Archive for the ‘Spieltische’ Category

Die Walcker-Orgel Opus 1085 in Heidelberg-Christuskirche

Freitag, April 1st, 2011

Diese Orgel, im Jahre 1903 rein pneumatisch gebaut, hat in den vergangenen 100 Jahren zwar einige Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen, war aber nie soweit umgestaltet worden, dass man einer Rückführung auf das ursprüngliche Klangbild und jetzt auf den ursprünglichen technischen Zustand, nämlich die pneumatische Traktur, hätte nicht durchführen können.
Nun also ist das Werk wieder auf etwa dem Zustand wie es im Jahr 1903 war. Und das Besondere ist neben dem hervorragenden Klang, den Gerhard Lenter verantwortet, ein pneumatisches Wunderwerk, das sein Sohn Markus gestaltete.
Die Orgel, die in 1954 auf elektropneumatisch umgerüstet wurde, erklingt jetzt als pneumatische Orgel.
Dazu ist festzustellen, dass diese Spielart eine ganz hervorragende Präzision besitzt, die neben dynamischen Möglichkeiten, Register entweder spritzig schnell ansprechen zu lassen, auch ein weicheres Einschwingen der Pfeifen erlaubt. Die Präzision ist unschlagbar, das Beste, das ich bei pneumatischen Instrumenten bisher gehört und gesehen habe.
Der Klang der Orgel dürfte sehr nahe an die Schule „Fritz und Eberhard Walcker“ herankommen, was bekanntlich in Oscar Wackers elsässische Bestrebungen mündete mit der späteren ersten großen Reformorgel in Dortmund Reinoldi.
Noch wird in Heidelberg hart gearbeitet, insbesondere an der Intonation. Die Einweihung soll an Ostern stattfinden.
Wer hier in Deutschland also noch die romantischen Mixturen sucht (2-1 1/3-1-4/5 oder 2-1 3/5-1) wer Sibelius-Klarinetten sucht, die hier natürlich durchschlagend sind und die auch Oscar Walcker in Mensur völlig unverändert übernommen hat oder wer die singenden Principale sucht, die sich vom I.Manual hinauf zum Dritten aufhellen, als ginge das Licht in der Kirche crescendo stufig an, der sollte nach Heidelberg, nicht nur, um den reichen Fundus an Flöten hören zu können, sondern auch, um zu sehen, dass die Walckersche Pneumatik unschlagbar exakt und präzise gearbeitet hat. Daher auch der nur schwerliche Übergang zur elektrischen Traktur, den Carl Walcker für unnötig erachtete.

Dispo aus dem Opusbuch (die bei Doering genannte Disposition ist nicht mehr aktuell)
I.Manual Hauptwerk C-g3
1 Principal 16
2 Principal 8
3 Gedackt 8
4 Doppelflöte 8
5 Viola di Gamba 8
6 Synthemtophon 8
7 Gemshorn 8
8 Octave 4
9 Rohrflöte 4
10 Rauschquinte 2 2/3+2
11 Mixtur 3-5f 2
12 Mixtur min. 4f 1 1/3
13 Trompete 8 c

II.Manual Schwellwerk
14 Bordun 16
15 Principal 8
16 Salicionnal 8
17 Dolce 8
18 Quintatön 8
19 Traversflöte 8
20 Schalmei 8
21 Octav 4
22 Flöte 4
23 Piccolo 4
24 Mixtur 3-4f 2 2/3
25 Clarinette 8

III.Manual Oberwerk schwellb.
26 Lieblich Gedackt 8
27 Geigenprincipal 8
28 Rohrflöte 8
29 Viola 8
30 Vox coelestis 8
31 Aeoliine 8
32 Traversflöte 4
33 Fugara 4

Pedal C-f1
34 Principaalbass 16
35 Violonbass 16
36 Subbass 16
37 Quintbass 10 2/3
38 Octavbass 8
39 Violoncello 8
40 Octav 4
41 Posaune 16
42 Trompete 8
T Gedacktbass 16
T Saicetbass 16

Gerhard Lenter
gerhard_lenter01.jpg


hinterm Spieltisch

spieltisch_hinten.jpg
gwm

Midi auf der Tamburini in Rom-Santa-Cecilia

Samstag, Dezember 11th, 2010

Das MUSICAL INSTRUMENT DIGITAL INTERFACE stellt ein Datenübertragungsprotokoll zwischen Musikinstrumenten und PC dar. Auf dem PC muss dafür eine Software installiert sein, ein sogenannter „Midi-Sequencer“ der diese Daten mit dem „midifiziertem“ Instrument austauscht. Also vom Instrument können die Informationen gesendet und empfangen werden, ebenso vom PC.
Die Verbindung zwischen PC und Instrument muss über sogenannte „MIDI-Kabel“ bewerkstelligt werden, was meist ein kleines Interface notwendig macht, da die 5-poligen „Midiein+Midiausgangskabel“ nicht direkt im PC angeschlossen werden können. Diese Midi-Interfaces kann man bei Conrad für lau „25,–“ samt Kabel bestellen.
Die Software, also der Midi-Sequencer, dafür schlage ich CUBASE vor, weil da alles, vom Notendruck bis zu feinsten Midieinstellungen enthalten ist, kostet in der „Essentiel-Variante“ gerade mal 180,–Euro. Studiversionen gibt’s für 80,–.
Voraussetzung bei der Pfeifenorgel ist, dass das Instrument elektrisch spielbar ist und eine Midieinrichtung hat. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die nachträglich eingebaut werden können.
Es muss jedoch deutlich betont werden, dass diese MIDI-Technik keinerlei künstlerische Möglichkeiten bietet, Orgelmusik ästhetisch aufzubereiten. Der Grund liegt einfach daran, dass der mechanische Ablauf des Orgelspiels, die ganze sinnliche Erwartungshaltung des Hörers gründlich eintrübt. Und ganz anders als bei einer CD-Aufnahme, wo die menschliche Interpretation mit seinen winzigen Raum-und Zeitversetzungen, mit den kleinsten Betonungen bestimmter Akkorde oder Noten, den minimalen Tempiverzeichnungen u.a., eben alles dieses Menschenmusizieren mit ihrer Wärme und Feinfühligkeit uns Hörer erst in den vibrierenden Zustand versetzt, begierig den neuen Takten entgegenzuhören, während der Midi-Roboter ganz maschinell in sein vorgegebenes Raster einsortiert und abspielt.
Wir können diese ganze grobe Begeisterung für die Miditechnik auf seiten der Pop-und Rockindustrie nur insoweit verstehen, weil diese Technik eine gewisse Konsumhaltung befriedigt, künstlerisch aber höchst fragwürdig ist und meiner Meinung nach sogar die Entwicklung dieser Musikstile wie Heavy Metal u.a. ganz erheblich beeinträchtigt.
Dennoch sollte beobachtet werden, ob diese Technik nicht für Klangproben und andere Dinge eingesetzt werden kann, weil damit der Orgelbauer im Raum die Orgel nach seinen Vorstellungen abhören kann. Denn dazu sind nur wenige Handgriffe notwendig. Das Einstellen von Registerkombinationen kann sogar über einen Handsender erfolgen. Die Tragfähigkeit und Lautstärkenintonation verschiedener Registerkombinationen scheint damit ganz plausibel überprüfbar zu sein. Ob das die Nachteile dieser Technik aufwiegt, wage ich allerdings nach diesen wenigen Versuchen nicht abschließend festzustellen.
Im nachfolgenden Text möchte ich etwas detaillierter auf die Technik mit Sequencer und Anschluß des Interfaces mit den Kabeln eingehen.
Zunächst benötigen wir die Sequencersoftware, die vornehmlich aus dem Steinbergschen Cubase bestehen sollte. Auf alle Experimente mit Freeware kann man getrost verzichten. Cubase ist vorzüglich für die Pfeifenorgel geeignet und wir können damit alle wichtigen Einstellungen vornehmen.
sequencer.jpg
Man importiert mit dieser Software das down-geloadete Midifile (eine ganz vorzügliche Adresse für klassische Musikfiles ist: http://www.classicalmidiconnection.com/cmc/midiplay/playmidi.shtml?mid/bach/inv2v01c , wo ich bisher alle Komponisten gefunden habe, die mir wichtig erschienen. Der Download ist allerdings nicht ganz einfach. Man clickt das entsprechende file an, das im site-eigenem Player abgespielt wird. Das stoppt man und geht in die darunter liegende Zeile mit dem file-link, und gibt dort beim firefox-browser mit Rechtsclick darauf an: Ziel speichern unter.., daraufhin kann man das file.mid z.B. auf dem Desktop ablegen) in ein neues Projekt.
komponisten_satt.jpg
Nun legt man neue Midispuren an, auf die man die Daten der importierten files kopiert. (Wer hier Probleme hat kann mich kontaktieren für weitere Erklärung, da das alles nicht ganz einfach war). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Software das angehängte Midi-Interface (Midilink) erkennt, und im Recorder weiter unten, beim Abspielen der Midiausgang aufleuchtet.
Auf nachfolgenden Fotos einige Erläuterungen.
anschluessejpg.jpg orgamat.jpg
Mit diesem Sequencer kann man schneller oder langsamer ablaufen lassen und letztendlich jede einzelne Note korrigieren. Man kann ebenfalls selbst Orgelmusik über den Spieltisch einspielen und editieren, auch Noten ausdrucken. Die Begeisterung sollte sich aber in Grenzen halten, auch wenn man bis zu 1/64 Noten damit editieren kann. Denn außerhalb dieses Rasters geht absolut nichts. Das heißt, die maschinelle Mechanik, die hier am Ende abgespielt wird, wirkt unheimlich ermüdend, weil sich das erfrischende Element des leichten Verifizierens, das menschliche Spiel des laufenden Wechsels hier absolut nicht stellt.

Hier ein Video, das verschiedene Möglichkeiten zeigt:

(also die Orgel klingt nicht so spitz wie das mein Kameramikro aufgezeichnet hat)
gewalcker@t-online.de

Die neue elektronische Steuerung in Rom Santa Cecilia

Montag, September 27th, 2010

Nach Abschluss der Installationsarbeiten stelle ich dieses Bussystem hier einmal in ein paar Bildern vor.
Diese neue elektrische Anlage besteht aus einer Einheit, die im Spieltisch untergebracht ist. Dort finden wir Midianschluss, den Setzer, die komplette Logik für die 38 Koppeln (darunter fast in jedem Manual Sub- und Superkoppeln) und den Sender, der die Daten per twisted-pair-Kabel an den Schaltschrank, der im Unterteil der Orgel eingebaut ist, übermittelt. Eine weitere Einheit ist der Schaltschrank in der Orgel, von dem alle Magnete in der Orgel aus angesprochen werden.
Hier ist das entscheidende Element die absolute Schnelligkeit der Elektronik, damit bei vollgriffigem, gekoppelten Spiel und schnellen Trillern absolute Präzision vorliegt. Wir können bestätigen, dass dies mit den uns vorliegenden Bauteilen mit bravouröser Sicherheit gewährleistet wird, während bei selbstgebastelten Anlagen genau an dieser Stelle die entscheidenden Mängel zu finden sind.
Hier also der Spieltisch:
spieltisch021.jpg
Im linken oberen Teil befindet sich Processor, Sender, darunter die Kabelanschlüsse für +- 18V und Sicherungen der einzelnen Module. Ganz links der Gleichrichter 24V für die Elektronik. Unser Orgelstrom für Registereinstellmagnete ist 18V=.
Ein weiteres Bild vom Spieltisch, wo man den Kabelschlauch mit Stecker und Buchse erkennen kann:
spieltisch011.jpg
Wir haben zwei Buchsen, die noch ins Podium eingebaut werden und folgendermaßen bestückt sind:
stecker_buchse.jpg
zwei Kabel für 230V (Motoreinschaltung und Stromzufuhr Lichter)
vom Gleichrichter (rot+blau +-18V)
twisted pair Kabel für die Digitale Datenübermittlung

Die Datenkabel werden an den Schaltkasten angeschlossen, der hier abgebildet ist:
schaltkasten01.jpg
Die verschiedenen Module, die hier mit roten LEDs aufleuchten sind allesamt „Treiber“ für Windladenmagnete. Jedes dieser hier gezeigten Module hat 16 Ausgänge. Der Rahmen ist nach außen aufklappbar. Am inneren Teil befinden sich nocheinmal so viele Module. (einer der größten Schaltkästen der mit diesem System bislang realisiert wurde).
schaltkasten02.jpg

Hier ein Detail dieser Module. Jeder Ausgang ist zudem noch mit einem LED bestückt. Wird der Ausgang angesprochen, leuchtet die LED auf. Das erspart sehr viel Fehlersuche an der falschen Stelle, wenn einmal ein Magnet nicht ansprechen sollte.
detail-schaltkasten.jpg

Insgesamt sind in dieser Orgel über 1400 Magnete, die über diese Elektronik angesteuert werden.
Ich kann mir heute ehrlich gesagt nicht vorstellen, eine vergleichbare Arbeit auf anderer Weise, als in der hier vorgestellten Art, durchzuführen.

gewalcker@t-online.de

(der Beitrag wird demnächst mit zwei kleinen, aber schönen Bildern ergänzt werden)

Die Walcker-Orgel Op.719 , III/38, in Basel mit pneumatische Kegelladen

Sonntag, September 12th, 2010

Dieses vorzügliche spätromantische Instrument aus dem Hause Walcker, von dem wir im höheren Norden bisher nichts zur Kenntnis nehmen wollte, ist tatsächlich nahezu vollständig erhalten (geringe Aufhellung der Mixturen, die man wieder beseitigen sollte).
Ein Umstand der uns sofort begeistert zu dem von Nicoleta Paraschivescu geschicktem Material greifen liess.
Die vorzügliche Restaurierungsarbeit wurde geleistet vom Orgelbauer Eduard Müller, der bei Metzler & Söhne gelernt hat.
Zunächst möchte ich die originale Disposition der Orgel aus 1896 zeigen, die jedem echten Orgelfreund das Herz erzittern lässt:

dispo-1896.jpg

Hieran wurden folgende Änderungen im Laufe der Zeit getan:

a) Die Dolce wurde gegen eine Fugara 4 im Jahre 1905 getauscht
b) die vierfach Mixtur von 2 2/3 auf 2 geändert und die Terzen entfernt (unbedingt sollte man das wieder retournieren)
d) die Trompete wurde 1920 ersetzt (da hätte der Austausch der Blätter gereicht)
e) eine neue Voix céleste 8′ wurde im Jahre 1920 neben die Aeoline gefügt in pneumat. Taschenlade (solcherlei Dinge haben dazu geführt, dass man der Bewegung Gründe lieferte, derartige Instrumente zu verfolgen, wie weiland die Roma und andere)
f) die Oboe 8′ wurde gegen eine aufschlagende ersetzt (verständlich, aber falsch: der butterweiche Schnurreffekt der Durchschlagenden wäre heute dazu angetan, regelrechte Pilgerzüge nach Basel zu leiten. Mindestens wöchentliche Stimmführungen allerdings hätten dazu geführt, dass regelmässig ein paar Zünglein ersetzt werden hätten müssen, was zwischen 1950 und 1980 Probleme mit sich gebracht hätte. Heute, so meine ich, wäre das kein Problem mehr)
g) die Harmonica 8 im III. hatte keine Chance: 1905 ersetzt durch eine Viola 8, dann kam 1950 ein völlig deplaziertes Flageolet 2′
h) Mixtur 2 2/3 wurde 1950 geändert in 1 1/3
i) das Pedal bekam 1920 einen Quintbass 10 2/3 dazu mit Taschenlade
j) der Harmonicabass 16 wurde zum Violonbass 8 und dann 2004 verkümmerte er zur Rohrflöte, was in dieses Klangsystem wohl überhaupt nicht reinpasst.
k) die Posaune 16′ findet sich in der neuen Disposition überhaupt nicht mehr, was wohl der dramatischste Fehler dieser Disposition dann wäre

Wir möchten aber nicht in den Reigen der allfälligen Kritik verharren, sondern das Instrument hervorheben und ausdrücklich lobend als eines der ganz wichtigen spätromantischen Walcker-Orgeln loben. Das wird durch die nachfolgenden Bilder unterstrichen.

Wie sieht denn so eine Pneumatik aus, werden viele unserer Besucher fragen, die sich bestimmt gut im Orgelbau auskennen, aber kaum in der Lage sind frisch und frei in ihrer unmittelbaren Nähe eine pneumatische Orgel aufzufinden.

Hier die Rückseite des Spieltisches. Zu beachten sind die mechanischen Registerzüge und die mechanischen festen Kombinationen.

pneumatik-hinter-spieltisch.jpg

Das folgende Bild zeigt die Steuerung der Registerventile vom Hauptwerk: Mixtur, Gamba, Gedackt, Fugara, Flauto amabile, Principal

balgleiste.jpg

Hier der Spieltisch mit einigen schönen Details

spieltisch00.jpg spieltisch01.jpg spieltisch02.jpg

Vorstellung einzelner Register mit Pfeifen

Die durchschlagende Clarinette, links mit Zinnbecher und Holzstiefeln in unterschiedlicher Höhe, was klanglich von Bedeutung ist, rechts Kopf und Kehle aus Holz mit Rahmen und Krücke aus Messing, darin „schwebt“ die durchschlagende Zunge
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Pfeifenwerk im Hauptwerk, von links nach rechts : Trompete mit Zinkbechern, Doppelflöte 8′ in Holz, Bourdon 16′ Holz
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Pfeifen des II.Manuals von links nach rechts: das erwähnte „unnötige“ Flageolet 2 (kaum zu sehen), der Salicional und Geigenprincipal 8 auf Augenhöhe, Lieblich Gedackt 16′, dann ohne Deckel Wienerflöte 8′ und ganz am Rand die Becher der Clarinette 8′
pfeifenw04.jpg

und zum krönenden Schluß der vorzügliche Entwurf der Orgel (vom Breslauer Architekten Felix Henry, der mit dem neogotischen Entwurf der Kirche den Wettbewerb 1896 gewonnen hatte)

0719_basel_walcker.jpg

Bei der nachfolgenden Adresse, dort wo sich die Orgel befindet, kann übrigens ein hervorragender Prospekt über die Orgel angefordert werden:
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3
CH-4001 Basel

www.erk-bs.ch

gewalcker@t-online.de (der sich schon wieder auf die Rückreise nach Rom vorbereitet)

Druckpunktfeder im Tamburini-Spieltisch

Samstag, Juli 24th, 2010

Das Thema „Druckpunkt“ in elektrischen Spieltischen hat beinahe etwas Mystisches, wenn ich mir die verschiedenen Konstruktionen in den 60er und 70er Jahren betrachte. Walcker hat hier nicht schlecht Lehrgeld bezahlen dürfen. In us-amerikanischen Spieltischen sind derartige Dinge Selbstverständlichkeiten. Bei uns in Europa hat sich das eigentlich nie richtig durchgesetzt. Bei August gibt es „Magnetschnäpper“ die zwar gut funktionieren, aber nur im ersten Moment eine Wirkung haben, bis der Magnet abreisst.
Die Tamburini-Konstruktion hier in Rom hat einen leichten Druckpunkt, der der Künstlichkeit anderer Konstruktionen entbehrt und gleichzeitig das einzige Rückführelement der Taste ist. Daher halte ich diese Konbstruktion, die auch keine Gewichte mehr benötigt, für ausgewogen. Die Qualität ist nicht schlecht.
Hier zunächst einmal eine Skizze eines Einzelkontaktes mit Beispiel. Wir sehen an der oberen Skizze, wenn die Taste nach oben geht, überwindet sie ein Spannung nach der sie gewissermaßen nach oben gerissen wird. Dieser „Schnapp-Punkt“ wird an der Taste als überwundener Druckpunkt gefühlt.
einzelkontakt.jpg
An diesen beiden Fotos sieht man die gleiche Taste einmal unbewegt und ein weiters Mal durchgedrückt:
e_aus.jpg ein.jpg

und hier noch eine Ansicht von oben
tastenkontakte.jpg

(gwm – auf dem Sprung weitere der 250 Kirchen Roms zu besichtigen)

Solingen -Lutherkirche, weitere Entwicklung der Arbeiten

Sonntag, Februar 14th, 2010

Kein Frage, wer in zwei Wochen einen kompletten Spieltischumbau für diese dreimanualige Orgel vornehmen will, der hat mit allerhand Überstunden zu rechnen, wenn der Organist sich Ziele gesetzt hat. Und zwar an Samstag und Sonntagen. Das ist um so erfreulicher, je schlechter das Wetter ist und je mehr „Fasching“ und andere volkstümliche Gemeinheiten den Orgelbauer verschrecken.
Wir haben es uns angewöhnt sehr langsam bei solchen technischen Dingen, wie beim Einbau von „Tausendfüsslern“ und anderem Heiligkeiten der Neuzeit zu werden, weil oft ein einziges falsch gelötetes Kabel für Schrecken sorgen kann.
Hier nun unser erstes Wochenende mit einem Sonntag, der, wenn ich richtig gezählt habe ( es hat sich nicht um einen solch berühmten „Zählgottesdienst“ gehandelt, bei dem die Effizienz der verschiedenen Kirchenmusiken statistisch exakt durch Eruierung der Kirchenbesucher in Zahlen erfasst werden) also rund 30 Glieder harrten in den harten Kirchenbänken, sollten aber unter anständiger Heizung, der Predigt „von der Liebe“ und Rosensonntag gelauscht haben. Dazu gabs neue und deftige Kirchenmusik vom Kantor Audersch am Elektropianola und einer herzhaften Truhe, die mit Obertönen gut bestückt war.
An den Bildern soll man erkennen, welche Wirkung diese Kirchengebäude der Jahrhundertwende immer noch haben.
Nachmittags lag man dann zwei Stunden im kargen Hotelzimmer – nur Max Reger auf den Ohren – auf Doesburger und Berliner Orgeln. Mein persönliches Amen an diesem Sonntag.

Unsere zwei Mitarbeiter an diesem Sonntag, den 14.Feb.2010
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Der Kirchenbesuch in breitgefächerter Kirche
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Neue Garnituren an Drucktaster unter dem ersten.
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Improvisation über vier Kirchenfenster:
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gwm vom Tatort

Neue Setzeranlage – alter Spieltisch am Beispiel Lutherki Solingen

Sonntag, Januar 24th, 2010

Noch bevor es wieder losgeht nach Rom, habe ich die Spieltischzeichnung für Solingen fertig gestellt, wo ich in den ersten Februarwochen einen neuen Setzer einbauen werden.
Ein interessanter Studienfall: hier gehen sukzessive die Schalter kaputt weswegen der geplante Setzer, der ursprünglich wegen zu hoher Kosten nicht eingebaut werden sollte, nun doch eingebaut wird.
Dafür werden alle Registerschalter gegen sogenannte Registereinstellmagn ete getauscht. Die gravierten Registertasten bleiben erhalten. Die Drucktaster unter dem I.Man werden komplett erneuert, ebenso die Pistons wie auf der Zeichnung gezeigt.
solingen_luth.jpg.
Interessant ist, dass man die alte analoge Walze erhalten kann und nicht auf digitale Speicher-Walzen ausweichen muss.
Hier das Bild des Spieltisches, der gehörig durchgeschüttelt werden wird:
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Der letzte röhrenpneumatische Titan – Hannover, Stadthalle

Freitag, Dezember 18th, 2009

Als der letzte röhrenpneumatische Titan am 27.Dez 1914 in der Stadthalle zu Hannover vor 4000 Zuhörern eingeweiht wurde, stand bereits der I.Weltkrieg in hellem Feuer.
Die von Furtwängler und Hammer erbaute Orgel mit IV/124 Register war anders als bei Walcker und Sauer, noch ein rein röhrenpneumatisches Werk, so dass uns deswegen diese Orgel, die durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, als etwas ganz besonderes erscheinen muß. Zudem ist dieses Werk in Taschenladenbauweise exakt wie es Walcker und Sauer bauten, hergestellt.
Ganz besonders interessiert uns natürlich, wie es in der Orgel ausgesehen hat und was wir hier für einen Spieltisch antreffen. Immerhin wurden 4 Freie Kombinationen, die dann natürlich pneumatisch funktionierten, betrieben. Es muss ein heiliger Schauder den Orgelbauern den Rücken heruntergelaufen sein, wenn hier Reparaturen erforderlich waren. Denn aus verschiedenen Zeichnungen der Firma Walcker kann man sehr schön erkennen, welche Komplexität und Fehlermöglichkeiten bei einer solchen Konstruktion möglich waren.
Eine ganz besondere Freude war es, festzustellen, dass auch dieses Heft aus der Bibliothek eines ganz berühmten Organisten und Komponisten stammt, das sich nun in meiner Bibliothek befindet: von Gerard Bunk.
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Das Deckblatt der Schrift zeigt die Stadthalle in Hannover mit ihrer patheonähnlichen Kuppel:

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Hier die Disposition der Orgel

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Orgelansicht:
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Grundriss der Orgel

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Schnitt durch die komplette Halle:

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Schnitt durch die Orgel

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und hier diese hochinteressanten Ansichten in der Orgel, die wir leider nie mehr real zu Gesicht bekommen können, und die wohl die größte pneumatischen Relais zeigen, die je gebaut wurden:

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Hier nun der Spieltisch in drei verschiedenen Ansichten, Zeichnungen:

spieltisch_foto.jpg spieltisch_schnitt.jpg spieltisch_z.jpg

Last not least, die Personen, die hier zum Bau beitrugen und das Windladensystem

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gwm

ergänzender Link zur ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU, die 1915 zu dieser Orgel geschrieben hat DANK an HOLGER FETT

Die Riesenorgel von Breslau

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

So lautete der Titel einer Schrift, die Paul Walcker sen. verfasst hatte, und mit der er vielleicht seinem Neffen Oscar Walcker nach Ludwigsburg „winken“ wollte, hier in Breslau haben wir die GRÖSSTE ORGEL EUROPAS, respektive Deutschlands, und nicht, wie einige Jahre zuvor gedacht in Hamburgs Michaeliskirche.
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Die Orgel in der Jahrhunderthalle in Breslau wurde als Opus 1160 im Jahre 1913 von der Firma Sauer, Frankfurt/Oder gebaut, mit 187 Register, verteilt auf Haupt(I.-III.M.und P.)- und Gegenorgel(V.Manual). Ein weiteres Werk sollte mit 13 Hochdruckregister (auf dem IV.Manual) kräftig Dampf machen.
Was für Sauer eine enorme Herausforderung war, es war nämlich seine erste elektrisch gesteuerte Orgel, während Walcker doch schon ein gehöriges Maß an Erfahrungen mit dieser Technik sammeln konnte.
Dieser Herausforderung konnte Sauer dadurch begegnen, da der Sohn Paul Walckers, Paul Walcker jun., Regierungsbaumeister und Dipl. Ing der Elektrotechnik war. Jener Paul Walcker jun. hat dann auch die Schrift “ Die direkte, elektrische, funkenfreie Orgeltraktur“ verfasst, die vieler Ort zur Auffassung veranlasste, zu glauben, es handle sich um das Novum einer direkten elektrischen Traktur.
Das ist ein Irrtum, wir haben es hier genau genommen mit einer elektropneumatischen Taschenlade zu tun, die allerdings alles, was es bisher in Europa an elektrischen Orgelverkabelungen gab, in den Schatten stellte. Tatsächlich aber hat Paul Walcker hier erstmals bei Orgelmagneten Funkenlöscher eingeführt, was Kontaktabbrand reduzierte. Wie man auf dem 2. Spieltischbild sieht, sind sogar noch pneumatische Bälge im Spieltisch, welche die Kontaktrechen bewegen – also muss in den Spieltisch, wie in in der Heidelberger Stadthallenorgel von Voit, noch Wind eingebracht werden.
So wurden im Spieltisch und Koppelschrank 3.351 Platinspitzkontakte, 2.528 Silberdrahtkontakte verwendet. Der gesamte Verdrahtungsaufwand lag bei 25.000 Lötstellen. Und da die Lichtmaschinen noch nicht in der Lage waren für den Riesen genug schwankungsfreien Gleichstrom zu liefern, waren noch gewaltige Akkumulatoren-Batterien zwischengeschaltet, die man nach 8 Stunden Orgelbetrieb aufladen musste. Nach meinen Informationen wurde bereits ein Jahr später das gesamte Kontaktmaterial mit Akkus ausgewechselt.
Die Orgel wurde von Karl Straube vom 20.-24. Sept. 1913 eingeweiht. Begonnen mit Mahlers Sinfonie Nr. 8, wo eine Orgel benötigt wird – beendigt mit Liszt, Franck und Max Reger’s für diese Orgel geschaffene Auftragskomposition: Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll, op. 127.
Paul Walcker sen. erhielt von seiner Majestät Kaiser Wilhelm für diese Leistung den Roten Adler-Orden IV.Klasse verliehen. Rund zehn Jahre vorher bekam Paul für die Berliner-Dom-Orgel den Kronenorden ebenfalls vom Kaiser. Und von der Majestät der Kaiserin gar eine prachtvolle Vase aus der Königlichen Porzellanmanufaktur.
Die Orgel wurde auf einer Fläche von 260qm aufgebaut, Breite 22m, Höhe 15m, Tiefe 15m, und wog 51 Tonnen. Sie wurde mit 11 Eisenbahn- Waggons transportiert. Der Wind wurde von einem 12PS-Motor betrieben, dessen Ventilator 160 cbm Wind erzeugte (also meine Faustformel 1 Reg= 1 cbm, weil das Gegenwerk einen weiteren Motor hatte, eine Rechnung also, womit man bei den heutigen Ventilatoren etwas Sicherheit hat, wenn Sub- und Superkoppeln und vor allem weite Register versorgt werden müssen). Dieser Ventilator brachte 350mm WS Druck.
Die Orgel wurde von Straube außerordentlich gelobt.

Hier das Bildmaterial:
Disposition 2 Blätter
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Spieltisch:
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Orgelschnitte:
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Pfeifenwerk und Windladen schlummern heute noch in mehreren Kirchen Breslau’s.

gwm

ergänzender Link (besonders interessant zur Elektrotechnik)
„Zeitschrift für Instrumentenbau“ Jg 1913

Quellen:
Paul Walcker „Die direkte, elektrische, funkenfrei Orgeltraktur“ erschienen 1914 FfO
Hans Joachim Falkenberg “ Die Orgelwerkstatt Wilhelm Sauer“1998, Kleinblittersdorf
Einzelblatt der Firma Sauer „Breslau, Jahrhunderthalle“ 1914
Orgelprospekt der Firma Sauer, Oscar Walcker, 1930
Verzeichnis Erbauter Werke von Wilhelm Sauer 1913
Paul Walcker sen. „Die Riesenorgel von Breslau“

Walcker Spieltische mit Akanthusranken

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Dieser Blog soll eine Ergänzung zu unserer Spieltischseite sein, wo jene Spieltischtypen etwas unterrepräsentiert sind, die hier beschrieben werden:
Die Akanthusblätter, die wie ein Siegeslorbeer um das Haupt der Orgel, dem Spieltisch, sich ranken, war sicher ein interessantes Motiv für die durchaus national gesinnten Bürger in Hamburg, wo jener Ausgang für mehrere Spieltischgestaltungen sich entwickelte. Wir haben also den Spieltisch Op. 1700, der 1912 gebaut wurde und wo diese ausschweifende Blattgestaltung am ausgiebigsten verwendt wurde.
Akanthusblätter werden seit etwa 450 vor Chr. bei griechischen Tempeln verwendet. Dort nicht nur am Korinthischen Kapitel sondern z.B. auch in Palmetten-Friesen wie im Erechteion, Athen. In der römischen Antike wurden diese Blattformen noch wuchernder eingesetzt.
Seit Renaissance und Klassizismus, und vermehrt im Neoklassizismus werden solche Gestaltungen vielleicht ihrer bewegenden Dynamik wegen immer wieder an Orgelgestaltungen als Ornament verwendet.
Das erste Foto, welches im Walcker-Katalog 1914 enthalten ist, zeigt den Hamburger Spieltisch samt Orgelaufbau in Ludwigsburg (1911-12).
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Weitere Spieltische mit dieser Blattgestaltung fand ich gefertigt für Malmö (zwei mal)
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Und nun ist eigentlich interessant, dass diese Form der Spieltische hauptsächlich nach dem I.Weltkrieg Verwendung fand, vor allem im Ausland, und damit das Argument, es handle sich um ein schönes nationales Feier-und Siegessymbol so nicht sein kann.

Hier also zunächst Stockholm, dann Barcelona
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Der Spieltisch für Rotterdam (jetzt Doesburg) kann ein paar Blogs weiter unten gesehen werden.

Hier haben wir noch zwei sehr stark abstrahierte Akathus-Spieltische, Recklinghausen und Bonn
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und hier einen Spieltisch der für Oslo bezeichnet war, was aber nicht sein kann, also unklar wohin er eingebaut wurde, denn Oslo haben wir rechts daneben.

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Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für Rotterdam, jetzt in Doesburg

Samstag, November 14th, 2009

Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für die Nieuwe Zuiderkerk in Rotterdam 1914-16, IV/64+11, umgestellt 1969/72 (Jos. Vermeulen, Alkmaar) in die Martinkerk in Doesburg.
Diese Orgel stellt eigentlich das einzige spätromantische Werk Oscar Walcker’s dar, das heute noch etwas von seinen Vorstellungen über Monumentalorgeln erahnen lässt. Das weitgehend vollständig erhalten ist, und man kann so dieses Instrument, wie es Paul Peeters und Hans Fidom in Ihren Beiträgen getan haben, als die kleine „Michaelisorgel“ bezeichnen, womit gesagt sein soll: „die Klänge der großen Hamburger Walcker-Orgel, ehemals in der Michaeliskirche aufgebaut, sind nicht vollständig verloren, wir finden sie wieder durch dieses Instrument.

Diese Orgel ist uns sehr wichtig, weil die Holländer hier etwas geschafft haben, was bei uns in Deutschland, wo Walcker ja weitgehend tätig war, nicht im Geringsten möglich war. Nur im Ausland haben wir noch die Möglichkeit große Walcker-Orgel anzutreffen, die erstens gut restauriert wurden und zweitens meist umfassend erhalten sind. Die drittens auch intensiv genutzt werden, wie hier in Doesburg eine umfassende CD-Produktion zeigt.
Ich stelle hier drei CD’s vor, die wahrscheinlich nicht mehr am Markt sind, dafür aber wieder neue.
Die Geschichte dieser Orgel ist etwas unglaublich abenteuerliches: sie wird mitten im Ersten Weltkrieg in Holland von dem Orgelbauer Hermann Langenstein in Rotterdam eingebaut. (Ein Glück, dass die Holländer während dem ganzen Krieg Neutralität bewahrt haben!). In den 1960er Jahren wird sie aus Rotterdam hinauskomplimentiert und durch persönlichen Einsatz eines Ingenieurs nach Doesburg gerettet.
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Von Langenstein habe ich in meinem Archiv sieben Postkarten gefunden, die er während der Montage aus Rotterdam nach Ludwigsburg geschickt hat. Das sind historisch sehr interessante Sachverhalte, die er hier schildert, und ich vermute, viele Monteure bei Walcker, die das lesen würden, sie würden nicht nur ihre Geschichten dort wieder finden.
Paul Peeters schreibt in seinem Artikel (Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH – in ASPEKTE DER ORGELBEWEGUNG 1995), dass sowohl die Anlage der Hamburger Michaelisorgel der Doesburger Orgel sehr ähnlich ist. Er nimmt Bezug auf den Spieltisch, das Fernwerk, sowie auf den Umstand, dass auch hier nur bestes Material Verwendung fand und so keine einzige Zinkpfeife in dieser Orgel zu finden ist. Beide Orgeln wurden ja von großzügigen Spendern finanziert, die ausdrücklich nur hervorragende, beste Qualitäten forderten.
Weiter findet sich bei Paul Peeters Beitrag der Hinweis, dass sowohl in Hamburg wie auch in Doesburg die Bezeichnungen „Silbermann-Mensur“ verwendet wurden. Das ist auch in den entsprechenden Werkbüchern (Opusbüchern) bei Walcker nachzulesen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass hier die Messungen, die wohl Oscar Walcker selbst vorgenommen hat, auf Grund von falschen Voraussetzungen durch Albert Schweitzer und Emile Rupp, stattgefunden haben, und so die Mensuren Wetzels in die Mensurbücher der Firma Walcker als „Silbermannmensur“ Eingang gefunden haben (nachzulesen u.a. bei Markus Zepf „Praetoriusorgel“)

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Nachdem Disposition und Darstellung dieser Orgel ab 1916 (die halbe Welt befand sich bekanntlich zu dieser Zeit im Stellungskrieg mit Deutschland. Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch aus dem Krieg heraushalten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle aus dem von Deutschland besetzten Belgien zu tun. Nach dem Ersten Weltkrieg gewährten die Niederlande dem bisherigen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Exil.) in HET ORGEL veröffentlicht wurde, gab es in den nachfolgenden Ausgaben verschärfte Diskussionen, warum diese Orgel bei einer deutschen Firma gekauft wurde. Dabei hat sich herausgestellt, dass dies ein ausdrückliches Anliegen des Stifters Bos gewesen ist, der auch in den Postkarten des Orgelbauer Langenstein erwähnt wird.
Die komplette Orgel besteht aus 3 Kegelladen und 13 Hängebälgladen mit elektropneumatischer Traktur. Es befinden sich 5415 Pfeifen in der Orgel weitgehend aus 75%iger Zinnlegierung und Holzpfeifen aus Oregonpine. Windladenkonstruktion und Orgelanlage sind gut erkennbar am Schnitt der Rotterdamer-Orgel, der 1916 von Hermann Besselaar in seinem Buch „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“ veröffentlicht wurde.
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Quellen:
Hermann Besselaar, 1916, „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“
Hans Fidom, 2002, Diversity in Unity – Discussions on Organ Building in Germany between 1880 and 1918, Seite 236
Paul Peeters, 1995, in Aspekte der Orgelbewegung, Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH
Jan Jongepier, 1991, Text über die Orgel in Doesburg wurde in zwei nachfolgenden CD’s verwendet.

CD’s
Zsuzsa Elekes auf der Walcker-Orgel-Grote of Martinkerk Doesburg (Reubke, Karg-Elert)VLS VLC0694
Het Walcker-Orgel in der Grote of Martinkerk te Doesburg, Jan Jongepier spielt Reger und Rheinberger VLS VLC0292
100 Year Organ Music from the Netherlands – Pieter van Dijk spielt auf der Walcker-Orgel in Doesburg Gerard Bunk „Legend opus 29 (1908)

Bildmaterial:
die Karten des Orgelbauers Langenstein während der Montage nach Datum sortiert:
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hier Bilder und Texte aus den CD’s:
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gwm

ERGÄNZUNGEN 15.11.09

Sehr geehrter Herr Walcker,
anbei einige Ergänzungen zum Text auf Ihrem Walcker-Blog:
Es gibt noch ein ganzes Buch, das dieser Orgel (ihr Umfeld, ihre Musik und ihre Rezeption) gewidmet ist:
Willem Jan Cevaal, Hrsg. Orgelreform in Nederland. Het orgel van de Grote of Martinikerk te Doesburg. Vol. 5, Nederlandse orgelmonografieën. Zutphen: Walburg Pers, 2003, 304 S.
In den Jahren 2003-2004 hat Flentrop die Orgel überholt (Taschen und Membranen wurden wo nötig ersetzt, Zungenstimmen instandgesetzt und die Intonation einiger Stimmen nachgesehen). 1999 wurde der Spieltisch bereits von Flentrop restauriert.

http://www.flentrop.nl/restauratie/doesbu_mart_grot.html

Eine komplette Diskographie in chronologischer Reihenfolge findet sich auf www.martinikerkdoesburg.nl/ ; klicken Sie auf Walckerorgel, dann auf Discografie. Dazu kommt dann noch die neueste Einspielung von Zsusza Elekes mit Werken Ungarischer Komponisten:

– CD Zsusza Elekes speelt werken van Hongaarse componisten op het Walcker-orgel
€18,50 incl. verzendkosten. Bestellen info@martinikerkdoesburg.nl

Mit freundlichen Grüßen,
Paul Peeters

—————————-
Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,

Als weitere Ergänzung zu den auf Ihrem Blog gegebenen Informationen zur Walcker-Orgel in Doesburg möchte ich auf die Website von Christine Kamp aufmerksam machen, die ebenfalls in Doesburg eine CD eingespielt hat und dieser Orgel eine umfangreiche Galerie mit vielen Detailaufnahmen des Spieltischs gewidmet hat:
<http://www.xs4all.nl/~twomusic/concerts/Doesburg/Doesburg.html>
Da erahnt man, welche Schnitzkunst am Hamburger Spieltisch angewandt wurde!

Ebenfalls für Sie von besonderem Interesse scheint mir die Galerie zur Sauer-Orgel in Hermannstadt. Dort auch zahlreiche Bilder vom Inneren der Orgel.
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Die Braunersche pneumatische Orgel im Tempel zu Pilsen, Bj 1893-94

Sonntag, Oktober 25th, 2009

Diese Synagogen-Orgel kann gewissermaßen als eine Ergänzung zu unserer zwei Blogs vorher beschriebenen Rieger-Orgel in der Synagoge zu Rom gesehen werden. Ebenso kann man diesen Blog auch als einen Aufruf zur Sanierung betrachten, denn das Werk ist momentan unspielbar, hat aber eine hochinteressante Disposition, die man auch auf Material und Mensurenzusammenstellung noch näher auf den Seiten der ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU VON 1893-1894 studieren kann.
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Ich danke für den Hinweis und beigebrachten Fotos Herrn Holger Fett, der schon mehrfach unsere Seiten in dieser Form bereichert hat.

Disposition der Braunerschen Orgel in der Synagoge zu Pilsen:

HAUPTWERK I.Manual C-g3
1. Bourdon 16′ Holz
2. Principal 8′ Zinn
3. Octav 4′ Zinn
4. Cornett 5 1/3′ Zinn
5. Mixtur 2 2/3′ Zinn
6. Viola di Gamba 8′ Zinn
7. Hohflöte 8′ Holz, prismatischer Schnitt
8. Doppelflöte 8′ Holz?, Doppellabien, gedeckt
9. Octaviante 4’+2′, Zinn, 2′ doppelt Läng überblasend
10. Clarinette 8′, vorgesehen

SOLO II.Manual
11. Quintade 16′ Holz, Zinn
12. Principal 8′ Zinn
13. Salicional 8′ Holz, Zinn
14. Wiener Flöte 8′ Zink,Holz
15. Gedeckt 8′ Holz, Zinn
16. Solo-Cornett 5 1/3′, 3f. G-c-e durchgehend
17. Geigenprincipal 4′ Zinn
18. Spitzflöte 4′ Zinn
19. Mixtur 2 2/3′ 3-5f.
20. Englisch Horn 8′ vorgesehen

III.Manual SCHWELLWERK
21. Liebl. Gedeckt 8′ Holz
22. Geigenprincipal 8′
23. Rohrflöte 8′ Zinn
24. Engelsstimme 8′ Holzrohrkörper, 88 Pfeifen
25. Aeoline 8′ Zinn
26. Gemshorn 4′ Zinn
27. Fugara 4′ Zinn
28. Harm. aetheria 2 2/3′ 3-5f. Zinn
29. Vox humana 8′ vorgesehen

PEDAL 27 Töne
30. Principal 16′ Holz, Zinn
31. Violon 16′ Zink, Zinn
32. Subbaß 16′ Fichtenholz
33. Salicet 16′ Holz, Zinn
34. Violoncello 8′ Zink, Zinn
35. Principal 8′ Zinn
36. Trompete 8′ vorgesehen
37. Posaune 16′ Holz einschlagend
38. Bassethorn 4′ Zinn

und hier die schockierenden Bilder des Elends, die uns erreichten:

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Die Pilsener Synagogenorgel war übrigens seinerzeit bei „Orgel International“ (Markus Zimmermann) im Heft 1, 1999, auf der Titelseite abgebildet. (wird mit entsprechenden Heftinfos ergänzt)

(gwm)

pneumatischer Spieltisch – Walcker-Orgel Bad Nauheim

Donnerstag, Juli 9th, 2009

Diese Orgel erfreut sich immer noch größter Beliebtheit – weil: in dieser Orgel erhebliches Pfeifenmaterial aus der Walcker-Orgel Op 1143 stammt, gebaut 1905 III/42, und sie würde sich sehr viel mehr Maß an Beliebtheit erfreuen, wenn sie noch ihre pneumatische Traktur und ihre originale Disposition aus dieser Zeit hätte. In dieser Beziehung wird es in Deutschland vielleicht noch 30 Jahre dauern, bis man sich aus alten Zwängen befreit hat.
Es ist durchaus nicht verwerfenswert zu sagen, dass heute kaum noch eine größere Orgelfirma in der Lage wäre, diese pneumatischen Instrumente zeitrichtig zu restaurieren bzw. gar neue solche Orgeln herzustellen, denn es gibt dafür kein Geld und keine Klientel. Dennoch gibt es Auffassungen, die respektiert werden sollten und es gibt bereits einige interessante Organisten, die aus dem heutigen Einerlei herausbrechen wollen.
Dafür stellen wir diesen hochinteressanten Spieltisch, sogar mit Organola gebaut, aus der Durchschnittzeichnung der Orgel in Bad Nauheim vor. Denn diese Spieltischseitenansicht zeigt, dass sehr wohl solche Spieltische elegant und freistehend geplant werden konnten – und die auch fast 60 Jahre gespielt wurden, ehe die deutsche Nachkriegsvernichtung zuschlug.
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gwm

Die Walcker-Orgel in Untersimonswald, Op.488 – Baujahr 1888

Dienstag, Juni 9th, 2009

Diese Bildsammlung samt Disposition stammt wieder von Andreas Strittmatter, der uns damit hilft gerade diese Zeit, aus der wir nur wenige Instrumente haben, etwas näher zu bringen. Interessant ist, dass diese Orgel noch mit einem Kastengebläse a la Eberhard Friedrich Walcker ausgestattet ist. Ich werde versuchen die Originaldisposition zu finden und dann ergänzend diesem Blog anheften. In jedem Falle sehr interessante Bilder, die viele wichtige Details offenbaren.
Jetzt nun mal den Momentanzustand, am Ende die Bilder:

Untersimonswald – Katholische Kirche
St. Sebastian
E. F. Walcker & Cie. – 1887 – Opus 488

Disposition (Stand 2009)

Manual I

Bourdon 16’
Principal 8’
Floete 8’
Gemshorn 8’
Octav 4’
Rohrfloete 4’
Octav 2’
Quinte 2 2/3’
Mixtur 5f. 2 2/3’
Trompete 8’
Calcant (stillgelegt)

Manual II

Geigen-Principal 8’
Liebl. Gedeckt 8’
Salicional 8’
Flauto dolce 4’
Waldflöte 2’
Zimbel 3f. 1’

Pedal

Violonbass 16’
Subbass 16’
Violonbass 8’
Choralbass 4’
Posaunenbass 16’

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

Koppeln:
II – I
I – P
II – P

Besonderheiten

Koppeln als Druckschalter zwischen den Manualklaviatiaturen

Treteinrichtung für Windversorgung durch einen Balgtreter erhalten

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Die Walcker-Orgel Opus 382 in Pfaffenweiler, Baujahr 1880

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Hierzu wurden mir von Andreas Strittmatter Bilder und Dispo geschickt, die ich gerne hier zeige, und dem ich auf diesem Wege meinen besten Dank ausrichte.
Das zweimanualige Instrument von den Söhnen Eberhard Friedrich Walckers zeigt sehr gut die Beibehaltung seiner romanischen Gehäuse, aber auch, welche Änderungen 8 Jahre nach seinem Tod in der Dispositionsgestalt eintraten.
Die Orgel wurde später auf drei Manuale erweitert und stellt keine „Denkmalorgel“ dar. Wer auf die Idee kam ein derartig „anti-walckerisches“ III.Manual dazuzubauen, der sollte sich bitte melden. Das geht schon über die „Verbrechen“ der 60er Jahre weit hinaus – oder man fasst es als eine Parodie auf.

Orgel:
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Spieltisch:
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Pfaffenweiler – Katholische Kirche St. Columba

E. F. Walcker & Cie. – 1880 – Opus 382

Manual I

Bourdon 16’
Prinzipal 8’
Floete 8’
Viola da Gamba 8’
Oktav 4’
Rohrfloete 4’
Mixtur 2 2/3’
Trompete 8’

Manual II

Geigenprincipal 8’
Lieblich Gedeckt 8’
Salicional 8’
Aeoline 8’
Flauto dolce 4’

Manual III (ergänzt)

Bourdon 8’
Flauto 4’
Cornet 2 2/3’
Cornet 1 1/7’
Clarinette 8’

Pedal

Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
Violoncello 8’
Oktav 4’
Posaune 16’
Trompete 8’

Koppel II – I
Koppel I – P

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

hist. Ablauf

24. Januar 1880: Kostenberechnung für eine neue Orgel durch Walcker für 6650 Mark. Am 23. April aus Mitteln genehmigt, die durch den Verkauf von gestifteten Grundstücken von Josefa Senftenagel zusammenkamen.

8. August 1917: Kostenvoranschlag der Firma F.W. Schwarz in Überlingen über 338,50 Mark für die Lieferung von Ersatzpfeifen für beschlagnahmte Zinnpfeifen.

10. Oktober 1928: Kostenvoranschlag von Schwarz für Ersatz der billigen Kriegspfeifen.

September 1944: Erneute Ablieferung von Zinn-Orgelpfeifen für Kriegszwecke.

17. Februar 1960: Kostenvoranschlag über 4565 DM durch die Firma Gebr. Späth für Instandsetzung der Orgel mit Versetzung des Spieltischs und Umdisposition von sechs Registern. Umbau im Juli fertig.

1976 – 1978: Kirchenerweiterung bedingt vorübergehenden Ausbau der Orgel. Einbau lt. Kirchenführer in einem auf das Original zurückgeführten Zustand mit 26 (?) Registern auf zwei Manualen.

Nach 1983: Restaurierung und Erweiterung um ein drittes Manual.

gwm aus dem Crofft in den Highlands

hierzu Kommentare:
Hallo Herr Walcker, das „Anti-Wacker Gebilde“ in Pfaffenweiler hat die Fa. H. Weber aus Engerazhofen 1998 gebaut. Ebenso wurden Pedal 4′ sowie die beiden Ped. Zungen und der Geigenprinzipal neu gebaut. Aeoline, Mixtur und Oktavbass 8 sind aus Lagerbeständen zusammengesucht. OSV war Hans Musch aus Freiburg. Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen der Erzd. Freiburg Heft 43, Juli 1999 Unglaublich, dass man noch 1998 meinte eine für ihre Zeit an sich perfekte Orgel „verbessern“ zu müssen. Wo war das Denkmalamt? Muss man das verstehen? Beste Grüße P. – Ich meine nein! – es ist einfach unverständlich, wenn man nahezu „stilreine“ Instrumente mit einem solchen Zuckerguss an wesensfremden Elementen aufmischt, dann zerstört man eine tadellose historische Zusammenhängigkeit auf Kosten schnelllebiger Effekte – ewig gestrige Geistlosigkeit. gwm

Sehr geehrter Herr Walcker
Sie haben ja einen wirklich staunenswerten Internetauftritt, eine sehr interessante Reise durch Orgelwelten! Den Blog mit der Orgel von Pfaffenweiler habe ich zwischenzeitlich auch aufgetan.
Eine Information kann ich noch nachreichen: Die Sanierung und Rückführung in den Originalzustand 1978 wurde ebenfalls durch die Gebr. Späth durchgeführt, welche die Orgel mit II/17 angeben:
http://www.freiburgerorgelbau.de/restaurationen.php?restaurationen=1
Das würde die Vermutung bestätigen, daß bei der jüngsten Ergänzung nicht nur das dritte Manual zugefügt, sondern auch das Pedal erweitert wurde: Eine Trompete 8′ (keine Transmission) dünkt mich für eine Kegelladen-Landorgel für eine einst eher kleinere Kirche nämlich ebensowenig original wie eine Oktav 4′ im Pedal.
An dem „unwalckerischen“ Zusatzmanual lassen Sie ja kein gutes Haar. Bei mir schlagen da zwei Seelen in der Brust: Der Freund möglichst authentisch erhaltener romantischer Orgeln gibt Ihnen vollkommen recht, der (nebenberufliche) Organist ist für das seltsame Einsprengsel wiederum nicht ganz undankbar. Allerdings ist die Clarinette fürchterlich penetrant intoniert. Eine durchschlagende Zunge hätte ich, wenn schon Erweiterung, für reizvoller erachtet … aber wahrscheinlich wollte man der Orgel ein paar „barocke“ Töne einhauchen, ohne zu sehr in die Substanz einzugreifen. Leider war bisher nirgends zu erfahren, wer20dafür verantwortlich zeichnete.
Angespornt durch die ganze Angelegenheit werde ich morgen einen Ausflug nach Simonswald zu einer Walcker- und einer Kiene-Orgel unternehmen, zur Walcker-Orgel kann ich Ihnen gerne wieder Infos und Bilder schicken … AS

Anmerkungen zur Taschenlade (video05)

Freitag, April 4th, 2008

In diesem unserem Video wollen wir zeigen, wie man die neuen Taschen einleimt.
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Es gibt ein paar einfache Kniffe, die man wissen sollte. Wichtig ist auch, dass man bei dem Einleimen der Taschen besser warmen Hautleim verwendet anstelle Knochenleim. Das zeigen wir am Beispiel. Der Ausbau der alten Taschen und das Entfernen der Leimreste ist sehr gewissenhaft zu machen, weil sonst die Standfläche des neuen Bälgchens schlechte Voraussetzungen bekommt.
Der Leim sollte eine kleine Idee dickflüssiger (die Konsistenz von Honig) sein als bei normalem Gebrauch. Auch das wird bei dem Video erklärt.

Anmerkungen zur Taschenlade 05 – das Einleimen der Taschen