Das elektrische System der Tamburini in Rom (1)

Wir haben in der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia sage und schreibe 1495 Magnete, die von den Registereinstellmagneten im Spieltisch ausgenommen, ausschließlich Ventile an oder in Windladen zu bewegen haben.
An dieser Zahl kann man ermessen, welche Kompliziertheit diese Orgel besitzt.
Im ersten Teil möchte ich auf das alte System und die Verbesserungen durch digitale Systeme kurz eingehen.
Wir haben durch die Digitalisierung bereits über 350 Magnete ausgemustert, welche die Komplexität dieser ganzen Steuerung noch um einiges erhöht hätte.
Es wurde mitgeteilt, dass in diesem parallelen System Störungen schon kurz nach Beginn der Fertigstellung auftraten.

Parallel – Digital?
Ich möchte ganz kurz erklären, was der Unterschied zwischen einem parallelen System und einem digitalen System ist.
Bis weit in die 90er Jahre hinein waren einfache parallele System im Orgelbau die Regel.
Diese System waren davon gekennzeichnet, dass bei einem geschlossenen Kontakt ein Kabel zuständig war das diese Information zum Magnet weiterleitete. Dazwischen konnte, wie auch heute, eine komplexe Logik liegen, aber der Magnet wurde mehr oder weniger unmittelbar von seinem zuständigen Kontakt angesteuert.

Hierzu habe ich ein einfaches Bild gezeichnet. Auf dieser Skizze sehen wir, dass für jeden der drei Kontakte ein Kabel zum Magnet führt:

skizze01_red.jpg

Bei der Digitaltechnik, die bereits seit 1968 vereinzelt im Orgelbau Zugang fand, wird für dieselbe Schaltung nur ein einziges Verbindungskabel gebraucht. Dazwischen liegen zwei synchronisierte Uhren:

skizze02_red.jpg

Was hier nun mit drei Kontakten gezeigt wurde ist natürlich mit 4 Manualen, 1 Pedal und 138 Registerschaltern (= 414 Schalter) ganz genauso möglich. Wir haben dann allerdings noch eine Logik dazwischen, welche die Impulse sortiert und z.B. sagt:
Wenn Registerschalter Fifaro 8′ ein, dann sind die Magnete der Schleiflade S5 im II.Manual freigegeben. Damit verhindern wir, dass bei beliebigem Spiel auf dem II.Manual alle Magnete mitklappern.
Es ist klar, dass z.B. beim Bordun 16′ im III.Manual, der sowohl von Pedal als auch vom III.Manual aus in verschiedenen Registertransmissionen gespielt werden kann, nur dann Magnete mitgehen, wenn die entsprechende Register eingeschaltet sind, – denn leider hat Tamburini auch nicht berücksichtigt bei diesen Einzeltonladen, den Wind abzustellen, wenn die entsprechenden Register nicht gezogen sind. Das birgt Heuler-Gefahr in sich.

Der enorme Relais-Schrott, den wir ausgebaut haben, zeigt welch unheimliche Dimension es annimmt, wenn man solche Transmissionsladen auf diesen alten Systemen aufbaut.

relais.jpg

Was wir hier auf dem Bild sehen, ist längst nicht alles, was ausgemustert wurde. Es sind Einzelteile aus Setzer, festen Kombinationen und STeuerungen, wie oben beschrieben. Die Haarnadelkontakte, die hier von Tamburini verwendet wurden sind füpr solche riesige Anlagen denkbar ungeeignet. Und es versteht sich, dass daran laufend herumgearbeitet wurde.
Die Unlogik musste hier auch noch einen erweiterten Umweg gehen, weil der Setzer natürlich nicht in den Spieltisch gepasst hat, so wurden pro Registereinstellmagnete natürlich drei Kabel nach außen geführt, was dem ganzen komplexen Ungetüm weitere Größen-Dimensionen verschafft hat.

Bei einer neuen Digitaltechnik ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der die Uhren synchronisiert werden (wie oben symbolisch gezeigt), also der Takt des Prozessors, die höchstmögliche Geschwindigkeit hat, die man heute realisieren kann. Das ist wichtig, damit schnelle Repititionen nicht von langsamen Systemen verschluckt werden. Wir sind uns auch 100%ig sicher, dass das von uns verwendete System von Sigmatek, das schnellste ist, das man derzeit in Europa für solche Dinge bekommen kann.

Daneben gilt es natürlich, die Magnete richtig einzuregulieren und mit ausreichend dimensionierten Kabel zu versorgen:
magnete.jpg

Diese Magnete an der Trompeteria, sie steuern wie man am Hintergrund erkennen kann, noch relativ langsame Taschen an, was nicht nur Regulieraufwand bedeutet, sondern vielleicht sogar Änderungen im Windsystem. Die optimale Einstellung all dieser Komponenten ist fast schon Sache der Intonation. Weil natürlich die Windmenge, die das Taschenventil durchlassen muss, mit dem Klang und den Nachbartönen abgestimmt werden muss. Soweit also: elektrische Steuerung und Windfluss an der Tasche bis zum Klang, ein einheitlicher organischer Gedanke. Man sollte nicht glauben, dass der Orgelbauer sich bequem für eine Sache spezialisieren darf und dann von der anderen nichts mehr wissen will.

magnete2.jpg

gwm

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