Die Rieger-Orgel Op.1073 Bj.1904 in der Synagoge zu Rom

Diese Orgel wurde im Jahr 1904 von der Firma Gebr. Rieger, Jägerndorf, Schlesien (Österreich) als Opus 1073 in pneumatischer Kegelladenbauweise und freistehendem Spieltisch ausgeführt. Die Orgel steht hinter dem Thora Schrein. Über dem Spieltisch befinden sich die Manuale. Das I.Manual, das Hauptwerk steht von vorne gesehen rechts, daneben, links ist das Schwellwerk (Recit) platziert. Hinter dem Spieltisch steht das Pedalwerk.
Die Orgel besitzt einen der damaligen Zeit entsprechenden typischen „romantischen“ Klang, der sich besonders durch feine Streicherstimmen wie Salicional, Gambe und auch die verschiedenen Flöten auszeichnet. Schön, aber in der Intonation nicht befriedigend sind ebenfalls die Principalstimmen. Sehr gut klingt der Violon 16’ im Pedal. Jedoch sind hier und auch im Subbaß und Octavbaß Intonationsmängel, die korrigiert werden müssen. Ganz typisch und hervorragend ist das Fugara 4′. Schön und ebenfalls typisch sind die Rohrflöte, Flute harmonique.
Insgesamt aber hat die Orgel ihren ursprünglich warmen, originalen Gesamtklang. Es macht sich bei vollgriffigem Spiel aber bemerkbar, dass die Windversorgung der Orgel erheblich durch den defekten Magazinbalg gestört ist.
Die Vox coelestis (auf Schwebung gestimmt) ist mit 2 Pfeifen pro Taste und Ton völlig verstimmt und momentan unbrauchbar. Verstimmungen sind auch in anderen Registern, besonders in der Mixtur festgestellt worden.

I.Manual C-g3 =56 Töne
Bourdone 16′
Principale 8′
Viola di Gamba 8′
Flauto conico 8’
Coperto 8′
Ottava 4’
Flauto di tubo. 4’
Mistura quadrupla 2 2/3’

II.Manual Recit

Principale di Viola 8′
Flauto di tubo 8′
Salicionale 8′
Voce celeste 8′
Fugara 4’

Pedal C-f’= 30 Töne
Violone 16′
Subbasso 16′
Basso ottavo 8’
Cello 8’

Cop. al ped. I, Cop. al ped. II, Cop. ott. sup. I, Cop. al man
Piano, Mezzoforte, Forte, Tutti, Auslöser
Schwelltritt, Crescendotritt

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Kegellade der Rieger-Orgel
a) Taste
b) Ventil
c) Bälgchen
d) Ventil
e) Membranleisten
f) Membranen (sind hier als Bälgchen gezeichnet)
g) Kegelventile
h) Registerkanzelle

In diesem Gebäude, der größten Synagoge auf europäischen Boden, befindet sich die 105 Jahre alte Rieger-Orgel, die seit ihrer Erbauung ununterbrochen Dienst im Tempel durchgeführt hat. Sie wird nicht für den üblichen Gottesdienst eingesetzt, sondern für Feste, wie Hochzeiten u.a..
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und hinter diesem Thora Schrein steht das Instrument:

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hier der Schwelltritt und Crescendotritt, ganz rechte Seite:
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erstaunlich die recht kurz angesetzten Expressionen (die sogar näher an der Mündung liegen, als bei Sauer):
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das Pedal Cello 8′ mit gut und leicht verstellbarem Gavioli:
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doppelte Relais im Pedal:

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(gwm)

Ergänzung: von einem Kommentator erhielt ich die Nachricht, dass die Synagoge in Budapest die größte Europas sei, was ich kaum beurteilen kann. Aber es ist wichtig zu wissen, dass in dieser Synagoge eine neue Orgel der Firma Jehmlich aus dem Jahre 1996 steht.

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