Archive for the ‘Spieltische’ Category

Die elektrische Anlage in der Walcker-Orgel Bukarest Atheneum

Sonntag, Februar 10th, 2008

Die neue elektrische Anlage der Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum besteht im Kern aus einer SPS-Anlage die über ihre Module 30 Millionen I/Os pro Sekunde vermittelt. Diese digitalen Module treiben die Magnete mit kurzschlussfesten Ausgängen mit bis zu 2 Ampére pro Ausgang.
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In einem Schaltkasten finden sich alle diese Einheiten konzentriert zusammengefasst. Zwischen Spieltisch und Schaltkasten wird nur noch ein Buskabel geklemmt. Am Spieltisch selbst hat der Organist auch die Möglichkeit über eine USB-Buchse seine Registrierung abzuspeichern, was am Laptop editiert werden kann. Wem das alles zuviel Theorie ist, der kann sich das 6minütigen Video über die elektrische Anlage ansehen. Hier wird mit einer Widorschen Untermalung die Theorie aufpoliert.
Diese Orgelnlage ist besonders gekennzeichnet dadurch, dass wir es hier mit über 650 Hebelmagnete zu tun haben und verschiedenen Transmissionen und Teilladen fürs Pedal, sowie den Frontladen. Natürlich dürfen nur dann Hebelmagnete als Tonmagnete mitlaufen, wenn entpsrechende Register eingeschaltet sind, um alle unnötigen Geräusche von vorneherein auszuschliessen. Hier im Pedal haben wir auf der Großpedallade vier Register mit 128 Magneten – ist nur der Principalbass 16′ ein, darf bei geschalteter Pedaltaste C nur dieser eine Tonmagnet einschalten.
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Hier heisst es zuvörderst, höchste Präzision beim Löten und Verkabeln und saubere Verpackung der Kabel, damit eine gesunde Ästhetik gewahrt bleibt.


VIDEO ueber die ELEKTRISCHE ANLAGE IN BUKAREST

Original versus Digital – restaurierte Technik, wie weit soll man gehen?

Sonntag, Januar 13th, 2008

Was wir eigentlich bei „Restaurierung“ immer vermuten, nämlich der Zeit angemessene Methoden zu verwenden, kann bei einer Abkapselung im „historischen Raum“ zur verfehlten Ausrichtung am Leben völlig daneben gehen.
Und so kann geschehen, was wir ja genau verhindern wollen, nämlich dem „alten Ding“ seine bisher bewiesene Langlebigkeit (sagen wir besser „Lang-Lebendigkeit!“) auf weitere Dezenien auszudehnen, es gerät bei Hintergehung der Gegenwart zum Monument und damit in einen „ungeliebten“, sprich „statischen“ Zustand.
Eine historische Orgel hat in der Regel weitere Funktionen zu erfüllen als ein reines Museumsstück, nämlich nach seiner Restaurierung soll es an Liturgie und Musikgeschehen der Gemeinde teilzunehmen.
Bei einer Konzertsaalorgel, wie wir es hier in Bukarest zu tun haben, kommt ein weiterer Aspekt dazu, dass diese Orgel ins Orchester der Philharmonie integriert werden soll, und dass bestimmte Anforderungen an Aufnahmetechnik gestellt werden. Eine mechanische Kegelladenorgel hätte hier schlechte Karten, um bestehen zu können.
Der weise Oscar Walcker wusste schon, dass er hier substantiell auch keine elektropneumatischen Kegelwindladen ins Konzertsaalorgelngeschehen einbringen sollte, sondern Taschenladen. Obwohl zu seiner Zeit weniger die Aufnahmetechnik als die verfeinerte Durchhörbarkeit der Konzertsäle Grund dafür waren.
Wenn man heute an solch eine Orgel herantritt, hat man es mit drei verschiedenen Personen zu tun: dem Aufnahmetechniker, dem Organisten und dem Hauswart.
Der Erste macht dem Orgelbauer gleich klar, dass er keinerlei Induktionsfunken abreissender Magnete im Spieltisch und so wenig wie möglich klackende und hustende Relais &Pneumatiken auf seinen Aufnahmen zu hören wünscht. Auch wenn er heutzutage jeden einzelnen Huster des grippalen Publikums herauszuzaubern in der Lage ist, so stören diese kleinen fast unbedeutenden Induktionen der Magnete ein digitales Mischpult viel mehr, weil sie sich überall im Netz wie tausende von giftigen Kobolten ins Innere der CD-Aufnahmen einschleichen wo sie seuchenhaft ihr Unwesen treiben.
Also heißt die Devise, so wenig wie möglich mechanische Klackapparate in den Spieltisch, der an vorderster Stelle der Orgel auf zentralem Podium zu finden ist. Die Taschenladen kommen dem Aufnahmetechniker entgegen, sie sind weitaus leiser als elektrische Schleifladen.
Dann also kommt der Hauswart, der sich zuerst beklagt, dass die 640adrige Kabelleitung mit Steckern von der Orgel zum Spieltisch ein Grundproblem seiner Arbeit darstellte. Zudem mussten die Stecker und Buchsen alle zehn Jahre erneuert werden. Das Ein- und Ausfahren des Spieltisches, dies wiederum beklagt der Organist, der versichert, dass er diese Arbeit manchmal alleine zu tätigen hat, wenn er morgens um 2 Uhr (vom Frühschoppen) zum Üben kommt, muss also soft und leicht vonstatten zu gehen sein.
Nun, beim Organisten sind wir an einer Stelle angekommen, die uns sagt, ein Spieltisch, der nicht der internationalen Vorstellungen entspricht, von Bedienung und Ausmaßen, ist für viele Konzertorganisten, die nur wenig Zeit zum Einüben mitbringen, eine Horrorvorstellung.
Martin Rost hat dagegen sehr richtig argumentiert, dass bei spätromantischen Orgeln die Walze und die zwei freien Kombinationen ihre Berechtigung haben. Aber wir haben hier keine Spätromantik und keinen alten Spieltisch, der einer Stilepoche zugewiesen werden kann. Dazu kommt, dass die alte Walze im ppp so klappernd laut ist, dass man nur schwer die Aeoline respektive Vox coelestis, die von uns wieder dazu gebaut wird, überhaupt wahrnehmen kann.
Grundgedanke macht sich dann auch auf den Weg, nämlich, wenn man beginnt die Technik der Spätromantik zu restaurieren, es handelt sich ja bei einer spätromantischen Walze um ein analoges Registrieren, das einer Idee von Eberhard Friedrich Walcker zugrunde liegt, dann muss man ganz konsequent auf der analogen Behandlung der Technik beharren, weil sonst diese Technik ad absurdum gewiesen wird. Es ist ja auch eine musikalische Idee, die an der Orgel als Organismus anknüpft. Und jeder Organismus ist letztendlich ein auf analogen Empfindungen und Äußerungen basiertes Wesen. Dann kann man also bei einer solchen Orgel nur begrenzt die „digitale Rechentechnik“ einschieben, die ganz entschieden jener Idee von Organismus widerspricht. Alles Digitale ist insgeheim ein Widerspruch zur Romantik!!
Wir haben in Bukarest auf Grund der Vorgaben meiner Meinung keine andere Möglichkeit gesehen als einen neuen digitalen Spieltisch hier einzubauen, der nun mit einem winzigen Computer-Stecker mit der Orgel verbunden ist und der für Aufnahmetechnik, Wartung und internationale Organisten keine Probleme darstellt.
Dennoch sehe ich, wie andere, dass damit ein ideeles Problem aufgetaucht ist, wie ich es im vorangegangen Text beschrieben habe.
Dieses Problem wirkt noch wesentlich tiefer, wenn man erkennt, dass Orgelmusik zu einem großen Teil ja nur über digitale Medien aufgenommen wird, wie MP3-Player, Stereoanlage etc., da in diesen Fällen die Analogie nur simuliert wird. Es gibt ja gar keine Dynamik mehr, sondern das ist alles nur Schein des Scheines.
Diesen schwierigen Zusammenhang möchte ich an einem anderen Beispiel verdeutlichen.
Als ich vor 6 Jahren zum ersten Mal ins Atheneum trat, war ich überwältigt von den ungeheuer schönen und gigantischen Marmorsäulen im Empfangssaal. Der Eindruck hat sich in der jüngsten Zeit mehr und mehr verstärkt, als ich die komplette Inneneinrichtung des Atheneums aus blank poliertem Marmor studieren und fotografieren konnte. Die unterschiedlichen Marmorarten wurden mir mit der Zeit geläufig. So erkannte ich den berühmten Carrara-Marmor aus Italien, griechischen Marmor aus Thassos und natürlich Bucova Marmor aus Rumänien. Nun bekam das Ganze einen Sprung, als ich feststellte an einer abgesplitterten Stelle, dass es sich um Gips handelte, der perfekt bemalt wurde und über der Bemalung eine Hochglanzpolierung erfolgte. Das ganze Ambiente des Atheneums bracht zwar nicht in mir zusammen, da ja immerhin die erstaunliche Leistung der Bemalung anstelle der natürlichen Gestaltung gesetzt wurde, aber ein Sprung war da.
Ich glaube so kommen wir auch unserer Orgelmusik näher, die nun wie Gips in der Hand zerbröseln kann, aber immerhin die erstaunliche technische Leistung zu Tage tritt, die ein geringfügiger Ersatz für die hohe Kunst sein kann.
gwm 13.1.08

Palmares – WalckerOrgel Opus 402, Bj1881

Montag, Oktober 22nd, 2007

Es gibt wirklich nur wenige Orgeln, die einen Orgelbauer restlos begeistern können. Besonders dann, wenn man auf ein Instrument trifft, das völlig andere, nämlich negative Erwartungen ankündigte. Dann aber, nach der Fahrt auf der legendären Panamericana, der längsten Auftostraße der Welt, die sich wohl von Santiago de Chile bis hoch nach Alaska erstreckt, und auf der ich bereits in Guatemala und Equador einige Kilometer zurückgelegt habe, da eröffnete sich mir ein unheimliches Erlebnis.
Als ich die ersten Töne der Viola di Gamba 8′ auf diesem seltsamen Instrument entlocken durfte, als sich beinahe Tränen der Rührung bemerkbar machten, wurde mir der grandiose, stille Klang dieser Walcker-Orgel am anderen Ende der Welt zu etwas gewiss Feststehendem, nämlich, dass es tatsächlich noch Orgeln auf unserem Erdenrund gibt, die jenen Klang bewahrt haben, auf dessen Suche wir uns begeben haben, lebenslang, unser Jakobsweg, und sei es die Panamericana.
Der Klang dieser Orgel wurde bewahrt, wie die Porcellanschilder und natürlich die Windladen und Pfeifen – allerdings in einem teils bedenklichen Zustand. Wir können das recht einfach an verschiedenen Störungen der Traktur und der Windanlage feststellen.
Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, dieses Instrument zu überholen, um die verschwimmende Charakteristika wieder zurückzuholen. Und die Feststellung, hier in Costa Rica ein Instrument zu haben, wie wir es in Deutschland kaum noch anzutreffen hoffen, das beruhigt, das gibt eine gewisse Kraft und festigt die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Leider liess sich auf Grund elementarer Verstimmung und technischen Störungen keine Klangaufnahme machen, dafür aber sehenswerte Bilder:

the magic colores of Palmares

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Porcellanschild Walckers aus 1881

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so wie dieses Schild aussieht, so klingt er, der Principal 8′, fein ziseliert, filigran, warm, warm, warm und tief und breit….

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und hier die Herren, von rechts nach links, der Sakristan, Andrés, der Pfarrer Keneth Castillon, gwm,
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DISPOSITION DER WALCKERORGEL IN PALMARES
Manual
Principal 8
Gedeckt 8
Salicional 8
Viola di Gamba 8
Octav 4
Flöte 4
Octav 2
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5

Pedal
Subbaß 16

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)

Spieltische Bukarest op 2654 und Heidelberg op 2135

Samstag, September 15th, 2007

Diese beiden histor. Spieltische wurde von verschiedenen Interessenten angefragt, so dass ich mich entschlossen habe diese Fotos der Spieltische hier zu zeigen.
Bukarest op 2654, der historische Spieltisch, der in ein Museum gestellt werden soll, weil er nicht mehr verwendet wird. In diesem Fall glaube ich, ist es völlig berechtigt. Denn die „Ergonomie“ jener Spieltische, die in Konzertsäalen gebraucht werden, wird zunächst einmal an den möglichen Spielhilfen, sprich Setzerkombinationen gemessen. Die bisher sehr hilfsbedürftige Erweiterung mit 6 Freien Kombinationen dürfte für Konzertorganisten aus allen Teilen der Welt sehr umständlich und „balkanisch“ ausgesehen haben. Alle diese tausende von Schalterchen und Hilfsknöpfe sind sehr verwirrend. Dennoch muss diese analoge Walze als eine ganz herausragende Spielhilfe angesehen werden, die wir leider später nicht mehr haben.
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Heidelberg Kinoorgel aus 1928 op 2135
Dieser Spieltisch ist natürlich kaum mit herkömmlichen Spieltischen von Kirchenorgeln vergleichbar, aber dennoch interessant, weil hier sehr viele Funktionen übersichtlich geordnet werden mussten. Sehr schön in jedem Fall die Emailschilder über dem Pedal.
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Der fünfmanualige Spieltisch von St.Sulpice/Paris

Montag, Mai 21st, 2007

Wir haben hier dank eines Orgelfreundes aus dem südlichen Württemberg endlich Gelegenheit einen der wohl ästhetischsten Spieltische des 19 Jahrhunderts hier in prachtvoller Detailaufnahme zu zeigen. Dazu sind nicht viele Worte erforderlich, außer, dass diese Fotos jeweils rund 600kb Auflösung haben, und zur Orientierung ist der bekannte Stich Cavaillé-Colls noch in der Mitte hinzugefügt.

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Dank nach Balingen!

Und hier weitere Bilder vom Spieltisch, von Barker-Hebel und Cavaillé

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(gwm)

Restaurierung elektrischer Spieltische

Dienstag, Mai 15th, 2007

Wir haben momentan drei Projekte laufen, in denen die Frage kontrovers diskutiert wird.. Hierzu sehe man sich die beiden Spieltischbilder an, welche die unterschiedliche Behandlung solcher Fragen sofort schlagartig vor Augen führen.

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A) alt und schön: Der eine ist ein Walcker-Spieltisch der dreißiger Jahre: eine vollkommen unproblematische Sache. Bei dem man die Kabel auswechseln kann, oder auch belassen kann. Die Kontakte werden hier alle gegen neue Silberkontakte erneuert. Danach spielt das Gerät wie bisher seine 70-80 Jahre. Auch die Registerschalter erhalten neue Kontakte und Federn und sind dann wie neu. Man hat hier nur zwei Freie Kombinationen, eine etwas geräuschhafte Walze und ein paar Feste Kombinationen. Damit kann man in der Regel bei 30-40 Register per Orgel gut leben.

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B) alt und hässlich: Der andere überlastete Spieltisch ist ein Problem, weil hier bei Störungen sehr großer Zeitaufwand erforderlich ist, den Fehler zu finden, und durch das Ab-und Zubauen der Anschlussbretter weitere Störungen in die Kabeln einschleichen können. Diese Spieltische sollten unbedingt innen mit neuer Technik aufgerüstet werden.

C) neues Design: Wird Setzerkombination, Midistation und Mobilität verlangt, so sind in der Regel so große Veränderungen an der Technik vorzunehmen, dass es nicht mehr bei einer Beibehaltung des äußeren Erscheinungsbildes bleiben kann. Denkmaltechnisch ist das zumindest kritisch. Vom modernen Spielverständnis verständlich. In solchen Fällen kann man letztendlich einen komplett neuen Spieltisch unter Verwendung des alten Spieltischgehäuses einbauen, der mit Lichtwellenleiterkabel oder Telefonleitung mit der Orgel verbunden wird. In der Orgel werden dann Treiber für die einzelnen Magnete in separatem Schaltgehäuse eingebaut. Die dreiadrige Telefonleitung kann mit dem Telefonnetz verbunden werden, so dass der Spieltisch bei Störung an das entsprechende Ingenieursbüro gleich die Fehlermeldung liefert. Auch weitere Daten können hier übermittelt werden.

Dies also eine „saubere“ und einfache Lösung nach heutigem technischen Design, die eigentlich nur zwei grundsätzliche Schwachstellen hat. Nämlich

a) Der Orgelbauer kann in dieser Zone kaum noch einen Fehler beheben und

b) die weitere technische Entwicklung läßt das momentane Technodesign kurzfristig veralten. Und damit entsteht etwas, was wir im Orgelbau garnicht gerne sehen. Nämlich, dass laufend an diesen Techniken von „betriebsfremden“ Ingenieuren herumgedoktert wird. Kommt der Orgelbauer zur 3. Hauptstimmung steht in der Regel ein neuer Spieltisch da (USA- Crystal Palace).

Die Auffassung, dass die alten seidenumspannten Kabel zu Störungen führen würden, und die daher oft rigoros ausgewechselt werden, ist vollkommen falsch. Diese Seidenumspannung wurde mit einer chemischen Lösung fabriziert, die zur Folge hatte, dass die Kupferkabel 100%ig oxidierten und mit großem mechanischem Aufwand abgerieben werden müssen, damit man sie überhaupt löten kann. Kontaktschluss mit Nachbarkabel kann es nicht geben. Bei fahrbaren oder steckbaren Spieltischen ist natürlich klar, dass alle die damit verbundenen Kabel Litzekabel sein müssen – das gab es früher nicht, was immer wieder zu Abbruchstellen führt. Seltener aber auch anzutreffen ist, dass mit Säure gelötet wurde und somit hier ein Heer an Störungen auf der Lauer liegen – besonders wenn teilweise Elektronik zugeführt wird.

Aus Fehler in der Vergangenheit zu lernen gipfelt in dem Schlußsatz, egal wie immer man sich bei der Frage „alten Spieltisch restaurieren oder ersetzen“ auch entscheiden mag, der alte Spieltisch oder dessen Innereien sollten unbedingt aufbewahrt werden,am besten in einem benachbarten Museum.

Denn wie froh wäre man heute in Hamburg, Stockholm, Oslo oder sonstwo, wenn man den alten Spieltisch wieder hätte.

(gwm)

Op 676 Soest – pneum. Spieltisch

Mittwoch, April 25th, 2007

spieltisch.jpgOrgel von Söhne Eberhard Friedrich Walcker op. 676 (1895)in der ev. Pauli-Kirche in Soest -restauriert 1992-94 von Eule Orgelbau, Bautzen, dabei wurde der Spieltisch sehr stilgerecht auch im Detail restauriert. Es ist sehr angenehm, dort zu spielen, halt auch wegen der schönen Optik.
zum Bild mit den Registerzügen:
Oben links ist rosa = Schwellwerk, unten links und unten rechts grün = Pedal, Mixtur und Trompete unten von der rechten Seite und der Rest = weiß = Hauptwerk -über den Registerzügen ist der Knopf für die freie Kombination Zum Bild mit der Gesamtansicht:
Über dem zweiten Manual die Skala für die Crescendo-„Walze“ (die hier praktischerweise als Tritt ausgebildet ist, der linke über dem Pedal, links das Schild „op. 676“, rechts dann „1895“.
Unter dem I. Manual Knöpfe für die Oktavkoppeln (Super I und Super Pedal), Auslöser, Walze an, Freie Kombination, 2. Manual ab, und die 3 Normalkoppeln.
Die weissen Tasten haben so eine Art Kunststoffbelag.

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Wir danken Stefan Krüger aus Soest !!

Berlin – Bachsaal Op 776

Sonntag, April 15th, 2007

Der Enkel des nachfolgenden Herren, der am 6.Sept. 1932 ein Konzert auf der Walcker-Orgel im Bachsaal Berlin ein Konzert gab, sucht Unterlagen über diese Orgel. Ablichtungen und was es sonst noch gibt.

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Das Instrument wurde 1896 gebaut mit 34 Register. Man sieht am Spieltisch, der ebenfalls als Kommentar zu unserer entsprechenden Seite gesehen werden kann, dass hier die Entwicklung zu den Registertasten bereits vollzogen wurden.

Hier ein Zeitungsbild der Orgel. Seltsamerweise ist das Instrument nicht bei Walcker unter Konzertsaalorgeln aufgeführt.

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Spieltisch Op. 631 Graz Barmherzigenkirche

Freitag, April 13th, 2007

Diesen hochinteressanten Spieltisch erhielten wir von Florian Leitner zugeschickt. Ganz herzlichen Dank nach Wien.
In jedem Fall eine herrliche Ergänzung zu unserer Spieltischseite. Diese Ergänzung können wir nur in größeren Zeitabschnitten vornehmen, so ist diese Möglichkeit sehr willkommen.

img_3070_3_1.JPG Wer hier an der Pedalklaviatur etwas genauer hinsieht, wird erkennen, dass wir es mit einem ganz seltsamen Schwelltritt zu tun haben: er ist nämlich zusammenklappbar.

img_3071_4_1.JPG und hier die beiden Registerstaffeleien

img_3063_2_2_1.JPG img_3062_1_2_1.JPG bei denen wir erkennen, dass es sich um eine Orgel noch vor der Jahrhundertwende handelt, denn dann kommen so langsam die Kipptasten auf, während hier nicht wie auf den ersten Blick gedacht, es sich um Mechanik, sondern bereits um ein pneumatisches Werk handelt und das mit wunderschönen Emailschildern.

Das Werk hat wie wir sehen 23 Register und wurde in pneumatischen Kegelladen gefertigt. Wobei noch gesagt werden muß, solch eine „aufgeräumte“ Pneumatik wird selten gesehen. Die Register scheinen noch mechanisch zu laufen.

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