Die Windanlage in Rom

In jedem Falle eine Besonderheit, die bemerkenswert ist.
Zunächst einmal war es nicht einfach, die Logik, die hinter der ganzen Anlage steckte auf Anhieb zu erkennen. Das lag daran, dass ein dritter Motor, wahrscheinlich am Schluss der Montagearbeiten von Tamburini dazu montiert wurde, der die Registerhubapparate mit rund 175mm Winddruck versorgte. Das hat man anfangs über direkten Motorwind aus einem der beiden Motoren abgezweigt. Dann hat man in dem dritten Motor in die Ansaugung diesen Motorwind gesteckt
Hier ein erstes Bild dieser seltsamen Windschaltung:
motor03.jpg
Dann war man doch recht erstaunt nahe der Raumdecke vier Bälge zu finden, die über zwei Rollventile mit Motorwind betrieben wurden. Einer der Bälge gar war mit einer drei Meter langen Schnur zum Rollventil verbunden und regulierte damit ganz akurat die 118mmWS, die zu den Windladenbälgen weitergeleitet wurden.
Hierzu zwei Bilder:
baelge01.jpg baelge02.jpg
Die unheimlich verschachtelte Kanal- und Balgverbindungen haben dann langsam eröffnet welche Kanäle zu welchen Bälgen gehören und wo Ein- und Ausgang der jeweiligen Windführung war, so dass wir einen Grundriss dieser komplexen Geschichte hier zeigen können.
Anzumerken ist, dass links von oben die Kanäle von den Motoren aus dem Dach heruntergeleitet werden. Die großen Motoren sind also nicht sichtbar sondern nur an ihren Kanälen erkennbar.
plan_balganlage.jpg

Was nun sicher viele Orgelfreunde erstaunen wird, ist, dass wir es hier mit unheimlich niederen Winddrücken für das Pfeifenwerk zu tun haben:
I.Manual Positiv = 41,5mm WS
II.Manual Hauptwerk = 46mm WS
III.Manual Schwellwerk = 44,5mm WS
IV.Manual Fernwerk = 59mm WS
Pedal = 65,5mmWS beim Subbaß und Transmissionen
Pedal rechts, Fortsetzung der Transmissionen= 58,7mmWS

Es gibt bei den Zungen höhere Drücke:
II.Manual Trompete, liegend 114mmWS
IV.Manual Tromba 111mmWS

Bombarde und Eoline = 56mmWS

Musette = 41,5mmWS

Man muss sagen, dass durch die sehr groß dimensionierten Einfaltenbälge ein sehr stabiles Windsystem und auch eine sehr ruhige Windführung gewährleistet ist. Bei Schwimmer-Regulatoren wären solche drastischen Einführungen in den Balg (Eingang 118mm WS, Ausgang 42mmWS) mit großen Problemen verbunden. Wir kennen das bei Schwimmer schnell das Flattern anfängt und erhebliche Geräusche an den Ventilen, was wir hier nicht vorfinden.

gwm (bei noch schönem Sommerwetter und gedeihlichen Temperaturen am Abend)

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