Archive for the ‘Restaurierung’ Category

Anmerkungen zur Taschenfertigung mit Video

Sonntag, Januar 20th, 2008

Was hat Eugene Gigout mit dem Organisten und Philharmoniker aus Sofia Velin Iliev zu tun, und das Ganze verknüpft mit der Walckerorgel im Bukarester Atheneum. Nun, das sehen wir in dem nachfolgenden Video „Taschen88.wmv“, das rund 3 Minuten das Thema Taschenfertigung beleuchtet und darin sowohl Gigouts grandiose Toccata, wie Velins Taschenfertigung zu sehen ist.

velin.JPGDas Schwierigste bei der Taschenfertigung ist die vollkommene Übereinstimmung von Mittelpunkt der Pappscheiben und der Federbohrung. Hier sind gute Lichtverhältnisse und eine ruhige Hand von Nöten. Läuft die später angebrachte Feder schief, kann man davon ausgehen, dass diese Tasche nicht 100%ig dichtet. Also geht man sehr selbstkritisch an die Sache heran und schenkt diesem Fertigungsgeschehen die höchste Aufmerksamkeit. In der Anfangsphase werden sicher einige Versuche schief laufen.

Das sollte niemanden entmutigen, dennoch die alten Teile wiederzuverwenden. Wir gehen hierbei immerhin einen ökologischen Weg, der außerdem darin gerechtfertigt ist, dass man absolut trockenes Holz wiederverwendet. Rein rechnerisch kommt man dennoch auf dieselben Kosten, ob man nun neu kauft oder neu beledert.

Wer nie eine Tasche neu beledert hat, der hat eben nie mit dem elementarsten Teil der dynamischen Registerkanzelle gearbeitet.

und hier das Video (Achtung! wurde wegen einem Fehler neu installiert und ist ab sofort fehlerfrei verfügbar)

Taschenlade Fertigung mit Eugene Gigout und Velin Iliev

Original versus Digital – restaurierte Technik, wie weit soll man gehen?

Sonntag, Januar 13th, 2008

Was wir eigentlich bei „Restaurierung“ immer vermuten, nämlich der Zeit angemessene Methoden zu verwenden, kann bei einer Abkapselung im „historischen Raum“ zur verfehlten Ausrichtung am Leben völlig daneben gehen.
Und so kann geschehen, was wir ja genau verhindern wollen, nämlich dem „alten Ding“ seine bisher bewiesene Langlebigkeit (sagen wir besser „Lang-Lebendigkeit!“) auf weitere Dezenien auszudehnen, es gerät bei Hintergehung der Gegenwart zum Monument und damit in einen „ungeliebten“, sprich „statischen“ Zustand.
Eine historische Orgel hat in der Regel weitere Funktionen zu erfüllen als ein reines Museumsstück, nämlich nach seiner Restaurierung soll es an Liturgie und Musikgeschehen der Gemeinde teilzunehmen.
Bei einer Konzertsaalorgel, wie wir es hier in Bukarest zu tun haben, kommt ein weiterer Aspekt dazu, dass diese Orgel ins Orchester der Philharmonie integriert werden soll, und dass bestimmte Anforderungen an Aufnahmetechnik gestellt werden. Eine mechanische Kegelladenorgel hätte hier schlechte Karten, um bestehen zu können.
Der weise Oscar Walcker wusste schon, dass er hier substantiell auch keine elektropneumatischen Kegelwindladen ins Konzertsaalorgelngeschehen einbringen sollte, sondern Taschenladen. Obwohl zu seiner Zeit weniger die Aufnahmetechnik als die verfeinerte Durchhörbarkeit der Konzertsäle Grund dafür waren.
Wenn man heute an solch eine Orgel herantritt, hat man es mit drei verschiedenen Personen zu tun: dem Aufnahmetechniker, dem Organisten und dem Hauswart.
Der Erste macht dem Orgelbauer gleich klar, dass er keinerlei Induktionsfunken abreissender Magnete im Spieltisch und so wenig wie möglich klackende und hustende Relais &Pneumatiken auf seinen Aufnahmen zu hören wünscht. Auch wenn er heutzutage jeden einzelnen Huster des grippalen Publikums herauszuzaubern in der Lage ist, so stören diese kleinen fast unbedeutenden Induktionen der Magnete ein digitales Mischpult viel mehr, weil sie sich überall im Netz wie tausende von giftigen Kobolten ins Innere der CD-Aufnahmen einschleichen wo sie seuchenhaft ihr Unwesen treiben.
Also heißt die Devise, so wenig wie möglich mechanische Klackapparate in den Spieltisch, der an vorderster Stelle der Orgel auf zentralem Podium zu finden ist. Die Taschenladen kommen dem Aufnahmetechniker entgegen, sie sind weitaus leiser als elektrische Schleifladen.
Dann also kommt der Hauswart, der sich zuerst beklagt, dass die 640adrige Kabelleitung mit Steckern von der Orgel zum Spieltisch ein Grundproblem seiner Arbeit darstellte. Zudem mussten die Stecker und Buchsen alle zehn Jahre erneuert werden. Das Ein- und Ausfahren des Spieltisches, dies wiederum beklagt der Organist, der versichert, dass er diese Arbeit manchmal alleine zu tätigen hat, wenn er morgens um 2 Uhr (vom Frühschoppen) zum Üben kommt, muss also soft und leicht vonstatten zu gehen sein.
Nun, beim Organisten sind wir an einer Stelle angekommen, die uns sagt, ein Spieltisch, der nicht der internationalen Vorstellungen entspricht, von Bedienung und Ausmaßen, ist für viele Konzertorganisten, die nur wenig Zeit zum Einüben mitbringen, eine Horrorvorstellung.
Martin Rost hat dagegen sehr richtig argumentiert, dass bei spätromantischen Orgeln die Walze und die zwei freien Kombinationen ihre Berechtigung haben. Aber wir haben hier keine Spätromantik und keinen alten Spieltisch, der einer Stilepoche zugewiesen werden kann. Dazu kommt, dass die alte Walze im ppp so klappernd laut ist, dass man nur schwer die Aeoline respektive Vox coelestis, die von uns wieder dazu gebaut wird, überhaupt wahrnehmen kann.
Grundgedanke macht sich dann auch auf den Weg, nämlich, wenn man beginnt die Technik der Spätromantik zu restaurieren, es handelt sich ja bei einer spätromantischen Walze um ein analoges Registrieren, das einer Idee von Eberhard Friedrich Walcker zugrunde liegt, dann muss man ganz konsequent auf der analogen Behandlung der Technik beharren, weil sonst diese Technik ad absurdum gewiesen wird. Es ist ja auch eine musikalische Idee, die an der Orgel als Organismus anknüpft. Und jeder Organismus ist letztendlich ein auf analogen Empfindungen und Äußerungen basiertes Wesen. Dann kann man also bei einer solchen Orgel nur begrenzt die „digitale Rechentechnik“ einschieben, die ganz entschieden jener Idee von Organismus widerspricht. Alles Digitale ist insgeheim ein Widerspruch zur Romantik!!
Wir haben in Bukarest auf Grund der Vorgaben meiner Meinung keine andere Möglichkeit gesehen als einen neuen digitalen Spieltisch hier einzubauen, der nun mit einem winzigen Computer-Stecker mit der Orgel verbunden ist und der für Aufnahmetechnik, Wartung und internationale Organisten keine Probleme darstellt.
Dennoch sehe ich, wie andere, dass damit ein ideeles Problem aufgetaucht ist, wie ich es im vorangegangen Text beschrieben habe.
Dieses Problem wirkt noch wesentlich tiefer, wenn man erkennt, dass Orgelmusik zu einem großen Teil ja nur über digitale Medien aufgenommen wird, wie MP3-Player, Stereoanlage etc., da in diesen Fällen die Analogie nur simuliert wird. Es gibt ja gar keine Dynamik mehr, sondern das ist alles nur Schein des Scheines.
Diesen schwierigen Zusammenhang möchte ich an einem anderen Beispiel verdeutlichen.
Als ich vor 6 Jahren zum ersten Mal ins Atheneum trat, war ich überwältigt von den ungeheuer schönen und gigantischen Marmorsäulen im Empfangssaal. Der Eindruck hat sich in der jüngsten Zeit mehr und mehr verstärkt, als ich die komplette Inneneinrichtung des Atheneums aus blank poliertem Marmor studieren und fotografieren konnte. Die unterschiedlichen Marmorarten wurden mir mit der Zeit geläufig. So erkannte ich den berühmten Carrara-Marmor aus Italien, griechischen Marmor aus Thassos und natürlich Bucova Marmor aus Rumänien. Nun bekam das Ganze einen Sprung, als ich feststellte an einer abgesplitterten Stelle, dass es sich um Gips handelte, der perfekt bemalt wurde und über der Bemalung eine Hochglanzpolierung erfolgte. Das ganze Ambiente des Atheneums bracht zwar nicht in mir zusammen, da ja immerhin die erstaunliche Leistung der Bemalung anstelle der natürlichen Gestaltung gesetzt wurde, aber ein Sprung war da.
Ich glaube so kommen wir auch unserer Orgelmusik näher, die nun wie Gips in der Hand zerbröseln kann, aber immerhin die erstaunliche technische Leistung zu Tage tritt, die ein geringfügiger Ersatz für die hohe Kunst sein kann.
gwm 13.1.08

Taschenlade als Video

Samstag, November 24th, 2007

Ein sehr kurzes Video über die Taschenlade, aber immerhin das erste Video das eine lebendige Tasche zeigt, wie sie in der Windlade den Schnabel auf und zu sperrt.
Hier finden Sie unseren Hauptartikel über die Taschenlade und das bereits Gesagte: Die Walcker Taschenlade Dynamischer Orgelbau in dynamischer Zeit.Mit dem Begriff „Taschenlade“ war so ziemlich alles an „handwerklicher Verluderung“ markiert, das die nach dem II.Weltkrieg aufgekommene Nachgeburt der Orgelbewegung an „Verfall“ und „Untergang“ in der „heruntergekommenen“ Orgelbaukunst der „Verfallszeit“ festmachen konnte. So war es also auch kein Wunder, dass Deutschland weitgehend von diesem Windladensystem „befreit“ da steht.
Und hier der heute gefertigte Kurzfilm:
Die Taschenlade

Kegellade als Video

Mittwoch, November 14th, 2007

Anmerkungen zu Kegellade nun als Video. Unsere vielfachen Anmerkungen zur Kegellade haben wir uns nun entschlossen um ein Video (3min, 16MB) zu erweitern, da diese Form der Darstellung einige schöne plastische Möglichkeiten in sich birgt. Auch bei YOUTUBE einsehbar
Es handelt sich, wie in dem Video bemerkt, um die Kegellade des Schwellwerks im Bukarester Atheneum, die von den 8 Registern vier dem Pedal als Transmission zur Verfügung stellt. Das wird mit Bälgchen auf den Membran-Bälgchenleisten realisiert, indem Eisenwellen die Bälgchen niederhalten, wenn das Register aus ist, oder umgekehrt es freigeben, wenn Register eingeschaltet wird. Alles dies kann man auf dem Video gut erkennen. Auch die auf diese Leisten eingebauten Relais und die schaltenden Hebelmagnete. Das ist eine Besonderheit hier in Bukarest, die erwähnt werden muss.
Die Kegel sind mit dünnen Scherchen bestückt, die außerdem noch befilzt sind, Tribut an das geräuschhafte Arbeiten der Kegelladen. Was nicht unbedingt bei allen Walcker-Kegelladen zu finden ist.

Anmerkungen zur Taschenlade: Ausstrom Relais – Defekte erkennen

Freitag, November 9th, 2007

Die SchwarzFärbungen im Leders sind bei Ausstromsystemen ganz wichtige Zeichen, wo Ursachen von Fehlschaltungen in den Relais vorkommen können. Hier nämlich entweicht Wind.
Bei den Relais, die bei Ausstromsystemen immer zwei Funktionen ausführen müssen, das Zu- und das Abschalten von Windflüssen, kann man so am Dichtungsleder erkennen, ob das Relais richtig arbeitete und ob Störungen vorlagen.
Wir geben hier ein paar Beispiele:

dscf1520.JPG

an dieser Draufsicht eines Relais erkennt man, dass Undichtigkeiten beim Abschalten des Windes, der die Taschen geschlossen hält, vorlag. Hier ist die schwarze Lederscheibe in jedem Fall zu erneuern.

und hier in der folgenden Fotografie erkennt man nicht nur links unten ein völlig undichtes Relais-Ventil sondern auch eine ganze undichte Lederbahn – also komplett neu mit gleichmässig dickem Leder bestücken – ist hier die Devise. (die Fotos können mit Rechtsclick und -Grafik an zeigen- in ganzer Größe angesehen bzw. ausgedruckt werden.)

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Dass nun hier, wie in der folgenden Fotogafie gezeigt, die Relais völlig undicht sind und so nur teilweise Taschen mit Wind füllen bzw. entleeren, dies dürfte nach den vorangegangenen Erläuterungen sich von selbst erklären.

dscf1517.JPG

Nach über fünfzig Jahren und mehrfachen Ab-und Aufschrauben ist das Dichtungsleder nicht mehr in der Lage seine Funktion der Dichtung völlig zufriedenstellend auszuführen. Schraubt man einen solche Relaiskasten nach Jahrzehnten ab, so sollte man in jedem Falle neues Leder bereit halten und dies in exakt den gleichen Breiten dann zuschneiden und mit Warmleim neu aufkleben. Die gleichmässige Dicke des Leders, das sich um 1,2 bis 1,5mm herum bewegen sollte, ist bei gutem Holz und Schrauben wichtig. Aber es ist auch ein Erfahrungswert, den man sich durch die Praxis erarbeiten sollte. Je dicker das Leder ist (über 2mm) desto unwahrscheinlicher ist es, dass man längere Streifen gleichmässig in der Dicke hinbekommt.

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(H.Klein)
(gwm)

Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
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Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
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Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

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Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

Palmares – WalckerOrgel Opus 402, Bj1881

Montag, Oktober 22nd, 2007

Es gibt wirklich nur wenige Orgeln, die einen Orgelbauer restlos begeistern können. Besonders dann, wenn man auf ein Instrument trifft, das völlig andere, nämlich negative Erwartungen ankündigte. Dann aber, nach der Fahrt auf der legendären Panamericana, der längsten Auftostraße der Welt, die sich wohl von Santiago de Chile bis hoch nach Alaska erstreckt, und auf der ich bereits in Guatemala und Equador einige Kilometer zurückgelegt habe, da eröffnete sich mir ein unheimliches Erlebnis.
Als ich die ersten Töne der Viola di Gamba 8′ auf diesem seltsamen Instrument entlocken durfte, als sich beinahe Tränen der Rührung bemerkbar machten, wurde mir der grandiose, stille Klang dieser Walcker-Orgel am anderen Ende der Welt zu etwas gewiss Feststehendem, nämlich, dass es tatsächlich noch Orgeln auf unserem Erdenrund gibt, die jenen Klang bewahrt haben, auf dessen Suche wir uns begeben haben, lebenslang, unser Jakobsweg, und sei es die Panamericana.
Der Klang dieser Orgel wurde bewahrt, wie die Porcellanschilder und natürlich die Windladen und Pfeifen – allerdings in einem teils bedenklichen Zustand. Wir können das recht einfach an verschiedenen Störungen der Traktur und der Windanlage feststellen.
Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, dieses Instrument zu überholen, um die verschwimmende Charakteristika wieder zurückzuholen. Und die Feststellung, hier in Costa Rica ein Instrument zu haben, wie wir es in Deutschland kaum noch anzutreffen hoffen, das beruhigt, das gibt eine gewisse Kraft und festigt die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Leider liess sich auf Grund elementarer Verstimmung und technischen Störungen keine Klangaufnahme machen, dafür aber sehenswerte Bilder:

the magic colores of Palmares

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Porcellanschild Walckers aus 1881

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so wie dieses Schild aussieht, so klingt er, der Principal 8′, fein ziseliert, filigran, warm, warm, warm und tief und breit….

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und hier die Herren, von rechts nach links, der Sakristan, Andrés, der Pfarrer Keneth Castillon, gwm,
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DISPOSITION DER WALCKERORGEL IN PALMARES
Manual
Principal 8
Gedeckt 8
Salicional 8
Viola di Gamba 8
Octav 4
Flöte 4
Octav 2
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5

Pedal
Subbaß 16

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)

Anmerkungen zur Taschenlade

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Was man kaum zu glauben wagt, ist aber tatsächlich hier in Bukarest bei einer sehr berühmten Walcker-Orgel passiert , nämlich bei dem Instrument der Deutschen Kirche.
Es war der Umstand, dass das Instrument in den 1964ern neobarockisiert wurde, eigentlich nicht der Rede wert, ein Scharff 1′ musste unbedingt rein und anderer Quatsch, leider unschön gemacht, aber dann in Folge dieser Arbeit wurde von dem Orgelbauer festgestellt, dass die Taschenladen völlig hinüber sind. Warum? – weil er einzelne Taschen ausgewechselt hatte, ohne, dass sich der Mangel besserte – und der Mangel waren vielfache Heuler.
Die Ursache dieser Störungen waren aber nicht die Taschen sondern die Zuleitungen, sprich: der Trakturwind war nicht dicht. Ein Mangel, der bei Taschenladen immer bei starker Heizung und nun den neuerdings durch Klimaveränderung hervorgetretene heiße Sommer vermehrt auftritt. Die unter 25% gefallene Luftfeuchte holt sich alles was sie an Feuchtigkeit bekommen kann, auch aus dem Orgelholz und dem Dichtungsleder, was dort Schwund verursacht.
Die bei Abstromsystemen notwendige Dichtigkeit aller windführenden Traktur-Teile wird nicht mehr gewährleistet. Das System kann bei starker Trocknung und einigen offenen Taschen völlig zusammenbrechen. Die Störungen sind meist zuerst an den Abstromrelais direkt an der Windlade und dessen kleinen Windkanälen zu den Taschen zu beobachten. Oft hilft ein Anziehen der Schrauben dieser Relais sofort, so dass sie wieder dicht anliegen.
Repariert man ein solchermaßen lädiertes System an der falschen Stelle, also an der Tasche, wird kein Erfolg bei der Störungsbeseitigung zu erwarten sein. Wir konnten diesen Sommer sehr gut an verschiedenen Instrumenten beobachten, wie sich Taschenladenorgeln bei großer Hitze und Lufttrockenheit verhalten. An der Bukarester Walcker-Orgel, wo hilfloses Auswechseln falscher Teile stattfand, hat sich am Schluss ergeben, dass die gesamten Manual-Taschenladen gegen neue Laukhuff-Kegelladen um 1970 ausgewechselt wurden! – eine makabere Fehlentscheidung. Denn neben den enormen Kosten, welche diese Windladen und ihr Einbau verursacht haben, haben Taschenladen ihre herausragenden Vorteile in der präzisen Ansprache und geräuschlosen Arbeitsweise.
Die identischen Fehl-Reparaturen haben wir auch an den Taschenladen im Athenäum in Bukarest entdeckt, wo an Taschen herumgewurschtelt wurde, und doch „schwarze Ausblasstellen“ an den Relais sichtbar waren – Hinweise von der Orgel: „hier musst du arbeiten!“
Alles dies waren Gründe, warum man „Pneumatik“ und „Taschenlade“ verteufelte – also die Unfähigkeit verschiedener Orgelbauer jene Systeme richtig zu pflegen bzw. was die Pneumatik an geht, richtig zu bauen. (gwm)

In der nachfolgenden Skizze habe ich den „kritischen Bereich“ der Taschenlade orange/weiß markiert. Bei größeren Laden ist der Weg von Relais zu Tasche entsprechend länger, dabbei werden die Verbindungen mit Blei- oder Metallrohren gemacht, die mit der Zeit undicht werden können. (besseres Bild am 4.Okt.07 integriert)
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WORKSHOP (4) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälge- Ergänzungen

Dienstag, September 25th, 2007

Auf Ergänzungen liegt heute unser Schhwerpunkt.
Es waren einige Rückfragen aufgetaucht, die wir hiermit beantworten wollen.
DAS VERFLACHEN der LEDERSTREIFEN
wollte ein Interessent wissen, warum wir diese Sache angesprochen haben, aber nicht weiter darauf hingewiesen haben.
Innerhalb des Balges und auch Außen wo papiert wird, ist es vorteilhaft abgeschräft Lederstreifen zu verwenden, weil diese „aerodynamisch“ geformten Lederstreifen dem Wind weniger Widerstand bieten, und bei Papieren, zwischen Papier und Holz keinen hohlen Luftraum hinterlassen, der zu Rissen führen kann. Meiner Meinung nach kann man diese Lederstreifen nur mit einer mechanischen Maschine derartig behandeln oder bei geleimten Lederstreifen nach der hier auf dem Foto gezeigten Methode verfahren, die sehr umfangreiche Arbeitszeit einfordert. Wir haben alle Bälge so behandelt und brauchen rund 1/2 Tag mehr Zeit für die Anfertigung pro Balg. Für die Restaurierung eines solchen Balges ergibt sich also damit etwa eine Woche Arbeitszeit pro Mann.
Hier das dazugehörige Bild:
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Wenn man nun nachdem man alle Lederteile im Innern des Balges über das Leder mit gutem, dünnen Papier das Leder überklebt, dann sollte diese „Aerodynamik“ dafür sorgen, dass der Wind kein Lederstreifen mehr abreissen kann, was bei vorsichtigen Leimungen schnell passieren kann.
Ein Balg sieht ohne die Papierung so aus:
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Bei den Zwickeln sind die beiden Ecken in den Falten der größten Last ausgesetzt. Außerdem ist diese Stelle am schwierigsten zu verleimen, weil eben die Spannung beim Auftragen des Zwickels nach oben und unten zieht. Wir haben festgestellt, dass Walcker hier immer noch zusätzliche Lederstreifen eingebracht hat, was wir unbedingt empfehlen:
Bild alte Verleimung Bild neue Verleimung
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Wie denn der Balg den Wind überhaupt reguliere? …..wurden wir gefragt. Weil natürlich bisher auf diesen einfachen, und scheinbar sonnenklaren Umstand nie hingewiesen wurde. Alle diese Bälge sind mit sogenannten „Galgenventilen“ ausgestattet, die am Ende mit einem Gurt an der oberen Balgplatte verbunden sind. Bei gesenkter Balgplatte ist dieses Ventil ganz geöffnet, bei hochgedrückter Platte ist das Ventil geschlossen. Wir haben hier ein Foto aus der Perspektive des ausströmenden Windes geschossen und werden bei nächster Gelegenheit eine kleine Zeichnung in weiterer Ergänzung einfliessen lassen. Außerdem wollen wir natürlich auch unsere Erfahrungen in den nächsten Tagen mitteilen, wie die ersten Bälge unter Wind reagieren.
Bild des „Galgenventils“ im Balginneren
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Spieltische Bukarest op 2654 und Heidelberg op 2135

Samstag, September 15th, 2007

Diese beiden histor. Spieltische wurde von verschiedenen Interessenten angefragt, so dass ich mich entschlossen habe diese Fotos der Spieltische hier zu zeigen.
Bukarest op 2654, der historische Spieltisch, der in ein Museum gestellt werden soll, weil er nicht mehr verwendet wird. In diesem Fall glaube ich, ist es völlig berechtigt. Denn die „Ergonomie“ jener Spieltische, die in Konzertsäalen gebraucht werden, wird zunächst einmal an den möglichen Spielhilfen, sprich Setzerkombinationen gemessen. Die bisher sehr hilfsbedürftige Erweiterung mit 6 Freien Kombinationen dürfte für Konzertorganisten aus allen Teilen der Welt sehr umständlich und „balkanisch“ ausgesehen haben. Alle diese tausende von Schalterchen und Hilfsknöpfe sind sehr verwirrend. Dennoch muss diese analoge Walze als eine ganz herausragende Spielhilfe angesehen werden, die wir leider später nicht mehr haben.
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Heidelberg Kinoorgel aus 1928 op 2135
Dieser Spieltisch ist natürlich kaum mit herkömmlichen Spieltischen von Kirchenorgeln vergleichbar, aber dennoch interessant, weil hier sehr viele Funktionen übersichtlich geordnet werden mussten. Sehr schön in jedem Fall die Emailschilder über dem Pedal.
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Workshop (3) – Restaurierung von Einfalten Magazin-Bälgen

Sonntag, August 26th, 2007

Zum weiteren Verständnis ist erforderlich die beiden vorhergegangenen Workshops anzusehen, die sich auf dieser Seite befinden. Oder einfach unter der Kategorie Bukarest Op.2654 rechts anclicken, geht am schnellsten.
Hier in diesem abschliessenden Teil wollen wir folgende Teile zeigen:
– die Materialien
– Fertigung und Einbau der Darmsaiten
– Zusammenbau der Falten und Einbau
– Abschluss

DIE MATERIALIEN
Beim Papieren haben wir schon darauf hingewiesen, dass zeittypische Materialien bei einer Restaurierung eine grundsätzliche Voraussetzung für eine zielgerichtete Arbeit sind. Hier kommt nun in neuerer Zeit hinzu, dass auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt. Und so dürfte es klar sein, dass man nur mit den verträglichen Mitteln der „alten Zeit“ an alten Orgeln hantiert.
Es stellt sich die Frage bei der Verleimung, „Knochenleim“ oder „Hautleim“? Beide Leime werden bei einer Temperatur zwischen 65 und 72 Grad Celsius verarbeitet. Diese Temperatur von 72 Grad sollte nie überschritten werden, weil dann die Klebekraft erheblich nachlässt. Knochenleim verwenden wir bei Holzverleimungen, während beim Verleimen von Leder Hautleim verwendet wird. Ich denke, dass dieses natürliche Adäquat seine Richtigkeit hat. Eine wahrscheinlich viel größere Rolle spielt die Konsistenz der Leime. Also wie stark wir Wasser beigegeben, wie zäh darf das Wasser-Klebegemisch sein?
Wir haben für Bukarest 10kg Haut- und 10kg Knochenleim herbeigeschafft und denken, dass dies gerade ausreicht. Verarbeitung von Warmleim (Glutinleimen)

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links sieht man also solch einen Leimkocher, beim dem man die Temperatur genau einstellen kann. Auf dem rechten Bild sind die beiden Leimarten, zuerst Knochenleim, dann Hautleim abgebildet.
Nachfolgend auf dem ersten Foto links die „Antique-Nägel, mit denen die Darmsaiten verspannt werden und links eine Darmsaite, die wie auf dem rechten Foto ersichtlich, in kleine „Krampen“ geschnitten wird, die man mit Rundzange nicht zu stark biegt. Die Antique-Nägel wurden vom Portier einer großen süddeutschen Orgelteile-Lieferfirma gefertigt, damit der Mann nicht an Langeweile abkippt – eine sehr fürsorgliche Haltung, die wir zu honorieren wissen.
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EINBAU der DARMSAITEN
Die alten Flexen zu entfernen, scheint mir wohl der einfachste Weg, mit einem Lötkolben in die vorigen Gänge einzubrennen, weil jeder Bohrer sofort verläuft. Während die heiße Lötspitze (Bild 1) den geringsten Widerstand sucht, das ist in der Regel die alte Bohrung. Danach bohrt man mit einem kleinen Fräser (3mm) auf und indem man für den Keil noch etwas Platz fräst, sieht dann bei eingsteckter Darmsaite das Ganze aus wie (Bild 2). In (Bild 3) sieht man dann, wie diese Saite mit Keilen verspannt wurde.
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Die Holzfalten müssen bevor die Darmsaiten eingesetzt werden, alle miteinander über den Knarrriemen verbunden werden (siehe Zeichnung aus Workshop 1) Hierzu müssen die Öffnungen für die Darmsaiten ins Leder eingebracht werden. Also pro paar Holzfalten sind 3 Knarrriemen anzuleimen (Mitte, oben und unten). Und wenn alle vier Paar Falten fertig sind, dann kann auf den unteren Zargen-Rahmen jedes einzelne paar Falten mit Darmsaiten und Knarrriemen befestigt werden. Abschliessend wird dann der Deckelrahmen genauso montiert und der Balg ist konstruktiv fertig.
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Hier die Innenansicht des Balges, auf der man die beiden neu eingesetzten Zwickel erkennen kann. Rechts ein Zwickel der mit zwei Scharnieren-Leder an die Falten angebunden ist, rechts ohne, hier wird es noch gemacht.
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Es folgt noch das Abledern aller kritischen Stellen am und im Balg mit dünnen Lederstreifen. Dann folgt noch das Papieren des gesamten Balges, und schön wäre gleich eine Funktionsprobe machen zu können. Das gleichmässige Blau des Papieres stellt sich nach 6-8 Stunden ein.

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Wir haben es hier also mit dem kleinsten Balg, dem Motorbalg zu tun gehabt, der bekanntlich als erster gebraucht wird. Nun haben wir noch 4 recht große Bälge für Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk und Pedal vor uns. Und es ist sicher, wenn wir alle diese Bälge durchhaben, wird noch ein kleiner „workshop“ drangehängt, der alle weiteren Erfahrungen aus dieser Arbeit widergibt.
(gwm) 26.Aug.2007 – der erste Sonntag unter 36 Grad Celsius in Bucuresti

WORKSHOP(1) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

Dienstag, August 7th, 2007

Ab einem gewissen Datum gab es bei der Firma Walcker nur noch Einfalten-Magazin-Bälge. Zudem wurde die Windanlage dadurch elementar vereinfacht indem man die Ziehharmonika-Anschlüsse gegen starre Windkanäle ersetzte, die seitlich in die Windlade geführt wurden. Auch hier führt der Registerkanal auf der Windlade konisch zum Ende. Wer Oscar Walcker’s Sparsamkeit kennt, die aus allen Details der Zeichnungen und Orgelgestaltungen spricht, weiß und sieht, dass hier ein Kenner wesentlichste Dinge des Windes intuitiv geahnt hat. Denn konisch zulaufende Kanäle sind erheblich teurer als ein gradliniger Kubus. Dazu kommt, dass sich all diese Verfeinerung im Windbereich kaum berechnen lassen. Die Faktoren Windgeschwindigkeit und Windmenge sind für den Orgelbauer „unmessbare“ Größen. Gerade mal den Winddruck kann er mit Wasser oder digital fassen.
Wenn, wie im Falle Bukarest, die gesamte Balganlage auf einem großen Kanal ruht, der zudem noch sich zum letzten Balg hin sich verjüngt, so handelt es sich um eine durchaus logische und gut gegliederte Anlage die seine Vorteile hat. Alle Bälge der 3 Manuale haben 95mmWS, das Pedal nur 90mmWS. Der größte Balg ist der des HW, von dem wir erwarten, dass er auch bei zusätzlich gebauter SUB I, einen Versuch den ich einfach ausprobieren muss, sein Durchhaltevermögen offenbart.

Schnitt durch die Orgel in Bukarest mit markierten Bälgen

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Die hier besprochenen Einfalten-Magazinbälge sind einfacher als Doppelfalten-Bälge zu fertigen und auch einfacher zu restaurieren. Dennoch gibt es ein paar wichtig Dinge anzumerken, die falsch ausgeführt, zu einem schnellen Ableben des Balges führen kann. Dann nämlich, wenn zum Beispiel die „Flechsen“ oder „Darmsaiten“, also die organischen Scharniere der Holzfalten nicht sauber durch Keile verspannt wurden. Dann kann noch so schön beledert und papiert werden, diese Scharniere sind dann schnell hinüber und jeder Balg geht zuerst in seinen „Fersen“ zugrunde.

Ja, da hören wir erste Begriffe, die manchem sonderbar erscheinen. Und auch ich habe vergebens nach Literatur gesucht, wo man denn nachschlagen könnte und etwas dazulesen kan, aber nichts gefunden. Daher hier erstmal eine Begriffs-Stütze in Form zweier Zeichnungen, welche die wichtigsten Elemente solch eines Balges erläutern.

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drei Ansichten dieses Balges balg03.jpg

Die ersten Arbeiten bei einer solchen Restaurierung sind das absolut klinisch reine Entfernen von Papier, Leder und Kleberesten. Dazu sind vorher einige wichtige Anmerkungen und Dokumentationen, Zeichnungen zu machen, damit man es später auch richtig zusammenbaut. Wir haben hier einige Fotos gemacht die u.a. auch zeigen, das z.B. die Zwickel, das sind die breiten Lederstreifen an den Ecken, noch zusätzlich an den Falten mit Lederstreifen befestigt wurden. An diesem Balg wurden grundsätzlich alle Lederstreifen, auch die Knarr-Riemen, wie auf der Zeichnung auch ersichtlich ist, zum Ende hin verdünnt (geschabt mit einem scharfen Messer, so dass die Kanten nach dem Papieren kaum fühlbar sind ). Das ist ebenfalls ein nicht ungehöriger Aufwand, der zur Ästhetik des Balges beiträgt, und der oft bei Restaurierungen vernächlässigt wird.

Das Entfernen des Papiers geschieht mit viel Wasser, einweichen lassen aufs Papier und abziehen. Dort, wo mit Kunstkleber später herumgeflickt wurde hat man sehr viel Arbeit, das Papier wegzubekommen. Leder wird mit dem Bügeleisen vorgewärmt und abgezogen. Nachdem die Holzfalten trocken sind, werden sie leicht abgeschliffen.

Am besten notiert man sich, wie das Leder und das Papier umgeschlagen wurde, mit welchen Übermaßen.

Der nächste und wesentlich einfachere Schritt ist die Montage der Falten miteinander und dann auf den Deckel-Rahmen mit den Darmsaiten. Das zeigen wir im nächsten WORKSHOP (2) Rest. von Einfalten-Magazin-Bälgen, Zusammenbau, Beledern, Neupapieren.

Bilder – das dritte Bild zeigt eine solche Darmsaite, wie sie als „Scharnier“ eingesetzt ist.
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Ventilator ade!

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Bei Orgeln mit Magazinbälgen die ursprünglich über Kalkanten und einer einfachen Tretanlage mit Schöpferbälgen betrieben wurden, hat sich zu Zeiten der Stromversorgung ein Ventilator dazugesellt. Auch bei Restaurierungen heutzutage werden diese Ventilatoren über Roll- und Rückschlagventile dazugebaut.

Alle mir bekannten Orgeln mit solchen Ventilatoren, seien es Langsam- oder Schnelläufer, leiden unter dem Mangel, einer geräuschhaften Windanlage. Der verwirbelte Wind und Motorenfrequenz macht sich bemerkbar. Im Gegensatz zu Schwimmerbälgen werden bei Magazinbälgen größere Flächen und Windmassen bewegt. Außerdem erschien es mir immer wieder, dass feine Streicher, Dolcen, auch Zungen unter der Ventilatorluft und der damit einhergehenden Unruhe, intonatorische Mängel aufweisen. Bei hohen Tönen wird die Unruhe des verwirbelten Windes in „Zirpsen“ und Unstimmbarkeiten bemerkbar. Ventilatorwind ist zwar „bequem“ aber nicht „authentisch“.
Nun wissen wir seit Töpfer 1853, dass sich Orgelbauer mit Windmaschinen beschäftigten, die vergleichbar ihrer mit Treibriemen angetriebenen Maschinen bedient wurden. Von Eberhard Friedrich Walcker ist bekannt, dass er eine der ersten Dampfmaschinen in Ludwigsburg betrieb (das muss in den 1840er Jahren gewesen sein) und wir wissen außerdem, dass er in den beginnenden 1860er Jahren die Windanlage in Ulm mit einer solchen „Dampf“Maschine betrieb, wo er erstmals einen vertretbaren Wind beim Tutti erzeugen konnte, was die bis zu 12 Kalkanten nicht schafften.

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Die Erzeugung des Windes also, dabei spielt nicht die Muskelkraft das entscheidende Element sondern das stetige großflächige und damit dynamische Bewegen der Tretanlage anstelle der Verwirbelung durch das Rad des Ventilators, scheint heute ein ganz wichter Aspekt zu sein wieder an die Quelle der Winderzeugung zurückzukehren und anstelle der Muskelkraft des Menschen einen elektronisch synchronisierten Schrittmotor zu betreiben, der die Tretanlage über ein Geriebe in Bewegung versetzt.

Außerdem schafft man mit solchen Lösungen, wie sie von Itten, Kuhn, Rensch u.v.a.Orgelbauern sehr erfolgreich bereits durchgeführt wurden, dass wir streng im denkmalpflegerischen Sinne tätig sind und eben im allerwichtigsten Bereich, der Winderzeugung nun auch auf ursprüngliche Methoden zurückkehren.

In der Regel funktioniert eine solche Anlage mit einem Schrittmotor, der eine Geriebe betreibt, das direkt auf den Tretbalken wirkt. Ein Regler oder ein Winddrucksensor misst den Höhenstand des Magazinbalges oder den Winddruck und veranlasst den Microprocessor die Drehzahl des Motors auf die erforderliche Frequenz einzustellen. Wer will kann von hier aus auch Einstellungen am Spieltisch vornehmen lassen, so dass Druckanpassungen an gespielte Literatur oder an veränderte Temperatur vorgenommen werden kann.

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Mit diesen Möglichkeiten der Winderzeugung kehren wir zurück zur ursprünglichen Winderzeugung, wie es bei allen Walcker-Orgeln in der Zeit von 1860 bis etwa 1900 der Fall war. Ich zeige hier zwei Zeichnungen die das veranschaulichen sollen. Die erste ist aus Petersburg Opus 750. Die zweite zeigt eine Windanlage mit zwei Magazinbälgen einem Drehrad, das von Hand und über eine Maschine bedient werden kann, und das gewissermaßen Standart war.

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An der Petersburger Walckerorgel sehen wir, dass über die Transmissionseinrichtung 3 Tretgebläse bedient wurden und wir können uns leicht vorstellen, dass weitere 3 oder 6 solcher Einrichtungen leicht bewerkstelligt werden konnten.

Restaurierungsfrage : Holzwurm – was tun?

Samstag, April 28th, 2007

Immer wieder erfahren wir, dass kaum über die Behandlungen des Holzschutzes im Orgelbau und deren momentane Methoden umfassend unterrichtet wird.

  1. Die chemische Keule war einmal. Öffentliche Gebäude wie Kirchen können in der heutigen Zeit nicht mehr über derartige Methoden verfügen. Es wurden schon Kirchen geschlossen, weil fehlerhafte Methoden zum Einsatz kamen, die komplette Kirchenräume auf lange Sicht zugifteten.
  2. Welche Möglichkeiten gibt es nach Abtötung des Holzwurms. Auch hier sind aus denkmalplfegerischen Gesichtspunkten „Naturlösungen“ vor denen der Epoxidharzkeule vorzuziehen.

Wir möchten in diesem Blog ausschließlich eine Kurzfassung über Möglichkeiten geben, die zeitgemäss und vor allem „sehr milde“ und der Natur der Orgel entsprechend sind.

  1. Holzwurmbehandlung

Verschiedene Firmen bieten an befallene Holzstücke bis hin zu ganzen Windladen in einem Container mit Heißluft 60Grad zu behandeln. Dieses umweltschonende Verfahren hat seinen Preis. Dafür hat man kein Gift im Holz und im Haus.

  1. Holzstabilisierung nach der Holzwurmbeseitigung

Die Verfestigung mit Epoxidharz (die Betonierung der feinen Holzstruktur) erscheint eine brutale Gewaltmaßnahme. Auch die Frage der Reversibilität wird hier tangiert.

a) Eine sanfte Möglichkeit war bisher das Einbringen von wasserlöslichen tierischen Leimen, weil ja damit auch die Leimverbindungen der Orgel gelöst wurden. Das hat aber den Nachteil, dass die wässrigen Lösungen durch starkes Quellen des lädierten Holzes und dem Schrumpfprozess beim Trocknen weitere Schädigung der Holzstruktur beibringen. (völliges Zerreissen von Holzpfeifen beim Ausgiessen sind möglich)

b) Epoxidharze sind keine adäquaten Holzmaterialien. Hinzu kommt dass diese Verfahren völlig unreversibel sind und einem sonst logischen Restaurierungskonzept völlig widersprechen.

c) Einbringung von Dammarharz( www.sehstedter-naturfarben.de) ist hingegen ein Holzprodukt, giftklassefrei und biologisch abbaubar. Nach Stabilisierung mit diesem Mittel erhält der Gegenstand wieder die physikalischen Eigenschaften des ursprünglichen Holzes.

Das Dammarharz wird in 50-60%ige Lösung mit echtem Terpentin (Fa. Dick) in das zerfressene Holz eingeführt ( Streichen, Infusion, Injektion, Vaccum etc.) . Die Härte des gefestigten Holzes entspricht danach der Härte des gesunden Holzes. Die Holzoberfläche kann dann mit Bienenwachsemulsion (Fa. Dick) geschlossen werden. Sehr gut geeignet für Holzpfeifen, Windladen, Stöcke, die ja meist aus Weichholz gefertigt sind. Eiche und bei Vollmond geschlagene Hölzer sind ja gegen Holzwurm resistent.

(gwm)