Archive for the ‘Bukarest Op.2654’ Category

Mixturen in Bukarest (1)

Samstag, Oktober 11th, 2008

Die Mixturen in der Walcker-Orgel in Bukarest verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, weil
a) diese Mixturen aus einem orgelbewegten Instrument stammen, wo man also die Einflüsse von Mahrenholz und Jahnn in dieser Beziehung gut studieren kann, und
b) weil diese Stimmen eine klangliche Besonderheit haben, die ich einmal als „sehr zurückhaltend“ bezeichnen möchte.
Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Intonation der ersten Mixtur, die wir hier darstellen, der Hauptwerksmixtur, problembehaftet war.
mixtur.jpg
Wir steigen hier einmal etwas tiefer in die Materie ein, weil oft der Zusammenhang zu diesen Mixturen nicht voll erkannt wird.
Wie muss eine Mixtur zusammengesetzt sein und welche Kraft muss sie haben? mixtur-kopie.jpg
Eine Frage, wie sie jeden Orgelbauer und jeden Organisten schon bewegt hat.
Mixturen sind synthetische = künstliche Teiltöne des tiefsten Prinzipalregisters des Werks auf dem sie plaziert sind. Mixturen enden in der Regel mit dem 1 1/3′ oder 2′ auf der letzten Note. Die Zusammensetzung der Chöre ergibt sich aus der geschacklichen Komponente und den physikalischen Bedingungen. Alle Mixturen, die mehr als 5 Chöre haben, müssen, wenn sie bei einem Chor kleiner als 2′ beginnen, Chorverdopplungen haben, die immer problematisch sind – wie es auch im vorliegenden Fall ist.
Bei einem 8′-Prinzipal auf dem die Hauptwerkmixtur aufbaut haben wir folgende Teiltöne:
1. Teilton = 8/1 = 8′ C
2. Teilton = 8/2 = 4′ c (Oktave 4′)
3. Teilton = 8/3 = 2 2/3′ g (dafür haben wir eine relativ zwarte Quinte im HW)
4. Teilton = 8/4 = 2′ c‘ (Superoktav 2′)
5. Teilton = 8/5 = 1 3/5′ , e‘ (dieser Teilton fehlt im HW, ein typischer Fehler der Orgelbewegung)
6. Teilton = 8/6 = 1 2/6 = 1 1/3′ g‘ (damit beginnt der Hauptwerkmixtur erster Chor)
7. Teilton = 8/7 = 1 1/7′ = b‘ ( fehlt in der Romantik und auch in der anf. Orgelbewegung)
8. Teilton = 8/8 = 1′ c“ in unserer Mixtur vorhanden
9. Teilton = 8/9 = d“, None, Quinte der Quinte
und jetzt von weiterem Interesse nur noch der
12.Teilton = 8/12 = g“ Duodezime = 2/3′ in Mixtur vorhanden
16.Teilton = 8/16 = c“‘ = 1/2′ vorhanden
24.Teilton = 8/24 = g“‘ = 1/3′ vorhanden

Wir haben also für den ersten Grundton C die fünf synthetischen Teiltöne des Prinzipal 8′
C = 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2 – 1/3 in der Mixtur vorhanden, das heisst, diese Teiltöne werden extra verstärkt und geben dem Plenum entsprechende Kraft und Helligkeit. Denn beim Prinzipalregister sind in jeder einzelnen Pfeife diese Teiltöne auch vorhanden, aber sie schwächen sich zu den Teiltönen nach oben zu ab. Der Grundton ist am stärksten. Will man Partialtöne verstärken geht das über die Bauweise (konische Bauweisen verstärken immer die ungeradzahligen Teiltöne, also Quinten und Terzen, während zylindrische Bauweisen die geradzahligen fördern). Mit den Mixturen können wir also unabhängig von der Bauweise der Pfeifen gerad- oder ungeradzahlige Teiltöne verstärken. Das war in der Frühromantik ein anderer Klang als in der Orgelbewegung, aber auch heute ist es wieder verifiziert.
Bei den Mixturen müssen spätestens alle Oktave eine Repetition (Rückschritt in der Tonhöhe) gemacht werden, weil sonst die Pfeifen unhörbar hoch werden würden. Bei zugeschaltetem Principal 8′ sollten diese Repetitionspunkte nicht mehr gehört werden.
In den 60er Jahren hat man diese Mixtur auf 5fach begradigt und die oberen Chöre entfernt. Außerdem hat man die Mixtur in der Lautstärke angehoben, um das fehlende Defizit auszugleichen. Damit wurde die Mixtur lauter und hässlicher. Mit der Rückführung auf die ursprüngliche Zusammensetzung auf 5-7 fach wurde diese Mixtur wieder angenehmer. Beiliegend ein PDF mixturen.pdf
mixturen.pdf, wo dies studiert werden kann. Man hat also damals die Quinten doppelchörig gemacht, ursprünglich waren aber nur die 2′ und 1′ Chöre doppelt. Interessant in diesem Zusammenhang, dass bei doppelten Chören immer die Füße beim enger mensurierten Chor länger gemacht wurden, um den beim Stimmen auftretenden „Anziehungseffekt“ zu minimieren.
Das Versetzen der Repetitionspunkte ist nicht nachvollziehbar. Denn Walcker hat seine Mixturen immer bei den C-Tönen repetieren lassen.
Als Abschluss noch ein Bild mit den wichtigsten Intonationswerkzeugen, wie man sie hier benötigt:
pf_werkzeug01-kopie.jpg
und ein ganz spezielles Werkzeug, dass bei diesen kleinen Pfeifen sehr wertvoll sein kann:
werkzeug.jpg

(gwm) 2008
weitere Hinweise unter:
http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/01/mixturen-und-ihre-zusammenstellungen-ab-1864/

Anmerkungen zur Taschenlade (video05)

Freitag, April 4th, 2008

In diesem unserem Video wollen wir zeigen, wie man die neuen Taschen einleimt.
img_6168.JPG
Es gibt ein paar einfache Kniffe, die man wissen sollte. Wichtig ist auch, dass man bei dem Einleimen der Taschen besser warmen Hautleim verwendet anstelle Knochenleim. Das zeigen wir am Beispiel. Der Ausbau der alten Taschen und das Entfernen der Leimreste ist sehr gewissenhaft zu machen, weil sonst die Standfläche des neuen Bälgchens schlechte Voraussetzungen bekommt.
Der Leim sollte eine kleine Idee dickflüssiger (die Konsistenz von Honig) sein als bei normalem Gebrauch. Auch das wird bei dem Video erklärt.

Anmerkungen zur Taschenlade 05 – das Einleimen der Taschen

von Mahrenholz -und Jahnn-Mensuren

Sonntag, März 9th, 2008

Kein Mensch weiß mehr, wie es zu den Mensurenbezeichnungen bei Walcker um 1925-1940 kam, als man Mahrenholz, Jahnn und Walcker- Bezeichnungen miteinander in den Büchern vermischte. Dies wird auch wahrscheinlich kaum noch auffindbar sein.
2008-03-09_121626.jpg
Aber anhand der Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum wäre zumindest denkbar, dass man hier einige der Schemata anhand vorhandenen Pfeifenmaterials wieder rekonstruieren kann und mindestens eindeutige Bezeichnungen aus dem Opusbuch mit bestehendem Pfeifenmaterial in Einklang bringen kann. Dieses Ziel haben wir uns gesetzt.
Ein erster Schritt ist die hier veröffentlichte Mensurliste, wo es nur so von Mahrenholz- und Jahnn-Mensuren wimmelt.

Diese Liste wird mit tatsächlichen Werten in mm und Audiofiles erweitert.

bukarestmensuren.pdf

Interessante Prinzipalstruktur für alle, die solche Mensurblätter von Walcker zum ersten Mal lesen. Betrachten Sie den Principal 8 des HW der ab c eine sogenannte D-Mensur hat (c=88mm im Licht); nun sehe man auf den Octav 4′, der E-Mensur hat (also zwei HT enger ist) und betrachte man die Superoctav 2, sie hat natürlich Fs-Mensur (also wieder zwei HT enger). Und nun kann man schliessen, dass die Mixtur (ohne Mahrenholz oder Jahnn) der Regel nach Gs-Mensur hat. In Ausnahmefällen wurden Mixturen aber auch ein, zwei HT weiter als der 2′ gemacht, aber immer enger als der 4′.
Dieser Mensuraufbau der Principale war bei Walcker ab Orgelbewegung durchaus Usus, und zwar grundsätzlich auch bei der Nachkriegszeit, wo alle Mensuren sehr schematisch von Karl Bauer nach diesem Schema abgehandelt wurden.
(gwm) 9/3/08

Die elektrische Anlage in der Walcker-Orgel Bukarest Atheneum

Sonntag, Februar 10th, 2008

Die neue elektrische Anlage der Walcker-Orgel im Bukarester Atheneum besteht im Kern aus einer SPS-Anlage die über ihre Module 30 Millionen I/Os pro Sekunde vermittelt. Diese digitalen Module treiben die Magnete mit kurzschlussfesten Ausgängen mit bis zu 2 Ampére pro Ausgang.
img_5432.JPG
In einem Schaltkasten finden sich alle diese Einheiten konzentriert zusammengefasst. Zwischen Spieltisch und Schaltkasten wird nur noch ein Buskabel geklemmt. Am Spieltisch selbst hat der Organist auch die Möglichkeit über eine USB-Buchse seine Registrierung abzuspeichern, was am Laptop editiert werden kann. Wem das alles zuviel Theorie ist, der kann sich das 6minütigen Video über die elektrische Anlage ansehen. Hier wird mit einer Widorschen Untermalung die Theorie aufpoliert.
Diese Orgelnlage ist besonders gekennzeichnet dadurch, dass wir es hier mit über 650 Hebelmagnete zu tun haben und verschiedenen Transmissionen und Teilladen fürs Pedal, sowie den Frontladen. Natürlich dürfen nur dann Hebelmagnete als Tonmagnete mitlaufen, wenn entpsrechende Register eingeschaltet sind, um alle unnötigen Geräusche von vorneherein auszuschliessen. Hier im Pedal haben wir auf der Großpedallade vier Register mit 128 Magneten – ist nur der Principalbass 16′ ein, darf bei geschalteter Pedaltaste C nur dieser eine Tonmagnet einschalten.
img_5565.JPG
Hier heisst es zuvörderst, höchste Präzision beim Löten und Verkabeln und saubere Verpackung der Kabel, damit eine gesunde Ästhetik gewahrt bleibt.


VIDEO ueber die ELEKTRISCHE ANLAGE IN BUKAREST

Anmerkungen zur Taschenfertigung mit Video

Sonntag, Januar 20th, 2008

Was hat Eugene Gigout mit dem Organisten und Philharmoniker aus Sofia Velin Iliev zu tun, und das Ganze verknüpft mit der Walckerorgel im Bukarester Atheneum. Nun, das sehen wir in dem nachfolgenden Video „Taschen88.wmv“, das rund 3 Minuten das Thema Taschenfertigung beleuchtet und darin sowohl Gigouts grandiose Toccata, wie Velins Taschenfertigung zu sehen ist.

velin.JPGDas Schwierigste bei der Taschenfertigung ist die vollkommene Übereinstimmung von Mittelpunkt der Pappscheiben und der Federbohrung. Hier sind gute Lichtverhältnisse und eine ruhige Hand von Nöten. Läuft die später angebrachte Feder schief, kann man davon ausgehen, dass diese Tasche nicht 100%ig dichtet. Also geht man sehr selbstkritisch an die Sache heran und schenkt diesem Fertigungsgeschehen die höchste Aufmerksamkeit. In der Anfangsphase werden sicher einige Versuche schief laufen.

Das sollte niemanden entmutigen, dennoch die alten Teile wiederzuverwenden. Wir gehen hierbei immerhin einen ökologischen Weg, der außerdem darin gerechtfertigt ist, dass man absolut trockenes Holz wiederverwendet. Rein rechnerisch kommt man dennoch auf dieselben Kosten, ob man nun neu kauft oder neu beledert.

Wer nie eine Tasche neu beledert hat, der hat eben nie mit dem elementarsten Teil der dynamischen Registerkanzelle gearbeitet.

und hier das Video (Achtung! wurde wegen einem Fehler neu installiert und ist ab sofort fehlerfrei verfügbar)

Taschenlade Fertigung mit Eugene Gigout und Velin Iliev

Original versus Digital – restaurierte Technik, wie weit soll man gehen?

Sonntag, Januar 13th, 2008

Was wir eigentlich bei „Restaurierung“ immer vermuten, nämlich der Zeit angemessene Methoden zu verwenden, kann bei einer Abkapselung im „historischen Raum“ zur verfehlten Ausrichtung am Leben völlig daneben gehen.
Und so kann geschehen, was wir ja genau verhindern wollen, nämlich dem „alten Ding“ seine bisher bewiesene Langlebigkeit (sagen wir besser „Lang-Lebendigkeit!“) auf weitere Dezenien auszudehnen, es gerät bei Hintergehung der Gegenwart zum Monument und damit in einen „ungeliebten“, sprich „statischen“ Zustand.
Eine historische Orgel hat in der Regel weitere Funktionen zu erfüllen als ein reines Museumsstück, nämlich nach seiner Restaurierung soll es an Liturgie und Musikgeschehen der Gemeinde teilzunehmen.
Bei einer Konzertsaalorgel, wie wir es hier in Bukarest zu tun haben, kommt ein weiterer Aspekt dazu, dass diese Orgel ins Orchester der Philharmonie integriert werden soll, und dass bestimmte Anforderungen an Aufnahmetechnik gestellt werden. Eine mechanische Kegelladenorgel hätte hier schlechte Karten, um bestehen zu können.
Der weise Oscar Walcker wusste schon, dass er hier substantiell auch keine elektropneumatischen Kegelwindladen ins Konzertsaalorgelngeschehen einbringen sollte, sondern Taschenladen. Obwohl zu seiner Zeit weniger die Aufnahmetechnik als die verfeinerte Durchhörbarkeit der Konzertsäle Grund dafür waren.
Wenn man heute an solch eine Orgel herantritt, hat man es mit drei verschiedenen Personen zu tun: dem Aufnahmetechniker, dem Organisten und dem Hauswart.
Der Erste macht dem Orgelbauer gleich klar, dass er keinerlei Induktionsfunken abreissender Magnete im Spieltisch und so wenig wie möglich klackende und hustende Relais &Pneumatiken auf seinen Aufnahmen zu hören wünscht. Auch wenn er heutzutage jeden einzelnen Huster des grippalen Publikums herauszuzaubern in der Lage ist, so stören diese kleinen fast unbedeutenden Induktionen der Magnete ein digitales Mischpult viel mehr, weil sie sich überall im Netz wie tausende von giftigen Kobolten ins Innere der CD-Aufnahmen einschleichen wo sie seuchenhaft ihr Unwesen treiben.
Also heißt die Devise, so wenig wie möglich mechanische Klackapparate in den Spieltisch, der an vorderster Stelle der Orgel auf zentralem Podium zu finden ist. Die Taschenladen kommen dem Aufnahmetechniker entgegen, sie sind weitaus leiser als elektrische Schleifladen.
Dann also kommt der Hauswart, der sich zuerst beklagt, dass die 640adrige Kabelleitung mit Steckern von der Orgel zum Spieltisch ein Grundproblem seiner Arbeit darstellte. Zudem mussten die Stecker und Buchsen alle zehn Jahre erneuert werden. Das Ein- und Ausfahren des Spieltisches, dies wiederum beklagt der Organist, der versichert, dass er diese Arbeit manchmal alleine zu tätigen hat, wenn er morgens um 2 Uhr (vom Frühschoppen) zum Üben kommt, muss also soft und leicht vonstatten zu gehen sein.
Nun, beim Organisten sind wir an einer Stelle angekommen, die uns sagt, ein Spieltisch, der nicht der internationalen Vorstellungen entspricht, von Bedienung und Ausmaßen, ist für viele Konzertorganisten, die nur wenig Zeit zum Einüben mitbringen, eine Horrorvorstellung.
Martin Rost hat dagegen sehr richtig argumentiert, dass bei spätromantischen Orgeln die Walze und die zwei freien Kombinationen ihre Berechtigung haben. Aber wir haben hier keine Spätromantik und keinen alten Spieltisch, der einer Stilepoche zugewiesen werden kann. Dazu kommt, dass die alte Walze im ppp so klappernd laut ist, dass man nur schwer die Aeoline respektive Vox coelestis, die von uns wieder dazu gebaut wird, überhaupt wahrnehmen kann.
Grundgedanke macht sich dann auch auf den Weg, nämlich, wenn man beginnt die Technik der Spätromantik zu restaurieren, es handelt sich ja bei einer spätromantischen Walze um ein analoges Registrieren, das einer Idee von Eberhard Friedrich Walcker zugrunde liegt, dann muss man ganz konsequent auf der analogen Behandlung der Technik beharren, weil sonst diese Technik ad absurdum gewiesen wird. Es ist ja auch eine musikalische Idee, die an der Orgel als Organismus anknüpft. Und jeder Organismus ist letztendlich ein auf analogen Empfindungen und Äußerungen basiertes Wesen. Dann kann man also bei einer solchen Orgel nur begrenzt die „digitale Rechentechnik“ einschieben, die ganz entschieden jener Idee von Organismus widerspricht. Alles Digitale ist insgeheim ein Widerspruch zur Romantik!!
Wir haben in Bukarest auf Grund der Vorgaben meiner Meinung keine andere Möglichkeit gesehen als einen neuen digitalen Spieltisch hier einzubauen, der nun mit einem winzigen Computer-Stecker mit der Orgel verbunden ist und der für Aufnahmetechnik, Wartung und internationale Organisten keine Probleme darstellt.
Dennoch sehe ich, wie andere, dass damit ein ideeles Problem aufgetaucht ist, wie ich es im vorangegangen Text beschrieben habe.
Dieses Problem wirkt noch wesentlich tiefer, wenn man erkennt, dass Orgelmusik zu einem großen Teil ja nur über digitale Medien aufgenommen wird, wie MP3-Player, Stereoanlage etc., da in diesen Fällen die Analogie nur simuliert wird. Es gibt ja gar keine Dynamik mehr, sondern das ist alles nur Schein des Scheines.
Diesen schwierigen Zusammenhang möchte ich an einem anderen Beispiel verdeutlichen.
Als ich vor 6 Jahren zum ersten Mal ins Atheneum trat, war ich überwältigt von den ungeheuer schönen und gigantischen Marmorsäulen im Empfangssaal. Der Eindruck hat sich in der jüngsten Zeit mehr und mehr verstärkt, als ich die komplette Inneneinrichtung des Atheneums aus blank poliertem Marmor studieren und fotografieren konnte. Die unterschiedlichen Marmorarten wurden mir mit der Zeit geläufig. So erkannte ich den berühmten Carrara-Marmor aus Italien, griechischen Marmor aus Thassos und natürlich Bucova Marmor aus Rumänien. Nun bekam das Ganze einen Sprung, als ich feststellte an einer abgesplitterten Stelle, dass es sich um Gips handelte, der perfekt bemalt wurde und über der Bemalung eine Hochglanzpolierung erfolgte. Das ganze Ambiente des Atheneums bracht zwar nicht in mir zusammen, da ja immerhin die erstaunliche Leistung der Bemalung anstelle der natürlichen Gestaltung gesetzt wurde, aber ein Sprung war da.
Ich glaube so kommen wir auch unserer Orgelmusik näher, die nun wie Gips in der Hand zerbröseln kann, aber immerhin die erstaunliche technische Leistung zu Tage tritt, die ein geringfügiger Ersatz für die hohe Kunst sein kann.
gwm 13.1.08

Taschenlade als Video

Samstag, November 24th, 2007

Ein sehr kurzes Video über die Taschenlade, aber immerhin das erste Video das eine lebendige Tasche zeigt, wie sie in der Windlade den Schnabel auf und zu sperrt.
Hier finden Sie unseren Hauptartikel über die Taschenlade und das bereits Gesagte: Die Walcker Taschenlade Dynamischer Orgelbau in dynamischer Zeit.Mit dem Begriff „Taschenlade“ war so ziemlich alles an „handwerklicher Verluderung“ markiert, das die nach dem II.Weltkrieg aufgekommene Nachgeburt der Orgelbewegung an „Verfall“ und „Untergang“ in der „heruntergekommenen“ Orgelbaukunst der „Verfallszeit“ festmachen konnte. So war es also auch kein Wunder, dass Deutschland weitgehend von diesem Windladensystem „befreit“ da steht.
Und hier der heute gefertigte Kurzfilm:
Die Taschenlade

Kegellade als Video

Mittwoch, November 14th, 2007

Anmerkungen zu Kegellade nun als Video. Unsere vielfachen Anmerkungen zur Kegellade haben wir uns nun entschlossen um ein Video (3min, 16MB) zu erweitern, da diese Form der Darstellung einige schöne plastische Möglichkeiten in sich birgt. Auch bei YOUTUBE einsehbar
Es handelt sich, wie in dem Video bemerkt, um die Kegellade des Schwellwerks im Bukarester Atheneum, die von den 8 Registern vier dem Pedal als Transmission zur Verfügung stellt. Das wird mit Bälgchen auf den Membran-Bälgchenleisten realisiert, indem Eisenwellen die Bälgchen niederhalten, wenn das Register aus ist, oder umgekehrt es freigeben, wenn Register eingeschaltet wird. Alles dies kann man auf dem Video gut erkennen. Auch die auf diese Leisten eingebauten Relais und die schaltenden Hebelmagnete. Das ist eine Besonderheit hier in Bukarest, die erwähnt werden muss.
Die Kegel sind mit dünnen Scherchen bestückt, die außerdem noch befilzt sind, Tribut an das geräuschhafte Arbeiten der Kegelladen. Was nicht unbedingt bei allen Walcker-Kegelladen zu finden ist.

Anmerkungen zur Taschenlade: Ausstrom Relais – Defekte erkennen

Freitag, November 9th, 2007

Die SchwarzFärbungen im Leders sind bei Ausstromsystemen ganz wichtige Zeichen, wo Ursachen von Fehlschaltungen in den Relais vorkommen können. Hier nämlich entweicht Wind.
Bei den Relais, die bei Ausstromsystemen immer zwei Funktionen ausführen müssen, das Zu- und das Abschalten von Windflüssen, kann man so am Dichtungsleder erkennen, ob das Relais richtig arbeitete und ob Störungen vorlagen.
Wir geben hier ein paar Beispiele:

dscf1520.JPG

an dieser Draufsicht eines Relais erkennt man, dass Undichtigkeiten beim Abschalten des Windes, der die Taschen geschlossen hält, vorlag. Hier ist die schwarze Lederscheibe in jedem Fall zu erneuern.

und hier in der folgenden Fotografie erkennt man nicht nur links unten ein völlig undichtes Relais-Ventil sondern auch eine ganze undichte Lederbahn – also komplett neu mit gleichmässig dickem Leder bestücken – ist hier die Devise. (die Fotos können mit Rechtsclick und -Grafik an zeigen- in ganzer Größe angesehen bzw. ausgedruckt werden.)

dscf1510.JPG

Dass nun hier, wie in der folgenden Fotogafie gezeigt, die Relais völlig undicht sind und so nur teilweise Taschen mit Wind füllen bzw. entleeren, dies dürfte nach den vorangegangenen Erläuterungen sich von selbst erklären.

dscf1517.JPG

Nach über fünfzig Jahren und mehrfachen Ab-und Aufschrauben ist das Dichtungsleder nicht mehr in der Lage seine Funktion der Dichtung völlig zufriedenstellend auszuführen. Schraubt man einen solche Relaiskasten nach Jahrzehnten ab, so sollte man in jedem Falle neues Leder bereit halten und dies in exakt den gleichen Breiten dann zuschneiden und mit Warmleim neu aufkleben. Die gleichmässige Dicke des Leders, das sich um 1,2 bis 1,5mm herum bewegen sollte, ist bei gutem Holz und Schrauben wichtig. Aber es ist auch ein Erfahrungswert, den man sich durch die Praxis erarbeiten sollte. Je dicker das Leder ist (über 2mm) desto unwahrscheinlicher ist es, dass man längere Streifen gleichmässig in der Dicke hinbekommt.

dscf1534.JPG

(H.Klein)
(gwm)

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)

weitere Anmerkungen zur Kegellade

Samstag, Oktober 6th, 2007

Also zum Beitrag „Anmerkungen zur Taschenlade hat mir ein begeisterter Orgelbauer geschrieben, dass er diese Erfahrungen „voll und ganz“ bestätigen kann. „Was aber die Auswirkungen bei elektropneumatischen Kegelladen sei, bei Hitzeeinwirkungen, wäre auch wichtig, einmal zur Sprache zu bringen. Das haben wir gleich in die Tat umgesetzt, mit einprägsamen grafischen Zeichnungsbildchen. Denn bei Kegelladen machen sich, mit Ausnahme der bekannten Holzrisse an den großen Bohrungen, im pneumatischen Steuerungsbereich, keine derartig heftigen Störungen bemerkbar. Der Zustromwind wird hier nur schwächer, das heißt, die Membranen oder Bälgchen bekommen weniger Wind und drücken den Kegel im ungünstigsten Fall nicht auf.
Oft ist es dann hilfreich die Schrauben in den kritischen Bereichen anzuziehen und das Problem zu beheben, bevor man die Auswechseln von Membranen beginnt. Das haben wir hier in der nachfolgenden Zeichnung markiert.
kegellad01.jpg

In der hier folgenden Zeichnung haben wir die Relais der Kegellade Bukarest exakt aufgezeichnet, da hier an Reparaturmaßnahmen abgelesen werden konnte, wo überall die Schwachstellen waren, was hier bezeichnend ist.

kegellad02.jpg

(gwm)

WORKSHOP (4) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälge- Ergänzungen

Dienstag, September 25th, 2007

Auf Ergänzungen liegt heute unser Schhwerpunkt.
Es waren einige Rückfragen aufgetaucht, die wir hiermit beantworten wollen.
DAS VERFLACHEN der LEDERSTREIFEN
wollte ein Interessent wissen, warum wir diese Sache angesprochen haben, aber nicht weiter darauf hingewiesen haben.
Innerhalb des Balges und auch Außen wo papiert wird, ist es vorteilhaft abgeschräft Lederstreifen zu verwenden, weil diese „aerodynamisch“ geformten Lederstreifen dem Wind weniger Widerstand bieten, und bei Papieren, zwischen Papier und Holz keinen hohlen Luftraum hinterlassen, der zu Rissen führen kann. Meiner Meinung nach kann man diese Lederstreifen nur mit einer mechanischen Maschine derartig behandeln oder bei geleimten Lederstreifen nach der hier auf dem Foto gezeigten Methode verfahren, die sehr umfangreiche Arbeitszeit einfordert. Wir haben alle Bälge so behandelt und brauchen rund 1/2 Tag mehr Zeit für die Anfertigung pro Balg. Für die Restaurierung eines solchen Balges ergibt sich also damit etwa eine Woche Arbeitszeit pro Mann.
Hier das dazugehörige Bild:
img_1155.jpg
Wenn man nun nachdem man alle Lederteile im Innern des Balges über das Leder mit gutem, dünnen Papier das Leder überklebt, dann sollte diese „Aerodynamik“ dafür sorgen, dass der Wind kein Lederstreifen mehr abreissen kann, was bei vorsichtigen Leimungen schnell passieren kann.
Ein Balg sieht ohne die Papierung so aus:
img_1157.jpg
Bei den Zwickeln sind die beiden Ecken in den Falten der größten Last ausgesetzt. Außerdem ist diese Stelle am schwierigsten zu verleimen, weil eben die Spannung beim Auftragen des Zwickels nach oben und unten zieht. Wir haben festgestellt, dass Walcker hier immer noch zusätzliche Lederstreifen eingebracht hat, was wir unbedingt empfehlen:
Bild alte Verleimung Bild neue Verleimung
img_0814.jpg img_1158.jpg

Wie denn der Balg den Wind überhaupt reguliere? …..wurden wir gefragt. Weil natürlich bisher auf diesen einfachen, und scheinbar sonnenklaren Umstand nie hingewiesen wurde. Alle diese Bälge sind mit sogenannten „Galgenventilen“ ausgestattet, die am Ende mit einem Gurt an der oberen Balgplatte verbunden sind. Bei gesenkter Balgplatte ist dieses Ventil ganz geöffnet, bei hochgedrückter Platte ist das Ventil geschlossen. Wir haben hier ein Foto aus der Perspektive des ausströmenden Windes geschossen und werden bei nächster Gelegenheit eine kleine Zeichnung in weiterer Ergänzung einfliessen lassen. Außerdem wollen wir natürlich auch unsere Erfahrungen in den nächsten Tagen mitteilen, wie die ersten Bälge unter Wind reagieren.
Bild des „Galgenventils“ im Balginneren
img_1759.jpg

Spieltische Bukarest op 2654 und Heidelberg op 2135

Samstag, September 15th, 2007

Diese beiden histor. Spieltische wurde von verschiedenen Interessenten angefragt, so dass ich mich entschlossen habe diese Fotos der Spieltische hier zu zeigen.
Bukarest op 2654, der historische Spieltisch, der in ein Museum gestellt werden soll, weil er nicht mehr verwendet wird. In diesem Fall glaube ich, ist es völlig berechtigt. Denn die „Ergonomie“ jener Spieltische, die in Konzertsäalen gebraucht werden, wird zunächst einmal an den möglichen Spielhilfen, sprich Setzerkombinationen gemessen. Die bisher sehr hilfsbedürftige Erweiterung mit 6 Freien Kombinationen dürfte für Konzertorganisten aus allen Teilen der Welt sehr umständlich und „balkanisch“ ausgesehen haben. Alle diese tausende von Schalterchen und Hilfsknöpfe sind sehr verwirrend. Dennoch muss diese analoge Walze als eine ganz herausragende Spielhilfe angesehen werden, die wir leider später nicht mehr haben.
img_0005a.jpg img_0006.jpg img_0004.jpg img_0005.jpg img_0007.jpg img_0019.jpg

Heidelberg Kinoorgel aus 1928 op 2135
Dieser Spieltisch ist natürlich kaum mit herkömmlichen Spieltischen von Kirchenorgeln vergleichbar, aber dennoch interessant, weil hier sehr viele Funktionen übersichtlich geordnet werden mussten. Sehr schön in jedem Fall die Emailschilder über dem Pedal.
img_1424.jpg img_1704.jpg img_1423.jpg

Workshop (3) – Restaurierung von Einfalten Magazin-Bälgen

Sonntag, August 26th, 2007

Zum weiteren Verständnis ist erforderlich die beiden vorhergegangenen Workshops anzusehen, die sich auf dieser Seite befinden. Oder einfach unter der Kategorie Bukarest Op.2654 rechts anclicken, geht am schnellsten.
Hier in diesem abschliessenden Teil wollen wir folgende Teile zeigen:
– die Materialien
– Fertigung und Einbau der Darmsaiten
– Zusammenbau der Falten und Einbau
– Abschluss

DIE MATERIALIEN
Beim Papieren haben wir schon darauf hingewiesen, dass zeittypische Materialien bei einer Restaurierung eine grundsätzliche Voraussetzung für eine zielgerichtete Arbeit sind. Hier kommt nun in neuerer Zeit hinzu, dass auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt. Und so dürfte es klar sein, dass man nur mit den verträglichen Mitteln der „alten Zeit“ an alten Orgeln hantiert.
Es stellt sich die Frage bei der Verleimung, „Knochenleim“ oder „Hautleim“? Beide Leime werden bei einer Temperatur zwischen 65 und 72 Grad Celsius verarbeitet. Diese Temperatur von 72 Grad sollte nie überschritten werden, weil dann die Klebekraft erheblich nachlässt. Knochenleim verwenden wir bei Holzverleimungen, während beim Verleimen von Leder Hautleim verwendet wird. Ich denke, dass dieses natürliche Adäquat seine Richtigkeit hat. Eine wahrscheinlich viel größere Rolle spielt die Konsistenz der Leime. Also wie stark wir Wasser beigegeben, wie zäh darf das Wasser-Klebegemisch sein?
Wir haben für Bukarest 10kg Haut- und 10kg Knochenleim herbeigeschafft und denken, dass dies gerade ausreicht. Verarbeitung von Warmleim (Glutinleimen)

abalg052-2.jpg abalg052-3.jpg
links sieht man also solch einen Leimkocher, beim dem man die Temperatur genau einstellen kann. Auf dem rechten Bild sind die beiden Leimarten, zuerst Knochenleim, dann Hautleim abgebildet.
Nachfolgend auf dem ersten Foto links die „Antique-Nägel, mit denen die Darmsaiten verspannt werden und links eine Darmsaite, die wie auf dem rechten Foto ersichtlich, in kleine „Krampen“ geschnitten wird, die man mit Rundzange nicht zu stark biegt. Die Antique-Nägel wurden vom Portier einer großen süddeutschen Orgelteile-Lieferfirma gefertigt, damit der Mann nicht an Langeweile abkippt – eine sehr fürsorgliche Haltung, die wir zu honorieren wissen.
abalg052-4.jpg abalg052-5.jpg

EINBAU der DARMSAITEN
Die alten Flexen zu entfernen, scheint mir wohl der einfachste Weg, mit einem Lötkolben in die vorigen Gänge einzubrennen, weil jeder Bohrer sofort verläuft. Während die heiße Lötspitze (Bild 1) den geringsten Widerstand sucht, das ist in der Regel die alte Bohrung. Danach bohrt man mit einem kleinen Fräser (3mm) auf und indem man für den Keil noch etwas Platz fräst, sieht dann bei eingsteckter Darmsaite das Ganze aus wie (Bild 2). In (Bild 3) sieht man dann, wie diese Saite mit Keilen verspannt wurde.
abalg052-6.jpg abalg052-7.jpg abalg052-8.jpg

Die Holzfalten müssen bevor die Darmsaiten eingesetzt werden, alle miteinander über den Knarrriemen verbunden werden (siehe Zeichnung aus Workshop 1) Hierzu müssen die Öffnungen für die Darmsaiten ins Leder eingebracht werden. Also pro paar Holzfalten sind 3 Knarrriemen anzuleimen (Mitte, oben und unten). Und wenn alle vier Paar Falten fertig sind, dann kann auf den unteren Zargen-Rahmen jedes einzelne paar Falten mit Darmsaiten und Knarrriemen befestigt werden. Abschliessend wird dann der Deckelrahmen genauso montiert und der Balg ist konstruktiv fertig.
abalg052-12.jpg abalg052.jpg
Hier die Innenansicht des Balges, auf der man die beiden neu eingesetzten Zwickel erkennen kann. Rechts ein Zwickel der mit zwei Scharnieren-Leder an die Falten angebunden ist, rechts ohne, hier wird es noch gemacht.
abalg052-9.jpg

Es folgt noch das Abledern aller kritischen Stellen am und im Balg mit dünnen Lederstreifen. Dann folgt noch das Papieren des gesamten Balges, und schön wäre gleich eine Funktionsprobe machen zu können. Das gleichmässige Blau des Papieres stellt sich nach 6-8 Stunden ein.

abalg052-10.jpg abalg052-11.jpg

Wir haben es hier also mit dem kleinsten Balg, dem Motorbalg zu tun gehabt, der bekanntlich als erster gebraucht wird. Nun haben wir noch 4 recht große Bälge für Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk und Pedal vor uns. Und es ist sicher, wenn wir alle diese Bälge durchhaben, wird noch ein kleiner „workshop“ drangehängt, der alle weiteren Erfahrungen aus dieser Arbeit widergibt.
(gwm) 26.Aug.2007 – der erste Sonntag unter 36 Grad Celsius in Bucuresti

WORKSHOP (2) -Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

Samstag, August 18th, 2007

DAS PAPIEREN
Bei unserem ersten WORKSHOP haben wir ganz allgemeine Dinge eingebracht und dabei einige „Röntgenfotos“ für Orgelbauer gezeigt. Denn der kann mit technischen Zeichnungen in der Regel mehr anfangen als mit Fotos oder schönen Erklärungen.

Eigentlich wollten wir nun mit der Fertigung der Bälge weitermachen, aber uns fehlen noch die „Antik-Nägel“, wie die Holzkeile zum Verspannen der Darmsaiten heißen. Daher wurde weitergemacht mit dem PAPIEREN der Windanlage.
Wer die technische Zeichnung aus Bukarest studiert hat, wird dort gesehen haben, dass die gesamte Windanlage in einer Höhe auf einem langen Kanal ruht. Dieser Kanal beginnt mit dem größten Körper am Motor und verjüngt sich dann mit im Querschnitt abnehmenden Kanälen zum Pedal hin.
Das Papieren solcher Kanäle und Bälge scheint von Aristide Cavaillé-Coll eingeführt worden zu sein. Eberhard Friedrich Walcker hat sich diesen Umstand 1857 in seinem Kalender notiert. Ab etwa 1860 ist es bei Walcker regelmässig gemacht worden.
Der Vorteil des Papierens ist, dass kleine Undichtigkeiten des Windes durch das Papier abgedichtet wird. Walcker hat in der Regel „billiges Papier“ innen verwendet, was aus veralteten Archivunterlagen (Forstämter u.a. Einrichtungen und teils auch aus eigenem Archiv) stammt und das reichhaltige Literatur bietet. Das äußere Papier ist gutes Blaupapier, das ganz akurat aufgetragen wurde. Und zwar immer mit Kleister aufgeklebt und nie mit irgendwelchen Kunstklebern- oder Leimen, wie man es bei schlechten Reparaturen leider findet. Auch die Anreicherung mit Leimwasser muß unbedingt als nicht reversible Maßnahme gerügt werden.
Denn die Vorteile des Tapetenkleisters sind
a) völlig problemloses Wiederablösen der Papiere und
b) Einfaches Auftragen der Papiere mit Korrekturmöglichkeit und
c) ökologische Handhabung, es ist ja auch ein Naturprodukt (aus Weizenstärke) und man kann danach seine Hände waschen und ist kunst-chemisch nicht touchiert.
Hier nun der Ablauf beim Papieren:
1. Altes Papier entfernen – mit viel Wasser, einweichen lassen, nach etwa 12 Min. vorsichtig abziehen. In der Regel kann man ganze Bahnen herunterziehen. In diesem fotografierten Falle wurden Kunstleime und mehrere Schichten aufeinandergeleimt, was Probleme beim Abziehen macht
papier06.jpg papier07.jpg papier08.jpg

2. Zuschneiden Papier – Man nehme zwei Aluschienen ganz flach, klebe auf die Unterseite 80er Schleifpapier und schneide die Papierstreifen von der Rolle mit einem Rundmesser wie hier abgebildet. Als Unterlage eigent sich hervorragend (wahrscheinlich der einzige brauchbare Fall wo sich das gut eignet) eine Spanplatte.
papier09.jpg

3. Papier kleistern – im Gegensatz zum Tapezieren muß das Papier auf einer Seite befeuchtet werden, weil sonst später Trockenringel sich bilden können. Dann auf die andere Seite den Kleister gut auftragen.
papier10.jpg papier11.jpg

4. Papier auf das Werkstück aufbringen – mit den Möglichkeiten es gut zu plazieren.
papier13.jpg

5. Kleinere Klebekorrekturen beim Trocknen und hier sind fast alle großen Kanäle bereits versammelt
papier14.jpg papier15.jpg

SPEZIALFOTOS FÜR SPEZIALISTEN

Im Inneren der Faltenbälge und Kanäle findet sich eine komplexe Geschichte aus vielflätigen Dokumenten zusammengestückelt. Wir haben zwei Beispiele herausgefiltert. Daneben sind einige „MAKROFOTOS“ von der alten Lederbeleimung aufgeführt, die zeigen, dass das Leder fast auf 0mm in der Dicke endet, so fein wurde es abgeschabt.
altepapier01.jpg altepapier02.jpg makroverleimung04.jpg makroverleimung08.jpg

WORKSHOP(1) Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

Dienstag, August 7th, 2007

Ab einem gewissen Datum gab es bei der Firma Walcker nur noch Einfalten-Magazin-Bälge. Zudem wurde die Windanlage dadurch elementar vereinfacht indem man die Ziehharmonika-Anschlüsse gegen starre Windkanäle ersetzte, die seitlich in die Windlade geführt wurden. Auch hier führt der Registerkanal auf der Windlade konisch zum Ende. Wer Oscar Walcker’s Sparsamkeit kennt, die aus allen Details der Zeichnungen und Orgelgestaltungen spricht, weiß und sieht, dass hier ein Kenner wesentlichste Dinge des Windes intuitiv geahnt hat. Denn konisch zulaufende Kanäle sind erheblich teurer als ein gradliniger Kubus. Dazu kommt, dass sich all diese Verfeinerung im Windbereich kaum berechnen lassen. Die Faktoren Windgeschwindigkeit und Windmenge sind für den Orgelbauer „unmessbare“ Größen. Gerade mal den Winddruck kann er mit Wasser oder digital fassen.
Wenn, wie im Falle Bukarest, die gesamte Balganlage auf einem großen Kanal ruht, der zudem noch sich zum letzten Balg hin sich verjüngt, so handelt es sich um eine durchaus logische und gut gegliederte Anlage die seine Vorteile hat. Alle Bälge der 3 Manuale haben 95mmWS, das Pedal nur 90mmWS. Der größte Balg ist der des HW, von dem wir erwarten, dass er auch bei zusätzlich gebauter SUB I, einen Versuch den ich einfach ausprobieren muss, sein Durchhaltevermögen offenbart.

Schnitt durch die Orgel in Bukarest mit markierten Bälgen

schnitt_bukarest01.jpg

Die hier besprochenen Einfalten-Magazinbälge sind einfacher als Doppelfalten-Bälge zu fertigen und auch einfacher zu restaurieren. Dennoch gibt es ein paar wichtig Dinge anzumerken, die falsch ausgeführt, zu einem schnellen Ableben des Balges führen kann. Dann nämlich, wenn zum Beispiel die „Flechsen“ oder „Darmsaiten“, also die organischen Scharniere der Holzfalten nicht sauber durch Keile verspannt wurden. Dann kann noch so schön beledert und papiert werden, diese Scharniere sind dann schnell hinüber und jeder Balg geht zuerst in seinen „Fersen“ zugrunde.

Ja, da hören wir erste Begriffe, die manchem sonderbar erscheinen. Und auch ich habe vergebens nach Literatur gesucht, wo man denn nachschlagen könnte und etwas dazulesen kan, aber nichts gefunden. Daher hier erstmal eine Begriffs-Stütze in Form zweier Zeichnungen, welche die wichtigsten Elemente solch eines Balges erläutern.

balg01.jpg Balg hochgefahren balg02.jpg

drei Ansichten dieses Balges balg03.jpg

Die ersten Arbeiten bei einer solchen Restaurierung sind das absolut klinisch reine Entfernen von Papier, Leder und Kleberesten. Dazu sind vorher einige wichtige Anmerkungen und Dokumentationen, Zeichnungen zu machen, damit man es später auch richtig zusammenbaut. Wir haben hier einige Fotos gemacht die u.a. auch zeigen, das z.B. die Zwickel, das sind die breiten Lederstreifen an den Ecken, noch zusätzlich an den Falten mit Lederstreifen befestigt wurden. An diesem Balg wurden grundsätzlich alle Lederstreifen, auch die Knarr-Riemen, wie auf der Zeichnung auch ersichtlich ist, zum Ende hin verdünnt (geschabt mit einem scharfen Messer, so dass die Kanten nach dem Papieren kaum fühlbar sind ). Das ist ebenfalls ein nicht ungehöriger Aufwand, der zur Ästhetik des Balges beiträgt, und der oft bei Restaurierungen vernächlässigt wird.

Das Entfernen des Papiers geschieht mit viel Wasser, einweichen lassen aufs Papier und abziehen. Dort, wo mit Kunstkleber später herumgeflickt wurde hat man sehr viel Arbeit, das Papier wegzubekommen. Leder wird mit dem Bügeleisen vorgewärmt und abgezogen. Nachdem die Holzfalten trocken sind, werden sie leicht abgeschliffen.

Am besten notiert man sich, wie das Leder und das Papier umgeschlagen wurde, mit welchen Übermaßen.

Der nächste und wesentlich einfachere Schritt ist die Montage der Falten miteinander und dann auf den Deckel-Rahmen mit den Darmsaiten. Das zeigen wir im nächsten WORKSHOP (2) Rest. von Einfalten-Magazin-Bälgen, Zusammenbau, Beledern, Neupapieren.

Bilder – das dritte Bild zeigt eine solche Darmsaite, wie sie als „Scharnier“ eingesetzt ist.
balg08.jpg balg07.jpg balg09.jpg

balg04.jpg balg05.jpg balg11.jpg