Die Walcker-Orgel Op. 2090 in Dolorosa/San José

Diese Orgel steht mitten im Zentrum der Hauptstadt Costa Ricas, in San José, und ist nach Aussagen eines Freundes seit mehr als 40 Jahren unspielbar. Die Kirche jedoch macht einen solchen überzeugenden Eindruck, dass man nicht ganz versteht, warum das so sein – und vor allem bleiben sollte.

Kirche Santa Dolorosa in San José (alle Bilder 31.07.2009 – gwm)
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Interessant an dieser Orgel, gebaut im Jahre 1925 unter Oscar Walcker, als längst die Orgelbewegung ihre ersten Gestaltungen erzeugte, ist der Umstand, dass wir es hier mit einer klassischen mechanischen Kegellade zu tun haben, die zweifellos nicht den Orgelalltag der Firma Walcker mehr ausfüllte.
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Innenansichten der Walckerschen Kegellade aus 1925
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Die Disposition dieser Orgel ist schnell erzählt, wobei man nicht weiß, wie es zu dieser seltsamen Bombarde 16′, die im Pedal mit aussergewöhnlichem Porcellanschild erscheint, gekommen ist:
Manual C-g“‘
1 Principal 8′
2 Slicional 8′
3 Flöte 8′
4 Voz celeste 8′

Pedal C-f‘
5 Subbaß 16′
6 Bourdon 8′
7 Octav 4′
8 Bombarde 16′

Hier nun sehen wir den Orgelkasten mit seitlich angebauten Spielschrank:

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Und hier etwas, das mir durchaus nicht einleuchten wollte. Es war auf der Orgelempore so dunkel, dass ich es zuerst auch nicht bemerkte. Es gibt nämlich unter Fachleuten die gute und richtige Auffassung, dass der hier in Costa Rica tätige Schädling „Comejechen“ sich niemals in gute deutsche Eiche verbeist. Hier aber schien er es getan zu haben. Aber an dem Foto konnte man später rasch erkennen, dass es nur Eiche Furnier war, durch das sich der Schädling nicht blöffen lies:
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Und dann kommt natürlich noch das erhabene Gefühl auf, in einen überaus ästhetischen Rausch geraten zu sein, wenn man die in die Linsenen eingelassenen Leuchtstoffröhren sieht und aufleuchten lassen kann. Wenn man außerdem den mit emaillierter Heizkörperfarbe behandelten Pfeifen ins Angesicht blicken kann…., GottseiDank hat man sich im Orgelinneren Askese aufgelegt. Nun leider konnten wir das Pfeifenwerk nicht in Augenschein nehmen – auch hier ein herzliches VergeltsGott, denn wir wissen wohl, welche Prüfungen einem da leicht auferlegt werden können.
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gwm (am Samstagabend im Hexenkessel der Stadt)

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