Archive for September, 2010

Die neue elektronische Steuerung in Rom Santa Cecilia

Montag, September 27th, 2010

Nach Abschluss der Installationsarbeiten stelle ich dieses Bussystem hier einmal in ein paar Bildern vor.
Diese neue elektrische Anlage besteht aus einer Einheit, die im Spieltisch untergebracht ist. Dort finden wir Midianschluss, den Setzer, die komplette Logik für die 38 Koppeln (darunter fast in jedem Manual Sub- und Superkoppeln) und den Sender, der die Daten per twisted-pair-Kabel an den Schaltschrank, der im Unterteil der Orgel eingebaut ist, übermittelt. Eine weitere Einheit ist der Schaltschrank in der Orgel, von dem alle Magnete in der Orgel aus angesprochen werden.
Hier ist das entscheidende Element die absolute Schnelligkeit der Elektronik, damit bei vollgriffigem, gekoppelten Spiel und schnellen Trillern absolute Präzision vorliegt. Wir können bestätigen, dass dies mit den uns vorliegenden Bauteilen mit bravouröser Sicherheit gewährleistet wird, während bei selbstgebastelten Anlagen genau an dieser Stelle die entscheidenden Mängel zu finden sind.
Hier also der Spieltisch:
spieltisch021.jpg
Im linken oberen Teil befindet sich Processor, Sender, darunter die Kabelanschlüsse für +- 18V und Sicherungen der einzelnen Module. Ganz links der Gleichrichter 24V für die Elektronik. Unser Orgelstrom für Registereinstellmagnete ist 18V=.
Ein weiteres Bild vom Spieltisch, wo man den Kabelschlauch mit Stecker und Buchse erkennen kann:
spieltisch011.jpg
Wir haben zwei Buchsen, die noch ins Podium eingebaut werden und folgendermaßen bestückt sind:
stecker_buchse.jpg
zwei Kabel für 230V (Motoreinschaltung und Stromzufuhr Lichter)
vom Gleichrichter (rot+blau +-18V)
twisted pair Kabel für die Digitale Datenübermittlung

Die Datenkabel werden an den Schaltkasten angeschlossen, der hier abgebildet ist:
schaltkasten01.jpg
Die verschiedenen Module, die hier mit roten LEDs aufleuchten sind allesamt „Treiber“ für Windladenmagnete. Jedes dieser hier gezeigten Module hat 16 Ausgänge. Der Rahmen ist nach außen aufklappbar. Am inneren Teil befinden sich nocheinmal so viele Module. (einer der größten Schaltkästen der mit diesem System bislang realisiert wurde).
schaltkasten02.jpg

Hier ein Detail dieser Module. Jeder Ausgang ist zudem noch mit einem LED bestückt. Wird der Ausgang angesprochen, leuchtet die LED auf. Das erspart sehr viel Fehlersuche an der falschen Stelle, wenn einmal ein Magnet nicht ansprechen sollte.
detail-schaltkasten.jpg

Insgesamt sind in dieser Orgel über 1400 Magnete, die über diese Elektronik angesteuert werden.
Ich kann mir heute ehrlich gesagt nicht vorstellen, eine vergleichbare Arbeit auf anderer Weise, als in der hier vorgestellten Art, durchzuführen.

gewalcker@t-online.de

(der Beitrag wird demnächst mit zwei kleinen, aber schönen Bildern ergänzt werden)

Die Walcker-Orgel Op.719 , III/38, in Basel mit pneumatische Kegelladen

Sonntag, September 12th, 2010

Dieses vorzügliche spätromantische Instrument aus dem Hause Walcker, von dem wir im höheren Norden bisher nichts zur Kenntnis nehmen wollte, ist tatsächlich nahezu vollständig erhalten (geringe Aufhellung der Mixturen, die man wieder beseitigen sollte).
Ein Umstand der uns sofort begeistert zu dem von Nicoleta Paraschivescu geschicktem Material greifen liess.
Die vorzügliche Restaurierungsarbeit wurde geleistet vom Orgelbauer Eduard Müller, der bei Metzler & Söhne gelernt hat.
Zunächst möchte ich die originale Disposition der Orgel aus 1896 zeigen, die jedem echten Orgelfreund das Herz erzittern lässt:

dispo-1896.jpg

Hieran wurden folgende Änderungen im Laufe der Zeit getan:

a) Die Dolce wurde gegen eine Fugara 4 im Jahre 1905 getauscht
b) die vierfach Mixtur von 2 2/3 auf 2 geändert und die Terzen entfernt (unbedingt sollte man das wieder retournieren)
d) die Trompete wurde 1920 ersetzt (da hätte der Austausch der Blätter gereicht)
e) eine neue Voix céleste 8′ wurde im Jahre 1920 neben die Aeoline gefügt in pneumat. Taschenlade (solcherlei Dinge haben dazu geführt, dass man der Bewegung Gründe lieferte, derartige Instrumente zu verfolgen, wie weiland die Roma und andere)
f) die Oboe 8′ wurde gegen eine aufschlagende ersetzt (verständlich, aber falsch: der butterweiche Schnurreffekt der Durchschlagenden wäre heute dazu angetan, regelrechte Pilgerzüge nach Basel zu leiten. Mindestens wöchentliche Stimmführungen allerdings hätten dazu geführt, dass regelmässig ein paar Zünglein ersetzt werden hätten müssen, was zwischen 1950 und 1980 Probleme mit sich gebracht hätte. Heute, so meine ich, wäre das kein Problem mehr)
g) die Harmonica 8 im III. hatte keine Chance: 1905 ersetzt durch eine Viola 8, dann kam 1950 ein völlig deplaziertes Flageolet 2′
h) Mixtur 2 2/3 wurde 1950 geändert in 1 1/3
i) das Pedal bekam 1920 einen Quintbass 10 2/3 dazu mit Taschenlade
j) der Harmonicabass 16 wurde zum Violonbass 8 und dann 2004 verkümmerte er zur Rohrflöte, was in dieses Klangsystem wohl überhaupt nicht reinpasst.
k) die Posaune 16′ findet sich in der neuen Disposition überhaupt nicht mehr, was wohl der dramatischste Fehler dieser Disposition dann wäre

Wir möchten aber nicht in den Reigen der allfälligen Kritik verharren, sondern das Instrument hervorheben und ausdrücklich lobend als eines der ganz wichtigen spätromantischen Walcker-Orgeln loben. Das wird durch die nachfolgenden Bilder unterstrichen.

Wie sieht denn so eine Pneumatik aus, werden viele unserer Besucher fragen, die sich bestimmt gut im Orgelbau auskennen, aber kaum in der Lage sind frisch und frei in ihrer unmittelbaren Nähe eine pneumatische Orgel aufzufinden.

Hier die Rückseite des Spieltisches. Zu beachten sind die mechanischen Registerzüge und die mechanischen festen Kombinationen.

pneumatik-hinter-spieltisch.jpg

Das folgende Bild zeigt die Steuerung der Registerventile vom Hauptwerk: Mixtur, Gamba, Gedackt, Fugara, Flauto amabile, Principal

balgleiste.jpg

Hier der Spieltisch mit einigen schönen Details

spieltisch00.jpg spieltisch01.jpg spieltisch02.jpg

Vorstellung einzelner Register mit Pfeifen

Die durchschlagende Clarinette, links mit Zinnbecher und Holzstiefeln in unterschiedlicher Höhe, was klanglich von Bedeutung ist, rechts Kopf und Kehle aus Holz mit Rahmen und Krücke aus Messing, darin „schwebt“ die durchschlagende Zunge
pfeifenw01.jpg pfeifen02_clarinette.jpg

Pfeifenwerk im Hauptwerk, von links nach rechts : Trompete mit Zinkbechern, Doppelflöte 8′ in Holz, Bourdon 16′ Holz
pfeifenw03.jpg

Pfeifen des II.Manuals von links nach rechts: das erwähnte „unnötige“ Flageolet 2 (kaum zu sehen), der Salicional und Geigenprincipal 8 auf Augenhöhe, Lieblich Gedackt 16′, dann ohne Deckel Wienerflöte 8′ und ganz am Rand die Becher der Clarinette 8′
pfeifenw04.jpg

und zum krönenden Schluß der vorzügliche Entwurf der Orgel (vom Breslauer Architekten Felix Henry, der mit dem neogotischen Entwurf der Kirche den Wettbewerb 1896 gewonnen hatte)

0719_basel_walcker.jpg

Bei der nachfolgenden Adresse, dort wo sich die Orgel befindet, kann übrigens ein hervorragender Prospekt über die Orgel angefordert werden:
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3
CH-4001 Basel

www.erk-bs.ch

gewalcker@t-online.de (der sich schon wieder auf die Rückreise nach Rom vorbereitet)