Die elektrischen Schleifladen von Tamburini

Es hat uns schon sehr erstaunt, als man zum ersten Mal die ungewöhnlich aufwendigen Schleifendichtungen sah, die von Tamburini auf die Stöcke aufgebracht waren. Nun muss dazu gesagt werden, dass bei Winddrücken von 45-55mm WS die Anforderungen an Schleifenzug und Schleifendichtung nicht überstrapaziert werden. Daher auch sind auf dem Fundamentbrett, also unter der Schleife keine Dichtungen, sondern lediglich sauber eingefräste Reiter als Entlastung auf der Schleife angebracht.
schleife-ansicht.jpg schleife-auf-funadmentbrett.jpg
Die Dichtungen sind mit amerik. Havannaleder gefertigt, wobei ein Außenring in Blei ausgeführt ist, der auf der Schleife entlag streicht, wenn die Schleife gezogen wird, die Dichtung wird etwas aufgeblasen wenn der Ton gespielt wird. Am Ende der Schleife ist eine Leerdichtung die mit einer Feder versehen ist.

einzelner-ring.jpg stock_dichtungen.jpg

Der Ventilkasten mit den Magneten und Anhängungen ist eher enttäuschend: keinerlei Reguliermöglichkeit, dafür eine unglückliche Montage von RC-Gliedern in der Windlade. Das kann absolut nicht empfohlen werden, weil ab und zu mal so ein Kondensator explodieren kann und in der Lade unschöne Kabelbrände entstehen können.
schleiflade_tonventile.jpg
Die Konstruktion der Registerzugsapparatur ist dagegen etwas uns vollkommen Unbekanntes: hier werden mit 145mmWs ein Hubaggregat betrieben, das von ein paar störenden Geräuschen abgesehen, doch ganz passabel funktioniert. Zumindest erinnere ich mich an meine Lehrzeit 1967 als in Deutschland sehr große Probleme mit den damals gängigen Binder-Magneten auftraten, die jene Weltfirma beinahe in den Konkurs trieb. Und viele Orgelbauer zu den plumpen pneumatischen Registerzügen zurückkehrten.
wila_mit_registerzuege.jpg
Die komplette Orgelanlage bei dieser Tamburini-Orgel, die gekennzeichnet ist von den 7 Schleifladen und unzähligen (rund 30) Einzeltonladen, die vorwiegend als Taschenladen gestaltet sind, kann durch die räumliche Enge und der neobarocken Konzeption (die eigentlich nur einen gravierenden Fehler enthält, nämlich, dass im Pedal kein nennenswerter Bass realisiert wurde) als musikalisch äußerst begrenztes Instrument gesehen werden.
Auch mit unseren Diskussionen um Kompromiss- oder Universalorgeln, wo ja letztendlich immer eine ökonomische Lösung avisiert wird, gerät dann ins Zwielicht, wenn man die Romantik ausklammern will oder nur alibiweise mit einbringt.
Auch der große Aufwand an Sub-Superkoppeln und Transmissionen kann echten Baß und weite, tragfähige Mensuren nicht ersetzen. Die ursprüngliche Walcker-Orgel mit nur rund 34 Register hätte davon Lieder singen können.
(gwm)

Comments are closed.