Workshop (3) – Restaurierung von Einfalten Magazin-Bälgen

Zum weiteren Verständnis ist erforderlich die beiden vorhergegangenen Workshops anzusehen, die sich auf dieser Seite befinden. Oder einfach unter der Kategorie Bukarest Op.2654 rechts anclicken, geht am schnellsten.
Hier in diesem abschliessenden Teil wollen wir folgende Teile zeigen:
– die Materialien
– Fertigung und Einbau der Darmsaiten
– Zusammenbau der Falten und Einbau
– Abschluss

DIE MATERIALIEN
Beim Papieren haben wir schon darauf hingewiesen, dass zeittypische Materialien bei einer Restaurierung eine grundsätzliche Voraussetzung für eine zielgerichtete Arbeit sind. Hier kommt nun in neuerer Zeit hinzu, dass auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt. Und so dürfte es klar sein, dass man nur mit den verträglichen Mitteln der „alten Zeit“ an alten Orgeln hantiert.
Es stellt sich die Frage bei der Verleimung, „Knochenleim“ oder „Hautleim“? Beide Leime werden bei einer Temperatur zwischen 65 und 72 Grad Celsius verarbeitet. Diese Temperatur von 72 Grad sollte nie überschritten werden, weil dann die Klebekraft erheblich nachlässt. Knochenleim verwenden wir bei Holzverleimungen, während beim Verleimen von Leder Hautleim verwendet wird. Ich denke, dass dieses natürliche Adäquat seine Richtigkeit hat. Eine wahrscheinlich viel größere Rolle spielt die Konsistenz der Leime. Also wie stark wir Wasser beigegeben, wie zäh darf das Wasser-Klebegemisch sein?
Wir haben für Bukarest 10kg Haut- und 10kg Knochenleim herbeigeschafft und denken, dass dies gerade ausreicht. Verarbeitung von Warmleim (Glutinleimen)

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links sieht man also solch einen Leimkocher, beim dem man die Temperatur genau einstellen kann. Auf dem rechten Bild sind die beiden Leimarten, zuerst Knochenleim, dann Hautleim abgebildet.
Nachfolgend auf dem ersten Foto links die „Antique-Nägel, mit denen die Darmsaiten verspannt werden und links eine Darmsaite, die wie auf dem rechten Foto ersichtlich, in kleine „Krampen“ geschnitten wird, die man mit Rundzange nicht zu stark biegt. Die Antique-Nägel wurden vom Portier einer großen süddeutschen Orgelteile-Lieferfirma gefertigt, damit der Mann nicht an Langeweile abkippt – eine sehr fürsorgliche Haltung, die wir zu honorieren wissen.
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EINBAU der DARMSAITEN
Die alten Flexen zu entfernen, scheint mir wohl der einfachste Weg, mit einem Lötkolben in die vorigen Gänge einzubrennen, weil jeder Bohrer sofort verläuft. Während die heiße Lötspitze (Bild 1) den geringsten Widerstand sucht, das ist in der Regel die alte Bohrung. Danach bohrt man mit einem kleinen Fräser (3mm) auf und indem man für den Keil noch etwas Platz fräst, sieht dann bei eingsteckter Darmsaite das Ganze aus wie (Bild 2). In (Bild 3) sieht man dann, wie diese Saite mit Keilen verspannt wurde.
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Die Holzfalten müssen bevor die Darmsaiten eingesetzt werden, alle miteinander über den Knarrriemen verbunden werden (siehe Zeichnung aus Workshop 1) Hierzu müssen die Öffnungen für die Darmsaiten ins Leder eingebracht werden. Also pro paar Holzfalten sind 3 Knarrriemen anzuleimen (Mitte, oben und unten). Und wenn alle vier Paar Falten fertig sind, dann kann auf den unteren Zargen-Rahmen jedes einzelne paar Falten mit Darmsaiten und Knarrriemen befestigt werden. Abschliessend wird dann der Deckelrahmen genauso montiert und der Balg ist konstruktiv fertig.
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Hier die Innenansicht des Balges, auf der man die beiden neu eingesetzten Zwickel erkennen kann. Rechts ein Zwickel der mit zwei Scharnieren-Leder an die Falten angebunden ist, rechts ohne, hier wird es noch gemacht.
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Es folgt noch das Abledern aller kritischen Stellen am und im Balg mit dünnen Lederstreifen. Dann folgt noch das Papieren des gesamten Balges, und schön wäre gleich eine Funktionsprobe machen zu können. Das gleichmässige Blau des Papieres stellt sich nach 6-8 Stunden ein.

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Wir haben es hier also mit dem kleinsten Balg, dem Motorbalg zu tun gehabt, der bekanntlich als erster gebraucht wird. Nun haben wir noch 4 recht große Bälge für Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk und Pedal vor uns. Und es ist sicher, wenn wir alle diese Bälge durchhaben, wird noch ein kleiner „workshop“ drangehängt, der alle weiteren Erfahrungen aus dieser Arbeit widergibt.
(gwm) 26.Aug.2007 – der erste Sonntag unter 36 Grad Celsius in Bucuresti

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