Anmerkungen zur Taschenlade

Was man kaum zu glauben wagt, ist aber tatsächlich hier in Bukarest bei einer sehr berühmten Walcker-Orgel passiert , nämlich bei dem Instrument der Deutschen Kirche.
Es war der Umstand, dass das Instrument in den 1964ern neobarockisiert wurde, eigentlich nicht der Rede wert, ein Scharff 1′ musste unbedingt rein und anderer Quatsch, leider unschön gemacht, aber dann in Folge dieser Arbeit wurde von dem Orgelbauer festgestellt, dass die Taschenladen völlig hinüber sind. Warum? – weil er einzelne Taschen ausgewechselt hatte, ohne, dass sich der Mangel besserte – und der Mangel waren vielfache Heuler.
Die Ursache dieser Störungen waren aber nicht die Taschen sondern die Zuleitungen, sprich: der Trakturwind war nicht dicht. Ein Mangel, der bei Taschenladen immer bei starker Heizung und nun den neuerdings durch Klimaveränderung hervorgetretene heiße Sommer vermehrt auftritt. Die unter 25% gefallene Luftfeuchte holt sich alles was sie an Feuchtigkeit bekommen kann, auch aus dem Orgelholz und dem Dichtungsleder, was dort Schwund verursacht.
Die bei Abstromsystemen notwendige Dichtigkeit aller windführenden Traktur-Teile wird nicht mehr gewährleistet. Das System kann bei starker Trocknung und einigen offenen Taschen völlig zusammenbrechen. Die Störungen sind meist zuerst an den Abstromrelais direkt an der Windlade und dessen kleinen Windkanälen zu den Taschen zu beobachten. Oft hilft ein Anziehen der Schrauben dieser Relais sofort, so dass sie wieder dicht anliegen.
Repariert man ein solchermaßen lädiertes System an der falschen Stelle, also an der Tasche, wird kein Erfolg bei der Störungsbeseitigung zu erwarten sein. Wir konnten diesen Sommer sehr gut an verschiedenen Instrumenten beobachten, wie sich Taschenladenorgeln bei großer Hitze und Lufttrockenheit verhalten. An der Bukarester Walcker-Orgel, wo hilfloses Auswechseln falscher Teile stattfand, hat sich am Schluss ergeben, dass die gesamten Manual-Taschenladen gegen neue Laukhuff-Kegelladen um 1970 ausgewechselt wurden! – eine makabere Fehlentscheidung. Denn neben den enormen Kosten, welche diese Windladen und ihr Einbau verursacht haben, haben Taschenladen ihre herausragenden Vorteile in der präzisen Ansprache und geräuschlosen Arbeitsweise.
Die identischen Fehl-Reparaturen haben wir auch an den Taschenladen im Athenäum in Bukarest entdeckt, wo an Taschen herumgewurschtelt wurde, und doch „schwarze Ausblasstellen“ an den Relais sichtbar waren – Hinweise von der Orgel: „hier musst du arbeiten!“
Alles dies waren Gründe, warum man „Pneumatik“ und „Taschenlade“ verteufelte – also die Unfähigkeit verschiedener Orgelbauer jene Systeme richtig zu pflegen bzw. was die Pneumatik an geht, richtig zu bauen. (gwm)

In der nachfolgenden Skizze habe ich den „kritischen Bereich“ der Taschenlade orange/weiß markiert. Bei größeren Laden ist der Weg von Relais zu Tasche entsprechend länger, dabbei werden die Verbindungen mit Blei- oder Metallrohren gemacht, die mit der Zeit undicht werden können. (besseres Bild am 4.Okt.07 integriert)
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