Pneumatik anstelle Barkerhebel – Oscar Walckers Vorschläge

Pneumatisch-mechanische Ventilbetätigungen bei Schleifladen anstelle von Barkerhebeln von Oscar Walcker vorgeschlagen am 15.Aug. 1941.
Der Übergang von Registerkanzellenladen wie Taschen-und Kegelladen auf Schleifladen verlief bei der Firma Walcker gleichzeitig mit einem Generationswechsel.
Nicht nur der Wechsel von einem Windladensystem zum anderen sondern auch die Abkehr von elektropneumatischen Auslaß-Systemen oder reinen elektrischen System der Multiplexinstrumente, die anfangs durchaus von den Leuten der Orgelbewegung begrüßt wurden, und der Wandel hin zur Mechanik brachte eine ganz gewaltige Metamorphose zustande.
So ist es nicht verwunderlich, dass bei Walcker zunächst die pneumatischen und elektropneumatischen Systeme mit der von allen Sachverständigen geforderten Schleiflade in Verbindung gebracht wurden. Die Registermechanik wurde durch pneumatische Bälge ersetzt.
Bild aus der Fertigung:
0000_apparate.jpg
Die Tonkanzellenventile wurden durch barkerähnliche Bälge aufgerissen, die wiederum über eine Mechanik und dazwischen liegendes Ausstromsystem angesteuert wurde. Man konnte sich einfach von diesen Gedanken der penumatischen Ansteuerung, die uns heute völlig abstrus vorkommen, nicht lösen (siehe Zeichnung A)
schleiflade_pneum_venti_z01.jpg
Eine weitere Variante, die ebenfalls sehr oft und detailliert gezeichnet worden war, ist diejenige (Zeichnung B) welche einen relativ großen Ausstrombalg, Ventilbalg, (wie er ähnlich bei Registerkanzellen zum Öffnen der Registerkanzelle verwendet wurde) verwendet. Wir können uns anhand der Zeichnung gut vorstellen, welch enormer Empfindlichkeit eine solche Trakturen ausgeliefert sind.
schleiflade_pneum_venti_z02.jpg
Auch die Variante C, bei der unter dem Ventilkasten Keilbälge angeordnet sind, die mit ausströmendem Wind das Tonventil aufreißen, hat seine Eigenarten. So kann an der Mutter über der Traktur die Schnelligkeit, mit der das Ventil wieder schließen soll reguliert werden.
schleiflade_pneum_venti_z03.jpg
Allen drei Konstruktionen liegt vor allem der Gedanke zu Grunde möglichst effektiv die Ventile aufzuziehen und dabei keine Klopfgeräusche zu verursachen, wie das beim normalen Barkerhebel der Fall sein kann.
Zeichnungen werden von Oscar Walcker am 15.Aug.1941 kommentiert.
Wir werden in Zukunft weiter zu untersuchen haben, wo solche Orgeln gebaut wurden, die jene Spieleinrichtungen hatten, und wie sich das alles bewährt hat. Und noch schöner wird es sein, wenn man Instrumente findet, wo solche Spieleinrichtungen vielleicht noch funktionstüchtig sind!
Weitere Dokumente sind
a) die Beschreibung der Systeme von Dr. Oscar Walcker
schleiflade_pneum_ventil.jpg

b) Liste Größe der Tonventil-Bälge lt. Oscar Walcker
schleiflade_pneum_tabell.jpg

One Response to “Pneumatik anstelle Barkerhebel – Oscar Walckers Vorschläge”

  1. Mark Vogl sagt:

    Sehr geehrter Herr Walcker-Meyer,

    ein recht interessantes Thema haben Sie hier angeschnitten. Nur, die Grundidee der Konstruktion stammt wohl nicht aus dem Hause Walcker. Die Orgelbauanstalt Späth aus Ennetach hat in den 1920er Jahren mehrere solche pneumatische Schleifladenkonstuktionen realisiert, allerdings noch mit dem Unterschied, dass zwischen Spieltisch und den Windladen eine rein pneumatische Verbindung existierte. Bei Späth sind ausserhalb des Ventilkastens zwei pneumatische Auslösungen mittels Hubmembranen und Kegelventilen angebracht, die die Keilbälge im Inneren des Windkastens entlasten. Diese ziehen dann, nahezu identisch wie auf der Zeichnung A zu sehen, die Ventile auf. Die Schleifen werden durch pneumatische Zugapparate betätigt.
    Bislang sind für die Firma Späth folgende Schleifladeninstrumente aus den 1920er Jahren, die diese Technik besassen, nachgewiesen:
    – op. 277 1921 Ebenweiler bei Saulgau, kath. Pfarrkirche II/P 19.
    – op. 283 1922 Neckarsulm, kath. Stadtpfarrkirche II/P 29. 1944 durch Kampfhandlungen
    zerstört.
    – op. 295 1923 Schömberg bei Balingen, kath. Pfarrkirche II/P 23. 1990 durch einen Neubau
    der Firma Stehle ersetzt. Die Windladen und das Pfeifenwerk lagern auf dem Dachboden der
    Kirche.
    – op. 298 1923 Krauchenwies (Hohenzollern), kath. Pfarrkirche II/P 10. 1974 durch einen
    Neubau der Firma Albiez ersetzt.

    Das Instrument in Ebenweiler ist in wesentlichen Teilen erhalten. Die Schleifenzugapparate wurden 1960 durch neue ersetzt. Im Spieltisch wurde der Transponierapparat entfernt und eine neue Blende an den Handregisterschaltern eingesetzt. Die an der „Elsässisch-Neudeutschen Orgelreform“ orientierte Disposition (original u.a. mit akustischem Glockenspiel) wurde in fünf Registern verändert. Der Zustand der Orgel ist grauenvoll, eine Ausreinigung liegt 40 Jahre zurück, es wurden immer nur die notwendigsten Arbeiten ausgeführt. Trotzdem ein absolut erhaltenswertes Instrument, an dem sich die Konstruktion der pneumatischen Anspielung von Schleifladen bis zum heutigen Tag studieren lässt.

    Viele Grüsse

    Mark Vogl