Prospektpfeifen-Füsse reparieren

Immer wieder treten an Prospektpfeifen aus Zinnlegierung unschöne Verformungen auf, die auch zu klanglicher Einbuße an diesen Pfeifen führen.
Hier stelle ich ein relativ einfaches Verfahren dar, wie man diese Pfeifenfüße reparieren kann.

1) Solchermaßen gekrümmte und verbogene Prospekpfeifen-Füße haben zwei Nachteile:
a)die Pfeifen werden mit der Zeit immer schwächer in der Klangstärke und b) die Ästhetik geht über in die Gefahr, dass die Pfeife aus der Verankerung reissen kann.
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2)Ich empfehle bei umfangreicher Reparatur den Bau einer solcher Pfeifenlade. Beachtet werden muß, dass der Pfeifenkörper mit einer Schutzschicht versehen ist, wo die Pfeife mit dem Filz in Berührung kommt, da sich sonst die Patina am Filz abreibt und hoch aufglänzt.
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3) Diese Arbeiten sollte jeder Orgelbauer auf Wartung beherrschen und dafür ist eine recht kleine Werkzeug+ Materialauswahl notwendig:
Lötkolben mit Temp-Regulierung
Gute Japan-Säge von Diktum
Steinplatte für den Lötkolben
Faseisen
Feile und Satz Schleifpapiere (250er)
Stahlwolle mit 4 Nullen 0000
Klebeband, Lötzinn und Stearin
Eine Zwiebel, um die Lötkolben seitlich gegen Zinnbeschlag abzustumpfen (es lötet sich dann besser und der angenehme Zwiebelgeruch erinnert hin und wieder ans Mittagessen)
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4) Der krumme Fußteil wird mit einer scharfen Säge gut und sauber abgesägt. Danach werden der Pfeifenfuß und das neu aufzulötende Teil mit dem Faseisen behandelt, so dass wir sauberen Platz für die zu erfolgende Lötnaht bekommen.
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5) zu dem neu gefertigten Stumpen ist folgendes zu sagen. Dieser Teil sollte die gleiche Legierung, wie die Prospektpfeife haben und er sollte nach meiner Erfahrung rund doppelte Dicke aufweisen, damit nicht bald wieder eine Verformung auftritt. Die aber kommt ohnehin, weil der dünnere Pfeifenfuß über dem dicken Stumpenteil einer Verformung unterliegt und so nach rund 30-40 Jahren leicht über dem neuen Teil sich dickbauchartig verformt.

6) die gefasten Stellen an Stumpen und Fuß werden mit Stearin bestrichen. Dieses Flußmittel verhindert rasche Oxidation und sorgt für besseren Lötfluß.
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7) Der Stumpen wird nun mit Klebeband an den Fuß befestigt. Hier gut prüfen, weil nach dem ersten Lötauftrag nur noch minimal geformt werden kann.
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8) Das Löten ist nicht jedermanns Sache. Wer lange nicht mehr gelötet hat, sollte sich auf der Pfeifenrückseite warm löten. Wir machen zuerst eine einzige kurze Lötverbindung und prüfen dann, dass der Stumpen richtig gut sitzt. Danach heften wir einen weiteren Lötschritt nach dem anderen, um am Ende eine einzige gute und runde Lötnaht über die ganze Rundung hinzubekommen.
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9) die überstehende Lötnaht wird mit Schleifpapier auch anfangs mit Feile glatt gemacht
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10) dann mit 250-400er Schleifpapier, am Ende mit feinster Stahlwolle 0000 (4 Nullen) und obendrauf noch Sidol als allerfeinstes Poliermittel. Damit gibts auf dem Pfeifenfuß mit Sicherheit keine Patina mehr.
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11) aber das Ergebnis nach 1/2 Tag Arbeit kann sich sehen lassen:
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Rückfragen wie immer an
gerhard@walcker.com
4.12.12

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