Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
img_2135.JPG

Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
img_2217.JPG img_2172.JPG img_2196.JPG

img_2125.JPG img_2222.JPGimg_2221.JPG

Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

img_2149.JPG img_2203.JPG

Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

2 Responses to “Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886”

  1. Peter sagt:

    Nochmals eine sehr interessante Orgel !
    Die Interesse einer Orgel ist von seine Grösse unhabhänging, dazu scheinen diesen mittelamerikanische Vorbilden weitgehends unverändert geblieben zu sein.

    Und genau das ist heute in Europa sehr seltsam zu finden, dass solche Orgeln mehrmals „verbessert“ (lesen: beschädigt) wurden.

    Sehen wir dieser Mixtur, zum Beispiel, mit wieder 2 2/3-2-1 3/5.
    Sollten wir heute ein solch Orgel in Europa bauen lassen, dann würde jede Orgelbauer diese Mixtur als ein Kornett verstanden, und es wäre entsprechend gebaut und intoniert.
    Ein Kornett ist aber diese Stimme sicher nicht !

    Das ist die Rede, dafür, wir wissen mussen, wie es klingt, Mensuren, Fusslochen usw, alles muss studiert und dokumentiert werden.

    Viele Grüsse zu Costa Rica,
    Pierre Lauwers

  2. Peter sagt:

    Wie schön, nun haben wir mit die Video von Frau Anne-Gaëlle Chanon eine Dokument, die ein Weltpremiere darstellt !
    Neben die wunderbarschöne Aeoline -die eine temporäres Umleitung für das Verkehr sicher verdient- haben wir hier mit Messiaen diese Mixtur 3 fach illustriert.
    Und „illustriert“ ist ja der richtige Wort; der ist randvoll mit Farben gefüllt.
    Diese Stimme scheint, eine mehrfaches Rolle zu erfüllen; Es gibt das „goldene“ Farbe, dazu gibt es den Eindruck, es ist eine Zungenstimme
    präsent in das Tutti.
    Wir sind sonstwo zwischen „Plein-jeu“ und „Grand-jeu“….Mit nur sieben Registern.
    Wir mussen solche Mixturen wieder in neuen Orgeln bauen !

    Ich habe die Video sofort auf der französischer/ belgier Forum „Organographia“ verlinkt, und auch aufs englische Mander organs Forum.
    Bei dieser letzte war sogar nach 10 Minuten ein Kommentar: „georgous colors“ eingeführt…
    Also weiter machen, und allen Mensuren, falls möglich, sicher zu speichern.
    Viele Grüsse zu Costa Rica,

    Pierre Lauwers