Archive for the ‘Costa Rica’ Category

Elektropneumatische Kegelladen bei Walcker 1957

Montag, Juni 8th, 2015

Walcker hat bis in die 60er Jahre Kegelladen nach Mittel-und Südamerika gebaut. Dieses System hat bei den 8 Vertretern in den Ländern Lateinamerikas weitaus mehr Vertrauen besessen, als die in Europa längst wieder gängigen Schleifladenkonstruktionen.
Grundsätzlich ist der Aufbau bei elektropneumatischen Kegelladen wie auf der hier von Laukhuff erstellten Zeichnung.

cartago07_013

In einem wesentlichen Punkt aber weicht Walcker (und viele andere Orgelbauer) von dieser Konzeption ab: der Hebel- oder Wippmagnet steuert nicht direkt das Relais-Ventil sondern eine Membrane, die mehr Kraft hat, um das Relaisventil zuverlässig zu heben. Der komplette Relais-Satz sieht aus wie auf diesem Foto aus unserer Arbeit in Cartago, Costa Rica:

cartago07_009

Damit hat man zwar eine zuverlässigere Lösung, aber auch ein Element mehr, das beim Verfallen weitere Störungen mit sich bringen kann.
Die Relais sind wie auf diesem Foto gezeigt wird gestaltet. Wir sehen eine Pappscheibe, die mit einer Lederscheibe abdichtet und durch zwei Metallstifte geführt wird. Der Gang (Reise) dieses Ventil beträgt exakt 2,5mm.

Mit einer Holzabstrakte wird die Einhaltung dieses wichtigen Maßes gewährleistet. Um späteres Verregulieren von unten her, bei der Auflage des Relaisdrahtes über einen befilzten Holzwürtel auf der Membrane zu verhindern, wird auf den Draht ein Tropfen Haut-oder Knochenleim eingelassen.

cartago07_011.

Das gesamte Relais der Cs-Seite des I.Manuals sieht dann folgendermaßen aus:

cartago07_010

Die Einschaltung der Register wird auf vergleichbare Weise gestaltet. Hier haben wir ja bei den Schleifladenorgeln, die weitaus weniger Wind verbrauchen als Kegelladen, viel größere Magnete. Obwohl bei den Kegelladen ein viel größerer Windverbrauch wegen ihrer dispositionellen Orientierung an Orgelromantik und Orgelbewegung.
Hingegen hat man bei elektrisch gesteuerten Schleifladen einen viel größeren Stromverbrauch, auch eine weitaus kompliziertere Elektronik, die diesen Stromverbrauch reguliert.
Bei der elektrisch gesteuerten Kegellade öffnet ein Hebelmagnet ein Ventil, welches Wind zur Membrane führt. Diese Membrane wiederum öffnet ein kleines Ventil das ein großes Balgventil öffnet und die Registerkanzelle unter Wind setzt. Bei der Kegellade handelt es sich um das sicherste Registerkanzellensystem überhaupt. Allerdings ist es mit dem Nachteil behaftet auch das lauteste System zu sein. Denn alle Kegel werden bei Betätigung des entsprechenden Tones bewegt, egal welche Register gezogen sind, während bei Taschenladen nur die Taschen bewegt werden, deren Register eingeschaltet sind. Das laute Klappern von Kegeln beim Spielen einer Dolce oder Unda maris kann ein echter Totschläger sein, und da lob ich mir die Taschenlade.

Hebelmagnetsteuerung von Walcker:

Register_Relais

Der Vorteil von diesen elektrisch gesteuerten Kegelladen gegenüber Auslasssystemen ist, dass ein totes Bälgchen oder Membran keinen Heuler verursacht, wie bei Ausstromsystemen – das beruhigt – besonders in Lateinamerika.

07.06.2015 gewalcker@t-online.de

Windanlage Cartago

Sonntag, Mai 31st, 2015

Bei dieser Orgel, deren Restaurierung wir am 18.Mai 2015 begonnen haben, handelt es sich um eine Walcker-Orgel, Opus 3589, Bj. 1957, III/31.
Weitere Details werden im Zuge unserer Berichte auf dieser Blogseite mitgeteilt werden.
Wir beginnen also mit der Windanlage dieser Orgel, die aus 5 Schwimmerbälgen besteht, die mit Galgenventilen regulieren. Die Kondukten sind aus Pappe hergestellt, die mit Lederpuffern an den Kegelwindladen oder Weiterführungen befestigt wurden, damit bei kleineren Erderschütterungen keine Zerstörungen der Anschlüsse auftreten können. Das hat auch gut funktioniert. Im Moment sind fast alle Lederpuffer undicht und müssen neu beledert werden.
Es handelt sich hier in Cartago um ein elektropneumatisches Kegelladensystem, das ebenfalls gut funktionierte. Allerdings stand die Orgel rund 30-40 cm unter Wasser, was Probleme in der Schwachstromelektrik und bei allen Dichtungen verursachte.
Die Windladen wie alle Holzteile sind aus massiver Eiche gefertigt, was es überhaupt nach solchen Eingriffen von Natur und Mensch erst ermöglichte, diese Orgel wieder herzurichten.

Hier zunächst einmal ein Beispiel von Windanschlüssen mit zwei Puffern am Motorbalg:
cartago_310515_02
Die in diesem Fall viel zu dünne Belederung der Puffer wurde einfach mit einem Gummituch überklebt. Ab dieser Stelle war der Winddruck dann gleich einmal für die ganze Orgel viel zu niedrig.

Ein weiteres Beispiel zeigt die fehlerhafte Anwendung von Membranen. Auf diesem Foto wird das Relais des I.Manuals gezeigt, das im Laufe der Jahre mit immer groteskeren Membranen garniert wurde. Viel zu kleine Membranen, oder rechts, wo das halbe Windloch zugeleimt wurde etc. :
cartago_310515_04

Und nun zwei positive Beispiele. Diese Orgel ist praktisch nur deswegen restaurierbar, weil die Qualität der Materialien hervorragend ist. Wir haben es in allen Teilen mit bestem Eichenholz zu tun, das auf einfachste Weise gereinigt und mit Öl-Terpentinbalsam wieder hergerichtet werden kann. Das gibt dem Holz auch einen gewissen Schutz vor der enormen Luftfeuchte, die hier in der Regel um 70-90% liegt:
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und hier Beispiel einer Stock-Metamorphose:
cartago_310515_03

Cartago, 31.05.15 gewalcker@t-online.de

Die Spieltraktur der Schyven-Orgel in San José

Sonntag, August 9th, 2009

Keine Orgelsubstanz hat derartig unter fehlerhafter Behandlung gelitten, als die Traktur dieser Orgel.
Die Mängel, die sich hier wahrscheinlich in den letzten 50 Jahren sehr drastisch eingeschlichen haben, sind auch beileibe noch nicht restlos behoben.
Darum, und weil interessierte Leute an eine fachgerechte Wartung in Zukunft denken wollen, habe ich einmal das Traktursystem, speziell das der Manualtrakturen, hier in Form eines Schemas aufskizziert:
trakturschema.jpg
Dieses Bild gibt es als hochauflösende Vektorzeichnung in PDF-Format mit nur wenigen kbytes hier: schema_schyven.pdf.
Für das Verständnis der nachfolgenden, beschrifteten Fotos ist dieses vorangegangene Schema erforderlich.
Einige Rückfragen interessierter Laien haben zum Ausdruck gebracht, dass man die Funktion der Barkerhebel nicht ganz verstanden hat.
Ich nehme an, dass man an diesem oberen Schema die Sache etwas genauer sieht: der Barkerhebel wird durch die Tasten des I.Manuals angesteuert, ein kleines Ventil unterhalb des Barkerbalges öffnet den Windzufluss und der Balg hebt die Traktur auf der anderen Seite an. Dort befinden sich im unteren Bereich drei Wippenbalken. Einer davon ist fest und bewegt die Traktur des Hauptwerks (hier das Grand Orgue).
Zwei weitere Wippenbalken sind beweglich und werden mit den Tritten III/I oder II/I ein-ausgeschaltet. Diese beiden Wippen sind in die Trakturen des III. und II. Manuals eingelassen. Und dies ist eigentlich die grandiose Erfindung des Aristide Cavaillé-Coll, nämlich das komplette Manualwerk über die Barker recht leichtgängig zu bewegen.
Hier ein Bild der Barkermaschinerie mit Ansicht auf die Traktur des I.Manuals die von den Tasten kommt.
01_barker_go.jpg

In dem nachfolgenden Foto ist die andere Seite dieser Barkermaschine, wo die Kraft umgesetzt wird, mit Ventil, Hebel und Mechaniken erkennbar, die von dem Barker bewegt werden:

05_barker_vertikal1.jpg

Sehr interessant ist auch die Ausführung der zwei Trakturen des Hauptwerks, zu Zungenwerk und Labialwerk, was im nachfolgenden Bild gezeigt wird:
03_go.jpg

Eine „drastische Trakturführung“ gibt es zum II.Manual, das recht schwierig in meinem Schema zu zeigen war (bitte beachten, dass alle Windladen auf gleicher Höhe liegen, nur wegen der Übersichtlichkeit wurde das Positif etwas höher einskizziert)
Es geht dort nämlich zunächst horizontal, dann vertikal, nun horizontal, dann biegt die Traktur nach rechts ab, um mit Winkeln nun wieder vertikal aufzusteigen.
Diese Trakturführung hat ihren Preis: 300g Minimum per Taste! Was einem Guy Whatley ein müdes Lächeln abgewann. Er hat hier die schönsten Triller und Repetitionen wie eine Eiskünstläuferin zelebriert – und hoffen wir, dass er dies morgen bei der Inauguration der Schyven-Orgel, die rund 15 Jahre unspielbar war, ebenso wie beim practising gestern und heute, der versammelten Orgelgemeinde zeigen kann.
04_go.jpg

gwm ( am Ende eines arbeitsreichen und stressreichen Samstags, dem letzten Tag vor der Wiedereinführung dieser Orgel von einem absolut professionalen Organisten)

Die Transmissionen in der mech.Schleifladenorgel von Schyven

Mittwoch, August 5th, 2009

Ich kenne keine mech. Schleifladenorgel in der so viele Transmissionen realisiert wurden, wie hier in der Schyven-Orgel in San José /Costa Rica. Die dadurch ein mannigfaltiges Spektrum an Registern vorweisen kann – ein Register mehr, mit 12 Pfeifen, das ist doch eine gute, ökonomische Sache – doch soll man sich nicht schnell täuschen lassen.
Ein Beispiel – und hier bleiben wir gleich mit allen weiteren Erklärungen und Fotos, stellt die Trompete 8′, C-g“‘ = 56 Pfeifen, es gesellt sich eine Bombarde 16′ dazu mit CC-HH, also 12 Mehrpfeifen im Bass und ein Clairon mit 12 Mehrpfeifen im Diskant. Das Ganze kostet uns ein wenig vermehrten Fräsaufwand in den Stöcken und eine seltsame Pfeifenaufstellung.
Bei dem System von Schyven müssen „nur“ alle gleichnamigen Töne zusammen stehen, damit man die Fräsungen zu den drei Schleifen gut verteilen kann, wie die unteren Fotos zeigen.
Bezahlt wird der ganze Spaß am Ende damit, dass die Orgel von Ausnahme der Zungen praktisch unstimmbar ist. Denn es fehlen die Stimmgänge in der Mitte oder an der Seite die erforderlich wären, um beispielsweise an das c3 des Montre 8′ zu gelangen, das mehr oder weniger direkt neben dem C steht.
Ein weiteres Problem ist, wenn sehr kleine Pfeifen in der Nähe der großen Bohrungen von Baßpfeifen stehen – und keine Schleifendichtungen eingebaut sind – ist der Umstand, dass durch die eingelassenen spanischen Reiter viel Wind zu diesen kleinen Pfeifen gelangen kann – und so Zwischentöne erschallen, die alles andere als schön sind.

Hier also nun erstmal der geöffnete Stock der Zungen aus dem Hauptwerk der Schyven-Orgel. Die Koordinaten sind klar erkennbar: horizontal verlaufen die Schleifen, vertikal sind die Tonkanzellen:
stock.jpg

Am nachfolgenden Bild zeige ich die Schleifen die deckungsgleich zu dem oberen Bild des Stockes liegen. Erkennbar die Span. Reiter. Geöffnet ist die Schleife des Clairon 4′:
schleifen.jpg

Und hier noch ein Detail, das di Rückschlagventile dieses Systems etwas genauer zeigen.
ruckschlagventile.jpg

Resümee: Was würde man als Orgelbauer besser machen, oder auch nur besser einschätzen, nachdem man unter einem solchen Instrument gearbeitet und gelitten hat? Das war eigentlich meine hauptsächliche Intention, das Thema Transmissionen bei Schleifladen, anzusprechen. Ich meine, die besten Lösungen für Transmissionen finden wir bei Kegelladen mit Bälgchen, wo der Kegel, welcher den Wind zur Pfeife steuert, mit bis zu zwei Bälgchen angesteuert werden kann. Schon wesentlich schlechter lässt sich das mit Taschenladen realisieren, wo zwei unterschiedliche Taschen den Wind zur Pfeife steuern und die Pfeife dadurch unterschiedlich angeblasen wird. Außerdem sind auch hier immer Probleme an den Rückschlagventilen zu erwarten. Ganz schlecht aber sind Transmissionen in Schleifladen. Weil sich die kleinen Rückschlagventile und das Tonkanzellenwindsystem sich absolut nicht dafür eignen.
Es ist zwar ganz toll, eine richtige Zungenbatterie mit nur 24 Mehrpfeifen verwirklicht zu haben, und Schyven hat das ja auch bei den Prinzipalen und Flöten gemacht, aber dass die Pflegemöglichkeit der Orgel dadurch minimiert wird, ist ein echter Mangel.
Die Rückschlagventile habenm wir etwas besser hinbekommen, indem man Bleiplättchen auf das Leder geleimt hatte, aber das grundsätzliche Problem der Un-Stimmbarkeit dieser Orgel konnten wir natürlich nicht lösen.

gwm (am Abend nach Ausräumen erheblichen Pfeifenwerks, um das Instrument halbswegs temperiert zu bekommen)

Die Walcker-Orgel Op. 2090 in Dolorosa/San José

Sonntag, August 2nd, 2009

Diese Orgel steht mitten im Zentrum der Hauptstadt Costa Ricas, in San José, und ist nach Aussagen eines Freundes seit mehr als 40 Jahren unspielbar. Die Kirche jedoch macht einen solchen überzeugenden Eindruck, dass man nicht ganz versteht, warum das so sein – und vor allem bleiben sollte.

Kirche Santa Dolorosa in San José (alle Bilder 31.07.2009 – gwm)
kirche.jpg

Interessant an dieser Orgel, gebaut im Jahre 1925 unter Oscar Walcker, als längst die Orgelbewegung ihre ersten Gestaltungen erzeugte, ist der Umstand, dass wir es hier mit einer klassischen mechanischen Kegellade zu tun haben, die zweifellos nicht den Orgelalltag der Firma Walcker mehr ausfüllte.
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Innenansichten der Walckerschen Kegellade aus 1925
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Die Disposition dieser Orgel ist schnell erzählt, wobei man nicht weiß, wie es zu dieser seltsamen Bombarde 16′, die im Pedal mit aussergewöhnlichem Porcellanschild erscheint, gekommen ist:
Manual C-g“‘
1 Principal 8′
2 Slicional 8′
3 Flöte 8′
4 Voz celeste 8′

Pedal C-f‘
5 Subbaß 16′
6 Bourdon 8′
7 Octav 4′
8 Bombarde 16′

Hier nun sehen wir den Orgelkasten mit seitlich angebauten Spielschrank:

organo01.jpg organo02.jpg

Und hier etwas, das mir durchaus nicht einleuchten wollte. Es war auf der Orgelempore so dunkel, dass ich es zuerst auch nicht bemerkte. Es gibt nämlich unter Fachleuten die gute und richtige Auffassung, dass der hier in Costa Rica tätige Schädling „Comejechen“ sich niemals in gute deutsche Eiche verbeist. Hier aber schien er es getan zu haben. Aber an dem Foto konnte man später rasch erkennen, dass es nur Eiche Furnier war, durch das sich der Schädling nicht blöffen lies:
organo03.jpg

Und dann kommt natürlich noch das erhabene Gefühl auf, in einen überaus ästhetischen Rausch geraten zu sein, wenn man die in die Linsenen eingelassenen Leuchtstoffröhren sieht und aufleuchten lassen kann. Wenn man außerdem den mit emaillierter Heizkörperfarbe behandelten Pfeifen ins Angesicht blicken kann…., GottseiDank hat man sich im Orgelinneren Askese aufgelegt. Nun leider konnten wir das Pfeifenwerk nicht in Augenschein nehmen – auch hier ein herzliches VergeltsGott, denn wir wissen wohl, welche Prüfungen einem da leicht auferlegt werden können.
organo07.jpg

gwm (am Samstagabend im Hexenkessel der Stadt)

Die Pierre Schyven-Orgel in der Catedral von San José, Bj.1890

Sonntag, Januar 25th, 2009

Diese dreimanualige Orgel aus dem Hause Pierre Schyven & Cie ist die klangschönste Orgel in Costa Rica.
Das Instrument wurde 1889 gebaut, wahrscheinlich 1890/91 installiert und mehrfach restauriert. So in jedem Fall von Juan Bansbach ab den 1930er Jahren und war dann von ihm in ständiger Wartung. Wir hatten einen Orgelbauer zu Gast der davon sprach, dass man jeden Monat zur Regulierung in die ORgel ging. Nun zuletzt etwa 1998 und dabei mit zwei neuen Zungenregistern aus den USA bestückt, die in der Tat sehr klangschöne Register darstellen. Das Instrument selbst bereitet durch die Vielzahl an Transmissionen verschiedene Probleme. Ein Hauptproblem ist die schwierige Stimmbarkeit der Orgel, was durch die Pfeifenstellungen (alle Ton-Noten sind gebündelt, so dass also die kleinsten Pfeifen neben den größten stehen: C, c, c‘,c“, c“‘) Ein weiteres Problem ist, dass man an entscheidende Regulierstellen hinter den Barkern nicht mehr hinkommt. (teilweise ersichtlich aus den Fotos)

Hier nun erstmals der Kostenvoranschlag von Schyven in französischer Sprache auf drei Blatt:
schyvn.JPG schyvn0001.JPG schyvn0002.JPG

Nachfolgend eine bereinigte Disposition, wo die Erweiterungen /Transmissionen ersichtlich sind:
I.Manual Grand orgue C-g“’= 56 Tasten
1 Bourdon 16′
2 Gambe 16′ C-H aus 1)
3 Montre 8′
4 Salicional 8′
Viola d. Gamba 8′ aus 2) 12 eigene Pfeifen
Prestant 4′ aus 3) 12 eigene Pfeifen
5 Flûte 4′
6 Doublette 2′
7 Fourniture 3f. 2 2/3′
8 Bombarde 16′
Trompetta 8′ aus 8.) 12 eigene Pfeifen
Clairon 4′ aus 8.) 12 eigene Pfeifen

II.Manual Positiv
10 Diapason 8′
11 Flúte 8′
12 Gemshorn Dolce 8′
Octave 4′ aus 10) 12 eigene Pfeifen
Flûte 4′
Doublette 2′ aus 10) 12 eigene Pfeifen
13 Cor anglais 8′ durchschlagend
14 Clarinette 8′ neue Pfeifen USA

III.Manual Récit
15 Bourdon 16′
16 Flúte 8′
Bourdon 8′ aus 15) 12 eigene Pfeifen
17 Dolciana 8′
18 Voix-Celeste 8′
Flûte 4′ aus 16) 12 eigene Pfeifen
Dolce 4′ aus 17) 12 eigene Pfeifen
Flageolet 2′ aus 16) 12 eigene Pfeifen
19 Trompette harmon. 8′
20 Basson hautbois 8′ neue Pfeifen USA
21 Voix humaine 8′

Pedal C-f‘ = 30 Töne
22 Contrebasse 16′
23 Octavbasse 8′
24 Flûte 4′
25 Bombarde 16′
Trompete 8′ aus 25) 12 eigene Pfeifen
Clairon 4′ aus 25) 12 eigene Pfeifen

Appels
O Donner (die Töne C,Cs,D,Ds und E im Pedal werden gleichzeitg gedrückt)
TGO I / Pedal
TP II / Pedal
TR III / Pedal
GO Flauteria I.Manual, schaltet Labiale ein
PGO II / I
RGO III / I
AGO Lengüetas I.Man, schaltet die Zungen im I.Man ein
AR Lengüetas II.Man, schaltet die Zungen im II.Man ein
APO Lengütas Pedal
FG Lengütas III / I
T Tremolo III

Die Catedral Metropolitana ist mitten im Zentrum von San José und wurde 1871 im griechisch-orthodoxen Stil errichtet. Die Vorgänger-Kathedrale wurde bei Erdbeben zerstört. Darin soll eine Aristide Cavaillé-Coll Orgel gewesen sein. Das von Eusebio Rodriguez errichtete Gebäude enthält auch barocke Stilelemente. Die geradlinige Fassade wird von Bögen mit dorischen Säulen gestützt und von einem neoklassizistischen Giebel mit Spitztürmchen gekrönt. Das gesamte Mittelschiff wird von einer gewölbten Decke überspannt, das von zwei Reihen kannelierter Säulen getragen wird. Der Boden ist mit exquisiten Fliesen im Kolonialstil belegt und wird täglich (lautstark) geschrubbt. Schöne Buntglasfenster mit biblischen Motiven (fast alle aus Deutschland) erzeugen eine wundervolle Atmosphäre. Zu verdanken ist die Pracht in der Kirche und auch die Orgel, sowie viel Orgelleben in Costa Rica auch an anderer Stelle, dem deutschstämmigen Bischof Monsenore Bernardo Augusto Thiel (1850-1901), der in der Kathedrale begraben liegt.

die säulengeschmückte Fassade der Catedral Metropolitana

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Bilder von und in der Orgel:

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ein 35cm breiter Stimmgang !! (links=Récit, rechts=Grand orgue, vor uns das Positiv)
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Mechanik des Pedal
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doppelte Traktur des HW : links das Labialwerk, vom Wellenbrett geht es gerade weiter zum Ventil, rechts Winkel zum Zungenwerk
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Windlade des Hauptwerk – labiale Seite
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Spieltisch, Pedalkoppelmechanik, darunter die Tritte der Appels
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Ledermuttern mit Holz-Röhrchen zum Regulieren, eine sehr gute Idee!
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die geöffneten Barkerventile
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Regulierstellen hinter den Barkerhebeln, hier werden die Koppeln zum I.Manual und das I.Manual reguliert
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gwm 25.01.09

Die Walcker-Orgel Opus 3589 in Cartago, Basilika, Bj 1956, 31 Register

Samstag, Januar 24th, 2009

Diese Orgel ist die größte Walcker-Orgel in Costa Rica. Sie ist nach einer Reparatur von mir im Jahre 2007 teilweise spielbar.
Es handelt sich hier um eine Orgel mit elektropneumtischer Kegellade. Vor etwa 20 Jahren stand das Instrument nach Regen rund einen halben Meter unter Wasser, das hat den Kegel-Membranen den Rest gegeben. Aber bemerkenswert, auch diese Orgel ist komplett in Eiche gefertigt, weswegen kein Comejechen-Befall festgestellt wurde, und der Wasserschaden nicht grundsätzliche Zerstörung bewirken konnte, was man auf verschiedenen Bildern sehen kann. Daher kann nur ein Credo für südamerikanische Orgeln sein: Eiche, Eiche und nochmals Eiche!
Momentan wird diese Orgel teilweise im Gottesdienst eingesetzt, was aber durch erheblichen Schaden im Pfeifenwerk und Verstimmungen keinen angenehmen Eindruck hinterlässt.
Diese Kirche ist die berühmteste Kirche in Costa Rica. Hier werden jährlich im August über 3 Millionen Pilger aus ganz Amerika erwartet. Das Gebäude hat eine herrliche Architektur, sowohl außen wie innen. Sie hat ihren Namen von der Schutzheiligen des Landes. Die Fassade ist mit maurischen Bögen und kannelierten Pilastern und Engeln geschmückt. Das kusntvolle Kirchenschiff (siehe Foto) in Form eines doppelten Kreuzes besteht gänzlich aus Harthölzern (leider nicht wie die Orgel aus Eiche, weswegen dort schon Insektenbefall registriert wurde) und ist mit floralen Motiven bemalt. Parabelförmige Bögen ruhen auf kleeblattbekrönten Holzsäulen.
cartago_basilica01.jpg cartago_basilica02.jpg cartago_basilica03.jpg cartago_basilica05.jpg
Disposition:


I.Manual C-c’’’’ = 61 Töne

1. Principal 16’
2. Diapason 8’
3. Flauta 8’
4. Octava 4’
5. Piccolo 2’
6. Mixtur 4-6fach
7. Trompeta 8’

II.Manual im Schweller
8. Bourdon 16’
9. Flauto chimenea 8’
10. Gamba 8’
11. Principal 4’
12. Tapado 4’
13. Flauta de montana 2’
14. Quinta 1 1/3’
15. Oboe 8’
Tremolo

III.Manual im Schweller
16. Quintadena 16’
17. Corno de noche 8’
18. Viola 8’
19. Voix celeste 8’
20. Koppelflöte 4’
21. Principal 2’
22. Sesquialter 2 fach
23. Vox humana 8’
24. Clarin 4’
25. Campanas 20 notas
Tremolo

Pedal C-f’ =30 Töne
26. Contrabajo 16’
27. Subbajo 16’
28. Flauta bajo 8’
29. Pommer 4’
30. Posaune 16’
31. Trompete 8’

6 Normalkoppeln,
dazu
I Super, III/I Super
III/I SUB, III/II SUB, III SUB
III/II Super, III Super
2FK, P-MF- F-Tutti, Anulator
Crescendowalze und 2 Schwelltritte, Zungeneinzelabsteller

und hier weitere Bilder vom Orgelinneren:
cartago_basilica11.jpg cartago_basilica12.jpg cartago_basilica13.jpg cartago_basilica14.jpg cartago_basilica15.jpg cartago_basilica16.jpg cartago_basilica17.jpg cartago_basilica18.jpg cartago_basilica19.jpg cartago_basilica20.jpg cartago_basilica21.jpg

und hier die legendären Röhrenglocken, hier nennt man sie Campanas, die täglich durch das Kirchenschiff erschallen:
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gwm 24.1.09

Die Walcker-Orgel Opus 3051 in Guadalupe-San José

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Gebaut 1952 mit 20 Register auf elektropneumatische Kegelladen in die Kath. Kirche Ntra. Sra. de Guadalupe stellt diese Orgel ein ganz interessanten Typ dar, der mit 12 Achtfüssern kaum davon eine Ahnung hinterlässt, dass es gerade in Germanien sehr neobarock zugeht.
Diese Orgel die momentan unten neben dem Altar steht, soll noch dieses Jahr auf eine eigene Empore auf die Westempore gesetzt werden, wozu ich nachfolgende kleine Grafik erstellt habe:

30511.jpg

Die Dispo, vom Spieltisch abgeschrieben, liest sich also sehr Spät-Romantico:

Pedal C-f’ = 30 notes
1. Subbaß 16’
2. Contrabajo 8’
3. Flauta bajo 8’
4. Coral bajo 4’
5. Bombarde 16’
6. I / Ped
7. II / Ped

I.Manual C-g´´´= 56 notes
8. Bordon 8’
9. Principal 8’
10. Flauta 8’
11. Octaviante 4’
12. Quinta 2 2/3
13. Flautino 2’
14. Lleno 4-5h
15. Trompet 8’
16. II/I

17. Sub II/I
18. Super II/I
19. Sub II
20. Super II

II.Manual im Schweller
21. Geigenprincipal 8’
22. Tapado 8’
23. Viola 8’
24. Unda maris 8’
25. Ital. Principal 4’
26. Super Octaviante 2’
27. Oboe 8’
28. Tremolo

Tutti
Crescendo
2 combinationes libres
14 V =

Ja, man war sogar so s p ä t in seiner Romantik vernarrt, dass man wie auf folgenden Bildern ersichtlich ist, die einzige Mixtur radikal aus den Pfeifenstöcken rausgeworfen hat:
30515.jpg 30517.jpg 30516.jpg 30514.jpg

und hier noch zwei Bilder vom Inneren unter den Laden:

30518.jpg 30513.jpg

gwm 21.01.09

Die Walcker-Bansbach-Orgel in der Catedral zu Cartago

Sonntag, Dezember 14th, 2008

Diese mechanische Kegelladenorgel ist der Beweis, dass auch unter schlechter Pflege und Missachtung aller erhaltenden Orgelmaßnahmen solche Kegelladen hervorragend funktionieren. Es ist ein kleines Instrument mit zwei Manualen und 9 Registern, dass wahrscheinlich von dem Orgelbauer Bansbach von Walcker in Teilen gekauft wurde und in seiner Werkstatt hier in Costa Rica zusammengebaut und dann in dieser Kirche installiert wurde.
Der Klang ist momentan so, dass nur die Hälfte der Orgel brauchbar ist.
Die Orgel ist mit sehr leichtgängiger Traktur spielbar, stark verschmutzt und der Doppelfaltenbalg ist praktisch außer Funktion (was mit Sicherheit zu den schlecht ansprechenden Subbaßpfeifen führt). Dennoch wird die Orgel fast täglich bei den rund 3 Messen pro Tag gespielt.
Disposition:
I.Manual C-g“‘
1. Principal 8′
2. Lieblich Gedackt 8′
3. Octav 4′
4. Piccolo 2′
II.Manual im Schweller
5. Holzflöte 8′ (unbrauchbar)
6. Undamaris 8′ ab c (unbrauchbar)
7. Rohrflöte 4′
8. Vox humana 8′ (unbrauchbar)
Pedal C-f‘
9. Subbaß 16′ (teils unbrauchbar)

ansicht_kirche.jpg ansicht-kopie.jpg ansicht_mit_organist-kopie.jpg
pfeifen_hw02-kopie.jpg pfeifen_hw-kopie.jpg pfeifen_sw-kopie.jpg subbas-kopie.jpg traktur01-kopie.jpg
traktur02-kopie.jpg

Die spätromantische Juan-Dourte-Orgel in San José aus 1929

Samstag, Dezember 13th, 2008

Dieses Instrument zeichnet sich durch einen wunderschönen Orgelprospekt aus, der in einer prachtvollen, schön restaurierten Kirche seinen Platz hat.
Die Disposition ist nicht der Bauzeit gemäß, aber durchaus in Spanien üblich, typisch spätromantisch. Es ist mir noch nicht ganz klar, ob dieses Instrument vorher rein pneumatisch war und dann in den 60er Jahren auf Elektropneumatik umbgebaut wurde. In jedem Falle aber sind hier Kegelladen, die mit Membranen betrieben wurden.
Das Instrument ist unspielbar und teilweise erheblich von Comjechan befallen.
Hier die Dispo:

I.Manual C-g“‘
1 Gran flautado 16
2 Montre 8
3 Flauta concierto 8
4 Querelofón 8
5 Salicional 8
6 Octava 4
7 Octavin 2
8 Gran Lleno 5hil.
9 Trompeta armònica 8

II.Manual
10 Violón 16
11 Flautado principal 8
12 Viola de Gamba 8
13 Vox celeste 8
14 Violón 8
15 Flauta octaviante 4
16 Clarinete 8
17 Trompeta Real 8
18 Clarin 4
Tremolo

III.Manual
19 Cor de nuit 8
20 Dulciana 8
21 Undamaris 8
22 Violón 8
23 Tiple -Dulce 4
24 Fabot-Oboe 8
25 Vox humana 8
Tremolo

Pedal C-f‘
26 Contrabajo 16
27 Subbajo 16
28 Contrabajo 8
29 Bombarda 16
30 Bajo suave 8

I/P, II/P, III/P
II/I, III/I, III/II
Sup I, Sup I/II
Sub II/I

Hier Bilder der Orgel

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gwm 13.12.2008 / in San José

Die Mutin-Cavaillé-Coll-Orgel in San José

Freitag, Dezember 12th, 2008

Dieses Instrument, gebaut wahrscheinlich um 1905, ist hochinteressant, auch weil diese Orgel einen wunderschönen Klang verspricht.
Momentan ist das Werk unspielbar, dennoch können einzelne Register gehört werden.
Hier zunächst die Disposition der mechanischen Schleifladenorgel:
I.Manual C-g“‘
1. Bourdon 16
2. Montre 8
3. Flûte harmonique 8
4. Principal 4

II.Manual im Schweller
5. Eoline 8
6. Viole de Gambe 8
7. Ocarina 8
8. Quinte 2 2/3
9. Voix humaine 8
10. Trompette harmonique 8

Pedal C-f‘
– Bourdon 16′ (immer an)
Tritte: 1/P 2/P- Anulator Zungen – II/I – Tremolo, Schwelltritt

hier die Fotos (auf das erste bin ich besonders stolz, weil in 2,5m Abstand fotografiert werden musste:
ansicht.jpg kirche.jpg balg.jpg detail_gehaeuse.jpg fassade.jpg firmenschild.jpg gedeckt.jpg holzpfeifen.jpg sanjose.jpg spieltisch.jpg spieltisch02.jpg terz.jpg traktur.jpgtraktur_detail.jpg

gwm 12.12.08 San José

Die Schyven-Orgel in der Cathedral von San José – Costa Rica

Mittwoch, Dezember 3rd, 2008

Wir sind hier bereits seit drei Wochen tätig und wollen diese Arbeiten an dieser Orgel hier etwas genauer aufzeigen:
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Das mechanische Instrument mit 3 Manualen und rund 34 Register*, das im Jahr 1890 nach der Erdbeben-Zerstörung einer Aristide Cavaillé-Coll-Orgel***, hier eingebaut wurde, mehrfach repariert wurde, und dadurch teilweise erheblich in seinem Funktionsumfang und besonders im Klang eingeschränkt wurde, war zuletzt über 12 Jahre unspielbar. Neben Reparaturproblemen gibt es aber auch Konstruktionsmängel, verursacht durch den Erbauer.
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Ich habe hier einmal zwei Panoramabilder aus dieser Orgel gefertigt, die ich hier zeigen und erläutern möchte: das Bild oben zeigt die Ansicht der Barkerhebel gegen den Spieltisch bzw. zum Kirchenschiff hin. Links sehen wir hier eine „Abflussinstallation“, die natürlich nicht original belgischer Orgelbaustil ist, und einen besonderen Sinn hat. Mit diesem Kan
al werden die „Barker“ mit 185mmWS gefüttert, was direkt vom Motor abgezweigt wird. Warum? Der Grund sind die mangelhaft neu belederten Barker, die vorher mit rund 120mmWS **betrieben wurden und nun bei diesem Druck nicht mehr erfolgreich arbeiten. So laufen diese Barker mit 185mm wie der Teufel, klappern aber auch nicht unerheblich.
Mit diesen Barkerhebeln werden übrigens auch die Koppeln III/I und II/I betätigt. Also mit dem I.Manual heben diese Hebel 3 Manuale, was im Bass gut bis zu 1,5kg Tastendruck ausmachen kann. Im II.Manual hat Schyven kleine Vorventile auf die Tonventile drauf gesetzt, was besonders bei der Flûte (harmonique), sehr unangenehme Ansprach-Entwicklung zur Folge hat. Spielartverbesserung bringen sie keine.
Ein ganz großer Fehler des belgischen Orgelbauers war die Pfeifenstellung auf den Manualwindladen nach Tönen zu gruppieren. Und ein noch größerer die kleinen Register im Schwellwerk hinten zu plazieren, und davor die großen 8-Fußregister. Damit ist das Récit mehr oder weniger unstimmbar.
Die beiden Manuale I und II werden mit 120mm WS gespeist, während das III.Manual im Schweller mit 90mmWS betrieben wird – das ist völlig unverständlich. Vox humana und Trompete im Récit klingen nach Harmonium, während die Hauptwerkzungen total dominieren. Auch die übrige Klangabwiegung, die man teilweise an den Stimmvorrichtungen als original erkennen kann, ist unlogisch. Das Instrument ist in Principalen, Zungen, Flöten und Streichern viel zu wenig differenziert. Die Windanlage****, besonders die Zuführungen über viel zu enge Kanäle, erlauben nur ein ganz vorsichtiges Plenum, kaum ein Tutti. Der Fehler, die kleinsten Pfeifen direkt neben große Kanzellen zu setzen und damit Zusammenstecher von großen Schleifenbohrungen zu den kleinen zu begünstigen, macht sich bei jedem Register störend bemerkbar.
Schwierig sind auch die Regulierungsstellen, abgehende Winkel und Wippen an den Barkern. Das ganze Mechanik-System ist mit den Windladen- und Stimmbrettern verbunden, was bei Begehung durch Orgelbauer leicht hörbar wird. (Stimmbretter aus massivem, gutem Eichenholz) Die Orgel kann klanglich auch wegen dem Krach in der Kirche nicht das bringen, was nach europäischen Vorstellungen von ihr erwartet würde. Dennoch ist diese Orgel vom Klang her die Klangschönste im Lande. Wir, das sind meine beiden Costaricanischen Helfer und ich, glauben, dass Ende nächster Woche das Instrument soweit spielbar ist, dass es für Gottesdienst und begrenztem Konzertbetrieb eingesetzt werden kann. (gwm)
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*die Registeranzahl ist erheblich niedriger als von allen Quellen geführt, weil Zungen und Principale in verschiedenen Werken Transmissionen sind, wo lediglich die Tonumfänge mit einer Oktave dazu kommen.
** zu den Winddrücken ist natürlich zu sagen, dass die Orgel 1890 von Schyven mit Kalkantenbetrieb geliefert wurde, was kaum 120mmWS Druck ermöglichte. Ein Problem mit dem EFW in Ulm Pedal zu kämpfen hatte. Es wäre interessant zu erfahren was der maximale Druck bei routinierten Kalkanten ganz allgemein sein konnte.
***Es fehlt uns noch die Bestätigung, dass hier tatsächlich ein ACC-Orgel eingebaut war.
****Differenzierten Winddruck und eine nach ACC-Maßstäben ausgerichtete Orgelanlage finden wir hier bei Schyven keinesfalls. Mit nur zwei Bälgen für 3 Manuale und Pedal und einer schwergängigen Mechanik in allen Werken. Etwas Anlehnung an deutscher Romantik und Trompeten nach ACC, das würde ich nun nicht unbedingt als eine Synthese von französischer und deutscher Romantik bezeichnen. Es ist vielleicht ein grober Klotz zwischen beiden Stilisierungen.

Es ist richtig, dass Schyven eine außergewöhnlich gute Qualität des Materials für die Orgel der Kathedrale in San José verwendet hat. Aber auch bemerkbar, dass ungewöhnliche Konstruktionsfehler und eine selten idiotische Anlage der Windladen vorgenommen wurde. So stehen alle Pfeifen der Töne C, c, c1, c2, c3 direkt nebeneinander. Diese Oktavsammlung hat er bei allen Tönen und Windladen gemacht, vielleicht um dem Anziehungseffekt Vorschub zu leisten, der aber in diesem Fall genau ins Gegenteil verkehrt. Nämlich während dem Stimmen ziehen sich die Pfeifen an, bei Spiel mit unterschiedlichen Register sind die hohen Töne verstimmt. Außerdem kommt ein weiteres Manko in diesem Fall zum Vorschein. Wenn bei Schleifladen große Pfeifen neben kleinen Pfeifen stehen, treten vermehrt Durchstecher auf, da die großen Bohrungen natürlich mehr Wind abgeben, und die kleinen Pfeifen zum Mitsummen animieren. Und so hat man gleich zwei Probleme auf einen Schlag. Von dem Mehraufwand beim Stimmen nicht zu reden. An Service haben die Belgier nicht gedacht. Wir sind bereits auf der Suche nach ein paar dressierten Affen, die wir ins Schwellwerk schicken können, um dort die 2 + 4Füsser zu stimmen. Aber vielleicht müssen wir noch warten, bis die ersten guten Tuning-Klons in den USA fabriziert werden.

weitere Bilder aus der Schyven-Orgel:
schyven01.jpg

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