Archive for the ‘Dispositionen’ Category

Der letzte röhrenpneumatische Titan – Hannover, Stadthalle

Freitag, Dezember 18th, 2009

Als der letzte röhrenpneumatische Titan am 27.Dez 1914 in der Stadthalle zu Hannover vor 4000 Zuhörern eingeweiht wurde, stand bereits der I.Weltkrieg in hellem Feuer.
Die von Furtwängler und Hammer erbaute Orgel mit IV/124 Register war anders als bei Walcker und Sauer, noch ein rein röhrenpneumatisches Werk, so dass uns deswegen diese Orgel, die durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, als etwas ganz besonderes erscheinen muß. Zudem ist dieses Werk in Taschenladenbauweise exakt wie es Walcker und Sauer bauten, hergestellt.
Ganz besonders interessiert uns natürlich, wie es in der Orgel ausgesehen hat und was wir hier für einen Spieltisch antreffen. Immerhin wurden 4 Freie Kombinationen, die dann natürlich pneumatisch funktionierten, betrieben. Es muss ein heiliger Schauder den Orgelbauern den Rücken heruntergelaufen sein, wenn hier Reparaturen erforderlich waren. Denn aus verschiedenen Zeichnungen der Firma Walcker kann man sehr schön erkennen, welche Komplexität und Fehlermöglichkeiten bei einer solchen Konstruktion möglich waren.
Eine ganz besondere Freude war es, festzustellen, dass auch dieses Heft aus der Bibliothek eines ganz berühmten Organisten und Komponisten stammt, das sich nun in meiner Bibliothek befindet: von Gerard Bunk.
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Das Deckblatt der Schrift zeigt die Stadthalle in Hannover mit ihrer patheonähnlichen Kuppel:

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Hier die Disposition der Orgel

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Orgelansicht:
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Grundriss der Orgel

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Schnitt durch die komplette Halle:

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Schnitt durch die Orgel

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und hier diese hochinteressanten Ansichten in der Orgel, die wir leider nie mehr real zu Gesicht bekommen können, und die wohl die größte pneumatischen Relais zeigen, die je gebaut wurden:

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Hier nun der Spieltisch in drei verschiedenen Ansichten, Zeichnungen:

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Last not least, die Personen, die hier zum Bau beitrugen und das Windladensystem

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gwm

ergänzender Link zur ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU, die 1915 zu dieser Orgel geschrieben hat DANK an HOLGER FETT

Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für Rotterdam, jetzt in Doesburg

Samstag, November 14th, 2009

Die Walcker-Orgel Opus 1855 gebaut für die Nieuwe Zuiderkerk in Rotterdam 1914-16, IV/64+11, umgestellt 1969/72 (Jos. Vermeulen, Alkmaar) in die Martinkerk in Doesburg.
Diese Orgel stellt eigentlich das einzige spätromantische Werk Oscar Walcker’s dar, das heute noch etwas von seinen Vorstellungen über Monumentalorgeln erahnen lässt. Das weitgehend vollständig erhalten ist, und man kann so dieses Instrument, wie es Paul Peeters und Hans Fidom in Ihren Beiträgen getan haben, als die kleine „Michaelisorgel“ bezeichnen, womit gesagt sein soll: „die Klänge der großen Hamburger Walcker-Orgel, ehemals in der Michaeliskirche aufgebaut, sind nicht vollständig verloren, wir finden sie wieder durch dieses Instrument.

Diese Orgel ist uns sehr wichtig, weil die Holländer hier etwas geschafft haben, was bei uns in Deutschland, wo Walcker ja weitgehend tätig war, nicht im Geringsten möglich war. Nur im Ausland haben wir noch die Möglichkeit große Walcker-Orgel anzutreffen, die erstens gut restauriert wurden und zweitens meist umfassend erhalten sind. Die drittens auch intensiv genutzt werden, wie hier in Doesburg eine umfassende CD-Produktion zeigt.
Ich stelle hier drei CD’s vor, die wahrscheinlich nicht mehr am Markt sind, dafür aber wieder neue.
Die Geschichte dieser Orgel ist etwas unglaublich abenteuerliches: sie wird mitten im Ersten Weltkrieg in Holland von dem Orgelbauer Hermann Langenstein in Rotterdam eingebaut. (Ein Glück, dass die Holländer während dem ganzen Krieg Neutralität bewahrt haben!). In den 1960er Jahren wird sie aus Rotterdam hinauskomplimentiert und durch persönlichen Einsatz eines Ingenieurs nach Doesburg gerettet.
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Von Langenstein habe ich in meinem Archiv sieben Postkarten gefunden, die er während der Montage aus Rotterdam nach Ludwigsburg geschickt hat. Das sind historisch sehr interessante Sachverhalte, die er hier schildert, und ich vermute, viele Monteure bei Walcker, die das lesen würden, sie würden nicht nur ihre Geschichten dort wieder finden.
Paul Peeters schreibt in seinem Artikel (Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH – in ASPEKTE DER ORGELBEWEGUNG 1995), dass sowohl die Anlage der Hamburger Michaelisorgel der Doesburger Orgel sehr ähnlich ist. Er nimmt Bezug auf den Spieltisch, das Fernwerk, sowie auf den Umstand, dass auch hier nur bestes Material Verwendung fand und so keine einzige Zinkpfeife in dieser Orgel zu finden ist. Beide Orgeln wurden ja von großzügigen Spendern finanziert, die ausdrücklich nur hervorragende, beste Qualitäten forderten.
Weiter findet sich bei Paul Peeters Beitrag der Hinweis, dass sowohl in Hamburg wie auch in Doesburg die Bezeichnungen „Silbermann-Mensur“ verwendet wurden. Das ist auch in den entsprechenden Werkbüchern (Opusbüchern) bei Walcker nachzulesen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass hier die Messungen, die wohl Oscar Walcker selbst vorgenommen hat, auf Grund von falschen Voraussetzungen durch Albert Schweitzer und Emile Rupp, stattgefunden haben, und so die Mensuren Wetzels in die Mensurbücher der Firma Walcker als „Silbermannmensur“ Eingang gefunden haben (nachzulesen u.a. bei Markus Zepf „Praetoriusorgel“)

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Nachdem Disposition und Darstellung dieser Orgel ab 1916 (die halbe Welt befand sich bekanntlich zu dieser Zeit im Stellungskrieg mit Deutschland. Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch aus dem Krieg heraushalten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle aus dem von Deutschland besetzten Belgien zu tun. Nach dem Ersten Weltkrieg gewährten die Niederlande dem bisherigen Deutschen Kaiser Wilhelm II. Exil.) in HET ORGEL veröffentlicht wurde, gab es in den nachfolgenden Ausgaben verschärfte Diskussionen, warum diese Orgel bei einer deutschen Firma gekauft wurde. Dabei hat sich herausgestellt, dass dies ein ausdrückliches Anliegen des Stifters Bos gewesen ist, der auch in den Postkarten des Orgelbauer Langenstein erwähnt wird.
Die komplette Orgel besteht aus 3 Kegelladen und 13 Hängebälgladen mit elektropneumatischer Traktur. Es befinden sich 5415 Pfeifen in der Orgel weitgehend aus 75%iger Zinnlegierung und Holzpfeifen aus Oregonpine. Windladenkonstruktion und Orgelanlage sind gut erkennbar am Schnitt der Rotterdamer-Orgel, der 1916 von Hermann Besselaar in seinem Buch „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“ veröffentlicht wurde.
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Quellen:
Hermann Besselaar, 1916, „Het orgel der Nieuwe Zuiderkerk de Rotterdam“
Hans Fidom, 2002, Diversity in Unity – Discussions on Organ Building in Germany between 1880 and 1918, Seite 236
Paul Peeters, 1995, in Aspekte der Orgelbewegung, Die „Nederlands Organisten Vereniging“ und die Orgelreformbewegung des 20.JH
Jan Jongepier, 1991, Text über die Orgel in Doesburg wurde in zwei nachfolgenden CD’s verwendet.

CD’s
Zsuzsa Elekes auf der Walcker-Orgel-Grote of Martinkerk Doesburg (Reubke, Karg-Elert)VLS VLC0694
Het Walcker-Orgel in der Grote of Martinkerk te Doesburg, Jan Jongepier spielt Reger und Rheinberger VLS VLC0292
100 Year Organ Music from the Netherlands – Pieter van Dijk spielt auf der Walcker-Orgel in Doesburg Gerard Bunk „Legend opus 29 (1908)

Bildmaterial:
die Karten des Orgelbauers Langenstein während der Montage nach Datum sortiert:
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hier Bilder und Texte aus den CD’s:
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gwm

ERGÄNZUNGEN 15.11.09

Sehr geehrter Herr Walcker,
anbei einige Ergänzungen zum Text auf Ihrem Walcker-Blog:
Es gibt noch ein ganzes Buch, das dieser Orgel (ihr Umfeld, ihre Musik und ihre Rezeption) gewidmet ist:
Willem Jan Cevaal, Hrsg. Orgelreform in Nederland. Het orgel van de Grote of Martinikerk te Doesburg. Vol. 5, Nederlandse orgelmonografieën. Zutphen: Walburg Pers, 2003, 304 S.
In den Jahren 2003-2004 hat Flentrop die Orgel überholt (Taschen und Membranen wurden wo nötig ersetzt, Zungenstimmen instandgesetzt und die Intonation einiger Stimmen nachgesehen). 1999 wurde der Spieltisch bereits von Flentrop restauriert.

http://www.flentrop.nl/restauratie/doesbu_mart_grot.html

Eine komplette Diskographie in chronologischer Reihenfolge findet sich auf www.martinikerkdoesburg.nl/ ; klicken Sie auf Walckerorgel, dann auf Discografie. Dazu kommt dann noch die neueste Einspielung von Zsusza Elekes mit Werken Ungarischer Komponisten:

– CD Zsusza Elekes speelt werken van Hongaarse componisten op het Walcker-orgel
€18,50 incl. verzendkosten. Bestellen info@martinikerkdoesburg.nl

Mit freundlichen Grüßen,
Paul Peeters

—————————-
Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,

Als weitere Ergänzung zu den auf Ihrem Blog gegebenen Informationen zur Walcker-Orgel in Doesburg möchte ich auf die Website von Christine Kamp aufmerksam machen, die ebenfalls in Doesburg eine CD eingespielt hat und dieser Orgel eine umfangreiche Galerie mit vielen Detailaufnahmen des Spieltischs gewidmet hat:
<http://www.xs4all.nl/~twomusic/concerts/Doesburg/Doesburg.html>
Da erahnt man, welche Schnitzkunst am Hamburger Spieltisch angewandt wurde!

Ebenfalls für Sie von besonderem Interesse scheint mir die Galerie zur Sauer-Orgel in Hermannstadt. Dort auch zahlreiche Bilder vom Inneren der Orgel.
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Die Walcker-Orgel Opus 382 in Pfaffenweiler, Baujahr 1880

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Hierzu wurden mir von Andreas Strittmatter Bilder und Dispo geschickt, die ich gerne hier zeige, und dem ich auf diesem Wege meinen besten Dank ausrichte.
Das zweimanualige Instrument von den Söhnen Eberhard Friedrich Walckers zeigt sehr gut die Beibehaltung seiner romanischen Gehäuse, aber auch, welche Änderungen 8 Jahre nach seinem Tod in der Dispositionsgestalt eintraten.
Die Orgel wurde später auf drei Manuale erweitert und stellt keine „Denkmalorgel“ dar. Wer auf die Idee kam ein derartig „anti-walckerisches“ III.Manual dazuzubauen, der sollte sich bitte melden. Das geht schon über die „Verbrechen“ der 60er Jahre weit hinaus – oder man fasst es als eine Parodie auf.

Orgel:
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Spieltisch:
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Pfaffenweiler – Katholische Kirche St. Columba

E. F. Walcker & Cie. – 1880 – Opus 382

Manual I

Bourdon 16’
Prinzipal 8’
Floete 8’
Viola da Gamba 8’
Oktav 4’
Rohrfloete 4’
Mixtur 2 2/3’
Trompete 8’

Manual II

Geigenprincipal 8’
Lieblich Gedeckt 8’
Salicional 8’
Aeoline 8’
Flauto dolce 4’

Manual III (ergänzt)

Bourdon 8’
Flauto 4’
Cornet 2 2/3’
Cornet 1 1/7’
Clarinette 8’

Pedal

Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
Violoncello 8’
Oktav 4’
Posaune 16’
Trompete 8’

Koppel II – I
Koppel I – P

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

hist. Ablauf

24. Januar 1880: Kostenberechnung für eine neue Orgel durch Walcker für 6650 Mark. Am 23. April aus Mitteln genehmigt, die durch den Verkauf von gestifteten Grundstücken von Josefa Senftenagel zusammenkamen.

8. August 1917: Kostenvoranschlag der Firma F.W. Schwarz in Überlingen über 338,50 Mark für die Lieferung von Ersatzpfeifen für beschlagnahmte Zinnpfeifen.

10. Oktober 1928: Kostenvoranschlag von Schwarz für Ersatz der billigen Kriegspfeifen.

September 1944: Erneute Ablieferung von Zinn-Orgelpfeifen für Kriegszwecke.

17. Februar 1960: Kostenvoranschlag über 4565 DM durch die Firma Gebr. Späth für Instandsetzung der Orgel mit Versetzung des Spieltischs und Umdisposition von sechs Registern. Umbau im Juli fertig.

1976 – 1978: Kirchenerweiterung bedingt vorübergehenden Ausbau der Orgel. Einbau lt. Kirchenführer in einem auf das Original zurückgeführten Zustand mit 26 (?) Registern auf zwei Manualen.

Nach 1983: Restaurierung und Erweiterung um ein drittes Manual.

gwm aus dem Crofft in den Highlands

hierzu Kommentare:
Hallo Herr Walcker, das „Anti-Wacker Gebilde“ in Pfaffenweiler hat die Fa. H. Weber aus Engerazhofen 1998 gebaut. Ebenso wurden Pedal 4′ sowie die beiden Ped. Zungen und der Geigenprinzipal neu gebaut. Aeoline, Mixtur und Oktavbass 8 sind aus Lagerbeständen zusammengesucht. OSV war Hans Musch aus Freiburg. Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen der Erzd. Freiburg Heft 43, Juli 1999 Unglaublich, dass man noch 1998 meinte eine für ihre Zeit an sich perfekte Orgel „verbessern“ zu müssen. Wo war das Denkmalamt? Muss man das verstehen? Beste Grüße P. – Ich meine nein! – es ist einfach unverständlich, wenn man nahezu „stilreine“ Instrumente mit einem solchen Zuckerguss an wesensfremden Elementen aufmischt, dann zerstört man eine tadellose historische Zusammenhängigkeit auf Kosten schnelllebiger Effekte – ewig gestrige Geistlosigkeit. gwm

Sehr geehrter Herr Walcker
Sie haben ja einen wirklich staunenswerten Internetauftritt, eine sehr interessante Reise durch Orgelwelten! Den Blog mit der Orgel von Pfaffenweiler habe ich zwischenzeitlich auch aufgetan.
Eine Information kann ich noch nachreichen: Die Sanierung und Rückführung in den Originalzustand 1978 wurde ebenfalls durch die Gebr. Späth durchgeführt, welche die Orgel mit II/17 angeben:
http://www.freiburgerorgelbau.de/restaurationen.php?restaurationen=1
Das würde die Vermutung bestätigen, daß bei der jüngsten Ergänzung nicht nur das dritte Manual zugefügt, sondern auch das Pedal erweitert wurde: Eine Trompete 8′ (keine Transmission) dünkt mich für eine Kegelladen-Landorgel für eine einst eher kleinere Kirche nämlich ebensowenig original wie eine Oktav 4′ im Pedal.
An dem „unwalckerischen“ Zusatzmanual lassen Sie ja kein gutes Haar. Bei mir schlagen da zwei Seelen in der Brust: Der Freund möglichst authentisch erhaltener romantischer Orgeln gibt Ihnen vollkommen recht, der (nebenberufliche) Organist ist für das seltsame Einsprengsel wiederum nicht ganz undankbar. Allerdings ist die Clarinette fürchterlich penetrant intoniert. Eine durchschlagende Zunge hätte ich, wenn schon Erweiterung, für reizvoller erachtet … aber wahrscheinlich wollte man der Orgel ein paar „barocke“ Töne einhauchen, ohne zu sehr in die Substanz einzugreifen. Leider war bisher nirgends zu erfahren, wer20dafür verantwortlich zeichnete.
Angespornt durch die ganze Angelegenheit werde ich morgen einen Ausflug nach Simonswald zu einer Walcker- und einer Kiene-Orgel unternehmen, zur Walcker-Orgel kann ich Ihnen gerne wieder Infos und Bilder schicken … AS

Die Pierre Schyven-Orgel in der Catedral von San José, Bj.1890

Sonntag, Januar 25th, 2009

Diese dreimanualige Orgel aus dem Hause Pierre Schyven & Cie ist die klangschönste Orgel in Costa Rica.
Das Instrument wurde 1889 gebaut, wahrscheinlich 1890/91 installiert und mehrfach restauriert. So in jedem Fall von Juan Bansbach ab den 1930er Jahren und war dann von ihm in ständiger Wartung. Wir hatten einen Orgelbauer zu Gast der davon sprach, dass man jeden Monat zur Regulierung in die ORgel ging. Nun zuletzt etwa 1998 und dabei mit zwei neuen Zungenregistern aus den USA bestückt, die in der Tat sehr klangschöne Register darstellen. Das Instrument selbst bereitet durch die Vielzahl an Transmissionen verschiedene Probleme. Ein Hauptproblem ist die schwierige Stimmbarkeit der Orgel, was durch die Pfeifenstellungen (alle Ton-Noten sind gebündelt, so dass also die kleinsten Pfeifen neben den größten stehen: C, c, c‘,c“, c“‘) Ein weiteres Problem ist, dass man an entscheidende Regulierstellen hinter den Barkern nicht mehr hinkommt. (teilweise ersichtlich aus den Fotos)

Hier nun erstmals der Kostenvoranschlag von Schyven in französischer Sprache auf drei Blatt:
schyvn.JPG schyvn0001.JPG schyvn0002.JPG

Nachfolgend eine bereinigte Disposition, wo die Erweiterungen /Transmissionen ersichtlich sind:
I.Manual Grand orgue C-g“’= 56 Tasten
1 Bourdon 16′
2 Gambe 16′ C-H aus 1)
3 Montre 8′
4 Salicional 8′
Viola d. Gamba 8′ aus 2) 12 eigene Pfeifen
Prestant 4′ aus 3) 12 eigene Pfeifen
5 Flûte 4′
6 Doublette 2′
7 Fourniture 3f. 2 2/3′
8 Bombarde 16′
Trompetta 8′ aus 8.) 12 eigene Pfeifen
Clairon 4′ aus 8.) 12 eigene Pfeifen

II.Manual Positiv
10 Diapason 8′
11 Flúte 8′
12 Gemshorn Dolce 8′
Octave 4′ aus 10) 12 eigene Pfeifen
Flûte 4′
Doublette 2′ aus 10) 12 eigene Pfeifen
13 Cor anglais 8′ durchschlagend
14 Clarinette 8′ neue Pfeifen USA

III.Manual Récit
15 Bourdon 16′
16 Flúte 8′
Bourdon 8′ aus 15) 12 eigene Pfeifen
17 Dolciana 8′
18 Voix-Celeste 8′
Flûte 4′ aus 16) 12 eigene Pfeifen
Dolce 4′ aus 17) 12 eigene Pfeifen
Flageolet 2′ aus 16) 12 eigene Pfeifen
19 Trompette harmon. 8′
20 Basson hautbois 8′ neue Pfeifen USA
21 Voix humaine 8′

Pedal C-f‘ = 30 Töne
22 Contrebasse 16′
23 Octavbasse 8′
24 Flûte 4′
25 Bombarde 16′
Trompete 8′ aus 25) 12 eigene Pfeifen
Clairon 4′ aus 25) 12 eigene Pfeifen

Appels
O Donner (die Töne C,Cs,D,Ds und E im Pedal werden gleichzeitg gedrückt)
TGO I / Pedal
TP II / Pedal
TR III / Pedal
GO Flauteria I.Manual, schaltet Labiale ein
PGO II / I
RGO III / I
AGO Lengüetas I.Man, schaltet die Zungen im I.Man ein
AR Lengüetas II.Man, schaltet die Zungen im II.Man ein
APO Lengütas Pedal
FG Lengütas III / I
T Tremolo III

Die Catedral Metropolitana ist mitten im Zentrum von San José und wurde 1871 im griechisch-orthodoxen Stil errichtet. Die Vorgänger-Kathedrale wurde bei Erdbeben zerstört. Darin soll eine Aristide Cavaillé-Coll Orgel gewesen sein. Das von Eusebio Rodriguez errichtete Gebäude enthält auch barocke Stilelemente. Die geradlinige Fassade wird von Bögen mit dorischen Säulen gestützt und von einem neoklassizistischen Giebel mit Spitztürmchen gekrönt. Das gesamte Mittelschiff wird von einer gewölbten Decke überspannt, das von zwei Reihen kannelierter Säulen getragen wird. Der Boden ist mit exquisiten Fliesen im Kolonialstil belegt und wird täglich (lautstark) geschrubbt. Schöne Buntglasfenster mit biblischen Motiven (fast alle aus Deutschland) erzeugen eine wundervolle Atmosphäre. Zu verdanken ist die Pracht in der Kirche und auch die Orgel, sowie viel Orgelleben in Costa Rica auch an anderer Stelle, dem deutschstämmigen Bischof Monsenore Bernardo Augusto Thiel (1850-1901), der in der Kathedrale begraben liegt.

die säulengeschmückte Fassade der Catedral Metropolitana

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Bilder von und in der Orgel:

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ein 35cm breiter Stimmgang !! (links=Récit, rechts=Grand orgue, vor uns das Positiv)
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Mechanik des Pedal
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doppelte Traktur des HW : links das Labialwerk, vom Wellenbrett geht es gerade weiter zum Ventil, rechts Winkel zum Zungenwerk
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Windlade des Hauptwerk – labiale Seite
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Spieltisch, Pedalkoppelmechanik, darunter die Tritte der Appels
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Ledermuttern mit Holz-Röhrchen zum Regulieren, eine sehr gute Idee!
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die geöffneten Barkerventile
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Regulierstellen hinter den Barkerhebeln, hier werden die Koppeln zum I.Manual und das I.Manual reguliert
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gwm 25.01.09

Die Walcker-Orgel Opus 3051 in Guadalupe-San José

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Gebaut 1952 mit 20 Register auf elektropneumatische Kegelladen in die Kath. Kirche Ntra. Sra. de Guadalupe stellt diese Orgel ein ganz interessanten Typ dar, der mit 12 Achtfüssern kaum davon eine Ahnung hinterlässt, dass es gerade in Germanien sehr neobarock zugeht.
Diese Orgel die momentan unten neben dem Altar steht, soll noch dieses Jahr auf eine eigene Empore auf die Westempore gesetzt werden, wozu ich nachfolgende kleine Grafik erstellt habe:

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Die Dispo, vom Spieltisch abgeschrieben, liest sich also sehr Spät-Romantico:

Pedal C-f’ = 30 notes
1. Subbaß 16’
2. Contrabajo 8’
3. Flauta bajo 8’
4. Coral bajo 4’
5. Bombarde 16’
6. I / Ped
7. II / Ped

I.Manual C-g´´´= 56 notes
8. Bordon 8’
9. Principal 8’
10. Flauta 8’
11. Octaviante 4’
12. Quinta 2 2/3
13. Flautino 2’
14. Lleno 4-5h
15. Trompet 8’
16. II/I

17. Sub II/I
18. Super II/I
19. Sub II
20. Super II

II.Manual im Schweller
21. Geigenprincipal 8’
22. Tapado 8’
23. Viola 8’
24. Unda maris 8’
25. Ital. Principal 4’
26. Super Octaviante 2’
27. Oboe 8’
28. Tremolo

Tutti
Crescendo
2 combinationes libres
14 V =

Ja, man war sogar so s p ä t in seiner Romantik vernarrt, dass man wie auf folgenden Bildern ersichtlich ist, die einzige Mixtur radikal aus den Pfeifenstöcken rausgeworfen hat:
30515.jpg 30517.jpg 30516.jpg 30514.jpg

und hier noch zwei Bilder vom Inneren unter den Laden:

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gwm 21.01.09

von Mahrenholz -und Jahnn-Mensuren

Sonntag, März 9th, 2008

Kein Mensch weiß mehr, wie es zu den Mensurenbezeichnungen bei Walcker um 1925-1940 kam, als man Mahrenholz, Jahnn und Walcker- Bezeichnungen miteinander in den Büchern vermischte. Dies wird auch wahrscheinlich kaum noch auffindbar sein.
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Aber anhand der Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum wäre zumindest denkbar, dass man hier einige der Schemata anhand vorhandenen Pfeifenmaterials wieder rekonstruieren kann und mindestens eindeutige Bezeichnungen aus dem Opusbuch mit bestehendem Pfeifenmaterial in Einklang bringen kann. Dieses Ziel haben wir uns gesetzt.
Ein erster Schritt ist die hier veröffentlichte Mensurliste, wo es nur so von Mahrenholz- und Jahnn-Mensuren wimmelt.

Diese Liste wird mit tatsächlichen Werten in mm und Audiofiles erweitert.

bukarestmensuren.pdf

Interessante Prinzipalstruktur für alle, die solche Mensurblätter von Walcker zum ersten Mal lesen. Betrachten Sie den Principal 8 des HW der ab c eine sogenannte D-Mensur hat (c=88mm im Licht); nun sehe man auf den Octav 4′, der E-Mensur hat (also zwei HT enger ist) und betrachte man die Superoctav 2, sie hat natürlich Fs-Mensur (also wieder zwei HT enger). Und nun kann man schliessen, dass die Mixtur (ohne Mahrenholz oder Jahnn) der Regel nach Gs-Mensur hat. In Ausnahmefällen wurden Mixturen aber auch ein, zwei HT weiter als der 2′ gemacht, aber immer enger als der 4′.
Dieser Mensuraufbau der Principale war bei Walcker ab Orgelbewegung durchaus Usus, und zwar grundsätzlich auch bei der Nachkriegszeit, wo alle Mensuren sehr schematisch von Karl Bauer nach diesem Schema abgehandelt wurden.
(gwm) 9/3/08

Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
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Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
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Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

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Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)

neue Orgel nach EFW -Dispositionsvorschlag-

Samstag, April 28th, 2007

Seit einigen Tagen diskutieren wir den nachfolgenden Dispositionsvorschlag mit einigen Freunden sehr kontrovers. Es geht natürlich darum mit möglichst wenig Geld, ein möglichst authentisches Ergebnis zu erzielen. Dabei spielt der Gedanke für neue schöpferisches Orgelschaffen und die Verwendung heutiger Technik ebenso eine entscheidende Rolle, wie der, ist es überhaupt heute sinnvoll, solche Dispostionen einzubringen? Haben solche Orgeln Existenzberechtigung?
Der hier eingebrachte Vorschlag ist vom finanziellen her die absolute Maximallösung. Also Vorschläge, wie man einsparen kann, sind immer willkommen. Wohin gegen das ersatzlose „Aufrüsten“ keine Chance hat, als Verbesserung ins Konzept einzufliessen.

gwm

wunschdispo02.pdf