Ventilator ade!

Bei Orgeln mit Magazinbälgen die ursprünglich über Kalkanten und einer einfachen Tretanlage mit Schöpferbälgen betrieben wurden, hat sich zu Zeiten der Stromversorgung ein Ventilator dazugesellt. Auch bei Restaurierungen heutzutage werden diese Ventilatoren über Roll- und Rückschlagventile dazugebaut.

Alle mir bekannten Orgeln mit solchen Ventilatoren, seien es Langsam- oder Schnelläufer, leiden unter dem Mangel, einer geräuschhaften Windanlage. Der verwirbelte Wind und Motorenfrequenz macht sich bemerkbar. Im Gegensatz zu Schwimmerbälgen werden bei Magazinbälgen größere Flächen und Windmassen bewegt. Außerdem erschien es mir immer wieder, dass feine Streicher, Dolcen, auch Zungen unter der Ventilatorluft und der damit einhergehenden Unruhe, intonatorische Mängel aufweisen. Bei hohen Tönen wird die Unruhe des verwirbelten Windes in „Zirpsen“ und Unstimmbarkeiten bemerkbar. Ventilatorwind ist zwar „bequem“ aber nicht „authentisch“.
Nun wissen wir seit Töpfer 1853, dass sich Orgelbauer mit Windmaschinen beschäftigten, die vergleichbar ihrer mit Treibriemen angetriebenen Maschinen bedient wurden. Von Eberhard Friedrich Walcker ist bekannt, dass er eine der ersten Dampfmaschinen in Ludwigsburg betrieb (das muss in den 1840er Jahren gewesen sein) und wir wissen außerdem, dass er in den beginnenden 1860er Jahren die Windanlage in Ulm mit einer solchen „Dampf“Maschine betrieb, wo er erstmals einen vertretbaren Wind beim Tutti erzeugen konnte, was die bis zu 12 Kalkanten nicht schafften.

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Die Erzeugung des Windes also, dabei spielt nicht die Muskelkraft das entscheidende Element sondern das stetige großflächige und damit dynamische Bewegen der Tretanlage anstelle der Verwirbelung durch das Rad des Ventilators, scheint heute ein ganz wichter Aspekt zu sein wieder an die Quelle der Winderzeugung zurückzukehren und anstelle der Muskelkraft des Menschen einen elektronisch synchronisierten Schrittmotor zu betreiben, der die Tretanlage über ein Geriebe in Bewegung versetzt.

Außerdem schafft man mit solchen Lösungen, wie sie von Itten, Kuhn, Rensch u.v.a.Orgelbauern sehr erfolgreich bereits durchgeführt wurden, dass wir streng im denkmalpflegerischen Sinne tätig sind und eben im allerwichtigsten Bereich, der Winderzeugung nun auch auf ursprüngliche Methoden zurückkehren.

In der Regel funktioniert eine solche Anlage mit einem Schrittmotor, der eine Geriebe betreibt, das direkt auf den Tretbalken wirkt. Ein Regler oder ein Winddrucksensor misst den Höhenstand des Magazinbalges oder den Winddruck und veranlasst den Microprocessor die Drehzahl des Motors auf die erforderliche Frequenz einzustellen. Wer will kann von hier aus auch Einstellungen am Spieltisch vornehmen lassen, so dass Druckanpassungen an gespielte Literatur oder an veränderte Temperatur vorgenommen werden kann.

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Mit diesen Möglichkeiten der Winderzeugung kehren wir zurück zur ursprünglichen Winderzeugung, wie es bei allen Walcker-Orgeln in der Zeit von 1860 bis etwa 1900 der Fall war. Ich zeige hier zwei Zeichnungen die das veranschaulichen sollen. Die erste ist aus Petersburg Opus 750. Die zweite zeigt eine Windanlage mit zwei Magazinbälgen einem Drehrad, das von Hand und über eine Maschine bedient werden kann, und das gewissermaßen Standart war.

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An der Petersburger Walckerorgel sehen wir, dass über die Transmissionseinrichtung 3 Tretgebläse bedient wurden und wir können uns leicht vorstellen, dass weitere 3 oder 6 solcher Einrichtungen leicht bewerkstelligt werden konnten.

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