Archive for the ‘mit Audio’ Category

Midi auf der Tamburini in Rom-Santa-Cecilia

Samstag, Dezember 11th, 2010

Das MUSICAL INSTRUMENT DIGITAL INTERFACE stellt ein Datenübertragungsprotokoll zwischen Musikinstrumenten und PC dar. Auf dem PC muss dafür eine Software installiert sein, ein sogenannter „Midi-Sequencer“ der diese Daten mit dem „midifiziertem“ Instrument austauscht. Also vom Instrument können die Informationen gesendet und empfangen werden, ebenso vom PC.
Die Verbindung zwischen PC und Instrument muss über sogenannte „MIDI-Kabel“ bewerkstelligt werden, was meist ein kleines Interface notwendig macht, da die 5-poligen „Midiein+Midiausgangskabel“ nicht direkt im PC angeschlossen werden können. Diese Midi-Interfaces kann man bei Conrad für lau „25,–“ samt Kabel bestellen.
Die Software, also der Midi-Sequencer, dafür schlage ich CUBASE vor, weil da alles, vom Notendruck bis zu feinsten Midieinstellungen enthalten ist, kostet in der „Essentiel-Variante“ gerade mal 180,–Euro. Studiversionen gibt’s für 80,–.
Voraussetzung bei der Pfeifenorgel ist, dass das Instrument elektrisch spielbar ist und eine Midieinrichtung hat. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die nachträglich eingebaut werden können.
Es muss jedoch deutlich betont werden, dass diese MIDI-Technik keinerlei künstlerische Möglichkeiten bietet, Orgelmusik ästhetisch aufzubereiten. Der Grund liegt einfach daran, dass der mechanische Ablauf des Orgelspiels, die ganze sinnliche Erwartungshaltung des Hörers gründlich eintrübt. Und ganz anders als bei einer CD-Aufnahme, wo die menschliche Interpretation mit seinen winzigen Raum-und Zeitversetzungen, mit den kleinsten Betonungen bestimmter Akkorde oder Noten, den minimalen Tempiverzeichnungen u.a., eben alles dieses Menschenmusizieren mit ihrer Wärme und Feinfühligkeit uns Hörer erst in den vibrierenden Zustand versetzt, begierig den neuen Takten entgegenzuhören, während der Midi-Roboter ganz maschinell in sein vorgegebenes Raster einsortiert und abspielt.
Wir können diese ganze grobe Begeisterung für die Miditechnik auf seiten der Pop-und Rockindustrie nur insoweit verstehen, weil diese Technik eine gewisse Konsumhaltung befriedigt, künstlerisch aber höchst fragwürdig ist und meiner Meinung nach sogar die Entwicklung dieser Musikstile wie Heavy Metal u.a. ganz erheblich beeinträchtigt.
Dennoch sollte beobachtet werden, ob diese Technik nicht für Klangproben und andere Dinge eingesetzt werden kann, weil damit der Orgelbauer im Raum die Orgel nach seinen Vorstellungen abhören kann. Denn dazu sind nur wenige Handgriffe notwendig. Das Einstellen von Registerkombinationen kann sogar über einen Handsender erfolgen. Die Tragfähigkeit und Lautstärkenintonation verschiedener Registerkombinationen scheint damit ganz plausibel überprüfbar zu sein. Ob das die Nachteile dieser Technik aufwiegt, wage ich allerdings nach diesen wenigen Versuchen nicht abschließend festzustellen.
Im nachfolgenden Text möchte ich etwas detaillierter auf die Technik mit Sequencer und Anschluß des Interfaces mit den Kabeln eingehen.
Zunächst benötigen wir die Sequencersoftware, die vornehmlich aus dem Steinbergschen Cubase bestehen sollte. Auf alle Experimente mit Freeware kann man getrost verzichten. Cubase ist vorzüglich für die Pfeifenorgel geeignet und wir können damit alle wichtigen Einstellungen vornehmen.
sequencer.jpg
Man importiert mit dieser Software das down-geloadete Midifile (eine ganz vorzügliche Adresse für klassische Musikfiles ist: http://www.classicalmidiconnection.com/cmc/midiplay/playmidi.shtml?mid/bach/inv2v01c , wo ich bisher alle Komponisten gefunden habe, die mir wichtig erschienen. Der Download ist allerdings nicht ganz einfach. Man clickt das entsprechende file an, das im site-eigenem Player abgespielt wird. Das stoppt man und geht in die darunter liegende Zeile mit dem file-link, und gibt dort beim firefox-browser mit Rechtsclick darauf an: Ziel speichern unter.., daraufhin kann man das file.mid z.B. auf dem Desktop ablegen) in ein neues Projekt.
komponisten_satt.jpg
Nun legt man neue Midispuren an, auf die man die Daten der importierten files kopiert. (Wer hier Probleme hat kann mich kontaktieren für weitere Erklärung, da das alles nicht ganz einfach war). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Software das angehängte Midi-Interface (Midilink) erkennt, und im Recorder weiter unten, beim Abspielen der Midiausgang aufleuchtet.
Auf nachfolgenden Fotos einige Erläuterungen.
anschluessejpg.jpg orgamat.jpg
Mit diesem Sequencer kann man schneller oder langsamer ablaufen lassen und letztendlich jede einzelne Note korrigieren. Man kann ebenfalls selbst Orgelmusik über den Spieltisch einspielen und editieren, auch Noten ausdrucken. Die Begeisterung sollte sich aber in Grenzen halten, auch wenn man bis zu 1/64 Noten damit editieren kann. Denn außerhalb dieses Rasters geht absolut nichts. Das heißt, die maschinelle Mechanik, die hier am Ende abgespielt wird, wirkt unheimlich ermüdend, weil sich das erfrischende Element des leichten Verifizierens, das menschliche Spiel des laufenden Wechsels hier absolut nicht stellt.

Hier ein Video, das verschiedene Möglichkeiten zeigt:

(also die Orgel klingt nicht so spitz wie das mein Kameramikro aufgezeichnet hat)
gewalcker@t-online.de

Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt Opus 5547, III/37, Bj.1977

Sonntag, Juni 21st, 2009

Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt Opus 5547, Bj 1976, III/37, mit Helmut Bornefeld 1976-77 gebaut.
orgel1.jpg
Das Instrument wurde von mir nach meiner Meisterprüfung als erstes größeres Instrument installiert. Dabei werde ich die Zusammenarbeit mit dem „umstrittenen“ Bornefeld nicht so schnell vergessen. Diese Arbeit war zutiefst zwiespältig. Einerseits war ich überrascht einem in künstlerischen Dingen überaus feinfühligen und klugen Menschen gegenüber zu treten. In technischen Dingen war Bornefeld sehr freizügig. In musikalischen Dingen jedoch, Disposition, Intonation konnte man eine Versessenheit bei ihm antreffen, die zur Borniertheit ausarten konnte. Ein besonderes Steckenpferd waren seine Kombinationen mit Lichtdrucktaster und seine Plenen, da hatte er direkt eine Marotte.
Die Orgel wurde anfangs mit elektropneumatischen Schleifzugapparaten ausgestattet, was einfach ein Fehler war, ebenso wurden statt Holzabstrakten Glasfiberstäbe eingesetzt, was sich nicht bewährte. Das wurde bei einem späteren Umbau beseitigt.
Am Klang dieser Orgel kann man sich überzeugen, dass Bornefeld einfach „Unrecht“ hatte: Im Hauptwerk fehlt ein anständiger Prinzipal 4’ und die kleinchörigen Aliquoten kann man heute nicht mehr hören. Dennoch ein historisch interessantes Werk, das wir aus diesem Grunde mit dieser Klangdemostration zeigen wollen.
Schreibweise der Dispo nach Bornefeldscher Manier

Rückpositiv I.Manual C-g’’’
1 Rankett 16’
2 Hautbois 8’
3 Rohrgedackt 8’
4 Prinzipal 4’
5 Blockflöte 4’
6 Quinte 2 2/3’
7 Waldflöte 2’
8 Larigot 1 1/3’ + 1’
9 Stabspiel 3f 1 1/7’
10 Scharf 5f 1’
Tremolo

Hauptwerk II.Manual
11 Quintade 16’
12 Prinzipal 8’
13 Gemshorn 8’
14 Trompete 8’
15 Kornett 4f 5 1/3’
16 It. Prinzipal 4’
17 Rauschharfe 4’ + 2 2/3’
18 It. Prinzipal 2’
19 Mixtur 6-8f 1 1/3’
Tremolo

Brustwerk im SW III
20 Gedackt 8’
21 Vox humana 8’
22 Rohrflöte 4’
23 Nasat 2 2/3’
24 Prinzipal 2’
25 Hörnlein 1 3/5’+ 1 1/7’+ 8/9’
26 Gemsquinte 1 1/3’
27 Zimbel 4f 2/3’
Tremolo

Pedal C-f’
28 Holzprinzipal 16’
29 Untersatz 16’
30 Posaune 16’
31 Prinzipal 8’
32 Gedackt 8’
33 Baßzink 5 1/3’-3 1/5’- 2 2/7’
34 Hohlflöte 4’
35 Clairon 4’
36 Choralbaß 4’-2’- 1 1/3’
37 Glöckleinton 2’-1’
Tremolo Sololade

Die Schallplatte von Elisabeth Ullmann wurde vom Verlag meines Vaters, dem Musikwissenschaftlichen Verlag mbH erstellt und am 3.Aug. 1978 durch Tonstudio Bauer aufgenommen und wird hier als MP3-Sammlung kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Es befinden sich folgende Musikstücke hier auf diesem Blog:
unbedingt empfehlenswert das letzte Stück, Robert Schumann – Kanonop 56/5!!

(1) Wolfgang Amadeus Mozart – Fantasie f-Moll KV 608- 12’05
track-no01.mp3
(2) Dietrich Buxtehude – Präludium und Fuge fis-Moll – 7’30
track-no02.mp3
(3) Max Reger – Fantasie über den Choral „Halleluja! – 15’45
(Reger auf einer Bornefeldorgel: das erspare ich uns!!)
(4) Robert Schumann – Fuge über B-A-C-H op60/5 – 2’13
track-no04.mp3
(5) – Kanon op 56/5 – 2’38
track-no05.mp3

es folgt noch: Helmut Bornefeld „Die neue Orgel der Klosterkirche Murrhardt“, 7seitiges Heft des Konzipienten
5547_murrhardt_03.pdf

gwm 21.06.09 (erschöpft, vor der Abfahrt nach Scotia)

ergänzt:
Max Reger – Fantasie über den Choral „Halleluja! – 15’45 – gespielt von Elisabeth Ullmann auf der Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt – mein Text hierzu auf unserem Blog: Reger auf einer Bornefeldorgel: das erspare ich uns!! – hat aber unterschiedliches Echo ausgelöst, so waren ein paar Hartgesottene, die unbedingt diesen bornefeldschen „Schleifladen-Reger“ erhören wollten. Hier also- ohne Gewehr! – als MP3 mit rund 10MB.

hierzu ein folgenreicher Kommentar:

schade, dass es „Halleluja! Gott zu loben“ nicht zum Download gibt – mich würde sehr interessieren, wie man anno 1975 gedacht hat; gerade im Hinblick auf das Zitat Bornefelds (Orgelspiegel), dass neue Musik nur gut sein kann, „wenn sie sich – wie die Musik Regers – in die Welt der Schleifladenorgel transferieren lässt“… vor diesem Hintergrund hätte mich das unglaublich interessiert.
Schade, dass die Orgel inzwischen viele ihrer Farben verloren hat – war sie doch das Opus ultimum von Bornefeld…
Hat man bei den Arbeiten eigentlich seine Schwerhörigkeit bemerkt oder hat er die quasi miteingerechnet?

Darauf könnte ich eigentlich nur eine bitter-zynische Antwort geben, die man anstandshalber unterlässt