Restaurierungsfrage : Holzwurm – was tun?

Immer wieder erfahren wir, dass kaum über die Behandlungen des Holzschutzes im Orgelbau und deren momentane Methoden umfassend unterrichtet wird.

  1. Die chemische Keule war einmal. Öffentliche Gebäude wie Kirchen können in der heutigen Zeit nicht mehr über derartige Methoden verfügen. Es wurden schon Kirchen geschlossen, weil fehlerhafte Methoden zum Einsatz kamen, die komplette Kirchenräume auf lange Sicht zugifteten.
  2. Welche Möglichkeiten gibt es nach Abtötung des Holzwurms. Auch hier sind aus denkmalplfegerischen Gesichtspunkten „Naturlösungen“ vor denen der Epoxidharzkeule vorzuziehen.

Wir möchten in diesem Blog ausschließlich eine Kurzfassung über Möglichkeiten geben, die zeitgemäss und vor allem „sehr milde“ und der Natur der Orgel entsprechend sind.

  1. Holzwurmbehandlung

Verschiedene Firmen bieten an befallene Holzstücke bis hin zu ganzen Windladen in einem Container mit Heißluft 60Grad zu behandeln. Dieses umweltschonende Verfahren hat seinen Preis. Dafür hat man kein Gift im Holz und im Haus.

  1. Holzstabilisierung nach der Holzwurmbeseitigung

Die Verfestigung mit Epoxidharz (die Betonierung der feinen Holzstruktur) erscheint eine brutale Gewaltmaßnahme. Auch die Frage der Reversibilität wird hier tangiert.

a) Eine sanfte Möglichkeit war bisher das Einbringen von wasserlöslichen tierischen Leimen, weil ja damit auch die Leimverbindungen der Orgel gelöst wurden. Das hat aber den Nachteil, dass die wässrigen Lösungen durch starkes Quellen des lädierten Holzes und dem Schrumpfprozess beim Trocknen weitere Schädigung der Holzstruktur beibringen. (völliges Zerreissen von Holzpfeifen beim Ausgiessen sind möglich)

b) Epoxidharze sind keine adäquaten Holzmaterialien. Hinzu kommt dass diese Verfahren völlig unreversibel sind und einem sonst logischen Restaurierungskonzept völlig widersprechen.

c) Einbringung von Dammarharz( www.sehstedter-naturfarben.de) ist hingegen ein Holzprodukt, giftklassefrei und biologisch abbaubar. Nach Stabilisierung mit diesem Mittel erhält der Gegenstand wieder die physikalischen Eigenschaften des ursprünglichen Holzes.

Das Dammarharz wird in 50-60%ige Lösung mit echtem Terpentin (Fa. Dick) in das zerfressene Holz eingeführt ( Streichen, Infusion, Injektion, Vaccum etc.) . Die Härte des gefestigten Holzes entspricht danach der Härte des gesunden Holzes. Die Holzoberfläche kann dann mit Bienenwachsemulsion (Fa. Dick) geschlossen werden. Sehr gut geeignet für Holzpfeifen, Windladen, Stöcke, die ja meist aus Weichholz gefertigt sind. Eiche und bei Vollmond geschlagene Hölzer sind ja gegen Holzwurm resistent.

(gwm)

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