Archive for Mai, 2007

Kegel- und Taschenladen von Walcker

Montag, Mai 28th, 2007

sind wohl die wichtigsten Windladen die in Zukunft restauriert werden. Bei Walcker haben wir hierzu seit über hundert Jahren Tabellen, aus denen je nach Register und Teilung die genauen Taschen- und Membranen- also die zu erneuernden Teile – tabellenmässig herausgelesen werden können.

Diese Liste habe ich in eine Excel-Tabelle übertragen, die nach Eingabe der Bohrklasse des Registers- alles weitere errechnet. Für leidgeprüfte Orgelbauer hier eine PDF-liste, die sie für sich selbst weiterinterpretieren können.

kegel_taschenlad.pdf

Hierzu sind noch die von Walcker verwendeten Maßskizzen wichtig:

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(gwm)

Der fünfmanualige Spieltisch von St.Sulpice/Paris

Montag, Mai 21st, 2007

Wir haben hier dank eines Orgelfreundes aus dem südlichen Württemberg endlich Gelegenheit einen der wohl ästhetischsten Spieltische des 19 Jahrhunderts hier in prachtvoller Detailaufnahme zu zeigen. Dazu sind nicht viele Worte erforderlich, außer, dass diese Fotos jeweils rund 600kb Auflösung haben, und zur Orientierung ist der bekannte Stich Cavaillé-Colls noch in der Mitte hinzugefügt.

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Dank nach Balingen!

Und hier weitere Bilder vom Spieltisch, von Barker-Hebel und Cavaillé

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(gwm)

Restaurierung elektrischer Spieltische

Dienstag, Mai 15th, 2007

Wir haben momentan drei Projekte laufen, in denen die Frage kontrovers diskutiert wird.. Hierzu sehe man sich die beiden Spieltischbilder an, welche die unterschiedliche Behandlung solcher Fragen sofort schlagartig vor Augen führen.

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A) alt und schön: Der eine ist ein Walcker-Spieltisch der dreißiger Jahre: eine vollkommen unproblematische Sache. Bei dem man die Kabel auswechseln kann, oder auch belassen kann. Die Kontakte werden hier alle gegen neue Silberkontakte erneuert. Danach spielt das Gerät wie bisher seine 70-80 Jahre. Auch die Registerschalter erhalten neue Kontakte und Federn und sind dann wie neu. Man hat hier nur zwei Freie Kombinationen, eine etwas geräuschhafte Walze und ein paar Feste Kombinationen. Damit kann man in der Regel bei 30-40 Register per Orgel gut leben.

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B) alt und hässlich: Der andere überlastete Spieltisch ist ein Problem, weil hier bei Störungen sehr großer Zeitaufwand erforderlich ist, den Fehler zu finden, und durch das Ab-und Zubauen der Anschlussbretter weitere Störungen in die Kabeln einschleichen können. Diese Spieltische sollten unbedingt innen mit neuer Technik aufgerüstet werden.

C) neues Design: Wird Setzerkombination, Midistation und Mobilität verlangt, so sind in der Regel so große Veränderungen an der Technik vorzunehmen, dass es nicht mehr bei einer Beibehaltung des äußeren Erscheinungsbildes bleiben kann. Denkmaltechnisch ist das zumindest kritisch. Vom modernen Spielverständnis verständlich. In solchen Fällen kann man letztendlich einen komplett neuen Spieltisch unter Verwendung des alten Spieltischgehäuses einbauen, der mit Lichtwellenleiterkabel oder Telefonleitung mit der Orgel verbunden wird. In der Orgel werden dann Treiber für die einzelnen Magnete in separatem Schaltgehäuse eingebaut. Die dreiadrige Telefonleitung kann mit dem Telefonnetz verbunden werden, so dass der Spieltisch bei Störung an das entsprechende Ingenieursbüro gleich die Fehlermeldung liefert. Auch weitere Daten können hier übermittelt werden.

Dies also eine „saubere“ und einfache Lösung nach heutigem technischen Design, die eigentlich nur zwei grundsätzliche Schwachstellen hat. Nämlich

a) Der Orgelbauer kann in dieser Zone kaum noch einen Fehler beheben und

b) die weitere technische Entwicklung läßt das momentane Technodesign kurzfristig veralten. Und damit entsteht etwas, was wir im Orgelbau garnicht gerne sehen. Nämlich, dass laufend an diesen Techniken von „betriebsfremden“ Ingenieuren herumgedoktert wird. Kommt der Orgelbauer zur 3. Hauptstimmung steht in der Regel ein neuer Spieltisch da (USA- Crystal Palace).

Die Auffassung, dass die alten seidenumspannten Kabel zu Störungen führen würden, und die daher oft rigoros ausgewechselt werden, ist vollkommen falsch. Diese Seidenumspannung wurde mit einer chemischen Lösung fabriziert, die zur Folge hatte, dass die Kupferkabel 100%ig oxidierten und mit großem mechanischem Aufwand abgerieben werden müssen, damit man sie überhaupt löten kann. Kontaktschluss mit Nachbarkabel kann es nicht geben. Bei fahrbaren oder steckbaren Spieltischen ist natürlich klar, dass alle die damit verbundenen Kabel Litzekabel sein müssen – das gab es früher nicht, was immer wieder zu Abbruchstellen führt. Seltener aber auch anzutreffen ist, dass mit Säure gelötet wurde und somit hier ein Heer an Störungen auf der Lauer liegen – besonders wenn teilweise Elektronik zugeführt wird.

Aus Fehler in der Vergangenheit zu lernen gipfelt in dem Schlußsatz, egal wie immer man sich bei der Frage „alten Spieltisch restaurieren oder ersetzen“ auch entscheiden mag, der alte Spieltisch oder dessen Innereien sollten unbedingt aufbewahrt werden,am besten in einem benachbarten Museum.

Denn wie froh wäre man heute in Hamburg, Stockholm, Oslo oder sonstwo, wenn man den alten Spieltisch wieder hätte.

(gwm)

Hans Henny Jahnn: …vom Klang der Welt – ein sensationeller Brief

Sonntag, Mai 6th, 2007

Was übrig bleibt von der Harmonik , jenseits einer bloß terminologischen Verwendung (bei H.H.Jahnn in „Fluss ohne Ufer zum Beispiel) das wird sich vielleicht an der Orgel nicht mehr vollziehen können, weil die Orgel genau in jenen „Maschinen-Rausch“ eingebrochen ist, was als fundamentale Technik-Kritik in dem Hauptwerk Jahnns seinen zarten Anfang nahm, aber jede tiefere Auseinandersetzung für die Zukunft verbietet. (ein deftiger Beweis dieser Annahme ist der jüngst erfolgte Streit zwischen einfältigen Orgelhistorikern im Norden und einigen Anhängern H.H.Jahnns)
Die Auseinandersetzung mit Kayser („Der hörende Mensch“) könnte in heutiger Zeit sehr rasch in ein Spiel mit wirkungsloser Ästhetik ausarten, ohne jegliche kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Zeit. Nicht so ist es bei Jahnn. Dort nämlich, wo die Kritik, die Vision und am Ende wieder die Selbstkritik aufleuchten, erleben wir die lebendige Auseinandersetzung mit dem Thema „Harmonik“ ohne endgültige Antworten zu erhalten. Diese „ewigen Wahrheiten“ , „platonische Ideen“, weiß Jahnn nicht zu finden, vielleicht stand die Weisheit Pate „es ruhen zu lassen“ um es damit „wirken zu lassen“.

Den wichtigsten Brief, den Jahnn an Oscar Walcker in Sachen Harmonik geschrieben hat, es war der nachfolgend dokumentierte Brief von Sept. 1942. Der als Antwort auf eine Anfrage von Oscar Walcker geschah, welcher in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit dem Thema widmen konnte und u.a. auch an Kayser schrieb, wie auf unseren Internetseiten nachzulesen ist.

siehe auch:
Schriftwechsel „Schieb – Schriftwechsel HH Jahnn mit Oscar Walcker „
(gwm)

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Ventilator ade!

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Bei Orgeln mit Magazinbälgen die ursprünglich über Kalkanten und einer einfachen Tretanlage mit Schöpferbälgen betrieben wurden, hat sich zu Zeiten der Stromversorgung ein Ventilator dazugesellt. Auch bei Restaurierungen heutzutage werden diese Ventilatoren über Roll- und Rückschlagventile dazugebaut.

Alle mir bekannten Orgeln mit solchen Ventilatoren, seien es Langsam- oder Schnelläufer, leiden unter dem Mangel, einer geräuschhaften Windanlage. Der verwirbelte Wind und Motorenfrequenz macht sich bemerkbar. Im Gegensatz zu Schwimmerbälgen werden bei Magazinbälgen größere Flächen und Windmassen bewegt. Außerdem erschien es mir immer wieder, dass feine Streicher, Dolcen, auch Zungen unter der Ventilatorluft und der damit einhergehenden Unruhe, intonatorische Mängel aufweisen. Bei hohen Tönen wird die Unruhe des verwirbelten Windes in „Zirpsen“ und Unstimmbarkeiten bemerkbar. Ventilatorwind ist zwar „bequem“ aber nicht „authentisch“.
Nun wissen wir seit Töpfer 1853, dass sich Orgelbauer mit Windmaschinen beschäftigten, die vergleichbar ihrer mit Treibriemen angetriebenen Maschinen bedient wurden. Von Eberhard Friedrich Walcker ist bekannt, dass er eine der ersten Dampfmaschinen in Ludwigsburg betrieb (das muss in den 1840er Jahren gewesen sein) und wir wissen außerdem, dass er in den beginnenden 1860er Jahren die Windanlage in Ulm mit einer solchen „Dampf“Maschine betrieb, wo er erstmals einen vertretbaren Wind beim Tutti erzeugen konnte, was die bis zu 12 Kalkanten nicht schafften.

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Die Erzeugung des Windes also, dabei spielt nicht die Muskelkraft das entscheidende Element sondern das stetige großflächige und damit dynamische Bewegen der Tretanlage anstelle der Verwirbelung durch das Rad des Ventilators, scheint heute ein ganz wichter Aspekt zu sein wieder an die Quelle der Winderzeugung zurückzukehren und anstelle der Muskelkraft des Menschen einen elektronisch synchronisierten Schrittmotor zu betreiben, der die Tretanlage über ein Geriebe in Bewegung versetzt.

Außerdem schafft man mit solchen Lösungen, wie sie von Itten, Kuhn, Rensch u.v.a.Orgelbauern sehr erfolgreich bereits durchgeführt wurden, dass wir streng im denkmalpflegerischen Sinne tätig sind und eben im allerwichtigsten Bereich, der Winderzeugung nun auch auf ursprüngliche Methoden zurückkehren.

In der Regel funktioniert eine solche Anlage mit einem Schrittmotor, der eine Geriebe betreibt, das direkt auf den Tretbalken wirkt. Ein Regler oder ein Winddrucksensor misst den Höhenstand des Magazinbalges oder den Winddruck und veranlasst den Microprocessor die Drehzahl des Motors auf die erforderliche Frequenz einzustellen. Wer will kann von hier aus auch Einstellungen am Spieltisch vornehmen lassen, so dass Druckanpassungen an gespielte Literatur oder an veränderte Temperatur vorgenommen werden kann.

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Mit diesen Möglichkeiten der Winderzeugung kehren wir zurück zur ursprünglichen Winderzeugung, wie es bei allen Walcker-Orgeln in der Zeit von 1860 bis etwa 1900 der Fall war. Ich zeige hier zwei Zeichnungen die das veranschaulichen sollen. Die erste ist aus Petersburg Opus 750. Die zweite zeigt eine Windanlage mit zwei Magazinbälgen einem Drehrad, das von Hand und über eine Maschine bedient werden kann, und das gewissermaßen Standart war.

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An der Petersburger Walckerorgel sehen wir, dass über die Transmissionseinrichtung 3 Tretgebläse bedient wurden und wir können uns leicht vorstellen, dass weitere 3 oder 6 solcher Einrichtungen leicht bewerkstelligt werden konnten.