Archive for Juli, 2012

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (6)

Samstag, Juli 21st, 2012

Nach drei Monaten Arbeit haben wir letzte Hand an diesen Spieltisch gelegt.
Zwei Tage wird der Transport von Saarbrücken nach Schottland dauern, den wir selbst vornehmen müssen, da ein aufwendiges Verpacken dieses Spieltisches das enorme Gewicht von rund 540kg weiter erhöhen würde und damit auch die Gefahr von Transportschäden.
Ein großes Problem bei dieser Art von Spieltischen stellt die Regulierung der mechanisch-pneumatischen Koppeln dar.
Wir zeigen dazu ein Foto, um dies kurz zu erläutern:

spieltisch-von-hinten02.jpg

Koppeln regulieren
Die hier sichtbaren 61 Bleirohre führen zur Abgangsleiste des I.Manuals. Davor erkennt man die Bleirohre zur Koppel II/Pedal und die Keilbälgchen dieser Koppel, welche den Zugang zu den Koppelbälgchen II/I teilweise versperren. Man kann also die Koppel II/I nur vollständig regulieren, wenn die Koppelbälgchen II/P ausgebaut werden. Denn von vorne kommt man überhaupt nicht dran.
Wenn nun, die auf diesem Foto nicht enthaltenen Bleirohre vom II.Manual eingebaut sind und die nachfolgend erläuterte Crescendowalze im Spieltisch angeschlossen ist, dann hat man ganz erheblichen Aufwand alle diese Teile wieder auszubauen, um ordentlich diese Koppeln zu regulieren.

Crescendo Walze
Diese Einrichtung ist relativ einfach: ein Kasten wird bei eingeschalteter Walze unter Wind gesetzt, darüber befindet sich ein Schieber, der stufenlos die Öffnung freigibt für die angeschlossenen Registerrohre. Dieser Schieber wir rein mechanisch vom Crescendotritt aus bewegt.

crescendowalze.jpg

Hier noch ein Foto von der nahezu fertig gestellten Spieltisch-Front:

spieltisch.jpg

Und ab morgen wird wieder english-spoken. Wir hoffen nur, beim olympiaden Verkehr nicht allzu starkt in Kontrollmaßnahmen eingebettet zu werden.

gerhard@walcker.com
21.7.12

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (5)

Samstag, Juli 14th, 2012

Von Motherwell haben wir in der Zwischenzeit rund 3000 Fotos erstellt, die wir zur Arbeit über iPad und Fotobuch für unsere Zwecke zugängig gemacht haben. Hieraus können wir gerne für Interessenten Bilder weiterleiten, wenn diese für ähnliche Zwecke benötigt werden. Hier ein Foto, wie wir das hier archiviert haben.
buch.jpg

Die Register werden im Spieltisch einmal über die Registerzüge eingeschaltet. Andere Möglichkeiten bieten sich über die Festen Kombinationen, wie Tutti. Hierzu ist erforderlich, dass Rückschlagventile dazwischen geschaltet werden, damit nicht ein einzelnes Register andere Register dazu zieht. Dies hat Walcker über solche über der Bohrung angebrachten Metallplättchen bewerkstelligt, wie in den nachfolgenden Fotos gezeigt.
Kommt der Wind von unten, so hebt der Druck das Plättchen an und lässt die Funktion folgen. Kommt Wind von oben, wird die Weiterleitung durch das aufschlagende Plättchen verhindert.

register_rueckschlagventile.jpg
register_rueckschlagventile_a.jpg

Wir zeigen hier zwei Bilder über den Aufbau der Manualklaviaturen in einem solchen pneumatischen Spieltisch. Beim ersten Foto sehen wir im Hintergrund die Ventile und darunter die Einhängung der Tasten – unter den Tasten die Keilblägchen der Manualkoppel. Diese Ventile werden mit einem Holzkästchen, das permanent unter Wind steht, umschlossen, was man auf dem zweiten Bild sieht. Auf diesem Foto erkennt man auch die mechanische Drückerschaltung unter dem I. Manual und unter dem II.Manual. Hier werden die Sub-Superkoppeln des Schwellwerks geschaltet.

tasten_ii.jpg

tasten_iia.jpg

Diese Koppeln hat man nicht mehr in dem sehr eng angelegten Spieltisch untergebracht und hat sie daher direkt hinter den Spieltisch angebaut. Der weitgehend fertig restaurierte Sub-Super-Koppelapparat zeigt uns wieder einmal, dass solch eine Orgel eigentlich nur aus lauter Bohrungen (und ein paar Pfeifen) besteht.

sub_super_a.jpg

sub_super.jpg

Nun, nach über zwei Monaten Arbeit in unserer Werkstatt (noch nicht berichtet haben wir über die Restaurierung der beiden Bälge, was in weiterem Blog folgen soll) werden wir in 8 Tagen nun wieder mit Pack und Kegel Richtung Engellande ziehen, um dort die hier gezeigten Teile wieder einzubauen. Noch ungeklärt ist ein Umstand, der elementar an der Zerstörung der Bleileitungen mitgewirkt hat, nämlich die Umstellung des Spieltisches, mit Gesicht zum Westfenster, wo er , wie das folgende Foto zeigt, nicht hingehört. Weil dadurch eine Störung der „Bedienungsharmonie“ erfolgt ist. Wahrscheinlich werden wir den Spieltisch wieder umstellen, damit links das „Great“ und rechts das „Swell bedient werden kann, wie es sich gehört. Aber wer weiß.

console_organ.jpg
gerhard@walcker.com

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (4)

Sonntag, Juli 8th, 2012

Bei diesem Blog möchte ich zwei Dinge an diesem Spieltisch zeigen.
Einmal wie die mechanische Bewegung in Winddruck gewandelt wird und zum anderen den Aufbau der Registerstaffelei.
Um das Ineinandergreifen von Keilbälgchen und Mechanik der Tasten zu verstehen, habe ich ein kleines Schema gezeichnet.
Hier ist die Taste des II.Man. gedrückt, während das I.Manual unbewegt ist. Es sind symbolisch zwei Koppelbälgchen eingezeichnet, die zeigen, wie solch eine Koppel funktioniert:

trakturschema.jpg

Auf dem nachfolgenden Bild, das die Tastenventile vom I.Man zeigt, sehen wir, wie die Ventile und die Keilbälgchen angeordnet sind.

tastenventile01.jpg

Alle Keilbälgchen mussten wegen fehlerhafter Belederung, die vor zehn Jahren stattfand, von uns erneut beledert werden. Ebenso mussten wir die Ventile neu beledern, weil man hier falsches Leder verwendet hat, das starke Klopfgeräusche hervorrief und nicht gut abdichtete.

tastenventile.jpg

Um das Abdichten etwas zu verbessern, haben wir unter dem Leder noch eine Garnitur Filz geleimt, was auch die ungleiche Dicke von Leder etwas ausgleicht.

ventilbrett_02.jpg

Das Foto des Ventilbretts von oben zeigt, wie akurat und eng es auf dieser Tastenteilung zugeht. Die Ventile sind durchweg aus gut getrocknetem Nußbaum gefertigt. Um mittendrin ein Ventil nachzubearbeiten oder zu regulieren, ist der Ausbau von Nachbarventilen erforderlich.

ventilbrett.jpg

Die Registerstaffeleien rechts und links arbeiten mit einer ähnlichen Technik: es wird beim Herausziehen des Registerzuges ein kleines Ventil geöffnet, das Wind in ein Bleirohr freigibt. Dieses Bleirohr führt zu einem Kästchen, in dem Rückschlagventile aus Alublech eingebaut sind, welche Tutti oder Festen Kombinationen die Handregister abschalten können.
Der Ausbau einer solchen Registerstafflei ist ein Abenteuer für sich. Wir haben das mit ein paar Bildern dokumentiert.

regstaffel.jpg regstaffel2.jpg regstaffel4.jpg regstaffel5.jpg regstaffel3a.jpg

gerhard@walcker.com 8.7.2012

How to use bone glue or hide glue in pipe organs

Dienstag, Juli 3rd, 2012

In this workshop I want to show how to work with natural glues.
Both hide glue as well as bone glue can only be processed with water.
The first picture shows all necessary parts you need:
dsc_0010.jpg
1. electric cooker (variable from 40-80 Grad Celsius) if possible with a movable container. So you can move it to the workpiece.
2. brush, if possible with no metal clip as glue and metal react chemically
3. bone ore hide pallets
4. water

To start take about 200g from the pallets and take same amount of water. Some more or less of water does not make much of.
This is bone granules:
dsc_0012.jpg
and this is granules made of skins:
dsc_0014.jpg
We prefer hide glue for leather and small paper gluing.

After having enriched the granules with same of water and warmed up (about 30minutes) in the electric heater to 70 Grad Celsius, the glue should have the consictency, as shown on the photo:

dsc_0031.jpg

This glue is ready for use.
The glue should be applied to the material harder side.
You can keep this glue the whole day in the electric heater at 70 Grad Celsius – but every hour you should add water to the glue, as water evaporates. After finishing your work put of the electric heater, clean the brushes with water. Next morning you can start the heater again, and after 30 minutes you can work with this glue again.
You can do some more than 10 days with the same glue. I never had problems with this method.

The glue needs about ten-15 minutes to fix leather to wood, but you have to wait more than 2 hours before you can load it.

Very important: the vessel must be closed by cover to keep the glue in the right consistency a long time.
dsc_0019.jpg

Paper, like the blue one we take for all windlines and bellows, is better to glue with wallpaper paste. Becouse the large areas are better to manage with this stuff than with the hide glue (but with this glue, some time ago they glued the books, what was a very long time ago made from paper)

gerhard@walcker.com 3rd July 2012