Kingussie Evans & Barr – Orgel (01)

Evans und Barr war die erste Orgelbaufirma in Nordirland. In Dublin gab es die Firma Telford seit 1830.
Die Presbytarian Churches haben etwas später als die Scottish Churches die Pfeifenorgel ab etwa 1900 zugelassen. Charles Evans und Williams Barr, Mitarbeiter der Firma Nicholson and Lord von Walsall, haben für diese Firma zu jener Zeit an verschiedenen Orgeln in Irland gearbeitet.
Als 1901-02 in Newcastle die Orgel in der Parish Church installiert wurde, könnte sich Evans und Barr entschlossen haben, sich selbständig zu machen. 1903 gründeten sie dann ihre Firma in Belfast City.
Von etwa 1915b bis 1930 bauten Evans & Barr viele und sehr gute Instrumente in Wales und Scotland. Darunter befindet sich auch unsere Orgel aus 1924-25 mit pneumatischen Schleifladen. 1963 wurde das Unternehmen geschlossen nachdem die Firma mehr als 300 Instrumente gebaut haben soll.
Geschätzt wurden ihre Instrumente wegen wunderschöner Klänge der Dulcianas, der differenzierten Bourdon-und ihren klaren Diapasonklängen. Die Flöten wurden relativ eng bemessen. Die schönen Clarabellas waren im Klang zwischen Diapason und Dulciana ausbalanciert. Der Gesamtklang der Orgeln war durch Sub-Superkoppeln in den II.Manualen breit und voluminös. Gegen den übrigen englischen Orgelklang der Zeit gesetzt würde ich sagen, die Evans & Barr – Klänge sind zurückhaltender, in England sagen sie: „more dull“, ähnlich den Eberhard Friedrich Walcker-Orgeln der ersten 30 Jahre, gemäßigter, auf empfindlichere Ohren gerichtet.
Die besonderen Mensuren werden wir mit Klangbeispielen i.L. der Zeit hier in weiteren Blogs vorstellen.

Specification:
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simpler Orgelgrundriss
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Erste Kontakte beim Ausbau der Orgelteile und Besuch einer kleinen Schülergruppe
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Interessant am Spieltisch ist, dass die Pedalkoppeln mechanisch gestaltet werden, während die anderen Koppeln pneumatisch, außerhalb des Spieltisches unter der Windlade des Hauptwerks, hier natürlich „Great“ benannt, durchgeführt werden:
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so haben wir also an der recht schwierig auszubauenden Pedalklaviatur einen Hebel für die Pneumatik und einen Wellenarm für die Mechanik:
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Die Schleifwindlade möchte ich hier mit zwei Bildern vorstellen, dem Ventilkasten der uns offenbart, dass alle Ventile mit einer einzigen Holzleiste befestigt wurden und die Schleifen keinerlei Dichtungen besitzen, dafür mit den berüchtigten „Spanischen Reitern“ ausgeführt wurden (das sind die Fräsungen neben den Bohrungen. Hier in Kingussie funktioniert das System hervorragend, ohne Verschleißteile wie Filz oder Leder.

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Ganz anders die Windladen des Pedals, die mit einem Ausstrombälgchen und verlängertem Ventil ausgestatteten Mechanismus die Pfeifenöffnungen steuern:

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Pneumatische Schleifladen funktionieren in etwa nach der nachfolgenden Skizze:

pneum_schleiflade

Es ist also sehr viel Leder notwendig, ein Bälgchen pro Ton und eine Art Barkerhebel pro Ton-Ventil. Das kann zu folgenden Störungen Anlass geben:
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Wir wollen alle Lederteile der vergangenen nahezu 100 Jahren neu fassen:
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Zum Abschluss noch zwei Bilder aus der Gegend. Unmittelbar um die Kirche herum liegt der fantastische alte Friedhof, der uns jedem Morgen mit einem typisch schottischen „good morning“ begrüßt und die „barraks“, ein altes Castle mit Kaserne, das um 1500 seine Funktionen bis 1740 erfüllt hat:

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gewalcker@t-online.de 02oct16

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