Walze-Einstellungen bei romantischen Orgeln

Immer wieder fasziniert die fantastische, übergangslose Dynamik, wie z.B. bei der Berliner Domorgel, und wenn ein einziger Spieler mit dem Fuß registeriert und dabei solche waghalsigen Crescendi und Decrescendi wie Heinz Wunderlich bei seiner Reger-Aufnahme es tat, geschehen, und man fragt sich, wie wurde dies bewerkstelligt.
Zum einen natürlich war die ganze Disposition auf dieses Crescendo ausgerichtet, zum anderen haben die Intonateure dieses Kunststück vollbracht, indem sie die Eingliederung der Register in Lautstärke und Charakter ins Crescendo als wichtiges Klangelement beachteten.
Bei Walcker war bis weit in den I.Weltkrieg hinein (bis zu Regers Tod?) es Usus, dass bei Orgeln größer als 30 Register, die komplette Walzeneinstellung im Opusbuch niedergelegt wurde. Daraus nun kann man hervorragende Schlüsse auf den Klang und die Lautstärke der Register ziehen und außerdem kann man diese Angaben für seine eigene Registrierung ausprobieren.
Ich habe dieses Thema einmal gründlicher studiert, weil ich eine „spätromantische“ Walzeneinstellung für das Atheneum in Bukarest vornehmen will. Etwa 20 solche Walzeneinstellungen habe ich untersucht. eine gefiel mir ganz besonders gut, weil es sich um eine Orgel handelt, die heute noch komplett erhalten ist. Sie wurde gebaut 1915 für Rotterdam, Opus 1855, und steht heute in Doesburg NL mit III/75.
In der nachfolgenden Liste mit 38 Stufen erkennt man auf Anhieb zwei markante Dinge: 1. es sind bei weitem nicht alle Register in die Walze integriert worden, weil ja bei diesem System leicht von Hand dazu registriert werden kann, und 2. der Bourdon 16′ des I.Manuals kommt am Schluss.
Stufe Registereinstellung
1 Aeoline, II/I, III/II, III/II, III/I, III/P
2 Gedecktbass 16′ P
3 Salicional 8′ II
4 Dulciana 8′ I
5 Liebl. Gedeckt 8′ III, Harmonikabass 16 P
6 Bourdon 8′ II
7 Traversföte 8′ III
8 Flauto dolce 4′ III, Subbaß 16′ P
9 Bourdon 8′ I, Gedecktbass 8′
10 Viola 4′ II
11 Flute harm- 4′ II, II/P
12 Koncertflöte 8′ II
13 Fugara 8′ II, Violonbass 16′
14 Rohrflöte 4′ I
15 Geigenprincipal 8′ III, Cello 8′ P
16 Nachthorn 8′ III
17 Gamba 8′ I, Floetbass 4′ P
18 Hohlflöte 8′ I, I/P
19 Flötenprinc 8′ II
20 Principal 8′ I, Principalbass 16′
21 Fugara 4′ III
22 Piccolo 2′ II, Flautino 2′ III
23 Oboe 8′ III
24 Octav 4′ I, Octavbass 8′ P
25 Sesquialtera 2 2/3+1 3/5
26 Rauschquinte I, Choralbass 4′ P
27 Liebl. Gedeckt 16′ III
28 Harm. Aetheria III
29 Clarinett 8′ II
30 Cymbel II
31 Mixtur II
32 Trompete II
33 Quintatön 16′ II
34 Mixtur I
35 Cornett I
36 Bourdon 16′ I
37 Basson 16′, Clarine
38 Trompete 8′ I und Posaune 16′ P

gwm 28.10.08

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