Hängebalgladen Härpfer (Moyeuvre)

Bei Hängebälgladen haben wir eine Registerkanzellenlade vor uns, die bei der Restaurierung gewisse Besonderheiten aufweisen. Leider hat jeder Orgelbauer eigene Systeme eingebracht, was Restaurierungen mit weiteren speziellen Eigenheiten befrachtet:

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hier ein Foto, das zeigt, wie das Ganze in natura aussieht:
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1. Bei Haerpfer sind die innenliegenden Federn so schwach, dass der Trakturwind rund 25mm höher sein muss, als der Pfeifendruck. Reduziert man diesen Trakturwind, werden viele Bälgchen „schwach“ und es entstehen Heuler. Dies war ein Grund bei Walcker, die Federn außenliegend zu fertigen und regulierbar zu gestalten.

2. Ebenfalls durch die schwachen Federn verursacht, werden minimale Versetzungen des Bälgchens bei Neueinleimen bestraft. Einen Millimeter zu nah an der Pfeifenbohrung bewirkt, dass das Bälgchen nicht öffnet. Wird das Bälgchen hingegen einen Millimeter zu weit von der Bohrung plaziert, kann es Heuler geben.
Man sieht also, dass dieses System von Härpfer mit enormer Sensibilität ausgestattet ist, wenngleich es schwerfällt die Bälgchen nach Ausbau und neuer Belederung, nun selbst um nur einen Millimeter versetzt einzubauen. Aber durch diesen Akt des Ausbau- Wiedereinbaus wurde in der Regel die Feder leicht geschwächt, was zu Heuler führen kann.
Die Ansprache der Pfeifen geschieht ganz organisch und besonders bei Streicher und Zungen hat man ansprechende Wirkungen.

Schlecht ist allerdings, dass man erst mit vollständig eingerichtetem Register erfährt, welche Bälgchen Probleme hervorrufen, weil bei vollgriffigem Spiel der Pfeifendruck in der Registerkanzelle sinkt und dann der Pfeifenwinddruck manchmal nicht mehr ausreicht die Bälgchen zum Öffnen zu bewegen.

Das heißt dann im negativen Falle: alle Pfeifen des Registers wieder abräumen, Stöcke aufschrauben, fehlfunktionierende Bälgchen nacharbeiten, die Pfeifen wieder ins Raster, und nun ausprobieren, ob alles klappt.

Das kann in der Regel zwei, drei Male gemacht werden, bevor man ein ausgeglichenes Register besitzt. Denn die Intonation der Pfeifen ist vom Öffnen der Bälgchen elementar abhängig. Machen die zu wenig auf, kann die Lautstärke nicht über Fuß oder Kernspalte erwirkt werden.

Hier am Ende möchte ich noch ein Bild aus Solingen, eine Weyland-Orgel aus 1960, einfügen, das ebenfalls mit (Laukhuff-) Auslaßladen bestückt ist, die ebenso ihre Seltsamkeiten aufweisen:
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gwm 18.12.2014

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