Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen

Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen. Das hieß bei Oscar Walcker im Jahre 1928 (sehen Sie die originale Aktennotiz aus 28.11.1928 weiter unten als Bild) ANLEITUNG zur REGULIERUNG der MECHANIK bei MECHANISCHEN ORGELN.
Denn der Altmeister des Deutschen Orgelbaus hatte noch sehr wenig mit mechanischen Schleifladen zu tun. Es war für ihn klar, dass es sich nur um Kegelladen handeln kann.
Aber zu diesem Thema kommen wir in einem der nächsten Blogs. Weil das Thema „Walcker und die ersten neobarocken Schleifladen-Orgeln“ bereits bei mir vorbereitet wurde und mit Sicherheit auch erhebliches Umdenken bei historisch gewachsenen Vorstellungen verursachen wird.
Wer bereits Gelegenheit hatte mechanische Kegelladen zu regulieren, oder nur ein paar Handgriffe in der Mechanik einer Kegellade leisten konnte, der weiß, welch komplexes Thema hier angeschnitten ist. Reguliert man nämlich entgegen der hier vorgelegten Systematik, so kann man am Ende dieser Arbeit wieder vorn vorne beginnen. Daher sollten sich Orgelbauer, die nur selten an mechanischen Kegelladen zu schaffen haben, unbedingt Oscar Walckers Methode ausdrucken und in die Akten der jeweiligen Orgel übernehmen.

Die nachfolgende Abschrift ist nicht wortwörtlich vorgenommen worden, sondern in heutiger Rede verfasst. Auch wurde die Tabelle nicht zweimal mit 2mm Addition an jeder Stelle erneut geschrieben. Wer die exakte Formulierung Oscar Walckers bevorzugt, der kann das untere Dokument ausdrucken.

freie Abschrift OV/B.28.11.1928
Anleitung
zur Regulierung der Mechanik bei mechanischen Orgeln.
1. Bei einer zweimanualigen Orgel ohne Oberladen:
Zuerst wird das I.Manual reguliert und bei der Windlade angefangen. Man sieht nach, ob die Wellen auf den Stellärmchen aufliegen; dann wird nachgesehen, ob die Kegel der Wellen einen Weg machen, der bei den verschiedenen Laden auch verschieden ist, und zwar macht der Kegel folgenden Gang:
I.Man. Unterlade 7,5mm
I.M. Oberlade 6,7mm
II.M. Unterlade 7,0mm
II.M. Oberlade 6,5mm
Pedallade 11,0mm
Hinzu kommen noch die 2mm Leerreise (Abstand Kegeldrehmutter zu Wellenärmchen)
Damit ist die Wellenärmchenreise 2mm+ die oben angegebenen Werte.
Es ist darauf zu achten, dass bei angezogener Welle (Taste ist gedrückt) die Anschlagmuttern der Kegel auf dem Bodenholz anliegen. Gegebenenfalls nachregulieren, weil sonst Blasgeräusche hier entstehen und die Kegel nicht ganz aufmachen.

2. Bei zweimanualigen Orgel mit Oberladen:
Sind Oberladen vorhanden, so werden diese sofort nach den Unterladen reguliert, ehe man an die Klaviaturen geht.
Oberlade und Unterlade werden miteinander verbunden, ohne dass hier eine Leerreise entsteht.
Als Leerreise darf nur der bereits im oberen Absatz erwähnte Abstand von 2mm zwischen Wellenarm und Kegeldrehmutter sein. Jedoch muss die Leerreise bei den Oberladen im I.Manual um 0,8mm und im II.Man um 0,5mm größer sein als bei der Unterlade.
Beim Einhängen der Mechanik muss insbesondere darauf gesehen werden, dass beim Eindrücken des Stiftchens oder Einhängen der Abstraktennasen, sich die Abstrakte mindestens 1mm seitlich bewegen kann. Vor dem Einhängen danach sehen, dass die Winkel leicht fallen.
Auf die Stiftchen ist es zweckmäßig eine Papierscheibe aufkleben, damit der Stift nicht herausfallen kann.

3. Sind die Laden reguliert, so stellt man nunmehr den Gang der Manualtasten fest. (ich würde davor noch sagen, es ist festzustellen, dass alle Wellen von Wellenbrettern und Abgangswinkel auf halbe Reise überprüft werden, also in exakter Mitte zwischen nicht gedrückt und gedrückten Zustand auf 90 Grad zur Welle oder Winkelarm zu stehen kommt, da extreme Verstellungen wieder die Tastenregulierung durcheinander bringen Anm.gwm)
Und zwar reguliert man die tiefste und die höchste Taste des I.Manuals derart, dass das I.Manual einschließlich Leergang 11,5mm macht.
Diese Regulierung darf jedoch nicht an der Taste selbst, sondern muss in der Orgel am Wellenbrett oder Raster vorgenommen werden.
Die Tasten müssen in der Lage sein, im gedrückten Zustand die Wellen so zu bewegen, dass die Anschlagmuttern unter den Kegeln am Bodenholz anliegen – also im Tastengang von 11,5mm sind die vorher besprochenen 2mm Leerreise an der Welle enthalten.
Nach dieser Regulierung an Wellenbrett bzw. Abgangswinkel in der Orgel wird die Regulierung an den Tasten des I.Manuals vorgenommen. Und dies natürlich in der Form, dass die Tasten möglichst gleichmäßig zu liegen kommen und möglichst gleiche Reise haben.
Die gleiche Regulierung nimmt man vor am II.Manual wobei hier die Tasten eine Reise von 10mm haben sollen. Ein mögliches III.Manual soll mit 9mm Reise nach Oscar Walcker betrieben werden.
Beim Pedal macht der Kegel 11mm Reise, die Taste macht 17mm Gang, also ist hier eine Leerreise von 6mm. Davon sind 3mm Leereise bei den Wellen und 3mm an den Stechern unter der Pedaltaste.

4. Regulierung der Koppeln
Hierauf erfolgt die Regulierung der Koppel II/I. Diese Koppel wird nun gezogen und die Wippe derart reguliert, dass zwischen Wippe und Mutter ca 0,5mm Leerreise sich ergibt, d.h. die Wippe darf am Mütterchen nicht straff anliegen, das sich sonst beim Ziehen der Koppel die Tasten mitbewegen würden.
Die Pedalkoppeln werden ebenso reguliert, nur dass hier zwischen Wippe und Mütterchen 2mm Leereise sein soll.
Nach meiner Erfahrung ist es immer sinnvoll beim Regulieren der Koppeln den Organisten mit einzubeziehen, weil jeder einen anderen Geschmack hat, wie die Abfolge der Ertönung sein soll. Manche wünschen akkurat zur gleichen Zeit die Manuale mit dem Pedal zu hören, während es oft sinnvoller ist, das I.Man etwas nach dem Pedal hören zu lassen und eine Idee später noch das II.Manual. (womit wir wieder bei der Dynamisierung des Spielbetriebes wären).
gwm

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