Blaupapier – eine Anfrage aus Mexico

Als Orgelbauer nimmt man oft Dinge als selbstverständlich und unbedeutend wahr, die für Andere höchste Bedeutung zu besitzen scheinen. So ist es mit diesem „Blaupapier“ das ganz allgemein immer wieder Laien zu Fragen auffordert, oder wie jetzt einen Historiker aus Mexico, der mich nach dem blue-paper befragte, was man anfangs als blue-print missverstand.
hier seine zweite Rückfrage:
Dear Mr. Walcker- Mayer
Can I call you a friend? Because that’s what you are now for me and the project. You don’t know how much you helped us in this particular problem of the reserch! I can’t thank you enough for taking your time to help us. We can now talk about an interesting German organ building influence in the renovation and maintenance of eighteenth century Mexican organs particulary in the State of Hidalgo.
You also provided information about the restoration proces! Thank you so much!
I still have a lot of questions and I’m wondering (if is not to much trouble) if you can provide some of the answers or maybe you can tell us about a source to look for more information about this paper.
I’m wondering…
This paper was only a German tradition? Did it travel through Europe?
I think this paper is also used in harmoniums. Right?
Is there a chance that a Mexican craftsman in the eighteenth century or maybe in the twentieth could have learned how to use it ?
This was also a tradition in wooden pipes?
Dou you know the composition of this wallpaper glue?? Do you know where to buy it?
I’m sending some photos in this mail. With the wisdom of your experience and with the knowledge of many generations of Walckers maybe you can tell us if there is a chance to save all the paper in the restoration process and still have a good wind conduit… we have in our hands a historical piece but we also have the objective to bring it to a working condition.
We’ll like to know your opinion!
I’m sorry if I tooked to much of your time but Jimena Palacios Uribe (conservator of Musical Instruments, proffesor and the director of the project) and I are prepared to give you an oficial thank you document for helping us in our project. Who knows? Maybe you can be our on line assesor…if you want of course!

Long live the Organ!!!

und hier die für unsere Augen absolut einmaligen Fotos aus einer solchen mexicanischen restaurierungsbedürftigen Orgel:
mexico011.jpg

mexico02.jpg

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Nun, wie verhält es sich mit diesem berüchtigtem Blaupapier? Wir haben eine Aufzeichnung in Eberhard Friedrich Walckers Notizbüchern gefunden, die zeigt, dass er das erste Blaupapier bei Aristide Cavaillé-Coll etwa 1856/57 gesehen hat und sich beim französischen Orgelmeister die Erlaubnis geholt hat, dasselbe auch in seinen Orgeln verwenden zu dürfen.
Eine andere Version, ich weiß es nicht mehr wo ich dies gelesen habe, sagt, dass Marcussen schon 1830/35 solches Blaupapier verwendet habe.
Das Blaupapier wird ab etwa 1870 bei Walcker und bei vielen deutschen Orgelbauern bis zum II.WK verwendet, vor allem bei Kanälen und Bälgen. Astlöcher und Holzundichtigkeiten werden so leicht eliminiert. Das Blaupapier sauber und faltenfrei anzubringen erfordert aber, dass a) das zu papierene Element (Kanal oder Balg) selbst absolut sauber ist, und b) das Blaupapier auf einer Seite leicht feucht gewässert wird, während die andere Seite gut mit Tapetenkleister bestrichen wird. Dieser Kleister sollte so angerührt werden, wie bei schweren Tapeten. Möglichst keinen Kleister auf die sichtbare Seite anbringen, weil man das nachher sieht.
Bei Laukhuff muss man eine ganze Rolle Blaupapier kaufen, geringere Mengen werden von uns Orgelbauern gerne abgegeben.
Blaupapier wurde natürlich auch in Harmonien verwendet, auch bei Holzpfeifen, was nun aber wirklich keine ästhetische Qualität mehr aufweist.
gwm (bei sonnigem Wetter mal wieder in Bliesransbach)

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