Archive for Juni, 2015

Elektropneumatische Kegelladen (II.Teil)

Dienstag, Juni 16th, 2015

Bevor es an die Restaurierung oder Reparatur einer solchen Windlade geht, muss man sich eine Liste erstellen, auf welcher alle erforderlichen Lederteile aufgeführt sind, die man auszuwechseln hat. Hier in Cartago an der Walcker-Orgel von 1957 handelt es sich um die kompletten Membranen und wie im vorigen Teil erläutert um die Relaismembranen bzw. die Belederung der Relaisventile.

Hier zunächst eine Zeichnung von Walcker aus den 50er Jahren, welche die gängigen Membranen der elektropn. Kegelladen enthält:
Membranen

Dann erstellt man sich eine Liste nach der Disposition der Orgel. Hier in Cartago haben wir folgende Membranliste erstellt:
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Nachdem man nun also alle notwendigen Membranen erstellt oder gekauft hat und die Membranleisten bereinigt wurden (säubern, abschleifen, Oberflächenbehandlung) kann es losgehen: Die Membranen werden nebeneinandergelegt, so wie sie eingebaut werden. Wir haben auf unserer Windlade im I.Man. C-Cs-Teilung und legen also die Membranleisten genau so an, wie diese nachher eingebaut werden. Jetzt muss nur noch klar sein, wie der Registerverlauf auf der Windlade ist, und wir können beginnen die Membranen mit Hautleim aufzuleimen.

Hierzu das folgende Foto
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Sind alle Leisten bestückt, empfiehlt es sich, die Membranleisten durch die Relaisöffnung anzublasen, um so festzustellen, ob alle Membranen sauber anheben. Dann bleibt nur noch der Weg zur Windlade, um die neu garnierten Leisten wieder einzubauen:
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Bei den Stöcken habe ich mich entschlossen, hier anstatt auf die Dämme der Windladen das zur Dichtung notwendige Molton anzubringen. Es ist so einfacher zu verleimen. Wir haben das Molton in Costa Rica besorgt, das nicht ganz die gleich gute Qualität hat wie unser deutsches Molton. Daher entschloss ich mich noch zusätzlich Blaupapier anzuleimen, damit die Löcher besser ausgeschnitten werden können. Was ganz hervorragend geklappt hat:
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Inzwischen haben wir auf dieser Windlade drei Register wieder spielbar. Es war schön, den Organisten zu erleben, der hier seit 15 Jahren die Orgel und das Elektrium spielt, als er nach probeweisem Spiel anerkannte: So schön habe er diese Oktave 4′ noch nie gehört und vor allem nie vollständig.

gewalcker@t-online.de 15.Juni 15

Elektropneumatische Kegelladen bei Walcker 1957

Montag, Juni 8th, 2015

Walcker hat bis in die 60er Jahre Kegelladen nach Mittel-und Südamerika gebaut. Dieses System hat bei den 8 Vertretern in den Ländern Lateinamerikas weitaus mehr Vertrauen besessen, als die in Europa längst wieder gängigen Schleifladenkonstruktionen.
Grundsätzlich ist der Aufbau bei elektropneumatischen Kegelladen wie auf der hier von Laukhuff erstellten Zeichnung.

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In einem wesentlichen Punkt aber weicht Walcker (und viele andere Orgelbauer) von dieser Konzeption ab: der Hebel- oder Wippmagnet steuert nicht direkt das Relais-Ventil sondern eine Membrane, die mehr Kraft hat, um das Relaisventil zuverlässig zu heben. Der komplette Relais-Satz sieht aus wie auf diesem Foto aus unserer Arbeit in Cartago, Costa Rica:

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Damit hat man zwar eine zuverlässigere Lösung, aber auch ein Element mehr, das beim Verfallen weitere Störungen mit sich bringen kann.
Die Relais sind wie auf diesem Foto gezeigt wird gestaltet. Wir sehen eine Pappscheibe, die mit einer Lederscheibe abdichtet und durch zwei Metallstifte geführt wird. Der Gang (Reise) dieses Ventil beträgt exakt 2,5mm.

Mit einer Holzabstrakte wird die Einhaltung dieses wichtigen Maßes gewährleistet. Um späteres Verregulieren von unten her, bei der Auflage des Relaisdrahtes über einen befilzten Holzwürtel auf der Membrane zu verhindern, wird auf den Draht ein Tropfen Haut-oder Knochenleim eingelassen.

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Das gesamte Relais der Cs-Seite des I.Manuals sieht dann folgendermaßen aus:

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Die Einschaltung der Register wird auf vergleichbare Weise gestaltet. Hier haben wir ja bei den Schleifladenorgeln, die weitaus weniger Wind verbrauchen als Kegelladen, viel größere Magnete. Obwohl bei den Kegelladen ein viel größerer Windverbrauch wegen ihrer dispositionellen Orientierung an Orgelromantik und Orgelbewegung.
Hingegen hat man bei elektrisch gesteuerten Schleifladen einen viel größeren Stromverbrauch, auch eine weitaus kompliziertere Elektronik, die diesen Stromverbrauch reguliert.
Bei der elektrisch gesteuerten Kegellade öffnet ein Hebelmagnet ein Ventil, welches Wind zur Membrane führt. Diese Membrane wiederum öffnet ein kleines Ventil das ein großes Balgventil öffnet und die Registerkanzelle unter Wind setzt. Bei der Kegellade handelt es sich um das sicherste Registerkanzellensystem überhaupt. Allerdings ist es mit dem Nachteil behaftet auch das lauteste System zu sein. Denn alle Kegel werden bei Betätigung des entsprechenden Tones bewegt, egal welche Register gezogen sind, während bei Taschenladen nur die Taschen bewegt werden, deren Register eingeschaltet sind. Das laute Klappern von Kegeln beim Spielen einer Dolce oder Unda maris kann ein echter Totschläger sein, und da lob ich mir die Taschenlade.

Hebelmagnetsteuerung von Walcker:

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Der Vorteil von diesen elektrisch gesteuerten Kegelladen gegenüber Auslasssystemen ist, dass ein totes Bälgchen oder Membran keinen Heuler verursacht, wie bei Ausstromsystemen – das beruhigt – besonders in Lateinamerika.

07.06.2015 gewalcker@t-online.de

Schwimmer-Keilbälge Cartago

Samstag, Juni 6th, 2015

Diese Schwimmer-Keilbälge wie wir sie hier in Cartago vorfinden, halte ich persönlich für die beste Form von Schwimmerbälgen.
Wir haben in Moyeuvre gesehen, dass die parallel aufgehenden Schwimmerbälge mit Rollventilen und wenn man nur einen großen Balg verwendet im Sinne eines Magazinbalges, dass diese Art nicht erfolgversprechend bei größerem Windverbrauch ist.
Dort, wo Sub- und Superkoppeln eingebaut sind, wo Bourdon und Prinzipal 16′ gefüttert werden sollen, da sollte man in der Regel keine Schwimmer verwenden. Wenn aber Schwimmer, dann für jedes Manual einen Keil-Schwimmer.
Hier in Cartago haben wir 5 solche Schwimmer-Keilbälge. Also Motorbalg, für jedes der drei Manuale und fürs Pedal jeweils einen Balg.
Damit kann man sehr sensitiv einregulieren.
Auch wenn alle Manuale und das Pedal auf fast den gleichen Winddruck von rund 90mmWs einreguliert werden.
Bei der Renovierung oder Restaurierung eines solchen Keilbalges sind ein paar Details zu beachten, die wir hier nachfolgend zeigen.
Hier der Motorbalg, der die 150mmWS vom Motor auf 120mmWS reduziert, und diesen Wind über die beiden Kondukten in die Orgel einspeist.
Die linke Kondukte führt über einen Puffer zu den beiden Schwellwerken, die rechte Kondukte über Puffer zu I.Manual und Pedal.
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Die beiden Puffer haben wir in die vorgegebenen Rahmen mit Gummituch gefertigt und innen mit Leder gedichtet. Diese Puffer wurden aus Gründen der Erdbebensicherheit eingebaut.
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Die vorige Lösung mit Leder war ungünstig bei diesen großen Durchmessern (280mm).
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Der Balg reguliert im Inneren mit einem sogenannten Galgenventil Windmenge und damit den Druck. Übrigens ähnlich den ersten Wasserorgeln.
Erstaunt habe ich festgestellt, dass das Übersetzungsverhältnis 800mm zu 160mm ist, also 5:1 ausmacht.
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Von dieser Perspektive aus sieht man zuerst auf das Scharnier, das mit Hautleim und Tapeziernägel befestigt wird. Hier werden zwei Gummitücher eingesetzt, je außen und innen eines. Dort , wo die Bewegung des Schwimmers erfolgt haben wir 95mm Tuchbreite, am Scharnier sind es nur 60mm. Die Größe der Schwimmerfläche ist etwa bei allen Bälgen gleich und beträgt rund 1250x850mm.
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An diesem Band kann das Spiel des Galgenventils eingestellt werden: je mehr man es herauszieht, um so weniger Gang hat das Ventil.
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Last not least: in diesem Zimmer, wo sich der Motor und sein Balg befindet, hält sich jetzt im Sommer auch die Polizei auf, während der großen Wallfahrt, um die ganzen Kameras die auf und in der Basilika montiert sind zu steuern. Das heißt, die Gewichte am Balg müssen gut befestigt sein, damit sie nicht verschoben werden können und der Druck der ganzen Orgel darunter leidet.
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Die beiden fertig gestellten Bälge haben nun unter Realbedingungen gezeigt, dass sie einverstanden sind, mit der Methode, die wir angewandt haben. Nicht so der Motor. Er ist sowohl im Windrad als auch im Lager beschädigt, und es scheint, dass wir ihn auswechseln müssen.
06.Juni 2015 gewalcker@t-online.de