Elektropneumatische Kegelladen bei Walcker 1957

Walcker hat bis in die 60er Jahre Kegelladen nach Mittel-und Südamerika gebaut. Dieses System hat bei den 8 Vertretern in den Ländern Lateinamerikas weitaus mehr Vertrauen besessen, als die in Europa längst wieder gängigen Schleifladenkonstruktionen.
Grundsätzlich ist der Aufbau bei elektropneumatischen Kegelladen wie auf der hier von Laukhuff erstellten Zeichnung.

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In einem wesentlichen Punkt aber weicht Walcker (und viele andere Orgelbauer) von dieser Konzeption ab: der Hebel- oder Wippmagnet steuert nicht direkt das Relais-Ventil sondern eine Membrane, die mehr Kraft hat, um das Relaisventil zuverlässig zu heben. Der komplette Relais-Satz sieht aus wie auf diesem Foto aus unserer Arbeit in Cartago, Costa Rica:

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Damit hat man zwar eine zuverlässigere Lösung, aber auch ein Element mehr, das beim Verfallen weitere Störungen mit sich bringen kann.
Die Relais sind wie auf diesem Foto gezeigt wird gestaltet. Wir sehen eine Pappscheibe, die mit einer Lederscheibe abdichtet und durch zwei Metallstifte geführt wird. Der Gang (Reise) dieses Ventil beträgt exakt 2,5mm.

Mit einer Holzabstrakte wird die Einhaltung dieses wichtigen Maßes gewährleistet. Um späteres Verregulieren von unten her, bei der Auflage des Relaisdrahtes über einen befilzten Holzwürtel auf der Membrane zu verhindern, wird auf den Draht ein Tropfen Haut-oder Knochenleim eingelassen.

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Das gesamte Relais der Cs-Seite des I.Manuals sieht dann folgendermaßen aus:

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Die Einschaltung der Register wird auf vergleichbare Weise gestaltet. Hier haben wir ja bei den Schleifladenorgeln, die weitaus weniger Wind verbrauchen als Kegelladen, viel größere Magnete. Obwohl bei den Kegelladen ein viel größerer Windverbrauch wegen ihrer dispositionellen Orientierung an Orgelromantik und Orgelbewegung.
Hingegen hat man bei elektrisch gesteuerten Schleifladen einen viel größeren Stromverbrauch, auch eine weitaus kompliziertere Elektronik, die diesen Stromverbrauch reguliert.
Bei der elektrisch gesteuerten Kegellade öffnet ein Hebelmagnet ein Ventil, welches Wind zur Membrane führt. Diese Membrane wiederum öffnet ein kleines Ventil das ein großes Balgventil öffnet und die Registerkanzelle unter Wind setzt. Bei der Kegellade handelt es sich um das sicherste Registerkanzellensystem überhaupt. Allerdings ist es mit dem Nachteil behaftet auch das lauteste System zu sein. Denn alle Kegel werden bei Betätigung des entsprechenden Tones bewegt, egal welche Register gezogen sind, während bei Taschenladen nur die Taschen bewegt werden, deren Register eingeschaltet sind. Das laute Klappern von Kegeln beim Spielen einer Dolce oder Unda maris kann ein echter Totschläger sein, und da lob ich mir die Taschenlade.

Hebelmagnetsteuerung von Walcker:

Register_Relais

Der Vorteil von diesen elektrisch gesteuerten Kegelladen gegenüber Auslasssystemen ist, dass ein totes Bälgchen oder Membran keinen Heuler verursacht, wie bei Ausstromsystemen – das beruhigt – besonders in Lateinamerika.

07.06.2015 gewalcker@t-online.de

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