Archive for Oktober, 2016

die 13 Orgeln im Cairngorm Nationalpark

Sonntag, Oktober 30th, 2016

01 Kingussie, Parish Church, Orgel von Evans & Barr II/18, gebaut 1925.
02 Laggan Parish Church, die wir nächste Woche besuchen werden, befindet sich eine Thomas Casson -Orgel mit I/6, 1900 (Daten werden überprüft und mit Bild in diesem Block ergänzt)
03 Rothiemurchus, St. John’s Episcopal Church, es soll dort eine kleine einmanualige Orgel sein von Christopher Dickens gebaut 1980
04 Grantown on Spey in der Inverallan Parish Church steht eine Henry Hilsdon (Glasgow)-Orgel aus 1920, die 1980 von Sandy Edmonstone repariert wurde. Register und sonstige Details sind nicht bekannt.
05 Tomintoul, Parish Church, eine Walcker-Dulsanell-Orgel gebaut 1903 mit 6 Register auf einem Manual, ohne Pedal. Wurde von uns 2009 restauriert
06 Tombae, Church of Incarnation. Diese Orgel wurde 1870 vom Schotten James Conacher gebaut, wir haben die Orgel gehört und ich schätze mal 12-14 Register auf II.Manuale. Die Kirche ist seit Jahren baufällig und wird nicht mehr benutzt. Die Orgel ist ein Klangjuwel.
07 Ballater, Glenmuick Parish Church, Orgel von Forster & Andrews, II/16 aus 1889
08 Ballater, St. Nathallan’s Roman Catholic Church, Thomas Robson aus London hat diese Orgel I/5 im jahr 1850 gebaut
09 Ballater, St. Kentigern’s Episcopal Church, die Orgel der King’s College Kapelle von 1959, enthält Pfeifen der Vorgängerin, eine Walcker-Orgel. Größe und Details unklar.
10 Braemar, St. Andrew’s Roman Catholic Church, Orgel von Henry Willis aus 1903 mit II/11.
11 Kilmaveonaig, Blair Atholl, die St. Adamnan’s Episcopal Church, anonymer Orgelbauer, könnte um 1800 gebaut sein, unklar wieviel Register auf einem Manual.
12 Blair Atholl Parish Church, gebaut von John Miller aus Perth und Dundee gebaut 1910 mit II/10.
13 Blair Atholl, Blair Castle, Besuch hier ist sehr zu empfehlen. Die kleine Orgel ist aus 1630 und damit die zweitälteste in UK. Erbauer könnte John Loosemore gewesen sein. I/5 mit Tretvorrichtung und Principal, Stop Diapason und Regal

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Kingussie04 Orgelbefeuchtungsgerät von Watkins & Watson Limited

Sonntag, Oktober 23rd, 2016

Selten bin ich so gründlich belehrt worden, wie in dieser Sache.

Wir waren nämlich der Meinung, dass eine direkte Luftbefeuchtung über die Windanlage Schimmel auslöst und nur unter schwierigen Umständen zu exakt voraussagbaren Ergebnissen führt.
Hier in Kingussie haben sie seit Jahren diese direkte Einspeisung von feuchtem Wind in die Windanlage. Mein erster Schritt war, dieses Gerät auszuschalten, bevor wir an die gründliche Untersuchung der Orgel gingen. Gleichzeitig ging einher, dass wir hier während unserer Arbeiten, die Heizung anstellten, die uns tagsüber mit etwa 16-18 Grad Celsius Wärme versorgten.

Als Ergebnis dieser Umstellung mussten wir feststellen, dass mehr und mehr der Winddruck in der Windversorgungsleitung zum Spieltisch sank. Und zwar um rund 40 mm WS. Am Anfang hatten wir 145mmWS gemessen, nun also nach drei Wochen sank der Winddruck auf 105mmWS.
Dieser kritische Windkanal wurde an allen Ecken und Kanten untersucht, abgedichtet wo es nur ging, und so konnten wir wieder auf rund 140mmWS blicken. Aber erst nach den Einschalten des „humidifiers“ konnten wieder Werte gemessen werden, wie ich das von Anfang an erwartet hatte: nach drei Tagen endlich waren wir auf 160mmWS, was ursprünglich so gewesen sein musste.

Das Einspeisen dieser feuchten Luft wird durch ein „Organ Humidifier Type D12a“ von Watkins & Warson Limited besorgt. Diese Geräte sind extrem teuer, aber bei pneumatischen Orgeln hier in GB Standard. Es werden sage und schreibe 10 Liter Wasser am Tag in die Windanlage hinein geblasen, mit dem Ergebnis, dass alle Lederdichtungen und kleine Mängel im Holz geschlossen werden. Wir haben das Gerät so eingestellt, dass es rund 12 Stunden am Tag läuft. Nach etwa 10 Jahren wird ein neues Gerät benötigt, wenn man den Unsinn macht, wie hier, dass man das Gerät 24 Stunden lang laufen lässt.
Auf dem nachfolgenden Bild sehen wir den Humidifier mit angeschlossener Wasserleitung und Windanschluß an den Windkanal zur Orgel. Die Wasserleitung wurde mit einer Wärmeleitung versehen. Der zusätzliche Winddruck durch dieses Gerät beträgt rund 5,5 mm WS.

kingussie_humidifier

Schimmel wurde nur an ganz wenigen Stellen in Windlade und Balg gefunden, in durchaus geringem Aufwand.

Meiner Meinung nach ist eine externe Zeitschaltuhr ein excellenter Weg dieses Gerät zu steuern. Durch den zusätzlichen Einbau eines Luftfeuchtesteuerelements, das auch manuell dazu gefahren werden kann, hat man eine Menge Möglichkeiten, dieses Gerät optimal zur Wirkung zu bringen.
Für pneumatische Orgeln, die bei Trockenheit ihre Störungen an Lederbälgchen und Holzschwankungen zu Äußerungen veranlassen, das Beste das es derzeit gibt.

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und hier noch ein Bild, das uns während der Arbeit draußen im courtyard widerfuhr, when sun came:
sun_comes

Kingussie03 Bemerkungen zur Pneumatik

Sonntag, Oktober 16th, 2016

Unser dritter Blog über die pneumatische Schleifladenorgel von Evans & Barr in Kingussie beschäftigt sich diesmal um die Pneumatik, die bei dieser Orgel besonders im Winter, wenn die Luftfeuchte rapide abfällt, zu Problemen Anlass gab.
Wir haben diese pneumatische Steuerung gründlich ausgemessen und können dazu folgendes sagen: Der Winddruck am Spieltisch beträgt an dem Punkt, wo die Rohre eingesetzt werden exakt 124 mmWS. Sind leichte Ventilunebenheiten, so dass bei geschlossener Taste Wind in das Bleirohr austritt, kann am Auslassventil gegenreguliert werden. Dabei fällt der Winddruck bei Betätigung der Taste etwas ab. Unter 120mm WS haben wir jedoch keinen Zustromwind festgestellt.

im Spieltisch an den Auslassventilen kann der Wind im Ruhezustand rabgestellt werden:
kingussie03_04

Je mehr Widerstände hinter dem Bleirohr zu überwinden sind, desto größer wird der Winddruckabfall, und desto schwächer reagiert das Keilbälgchen beim Öffnen des Ventils an der Windlade. Diese Widerstände sind unterschiedlicher Natur. Die Länge des Bleirohrs ist ein entscheidender Widerstand, dazu kommen die verschiedenen Relais, durch die der Wind sich bewegen muss, bevor er ans „Ziel“ kommt.
Jeder noch so kleine Knick, jeder Anschluss und Durchlauf stellt einen Widerstand dar, der am Ende mit Winddruckabfall honoriert wird.
Wir haben deswegen alle Bleirohre mit 10 Atü ausgeblasen und danach am Ende der Bleirohre den Winddruck der vom Spieltisch kommt gemessen.
Der Winddruck nach Durchgang in den 4m langen Bleirohre hat dabei etwa 5% Verlust erlitten, so dass rund 118-120mmWS an der nachfolgend aufgezeigten Koppelmaschine ankam.

Die Koppelanlage an der man erkennen kann, dass der Wind über die Bleirohre zur Koppelanlage im II.Manual erhebliche Widerstände durchlaufen muss, bevor er zur Windlade abgeht:
kingussie03_02

Hier allerdings stellen wir beim Abgang zum I.Man weitere rund 10% Winddruckabfall und beim II.Manual erhebliche 25% Abfall fest.
Beim II.Manual ist das konstruktionsbedingt durch die Sub und Superkoppeln verursacht. Ein erheblicher „Bremser“ stellen die Rückschlagventile aus Holz dar. Eine sehr logisch erscheinende Sache, die aber ihre Tücken hat.

Rückschlagventile im II.Manual an mehreren Stellen:
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Zusammengefasst sei gesagt, dass am Ende das Keilbälgchen, welches ein recht schweres Ventil zum Öffnen für die Barkerhebel heben muss, welches mindestens 60-80mmWS Wind erfordert, gut und mit ausreichend Reserve an Wind versorgt werden muss. Alles Dinge, die in Vergangenheit mit Problemen behaftet waren – insbesondere im II.Manual.
So hat man in trockenen Wintern an diesen Keilbälgchen Ausfälle erlebt, weil durch die Trockenheit, das Leder der Keilbälgchen (hier in England heißen diese Elemente „motors“) zusätzlichen Spannungen ausgesetzt wurde. Die Wirkungen waren: Heuler, weil das Bälgchen durchs Leder erstarrte oder nicht spielbare Töne, weil ebendieser „motor“ durch vertrocknete Lederstarre nicht mehr angezogen hatte.
Die Gemeinde hat ein Feuchtigkeitsgerät in die Windanlage integriert, dass unablässig zu allen Zeiten feuchte Luft in die Orgel geblasen hat. Dies hat zwar verhindert, dass solche Störungen weiterhin auftraten, aber dadurch wurde die Orgel mit Feuchtigkeit überversorgt.
Nun wollen wir danach sehen, das eine und andere gut dynamisch miteinander zu verknüpfen, ohne zukünftige Störungen zuzulassen.

Dann noch zwei Bilder aus den schottischen Highlands unmittelbar neben Kingussie
die Kirche am Loch Alvie
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und ein romantischer Fluß bei Feschiebridge
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16.10.16

Kingussie 02 zum außergewöhnlichen Spieltisch

Sonntag, Oktober 9th, 2016

Wir sind jetzt genau 3 Wochen in Kingussie und haben bereits damit begonnen, den Spieltisch wieder zusammenzubauen, den ich hiermit etwas beschreiben will.
Es gibt zwei Manuale C-c4 und Pedal 30 Tasten.
Die Abgänge hinter den Tasten geschehen pneumatisch mit einem Winddruck von 145mm WS! Dazu kommt, dass die Bleirohre eine Größe von 10mm außen haben, womit die Bedingungen für eine reibungslose Zustrom-Pneumatik recht gut sein sollten.
(Auf dem Kontinent trifft man kaum mehr als 8mm oder 9mm – Röhren an)
Evans&Barr haben hierzu einen einzigen mechanisch angesteuerten Apparat geschaffen, der beinahe mustergültig gut gemacht wurde.
Pro Taste gibt es zwei Ventile, eins für den Zustrom zum Koppel-oder Verteilerapparat in der Orgel und ein Ventil, das die Bleiröhre nach getaner Arbeit vom Wind entlastet. Hervorragend gemacht und durchdacht. Im nachfolgenden Foto sieht man den komplexen Steuerkasten, darauf ein Bild vom Entlastungsventilchen.

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Ein einfache Handskizze soll den Zusammenspiel der einzelnen Elemente zeigen.

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Der Einbau dieser Apparatur geschieht recht einfach, da keinerlei Bohrungen in Tasten oder Wippen berücksichtigt werden müssen. Man schiebt den Kasten praktisch einfach auf die Tastenenden und die Sache passt, vorausgesetzt, die Regulierung der Wippen und Tasten sind vorher abgestimmt worden.

Im nachfolgenden Bild dann sehen wir von der Spieltischrückseite auf diese Apparatur mit den Bleiröhren im Vordergrund. Wichtig ist, dass die Enden der Bleirohre vor Einbau ganz sauber sind und mit einer Drahtbürste gerichtet werden, damit dort der Warmleim haften bleibt. Dieser warme Knochenleim eignet sich als bester Klebstoff, weil bei Entfernung eines solchen Bleirohres nur kurz angehoben werden muss, der kristallisierte Leim knarzt kurz und gibt das Bleirohr frei. Alle anderen Klebstoffe, besonders die synthetischen Weißleime etc., sind ungeeignet, weil das Entfernen solcher Bleirohre zum Zirkuskunststück ausarten kann.

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Die Tasten sind mit einer hervorragenden Qualität gefertigt, was man an dem nachfolgenden Foto sehen kann. Es handelt sich ja hier um einen Spieltisch der über 90 Jahre regelmäßig traktiert wurde. Die Einregulierung kann auf zwei unterschiedliche Arten gemacht werden: man reguliert mit Unterlegpapier in der Mitte oder/und man reguliert an der Ledermutter zum Ventil.

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Zum Schluss noch eine Besonderheit in diesem Spieltisch: über ein einziges Ausstromventil wird hier eine Doppeldruckfunktion der Pistons und Drücker realisiert, wie ich das bisher noch nicht gesehen habe. Durch eine Madenschraube wird ein schwacher Dauerwind eingestellt. Drückt man nun den Piston oder Drucktaster, öffnet das Ventil durch den Wind im Kasten und bleibt in dieser Stellung bis erneut der Piston betätigt wird, dann fällt das Ventil wieder in die andere Richtung und schließt.

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Kingussie Evans & Barr – Orgel (01)

Sonntag, Oktober 2nd, 2016

Evans und Barr war die erste Orgelbaufirma in Nordirland. In Dublin gab es die Firma Telford seit 1830.
Die Presbytarian Churches haben etwas später als die Scottish Churches die Pfeifenorgel ab etwa 1900 zugelassen. Charles Evans und Williams Barr, Mitarbeiter der Firma Nicholson and Lord von Walsall, haben für diese Firma zu jener Zeit an verschiedenen Orgeln in Irland gearbeitet.
Als 1901-02 in Newcastle die Orgel in der Parish Church installiert wurde, könnte sich Evans und Barr entschlossen haben, sich selbständig zu machen. 1903 gründeten sie dann ihre Firma in Belfast City.
Von etwa 1915b bis 1930 bauten Evans & Barr viele und sehr gute Instrumente in Wales und Scotland. Darunter befindet sich auch unsere Orgel aus 1924-25 mit pneumatischen Schleifladen. 1963 wurde das Unternehmen geschlossen nachdem die Firma mehr als 300 Instrumente gebaut haben soll.
Geschätzt wurden ihre Instrumente wegen wunderschöner Klänge der Dulcianas, der differenzierten Bourdon-und ihren klaren Diapasonklängen. Die Flöten wurden relativ eng bemessen. Die schönen Clarabellas waren im Klang zwischen Diapason und Dulciana ausbalanciert. Der Gesamtklang der Orgeln war durch Sub-Superkoppeln in den II.Manualen breit und voluminös. Gegen den übrigen englischen Orgelklang der Zeit gesetzt würde ich sagen, die Evans & Barr – Klänge sind zurückhaltender, in England sagen sie: „more dull“, ähnlich den Eberhard Friedrich Walcker-Orgeln der ersten 30 Jahre, gemäßigter, auf empfindlichere Ohren gerichtet.
Die besonderen Mensuren werden wir mit Klangbeispielen i.L. der Zeit hier in weiteren Blogs vorstellen.

Specification:
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simpler Orgelgrundriss
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Erste Kontakte beim Ausbau der Orgelteile und Besuch einer kleinen Schülergruppe
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Interessant am Spieltisch ist, dass die Pedalkoppeln mechanisch gestaltet werden, während die anderen Koppeln pneumatisch, außerhalb des Spieltisches unter der Windlade des Hauptwerks, hier natürlich „Great“ benannt, durchgeführt werden:
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so haben wir also an der recht schwierig auszubauenden Pedalklaviatur einen Hebel für die Pneumatik und einen Wellenarm für die Mechanik:
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Die Schleifwindlade möchte ich hier mit zwei Bildern vorstellen, dem Ventilkasten der uns offenbart, dass alle Ventile mit einer einzigen Holzleiste befestigt wurden und die Schleifen keinerlei Dichtungen besitzen, dafür mit den berüchtigten „Spanischen Reitern“ ausgeführt wurden (das sind die Fräsungen neben den Bohrungen. Hier in Kingussie funktioniert das System hervorragend, ohne Verschleißteile wie Filz oder Leder.

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Ganz anders die Windladen des Pedals, die mit einem Ausstrombälgchen und verlängertem Ventil ausgestatteten Mechanismus die Pfeifenöffnungen steuern:

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Pneumatische Schleifladen funktionieren in etwa nach der nachfolgenden Skizze:

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Es ist also sehr viel Leder notwendig, ein Bälgchen pro Ton und eine Art Barkerhebel pro Ton-Ventil. Das kann zu folgenden Störungen Anlass geben:
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Wir wollen alle Lederteile der vergangenen nahezu 100 Jahren neu fassen:
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Zum Abschluss noch zwei Bilder aus der Gegend. Unmittelbar um die Kirche herum liegt der fantastische alte Friedhof, der uns jedem Morgen mit einem typisch schottischen „good morning“ begrüßt und die „barraks“, ein altes Castle mit Kaserne, das um 1500 seine Funktionen bis 1740 erfüllt hat:

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gewalcker@t-online.de 02oct16