Archive for the ‘Tamburini-Roma’ Category

Midi auf der Tamburini in Rom-Santa-Cecilia

Samstag, Dezember 11th, 2010

Das MUSICAL INSTRUMENT DIGITAL INTERFACE stellt ein Datenübertragungsprotokoll zwischen Musikinstrumenten und PC dar. Auf dem PC muss dafür eine Software installiert sein, ein sogenannter „Midi-Sequencer“ der diese Daten mit dem „midifiziertem“ Instrument austauscht. Also vom Instrument können die Informationen gesendet und empfangen werden, ebenso vom PC.
Die Verbindung zwischen PC und Instrument muss über sogenannte „MIDI-Kabel“ bewerkstelligt werden, was meist ein kleines Interface notwendig macht, da die 5-poligen „Midiein+Midiausgangskabel“ nicht direkt im PC angeschlossen werden können. Diese Midi-Interfaces kann man bei Conrad für lau „25,–“ samt Kabel bestellen.
Die Software, also der Midi-Sequencer, dafür schlage ich CUBASE vor, weil da alles, vom Notendruck bis zu feinsten Midieinstellungen enthalten ist, kostet in der „Essentiel-Variante“ gerade mal 180,–Euro. Studiversionen gibt’s für 80,–.
Voraussetzung bei der Pfeifenorgel ist, dass das Instrument elektrisch spielbar ist und eine Midieinrichtung hat. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die nachträglich eingebaut werden können.
Es muss jedoch deutlich betont werden, dass diese MIDI-Technik keinerlei künstlerische Möglichkeiten bietet, Orgelmusik ästhetisch aufzubereiten. Der Grund liegt einfach daran, dass der mechanische Ablauf des Orgelspiels, die ganze sinnliche Erwartungshaltung des Hörers gründlich eintrübt. Und ganz anders als bei einer CD-Aufnahme, wo die menschliche Interpretation mit seinen winzigen Raum-und Zeitversetzungen, mit den kleinsten Betonungen bestimmter Akkorde oder Noten, den minimalen Tempiverzeichnungen u.a., eben alles dieses Menschenmusizieren mit ihrer Wärme und Feinfühligkeit uns Hörer erst in den vibrierenden Zustand versetzt, begierig den neuen Takten entgegenzuhören, während der Midi-Roboter ganz maschinell in sein vorgegebenes Raster einsortiert und abspielt.
Wir können diese ganze grobe Begeisterung für die Miditechnik auf seiten der Pop-und Rockindustrie nur insoweit verstehen, weil diese Technik eine gewisse Konsumhaltung befriedigt, künstlerisch aber höchst fragwürdig ist und meiner Meinung nach sogar die Entwicklung dieser Musikstile wie Heavy Metal u.a. ganz erheblich beeinträchtigt.
Dennoch sollte beobachtet werden, ob diese Technik nicht für Klangproben und andere Dinge eingesetzt werden kann, weil damit der Orgelbauer im Raum die Orgel nach seinen Vorstellungen abhören kann. Denn dazu sind nur wenige Handgriffe notwendig. Das Einstellen von Registerkombinationen kann sogar über einen Handsender erfolgen. Die Tragfähigkeit und Lautstärkenintonation verschiedener Registerkombinationen scheint damit ganz plausibel überprüfbar zu sein. Ob das die Nachteile dieser Technik aufwiegt, wage ich allerdings nach diesen wenigen Versuchen nicht abschließend festzustellen.
Im nachfolgenden Text möchte ich etwas detaillierter auf die Technik mit Sequencer und Anschluß des Interfaces mit den Kabeln eingehen.
Zunächst benötigen wir die Sequencersoftware, die vornehmlich aus dem Steinbergschen Cubase bestehen sollte. Auf alle Experimente mit Freeware kann man getrost verzichten. Cubase ist vorzüglich für die Pfeifenorgel geeignet und wir können damit alle wichtigen Einstellungen vornehmen.
sequencer.jpg
Man importiert mit dieser Software das down-geloadete Midifile (eine ganz vorzügliche Adresse für klassische Musikfiles ist: http://www.classicalmidiconnection.com/cmc/midiplay/playmidi.shtml?mid/bach/inv2v01c , wo ich bisher alle Komponisten gefunden habe, die mir wichtig erschienen. Der Download ist allerdings nicht ganz einfach. Man clickt das entsprechende file an, das im site-eigenem Player abgespielt wird. Das stoppt man und geht in die darunter liegende Zeile mit dem file-link, und gibt dort beim firefox-browser mit Rechtsclick darauf an: Ziel speichern unter.., daraufhin kann man das file.mid z.B. auf dem Desktop ablegen) in ein neues Projekt.
komponisten_satt.jpg
Nun legt man neue Midispuren an, auf die man die Daten der importierten files kopiert. (Wer hier Probleme hat kann mich kontaktieren für weitere Erklärung, da das alles nicht ganz einfach war). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Software das angehängte Midi-Interface (Midilink) erkennt, und im Recorder weiter unten, beim Abspielen der Midiausgang aufleuchtet.
Auf nachfolgenden Fotos einige Erläuterungen.
anschluessejpg.jpg orgamat.jpg
Mit diesem Sequencer kann man schneller oder langsamer ablaufen lassen und letztendlich jede einzelne Note korrigieren. Man kann ebenfalls selbst Orgelmusik über den Spieltisch einspielen und editieren, auch Noten ausdrucken. Die Begeisterung sollte sich aber in Grenzen halten, auch wenn man bis zu 1/64 Noten damit editieren kann. Denn außerhalb dieses Rasters geht absolut nichts. Das heißt, die maschinelle Mechanik, die hier am Ende abgespielt wird, wirkt unheimlich ermüdend, weil sich das erfrischende Element des leichten Verifizierens, das menschliche Spiel des laufenden Wechsels hier absolut nicht stellt.

Hier ein Video, das verschiedene Möglichkeiten zeigt:

(also die Orgel klingt nicht so spitz wie das mein Kameramikro aufgezeichnet hat)
gewalcker@t-online.de

Die neue elektronische Steuerung in Rom Santa Cecilia

Montag, September 27th, 2010

Nach Abschluss der Installationsarbeiten stelle ich dieses Bussystem hier einmal in ein paar Bildern vor.
Diese neue elektrische Anlage besteht aus einer Einheit, die im Spieltisch untergebracht ist. Dort finden wir Midianschluss, den Setzer, die komplette Logik für die 38 Koppeln (darunter fast in jedem Manual Sub- und Superkoppeln) und den Sender, der die Daten per twisted-pair-Kabel an den Schaltschrank, der im Unterteil der Orgel eingebaut ist, übermittelt. Eine weitere Einheit ist der Schaltschrank in der Orgel, von dem alle Magnete in der Orgel aus angesprochen werden.
Hier ist das entscheidende Element die absolute Schnelligkeit der Elektronik, damit bei vollgriffigem, gekoppelten Spiel und schnellen Trillern absolute Präzision vorliegt. Wir können bestätigen, dass dies mit den uns vorliegenden Bauteilen mit bravouröser Sicherheit gewährleistet wird, während bei selbstgebastelten Anlagen genau an dieser Stelle die entscheidenden Mängel zu finden sind.
Hier also der Spieltisch:
spieltisch021.jpg
Im linken oberen Teil befindet sich Processor, Sender, darunter die Kabelanschlüsse für +- 18V und Sicherungen der einzelnen Module. Ganz links der Gleichrichter 24V für die Elektronik. Unser Orgelstrom für Registereinstellmagnete ist 18V=.
Ein weiteres Bild vom Spieltisch, wo man den Kabelschlauch mit Stecker und Buchse erkennen kann:
spieltisch011.jpg
Wir haben zwei Buchsen, die noch ins Podium eingebaut werden und folgendermaßen bestückt sind:
stecker_buchse.jpg
zwei Kabel für 230V (Motoreinschaltung und Stromzufuhr Lichter)
vom Gleichrichter (rot+blau +-18V)
twisted pair Kabel für die Digitale Datenübermittlung

Die Datenkabel werden an den Schaltkasten angeschlossen, der hier abgebildet ist:
schaltkasten01.jpg
Die verschiedenen Module, die hier mit roten LEDs aufleuchten sind allesamt „Treiber“ für Windladenmagnete. Jedes dieser hier gezeigten Module hat 16 Ausgänge. Der Rahmen ist nach außen aufklappbar. Am inneren Teil befinden sich nocheinmal so viele Module. (einer der größten Schaltkästen der mit diesem System bislang realisiert wurde).
schaltkasten02.jpg

Hier ein Detail dieser Module. Jeder Ausgang ist zudem noch mit einem LED bestückt. Wird der Ausgang angesprochen, leuchtet die LED auf. Das erspart sehr viel Fehlersuche an der falschen Stelle, wenn einmal ein Magnet nicht ansprechen sollte.
detail-schaltkasten.jpg

Insgesamt sind in dieser Orgel über 1400 Magnete, die über diese Elektronik angesteuert werden.
Ich kann mir heute ehrlich gesagt nicht vorstellen, eine vergleichbare Arbeit auf anderer Weise, als in der hier vorgestellten Art, durchzuführen.

gewalcker@t-online.de

(der Beitrag wird demnächst mit zwei kleinen, aber schönen Bildern ergänzt werden)

Die Windanlage in Rom

Montag, August 16th, 2010

In jedem Falle eine Besonderheit, die bemerkenswert ist.
Zunächst einmal war es nicht einfach, die Logik, die hinter der ganzen Anlage steckte auf Anhieb zu erkennen. Das lag daran, dass ein dritter Motor, wahrscheinlich am Schluss der Montagearbeiten von Tamburini dazu montiert wurde, der die Registerhubapparate mit rund 175mm Winddruck versorgte. Das hat man anfangs über direkten Motorwind aus einem der beiden Motoren abgezweigt. Dann hat man in dem dritten Motor in die Ansaugung diesen Motorwind gesteckt
Hier ein erstes Bild dieser seltsamen Windschaltung:
motor03.jpg
Dann war man doch recht erstaunt nahe der Raumdecke vier Bälge zu finden, die über zwei Rollventile mit Motorwind betrieben wurden. Einer der Bälge gar war mit einer drei Meter langen Schnur zum Rollventil verbunden und regulierte damit ganz akurat die 118mmWS, die zu den Windladenbälgen weitergeleitet wurden.
Hierzu zwei Bilder:
baelge01.jpg baelge02.jpg
Die unheimlich verschachtelte Kanal- und Balgverbindungen haben dann langsam eröffnet welche Kanäle zu welchen Bälgen gehören und wo Ein- und Ausgang der jeweiligen Windführung war, so dass wir einen Grundriss dieser komplexen Geschichte hier zeigen können.
Anzumerken ist, dass links von oben die Kanäle von den Motoren aus dem Dach heruntergeleitet werden. Die großen Motoren sind also nicht sichtbar sondern nur an ihren Kanälen erkennbar.
plan_balganlage.jpg

Was nun sicher viele Orgelfreunde erstaunen wird, ist, dass wir es hier mit unheimlich niederen Winddrücken für das Pfeifenwerk zu tun haben:
I.Manual Positiv = 41,5mm WS
II.Manual Hauptwerk = 46mm WS
III.Manual Schwellwerk = 44,5mm WS
IV.Manual Fernwerk = 59mm WS
Pedal = 65,5mmWS beim Subbaß und Transmissionen
Pedal rechts, Fortsetzung der Transmissionen= 58,7mmWS

Es gibt bei den Zungen höhere Drücke:
II.Manual Trompete, liegend 114mmWS
IV.Manual Tromba 111mmWS

Bombarde und Eoline = 56mmWS

Musette = 41,5mmWS

Man muss sagen, dass durch die sehr groß dimensionierten Einfaltenbälge ein sehr stabiles Windsystem und auch eine sehr ruhige Windführung gewährleistet ist. Bei Schwimmer-Regulatoren wären solche drastischen Einführungen in den Balg (Eingang 118mm WS, Ausgang 42mmWS) mit großen Problemen verbunden. Wir kennen das bei Schwimmer schnell das Flattern anfängt und erhebliche Geräusche an den Ventilen, was wir hier nicht vorfinden.

gwm (bei noch schönem Sommerwetter und gedeihlichen Temperaturen am Abend)

Das elektrische System der Tamburini in Rom (1)

Samstag, Juli 31st, 2010

Wir haben in der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia sage und schreibe 1495 Magnete, die von den Registereinstellmagneten im Spieltisch ausgenommen, ausschließlich Ventile an oder in Windladen zu bewegen haben.
An dieser Zahl kann man ermessen, welche Kompliziertheit diese Orgel besitzt.
Im ersten Teil möchte ich auf das alte System und die Verbesserungen durch digitale Systeme kurz eingehen.
Wir haben durch die Digitalisierung bereits über 350 Magnete ausgemustert, welche die Komplexität dieser ganzen Steuerung noch um einiges erhöht hätte.
Es wurde mitgeteilt, dass in diesem parallelen System Störungen schon kurz nach Beginn der Fertigstellung auftraten.

Parallel – Digital?
Ich möchte ganz kurz erklären, was der Unterschied zwischen einem parallelen System und einem digitalen System ist.
Bis weit in die 90er Jahre hinein waren einfache parallele System im Orgelbau die Regel.
Diese System waren davon gekennzeichnet, dass bei einem geschlossenen Kontakt ein Kabel zuständig war das diese Information zum Magnet weiterleitete. Dazwischen konnte, wie auch heute, eine komplexe Logik liegen, aber der Magnet wurde mehr oder weniger unmittelbar von seinem zuständigen Kontakt angesteuert.

Hierzu habe ich ein einfaches Bild gezeichnet. Auf dieser Skizze sehen wir, dass für jeden der drei Kontakte ein Kabel zum Magnet führt:

skizze01_red.jpg

Bei der Digitaltechnik, die bereits seit 1968 vereinzelt im Orgelbau Zugang fand, wird für dieselbe Schaltung nur ein einziges Verbindungskabel gebraucht. Dazwischen liegen zwei synchronisierte Uhren:

skizze02_red.jpg

Was hier nun mit drei Kontakten gezeigt wurde ist natürlich mit 4 Manualen, 1 Pedal und 138 Registerschaltern (= 414 Schalter) ganz genauso möglich. Wir haben dann allerdings noch eine Logik dazwischen, welche die Impulse sortiert und z.B. sagt:
Wenn Registerschalter Fifaro 8′ ein, dann sind die Magnete der Schleiflade S5 im II.Manual freigegeben. Damit verhindern wir, dass bei beliebigem Spiel auf dem II.Manual alle Magnete mitklappern.
Es ist klar, dass z.B. beim Bordun 16′ im III.Manual, der sowohl von Pedal als auch vom III.Manual aus in verschiedenen Registertransmissionen gespielt werden kann, nur dann Magnete mitgehen, wenn die entsprechende Register eingeschaltet sind, – denn leider hat Tamburini auch nicht berücksichtigt bei diesen Einzeltonladen, den Wind abzustellen, wenn die entsprechenden Register nicht gezogen sind. Das birgt Heuler-Gefahr in sich.

Der enorme Relais-Schrott, den wir ausgebaut haben, zeigt welch unheimliche Dimension es annimmt, wenn man solche Transmissionsladen auf diesen alten Systemen aufbaut.

relais.jpg

Was wir hier auf dem Bild sehen, ist längst nicht alles, was ausgemustert wurde. Es sind Einzelteile aus Setzer, festen Kombinationen und STeuerungen, wie oben beschrieben. Die Haarnadelkontakte, die hier von Tamburini verwendet wurden sind füpr solche riesige Anlagen denkbar ungeeignet. Und es versteht sich, dass daran laufend herumgearbeitet wurde.
Die Unlogik musste hier auch noch einen erweiterten Umweg gehen, weil der Setzer natürlich nicht in den Spieltisch gepasst hat, so wurden pro Registereinstellmagnete natürlich drei Kabel nach außen geführt, was dem ganzen komplexen Ungetüm weitere Größen-Dimensionen verschafft hat.

Bei einer neuen Digitaltechnik ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der die Uhren synchronisiert werden (wie oben symbolisch gezeigt), also der Takt des Prozessors, die höchstmögliche Geschwindigkeit hat, die man heute realisieren kann. Das ist wichtig, damit schnelle Repititionen nicht von langsamen Systemen verschluckt werden. Wir sind uns auch 100%ig sicher, dass das von uns verwendete System von Sigmatek, das schnellste ist, das man derzeit in Europa für solche Dinge bekommen kann.

Daneben gilt es natürlich, die Magnete richtig einzuregulieren und mit ausreichend dimensionierten Kabel zu versorgen:
magnete.jpg

Diese Magnete an der Trompeteria, sie steuern wie man am Hintergrund erkennen kann, noch relativ langsame Taschen an, was nicht nur Regulieraufwand bedeutet, sondern vielleicht sogar Änderungen im Windsystem. Die optimale Einstellung all dieser Komponenten ist fast schon Sache der Intonation. Weil natürlich die Windmenge, die das Taschenventil durchlassen muss, mit dem Klang und den Nachbartönen abgestimmt werden muss. Soweit also: elektrische Steuerung und Windfluss an der Tasche bis zum Klang, ein einheitlicher organischer Gedanke. Man sollte nicht glauben, dass der Orgelbauer sich bequem für eine Sache spezialisieren darf und dann von der anderen nichts mehr wissen will.

magnete2.jpg

gwm

Druckpunktfeder im Tamburini-Spieltisch

Samstag, Juli 24th, 2010

Das Thema „Druckpunkt“ in elektrischen Spieltischen hat beinahe etwas Mystisches, wenn ich mir die verschiedenen Konstruktionen in den 60er und 70er Jahren betrachte. Walcker hat hier nicht schlecht Lehrgeld bezahlen dürfen. In us-amerikanischen Spieltischen sind derartige Dinge Selbstverständlichkeiten. Bei uns in Europa hat sich das eigentlich nie richtig durchgesetzt. Bei August gibt es „Magnetschnäpper“ die zwar gut funktionieren, aber nur im ersten Moment eine Wirkung haben, bis der Magnet abreisst.
Die Tamburini-Konstruktion hier in Rom hat einen leichten Druckpunkt, der der Künstlichkeit anderer Konstruktionen entbehrt und gleichzeitig das einzige Rückführelement der Taste ist. Daher halte ich diese Konbstruktion, die auch keine Gewichte mehr benötigt, für ausgewogen. Die Qualität ist nicht schlecht.
Hier zunächst einmal eine Skizze eines Einzelkontaktes mit Beispiel. Wir sehen an der oberen Skizze, wenn die Taste nach oben geht, überwindet sie ein Spannung nach der sie gewissermaßen nach oben gerissen wird. Dieser „Schnapp-Punkt“ wird an der Taste als überwundener Druckpunkt gefühlt.
einzelkontakt.jpg
An diesen beiden Fotos sieht man die gleiche Taste einmal unbewegt und ein weiters Mal durchgedrückt:
e_aus.jpg ein.jpg

und hier noch eine Ansicht von oben
tastenkontakte.jpg

(gwm – auf dem Sprung weitere der 250 Kirchen Roms zu besichtigen)

Die elektrischen Schleifladen von Tamburini

Mittwoch, Juli 21st, 2010

Es hat uns schon sehr erstaunt, als man zum ersten Mal die ungewöhnlich aufwendigen Schleifendichtungen sah, die von Tamburini auf die Stöcke aufgebracht waren. Nun muss dazu gesagt werden, dass bei Winddrücken von 45-55mm WS die Anforderungen an Schleifenzug und Schleifendichtung nicht überstrapaziert werden. Daher auch sind auf dem Fundamentbrett, also unter der Schleife keine Dichtungen, sondern lediglich sauber eingefräste Reiter als Entlastung auf der Schleife angebracht.
schleife-ansicht.jpg schleife-auf-funadmentbrett.jpg
Die Dichtungen sind mit amerik. Havannaleder gefertigt, wobei ein Außenring in Blei ausgeführt ist, der auf der Schleife entlag streicht, wenn die Schleife gezogen wird, die Dichtung wird etwas aufgeblasen wenn der Ton gespielt wird. Am Ende der Schleife ist eine Leerdichtung die mit einer Feder versehen ist.

einzelner-ring.jpg stock_dichtungen.jpg

Der Ventilkasten mit den Magneten und Anhängungen ist eher enttäuschend: keinerlei Reguliermöglichkeit, dafür eine unglückliche Montage von RC-Gliedern in der Windlade. Das kann absolut nicht empfohlen werden, weil ab und zu mal so ein Kondensator explodieren kann und in der Lade unschöne Kabelbrände entstehen können.
schleiflade_tonventile.jpg
Die Konstruktion der Registerzugsapparatur ist dagegen etwas uns vollkommen Unbekanntes: hier werden mit 145mmWs ein Hubaggregat betrieben, das von ein paar störenden Geräuschen abgesehen, doch ganz passabel funktioniert. Zumindest erinnere ich mich an meine Lehrzeit 1967 als in Deutschland sehr große Probleme mit den damals gängigen Binder-Magneten auftraten, die jene Weltfirma beinahe in den Konkurs trieb. Und viele Orgelbauer zu den plumpen pneumatischen Registerzügen zurückkehrten.
wila_mit_registerzuege.jpg
Die komplette Orgelanlage bei dieser Tamburini-Orgel, die gekennzeichnet ist von den 7 Schleifladen und unzähligen (rund 30) Einzeltonladen, die vorwiegend als Taschenladen gestaltet sind, kann durch die räumliche Enge und der neobarocken Konzeption (die eigentlich nur einen gravierenden Fehler enthält, nämlich, dass im Pedal kein nennenswerter Bass realisiert wurde) als musikalisch äußerst begrenztes Instrument gesehen werden.
Auch mit unseren Diskussionen um Kompromiss- oder Universalorgeln, wo ja letztendlich immer eine ökonomische Lösung avisiert wird, gerät dann ins Zwielicht, wenn man die Romantik ausklammern will oder nur alibiweise mit einbringt.
Auch der große Aufwand an Sub-Superkoppeln und Transmissionen kann echten Baß und weite, tragfähige Mensuren nicht ersetzen. Die ursprüngliche Walcker-Orgel mit nur rund 34 Register hätte davon Lieder singen können.
(gwm)

Die Windlade der Trompette orizzontal in Rom-Santa-Cecilia

Samstag, Juli 17th, 2010

Die Windlade der Trompette orizzontal, also der spanischen Trompete, von der ich schon mehrere Varianten besonders bei Walcker und in Spanien gesehen habe, sind in der Regel mit Windladen anzufertigen, die etwas höhere Ansprüche genügen muß, weil durch die Schräglage der Pfeifen andersartige Beanspruchung auftritt. Die hier vorliegende Variante hat alle anderen mir bekannten Variationen um Längen an schlechter Qualität geschlagen.
Grund dafür ist der einfache Umstand, dass man einen durchgehenden Stock von über 2,50m Länge verwendet hat, der natürlich im Laufe der Zeit und durch Wassereinwirkung des darüber liegenden Fensters, schwer gelitten hat. Die Orgelbauer haben mit verschiedenen Mitteln versucht die Zusammenstecher aufzulösen, wobei man weitere Schrauben reingedreht hat und Klebeversuche unternahm, die aber alle erfolglos waren.
Aus diesem Grund, und weil der Aufwand nun doch relativ groß ist, dieses Register wieder richtig spielbar zu machen, wollen wir das hier etwas ausführlicher zeigen.
Wir sehen auf dem ersten Foto die Windlade mit abgeschrauben Stock und hier die Filzpappe, die als Dichtung für derartig großflächige Flächen völlig ungeeignet ist. Wiewohl dieses Material ohnehin auch sonst nicht viel bei Abdichtungen bringt – es war halt billig und wurde auch von Walcker verschiedene Male in den 60er Jahren verwendet.
Hier haben wir uns dafür entschlossen Dichtungen aus zwei Lagen Filz und Leder anzubringen. (Das Leder ist ja nie gleichmässig dick und mit einem Filzbelag von 2mm hat man noch genügend Flexibilität auf diese Länge gut abzudichten)
Dazu aber war nötig den Filzpappebelag herunter zu bekommen, was kmeine leichte Übung war. Die ausgerissenen und Zusammenstecher-fördernden Holzsplitter wurden wieder eingeleimt bzw. mit Holzkitt aufgefüllt.
Auf der Rückseite dieser Lade sehen wir Heribert Klein, der mit Entsetzen die Technik dieser 114mm Druck behafteten Lade studiert. Erkennend, dass diese Taschen auf 2-3mm Gang begrenzt wurden, weil ansonsten die An-und Absprache der Trompetten-Pfeifen sehr unschön geworden wären. Auch die unschönen Entlasungsbohrungen auf Foto1 und Foto2 zu sehen, wurden gesetzt, um diesem Umstand Rechnung zu tragen. In diesem Fall, bei diesem hohen Winddruck sind diese Taschen die denkbar schlechteste Windladentechnik die eingesetzt werden konnte.
Aus Spanien kennen wir schöne und funktionable Schleifladen und von Walcker kennen wir auch praktikable Kegelladen (die eigentlich immer für hohe Windladendrücke geeignet sich, weil sich ja dieser Druck nicht in der Traktur bemerkbar macht. Bei Taschen ist das anders, die liegen ja in der Windlade, umgeben vom selben Pfeifendruck).
Hier an dieser Windlade sind relativ viele Zusammenstecher teils durch schlechte Holzqualität (siehe Foto2, wo man einen durchgehend Riss durch die ganze Lade sehen kann) und andererseits durch das relativ empfindliche Taschensystem, das mit begrenzter Taschenreise sicher am Wesen von Ausstromsystem vorbei marschiert.
Zu diesem Beitrag bringen wir später noch Fotos vom reparierten Stock und Klangbeispiele.
(mehr …)

Ausstromladen bei Tamburini

Freitag, Juli 2nd, 2010

Sehr interessant ist der Umstand, dass die Einzeltonladen für die Zungen auf ein Ausstromsystem basieren, das etwas unverständlich allerdings, einmal mit Relais und ein anderes Mal direkt über den Magnet gesteuert wird. Wir haben hier zwei schöne Beispiele im Echo IV. Manual gefunden: das erste Beispiel zeigt die Tomba, das andere die Tromba squillo. Die Membranen sind allesamt zu erneuern, während das recht dicke, weiße Leder der Ausstrombälgchen gut erhalten ist. Bei den Membranen haben wir es mit einer unglücklichen Konstruktion mit Kupferenden zu tun, was ein Weiteres für raschen Verschleiß tut.
Aber der Umstand, dass hier Ausstromsysteme verwendet wurden, zeigt, dass auch die Italiener die vorzüglichen Eigenschaften der „Taschenlade“ in Sachen schnelle Ansprache und Repetition erkannt haben.
Hier zunächst die Einzelteile auf kariertem 5mm Rasterpapier:
baelgchen.jpg
und hier die Windladen, wie sie eingebaut sind im Schwellkasten des „Eco“ (Echo).
windlade-tromba_eco.jpg windlade-tromba_squillo_eco.jpg

Für alle Windladen, egal ob es sich um Schleifladen oder Einzeltonladen handelt, gibt es jene einfach und gut brauchbaren „Stimmklaviaturen“, die man mit den über eine Schnur aufgereihten Keilen bedient.
stimmklaviatur.jpg

Die werden allerdings bei der neuen Elektronik entfallen. Da die Kistchen doch ganz schön Platz in der engen Orgel wegnehmen und jedes unnötige Kabel immer eine Störungsquelle darstellt.
Dann werden wir die Intonation und Stimmung über digitales Funkgerät vornehmen, was nicht unbedingt einfacher, aber eben zeitgemässer ist.
gwm

Die Tamburini-Orgel in Santa-Cecilia-Roma

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Diese Orgel wird von uns z.Zt. renoviert und im Bereich der Elektro-Mechanik vollständig erneuert.
Das System von Tamburini 1964 gebaut hat bis vor wenigen Jahren durchaus seine Berechtigung gehabt, ist aber heute hoffnungslos veraltet und in einem entscheidenden Punkte sehr sensibel: es sind die dünnen Kontakte aus Kupfer, die keinen langen Schleifweg haben, bei dem sie wieder oxidbefreit neu aufspielen können.
Ansonsten aber ist das Tamburini-System in elektrischen Belangen gut durchdacht und großzügig ausgeführt. Viele Dinge allerdings waren schon zur Erbauungszeit veraltet.
Zunächst einmal das Anschlußbrett der Orgel, das mit sage und schreibe 3500 Lötpunkten, bei denen manchmal bis zu 6 Kabel aufgelötet sind, enthalten. Zuerst ein Detail, aus dem erkennbar ist, dass die Kabel teilweise nicht verlötet sondern nur gewickelt sind:
anschlussbrett01.jpg
Hier das komplette Anschlussbrett:
anschlussbrett02.jpg
und hier einige Bilder der veralteten, gigantischen Relaisanlage:
schaltkasten01.jpg
schaltkasten02_.jpg
der armdicke Kabelstrang:
kabelstraenge.jpg

und hier Bilder der entheiligten Konsole. Sehr interessant der Umstand, dass man die komplette Registerstaffelei mit zwei Handgriffen herauskippen kann um dann an den ebenfalls herausklappbaren Tasten zu arbeiten. Diese Kontakte der Tasten sind übrigens ohne großen Funkenabbrand und Verschleis. Der Grund ist eine interessante Hebeltechnik und der Einbau von Schalttransistoren, was vor rund 20 Jahren gemacht worden sein muß :
spielt01.jpg spielt02.jpg spielt03.jpg spielt04.jpg spielt05.jpg

gwm (in Roma bei einer wahrlich sengenden Hitze im Internetcafe)