Mixturen in Bukarest (1)

Die Mixturen in der Walcker-Orgel in Bukarest verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, weil
a) diese Mixturen aus einem orgelbewegten Instrument stammen, wo man also die Einflüsse von Mahrenholz und Jahnn in dieser Beziehung gut studieren kann, und
b) weil diese Stimmen eine klangliche Besonderheit haben, die ich einmal als “sehr zurückhaltend” bezeichnen möchte.
Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Intonation der ersten Mixtur, die wir hier darstellen, der Hauptwerksmixtur, problembehaftet war.
mixtur.jpg
Wir steigen hier einmal etwas tiefer in die Materie ein, weil oft der Zusammenhang zu diesen Mixturen nicht voll erkannt wird.
Wie muss eine Mixtur zusammengesetzt sein und welche Kraft muss sie haben? mixtur-kopie.jpg
Eine Frage, wie sie jeden Orgelbauer und jeden Organisten schon bewegt hat.
Mixturen sind synthetische = künstliche Teiltöne des tiefsten Prinzipalregisters des Werks auf dem sie plaziert sind. Mixturen enden in der Regel mit dem 1 1/3′ oder 2′ auf der letzten Note. Die Zusammensetzung der Chöre ergibt sich aus der geschacklichen Komponente und den physikalischen Bedingungen. Alle Mixturen, die mehr als 5 Chöre haben, müssen, wenn sie bei einem Chor kleiner als 2′ beginnen, Chorverdopplungen haben, die immer problematisch sind – wie es auch im vorliegenden Fall ist.
Bei einem 8′-Prinzipal auf dem die Hauptwerkmixtur aufbaut haben wir folgende Teiltöne:
1. Teilton = 8/1 = 8′ C
2. Teilton = 8/2 = 4′ c (Oktave 4′)
3. Teilton = 8/3 = 2 2/3′ g (dafür haben wir eine relativ zwarte Quinte im HW)
4. Teilton = 8/4 = 2′ c’ (Superoktav 2′)
5. Teilton = 8/5 = 1 3/5′ , e’ (dieser Teilton fehlt im HW, ein typischer Fehler der Orgelbewegung)
6. Teilton = 8/6 = 1 2/6 = 1 1/3′ g’ (damit beginnt der Hauptwerkmixtur erster Chor)
7. Teilton = 8/7 = 1 1/7′ = b’ ( fehlt in der Romantik und auch in der anf. Orgelbewegung)
8. Teilton = 8/8 = 1′ c” in unserer Mixtur vorhanden
9. Teilton = 8/9 = d”, None, Quinte der Quinte
und jetzt von weiterem Interesse nur noch der
12.Teilton = 8/12 = g” Duodezime = 2/3′ in Mixtur vorhanden
16.Teilton = 8/16 = c”’ = 1/2′ vorhanden
24.Teilton = 8/24 = g”’ = 1/3′ vorhanden

Wir haben also für den ersten Grundton C die fünf synthetischen Teiltöne des Prinzipal 8′
C = 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2 – 1/3 in der Mixtur vorhanden, das heisst, diese Teiltöne werden extra verstärkt und geben dem Plenum entsprechende Kraft und Helligkeit. Denn beim Prinzipalregister sind in jeder einzelnen Pfeife diese Teiltöne auch vorhanden, aber sie schwächen sich zu den Teiltönen nach oben zu ab. Der Grundton ist am stärksten. Will man Partialtöne verstärken geht das über die Bauweise (konische Bauweisen verstärken immer die ungeradzahligen Teiltöne, also Quinten und Terzen, während zylindrische Bauweisen die geradzahligen fördern). Mit den Mixturen können wir also unabhängig von der Bauweise der Pfeifen gerad- oder ungeradzahlige Teiltöne verstärken. Das war in der Frühromantik ein anderer Klang als in der Orgelbewegung, aber auch heute ist es wieder verifiziert.
Bei den Mixturen müssen spätestens alle Oktave eine Repetition (Rückschritt in der Tonhöhe) gemacht werden, weil sonst die Pfeifen unhörbar hoch werden würden. Bei zugeschaltetem Principal 8′ sollten diese Repetitionspunkte nicht mehr gehört werden.
In den 60er Jahren hat man diese Mixtur auf 5fach begradigt und die oberen Chöre entfernt. Außerdem hat man die Mixtur in der Lautstärke angehoben, um das fehlende Defizit auszugleichen. Damit wurde die Mixtur lauter und hässlicher. Mit der Rückführung auf die ursprüngliche Zusammensetzung auf 5-7 fach wurde diese Mixtur wieder angenehmer. Beiliegend ein PDF mixturen.pdf
mixturen.pdf, wo dies studiert werden kann. Man hat also damals die Quinten doppelchörig gemacht, ursprünglich waren aber nur die 2′ und 1′ Chöre doppelt. Interessant in diesem Zusammenhang, dass bei doppelten Chören immer die Füße beim enger mensurierten Chor länger gemacht wurden, um den beim Stimmen auftretenden “Anziehungseffekt” zu minimieren.
Das Versetzen der Repetitionspunkte ist nicht nachvollziehbar. Denn Walcker hat seine Mixturen immer bei den C-Tönen repetieren lassen.
Als Abschluss noch ein Bild mit den wichtigsten Intonationswerkzeugen, wie man sie hier benötigt:
pf_werkzeug01-kopie.jpg
und ein ganz spezielles Werkzeug, dass bei diesen kleinen Pfeifen sehr wertvoll sein kann:
werkzeug.jpg

(gwm) 2008
weitere Hinweise unter:
http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/01/mixturen-und-ihre-zusammenstellungen-ab-1864/

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