Archive for Oktober, 2009

Oscar Walckers Anweisungen zur Fertigung von Taschenladen

Mittwoch, Oktober 28th, 2009

Am 28.Juli 1943 fertigte Oscar Walcker (1869-1948) eine Anweisung über Maße, Bohrungen, Mensuren usw. für
TASCHENWINDLADEN. Genau zu einer Zeit, als die ersten Bomben in Hamburg abgeworfen wurden, mit verheerenden Folgen für die Menschen: In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 1943 flogen britische Bomberverbände den ersten einer Serie von insgesamt sieben Luftangriffen auf die Stadt. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Der militärische Codename lautete Operation Gomorrha. Die Zahl der Opfer belief sich auf 34.000 Tote und 125.000 Verletzte.
Natürlich wurden diese Anweisungen nicht neu erstellt für irgendwelche zu erwartenden Auftgräge, sondern die Zeit die man hatte wurde genutzt, um solcherlei Dinge in transparentere Formen zu fassen. Man erkennt an dem nachfolgenden Text, mit welcher Detailversessenheit diese Windladenkonstruktion reglementiert wurde. Natürlich mit dem Ziel vor Augen, keinerlei zufällige Fehler aufkommen zu lassen.
Ich glaube kaum ein Orgelbauer hat mehr Taschenwindladen gebaut (im Sinne der technischen Überwachungt), als es Oscar Walcker getan hat, und der mit Leib und Seele Techniker war, wie es hier aus diesen folgenden Texten uns entgegenspringt. Um aber auch technisch interessierten Fachleuten die Logik dieser Texte zukommen zu lassen, habe ich auch am Ende der Anweisung die dafür notwendige TASCHENLADEN-TABELLE eingebracht, auf die dieser Text mehrfach Bezug nimmt.

Ich notiere alle relevanten Aufzeichnungen im Originaltext:

ANWEISUNG ÜBER MAßE, BOHRUNGEN, MENSUREN usw. FÜR TASCHENWINDLADEN
1. Breite des Windladenpapiers 280mm
2. Höhenmaße der Lade
a) Bodenholz 28mm
b) Dämme 105mm
c) Pfeifenstöcke 35mm mittel
3. Die Dicke der Dämme und die Kanzellenbreiten werdeen nach der Tabelle gezeichnet und zwar:
Spalte 6,12 und 13 (siehe beiliegende Taschenladen-Tabelle)
4. Bei längeren Laden bekommt der Kanal eine Außenweite von 240mm und eine Lichtweite von 190 mm.
Bei kurzen Laden erhält der Kanal eine Außenweite von 190mm und Lichtweite von 140mm
Je kürzer die Laden, desto mehr Platzbedarf in der Breite. Wenn irgend möglich werden immer 2 Kanzellen zusammen genommen. Der Zwischenraum zwischen den Kanzellenblöcken beträgt mindestens 15mm.
5. Bei längeren Laden wird die Kanzellenbreite nach der Tabelle Spalte 12 genommen. Bei versetzten Taschen wird die Kanzellenbreite nach Spalte 13 genommen. Ob versetzt oder nicht versetzt genommen wird, richtet sich nach der Teilungsmöglichkeit.
6. Das Relais wird am besten in die Mitte der Lade verlegt. Breite Laden werden geteilt. Nur in besonderen Fällen wird das Relais an die Außenseite verlegt. Magnetgröße nach Tabelle.
7. Es werden die Bohrungen für die Ventiltaschen in die einzelnen Kanzellen eingeschrieben. In welche Bohrungsgröße die einzelnen Register einzuordnen sind richtet sich nach Spalte 10 der Tabelle resp. nach der Registereinteilung für Kegelladen. Spalte 12 ist zum Vergleich die Nummer der Kegelladenregister eingetragen.
8. Es werden nun die Relaisbohrungen festgestellt. Man rechnet die qmm nach Spalte 9 für die Bohrungen des C zusammen. Die Summe dieser Zahlen wird für die Tabelle für Relaistaschenladen Spalte 16 verglichen und der Mittelwert genommen. Beträgt die Summe nach Spalte 9 200, wird man nach Spalte 17 der Relaistabelle die Bohrung 17 wählen. Nach der Summe der Ventilbohrungen nach Spalte 9 wird für die betreffenden Windladenteile die Dammbohrung festgestellt. Die größten Bohrungen im Bodenholz sollen nicht mehr als 13mm sein. Müssen die Bohrungen größer genommen werden, werden sie länglich gebohrt, siehe Spalte 25. 10mm Bohrungen im Bodenholz werden nur bei engen Teilungen angewandt, also z.B, bei 25mm. Siehe Spalte 18
9. Die Mensuren der Register werden genau nach dem Arbeitsbuch bei den einzelnen Kanzellen eingetragen, insbesondere auch das Material, ob Holz oder Metall.
10. Es wird die Breite der Registerzugsöffnungen in die Kanzellen mit Farbstift eingetragen. Dabei ist zu beachten, dass wenn die Ventildrähte durch die Mitte des Dammes gehen, 33mm rechts und links für Ventilsitz freibleiben müssen. Siehe Splate 14&15 Farbige Pfeifel in den Dämmen zeigen an, wo gebohrt wird.
11. Kanaldeckellänge genau angeben und darauf achten, dass Registerventilapparate herausgenbommen werden können. Besonders beachten, wenn bei großenb Laden diese geteilt sind.
12. Für jede Lade mit größeren Registern ist eine Skizze über die Patronenlegung in der tiefen Lage anzufertigen.

Anfertigung eines Stabes:
13. Die Länge der LAde wird auf einen STab aufgemessen. Der REgisterkanal eingezeichnet. Gleichzeitig die Lager mit Farbstift angegeben. Lager beim Kanal möglichst außerhalb des Kanals legen wegen Kanalzuführung.
14. Teilung der Lade eintragen, nach größter Kanzellenbohrung.
15. Anschreiben der Töne der Teilung immer rechts.
16. Auf dem STab mit Farbstift und 2 Kreuzen anzeichnen, wo die Pfeifenstöcke und die Relais getrennt werden. Pfeifenstocklänge möglichst nicht über 1,25m.
17. Ventilöffnung im Kanal eintragen
18. Vorsehen, dass in dem Relais Teilungen für Registerrelais vorgesehen werden.
19. Bei Transmissionen Teilung siehe Tabelle

Tabelle Bohrungen (Beispiele)
Posaune 32′ C-F 40mm
Rankett 32′ C-H 34mm
Posaune 16′ C-H 27mm
Trompete 8′ C-H 22mm
Oboe 8′ C-H 17mm
Clairon 4′ C-H 17mm
Sing.Kornett 2′ C-H 13mm

taschenlad_tabelle_reduc.jpg ow_anweis.jpg

gwm

Die Braunersche pneumatische Orgel im Tempel zu Pilsen, Bj 1893-94

Sonntag, Oktober 25th, 2009

Diese Synagogen-Orgel kann gewissermaßen als eine Ergänzung zu unserer zwei Blogs vorher beschriebenen Rieger-Orgel in der Synagoge zu Rom gesehen werden. Ebenso kann man diesen Blog auch als einen Aufruf zur Sanierung betrachten, denn das Werk ist momentan unspielbar, hat aber eine hochinteressante Disposition, die man auch auf Material und Mensurenzusammenstellung noch näher auf den Seiten der ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU VON 1893-1894 studieren kann.
pilsen01.jpg
Ich danke für den Hinweis und beigebrachten Fotos Herrn Holger Fett, der schon mehrfach unsere Seiten in dieser Form bereichert hat.

Disposition der Braunerschen Orgel in der Synagoge zu Pilsen:

HAUPTWERK I.Manual C-g3
1. Bourdon 16′ Holz
2. Principal 8′ Zinn
3. Octav 4′ Zinn
4. Cornett 5 1/3′ Zinn
5. Mixtur 2 2/3′ Zinn
6. Viola di Gamba 8′ Zinn
7. Hohflöte 8′ Holz, prismatischer Schnitt
8. Doppelflöte 8′ Holz?, Doppellabien, gedeckt
9. Octaviante 4’+2′, Zinn, 2′ doppelt Läng überblasend
10. Clarinette 8′, vorgesehen

SOLO II.Manual
11. Quintade 16′ Holz, Zinn
12. Principal 8′ Zinn
13. Salicional 8′ Holz, Zinn
14. Wiener Flöte 8′ Zink,Holz
15. Gedeckt 8′ Holz, Zinn
16. Solo-Cornett 5 1/3′, 3f. G-c-e durchgehend
17. Geigenprincipal 4′ Zinn
18. Spitzflöte 4′ Zinn
19. Mixtur 2 2/3′ 3-5f.
20. Englisch Horn 8′ vorgesehen

III.Manual SCHWELLWERK
21. Liebl. Gedeckt 8′ Holz
22. Geigenprincipal 8′
23. Rohrflöte 8′ Zinn
24. Engelsstimme 8′ Holzrohrkörper, 88 Pfeifen
25. Aeoline 8′ Zinn
26. Gemshorn 4′ Zinn
27. Fugara 4′ Zinn
28. Harm. aetheria 2 2/3′ 3-5f. Zinn
29. Vox humana 8′ vorgesehen

PEDAL 27 Töne
30. Principal 16′ Holz, Zinn
31. Violon 16′ Zink, Zinn
32. Subbaß 16′ Fichtenholz
33. Salicet 16′ Holz, Zinn
34. Violoncello 8′ Zink, Zinn
35. Principal 8′ Zinn
36. Trompete 8′ vorgesehen
37. Posaune 16′ Holz einschlagend
38. Bassethorn 4′ Zinn

und hier die schockierenden Bilder des Elends, die uns erreichten:

pilsen-synagoge-1.JPG pilsen-synagoge-2.JPG pilsen-synagoge-4.JPG pilsen-synagoge-7.JPG pilsen-synagoge-7.JPG pilsen-synagoge-9.JPG pilsen-synagoge-10.JPG pilsen-synagoge-11.JPG pilsen02.jpg

Die Pilsener Synagogenorgel war übrigens seinerzeit bei „Orgel International“ (Markus Zimmermann) im Heft 1, 1999, auf der Titelseite abgebildet. (wird mit entsprechenden Heftinfos ergänzt)

(gwm)

Walcker-Orgel Opus 990 in Osorno, Chile

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Diese Orgel wurde im Jahre 1902 gebaut und ist deswegen interessant, weil es sich um eine nahezu identische Dulsanell-Orgel handelt, wie wir dies in Tomintoul /Schottland im Sommer restauriert haben.
Es gibt aus Chile einen Bericht, der das Wesentliche an dieser Orgel erfasst zu haben scheint. Eine Möglichkeit solche Orgel fachgerecht zu restaurieren sehen dagegen sehr begrenzt aus.
Hier der Bericht:
Report zur Orgel im Regionalmuseum Osorno (Avda. Matta / Bilbao)
Westlich der Plaza in Osorno nahe der Kreuzung Matta / Bilbao ist im Erdgeschoss eine einmanualige pneumatische Orgel mit verglasster Tastatur und fehlendem Pedal in einer Nische oestlich des Einganges aufgestellt worden, sie trägt den labidaren Hinweis: Orgel am Ende des 19. Jahrhunderts aus Deutschland und Puerto Montt, Umfang 250 Pfeifen aufgestellt. Es gibt keinerlei Hinweise auf Erbauer und Erschaffungsdatierung.
Weitere Einzelheiten sind nicht in Erfahrung zu bringen, nicht einmal der Kurator hat jedwede Angaben, außer dem Hinweis, dass die Orgel aus einer evangischen (Pfingstlern-) Gemeinde übernommen wurde.
Das Metallpfeifenwerk ist stark lädiert und gebeult, in beklagenswertem Zustand, das Holzpfeifenwerk dient als Aufhänger für Wischlappen, im Pedalregister fehlen die Labilengestaltungen gänzlich.

Disposition
I Manual C – c4
P Pedal C – ?

Registrierschaltungen:

Manual: Prinzipal 8` Farbe weiß

Flöte 8` Farbe weiß

Duciana 8` Farbe weiß

Flaute-
dolce 4´ Farbe weiß

Pedal:
Bourdon 16` Farbe hellgrün

Hilfszüge: Superoctav-
Coppel Farbe weiß

Coppel
Manual
z. Pedal Farbe weiß

Tutti Farbe weiß

Soweit einzuschätzen ist, sind Principal und Dulciana aus sehr bleihaltigen rusticalen Legierungen mit Bärten an den Labilen gefertigt, der Rest aus europäischen Holzarten.

Die jeweils 3 Aussenpfeifen des Bourdon sind bemalt mit arkatitenenähnlichen Laubinfratonen.

Die Orgelbank ist vorhanden und bedarf einer Restaurierung der Impregnatur als solches.

Die Balganlage ist zu einem großen Teil original aus Ziegenleder noch vorhanden.

Dem Autor liegt die Bedeutung nahe, dass diese Orgel 1908 fuer die Lutheranische Kirche in Puerto Montt durch die Firma Walcker, Ludwigsburg/Lahn gebaut worden ist.
Alle Verschläge sind verschraubt, es gibt jeweils eine C und Cis – Seite.
Der Winddruck bei den massiven und stumpfen Labialen dürfte um 160 mm WS gestanden haben. Kernstiche, auch nachgearbeitete, sind nicht nachweisbar.

Durch die recht dumpfe Disposition muss die Orgel für einen 60 x 25 mt großen Raum auf der 1 Empore ( Minimum 3,50 mt Höhe über Grund) konzipiert gewesen sein.

Die Orgel ist voll pneumatisch angelegt gewesen, vermutlich mit Kegelladen, also sowohl Tastatur- als auch Registertraktion.

Kröpfungen der tiefen Tonlagen am Pfeifenwerk sind nicht vorhanden.

Die Orgel (eher Positiv) ist in Konditionen einer Generalüberholung.
Es fehlt eine Dokumentation sowie Originaldaten der Erbauer.

Dipl.-Ing. h.c. BB
Sachkenner in Orgelfragen

Bilder dieser Orgel aus dem Bericht:
bild-1.jpg bild-3.jpg bild-4.jpg bild-5.jpg bild-6.jpg bild09.jpg

(gwm)

Anmerkung eines Besuchers: ich denke, man sollte Prospektpfeifen nicht übertrieben als Baseball-Schläger einsetzen..(…)

Die Rieger-Orgel Op.1073 Bj.1904 in der Synagoge zu Rom

Mittwoch, Oktober 14th, 2009

Diese Orgel wurde im Jahr 1904 von der Firma Gebr. Rieger, Jägerndorf, Schlesien (Österreich) als Opus 1073 in pneumatischer Kegelladenbauweise und freistehendem Spieltisch ausgeführt. Die Orgel steht hinter dem Thora Schrein. Über dem Spieltisch befinden sich die Manuale. Das I.Manual, das Hauptwerk steht von vorne gesehen rechts, daneben, links ist das Schwellwerk (Recit) platziert. Hinter dem Spieltisch steht das Pedalwerk.
Die Orgel besitzt einen der damaligen Zeit entsprechenden typischen „romantischen“ Klang, der sich besonders durch feine Streicherstimmen wie Salicional, Gambe und auch die verschiedenen Flöten auszeichnet. Schön, aber in der Intonation nicht befriedigend sind ebenfalls die Principalstimmen. Sehr gut klingt der Violon 16’ im Pedal. Jedoch sind hier und auch im Subbaß und Octavbaß Intonationsmängel, die korrigiert werden müssen. Ganz typisch und hervorragend ist das Fugara 4′. Schön und ebenfalls typisch sind die Rohrflöte, Flute harmonique.
Insgesamt aber hat die Orgel ihren ursprünglich warmen, originalen Gesamtklang. Es macht sich bei vollgriffigem Spiel aber bemerkbar, dass die Windversorgung der Orgel erheblich durch den defekten Magazinbalg gestört ist.
Die Vox coelestis (auf Schwebung gestimmt) ist mit 2 Pfeifen pro Taste und Ton völlig verstimmt und momentan unbrauchbar. Verstimmungen sind auch in anderen Registern, besonders in der Mixtur festgestellt worden.

I.Manual C-g3 =56 Töne
Bourdone 16′
Principale 8′
Viola di Gamba 8′
Flauto conico 8’
Coperto 8′
Ottava 4’
Flauto di tubo. 4’
Mistura quadrupla 2 2/3’

II.Manual Recit

Principale di Viola 8′
Flauto di tubo 8′
Salicionale 8′
Voce celeste 8′
Fugara 4’

Pedal C-f’= 30 Töne
Violone 16′
Subbasso 16′
Basso ottavo 8’
Cello 8’

Cop. al ped. I, Cop. al ped. II, Cop. ott. sup. I, Cop. al man
Piano, Mezzoforte, Forte, Tutti, Auslöser
Schwelltritt, Crescendotritt

aus_grosse_wescheide.jpg
Kegellade der Rieger-Orgel
a) Taste
b) Ventil
c) Bälgchen
d) Ventil
e) Membranleisten
f) Membranen (sind hier als Bälgchen gezeichnet)
g) Kegelventile
h) Registerkanzelle

In diesem Gebäude, der größten Synagoge auf europäischen Boden, befindet sich die 105 Jahre alte Rieger-Orgel, die seit ihrer Erbauung ununterbrochen Dienst im Tempel durchgeführt hat. Sie wird nicht für den üblichen Gottesdienst eingesetzt, sondern für Feste, wie Hochzeiten u.a..
sinagoga_rieger_00_3gebauede.jpg

sinagoga_rieger_00_17.JPG

und hinter diesem Thora Schrein steht das Instrument:

sinagoga_rieger_00_31.JPG

hier der Schwelltritt und Crescendotritt, ganz rechte Seite:
sinagoga_rieger_00_22.JPG

erstaunlich die recht kurz angesetzten Expressionen (die sogar näher an der Mündung liegen, als bei Sauer):
sinagoga_rieger_00_43.JPG

das Pedal Cello 8′ mit gut und leicht verstellbarem Gavioli:
sinagoga_rieger_00_66.JPG

doppelte Relais im Pedal:

sinagoga_rieger_00_73.JPG

(gwm)

Ergänzung: von einem Kommentator erhielt ich die Nachricht, dass die Synagoge in Budapest die größte Europas sei, was ich kaum beurteilen kann. Aber es ist wichtig zu wissen, dass in dieser Synagoge eine neue Orgel der Firma Jehmlich aus dem Jahre 1996 steht.

Tadeusz Machl und sein grafisches System angewandt auf Idstein Op.5539

Samstag, Oktober 10th, 2009

Der polnische Komponist für Orgelmusik Tadeusz Machl hat bei uns noch nicht den erforderlichen Bekanntheitsgrad erreicht, wie andere Komponisten aus seinem Land, was aber nichts besagt: die Langeweile in den Organistenstuben wird in den nächsten Jahren ihre Höhepunkte erreichen, wo man alles Brauchbare und noch nicht Dagewesene auf den Notenhalter legen wird, nur um noch etwas Aufmerksamkeit zu erwecken.
Dies aber sei nicht unser Antriebsmotiv, um hier eine interessante Idee Machls aufzugreifen, die er fast auf den Tag genau vor 30 Jahren meinem Vater unterbreitete, nach dem dieser ihm einige Dispositionen neugebauter Orgeln geschickt hatte.
Statt Begriffe wie Rohrflöte oder Flöte, will Machl ein grafisches Symbol auf die Registertasten bannen, das kurz über die Bauform der Pfeifen Aufschluss gibt und damit eine Klangsymbolik ausdrückt. Übrigens schon dagewesen in Berlin-Spandau, geplant von Schulze-Kühn, gebaut von Walcker (1967-68), in etwas anderer Form.
Hier einmal zunächst der Brief von Tadeusz Machl:
machl_brf1.jpg

und hier die Dispo mit Bild aus Idstein, die nicht uninteressant ist, und das nicht alleine wegen dem Xylophon:
5539_idstein.jpg

hier endlich das grafische System zu der Orgel, das man mit der Dispo zusammen lesen sollte:

graf-system.jpg

dazu zwei Details, aus der man die Konstruktion der Symbole erkennen kann:
grafik021.jpg grafik011.jpg

(gwm)

Opus 4266 -die Walcker-Orgel in Fuerfeld Bj 1962

Samstag, Oktober 10th, 2009

Ein außergewöhnliches Werk (Bj. 1962, II/14) das mit einem wunderschönen Klängen aufwartet – aber eben auch ganz in der Tradition der 60er Jahre gebaut ist. Das heißt: einfache Anlage, Kunststoffwinkel, serielle Industriefertigung. Man vergisst bei Betrachtung der Instrumente aus dieser Zeit einen entscheidenden Umstand: hierzu ein Beispiel: „Ein Pfarrer schrieb eine Postkarte! im Jahre 1966, in der er eine 12 Register-Orgel bestellte, aber unter der Voraussetzung, dass diese in 3 Monaten, also vor Ostern, in seiner Kirche spielbar aufgestellt sein müsse!“
Wir geben noch heute einen Einblick in das Pfeifenwerk und in die technische Gestaltung dieser Orgel auf unserem Blog. Seit 45 Jahren spielt diese Orgel, wobei nach Aussage des Pfarrers, immer kurz vor dem Gottesdienst hochgeheizt würde, keinerlei Ausreinigung und seit rund 10 Jahren keine Hauptstimmung mehr gemacht wurde. Und dennoch ist das Werk top.
Dagegen sollte man erst einmal Argumente finden:
opus4266_00_1.JPG
WALCKER Bj 1962, II/14 m-m

Manual I, C-g’’’
1 Flöte 8’
2 Prinzipal 4’
3 Nachthorn 4’
4 Sesquialter 2f.
5 Waldflöte 2’
6 Mixtur 3-4f
Manual II
7 Gedackt 8’
8 Rohrflöte 4’
9 Prinzipal 2’
10 Quinte 1 1/3’
11 Scharfzimbel 3f.
Pedal C-f’
12 Subbaß 16’
13 Oktavbaß 8’
14 Pommer 4’

weitere Bilder:
opus4266_00_3.JPG opus4266_00.JPG opus4266_00_6.JPG opus4266_00_7.JPG
opus4266_00_5.JPG

(gwm)