Walcker-Orgel Opus 990 in Osorno, Chile

Diese Orgel wurde im Jahre 1902 gebaut und ist deswegen interessant, weil es sich um eine nahezu identische Dulsanell-Orgel handelt, wie wir dies in Tomintoul /Schottland im Sommer restauriert haben.
Es gibt aus Chile einen Bericht, der das Wesentliche an dieser Orgel erfasst zu haben scheint. Eine Möglichkeit solche Orgel fachgerecht zu restaurieren sehen dagegen sehr begrenzt aus.
Hier der Bericht:
Report zur Orgel im Regionalmuseum Osorno (Avda. Matta / Bilbao)
Westlich der Plaza in Osorno nahe der Kreuzung Matta / Bilbao ist im Erdgeschoss eine einmanualige pneumatische Orgel mit verglasster Tastatur und fehlendem Pedal in einer Nische oestlich des Einganges aufgestellt worden, sie trägt den labidaren Hinweis: Orgel am Ende des 19. Jahrhunderts aus Deutschland und Puerto Montt, Umfang 250 Pfeifen aufgestellt. Es gibt keinerlei Hinweise auf Erbauer und Erschaffungsdatierung.
Weitere Einzelheiten sind nicht in Erfahrung zu bringen, nicht einmal der Kurator hat jedwede Angaben, außer dem Hinweis, dass die Orgel aus einer evangischen (Pfingstlern-) Gemeinde übernommen wurde.
Das Metallpfeifenwerk ist stark lädiert und gebeult, in beklagenswertem Zustand, das Holzpfeifenwerk dient als Aufhänger für Wischlappen, im Pedalregister fehlen die Labilengestaltungen gänzlich.

Disposition
I Manual C – c4
P Pedal C – ?

Registrierschaltungen:

Manual: Prinzipal 8` Farbe weiß

Flöte 8` Farbe weiß

Duciana 8` Farbe weiß

Flaute-
dolce 4´ Farbe weiß

Pedal:
Bourdon 16` Farbe hellgrün

Hilfszüge: Superoctav-
Coppel Farbe weiß

Coppel
Manual
z. Pedal Farbe weiß

Tutti Farbe weiß

Soweit einzuschätzen ist, sind Principal und Dulciana aus sehr bleihaltigen rusticalen Legierungen mit Bärten an den Labilen gefertigt, der Rest aus europäischen Holzarten.

Die jeweils 3 Aussenpfeifen des Bourdon sind bemalt mit arkatitenenähnlichen Laubinfratonen.

Die Orgelbank ist vorhanden und bedarf einer Restaurierung der Impregnatur als solches.

Die Balganlage ist zu einem großen Teil original aus Ziegenleder noch vorhanden.

Dem Autor liegt die Bedeutung nahe, dass diese Orgel 1908 fuer die Lutheranische Kirche in Puerto Montt durch die Firma Walcker, Ludwigsburg/Lahn gebaut worden ist.
Alle Verschläge sind verschraubt, es gibt jeweils eine C und Cis – Seite.
Der Winddruck bei den massiven und stumpfen Labialen dürfte um 160 mm WS gestanden haben. Kernstiche, auch nachgearbeitete, sind nicht nachweisbar.

Durch die recht dumpfe Disposition muss die Orgel für einen 60 x 25 mt großen Raum auf der 1 Empore ( Minimum 3,50 mt Höhe über Grund) konzipiert gewesen sein.

Die Orgel ist voll pneumatisch angelegt gewesen, vermutlich mit Kegelladen, also sowohl Tastatur- als auch Registertraktion.

Kröpfungen der tiefen Tonlagen am Pfeifenwerk sind nicht vorhanden.

Die Orgel (eher Positiv) ist in Konditionen einer Generalüberholung.
Es fehlt eine Dokumentation sowie Originaldaten der Erbauer.

Dipl.-Ing. h.c. BB
Sachkenner in Orgelfragen

Bilder dieser Orgel aus dem Bericht:
bild-1.jpg bild-3.jpg bild-4.jpg bild-5.jpg bild-6.jpg bild09.jpg

(gwm)

Anmerkung eines Besuchers: ich denke, man sollte Prospektpfeifen nicht übertrieben als Baseball-Schläger einsetzen..(…)

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