Archive for Oktober, 2007

San José, Colegio Don Bosco – WalckerOrgel Opus 3589. Bj.1958

Sonntag, Oktober 28th, 2007

4 changierende Registerreihen, auf Winddruck 76 mm WS
Bourdon 16 (Subbaß aus Metall) Gedeckt 8’ – Rohrflöte4 Reihe
Trompete 8’ – Oboe 4’ – 2’ Reihe
Principal 8’ – 4’ – Gemshorn 2’ Reihe
Mixtur 1 1/3’ – 1 – 1 1/3’ Reihe
2 Manuale C-g’’’, Pedal C-f’, 34 Registerauszüge.

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Diese Multiplexorgel hat kleine Hebelmagnete unter der Kastenlade und ist komplett in Eichenholz gefertigt, das mit Bootslack lackiert wurde. Es ist die einzige voll funktionsfähige Orgel, die ich in Costa Rica angetroffen habe. Mögliche Probleme werden am Motor erwartet, sonst aber sei der Orgel eine gute und lange Funktionssicherheit beschienen.
Durch eine Umstellung in das neue Kirchengebäude vor rund 20 Jahren sind die Prospektpfeifen teilweise beschädigt worden. Die seltsam hohe Stimmung von 458Hz/18ºC von Beginn an, dies war an den Pfeifen recht leicht zu erkennen, wurde auf 442Hz/18ºC geändert, da kein Chor oder Zweitinstrument mit dieser Stimmung klar kam.
Sehr gut klingt der Principal der über Flöten zur Gemshornmensur changiert. Ebenso die Trompete, welche ab c’ eine Oboe mit Trompetenbechern wird. Die Mixtur dagegen wäre als 2 2/3- 2 – 1 3/5 viel interessanter zu gestalten gewesen, wobei man dann changierend zum echten Kornett übergegangen wäre.
Das Gedeckt, das zur Rohrflöte changiert ist fantastisch und bietet mit den Auszügen aus Principal 1 1/3 und 1’ ganz hervorragende Mischungsmöglichkeiten. Ein solches Instrument ist durch die gute Funktionsfähigkeit der Hebelmagnete anstelle dieser Topfmagnete, die man dann leider später verwendete, oder auch vorher bei Oscar Walcker-Orgeln hatte, eine wichtige Quelle für Hausorgeln. Denn was diesen Orgeln natürlich fehlt ist die Masse an Tonvolumen, das man besonders bei etwas größeren Kirchen nicht mehr aus diesen Instrumenten herausholen kann, aber bei Hausorgeln kaum erwartet wird.
Daher auch hier in Don Bosco, die Orgel kann die volle Kirche kaum füllen. Für Konzerte ist sie interessant weil wir viele Mischungsmöglichkeiten haben, was sehr reizvoll in verschiedenen Stücken eingesetzt werden kann. So kann ich kann sehr gut verstehen, dass Organisten, die hier in Costa Rica ansässig sind, sich besonders für dieses Instrument interessiert haben.
Die Arbeiten an dieser Orgel sind teilweise sehr gut in der Zeitung „La Nación“ fotografisch dokumentiert: „http://www.nacion.com“ .

kleines Video von der Orgel
op3589.wmv

Grecia – WalckerOrgel Opus 470, Baujahr 1886

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

Die gepanzerte Gottesburg – eine Arche Noah aus Eisen
Das Gotteshaus in Grecia wurde um 1880 in Belgien aus Stahlteilen gefertigt und nach Verschiffung nach Costa Rica in Grecia wie einst der Eiffelturm installiert. Lediglich das innere Dach besteht aus Holz. Meines Wissens gibt es zwei Gotteshäuser aus diesem durchaus untypischen Material in Costa Rica. Höchstwahrscheinlich standen „Erdbebensicherheit“ und Langlebigkeit im Vordergrund bei Erwägung einer solchen Planung.
Unklar ist, wie die erste Walcker-Orgel in Costa Rica, wahrscheinlich über Grecia nach Palmares gelangte, nachdem die dafür geplante Kirche in Grecia durch Erdbeben zerstört wurde.

Die WalckerOrgel in Grecia, Op.478, Baujahr 1886, mechanische Kegellade, hat folgende Disposition:
Manual C-f’’’ = 54 Töne – 92mmWS (war früher sicher 82-85mmWS)
Principal 8’ Holz und Metall
Gedeckt 8’ Holz, Metall
Salicional 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Aeoline 8’ C-H mit Gedeckt, Rest 70%
Octave 4’ 75%
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5’ 75%

Pedal C-d’ =28 Töne
Subbaß 16’ Holz

Auffallend hier, wie an anderen Orgeln in Costa Rica, sind die unausgeglichene Intonation und die sehr intensiv bearbeiteten Stimmvorrichtungen mit allerlei Klebstoffen. Der Klang der Orgel ist recht stark, begründet dadurch, dass hier ein kleines Instrument eine recht große Kirche füllen muss. Außer dem Subbaß sind alle Registerschilder nicht mehr original erhalten. Auch das Walcker Firmenschild wurde neu gefertigt. Der Magazin balg ist mit viel Papierkleber bestückt und dürfte in den nächsten Monaten in organole Jenseits abtrudeln.
Wir haben hier drei Tage die Intonation etwas aus der Versenkung geholt, wobei besonders Aeoline, Mixtur und Octave klanglich bearbeitet werden mussten für das anstehende Konzert am 4.November.
Die großen Principalpfeifen wurden vom „Comedjan“ einem nur in Südamerika beheimateten Insekt attackiert. Dieser Holzschädling ist in der Lage ganze Bibliotheken in weniger als 2 Wochen zu verputzen. Klaviere und Orgeln werden von diesem Insekt oft in wenigen Tagen funktionsunfähig gemacht. Gegenüber unseren „Holzwürmer“ hat dieses Biest die Fähigkeit fliegen zu können, und daher sind präventive Schutzmaßnahmen kaum anwendbar.
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Die WalckerOrgel in Grecia mit geöffnetem Unterteil, Magazinbalg, Windlade
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Friede im Innern – Krach im Außen (Begleitmusiken zu einer Intonation)

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Mit besonderem Dank an Orlando Vega Maroto, der die Orgel aum Laufen hält und sich über alle Ortsgrenzen hinweg für Orgel und Orgelmusik in Costa Rica einsetzt.

Palmares – WalckerOrgel Opus 402, Bj1881

Montag, Oktober 22nd, 2007

Es gibt wirklich nur wenige Orgeln, die einen Orgelbauer restlos begeistern können. Besonders dann, wenn man auf ein Instrument trifft, das völlig andere, nämlich negative Erwartungen ankündigte. Dann aber, nach der Fahrt auf der legendären Panamericana, der längsten Auftostraße der Welt, die sich wohl von Santiago de Chile bis hoch nach Alaska erstreckt, und auf der ich bereits in Guatemala und Equador einige Kilometer zurückgelegt habe, da eröffnete sich mir ein unheimliches Erlebnis.
Als ich die ersten Töne der Viola di Gamba 8′ auf diesem seltsamen Instrument entlocken durfte, als sich beinahe Tränen der Rührung bemerkbar machten, wurde mir der grandiose, stille Klang dieser Walcker-Orgel am anderen Ende der Welt zu etwas gewiss Feststehendem, nämlich, dass es tatsächlich noch Orgeln auf unserem Erdenrund gibt, die jenen Klang bewahrt haben, auf dessen Suche wir uns begeben haben, lebenslang, unser Jakobsweg, und sei es die Panamericana.
Der Klang dieser Orgel wurde bewahrt, wie die Porcellanschilder und natürlich die Windladen und Pfeifen – allerdings in einem teils bedenklichen Zustand. Wir können das recht einfach an verschiedenen Störungen der Traktur und der Windanlage feststellen.
Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, dieses Instrument zu überholen, um die verschwimmende Charakteristika wieder zurückzuholen. Und die Feststellung, hier in Costa Rica ein Instrument zu haben, wie wir es in Deutschland kaum noch anzutreffen hoffen, das beruhigt, das gibt eine gewisse Kraft und festigt die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Leider liess sich auf Grund elementarer Verstimmung und technischen Störungen keine Klangaufnahme machen, dafür aber sehenswerte Bilder:

the magic colores of Palmares

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Porcellanschild Walckers aus 1881

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so wie dieses Schild aussieht, so klingt er, der Principal 8′, fein ziseliert, filigran, warm, warm, warm und tief und breit….

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und hier die Herren, von rechts nach links, der Sakristan, Andrés, der Pfarrer Keneth Castillon, gwm,
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DISPOSITION DER WALCKERORGEL IN PALMARES
Manual
Principal 8
Gedeckt 8
Salicional 8
Viola di Gamba 8
Octav 4
Flöte 4
Octav 2
Mixtur 2 2/3 – 2 – 1 3/5

Pedal
Subbaß 16

Bukarest, Philharmonie –second letter–

Sonntag, Oktober 7th, 2007

Im Zuge der Restaurierung haben wir als nächsten Schritt über 650 Magnete in der Orgel zu verkabeln, die vom Spieltisch über einen Schaltschrank aus gesteuert werden sollen. Dazu sind rund 600m mehradriges Kabel (80 adrig und 40 adrig) erforderlich. Die Verkabelung, die jetzt im November stattfinden wird, muss daher sehr genau geplant werden. Man kann sehr leicht ausrechnen, dass es sich hier um über 6000 Lötstellen handelt, die alle irgendwie eine Störquelle sein können.
Dazu haben wir praktisch drei Dokumente erstellt, einen Kabelplan, eine Disposition, auf der alle die einzelnen Windladen numeriert sind und natürlich der Spieltisch, der als Schaltzentrale alle Schalter und Tasten enthalten haben muss, welche diese Funktionen bedienen.
Die große Kunst ist hier, auf ein paar übersichtlichen Blättern den völligen Überblick zu haben mit allen relevanten Details, was uns gut gelungen ist, und was wir hier deswegen auch gerne einmal zeigen wollen.

die nachfolgenden Dokumente sind alle im PDF-Format

Hier also die Dispo mit den einzelnen Windladen: bukarest_dispodoc.pdf

hier der Verkabelungsplan, der ebenso das Funkstimmgerät, wie die zweiadrige Spieltischverbindung zum Schaltkasten zeigt:kabelplan.pdf

und hier der Spieltisch: spieltisch_bukarest.pdf

(gwm)

weitere Anmerkungen zur Kegellade

Samstag, Oktober 6th, 2007

Also zum Beitrag „Anmerkungen zur Taschenlade hat mir ein begeisterter Orgelbauer geschrieben, dass er diese Erfahrungen „voll und ganz“ bestätigen kann. „Was aber die Auswirkungen bei elektropneumatischen Kegelladen sei, bei Hitzeeinwirkungen, wäre auch wichtig, einmal zur Sprache zu bringen. Das haben wir gleich in die Tat umgesetzt, mit einprägsamen grafischen Zeichnungsbildchen. Denn bei Kegelladen machen sich, mit Ausnahme der bekannten Holzrisse an den großen Bohrungen, im pneumatischen Steuerungsbereich, keine derartig heftigen Störungen bemerkbar. Der Zustromwind wird hier nur schwächer, das heißt, die Membranen oder Bälgchen bekommen weniger Wind und drücken den Kegel im ungünstigsten Fall nicht auf.
Oft ist es dann hilfreich die Schrauben in den kritischen Bereichen anzuziehen und das Problem zu beheben, bevor man die Auswechseln von Membranen beginnt. Das haben wir hier in der nachfolgenden Zeichnung markiert.
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In der hier folgenden Zeichnung haben wir die Relais der Kegellade Bukarest exakt aufgezeichnet, da hier an Reparaturmaßnahmen abgelesen werden konnte, wo überall die Schwachstellen waren, was hier bezeichnend ist.

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(gwm)

Anmerkungen zur Taschenlade

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Was man kaum zu glauben wagt, ist aber tatsächlich hier in Bukarest bei einer sehr berühmten Walcker-Orgel passiert , nämlich bei dem Instrument der Deutschen Kirche.
Es war der Umstand, dass das Instrument in den 1964ern neobarockisiert wurde, eigentlich nicht der Rede wert, ein Scharff 1′ musste unbedingt rein und anderer Quatsch, leider unschön gemacht, aber dann in Folge dieser Arbeit wurde von dem Orgelbauer festgestellt, dass die Taschenladen völlig hinüber sind. Warum? – weil er einzelne Taschen ausgewechselt hatte, ohne, dass sich der Mangel besserte – und der Mangel waren vielfache Heuler.
Die Ursache dieser Störungen waren aber nicht die Taschen sondern die Zuleitungen, sprich: der Trakturwind war nicht dicht. Ein Mangel, der bei Taschenladen immer bei starker Heizung und nun den neuerdings durch Klimaveränderung hervorgetretene heiße Sommer vermehrt auftritt. Die unter 25% gefallene Luftfeuchte holt sich alles was sie an Feuchtigkeit bekommen kann, auch aus dem Orgelholz und dem Dichtungsleder, was dort Schwund verursacht.
Die bei Abstromsystemen notwendige Dichtigkeit aller windführenden Traktur-Teile wird nicht mehr gewährleistet. Das System kann bei starker Trocknung und einigen offenen Taschen völlig zusammenbrechen. Die Störungen sind meist zuerst an den Abstromrelais direkt an der Windlade und dessen kleinen Windkanälen zu den Taschen zu beobachten. Oft hilft ein Anziehen der Schrauben dieser Relais sofort, so dass sie wieder dicht anliegen.
Repariert man ein solchermaßen lädiertes System an der falschen Stelle, also an der Tasche, wird kein Erfolg bei der Störungsbeseitigung zu erwarten sein. Wir konnten diesen Sommer sehr gut an verschiedenen Instrumenten beobachten, wie sich Taschenladenorgeln bei großer Hitze und Lufttrockenheit verhalten. An der Bukarester Walcker-Orgel, wo hilfloses Auswechseln falscher Teile stattfand, hat sich am Schluss ergeben, dass die gesamten Manual-Taschenladen gegen neue Laukhuff-Kegelladen um 1970 ausgewechselt wurden! – eine makabere Fehlentscheidung. Denn neben den enormen Kosten, welche diese Windladen und ihr Einbau verursacht haben, haben Taschenladen ihre herausragenden Vorteile in der präzisen Ansprache und geräuschlosen Arbeitsweise.
Die identischen Fehl-Reparaturen haben wir auch an den Taschenladen im Athenäum in Bukarest entdeckt, wo an Taschen herumgewurschtelt wurde, und doch „schwarze Ausblasstellen“ an den Relais sichtbar waren – Hinweise von der Orgel: „hier musst du arbeiten!“
Alles dies waren Gründe, warum man „Pneumatik“ und „Taschenlade“ verteufelte – also die Unfähigkeit verschiedener Orgelbauer jene Systeme richtig zu pflegen bzw. was die Pneumatik an geht, richtig zu bauen. (gwm)

In der nachfolgenden Skizze habe ich den „kritischen Bereich“ der Taschenlade orange/weiß markiert. Bei größeren Laden ist der Weg von Relais zu Tasche entsprechend länger, dabbei werden die Verbindungen mit Blei- oder Metallrohren gemacht, die mit der Zeit undicht werden können. (besseres Bild am 4.Okt.07 integriert)
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