Die Spieltraktur der Schyven-Orgel in San José

Keine Orgelsubstanz hat derartig unter fehlerhafter Behandlung gelitten, als die Traktur dieser Orgel.
Die Mängel, die sich hier wahrscheinlich in den letzten 50 Jahren sehr drastisch eingeschlichen haben, sind auch beileibe noch nicht restlos behoben.
Darum, und weil interessierte Leute an eine fachgerechte Wartung in Zukunft denken wollen, habe ich einmal das Traktursystem, speziell das der Manualtrakturen, hier in Form eines Schemas aufskizziert:
trakturschema.jpg
Dieses Bild gibt es als hochauflösende Vektorzeichnung in PDF-Format mit nur wenigen kbytes hier: schema_schyven.pdf.
Für das Verständnis der nachfolgenden, beschrifteten Fotos ist dieses vorangegangene Schema erforderlich.
Einige Rückfragen interessierter Laien haben zum Ausdruck gebracht, dass man die Funktion der Barkerhebel nicht ganz verstanden hat.
Ich nehme an, dass man an diesem oberen Schema die Sache etwas genauer sieht: der Barkerhebel wird durch die Tasten des I.Manuals angesteuert, ein kleines Ventil unterhalb des Barkerbalges öffnet den Windzufluss und der Balg hebt die Traktur auf der anderen Seite an. Dort befinden sich im unteren Bereich drei Wippenbalken. Einer davon ist fest und bewegt die Traktur des Hauptwerks (hier das Grand Orgue).
Zwei weitere Wippenbalken sind beweglich und werden mit den Tritten III/I oder II/I ein-ausgeschaltet. Diese beiden Wippen sind in die Trakturen des III. und II. Manuals eingelassen. Und dies ist eigentlich die grandiose Erfindung des Aristide Cavaillé-Coll, nämlich das komplette Manualwerk über die Barker recht leichtgängig zu bewegen.
Hier ein Bild der Barkermaschinerie mit Ansicht auf die Traktur des I.Manuals die von den Tasten kommt.
01_barker_go.jpg

In dem nachfolgenden Foto ist die andere Seite dieser Barkermaschine, wo die Kraft umgesetzt wird, mit Ventil, Hebel und Mechaniken erkennbar, die von dem Barker bewegt werden:

05_barker_vertikal1.jpg

Sehr interessant ist auch die Ausführung der zwei Trakturen des Hauptwerks, zu Zungenwerk und Labialwerk, was im nachfolgenden Bild gezeigt wird:
03_go.jpg

Eine „drastische Trakturführung“ gibt es zum II.Manual, das recht schwierig in meinem Schema zu zeigen war (bitte beachten, dass alle Windladen auf gleicher Höhe liegen, nur wegen der Übersichtlichkeit wurde das Positif etwas höher einskizziert)
Es geht dort nämlich zunächst horizontal, dann vertikal, nun horizontal, dann biegt die Traktur nach rechts ab, um mit Winkeln nun wieder vertikal aufzusteigen.
Diese Trakturführung hat ihren Preis: 300g Minimum per Taste! Was einem Guy Whatley ein müdes Lächeln abgewann. Er hat hier die schönsten Triller und Repetitionen wie eine Eiskünstläuferin zelebriert – und hoffen wir, dass er dies morgen bei der Inauguration der Schyven-Orgel, die rund 15 Jahre unspielbar war, ebenso wie beim practising gestern und heute, der versammelten Orgelgemeinde zeigen kann.
04_go.jpg

gwm ( am Ende eines arbeitsreichen und stressreichen Samstags, dem letzten Tag vor der Wiedereinführung dieser Orgel von einem absolut professionalen Organisten)

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