrir muchos años, y todavía así dudamos conseguirlo. Mientras tanto, siempre que las personas quieran tener un órgano artísticamente acabado, se resolverán mandar construir el instrumento en la fábrica de Walcker, y nosotros no dejaremos de importar estos magníficos órganos, que tan buen resultado han dado en México.
Suplicamos pues á nuestra estimable clientela, se sirva tener presentes todas estas consideraciones, y no dudamos que ellas lo inducirán á preferir, en caso de que lo necesite, un instrumento supremo de la Casa referida de E. F. Walcker y Cía., que tenemos el gusto de proponer y que llena perfectamente todas las necesidades del culto.
A los señores Obispos y Curas les daremos con mucho gusto datos y explicaciones de estos notables órganos, y siempre estamos dispuestos á facilitar dibujos, disposiciones y presupuestos con la más grande economía posible en el precio.
Con orgullo podemos decir que nuestra Casa es lamas entendida y competente en este ramo, pues que contamos con bastante personal inteligente para cumplir cualquier compromiso.

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Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo
Gerhard Walcker-Mayer
gerhard@walcker.com

Die Walcker-Orgel Opus 306 in der Wiener Votivkirche

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

„Die Orgel der Wiener Votivkirche ist eine der bedeutendsten Denkmalorgeln der Welt!“, so Prof. Dr. Karl Schütz in einem Bericht aus dem Jahre 1988, als die Restaurierungsarbeiten an dieser Orgel ausgeschrieben wurden.
Es handelte sich 1878, als diese Orgel gebaut wurde, um eine erste Bewährungsprobe der Söhne Eberhard Friedrich Walckers.
Gleichbedeutend mit die Walcker-Orgel in Riga, handelt es sich bei beiden Instrumenten um mechanische Kegelladen-Orgeln, die im I.Manual mit Barkerhebeln betrieben werden.
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Alexander Wilhelm Gottschalg
Es ist interessant diese Orgel anhand der original Pläne studieren zu können, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden und es ist schon etwas Großartiges aus der Feder eines bedeutenden Musikers der damaligen Zeit, dessen Eindrücke über diese Orgel und der Orgelbauanstalt Walcker zu erfahren, der dieses Instrument in der Werkstatt in Ludwigsburg besucht hatte. Es handelt sich hier um Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) thüringischer Kantor, Organist und Komponist, der nicht nur Schüler bei Franz Liszt war, sondern diesem auch beim Komponieren half. Liszt hatte über Gottschalg geäußert: „Wenn ich selbst einmal zur Legende geworden bin, wird Gottschalg mit mir fortleben“.
Jener Gottschalg berichtet nun über Ludwigsburg als dem „Mekka Deutscher Orgelbaukunst“ dem er schon lange einen Besuch abstatten wollte und nun am Bahnhof von Carl Walcker abgeholt wird. Gottschalg berichtet über die Aufstellung der Orgel, über Klänge bereits eingebauter Register und über die Spielart mit den „pneumatischen Maschine“ sprich „Barkerhebel“. Noch nie hat er diese Zukunftswindladen in solch vortrefflicher Vollkommenheit gesehen, als hier bei Walcker. Er geht auf Details ebenso ein, wie die „alten Messingfedern“, die ja nun bei den Kegelventilen nicht mehr notwendig sind, oder er beschreibt die von Walcker erfundenen Stimmrollen – schieber- und Nägel. Wichtig natürlich für uns heute sind seine Beschreibungen der Klänge, die uns direkt zu den Vorstellungen der romantischen Komponisten führen. Er freut sich, dass bei seinem ersten Ausprobieren alle fünf Brüder sich langsam einfinden: Heinrich, Friedrich, Karl, Paul und Eberhard. Und damit haben wir eine wohl eine nicht nur für Walcker- und Nachfahren historisch bedeutende Stunde des Deutschen Orgelbaus erwischt, sondern wohl eine Darstellung über den Deutschen Romantischen Orgelbau, wie es das nicht oft gegeben hat.
Dieser Bericht jedenfalls hat mich soweit motiviert, diese ganzen Unterlagen mit Disposition und Beschreibungen abzufassen. Was nicht wenig Arbeit war. Erhöhte Motivation auch, weil es eben mit dem Umstand verbunden war, dass diese Orgel heute noch vollständig existiert.

1901
Die Tatsache, dass man die Pistonbälge (Kastenbälge) im Jahre 1901 gegen Magazinbälge und Tretgebläse ersetzte, ist allerdings heute als bedauerlich zu verzeichnen, weil diese Pistonbälge mit Schrittmotoren recht gut zu betreiben wären. Im Gutachten von Prof. Dr. Schütz steht, es handle sich um 9 Pistonbälge, die von 3 Männern betreiben worden wären, was offensichtlich falsch ist. Auf unserer Zeichnung sind es 6 Bälge, die tatsächlich von 3 Mann gut betrieben werden könnten.

1914
Wurde die Mechanik zum Betrieb des Gebläsemechanismus wegen Lärm und Abnutzung entfernt und ein Meidinger-Gebläse wurde eingebaut.

1917
Kriegsbedingte Entfernung der Prospektpfeifen

1944/45
Bombenangriff und Schäden an der Orgel

1995/96 Restaurierung der Orgel durch Klais, Bonn

Links zu weiteren Dokumenten:
Disposition der Orgel nach Opusbuch Walcker
Bericht von Alexander Wilhelm Gottschalg aus dem Jahre 1878
Spieltisch der Orgel
Die Walcker-Orgel in der Wiener Votivkirche

Bericht von Herrn Pierre-F.Baron über diese Orgel aus 2006

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Dokument Prof. Dr. Schütz
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Bilder der Zeichnungen

schematischer Grundriss zur Orientierung
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Grundriss mit Pistonbälgen (die jetzt nicht mehr vorhanden sind)
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Schnitt durch HW und Pedal
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Schnitt durch II.Manual und Piano Pedal
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gwm

Walcker Spieltische mit Akanthusranken

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Dieser Blog soll eine Ergänzung zu unserer Spieltischseite sein, wo jene Spieltischtypen etwas unterrepräsentiert sind, die hier beschrieben werden:
Die Akanthusblätter, die wie ein Siegeslorbeer um das Haupt der Orgel, dem Spieltisch, sich ranken, war sicher ein interessantes Motiv für die durchaus national gesinnten Bürger in Hamburg, wo jener Ausgang für mehrere Spieltischgestaltungen sich entwickelte. Wir haben also den Spieltisch Op. 1700, der 1912 gebaut wurde und wo diese ausschweifende Blattgestaltung am ausgiebigsten verwendt wurde.
Akanthusblätter werden seit etwa 450 vor Chr. bei griechischen Tempeln verwendet. Dort nicht nur am Korinthischen Kapitel sondern z.B. auch in Palmetten-Friesen wie im Erechteion, Athen. In der römischen Antike wurden diese Blattformen noch wuchernder eingesetzt.
Seit Renaissance und Klassizismus, und vermehrt im Neoklassizismus werden solche Gestaltungen vielleicht ihrer bewegenden Dynamik wegen immer wieder an Orgelgestaltungen als Ornament verwendet.
Das erste Foto, welches im Walcker-Katalog 1914 enthalten ist, zeigt den Hamburger Spieltisch samt Orgelaufbau in Ludwigsburg (1911-12).
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Weitere Spieltische mit dieser Blattgestaltung fand ich gefertigt für Malmö (zwei mal)
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Und nun ist eigentlich interessant, dass diese Form der Spieltische hauptsächlich nach dem I.Weltkrieg Verwendung fand, vor allem im Ausland, und damit das Argument, es handle sich um ein schönes nationales Feier-und Siegessymbol so nicht sein kann.

Hier also zunächst Stockholm, dann Barcelona
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Der Spieltisch für Rotterdam (jetzt Doesburg) kann ein paar Blogs weiter unten gesehen werden.

Hier haben wir noch zwei sehr stark abstrahierte Akathus-Spieltische, Recklinghausen und Bonn
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und hier einen Spieltisch der für Oslo bezeichnet war, was aber nicht sein kann, also unklar wohin er eingebaut wurde, denn Oslo haben wir rechts daneben.

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Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für Rotterdam, jetzt in Doesburg

Samstag, November 14th, 2009

Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für die Nieuwe Zuiderkerk in Rotterdam 1914-16, IV/64+11, umgestellt 1969/72 (Jos. Vermeulen, Alkmaar) in die Martinkerk in Doesburg.
Diese Orgel stellt eigentlich das einzige spätromantische Werk Oscar Walcker’s dar, das heute noch etwas von seinen Vorstellungen über Monumentalorgeln erahnen lässt. Das weitgehend vollständig erhalten ist, und man kann so dieses Instrument, wie es Paul Peeters und Hans Fidom in Ihren Beiträgen getan haben, als die kleine „Michaelisorgel“ bezeichnen, womit gesagt sein soll: „die Klänge der großen Hamburger Walcker-Orgel, ehemals in der Michaeliskirche aufgebaut, sind nicht vollständig verloren, wir finden sie wieder durch dieses Instrument.

Diese Orgel ist uns sehr wichtig, weil die Holländer hier etwas geschafft haben, was bei uns in Deutschland, wo Walcker ja weitgehend tätig war, nicht im Geringsten möglich war. Nur im Ausland haben wir noch die Möglichkeit große Walcker-Orgel anzutreffen, die erstens gut restauriert wurden und zweitens meist umfassend erhalten sind. Die drittens auch intensiv genutzt werden, wie hier in Doesburg eine umfassende CD-Produktion zeigt.
Ich stelle hier drei CD’s vor, die wahrscheinlich nicht mehr am Markt sind, dafür aber wieder neue.
Die Geschichte dieser Orgel ist etwas unglaublich abenteuerliches: sie wird mitten im Ersten Weltkrieg in Holland von dem Orgelbauer Hermann Langenstein in Rotterdam eingebaut. (Ein Glück, dass die Holländer während dem ganzen Krieg Neutralität bewahrt haben!). In den 1960er Jahren wird sie aus Rotterdam hinauskomplimentiert und durch persönlichen Einsatz eines Ingenieurs nach Doesburg gerettet.
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Von Langenstein habe ich in meinem Archiv sieben Postkarten gefunden, die er während der Montage aus Rotterdam nach Ludwigsburg geschickt hat. Das sind historisch sehr interessante Sachverhalte, die er hier schildert, und ich vermute, viele Monteure bei Walcker, die das lesen würden, sie würden nicht nur ihre Geschichten dort wieder finden.
Paul Peeters schreibt in seinem Artikel (Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH – in ASPEKTE DER ORGELBEWEGUNG 1995), dass sowohl die Anlage der Hamburger Michaelisorgel der Doesburger Orgel sehr ähnlich ist. Er nimmt Bezug auf den Spieltisch, das Fernwerk, sowie auf den Umstand, dass auch hier nur bestes Material Verwendung fand und so keine einzige Zinkpfeife in dieser Orgel zu finden ist. Beide Orgeln wurden ja von großzügigen Spendern finanziert, die ausdrücklich nur hervorragende, beste Qualitäten forderten.
Weiter findet sich bei Paul Peeters Beitrag der Hinweis, dass sowohl in Hamburg wie auch in Doesburg die Bezeichnungen „Silbermann-Mensur“ verwendet wurden. Das ist auch in den entsprechenden Werkbüchern (Opusbüchern) bei Walcker nachzulesen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass hier die Messungen, die wohl Oscar Walcker selbst vorgenommen hat, auf Grund von falschen Voraussetzungen durch Albert Schweitzer und Emile Rupp, stattgefunden haben, und so die Mensuren Wetzels in die Mensurbücher der Firma Walcker als „Silbermannmensur“ Eingang gefunden haben (nachzulesen u.a. bei Markus Zepf „Praetoriusorgel“)

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Nachdem Disposition und Darstellung dieser Orgel ab 1916 (die halbe Welt befand sich bekanntlich zu dieser Zeit im Stellungskrieg mit Deutschland. Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch aus dem Krieg heraushalten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle aus dem von Deutschland besetzten Belgien zu tun. Nach dem Ersten Weltkrieg gewährten die Niederlande dem bisherigen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Exil.) in HET ORGEL veröffentlicht wurde, gab es in den nachfolgenden Ausgaben verschärfte Diskussionen, warum diese Orgel bei einer deutschen Firma gekauft wurde. Dabei hat sich herausgestellt, dass dies ein ausdrückliches Anliegen des Stifters Bos gewesen ist, der auch in den Postkarten des Orgelbauer Langenstein erwähnt wird.
Die komplette Orgel besteht aus 3 Kegelladen und 13 Hängebälgladen mit elektropneumatischer Traktur. Es befinden sich 5415 Pfeifen in der Orgel weitgehend aus 75%iger Zinnlegierung und Holzpfeifen aus Oregonpine. Windladenkonstruktion und Orgelanlage sind gut erkennbar am Schnitt der Rotterdamer-Orgel, der 1916 von Hermann Besselaar in seinem Buch „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“ veröffentlicht wurde.
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Quellen:
Hermann Besselaar, 1916, „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“
Hans Fidom, 2002, Diversity in Unity – Discussions on Organ Building in Germany between 1880 and 1918, Seite 236
Paul Peeters, 1995, in Aspekte der Orgelbewegung, Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH
Jan Jongepier, 1991, Text über die Orgel in Doesburg wurde in zwei nachfolgenden CD’s verwendet.

CD’s
Zsuzsa Elekes auf der Walcker-Orgel-Grote of Martinkerk Doesburg (Reubke, Karg-Elert)VLS VLC0694
Het Walcker-Orgel in der Grote of Martinkerk te Doesburg, Jan Jongepier spielt Reger und Rheinberger VLS VLC0292
100 Year Organ Music from the Netherlands – Pieter van Dijk spielt auf der Walcker-Orgel in Doesburg Gerard Bunk „Legend opus 29 (1908)

Bildmaterial:
die Karten des Orgelbauers Langenstein während der Montage nach Datum sortiert:
postkarte01.jpg postkarte02.jpg postkarte03.jpg postkarte04.jpg postkarte05.jpg postkarte06.jpg postkarte07.jpg

hier Bilder und Texte aus den CD’s:
elekes.jpg jongepiercd.jpg cd3.jpg

gwm

ERGÄNZUNGEN 15.11.09

Sehr geehrter Herr Walcker,
anbei einige Ergänzungen zum Text auf Ihrem Walcker-Blog:
Es gibt noch ein ganzes Buch, das dieser Orgel (ihr Umfeld, ihre Musik und ihre Rezeption) gewidmet ist:
Willem Jan Cevaal, Hrsg. Orgelreform in Nederland. Het orgel van de Grote of Martinikerk te Doesburg. Vol. 5, Nederlandse orgelmonografieën. Zutphen: Walburg Pers, 2003, 304 S.
In den Jahren 2003-2004 hat Flentrop die Orgel überholt (Taschen und Membranen wurden wo nötig ersetzt, Zungenstimmen instandgesetzt und die Intonation einiger Stimmen nachgesehen). 1999 wurde der Spieltisch bereits von Flentrop restauriert.

http://www.flentrop.nl/restauratie/doesbu_mart_grot.html

Eine komplette Diskographie in chronologischer Reihenfolge findet sich auf www.martinikerkdoesburg.nl/ ; klicken Sie auf Walckerorgel, dann auf Discografie. Dazu kommt dann noch die neueste Einspielung von Zsusza Elekes mit Werken Ungarischer Komponisten:

– CD Zsusza Elekes speelt werken van Hongaarse componisten op het Walcker-orgel
€18,50 incl. verzendkosten. Bestellen info@martinikerkdoesburg.nl

Mit freundlichen Grüßen,
Paul Peeters

—————————-
Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,

Als weitere Ergänzung zu den auf Ihrem Blog gegebenen Informationen zur Walcker-Orgel in Doesburg möchte ich auf die Website von Christine Kamp aufmerksam machen, die ebenfalls in Doesburg eine CD eingespielt hat und dieser Orgel eine umfangreiche Galerie mit vielen Detailaufnahmen des Spieltischs gewidmet hat:
<http://www.xs4all.nl/~twomusic/concerts/Doesburg/Doesburg.html>
Da erahnt man, welche Schnitzkunst am Hamburger Spieltisch angewandt wurde!

Ebenfalls für Sie von besonderem Interesse scheint mir die Galerie zur Sauer-Orgel in Hermannstadt. Dort auch zahlreiche Bilder vom Inneren der Orgel.
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Die Walcker-Orgel Opus 1747 in Wildervank, Bj 1913, II/24

Mittwoch, November 4th, 2009

Dass die Holländer ein begeistertes Volk von Orgelliebhabern sind, das wissen wir nicht erst seit „Hertogenbosch und Nijmegen“ oder jener sagenhaften Orgelgestalt in der Bravokerk in Haarlem, sondern wir wissen auch seit der Umstellung der Walcker-Orgel von Rotterdam nach Doesburg, dass dort die stellvertretende „Hamburger Michaeliskirchenorgel“ steht, die vor knapp 8 Jahren von Flentrop restauriert wurde und über die ich in einem der nächsten Blogs berichten will.
Sondern wir wissen auch, dass es ein paar kleinere Spätromantiker gibt, die bei uns in Deutschland längst ausgetrieben wurden.
Neben „Meppel“ also gibt es noch die Orgel in Wildervank, die im Jahre 2001 von de Wit & Zin repariert und gerichtet wurde. Unklar ist allerdings, wie weit man den Umbau im Jahre 1962 wieder zurückgenommen hat auf die Erbauungszeit 1913 hin.
Ein neuer elektrischer Spieltisch wurde dazu gebaut, der unten vor dem Altar dem Organisten ein besseres Hörgefühl vermitteln soll. Der alte Spieltisch, auf linker Seite am Orgelgehäuse angebaut blieb belassen. Unklar ist, ob dieser rein pneumatische Spieltisch noch irgendwelche Funktionen hat. Denn ein Bild besagt mir, dass man wohl die pneumatische Spieltraktur beseitigt hat, obwohl man bei Besprechungen im Jahre 1999 mit Walcker diese Orgel sowohl pneumatisch als auch elektrisch spielbar machen wollte.
DISPOSITION DER ORGEL von 1913 und Änderung im Jahre 1962: 1747.pdf

Die nachfolgenden Bilder stammen alle vom
Organisten Herrn WIM DE OLDE:
1747_wildervank_00.JPG 1747_wildervank_00_1.JPG 1747_wildervank_00_21.JPG 1747_wildervank_00_41.JPG 1747_wildervank_00_5.JPG 1747_wildervank_00_6.JPG 1747_wildervank_00_7.JPG 1747_wildervank_00_8.JPG 1747_wildervank_00_9.JPG 1747_wildervank_00_10.JPG 1747_wildervank_00_11.JPG 1747_wildervank_00_12.JPG 1747_wildervank_00_13.JPG

Am letzten Bild erkennen wir, dass vereinzelte Kunststoffschläuche verwendet wurden. Dieses Material kann man eigentlich nicht vertreten. Zum einen verändern sich die Eigenschaften während des Alterns und bei Temperaturunterschieden (das kann soweit gehen, dass der Querschnitt bei größerer Wärme halbiert wird und dann zuwenig Wind durchgeht) außerdem ist es ein völlig unästhetisches Material, das keine Entsprechung in dieser historischen Orgel hat.

Auf dieser Orgel wurden ein paar schöne Stück gespielt durch Sietze de Vries (http://www.sietzedevries.nl/), die den Klang der Orgel wunderbar wiedergeben und auch erkennen lassen, dass hier nicht ganz auf die alte Disposition zurückgefahren wurde.

improvisation_psalmensonate_a.mp3

improvisation_psalmensonate_b.mp3

improvisation_psalmensonate_c.mp3

improvisation_psalmensonate_d.mp3

Mendelssohn_Sonate 2a.mp3

Mendelssohn_Sonate 2b.mp3

Mendelssohn_Sonate 2c.mp3

Mendelssohn_Sonate 2d.mp3

Reger – Aus tiefer Not.mp3

Es wäre unbedingt zu begrüßen, wenn die scharfkantigen Aliquoten auf das alte Niveau kämen: Die Mixtur im HW war C=2-1 1/3-1; c0=2 2/3-2-1 1/3-1 etc.; das Cornett C= 4- 2 2/3- 1 3/5; ab c1= 8-4-2 2/3-2- 1 3/5 und ab gs3= 8-4; Das Cornett im SW hört sich wie ein Sesquialter an.
Die derzeitige Disposition ist mir aber nicht bekannt und wird hier gezeigt, wenn wir sie erhalten.

Ganz großen Dank an Sietze de Vries und Wim de Olde für Musik und Bildmaterial.

(gwm)

Walcker-Orgel Opus 990 in Osorno, Chile

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Diese Orgel wurde im Jahre 1902 gebaut und ist deswegen interessant, weil es sich um eine nahezu identische Dulsanell-Orgel handelt, wie wir dies in Tomintoul /Schottland im Sommer restauriert haben.
Es gibt aus Chile einen Bericht, der das Wesentliche an dieser Orgel erfasst zu haben scheint. Eine Möglichkeit solche Orgel fachgerecht zu restaurieren sehen dagegen sehr begrenzt aus.
Hier der Bericht:
Report zur Orgel im Regionalmuseum Osorno (Avda. Matta / Bilbao)
Westlich der Plaza in Osorno nahe der Kreuzung Matta / Bilbao ist im Erdgeschoss eine einmanualige pneumatische Orgel mit verglasster Tastatur und fehlendem Pedal in einer Nische oestlich des Einganges aufgestellt worden, sie trägt den labidaren Hinweis: Orgel am Ende des 19. Jahrhunderts aus Deutschland und Puerto Montt, Umfang 250 Pfeifen aufgestellt. Es gibt keinerlei Hinweise auf Erbauer und Erschaffungsdatierung.
Weitere Einzelheiten sind nicht in Erfahrung zu bringen, nicht einmal der Kurator hat jedwede Angaben, außer dem Hinweis, dass die Orgel aus einer evangischen (Pfingstlern-) Gemeinde übernommen wurde.
Das Metallpfeifenwerk ist stark lädiert und gebeult, in beklagenswertem Zustand, das Holzpfeifenwerk dient als Aufhänger für Wischlappen, im Pedalregister fehlen die Labilengestaltungen gänzlich.

Disposition
I Manual C – c4
P Pedal C – ?

Registrierschaltungen:

Manual: Prinzipal 8` Farbe weiß

Flöte 8` Farbe weiß

Duciana 8` Farbe weiß

Flaute-
dolce 4´ Farbe weiß

Pedal:
Bourdon 16` Farbe hellgrün

Hilfszüge: Superoctav-
Coppel Farbe weiß

Coppel
Manual
z. Pedal Farbe weiß

Tutti Farbe weiß

Soweit einzuschätzen ist, sind Principal und Dulciana aus sehr bleihaltigen rusticalen Legierungen mit Bärten an den Labilen gefertigt, der Rest aus europäischen Holzarten.

Die jeweils 3 Aussenpfeifen des Bourdon sind bemalt mit arkatitenenähnlichen Laubinfratonen.

Die Orgelbank ist vorhanden und bedarf einer Restaurierung der Impregnatur als solches.

Die Balganlage ist zu einem großen Teil original aus Ziegenleder noch vorhanden.

Dem Autor liegt die Bedeutung nahe, dass diese Orgel 1908 fuer die Lutheranische Kirche in Puerto Montt durch die Firma Walcker, Ludwigsburg/Lahn gebaut worden ist.
Alle Verschläge sind verschraubt, es gibt jeweils eine C und Cis – Seite.
Der Winddruck bei den massiven und stumpfen Labialen dürfte um 160 mm WS gestanden haben. Kernstiche, auch nachgearbeitete, sind nicht nachweisbar.

Durch die recht dumpfe Disposition muss die Orgel für einen 60 x 25 mt großen Raum auf der 1 Empore ( Minimum 3,50 mt Höhe über Grund) konzipiert gewesen sein.

Die Orgel ist voll pneumatisch angelegt gewesen, vermutlich mit Kegelladen, also sowohl Tastatur- als auch Registertraktion.

Kröpfungen der tiefen Tonlagen am Pfeifenwerk sind nicht vorhanden.

Die Orgel (eher Positiv) ist in Konditionen einer Generalüberholung.
Es fehlt eine Dokumentation sowie Originaldaten der Erbauer.

Dipl.-Ing. h.c. BB
Sachkenner in Orgelfragen

Bilder dieser Orgel aus dem Bericht:
bild-1.jpg bild-3.jpg bild-4.jpg bild-5.jpg bild-6.jpg bild09.jpg

(gwm)

Anmerkung eines Besuchers: ich denke, man sollte Prospektpfeifen nicht übertrieben als Baseball-Schläger einsetzen..(…)

Tadeusz Machl und sein grafisches System angewandt auf Idstein Op.5539

Samstag, Oktober 10th, 2009

Der polnische Komponist für Orgelmusik Tadeusz Machl hat bei uns noch nicht den erforderlichen Bekanntheitsgrad erreicht, wie andere Komponisten aus seinem Land, was aber nichts besagt: die Langeweile in den Organistenstuben wird in den nächsten Jahren ihre Höhepunkte erreichen, wo man alles Brauchbare und noch nicht Dagewesene auf den Notenhalter legen wird, nur um noch etwas Aufmerksamkeit zu erwecken.
Dies aber sei nicht unser Antriebsmotiv, um hier eine interessante Idee Machls aufzugreifen, die er fast auf den Tag genau vor 30 Jahren meinem Vater unterbreitete, nach dem dieser ihm einige Dispositionen neugebauter Orgeln geschickt hatte.
Statt Begriffe wie Rohrflöte oder Flöte, will Machl ein grafisches Symbol auf die Registertasten bannen, das kurz über die Bauform der Pfeifen Aufschluss gibt und damit eine Klangsymbolik ausdrückt. Übrigens schon dagewesen in Berlin-Spandau, geplant von Schulze-Kühn, gebaut von Walcker (1967-68), in etwas anderer Form.
Hier einmal zunächst der Brief von Tadeusz Machl:
machl_brf1.jpg

und hier die Dispo mit Bild aus Idstein, die nicht uninteressant ist, und das nicht alleine wegen dem Xylophon:
5539_idstein.jpg

hier endlich das grafische System zu der Orgel, das man mit der Dispo zusammen lesen sollte:

graf-system.jpg

dazu zwei Details, aus der man die Konstruktion der Symbole erkennen kann:
grafik021.jpg grafik011.jpg

(gwm)

Opus 4266 -die Walcker-Orgel in Fuerfeld Bj 1962

Samstag, Oktober 10th, 2009

Ein außergewöhnliches Werk (Bj. 1962, II/14) das mit einem wunderschönen Klängen aufwartet – aber eben auch ganz in der Tradition der 60er Jahre gebaut ist. Das heißt: einfache Anlage, Kunststoffwinkel, serielle Industriefertigung. Man vergisst bei Betrachtung der Instrumente aus dieser Zeit einen entscheidenden Umstand: hierzu ein Beispiel: „Ein Pfarrer schrieb eine Postkarte! im Jahre 1966, in der er eine 12 Register-Orgel bestellte, aber unter der Voraussetzung, dass diese in 3 Monaten, also vor Ostern, in seiner Kirche spielbar aufgestellt sein müsse!“
Wir geben noch heute einen Einblick in das Pfeifenwerk und in die technische Gestaltung dieser Orgel auf unserem Blog. Seit 45 Jahren spielt diese Orgel, wobei nach Aussage des Pfarrers, immer kurz vor dem Gottesdienst hochgeheizt würde, keinerlei Ausreinigung und seit rund 10 Jahren keine Hauptstimmung mehr gemacht wurde. Und dennoch ist das Werk top.
Dagegen sollte man erst einmal Argumente finden:
opus4266_00_1.JPG
WALCKER Bj 1962, II/14 m-m

Manual I, C-g’’’
1 Flöte 8’
2 Prinzipal 4’
3 Nachthorn 4’
4 Sesquialter 2f.
5 Waldflöte 2’
6 Mixtur 3-4f
Manual II
7 Gedackt 8’
8 Rohrflöte 4’
9 Prinzipal 2’
10 Quinte 1 1/3’
11 Scharfzimbel 3f.
Pedal C-f’
12 Subbaß 16’
13 Oktavbaß 8’
14 Pommer 4’

weitere Bilder:
opus4266_00_3.JPG opus4266_00.JPG opus4266_00_6.JPG opus4266_00_7.JPG
opus4266_00_5.JPG

(gwm)

Die Walcker-Orgel Op 0436 Althornbach

Sonntag, August 2nd, 2009

Diese Orgel wurde 1884 mit 10 Reg. auf mech. Kegellade gebaut.
Das Instrument kann als durchaus typisch für die damalige Zeit angesehen werden. Wir verdanken Herrn Benedikt Schwarz ein paar interessante Bilder, die ich hier neben der Disposition zeigen möchte.
0436-althornbach2009012401.jpg
Manual C-f“‘ = 54 Tasten
Prinzipal 8′
Flöte 8′
Viola di Gamba 8′
Dolce 8′
Gedeckt 8′
Octav 4′
Rohrflöte 4′
Mixtur 3-fach 2 2/3′

Pedal C-d‘ = 27 Tasten
Subbas 16′
Violon 8′

Koppel:
Manual-Pedal

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0436-althornbach2009062003.jpg

gwm (aus San José, Sonntagfrüh vor Abfahrt zum Volcan Poas)

Die Walcker-Orgel Op. 2090 in Dolorosa/San José

Sonntag, August 2nd, 2009

Diese Orgel steht mitten im Zentrum der Hauptstadt Costa Ricas, in San José, und ist nach Aussagen eines Freundes seit mehr als 40 Jahren unspielbar. Die Kirche jedoch macht einen solchen überzeugenden Eindruck, dass man nicht ganz versteht, warum das so sein – und vor allem bleiben sollte.

Kirche Santa Dolorosa in San José (alle Bilder 31.07.2009 – gwm)
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Interessant an dieser Orgel, gebaut im Jahre 1925 unter Oscar Walcker, als längst die Orgelbewegung ihre ersten Gestaltungen erzeugte, ist der Umstand, dass wir es hier mit einer klassischen mechanischen Kegellade zu tun haben, die zweifellos nicht den Orgelalltag der Firma Walcker mehr ausfüllte.
ansicht.jpg

Innenansichten der Walckerschen Kegellade aus 1925
organo04.jpg organo05.jpg organo06.jpg

Die Disposition dieser Orgel ist schnell erzählt, wobei man nicht weiß, wie es zu dieser seltsamen Bombarde 16′, die im Pedal mit aussergewöhnlichem Porcellanschild erscheint, gekommen ist:
Manual C-g“‘
1 Principal 8′
2 Slicional 8′
3 Flöte 8′
4 Voz celeste 8′

Pedal C-f‘
5 Subbaß 16′
6 Bourdon 8′
7 Octav 4′
8 Bombarde 16′

Hier nun sehen wir den Orgelkasten mit seitlich angebauten Spielschrank:

organo01.jpg organo02.jpg

Und hier etwas, das mir durchaus nicht einleuchten wollte. Es war auf der Orgelempore so dunkel, dass ich es zuerst auch nicht bemerkte. Es gibt nämlich unter Fachleuten die gute und richtige Auffassung, dass der hier in Costa Rica tätige Schädling „Comejechen“ sich niemals in gute deutsche Eiche verbeist. Hier aber schien er es getan zu haben. Aber an dem Foto konnte man später rasch erkennen, dass es nur Eiche Furnier war, durch das sich der Schädling nicht blöffen lies:
organo03.jpg

Und dann kommt natürlich noch das erhabene Gefühl auf, in einen überaus ästhetischen Rausch geraten zu sein, wenn man die in die Linsenen eingelassenen Leuchtstoffröhren sieht und aufleuchten lassen kann. Wenn man außerdem den mit emaillierter Heizkörperfarbe behandelten Pfeifen ins Angesicht blicken kann…., GottseiDank hat man sich im Orgelinneren Askese aufgelegt. Nun leider konnten wir das Pfeifenwerk nicht in Augenschein nehmen – auch hier ein herzliches VergeltsGott, denn wir wissen wohl, welche Prüfungen einem da leicht auferlegt werden können.
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gwm (am Samstagabend im Hexenkessel der Stadt)

Walcker-Orgel Opus 5282, Bj.1969, II/19,m-m, Altenstadt

Sonntag, Juli 26th, 2009

1969 – 2009 : Happy Birthday: 40 Jahre Walcker Orgel
Willkommen im Bistum Mainz in der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Andreas. Sie ist eine von zehn Pfarreien im Dekanat Wetterau-Ost.
In der Kirche Sankt Andreas gibt es neben den optimistisch bunten Glasfenstern auch ein berühmtes Orgelwerk der damaligen Weltfirma Walcker / Ludwigsburg. Das Instrument, erbaut 1969, feiert exakt seinen 40.Geburstag und trägt die stolze opus-Zahl Nummer 5282. Die Orgel thront nicht auf einer Empore sondern begrüßt bereits den eintretenden Kirchenbesucher im Eingangsbereich. Das hat eine präsente direkte Klangabstrahlung zurfolge, so die Aussage des Orgelexperten Brückner.
Im Prospekt fallen die unterschiedlichen Pfeifen aus Zinn- und Kupferlegierung deutlich auf. Das zweimanualige Werk hat wunderbare Einzelstimmen, charakteristische Zungenstimmen und schöne Farb- und Aliquotregister. Deutlich erkennt man den Werkcharakter der einzelnen Klanggruppen: über dem Schwellwerk befindet sich links das Hauptwerk und rechts das Pedalwerk.
Die Disposition der Orgel lautet:
Manual I: Hauptwerk: Quintade 16´, Prinzipal 8´, Rohrflöte 8´, Oktave 4´, Sesquialter 2fach, Waldflöte 2´, Mixtur 5f., Trompete 8´ II. Manual als Schwellwerk: Gedeckt 8´, Nachthorn 4´, Prinzipal 2´, Sifflöte 1 1/3´, Zimbel 3f., Rohrschalmey 8´ , Tremulant Pedal:
Subbaß 16´, Oktavbaß 8´, Pommer 8´, Choralbaß 4´+2´, Fagott 16´ Koppeln: II – I / I – P / II – P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Pedalkombination, Tutti, Schwelltritt, Einzel-Zungenabsteller.
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Christoph Brückner vor dem Walcker-Orgelprospekt in Altenstadt, fotografiert von Hakan Imik

(gwm)

Die Transponiereinrichtung an der Walcker-Orgel in Tomintoul

Montag, Juli 20th, 2009

Mit Hilfe dieser Einrichtung lässt sich die Klaviatur drei Töne tiefer oder drei Töne höher stellen. Die entsprechenden Töne fehlen aber in der tiefsten oder höchsten Lage. Der Tonumfang an dieser Orgel ist C-c4 = 61Pfeifen.
Die Skala an der Klaviatur sieht folgendermaßen aus:
die-skala.jpg
wir haben rechts und links (wie auf dem oberen Bild erkennbar links) Ringe, mit denen die Klaviatur kurz angehoben wird und dann entsprechend verschoben werden kann. Das geht alles ohne großen Kraftaufwand sehr rasch. Voraussetzung ist genügend freier Platz in den Klaviaturbacken und der Umstand, dass die Tasten völlig frei von den dahinterliegenden Ventilen bewegt werden kann. Also bei einer mechanischen Traktur ist dies etwas schwieriger.

In der Normalstellung also :
c_normalstellung.jpg klingt der Akkord so: c_normalstellung.mp3

drei Töne nach oben versetzt
sieht es auf der Klaviatur wie folgt aus:
ds_hoechste.jpg ds_hoeher.mp3

und drei Töne tiefer gesetzt
a_tiefste_stellung.jpg
erklingt der Diapason 8′ (Principal 8′) mit folgendem Akkord, der dann noch etwas mehr variiert den Klang dieses schönen Principals zeigt: a_tiefer1.mp3

gwm