Archive for Juli, 2009

Artikel aus 1903 über die Walcker-Dulsanell in Scottland

Donnerstag, Juli 30th, 2009

The Banffshire Advertiser 16 July 1903

The Dulsanell Pipe Organ

The day when instrumental music in churches was considered a sacrilege has long since passed away. British organ-builders were slow to realize the great requirement that; ,has arisen —the demand for a pipe organ of convenient size, power, and cost that would suit the necessities of small congregations, both from a musical and financial standpoint. The fact such an urgent demand called for an immediate response was quickly noted by :Messrs Marr Wood and Co of Aberdeen, who finding that no organ builder in the kingdom thought he matter sufficiently worthy of attention, resolved to make every effort to supply a want every day becoming more clamorous. Their first step after satisfying themselves of the hopeless apathy of native organ builders, was to look abroad for an organ maker of repute who would undertake to build from their specifications an instrument, in classes or sizes calculated to give satisfaction, both as regards power and price, and meet the needs of all clients. It was in the carrying out of this trade policy that Marr Wood &Co were exceed¬ingly fortunate in getting into touch with one of the most renowned organ constructors – no other than Messrs Walcker & Co. With business acumen, Messrs Walcker & Co grasped the idea presented to them by the Scottish firm, and immediately set to work with all the energy at their command to give practical proof of their abilities to meet the urgency of the case. In due course, through. Marr Wood & Co, their sole agents in this Country, they placed upon the British market the specially designed „Dulsanell“. organ with such success that the foresight which prompted its creation has been more than-justified. Among recent orders, a Gothic
style „Class A“ is now being erected in the Parish Church, Tomintoul.”

Thanks to Sven,

gwm (nun im Holiday Inn aus dem 7ten Stock seeing San José in the rain)

Walcker-Orgel Opus 5282, Bj.1969, II/19,m-m, Altenstadt

Sonntag, Juli 26th, 2009

1969 – 2009 : Happy Birthday: 40 Jahre Walcker Orgel
Willkommen im Bistum Mainz in der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Andreas. Sie ist eine von zehn Pfarreien im Dekanat Wetterau-Ost.
In der Kirche Sankt Andreas gibt es neben den optimistisch bunten Glasfenstern auch ein berühmtes Orgelwerk der damaligen Weltfirma Walcker / Ludwigsburg. Das Instrument, erbaut 1969, feiert exakt seinen 40.Geburstag und trägt die stolze opus-Zahl Nummer 5282. Die Orgel thront nicht auf einer Empore sondern begrüßt bereits den eintretenden Kirchenbesucher im Eingangsbereich. Das hat eine präsente direkte Klangabstrahlung zurfolge, so die Aussage des Orgelexperten Brückner.
Im Prospekt fallen die unterschiedlichen Pfeifen aus Zinn- und Kupferlegierung deutlich auf. Das zweimanualige Werk hat wunderbare Einzelstimmen, charakteristische Zungenstimmen und schöne Farb- und Aliquotregister. Deutlich erkennt man den Werkcharakter der einzelnen Klanggruppen: über dem Schwellwerk befindet sich links das Hauptwerk und rechts das Pedalwerk.
Die Disposition der Orgel lautet:
Manual I: Hauptwerk: Quintade 16´, Prinzipal 8´, Rohrflöte 8´, Oktave 4´, Sesquialter 2fach, Waldflöte 2´, Mixtur 5f., Trompete 8´ II. Manual als Schwellwerk: Gedeckt 8´, Nachthorn 4´, Prinzipal 2´, Sifflöte 1 1/3´, Zimbel 3f., Rohrschalmey 8´ , Tremulant Pedal:
Subbaß 16´, Oktavbaß 8´, Pommer 8´, Choralbaß 4´+2´, Fagott 16´ Koppeln: II – I / I – P / II – P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Pedalkombination, Tutti, Schwelltritt, Einzel-Zungenabsteller.
altenstadt_06april2006-008.jpg
Christoph Brückner vor dem Walcker-Orgelprospekt in Altenstadt, fotografiert von Hakan Imik

(gwm)

Die Transponiereinrichtung an der Walcker-Orgel in Tomintoul

Montag, Juli 20th, 2009

Mit Hilfe dieser Einrichtung lässt sich die Klaviatur drei Töne tiefer oder drei Töne höher stellen. Die entsprechenden Töne fehlen aber in der tiefsten oder höchsten Lage. Der Tonumfang an dieser Orgel ist C-c4 = 61Pfeifen.
Die Skala an der Klaviatur sieht folgendermaßen aus:
die-skala.jpg
wir haben rechts und links (wie auf dem oberen Bild erkennbar links) Ringe, mit denen die Klaviatur kurz angehoben wird und dann entsprechend verschoben werden kann. Das geht alles ohne großen Kraftaufwand sehr rasch. Voraussetzung ist genügend freier Platz in den Klaviaturbacken und der Umstand, dass die Tasten völlig frei von den dahinterliegenden Ventilen bewegt werden kann. Also bei einer mechanischen Traktur ist dies etwas schwieriger.

In der Normalstellung also :
c_normalstellung.jpg klingt der Akkord so: c_normalstellung.mp3

drei Töne nach oben versetzt
sieht es auf der Klaviatur wie folgt aus:
ds_hoechste.jpg ds_hoeher.mp3

und drei Töne tiefer gesetzt
a_tiefste_stellung.jpg
erklingt der Diapason 8′ (Principal 8′) mit folgendem Akkord, der dann noch etwas mehr variiert den Klang dieses schönen Principals zeigt: a_tiefer1.mp3

gwm

Wind in pneumatischer Kegelladenorgel

Montag, Juli 13th, 2009

Die Vorstellungen vom Orgelwind sind teilweise so obskur, wie die Vorstellungen der Griechen, bei anbrechender Morgenröte reite die Göttin Eos auf einem purpurnen, güldenen Wagen über das Himmelszelt, weswegen es rotgolden vom Horizont an übers Meer zu blitzen beginnt.
Auch Sachverständigen- und Orgelbauer-internetseiten, oder gar Fraunhoferinstitute glänzen mit seltsamen Projektionen auf, in denen der „Wind“, eigentlich ein vollkommen falscher Begriff für das physikalische Phänomen, mit dem wir im Orgelbau arbeiten, „blasend um die Ecke marschiert und dann dorthin und dahin seinen Weg geht“.
Der Herbstwind, der schön und bildreich gesättigt Blätter vor sich hertreibt, ist und bleibt die falsche Analogie. Es wäre besser man stellt sich zehn oder zwanzig Billardkugeln vor, die an einer Linie aneinanderliegen: bewegt man die erste Kugel, so wird sich synchron im selben Moment die letzte Kugel bewegen. Hat man 100 solcher Kugeln, so ist das exakt der gleiche Vorgang, aber man hat mehr Reibung, muss also mehr Kraft aufwenden.
Genau in dieser Form bewegt sich Wind in der Orgel im geschlossenen System einer pneumatischen Kegellade (siehe die nachfolgende Grafik).

kegel_pneum.jpg
Nochmals gesagt, ich habe darüber bereits ein Blog mit Video gemacht, die Orgel ist windtechnisch gesehen ein geschlossenes System, in dem idealerweise Ausgleich herrscht, das heißt: es herrscht überall der gleiche Druck. Erst durch das Öffnen eines noch so kleinen Verbrauchers, wie der einer Windwaage, entstehen Druckunterschiede. Und da wir den idealen Zustand nie erreichen, also irgendwo immer eine winzige Undichtigkeit ist, gibt es ein kleines Ungleichgewicht.
Diese heisenbergsche Unschärferelation, was natürlich ironisch gemeint ist, verführt dazu, von Wind zu reden, als sei hier ein brausendes Wesen, das irgendetwas Organisches wie der Atem sei. Dies wird sehr oft von Leuten gesagt, die sofort laut aufschreien, wenn man ein Wörtchen gegen die Wissenschaften redet, was sie jetzt, nachdem sie dem Kirchenglauben nicht mehr so richtig trauen, als einzig festen Halt im Leben erkannt haben.
Es soll hier keinesfalls etwas gegen die Ästhetik geredet werden, die dahinterstehen mag, wie bei den Griechen, wo natürlich die Vorstellung von goldenen Wagenlenkern viel erhabener ist, als eine trockene physikalische Erklärung eines langweiligen Mathematiklehrers, sondern es geht darum, dass der Orgelbauer beim falschen Bilde stehen bleiben kann und dann mit unbeholfenen Methoden am „Wind“ herumdoktert.
Da wäre es einfacher bei Störungen in der Pneumatik gleich den Weihwasserkessel zu holen und die fehlfunktionierenden Teile zu besprengen, anstatt mit der besseren Abstraktion zu arbeiten.
Denn wer in ein 3m langes Bleirohr „brausenden oder atmenden Wind“ einführt, und sich dann wundert, dass der nicht beim am Ende aufgeleimten Keilbälgchen ankommt, der hat kaum eine Möglichkeit, den Fehler durch Nachdenken zu ermitteln.
Wir haben also bei einem solchen Rohr Druckverhältnisse, die sich durch minimalste Undichtigkeiten radikal ändern.
Vergleiche mit den Billardkugeln, die dann Zwischenglieder haben mit extremer Reibung, so dass die letzte Kugel nur unter größter Kraftaufwendung bewegt werden kann – aber bis zu der Kugel, die mechanisch einfach nachprüfbar, die aussergewöhnlich hohe Reibung erzeugt – erhellen meiner Meinung nach die Problematik und zeigen besser Lösungswege auf, als wenn wir bei schönen Bildern stehen bleiben, die unseren Verstand aber in die Irre führen.
Man wird auch schnell verstehen, wenn man bei diesem Bild der Billardkugeln bleibt, dass eine Rohrleitung die 10m lang ist, nicht mehr gewährleisten kann, dass das Bälgchen aufgeht, wenn man die Analogie zu einer 10m langen Billardkugelreihe setzt – und dagegen sagen kann, aber mit 3m geht es.
Und nun meine ich, sollte doch klar geworden sein, dass das Windsystem der Orgel viel mehr Neues zu bieten hat, als trockene Wissenschaftler das uns verkaufen wollen.
Vor allem durch den Wind hat sich die Orgel ihre Lebendigkeit bewahrt, und das wollen wir in keinem Falle dogmatisch oder rational abgehandelt wissen wollen.

gwm (nach der Intonation vom Diapason)

Jugendstil-Elemente in der Walcker-Orgel in Tomintoul

Sonntag, Juli 12th, 2009

Der Jugendstil ist viel mehr, als man es in Deutschland wahrhaben will, ein europäischer Stil, der wahrscheinlich seinen Ausgang in England genommen hat mit den Bildwerken von William Blake und später den Präraffaelitten. Es ist eine Bewegung, die sich gegen die Maschinenarbeit wendet und die das individuell geformte Stück Kunstwerk hervorheben möchte. Weswegen sehr bald diese handbearbeiteten Einzelstücke zu teueren Sammelobjekten wurden, die nur noch der Geldadel bezahlen konnte.
pfeife_c_bourd-kopie.jpg
Jungendstil war der deutsche Name, der in England ART NOUVEAU, in Italien LIBERTY, in Österreich SEZESSIONSSTIL, in Spanien MODERNISTA hiess.
Die Walcker Dulsanell-Orgeln wurden allesamt mit handbemalten Holz-Prospektpfeifen ausgestattet, die wahrscheinlich in England bemalt wurden. Dazu wurden Orgel-Sitzbänke geliefert, welche die stilisierten und organischen Formen der Labien als Füße übernommen haben.
Interessant ist die Gestaltung vor allem durch die Verschmelzung von ART NOUVEAU und Spätgotik. Dadurch haben diese Orgelgestaltungen nie als Fremdkörper in den bestehenden spätgotischen Kirchen gewirkt. Und so ist es auch heute noch eine durchaus sich ergänzende, harmonische Verbindung.
Ich habe hier, um die Formen auf die es ankommt etwas zu unterstreichen, mit anderen Hindergrundfarben die nachfolgenden Fotos behandelt.

pfeife_c_diapason8.jpg pfeife_diapason8.jpg turm_rechts.jpg

Die Orgelbank:
orgelbank.jpg

und hier ein Möbel aus der Kirche, hinter dem Altar:
stuehle.jpg

(gwm – nach einem arbeitsreichen Sonntag und einem bevorstehendem, geselligen Abendessen im CLOCKHOUSE mit Frank&Co.)

pneumatischer Spieltisch – Walcker-Orgel Bad Nauheim

Donnerstag, Juli 9th, 2009

Diese Orgel erfreut sich immer noch größter Beliebtheit – weil: in dieser Orgel erhebliches Pfeifenmaterial aus der Walcker-Orgel Op 1143 stammt, gebaut 1905 III/42, und sie würde sich sehr viel mehr Maß an Beliebtheit erfreuen, wenn sie noch ihre pneumatische Traktur und ihre originale Disposition aus dieser Zeit hätte. In dieser Beziehung wird es in Deutschland vielleicht noch 30 Jahre dauern, bis man sich aus alten Zwängen befreit hat.
Es ist durchaus nicht verwerfenswert zu sagen, dass heute kaum noch eine größere Orgelfirma in der Lage wäre, diese pneumatischen Instrumente zeitrichtig zu restaurieren bzw. gar neue solche Orgeln herzustellen, denn es gibt dafür kein Geld und keine Klientel. Dennoch gibt es Auffassungen, die respektiert werden sollten und es gibt bereits einige interessante Organisten, die aus dem heutigen Einerlei herausbrechen wollen.
Dafür stellen wir diesen hochinteressanten Spieltisch, sogar mit Organola gebaut, aus der Durchschnittzeichnung der Orgel in Bad Nauheim vor. Denn diese Spieltischseitenansicht zeigt, dass sehr wohl solche Spieltische elegant und freistehend geplant werden konnten – und die auch fast 60 Jahre gespielt wurden, ehe die deutsche Nachkriegsvernichtung zuschlug.
spielt_nauhm-kopie.jpg

gwm