Kingussie03 Bemerkungen zur Pneumatik

Unser dritter Blog über die pneumatische Schleifladenorgel von Evans & Barr in Kingussie beschäftigt sich diesmal um die Pneumatik, die bei dieser Orgel besonders im Winter, wenn die Luftfeuchte rapide abfällt, zu Problemen Anlass gab.
Wir haben diese pneumatische Steuerung gründlich ausgemessen und können dazu folgendes sagen: Der Winddruck am Spieltisch beträgt an dem Punkt, wo die Rohre eingesetzt werden exakt 124 mmWS. Sind leichte Ventilunebenheiten, so dass bei geschlossener Taste Wind in das Bleirohr austritt, kann am Auslassventil gegenreguliert werden. Dabei fällt der Winddruck bei Betätigung der Taste etwas ab. Unter 120mm WS haben wir jedoch keinen Zustromwind festgestellt.

im Spieltisch an den Auslassventilen kann der Wind im Ruhezustand rabgestellt werden:
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Je mehr Widerstände hinter dem Bleirohr zu überwinden sind, desto größer wird der Winddruckabfall, und desto schwächer reagiert das Keilbälgchen beim Öffnen des Ventils an der Windlade. Diese Widerstände sind unterschiedlicher Natur. Die Länge des Bleirohrs ist ein entscheidender Widerstand, dazu kommen die verschiedenen Relais, durch die der Wind sich bewegen muss, bevor er ans „Ziel“ kommt.
Jeder noch so kleine Knick, jeder Anschluss und Durchlauf stellt einen Widerstand dar, der am Ende mit Winddruckabfall honoriert wird.
Wir haben deswegen alle Bleirohre mit 10 Atü ausgeblasen und danach am Ende der Bleirohre den Winddruck der vom Spieltisch kommt gemessen.
Der Winddruck nach Durchgang in den 4m langen Bleirohre hat dabei etwa 5% Verlust erlitten, so dass rund 118-120mmWS an der nachfolgend aufgezeigten Koppelmaschine ankam.

Die Koppelanlage an der man erkennen kann, dass der Wind über die Bleirohre zur Koppelanlage im II.Manual erhebliche Widerstände durchlaufen muss, bevor er zur Windlade abgeht:
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Hier allerdings stellen wir beim Abgang zum I.Man weitere rund 10% Winddruckabfall und beim II.Manual erhebliche 25% Abfall fest.
Beim II.Manual ist das konstruktionsbedingt durch die Sub und Superkoppeln verursacht. Ein erheblicher „Bremser“ stellen die Rückschlagventile aus Holz dar. Eine sehr logisch erscheinende Sache, die aber ihre Tücken hat.

Rückschlagventile im II.Manual an mehreren Stellen:
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Zusammengefasst sei gesagt, dass am Ende das Keilbälgchen, welches ein recht schweres Ventil zum Öffnen für die Barkerhebel heben muss, welches mindestens 60-80mmWS Wind erfordert, gut und mit ausreichend Reserve an Wind versorgt werden muss. Alles Dinge, die in Vergangenheit mit Problemen behaftet waren – insbesondere im II.Manual.
So hat man in trockenen Wintern an diesen Keilbälgchen Ausfälle erlebt, weil durch die Trockenheit, das Leder der Keilbälgchen (hier in England heißen diese Elemente „motors“) zusätzlichen Spannungen ausgesetzt wurde. Die Wirkungen waren: Heuler, weil das Bälgchen durchs Leder erstarrte oder nicht spielbare Töne, weil ebendieser „motor“ durch vertrocknete Lederstarre nicht mehr angezogen hatte.
Die Gemeinde hat ein Feuchtigkeitsgerät in die Windanlage integriert, dass unablässig zu allen Zeiten feuchte Luft in die Orgel geblasen hat. Dies hat zwar verhindert, dass solche Störungen weiterhin auftraten, aber dadurch wurde die Orgel mit Feuchtigkeit überversorgt.
Nun wollen wir danach sehen, das eine und andere gut dynamisch miteinander zu verknüpfen, ohne zukünftige Störungen zuzulassen.

Dann noch zwei Bilder aus den schottischen Highlands unmittelbar neben Kingussie
die Kirche am Loch Alvie
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und ein romantischer Fluß bei Feschiebridge
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gewalcker@t-online.de
16.10.16

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