Archive for Juni, 2009

Pneumat. Kegellade, Ansichten, Tabelle

Dienstag, Juni 30th, 2009

Die pneumatische Kegellade von Walcker in Tomintoul kann mit der nachfolgenden Tabelle recht einfach nachgebaut werden.
Für Oscar Walcker waren die Kegelladen am Ende seines Lebens die besten Windladen überhaupt, weswegen er die nachfolgende Tabelle 1944 neu abschreiben liess. Ein Grund, warum bei Walcker die Kegelladen bis 1960 immer wieder gebaut wurden. So finden wir diese bei der Orgel in Cartago/Costa Rica 1957 und bei vielen anderen Orgeln die nach Südamerika geliefert wurden und die auch heute trotzt mangelhafter Pflege sehr gut erhalten sind.
Zunächst ein Blick auf die geöffnete Windlade von oben auf die Kegelventile:
kegellade_oben.jpg

hier die Tabelle, in der alle relevanten Maße zum Bau der Windlade enthalten sind:
2009-06-30_202652.jpg

hier eine schematische Schnittzeichnung, wie sie auf die Orgel in Tomintoul zutrifft:
kegellad_pneu.jpg
(hinter der Taste befindet sich das entsprechende Relais, es wird mit einer Blattfeder, die an der Taste befestigt ist geöffnet, lässt Wind ins Bleirohr, das am anderen Ende mit diesem Wind ein weiteres Relais öffnet. Damit werden die Keilbälgchen-Leisten unter Wind gesetzt, alle Keilbälgchen gehen hoch und heben die Kegel – das ist der negative Effekt bei der Kegellade. Bei der Taschenlade werden nur die Taschen bewegt, bei denen das Register eingeschaltet ist.)

und hier das zu dieser Schnittzeichnung gehörige Foto fotografiert unterhalb der Kanzelle:
kegellade032.JPG

gwm (nun in der Wohnung bei Uschi MacIntosh, die allerdings einen IBM-kompatiblen hat und keinen Mac)

Keilbaelgchen für Reparaturzwecke neu beledern

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Gleich zu Beginn möchte ich darauf hinweisen, dass man diese hier vorgestellte Methode tatsächlich nur für Reparaturzwecke anwenden sollte, weil Keilbälgchen in der Regel drei Monate gepresst werden müssen. In diesem Zeitraum, sollten die Bälgchen, wie gut gelagerte Whiskyflaschen, regelmässig in der Presse geöffnet und gängig betrachtet werden. Der Druck der Pressen ist anfangs gering und wird dann regelmäsig erhöht.
Hier bei unserer Reparatur haben wir einige Gänge aufgrund der kurzfristigen Verfügbarkeit abgekürzt.
Zunächst ein Bild, das die Ausgangslage zeigt. Ein Bälgchen mit Ober-und Unterteil wird vom alten Leder befreit, zuvor wurde eine Lederzuschnitt-Schablone erstellt, was einfach geht, wenn man die Abwicklung des Bälgchens auf das Papier überträgt.

keilb_-_3-kopie.jpg

Die beiden Hölzer werden frontseitig auf den Lederzuschnitt mit warmen Hautleim aufgeleimt

keilb_-_6-kopie.jpg

Dann werden die beiden Seiten angeleimt: Leim wird immer nur aufs Holz aufgetragen!

keilb_-_7-kopie.jpg

und nun die beiden anderen Seiten

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so sieht dann das Bälgchen kurz vor dichtigen Abschluss am Scharnierende aus

keilb_-_9-kopie.jpg

das Scharnier ist ein kleiner etwa 1,5qmm großer Holzspan, der unbedingt notwendig ist

keilb_-_11-kopie.jpg

Jetzt werden noch die beiden Falten geformt:

keilb_-_13-kopie.jpg keilb_-_14-kopie.jpg keilb_-_15-kopie.jpg

und nun wird ein ganz bedeutendes Geheimnis der gegenwärtigen Orgelbaukunde geoffenbart. Denn, die Frage geht um, wie man denn diese Bälgchen mit frischem Leder so gangbar bekommt, dass sie unverzüglich zu marschieren beginnen, wenn man sie in den pneumatischen Kreislauf einleimt? Wir haben dieses Geheimnis gelöst, und zeigen das zuständige Foto:

dsc_0054-kopie.jpg
hier also im lichtdurchfluteten Vorderteil unseres Fahrzeugs können wir nach zwei Tagen Sonnenbeleuchtung diese Bälgchen, die zwischendurch mit der Presse gezwingt werden, entnehmen und problemlos einbauen. Andere Methoden, uns wurden von Mikrowelle bis Backofen alle Möglichkeiten genannten, die man schnell wieder verwerfen sollte, haben sich nicht bewährt.

gwm (wieder im Croft-Inn, wo nur wenige Gäste bei herrlichsten Sonnenschein, meist draußen ihre Trinkpausen feiern)

Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt Opus 5547, III/37, Bj.1977

Sonntag, Juni 21st, 2009

Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt Opus 5547, Bj 1976, III/37, mit Helmut Bornefeld 1976-77 gebaut.
orgel1.jpg
Das Instrument wurde von mir nach meiner Meisterprüfung als erstes größeres Instrument installiert. Dabei werde ich die Zusammenarbeit mit dem „umstrittenen“ Bornefeld nicht so schnell vergessen. Diese Arbeit war zutiefst zwiespältig. Einerseits war ich überrascht einem in künstlerischen Dingen überaus feinfühligen und klugen Menschen gegenüber zu treten. In technischen Dingen war Bornefeld sehr freizügig. In musikalischen Dingen jedoch, Disposition, Intonation konnte man eine Versessenheit bei ihm antreffen, die zur Borniertheit ausarten konnte. Ein besonderes Steckenpferd waren seine Kombinationen mit Lichtdrucktaster und seine Plenen, da hatte er direkt eine Marotte.
Die Orgel wurde anfangs mit elektropneumatischen Schleifzugapparaten ausgestattet, was einfach ein Fehler war, ebenso wurden statt Holzabstrakten Glasfiberstäbe eingesetzt, was sich nicht bewährte. Das wurde bei einem späteren Umbau beseitigt.
Am Klang dieser Orgel kann man sich überzeugen, dass Bornefeld einfach „Unrecht“ hatte: Im Hauptwerk fehlt ein anständiger Prinzipal 4’ und die kleinchörigen Aliquoten kann man heute nicht mehr hören. Dennoch ein historisch interessantes Werk, das wir aus diesem Grunde mit dieser Klangdemostration zeigen wollen.
Schreibweise der Dispo nach Bornefeldscher Manier

Rückpositiv I.Manual C-g’’’
1 Rankett 16’
2 Hautbois 8’
3 Rohrgedackt 8’
4 Prinzipal 4’
5 Blockflöte 4’
6 Quinte 2 2/3’
7 Waldflöte 2’
8 Larigot 1 1/3’ + 1’
9 Stabspiel 3f 1 1/7’
10 Scharf 5f 1’
Tremolo

Hauptwerk II.Manual
11 Quintade 16’
12 Prinzipal 8’
13 Gemshorn 8’
14 Trompete 8’
15 Kornett 4f 5 1/3’
16 It. Prinzipal 4’
17 Rauschharfe 4’ + 2 2/3’
18 It. Prinzipal 2’
19 Mixtur 6-8f 1 1/3’
Tremolo

Brustwerk im SW III
20 Gedackt 8’
21 Vox humana 8’
22 Rohrflöte 4’
23 Nasat 2 2/3’
24 Prinzipal 2’
25 Hörnlein 1 3/5’+ 1 1/7’+ 8/9’
26 Gemsquinte 1 1/3’
27 Zimbel 4f 2/3’
Tremolo

Pedal C-f’
28 Holzprinzipal 16’
29 Untersatz 16’
30 Posaune 16’
31 Prinzipal 8’
32 Gedackt 8’
33 Baßzink 5 1/3’-3 1/5’- 2 2/7’
34 Hohlflöte 4’
35 Clairon 4’
36 Choralbaß 4’-2’- 1 1/3’
37 Glöckleinton 2’-1’
Tremolo Sololade

Die Schallplatte von Elisabeth Ullmann wurde vom Verlag meines Vaters, dem Musikwissenschaftlichen Verlag mbH erstellt und am 3.Aug. 1978 durch Tonstudio Bauer aufgenommen und wird hier als MP3-Sammlung kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Es befinden sich folgende Musikstücke hier auf diesem Blog:
unbedingt empfehlenswert das letzte Stück, Robert Schumann – Kanonop 56/5!!

(1) Wolfgang Amadeus Mozart – Fantasie f-Moll KV 608- 12’05
track-no01.mp3
(2) Dietrich Buxtehude – Präludium und Fuge fis-Moll – 7’30
track-no02.mp3
(3) Max Reger – Fantasie über den Choral „Halleluja! – 15’45
(Reger auf einer Bornefeldorgel: das erspare ich uns!!)
(4) Robert Schumann – Fuge über B-A-C-H op60/5 – 2’13
track-no04.mp3
(5) – Kanon op 56/5 – 2’38
track-no05.mp3

es folgt noch: Helmut Bornefeld „Die neue Orgel der Klosterkirche Murrhardt“, 7seitiges Heft des Konzipienten
5547_murrhardt_03.pdf

gwm 21.06.09 (erschöpft, vor der Abfahrt nach Scotia)

ergänzt:
Max Reger – Fantasie über den Choral „Halleluja! – 15’45 – gespielt von Elisabeth Ullmann auf der Walcker-Orgel in der Klosterkirche Murrhardt – mein Text hierzu auf unserem Blog: Reger auf einer Bornefeldorgel: das erspare ich uns!! – hat aber unterschiedliches Echo ausgelöst, so waren ein paar Hartgesottene, die unbedingt diesen bornefeldschen „Schleifladen-Reger“ erhören wollten. Hier also- ohne Gewehr! – als MP3 mit rund 10MB.

hierzu ein folgenreicher Kommentar:

schade, dass es „Halleluja! Gott zu loben“ nicht zum Download gibt – mich würde sehr interessieren, wie man anno 1975 gedacht hat; gerade im Hinblick auf das Zitat Bornefelds (Orgelspiegel), dass neue Musik nur gut sein kann, „wenn sie sich – wie die Musik Regers – in die Welt der Schleifladenorgel transferieren lässt“… vor diesem Hintergrund hätte mich das unglaublich interessiert.
Schade, dass die Orgel inzwischen viele ihrer Farben verloren hat – war sie doch das Opus ultimum von Bornefeld…
Hat man bei den Arbeiten eigentlich seine Schwerhörigkeit bemerkt oder hat er die quasi miteingerechnet?

Darauf könnte ich eigentlich nur eine bitter-zynische Antwort geben, die man anstandshalber unterlässt

Die Walcker-Orgel Opus 1592 in der Evang. Kirche in Bukarest (Op.1708 III/33, Bj1912)

Dienstag, Juni 16th, 2009

Die Orgel in der Evang. Kirche zu Bukarest wurde im Jahre 1910 unter Opus 1592 von Walcker als Taschenladenorgel gebaut.
buk_evang-kopie.jpg
Diese Disposition ist dokumentiert in einem Walcker-Prospekt aus 1912 und stellt folgende Zusammenstellung dar.
I. Manual –
Hauptwerk C-g3

1. Bourdon 16’
2. Prinzipal 8’
3. Hohlfloete 8’
4. Viola di Gamba 8’
5. Salicional 8’
6. Oktave 4’
7. Rohrfloete 4’
8. Cornett 3-4fach
9. Mixtur 5 fach
10. Trompete 8’

II. Manual
Schwellwerk

11. Liebl.Gedeckt 16’
12. Geigenprinzipal 8’
13. Flûte harmonique 8’
14. Aeoline 8’
15. Voix céleste ab c 8’
16. Bourdon 8’
17. Gemshorn 4’
18. Flûte traversière 4’
19. Flautino 2’
20. Harmonia aetheria 4f
21. Oboë 8’

III. Manual
Fernwerk

22. Echo Gamba 8’
23. Gedeckt 8’
24. Vox angelika 8’
25. Spitzfloete 4’
26. Vox humana 8’
Tremulant

Pedal C-f’

27. Contrabass 16’
28. Subbass 16’
29. Salicetbass 16’
30. Gedecktbass Tr. v. 11 16’
31. Violon Tr. v. 12 8’
32. Oktavbass 8’
33. Posaune 16’

NORMALKOPPELN
III/II
III/I II/I
I/P II/P III/P

Sub II/I
Super II/I
Super III

SPIELHILFEN
Piano Ped frei einstellbar
2 FK, P-MF-F-TT
Schwelltritt II
Schwelltritt III
Windanzeiger
Crescendo „ab“
HR „ab“

Autom. Pianopedal frei einstellbar
2 freie Kombinationen für alle Register
Kollektivzüge für Piano, Mezzoforte, Forte, Tutti
Generalcrescendo, Decrescendo samt Zeiger
Schwelltritt für Schwellkasten II.Manual
Schwelltritt für Schwellkasten III.Manual elektr.
Tremolo fürs III.Manual, Windanzeiger
Handregister ab, Crescendo ab

Die Orgel wurde nach einem Brandschaden, der sich von 1. auf den 2. Januar 1912 ereignete, neu bei Walcker gebaut unter der Opusnr. 1708 im Jahre 1912, und im Dezember 1912 wieder eingeweiht. Dabei wurden die Restteile der Orgel nach Ludwigsburg verfrachtet und wieder verwendet.
Bei dem Neubau unter Opus 1708 wurden die Metallpfeifen des I.Manuals neu gefertigt sowie der komplette Prospekt. Es wurden außerdem alle elektropneumatischen Relais erneuert, der Spieltisch wurde überarbeitet. Es wurde das Fernwerk „wieder erstellt“, die Orgel komplett ausgereinigt. Im II. Manual wurde an Stelle der Flûte harmonique 8’ eine Viola 8’ eingesetzt.

Die komplette Orgel mit Ausnahme des Pedals, besitzt neue Kegelwindladen aus dem Hause Laukhuff. Diese Windladen wurden ca. 1964 unter Mitarbeit der Firma Walcker neu eingebaut.
Das Pedal ist das einzige Werk, das unverändert von Walcker sowohl in der Orgel als auch im Spieltisch präsent ist, während alle anderen Register im Spieltisch andere Gravurplättchen haben, und wie gesagt auf neueren Kegelwindladen stehen. Die Pedalladen sind original aus 1910.
Der Spieltisch selbst besteht aus dem alten Gehäuse und den alten Klaviaturen, die Registertasten rechts und links wurden umgraviert, im Mittelbrett wurde eine seltsame Koppel-Kombinationsschaltung integriert. In der linken Re-gisterstaffelei wurden sehr ungünstig die Registertasten des jetzigen Fernwerks eingebaut. Diese Registertasten und die ganze Anlage dazu wurden aus der Walcker-Orgel des Konservatoriums in Bukarest entnommen und stellen einen exotischen Zubau dar, der mit dem ursprünglichen Orgelwerk kaum konform geht.
Die alten Registertasten wurden (mit Ausnahme des Pedals) farblich sehr unschön behandelt und mit neuen neobaro-cken Registernamen graviert, was das ganze Ambiente des ursprünglichen Spieltisches verunstaltet.
Zum Beispiel der Registername „Gellend Cornett“, ist schon in Deutschland so selten bei wenigen Barockorgeln, so dass er hier bei dieser romantischen Orgel völlig fehl am Platze ist. Die gesamte Gestaltung dieses Spieltisches sollte wieder auf den ursprünglichen Zustand zurück gebracht werden, der dem Wesen dieser Orgel entspricht und vor allem die Ursprünglichkeit dieses Orgelwerks wider gibt.
Neben der Umgestaltung des Spieltisches ging eine Umgestaltung in der Disposition einher und einer Umgestaltung der Windanlage.
Die Orgel wurde im Jahre 1964 mit neuen Register der Firma Walcker bestückt. Das waren in jedem Falle die Pfeifen die jetzt im Schwellwerk mit der Bezeichnung Scharff und Prinzipal 2’ eingebaut sind.

gwm 16.6.09 (in Vorbereitung auf Arbeiten an dieser ORgel morgen, übermorgen und dem Tag danach)

Die Walcker-Dulsanell-Orgeln unter besonderer Berücksichtigung des Opus 1088 in Tomintoul

Dienstag, Juni 16th, 2009

Es sind etwa 35 Walcker-Dulsanell-Orgeln Anfang 20.JH gebaut und nach Schottland geliefert worden, was die komplexen Umstände dieses Orgelhandels höchst interessant erscheinen lässt in Zusammenspiel mit der Reparatur und Wiederinstandsetzung der Walcker-Orgel in Tomintoul, die wir gerade hier auf den Highlands vornehmen, und die nachweisbar im Opusbuch als Op. 1088 geführt wird. Dort steht: 1 Dulsanell-Orgel (für Tomintoul Church Aberdeen – Class A- mit Voix celeste beigefügt! kommt am 27/5/03 zum Versand. Abgelifert wurde die Orgel am 28.Juni 1903 – ist also bis auf den heutigen Tag fast ohne nennenswerte Ausfälle jeden Sonntag zum Gottesdienst eingesetzt worden, und wird vom Pastor Sven Bjarnason, hier Minister genannt und regelmässiger Leser unserer Blogseiten in Sachen Tomintoul, als wunderbares Begleitinstrument zum Gemeindegesang bezeichnet.
Oscar Walcker hat die Zusammenarbeit in „Erinnerungen eines Orgelbauers“ näher beschrieben. Die Firma J.Marr Woods& Co in Aberdeen bestellte die Orgeln in Ludwigsburg nach einem ausgeklügelten Katalog, der auf die Verhältnisse in Schottland abgestimmt war.
Wir haben es uns nicht nehmen lassen, den gesamten Katalog einzuscannen und hier zu präsentieren, da es nun bald 110 Jahre her ist, wo diese Zusammenarbeit deutschen Handwerks mit englischem Vertrieb höchste Blüten trieb.
Man erinnert sich an die historische Situation: England und Deutschland sind die treibenden Industriemächte in Europa, die sich in und scharfem Konkurrenzkampf und in Kollission aufeinander zubewegen, weswegen von England ein Markierungsgebot für Waren aus Deutschland erlassen wird : Made in Germany. Sehr schnell jedoch wird gerade diese Markierung zur Auszeichnung für hochklassige Waren. Spätestens ab 1905 war für viele Historiker klar, dass es zum Weltkrieg kommen musste.
Wahrscheinlich wurde daher Walcker aus politischen Gründen aus seine guten Geschäftsbeziehungen nach England hinauskomplimentiert. Dafür sprangen dann die Amerikaner in die entstandene Lücke. Seltsam nur, dass der englische Orgelbau für solcherlei Instrumente kein Interesse zeigte.
Hier also der sehr interessante Katalog der Engländer! über die aus Ludwigsburg bezogenen Dulsanell-Orgeln.
dulsanel01.pdf (pdf-Dokument mit 3,16MB)

Die Orgel nach Tomintoul hat, wie man auf dem Katalog nachlesen kann, dort handschriftlich mit roter Tinte eingetragen, rund 121 Pfund gekostet, bei weitem weniger als wir für eine Hand voll neuer Schrauben bezahlen mussten. Vergleichbarer Preis übrigens trifft auf die ähnlich große Hill-Orgel in Inveraven zu, die ebenfalls mit rund 110 Pfund Gesamtkosten 25 Jahre vor dieser Orgel hier zu Buche schlug.

gwm 16.06.09 (am Abend vor der Abreise nach Bukarest)

Die Walcker-Orgel Opus 5400 im Mozarteum, Salzburg, Bj 1970

Montag, Juni 15th, 2009

Die Walcker-Orgel Opus 5400 Baujahr 1969-1970, III/57, m/e, geplant und gestaltet von Karajan, Peter, Schurich, stellt wohl eine der letzten Konzertsaalorgeln der Firmen Walcker-Walcker-Mayer dar, die im deutschsprachigen Raum eine gewisse Bedeutung besessen hat, und die anfangs sehr begeistert aufgenommen wurde. Dies allein ist mein Motiv, die Orgel ausführlicher darzustellen.
Ich hoffe man unterstellt mir also keine Ressentiments gegenüber einem hochwertigem Orgelbau heute, sondern diese Aufarbeitungen der sechziger Jahre soll zeigen, wie die damalige Zeit der Orgelbaugestaltungen und ihr Selbstverständnis war.-
Die vielfach eingebrachten Zeitungsausschnitte über die Konzerte von Karl Richter u.a., auch die Darstellung des Mozarteums ist in zweifacher Weise interessant, einmal der negative Bezug zur Rieger-Orgel wird unmissverständlich hervorgekehrt, andererseits bleibt kein Zweifel bestehen, dass man selbstbewußt und zielsicher die richtige Orgel gebaut hat.
Mir persönlich erscheint der Verlust der vormaligen Rieger-Orgel (IV/80, Bj 1914) in diesem Raume, die sehr viel mehr meinen Geschmack getroffen hätte, größer und bedeutender als der bevorstehende Abbau dieser Walcker-Orgel. Allerdings im historischen Kontext sehe ich eine Ermangelung im Respekt vor den Arbeiten der Nachkriegszeit, die wir bald so unterrepräsentiert haben werden.Und ich glaube, dass man bald mit einem Wiederaufleben jener Epoche wird rechnen können, sofern überhaupt noch in naher Zukunft ein „Leben“ im Orgelbau und Gestalten erwartet werden kann.
Mit der Arco-Orgel, so genannt nach der spendenfreudigen Gräfin von Arco auf Valley, bin ich selbst nur temporär in Berührung gekommen. War allerdings in den mittleren 70er Jahren, als wir ein paar Gebäude weiter eine weitere Konzertsaalorgel einbauten, schon sehr erstaunt, dass dieses Instrument praktisch 6 Jahre nach seiner Einweihung kaum noch gepflegt wurde. Ab den beginnenden 80er Jahren wurden keinerlei Arbeiten mehr an dieser Orgel verrichtet, so dass alle Argumente, die heute dort hochgefahren werden, diese Orgel sei mit schlechten Materialien gebaut worden usw. usw., eine grundlegende Unwahrheit darstellt.
Diese Orgel wird also von einem Neubau der Firma Eule ersetzt.
Nicht wenige Interessenten haben mich in den letzten Monaten nach dieser Orgel befragt, weswegen dieser Blog hier geschrieben wurde.

AUSZUG aus den MITTEILUNGEN DER STIFTUNG MOZARTEUM 1970 die Orgel betreffend
(es handelt sich um ein PDF mit rund 1MB)
mozarteum_heft.pdf:

AUS WALCKER HAUSMITTEILUNG NR42 (BILD und DISPO)

hm42_05web.jpg hm42_06web.jpg hm42_07web.jpg hm42_08web.jpg

ZEITUNGSARTIKELzu Karl Richter

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ZEITUNGSARTIKELSONSTIGE

zeitung_01web.jpg zeitung_02web.jpg zeitung_03web.jpg zeitung_04web.jpgzeitung_05web.jpg

gwm 15.06.09
Karl Richter auf dieser Orgel on YOUTUBE und hier:
http://www.youtube.com/watch?v=9-j1vKopPO8&feature=related
(wir suchen dringend klangfiles zu dieser Orgel, um diese dem Blog beizufügen)

Feedback:
Hallo Herr Walcker,

da ich mich mit der „Arco-Orgel“ mehrmals „vor Ort“ befasst habe:
Sie ist bereits seit über einem Jahr abgebaut, es steht nur noch der Prospekt. Die Orgel ist jedoch nicht eingestampft worden sondern lagert wenn ich richtig gehört habe durch Vermittlung der Walckerfirma in Guntramsdort irgendwo in Ostösterreich.
Sie wurde nach der Emeritierung von Prof. Peter in der Regel nie mehr bespielt, da man Orgelbank wie Pedal immer abbauen musste wenn das Orchester spielte (Platz des Paukisten) und Peter der einzige Mensch war welcher konsequent für den Wiederaufbau sorgte. Da sich später Niemand von Orchester oder Stiftung darum kümmerte, die Teile „irgendwo“ im Keller gelagert wurden, der mittlerweile wieder abgerissene für Studenten wesentlich günstiger gelegene Leopold-Mozart Saal eröffnet wurde, sowie der große Saal andauernd zu verschiedenen Zeiten spontan durch die Stiftung belegt wurde, verwundert es nicht, dass dort jahrzehntelang Niemand spielen oder üben wollte. Es war einfach nicht möglich. Wenn man die Orgel dann auch nicht wartet ist das Fazit klar.
Nach Angaben der abbauenden Orgelbauer wurde dem Pfeifenwerk aber eine vorzügliche Qualität zugestanden. Auf Youtube gibt es mehrere Videos von Karl Richters Händel Orgelkonzerten. Hoffen wir, dass der neuen Orgel nicht das selbe Schicksal droht.

Die Walcker-Orgel in Untersimonswald, Op.488 – Baujahr 1888

Dienstag, Juni 9th, 2009

Diese Bildsammlung samt Disposition stammt wieder von Andreas Strittmatter, der uns damit hilft gerade diese Zeit, aus der wir nur wenige Instrumente haben, etwas näher zu bringen. Interessant ist, dass diese Orgel noch mit einem Kastengebläse a la Eberhard Friedrich Walcker ausgestattet ist. Ich werde versuchen die Originaldisposition zu finden und dann ergänzend diesem Blog anheften. In jedem Falle sehr interessante Bilder, die viele wichtige Details offenbaren.
Jetzt nun mal den Momentanzustand, am Ende die Bilder:

Untersimonswald – Katholische Kirche
St. Sebastian
E. F. Walcker & Cie. – 1887 – Opus 488

Disposition (Stand 2009)

Manual I

Bourdon 16’
Principal 8’
Floete 8’
Gemshorn 8’
Octav 4’
Rohrfloete 4’
Octav 2’
Quinte 2 2/3’
Mixtur 5f. 2 2/3’
Trompete 8’
Calcant (stillgelegt)

Manual II

Geigen-Principal 8’
Liebl. Gedeckt 8’
Salicional 8’
Flauto dolce 4’
Waldflöte 2’
Zimbel 3f. 1’

Pedal

Violonbass 16’
Subbass 16’
Violonbass 8’
Choralbass 4’
Posaunenbass 16’

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

Koppeln:
II – I
I – P
II – P

Besonderheiten

Koppeln als Druckschalter zwischen den Manualklaviatiaturen

Treteinrichtung für Windversorgung durch einen Balgtreter erhalten

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Walcker-Orgeln der 50erJahre in Pforzheim

Dienstag, Juni 9th, 2009

Diese Orgeln der Firma Walcker aus den 50er Jahren möchte ich deswegen vorstellen, weil ich dahinter die „milden“ Klänge vermute, die ich bisher aus den Jahren meiner Kindheit an solchen Instrumenten vorgefunden habe und die ich (eher in der Romantik als im Barock beheimatet) als durchaus erhaltenswert einstufen würde.
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Auferstehungskirche in Pforzheim (II/27 ,m/e, Opus 3558 Bj 1956)
Dispo lt. Registerstaffelei
Pedal
1. Subbass 16’
2. Oktavbass 8’
3. Violflöte 8’
4. Choralbass 4’
5. Posaune 16’
6. Engtrompete 8’
I.Manual
7. Rohrpommer 16’
8. Prinzipal 8’
9. Rohrflöte 8’
10. Oktave 4’
11. Holzgedackt 4’
12. Nasard 2 2/3’
13. Blockflöte 2’
14. Mixtur 5f 1 1/3’
15. Solotrompete 8’
16. Clarine 4’

II.Manual
17. Quintade 8’
18. Grobgedackt 8’
19. Salizional 8’
20. Nachthorn 4’
21. Engprinzipal 4’
22. Sesquialter 2f.
23. Oktave 2’
24. Spitzquinte 2 2/3’
25. Zimbel 3f.
26. Krummhorn 8’
27. Tremolo

Pforzheim, Markuskirche (III/27, m/e, Opus 3559, Bj 1957)
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Dispo lt. Registerstaffelei
Pedal
1. Untersatz 16’
2. Oktavbass 8’
3. Gedackt 8’
4. Choralbass 4’
5. Rauschwerk 2f. 2 2/3’
6. Posaune 16’

Rückpositiv I.Man.
7. Singend Gedackt 8’
8. Quintatön 4’
9. Superoktav 2’
10. Spitzquinte 1 1/3’
11. Terzflöte 1 3/5’
12. Scharffmixtur 3f. ½’
13. Krummhorn 8’
14. Tremolo

Hauptwerk II.Man.
15. Rohrgedackt 16’
16. Engprinzipal 8’
17. Holzgedackt 4’
18. Prästant 4’
19. Quinte 2 2/3’
20. Waldflöte 2’
21. Mixtur 4-5f. 1 1/3’
22. Spitztrompete 8’

Brustwerk III.Man.
23. Holzflöte 8’
24. Weidenpfeife 8’
25. Prinzipal 4’
26. Blockflöte 2’
27. Zimbel 3-4f. 1’
28. Rohrschalmey 8’
29. Tremolo

Zusammenbau der Orgel Tomintoul

Freitag, Juni 5th, 2009

Wir sind bereits wieder am Zusammenbau dieser Orgel.
An den nachfolgenden beiden Fotos sieht man wie einfach dieses Instrument konzipiert ist. Übrigens eine Bauweise wie sie auch bei den Kleinorgeln bei EFW vorkommen. Dazu zeige ich einen Plan der Orgel von Sydney.
Hier aber zuerst die beiden Bilder a) Untergehäuse mit Balg und b) Untergehäuse mit eingebauter Windlade
dsc_0017.jpg dsc_0018.jpg
Für das Gewicht des Einbaus der Lade mit B l e i -Röhren waren sechs gestandene Mannsbilder erforderlich!

und hier die Orgel von Eberhard Friedrich Walcker, eine mechanische Kegellade, Opus 186, anno 1861 gebaut nach Sydney mit interessanter Schwelleinrichtung und mit einer Balgkonstruktion, wie wir sie auch hier in Schottland, in Tomintoul haben:
184_sydney.jpg

Leider haben wir nicht die hier erkennbare durchschlagende Zunge (wahrscheinlich Clarinette), aber wir sehen an dieser Zeichnung wie ökonomisch die Platzverteilung der Technik und des Pfeifenwerks bewerkstelligt wurde. Vielleicht gibt es diese Orgel noch, -in der Evangelischen Kirche?

gwm (im Crofft-Inn, wo gerade wieder mal die Wurfpfeile einem um die Ohren fliegen)

Feste Kombinationen in pneumatischen Orgeln – Walcker-Orgel in Tomintoul

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Wie wurden Feste Kombinationen, Crescendo, etc. , bei pneumatischen Orgeln realisiert? Auf den einschlägigen Zeichnungen wird man nicht sofort schlau. Hier an dieser kleinen Orgeln im schottischen Tomintoul haben wir exemplarisch auf engstem Raum ein Musterbeispiel, das deutlicher kaum zeigen kann, wie es damals gemacht wurde:
Unter den Rückschlagventilen waren die Kanzellen der Kombinationen – horizontal auf dem nachfolgenden Foto – darüber die einfachen Rückschlagventile, in unserem Fall sind es drei. Eines pro Register für das Crescendo (violett), ein weiteres für Tutti(rot) und eines für die direkte Einschaltung (grün). Rückschlagventile waren deswegen notwendig, weil sonst das Register die Kombination aktiviert hätte.
Vertikal also war das Register angeordnet, das mit einem kleinen Kanal (siehe hinteren Deckel) zur Bleiröhre führte, die über ein Relais den Balg aktivierte, der wiederum die Kegelladenkanzelle unter Wind gesetzt hat.
Die Super-Koppel hat übrigens einen größeren Balg gestartet, der direkt auf dieses Kästchen montiert war und der die Eisenhebel der Keilbälgchen, die ausschließlich für die Betätigung der Superkoppel eingebaut waren, freischaltete.
tomintoul_feste_kombin.jpg

Hier noch die Seitenansicht dieser Registerwippen, die zeigt, mit welche stabilen Konstruktionen hier gearbeitet wurden:
registerwippe.jpg

gwm im Crofft-Inn (fast als einziger Gast, der still vergnügt ist, da der Hl. Antonius ihn endlich erhört hat)

Die Walcker-Orgel Opus 382 in Pfaffenweiler, Baujahr 1880

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Hierzu wurden mir von Andreas Strittmatter Bilder und Dispo geschickt, die ich gerne hier zeige, und dem ich auf diesem Wege meinen besten Dank ausrichte.
Das zweimanualige Instrument von den Söhnen Eberhard Friedrich Walckers zeigt sehr gut die Beibehaltung seiner romanischen Gehäuse, aber auch, welche Änderungen 8 Jahre nach seinem Tod in der Dispositionsgestalt eintraten.
Die Orgel wurde später auf drei Manuale erweitert und stellt keine „Denkmalorgel“ dar. Wer auf die Idee kam ein derartig „anti-walckerisches“ III.Manual dazuzubauen, der sollte sich bitte melden. Das geht schon über die „Verbrechen“ der 60er Jahre weit hinaus – oder man fasst es als eine Parodie auf.

Orgel:
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Spieltisch:
0382_pffw_web.jpg

Pfaffenweiler – Katholische Kirche St. Columba

E. F. Walcker & Cie. – 1880 – Opus 382

Manual I

Bourdon 16’
Prinzipal 8’
Floete 8’
Viola da Gamba 8’
Oktav 4’
Rohrfloete 4’
Mixtur 2 2/3’
Trompete 8’

Manual II

Geigenprincipal 8’
Lieblich Gedeckt 8’
Salicional 8’
Aeoline 8’
Flauto dolce 4’

Manual III (ergänzt)

Bourdon 8’
Flauto 4’
Cornet 2 2/3’
Cornet 1 1/7’
Clarinette 8’

Pedal

Violonbaß 16’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
Violoncello 8’
Oktav 4’
Posaune 16’
Trompete 8’

Koppel II – I
Koppel I – P

Kollektivtritte: Piano, Forte, Tutti

hist. Ablauf

24. Januar 1880: Kostenberechnung für eine neue Orgel durch Walcker für 6650 Mark. Am 23. April aus Mitteln genehmigt, die durch den Verkauf von gestifteten Grundstücken von Josefa Senftenagel zusammenkamen.

8. August 1917: Kostenvoranschlag der Firma F.W. Schwarz in Überlingen über 338,50 Mark für die Lieferung von Ersatzpfeifen für beschlagnahmte Zinnpfeifen.

10. Oktober 1928: Kostenvoranschlag von Schwarz für Ersatz der billigen Kriegspfeifen.

September 1944: Erneute Ablieferung von Zinn-Orgelpfeifen für Kriegszwecke.

17. Februar 1960: Kostenvoranschlag über 4565 DM durch die Firma Gebr. Späth für Instandsetzung der Orgel mit Versetzung des Spieltischs und Umdisposition von sechs Registern. Umbau im Juli fertig.

1976 – 1978: Kirchenerweiterung bedingt vorübergehenden Ausbau der Orgel. Einbau lt. Kirchenführer in einem auf das Original zurückgeführten Zustand mit 26 (?) Registern auf zwei Manualen.

Nach 1983: Restaurierung und Erweiterung um ein drittes Manual.

gwm aus dem Crofft in den Highlands

hierzu Kommentare:
Hallo Herr Walcker, das „Anti-Wacker Gebilde“ in Pfaffenweiler hat die Fa. H. Weber aus Engerazhofen 1998 gebaut. Ebenso wurden Pedal 4′ sowie die beiden Ped. Zungen und der Geigenprinzipal neu gebaut. Aeoline, Mixtur und Oktavbass 8 sind aus Lagerbeständen zusammengesucht. OSV war Hans Musch aus Freiburg. Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen der Erzd. Freiburg Heft 43, Juli 1999 Unglaublich, dass man noch 1998 meinte eine für ihre Zeit an sich perfekte Orgel „verbessern“ zu müssen. Wo war das Denkmalamt? Muss man das verstehen? Beste Grüße P. – Ich meine nein! – es ist einfach unverständlich, wenn man nahezu „stilreine“ Instrumente mit einem solchen Zuckerguss an wesensfremden Elementen aufmischt, dann zerstört man eine tadellose historische Zusammenhängigkeit auf Kosten schnelllebiger Effekte – ewig gestrige Geistlosigkeit. gwm

Sehr geehrter Herr Walcker
Sie haben ja einen wirklich staunenswerten Internetauftritt, eine sehr interessante Reise durch Orgelwelten! Den Blog mit der Orgel von Pfaffenweiler habe ich zwischenzeitlich auch aufgetan.
Eine Information kann ich noch nachreichen: Die Sanierung und Rückführung in den Originalzustand 1978 wurde ebenfalls durch die Gebr. Späth durchgeführt, welche die Orgel mit II/17 angeben:
http://www.freiburgerorgelbau.de/restaurationen.php?restaurationen=1
Das würde die Vermutung bestätigen, daß bei der jüngsten Ergänzung nicht nur das dritte Manual zugefügt, sondern auch das Pedal erweitert wurde: Eine Trompete 8′ (keine Transmission) dünkt mich für eine Kegelladen-Landorgel für eine einst eher kleinere Kirche nämlich ebensowenig original wie eine Oktav 4′ im Pedal.
An dem „unwalckerischen“ Zusatzmanual lassen Sie ja kein gutes Haar. Bei mir schlagen da zwei Seelen in der Brust: Der Freund möglichst authentisch erhaltener romantischer Orgeln gibt Ihnen vollkommen recht, der (nebenberufliche) Organist ist für das seltsame Einsprengsel wiederum nicht ganz undankbar. Allerdings ist die Clarinette fürchterlich penetrant intoniert. Eine durchschlagende Zunge hätte ich, wenn schon Erweiterung, für reizvoller erachtet … aber wahrscheinlich wollte man der Orgel ein paar „barocke“ Töne einhauchen, ohne zu sehr in die Substanz einzugreifen. Leider war bisher nirgends zu erfahren, wer20dafür verantwortlich zeichnete.
Angespornt durch die ganze Angelegenheit werde ich morgen einen Ausflug nach Simonswald zu einer Walcker- und einer Kiene-Orgel unternehmen, zur Walcker-Orgel kann ich Ihnen gerne wieder Infos und Bilder schicken … AS

Bassmelodiekoppel (Bourduncoupler) in der Walcker-Orgel in Tomintoul

Dienstag, Juni 2nd, 2009

Diese Orgel besitzt kein Pedal, weshalb man bei Walcker wohl auf die Idee kam, bei solchen Instrumenten eine sogenannte „Bourduncoupler“ einzubauen. Diese Koppel soll automatisch den richtigen Baßton zum Manualspiel dazu finden. Realisiert wurde das ganze mit einer pneumatischen Schaltung, die mir doch bei näherer Betrachtung gewaltigen Respekt abnötigte.
Wir sehen an dem nachfolgenden Bild01 diesen Relaisapparat, der jene pneumatische Relaisschaltung beherbergt. Die Schaltung ist direkt unter der Windlade eingebaut, wo der Bordun seinen Platz hat.
bild01.jpg
Die Bälgchen der mit „Rückseite“ bezeichneten Ansicht, werden über die beiden blau papierten Bälge über eine Eisenstange ein-ausgeschaltet. Unterhalb dieser Bälgchen befinden sich „Rückschlagventile“ aus Aluminium, eine sehr präzise Konstruktion.
bild02.jpg bild02a.jpg bild02b.jpg
Die Einschaltung dieser Bälgchen erfolgt über eine „Logik“ die durch die Tastenrelais und Steuerung auf die Bälgchen der anderen (Vorder-) Seite bewirkt wird. Hierzu habe ich in meinem Archiv eine Normzeichnung der Firma Walcker (siehe Liste „Normzeichnungen.pdf“) die später diesem Blog angehängt wird. Wir werden diese Zeichnung jedenfalls der Dokumentation beiliegen, da es doch eine sehr außergewöhnliche Spielhilfe ist, die es wohl kaum noch im deutschsprachigen Raum zu sehen, respektiv zu hören, gibt.
Diese Bälgchen der Rückseite steuern jene Ventile, die wir auf diesem Foto „Bild03“ zeigen, das sind also „Abstellventile“, die in Ruhestellung Wind durchlassen.
Im letzten Bild04 zeigen wir, wo dieser Relaisteil in der Orgel eingebaut ist und wie er dort verrohrt ist. Das ist einesteils beim Zusammenbau eine Hilfe, andererseits natürlich im Zusammenhang mit der ganzen Pneumatik interessant. Auf dieses Foto, das während dem Abbau aufgenommen wurde, sind die Bemerkungen skizziert.
bild041.jpg

Hier in der Anlage noch drei Bilder, die aus dem Prospekt der englischen Vertriebsfirma sind und wo diese Orgel beschrieben ist.
(geht momentan nicht wegen Internetüberlastung im Crofft-Inn)
dulsan1.JPG dulsan00011.JPG dulsan0002.JPG
(nachdem endlich Heri seinen Laptop eingepackt hatte und sich nur noch mit den „geistigen Dingen“ beschäftigt hat, gings wieder mit der Uploadgeschwindigkeit)

gwm 2.6.09

Archivliste gwm : normzliste0901v.pdf