Pneumatischer Spieltisch Motherwell (3)

Der Spieltisch ist in weiten Teilen fertig gestellt.
Wir können daher heute ein Bild von vorne zeigen, das in wesentlichen Punkten erläutert wird:

spieltisch-von-vorne.jpg

Unter den beiden Manualklaviaturen befinden sich insgesamt 7 Drucktaster, welche die Koppeln, Crescendo und den Tremolo einschalten – und zwar mit Ausnahme des Tremolo alles rein mechanisch.
Dafür ist ein Relaisapparat direkt unter dem Travers angebracht, der es mit den dort eingebauten Keilbälgchen auch ermöglicht diese 6 Funktionen über die Festen Kombinationen und dem Tutti einschalten zu können. Diese mechanisch- pneumatische Kombination ist sehr interessant und das vergegenwärtigt uns, dass die Orgelbauer dieser Zeit immer mechanisch gedacht haben.
Im unteren Bereich sehen wir die zwei Apparate der Festen Kombinationen, die mit 7 Pistons eingeschaltet werden können und die in Schwellwerk und Hauptwerk aufgeteilt sind, weil dadurch die einfache Abschaltung der Handregister über jeweils ein Relais für HW und SW ermöglicht wurde. Nur beim Tutti werden beide Relais angesteuert. Und das erklärt nun auch, warum wir zwei Registerabgängs-Kästchen haben – denn diese werden sowohl vom Tutti wie von den EinzelHandregister angefahren.

Es gibt in der Pneumatik wie in der Digitaltechnik Relais die man als UND- ODER- NAND-Gatter bezeichnen könnte. Das heißt, wenn man eine Funktion von zwei unterschiedlichen Steuerungsquellen bewerkstelligen lassen will, die sich aber nicht gegenseitig beeinflussen dürfen, dann haben wir es mit einem Oder-Relais zu tun. Das hat Walcker auf zwei unterschiedliche Arten gelöst:

relais_a.jpg

Bei dem Relais mit dem Rückschlagventil ist lediglich ein kleines Aluplättchen eingebaut, das entwedet den Wind von rechts oder unten weiterleitet nach links zu dem Keilblägchen, ohne dass Wind zu einem der zuströmenden Quellen zurückleitet wird. Man könnte das aber auch wie das aufwändigere Relais links gestalten, mit zwei Keilbälgchen. Das in diesem Fall wegen der größeren Windmenge zum Balg der Tutti-Einschaltung, der alle Register hier unter Wind setzt, nicht anders gestaltet hätte werden können.
Ein identischer ODER_Relais sieht man nachfolgend, wo Crescendo und Tutti jeweils ein Keilbälgchen bedienen, das ein größeres Ventil öffnet und mit einer Bohrung dahinter wird der „Absteller im Hauptwerk“ mit Wind bedient.

relais_b.jpg

Jetzt sind wir noch dabei die abgehenden Bleirohre neu einzubauen und zu verlegen, was eigentlich eine recht einfache Arbeit ist, wie man hier sehen kann:

bleirohreii.jpg

Interessant ist die mechanische Steuerung der Pedalwindleitungen. Es handelt sich eigentlich um Abstromventile, die durch die Feder beständig zugedrückt wird und bei Druck auf die Taste nach unten fallen und das Ventil so öffnen. Dann stehen alle drei Rohre pro Taste des Pedals unter Wind:

pedal01beide.jpg

Dazu zwei Fotos,die während der Arbeit an diesen Pedalapparat gemacht wurden und wo man im Hintergrund ein iPad sieht, das uns ständig mit Fotos unterstützte, damit man immer gut informiert ist, wie es denn vorher ausgesehen hat:

pedal02.jpg pedal03.jpg

Und hier noch eine walckersche Originalzeichnung, die uns immer irgendwie begleitet hat, wenns um pneumatische Spieltische geht, nämlich spieltisch_pfeddershm.jpgdie Zeichnung des Pfeddersheimer Spieltisches, der immerhin mit einer Organola ausgestattet ist und schon von daher für Aufsehen sorgt.

gerhard@walcker.com 30.6.12

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