WORKSHOP (2) -Restaurierung von Einfalten-Magazin-Bälgen

DAS PAPIEREN
Bei unserem ersten WORKSHOP haben wir ganz allgemeine Dinge eingebracht und dabei einige „Röntgenfotos“ für Orgelbauer gezeigt. Denn der kann mit technischen Zeichnungen in der Regel mehr anfangen als mit Fotos oder schönen Erklärungen.

Eigentlich wollten wir nun mit der Fertigung der Bälge weitermachen, aber uns fehlen noch die „Antik-Nägel“, wie die Holzkeile zum Verspannen der Darmsaiten heißen. Daher wurde weitergemacht mit dem PAPIEREN der Windanlage.
Wer die technische Zeichnung aus Bukarest studiert hat, wird dort gesehen haben, dass die gesamte Windanlage in einer Höhe auf einem langen Kanal ruht. Dieser Kanal beginnt mit dem größten Körper am Motor und verjüngt sich dann mit im Querschnitt abnehmenden Kanälen zum Pedal hin.
Das Papieren solcher Kanäle und Bälge scheint von Aristide Cavaillé-Coll eingeführt worden zu sein. Eberhard Friedrich Walcker hat sich diesen Umstand 1857 in seinem Kalender notiert. Ab etwa 1860 ist es bei Walcker regelmässig gemacht worden.
Der Vorteil des Papierens ist, dass kleine Undichtigkeiten des Windes durch das Papier abgedichtet wird. Walcker hat in der Regel „billiges Papier“ innen verwendet, was aus veralteten Archivunterlagen (Forstämter u.a. Einrichtungen und teils auch aus eigenem Archiv) stammt und das reichhaltige Literatur bietet. Das äußere Papier ist gutes Blaupapier, das ganz akurat aufgetragen wurde. Und zwar immer mit Kleister aufgeklebt und nie mit irgendwelchen Kunstklebern- oder Leimen, wie man es bei schlechten Reparaturen leider findet. Auch die Anreicherung mit Leimwasser muß unbedingt als nicht reversible Maßnahme gerügt werden.
Denn die Vorteile des Tapetenkleisters sind
a) völlig problemloses Wiederablösen der Papiere und
b) Einfaches Auftragen der Papiere mit Korrekturmöglichkeit und
c) ökologische Handhabung, es ist ja auch ein Naturprodukt (aus Weizenstärke) und man kann danach seine Hände waschen und ist kunst-chemisch nicht touchiert.
Hier nun der Ablauf beim Papieren:
1. Altes Papier entfernen – mit viel Wasser, einweichen lassen, nach etwa 12 Min. vorsichtig abziehen. In der Regel kann man ganze Bahnen herunterziehen. In diesem fotografierten Falle wurden Kunstleime und mehrere Schichten aufeinandergeleimt, was Probleme beim Abziehen macht
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2. Zuschneiden Papier – Man nehme zwei Aluschienen ganz flach, klebe auf die Unterseite 80er Schleifpapier und schneide die Papierstreifen von der Rolle mit einem Rundmesser wie hier abgebildet. Als Unterlage eigent sich hervorragend (wahrscheinlich der einzige brauchbare Fall wo sich das gut eignet) eine Spanplatte.
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3. Papier kleistern – im Gegensatz zum Tapezieren muß das Papier auf einer Seite befeuchtet werden, weil sonst später Trockenringel sich bilden können. Dann auf die andere Seite den Kleister gut auftragen.
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4. Papier auf das Werkstück aufbringen – mit den Möglichkeiten es gut zu plazieren.
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5. Kleinere Klebekorrekturen beim Trocknen und hier sind fast alle großen Kanäle bereits versammelt
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SPEZIALFOTOS FÜR SPEZIALISTEN

Im Inneren der Faltenbälge und Kanäle findet sich eine komplexe Geschichte aus vielflätigen Dokumenten zusammengestückelt. Wir haben zwei Beispiele herausgefiltert. Daneben sind einige „MAKROFOTOS“ von der alten Lederbeleimung aufgeführt, die zeigen, dass das Leder fast auf 0mm in der Dicke endet, so fein wurde es abgeschabt.
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