Oscar Walckers Anweisungen zur Fertigung von Taschenladen

Am 28.Juli 1943 fertigte Oscar Walcker (1869-1948) eine Anweisung über Maße, Bohrungen, Mensuren usw. für
TASCHENWINDLADEN. Genau zu einer Zeit, als die ersten Bomben in Hamburg abgeworfen wurden, mit verheerenden Folgen für die Menschen: In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 1943 flogen britische Bomberverbände den ersten einer Serie von insgesamt sieben Luftangriffen auf die Stadt. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Der militärische Codename lautete Operation Gomorrha. Die Zahl der Opfer belief sich auf 34.000 Tote und 125.000 Verletzte.
Natürlich wurden diese Anweisungen nicht neu erstellt für irgendwelche zu erwartenden Auftgräge, sondern die Zeit die man hatte wurde genutzt, um solcherlei Dinge in transparentere Formen zu fassen. Man erkennt an dem nachfolgenden Text, mit welcher Detailversessenheit diese Windladenkonstruktion reglementiert wurde. Natürlich mit dem Ziel vor Augen, keinerlei zufällige Fehler aufkommen zu lassen.
Ich glaube kaum ein Orgelbauer hat mehr Taschenwindladen gebaut (im Sinne der technischen Überwachungt), als es Oscar Walcker getan hat, und der mit Leib und Seele Techniker war, wie es hier aus diesen folgenden Texten uns entgegenspringt. Um aber auch technisch interessierten Fachleuten die Logik dieser Texte zukommen zu lassen, habe ich auch am Ende der Anweisung die dafür notwendige TASCHENLADEN-TABELLE eingebracht, auf die dieser Text mehrfach Bezug nimmt.

Ich notiere alle relevanten Aufzeichnungen im Originaltext:

ANWEISUNG ÜBER MAßE, BOHRUNGEN, MENSUREN usw. FÜR TASCHENWINDLADEN
1. Breite des Windladenpapiers 280mm
2. Höhenmaße der Lade
a) Bodenholz 28mm
b) Dämme 105mm
c) Pfeifenstöcke 35mm mittel
3. Die Dicke der Dämme und die Kanzellenbreiten werdeen nach der Tabelle gezeichnet und zwar:
Spalte 6,12 und 13 (siehe beiliegende Taschenladen-Tabelle)
4. Bei längeren Laden bekommt der Kanal eine Außenweite von 240mm und eine Lichtweite von 190 mm.
Bei kurzen Laden erhält der Kanal eine Außenweite von 190mm und Lichtweite von 140mm
Je kürzer die Laden, desto mehr Platzbedarf in der Breite. Wenn irgend möglich werden immer 2 Kanzellen zusammen genommen. Der Zwischenraum zwischen den Kanzellenblöcken beträgt mindestens 15mm.
5. Bei längeren Laden wird die Kanzellenbreite nach der Tabelle Spalte 12 genommen. Bei versetzten Taschen wird die Kanzellenbreite nach Spalte 13 genommen. Ob versetzt oder nicht versetzt genommen wird, richtet sich nach der Teilungsmöglichkeit.
6. Das Relais wird am besten in die Mitte der Lade verlegt. Breite Laden werden geteilt. Nur in besonderen Fällen wird das Relais an die Außenseite verlegt. Magnetgröße nach Tabelle.
7. Es werden die Bohrungen für die Ventiltaschen in die einzelnen Kanzellen eingeschrieben. In welche Bohrungsgröße die einzelnen Register einzuordnen sind richtet sich nach Spalte 10 der Tabelle resp. nach der Registereinteilung für Kegelladen. Spalte 12 ist zum Vergleich die Nummer der Kegelladenregister eingetragen.
8. Es werden nun die Relaisbohrungen festgestellt. Man rechnet die qmm nach Spalte 9 für die Bohrungen des C zusammen. Die Summe dieser Zahlen wird für die Tabelle für Relaistaschenladen Spalte 16 verglichen und der Mittelwert genommen. Beträgt die Summe nach Spalte 9 200, wird man nach Spalte 17 der Relaistabelle die Bohrung 17 wählen. Nach der Summe der Ventilbohrungen nach Spalte 9 wird für die betreffenden Windladenteile die Dammbohrung festgestellt. Die größten Bohrungen im Bodenholz sollen nicht mehr als 13mm sein. Müssen die Bohrungen größer genommen werden, werden sie länglich gebohrt, siehe Spalte 25. 10mm Bohrungen im Bodenholz werden nur bei engen Teilungen angewandt, also z.B, bei 25mm. Siehe Spalte 18
9. Die Mensuren der Register werden genau nach dem Arbeitsbuch bei den einzelnen Kanzellen eingetragen, insbesondere auch das Material, ob Holz oder Metall.
10. Es wird die Breite der Registerzugsöffnungen in die Kanzellen mit Farbstift eingetragen. Dabei ist zu beachten, dass wenn die Ventildrähte durch die Mitte des Dammes gehen, 33mm rechts und links für Ventilsitz freibleiben müssen. Siehe Splate 14&15 Farbige Pfeifel in den Dämmen zeigen an, wo gebohrt wird.
11. Kanaldeckellänge genau angeben und darauf achten, dass Registerventilapparate herausgenbommen werden können. Besonders beachten, wenn bei großenb Laden diese geteilt sind.
12. Für jede Lade mit größeren Registern ist eine Skizze über die Patronenlegung in der tiefen Lage anzufertigen.

Anfertigung eines Stabes:
13. Die Länge der LAde wird auf einen STab aufgemessen. Der REgisterkanal eingezeichnet. Gleichzeitig die Lager mit Farbstift angegeben. Lager beim Kanal möglichst außerhalb des Kanals legen wegen Kanalzuführung.
14. Teilung der Lade eintragen, nach größter Kanzellenbohrung.
15. Anschreiben der Töne der Teilung immer rechts.
16. Auf dem STab mit Farbstift und 2 Kreuzen anzeichnen, wo die Pfeifenstöcke und die Relais getrennt werden. Pfeifenstocklänge möglichst nicht über 1,25m.
17. Ventilöffnung im Kanal eintragen
18. Vorsehen, dass in dem Relais Teilungen für Registerrelais vorgesehen werden.
19. Bei Transmissionen Teilung siehe Tabelle

Tabelle Bohrungen (Beispiele)
Posaune 32′ C-F 40mm
Rankett 32′ C-H 34mm
Posaune 16′ C-H 27mm
Trompete 8′ C-H 22mm
Oboe 8′ C-H 17mm
Clairon 4′ C-H 17mm
Sing.Kornett 2′ C-H 13mm

taschenlad_tabelle_reduc.jpg ow_anweis.jpg

gwm

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