Oboe 8′ im Walcker-Positiv E

Juli 18th, 2015

Im vorigen Blogbeitrag habe ich die Arbeiten in der Werkstatt etwas aufgezeichnet.
Jetzt zeige ich den Einbau der Oboe 8′ in das Positiv in Wuppertal, Lichtenplatzer Kapelle.
Auf den Platz der vormaligen Mixtur 3fach steht nun diese wunderschöne Oboe, die sich übrigens ganz fantastisch mit dem übrigen Ensemble verbindet.

Hier zunächst ein Foto von der Seite, ganz rechts das Gemshorn 8′, Rohrflöte 4′, Prinzipal 2′, Quinte 2 2/3′ und dann besagte Oboe 8′:
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Zum Stimmen der Oboe müssen ein paar Pfeifen ausgebaut werden, aber dann kommt man problemlos ans ganze Pfeifenwerk der Zunge und der kleinen Pfeifen von Prinzipal und Quinte.

zum Vergleich ein Foto aus ähnlicher Perspektive vor dieser Arbeit, also mit Stock der Mixtur 3 fach:
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Von vorne gesehen haben wir diese zwei Bilder:
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Und hier haben wir drei Klangfiles vom mir als Orgelbauer bespielt (ohne jeden Anspruch auf musikalische Ästhetik, aber die neue Klangwelt dieser Orgel ganz gut dokumentierend):

I.Man/Oboe 8′ II.Man/Gemshorn 8′

II.Man/Rohrflöte 4′

I.Man/Prinzipal 4′

gwm am 18.7.15

Austausch Mixtur gegen Oboe 8′

Juli 4th, 2015

Wenn in einer Kirchengemeinde seit 10 Jahren der Registerzug der Mixtur nie betätigt wurde, weil man sich dieses Register nicht antun möchte, dann ist guter Rat gefragt.
Mein ursprünglicher Vorschlag war diese Mixtur zu zähmen und weicher zu intonieren. Denn im Grunde bin ich immer der Auffassung, dass ursprüngliche Konzeptionen ihren Sinn gehabt haben.
Aber dieser Vorschlag hatte keine durchschlagende Wirkung, so dass ich über gegangen bin, ein Austausch des Registers gegen eine Oboe 8′ vorzuschlagen. Heute nun sind wir der Sache ein paar Schritte näher gekommen.

Zunächst einmal ein Bild, aus dem der begrenzte Platz in dieser Kleinorgel erkennbar wird:
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Eine technische Bearbeitung wurde vorgenommen, der Stock der Mixtur wurde ausgebaut, das neue Pfeifenwerk der Oboe auf dem Stock plaziert. Insbesondere bei Positiven ist durch die Manualteilung der Kanzellen ab etwa 2 Oktaven mit einer äußerst begrenzten Platzsituation auf dem Stock zu rechnen. Eine detaillierte Aufzeichnung via Computer ist erforderlich, wie hier gezeigt:
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Die Bohrungen auf dem Stock mit 2-3facher Mixtur werden zu einem Windkanal pro Ton gefräst:
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Auf den neuen Stock wird die Zeichnung im Maßstab 1:1 aufgelegt und die Bohrungen angerissen:
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Die neuen Bohrungen der Oboe-Pfeifen werden gebohrt und mit einem Sandbohrer brennend ausgekesselt:
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auf der Rückseite dieses Stocks verfräsen wir und tragen den Leim auf:
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Die Zeichnung wird auch genutzt, um die Bohrungen im Rasterbrett anzureissen. Da die Stiefelmaße der Zungenpfeifen sehr gut zu handhaben sind, beim Bohren dieser Bretter, geht es recht rasch mit dem Einrstrieren:
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Noch müssen die Hängeraster gefertigt werden und das Ganze wird danach verpackt und vor Ort eingebaut.
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gewalcker@t-online.de 04.07.15

Elektropneumatische Kegelladen (II.Teil)

Juni 16th, 2015

Bevor es an die Restaurierung oder Reparatur einer solchen Windlade geht, muss man sich eine Liste erstellen, auf welcher alle erforderlichen Lederteile aufgeführt sind, die man auszuwechseln hat. Hier in Cartago an der Walcker-Orgel von 1957 handelt es sich um die kompletten Membranen und wie im vorigen Teil erläutert um die Relaismembranen bzw. die Belederung der Relaisventile.

Hier zunächst eine Zeichnung von Walcker aus den 50er Jahren, welche die gängigen Membranen der elektropn. Kegelladen enthält:
Membranen

Dann erstellt man sich eine Liste nach der Disposition der Orgel. Hier in Cartago haben wir folgende Membranliste erstellt:
cartago008_00100_membranenliste

Nachdem man nun also alle notwendigen Membranen erstellt oder gekauft hat und die Membranleisten bereinigt wurden (säubern, abschleifen, Oberflächenbehandlung) kann es losgehen: Die Membranen werden nebeneinandergelegt, so wie sie eingebaut werden. Wir haben auf unserer Windlade im I.Man. C-Cs-Teilung und legen also die Membranleisten genau so an, wie diese nachher eingebaut werden. Jetzt muss nur noch klar sein, wie der Registerverlauf auf der Windlade ist, und wir können beginnen die Membranen mit Hautleim aufzuleimen.

Hierzu das folgende Foto
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Sind alle Leisten bestückt, empfiehlt es sich, die Membranleisten durch die Relaisöffnung anzublasen, um so festzustellen, ob alle Membranen sauber anheben. Dann bleibt nur noch der Weg zur Windlade, um die neu garnierten Leisten wieder einzubauen:
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Bei den Stöcken habe ich mich entschlossen, hier anstatt auf die Dämme der Windladen das zur Dichtung notwendige Molton anzubringen. Es ist so einfacher zu verleimen. Wir haben das Molton in Costa Rica besorgt, das nicht ganz die gleich gute Qualität hat wie unser deutsches Molton. Daher entschloss ich mich noch zusätzlich Blaupapier anzuleimen, damit die Löcher besser ausgeschnitten werden können. Was ganz hervorragend geklappt hat:
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Inzwischen haben wir auf dieser Windlade drei Register wieder spielbar. Es war schön, den Organisten zu erleben, der hier seit 15 Jahren die Orgel und das Elektrium spielt, als er nach probeweisem Spiel anerkannte: So schön habe er diese Oktave 4′ noch nie gehört und vor allem nie vollständig.

gewalcker@t-online.de 15.Juni 15

Elektropneumatische Kegelladen bei Walcker 1957

Juni 8th, 2015

Walcker hat bis in die 60er Jahre Kegelladen nach Mittel-und Südamerika gebaut. Dieses System hat bei den 8 Vertretern in den Ländern Lateinamerikas weitaus mehr Vertrauen besessen, als die in Europa längst wieder gängigen Schleifladenkonstruktionen.
Grundsätzlich ist der Aufbau bei elektropneumatischen Kegelladen wie auf der hier von Laukhuff erstellten Zeichnung.

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In einem wesentlichen Punkt aber weicht Walcker (und viele andere Orgelbauer) von dieser Konzeption ab: der Hebel- oder Wippmagnet steuert nicht direkt das Relais-Ventil sondern eine Membrane, die mehr Kraft hat, um das Relaisventil zuverlässig zu heben. Der komplette Relais-Satz sieht aus wie auf diesem Foto aus unserer Arbeit in Cartago, Costa Rica:

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Damit hat man zwar eine zuverlässigere Lösung, aber auch ein Element mehr, das beim Verfallen weitere Störungen mit sich bringen kann.
Die Relais sind wie auf diesem Foto gezeigt wird gestaltet. Wir sehen eine Pappscheibe, die mit einer Lederscheibe abdichtet und durch zwei Metallstifte geführt wird. Der Gang (Reise) dieses Ventil beträgt exakt 2,5mm.

Mit einer Holzabstrakte wird die Einhaltung dieses wichtigen Maßes gewährleistet. Um späteres Verregulieren von unten her, bei der Auflage des Relaisdrahtes über einen befilzten Holzwürtel auf der Membrane zu verhindern, wird auf den Draht ein Tropfen Haut-oder Knochenleim eingelassen.

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Das gesamte Relais der Cs-Seite des I.Manuals sieht dann folgendermaßen aus:

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Die Einschaltung der Register wird auf vergleichbare Weise gestaltet. Hier haben wir ja bei den Schleifladenorgeln, die weitaus weniger Wind verbrauchen als Kegelladen, viel größere Magnete. Obwohl bei den Kegelladen ein viel größerer Windverbrauch wegen ihrer dispositionellen Orientierung an Orgelromantik und Orgelbewegung.
Hingegen hat man bei elektrisch gesteuerten Schleifladen einen viel größeren Stromverbrauch, auch eine weitaus kompliziertere Elektronik, die diesen Stromverbrauch reguliert.
Bei der elektrisch gesteuerten Kegellade öffnet ein Hebelmagnet ein Ventil, welches Wind zur Membrane führt. Diese Membrane wiederum öffnet ein kleines Ventil das ein großes Balgventil öffnet und die Registerkanzelle unter Wind setzt. Bei der Kegellade handelt es sich um das sicherste Registerkanzellensystem überhaupt. Allerdings ist es mit dem Nachteil behaftet auch das lauteste System zu sein. Denn alle Kegel werden bei Betätigung des entsprechenden Tones bewegt, egal welche Register gezogen sind, während bei Taschenladen nur die Taschen bewegt werden, deren Register eingeschaltet sind. Das laute Klappern von Kegeln beim Spielen einer Dolce oder Unda maris kann ein echter Totschläger sein, und da lob ich mir die Taschenlade.

Hebelmagnetsteuerung von Walcker:

Register_Relais

Der Vorteil von diesen elektrisch gesteuerten Kegelladen gegenüber Auslasssystemen ist, dass ein totes Bälgchen oder Membran keinen Heuler verursacht, wie bei Ausstromsystemen – das beruhigt – besonders in Lateinamerika.

07.06.2015 gewalcker@t-online.de

Schwimmer-Keilbälge Cartago

Juni 6th, 2015

Diese Schwimmer-Keilbälge wie wir sie hier in Cartago vorfinden, halte ich persönlich für die beste Form von Schwimmerbälgen.
Wir haben in Moyeuvre gesehen, dass die parallel aufgehenden Schwimmerbälge mit Rollventilen und wenn man nur einen großen Balg verwendet im Sinne eines Magazinbalges, dass diese Art nicht erfolgversprechend bei größerem Windverbrauch ist.
Dort, wo Sub- und Superkoppeln eingebaut sind, wo Bourdon und Prinzipal 16′ gefüttert werden sollen, da sollte man in der Regel keine Schwimmer verwenden. Wenn aber Schwimmer, dann für jedes Manual einen Keil-Schwimmer.
Hier in Cartago haben wir 5 solche Schwimmer-Keilbälge. Also Motorbalg, für jedes der drei Manuale und fürs Pedal jeweils einen Balg.
Damit kann man sehr sensitiv einregulieren.
Auch wenn alle Manuale und das Pedal auf fast den gleichen Winddruck von rund 90mmWs einreguliert werden.
Bei der Renovierung oder Restaurierung eines solchen Keilbalges sind ein paar Details zu beachten, die wir hier nachfolgend zeigen.
Hier der Motorbalg, der die 150mmWS vom Motor auf 120mmWS reduziert, und diesen Wind über die beiden Kondukten in die Orgel einspeist.
Die linke Kondukte führt über einen Puffer zu den beiden Schwellwerken, die rechte Kondukte über Puffer zu I.Manual und Pedal.
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Die beiden Puffer haben wir in die vorgegebenen Rahmen mit Gummituch gefertigt und innen mit Leder gedichtet. Diese Puffer wurden aus Gründen der Erdbebensicherheit eingebaut.
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Die vorige Lösung mit Leder war ungünstig bei diesen großen Durchmessern (280mm).
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Der Balg reguliert im Inneren mit einem sogenannten Galgenventil Windmenge und damit den Druck. Übrigens ähnlich den ersten Wasserorgeln.
Erstaunt habe ich festgestellt, dass das Übersetzungsverhältnis 800mm zu 160mm ist, also 5:1 ausmacht.
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Von dieser Perspektive aus sieht man zuerst auf das Scharnier, das mit Hautleim und Tapeziernägel befestigt wird. Hier werden zwei Gummitücher eingesetzt, je außen und innen eines. Dort , wo die Bewegung des Schwimmers erfolgt haben wir 95mm Tuchbreite, am Scharnier sind es nur 60mm. Die Größe der Schwimmerfläche ist etwa bei allen Bälgen gleich und beträgt rund 1250x850mm.
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An diesem Band kann das Spiel des Galgenventils eingestellt werden: je mehr man es herauszieht, um so weniger Gang hat das Ventil.
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Last not least: in diesem Zimmer, wo sich der Motor und sein Balg befindet, hält sich jetzt im Sommer auch die Polizei auf, während der großen Wallfahrt, um die ganzen Kameras die auf und in der Basilika montiert sind zu steuern. Das heißt, die Gewichte am Balg müssen gut befestigt sein, damit sie nicht verschoben werden können und der Druck der ganzen Orgel darunter leidet.
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Die beiden fertig gestellten Bälge haben nun unter Realbedingungen gezeigt, dass sie einverstanden sind, mit der Methode, die wir angewandt haben. Nicht so der Motor. Er ist sowohl im Windrad als auch im Lager beschädigt, und es scheint, dass wir ihn auswechseln müssen.
06.Juni 2015 gewalcker@t-online.de

Windanlage Cartago

Mai 31st, 2015

Bei dieser Orgel, deren Restaurierung wir am 18.Mai 2015 begonnen haben, handelt es sich um eine Walcker-Orgel, Opus 3589, Bj. 1957, III/31.
Weitere Details werden im Zuge unserer Berichte auf dieser Blogseite mitgeteilt werden.
Wir beginnen also mit der Windanlage dieser Orgel, die aus 5 Schwimmerbälgen besteht, die mit Galgenventilen regulieren. Die Kondukten sind aus Pappe hergestellt, die mit Lederpuffern an den Kegelwindladen oder Weiterführungen befestigt wurden, damit bei kleineren Erderschütterungen keine Zerstörungen der Anschlüsse auftreten können. Das hat auch gut funktioniert. Im Moment sind fast alle Lederpuffer undicht und müssen neu beledert werden.
Es handelt sich hier in Cartago um ein elektropneumatisches Kegelladensystem, das ebenfalls gut funktionierte. Allerdings stand die Orgel rund 30-40 cm unter Wasser, was Probleme in der Schwachstromelektrik und bei allen Dichtungen verursachte.
Die Windladen wie alle Holzteile sind aus massiver Eiche gefertigt, was es überhaupt nach solchen Eingriffen von Natur und Mensch erst ermöglichte, diese Orgel wieder herzurichten.

Hier zunächst einmal ein Beispiel von Windanschlüssen mit zwei Puffern am Motorbalg:
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Die in diesem Fall viel zu dünne Belederung der Puffer wurde einfach mit einem Gummituch überklebt. Ab dieser Stelle war der Winddruck dann gleich einmal für die ganze Orgel viel zu niedrig.

Ein weiteres Beispiel zeigt die fehlerhafte Anwendung von Membranen. Auf diesem Foto wird das Relais des I.Manuals gezeigt, das im Laufe der Jahre mit immer groteskeren Membranen garniert wurde. Viel zu kleine Membranen, oder rechts, wo das halbe Windloch zugeleimt wurde etc. :
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Und nun zwei positive Beispiele. Diese Orgel ist praktisch nur deswegen restaurierbar, weil die Qualität der Materialien hervorragend ist. Wir haben es in allen Teilen mit bestem Eichenholz zu tun, das auf einfachste Weise gereinigt und mit Öl-Terpentinbalsam wieder hergerichtet werden kann. Das gibt dem Holz auch einen gewissen Schutz vor der enormen Luftfeuchte, die hier in der Regel um 70-90% liegt:
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und hier Beispiel einer Stock-Metamorphose:
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Cartago, 31.05.15 gewalcker@t-online.de

Hängebalgladen Härpfer (Moyeuvre)

November 22nd, 2014

Bei Hängebälgladen haben wir eine Registerkanzellenlade vor uns, die bei der Restaurierung gewisse Besonderheiten aufweisen. Leider hat jeder Orgelbauer eigene Systeme eingebracht, was Restaurierungen mit weiteren speziellen Eigenheiten befrachtet:

moyeuvre_violonbass

hier ein Foto, das zeigt, wie das Ganze in natura aussieht:
moyeuvre_juni_01

1. Bei Haerpfer sind die innenliegenden Federn so schwach, dass der Trakturwind rund 25mm höher sein muss, als der Pfeifendruck. Reduziert man diesen Trakturwind, werden viele Bälgchen “schwach” und es entstehen Heuler. Dies war ein Grund bei Walcker, die Federn außenliegend zu fertigen und regulierbar zu gestalten.

2. Ebenfalls durch die schwachen Federn verursacht, werden minimale Versetzungen des Bälgchens bei Neueinleimen bestraft. Einen Millimeter zu nah an der Pfeifenbohrung bewirkt, dass das Bälgchen nicht öffnet. Wird das Bälgchen hingegen einen Millimeter zu weit von der Bohrung plaziert, kann es Heuler geben.
Man sieht also, dass dieses System von Härpfer mit enormer Sensibilität ausgestattet ist, wenngleich es schwerfällt die Bälgchen nach Ausbau und neuer Belederung, nun selbst um nur einen Millimeter versetzt einzubauen. Aber durch diesen Akt des Ausbau- Wiedereinbaus wurde in der Regel die Feder leicht geschwächt, was zu Heuler führen kann.
Die Ansprache der Pfeifen geschieht ganz organisch und besonders bei Streicher und Zungen hat man ansprechende Wirkungen.

Schlecht ist allerdings, dass man erst mit vollständig eingerichtetem Register erfährt, welche Bälgchen Probleme hervorrufen, weil bei vollgriffigem Spiel der Pfeifendruck in der Registerkanzelle sinkt und dann der Pfeifenwinddruck manchmal nicht mehr ausreicht die Bälgchen zum Öffnen zu bewegen.

Das heißt dann im negativen Falle: alle Pfeifen des Registers wieder abräumen, Stöcke aufschrauben, fehlfunktionierende Bälgchen nacharbeiten, die Pfeifen wieder ins Raster, und nun ausprobieren, ob alles klappt.

Das kann in der Regel zwei, drei Male gemacht werden, bevor man ein ausgeglichenes Register besitzt. Denn die Intonation der Pfeifen ist vom Öffnen der Bälgchen elementar abhängig. Machen die zu wenig auf, kann die Lautstärke nicht über Fuß oder Kernspalte erwirkt werden.

Hier am Ende möchte ich noch ein Bild aus Solingen, eine Weyland-Orgel aus 1960, einfügen, das ebenfalls mit (Laukhuff-) Auslaßladen bestückt ist, die ebenso ihre Seltsamkeiten aufweisen:
solingen_luther_zeichn

gwm 18.12.2014

Windanlage in spätromantischen Orgel – Beispiel Motherwell Op.876 Bj.1900

April 5th, 2013

Ein großer Irrtum liegt vor, wenn man meint, bei diesen spätromantischen “singenden” Orgeln, die Windanlage, die ursprünglich organisch mit Hand-oder Fußbetrieb den Wind erzeugte, einfach einen Motor anstelle des Menschen zu setzen, und dann immer noch die Weichheit und Gediegenheit des warmen Klanges erwarten zu können.
Aus Kostengründen wird es oft nicht möglich sein, die Bälge elektro-mechanisch zu betreiben, aber man hat mit zusätzlichen Bälgen die Möglichkeit die schlimmsten Auswüchse des direkten Motorbetriebes zu mildern.
Das möchte ich an diesem Beispiel kurz demonstrieren.
Zunächst die Zeichnung der Windanlage, die ich darunter kurz kommentiere:
zustand_beim_bau

Wir sehen in der Mitte zwischen den beiden Orgelwerken ein großes Handrad, das mit einem Riemen an eine excentrische Welle verbunden ist. Diese Welle treibt drei Keilbalggebläse, dessen Wind über die graue aquarellierten Kanäle links zum Hauptwerk und rechts zum Schwellwerk geleitet werden.
Die beiden Magazinbälge haben die Aufgabe, das Volumen zu speichern, die Keilbälge über den Magazinbälgen regulieren den Winddruck. Wir können davon ausgehen, dass der Kalkant etwa 90-100mm maximal an Druck von Hand erzeugen konnte, so dass also die Winddruckregulierung keine große Bedeutung hatte, während die Speicherung des Windvolumens durch die beiden Magazinbälge die Hauptaufgabe dieser Windanlage war. Deswegen waren an den Magazinbälgen auch keine Regulierventile angebracht. Hierzu noch eine Ansicht des Gebläses mit seinen drei Keilbälgen:
ansicht_geblaese

Diese ganze “Harmonie” wurde beim Einbau eines elektrischen Gebläsemotors radikal zerstört und wir können davon ausgehen, dass diese Ausgewogenheit erheblich Schaden gelitten hat. Wie übrigens meistens, wenn in solche ausdifferenzierten Systeme mit Brachialmethoden eingegriffen wurde. Dazu das nächste Bild, welches zeigt, wie urplötzlich die Windalanage in Schieflage geraten ist:
zustand-jetzt

Hier bläst der Motor mit sage und schreibe 200mmWS in das zuvor mechanisch betriebene “Gebläse” über ein Rollventil, das vom ersten Magazinbalg nun den Druck auf rund 120mmWS reduziert. Wir sehen also, dass der erste Magazinbalg die komplette Winddruckregulierung übernimmt, während der zweite Balg unter dem Hauptwerk überhaupt keine Aufgabe mehr hat, ebenso der Keilbalg über dem Schwellwerk wird seiner Funktion entledigt und wurde vom Orgelbauer damals stillgelegt.
Dass diese Orgel nun nicht mehr “singt” sondern nur noch “Trompete” ist, der alle Musik aus dem Leib herausgeprügelt wurde, das sollte nach diesen kurzen Einführungen unvermittelt klar werden.

Doch wie kann man das Problem beseitigen, und zwar unter den vorliegenden ökumenischen Bedingungen: Wir haben uns lange überlegt welche Mittel und Möglichkeiten wir haben und ich bin zuum Entschluss gekommen hinter dem Motor einen weiteren Magazinbalg einzubauen, der die monströsen 200mm WS des Motors erheblich reduziert und dahinter das ursprünglich von Walcker eingerichtete Windsystem so belasssen werden kann. Engültig will ich mich noch nicht festlegen, in jedem Falle sollte diese Windsituation wesentlich besser werden als sie zuvor war.
Ein weiterer Blog in dieser Sache soll das Thema abschliessen.
gewalcker@t-online.de
5.4.2013

Prospektpfeifen-Füsse reparieren

Dezember 4th, 2012

Immer wieder treten an Prospektpfeifen aus Zinnlegierung unschöne Verformungen auf, die auch zu klanglicher Einbuße an diesen Pfeifen führen.
Hier stelle ich ein relativ einfaches Verfahren dar, wie man diese Pfeifenfüße reparieren kann.

1) Solchermaßen gekrümmte und verbogene Prospekpfeifen-Füße haben zwei Nachteile:
a)die Pfeifen werden mit der Zeit immer schwächer in der Klangstärke und b) die Ästhetik geht über in die Gefahr, dass die Pfeife aus der Verankerung reissen kann.
pfeifen01.jpg

2)Ich empfehle bei umfangreicher Reparatur den Bau einer solcher Pfeifenlade. Beachtet werden muß, dass der Pfeifenkörper mit einer Schutzschicht versehen ist, wo die Pfeife mit dem Filz in Berührung kommt, da sich sonst die Patina am Filz abreibt und hoch aufglänzt.
pfeifen02a.jpg

3) Diese Arbeiten sollte jeder Orgelbauer auf Wartung beherrschen und dafür ist eine recht kleine Werkzeug+ Materialauswahl notwendig:
Lötkolben mit Temp-Regulierung
Gute Japan-Säge von Diktum
Steinplatte für den Lötkolben
Faseisen
Feile und Satz Schleifpapiere (250er)
Stahlwolle mit 4 Nullen 0000
Klebeband, Lötzinn und Stearin
Eine Zwiebel, um die Lötkolben seitlich gegen Zinnbeschlag abzustumpfen (es lötet sich dann besser und der angenehme Zwiebelgeruch erinnert hin und wieder ans Mittagessen)
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4) Der krumme Fußteil wird mit einer scharfen Säge gut und sauber abgesägt. Danach werden der Pfeifenfuß und das neu aufzulötende Teil mit dem Faseisen behandelt, so dass wir sauberen Platz für die zu erfolgende Lötnaht bekommen.
pfeifen03.jpg pfeifen03a.jpg pfeifen04.jpg

5) zu dem neu gefertigten Stumpen ist folgendes zu sagen. Dieser Teil sollte die gleiche Legierung, wie die Prospektpfeife haben und er sollte nach meiner Erfahrung rund doppelte Dicke aufweisen, damit nicht bald wieder eine Verformung auftritt. Die aber kommt ohnehin, weil der dünnere Pfeifenfuß über dem dicken Stumpenteil einer Verformung unterliegt und so nach rund 30-40 Jahren leicht über dem neuen Teil sich dickbauchartig verformt.

6) die gefasten Stellen an Stumpen und Fuß werden mit Stearin bestrichen. Dieses Flußmittel verhindert rasche Oxidation und sorgt für besseren Lötfluß.
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7) Der Stumpen wird nun mit Klebeband an den Fuß befestigt. Hier gut prüfen, weil nach dem ersten Lötauftrag nur noch minimal geformt werden kann.
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8) Das Löten ist nicht jedermanns Sache. Wer lange nicht mehr gelötet hat, sollte sich auf der Pfeifenrückseite warm löten. Wir machen zuerst eine einzige kurze Lötverbindung und prüfen dann, dass der Stumpen richtig gut sitzt. Danach heften wir einen weiteren Lötschritt nach dem anderen, um am Ende eine einzige gute und runde Lötnaht über die ganze Rundung hinzubekommen.
pfeifen08b.jpg pfeifen08a.jpg

9) die überstehende Lötnaht wird mit Schleifpapier auch anfangs mit Feile glatt gemacht
pfeifen09.jpg

10) dann mit 250-400er Schleifpapier, am Ende mit feinster Stahlwolle 0000 (4 Nullen) und obendrauf noch Sidol als allerfeinstes Poliermittel. Damit gibts auf dem Pfeifenfuß mit Sicherheit keine Patina mehr.
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11) aber das Ergebnis nach 1/2 Tag Arbeit kann sich sehen lassen:
pfeifen15.jpg

Rückfragen wie immer an
gerhard@walcker.com
4.12.12

working on a pneumatic cone-chest organ (1)

August 4th, 2012

We want to show our work in this blog on the Walcker organ in Motherwell Scotland.

It starts with the pedal. We have here the relais of the notes.

a lead pipe supplies a small motor with wind. This actions a bigger motor with a cone-velve, which opens a very big motor for to open 2 large cone velves to give the wind to the large Violonbass pipes.
first you see inside this relais, above its the under side
ped_relais.jpg
then you see how this relais is under the windchest, here you see the 2 big motors for opening the cone-velves
ped_relais02.jpg
and on this picture you see the different parts before installation
ped_relais01.jpg

This 10 inches wide motor opens the wind for the stop of the Violon 16′ in the pedal
ped_balg_violonb16.jpg

and this is the stop combination machine for 3 combinations, piano, mezzoforte and forte in Great with 10 stops. There are aluminium plates as velves and small wooden valves.
hw_register_komb00.jpg hw_register_komb0.jpg hw_register_komb01.jpg

gerhard@walcker.com aug4th2012

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (6)

Juli 21st, 2012

Nach drei Monaten Arbeit haben wir letzte Hand an diesen Spieltisch gelegt.
Zwei Tage wird der Transport von Saarbrücken nach Schottland dauern, den wir selbst vornehmen müssen, da ein aufwendiges Verpacken dieses Spieltisches das enorme Gewicht von rund 540kg weiter erhöhen würde und damit auch die Gefahr von Transportschäden.
Ein großes Problem bei dieser Art von Spieltischen stellt die Regulierung der mechanisch-pneumatischen Koppeln dar.
Wir zeigen dazu ein Foto, um dies kurz zu erläutern:

spieltisch-von-hinten02.jpg

Koppeln regulieren
Die hier sichtbaren 61 Bleirohre führen zur Abgangsleiste des I.Manuals. Davor erkennt man die Bleirohre zur Koppel II/Pedal und die Keilbälgchen dieser Koppel, welche den Zugang zu den Koppelbälgchen II/I teilweise versperren. Man kann also die Koppel II/I nur vollständig regulieren, wenn die Koppelbälgchen II/P ausgebaut werden. Denn von vorne kommt man überhaupt nicht dran.
Wenn nun, die auf diesem Foto nicht enthaltenen Bleirohre vom II.Manual eingebaut sind und die nachfolgend erläuterte Crescendowalze im Spieltisch angeschlossen ist, dann hat man ganz erheblichen Aufwand alle diese Teile wieder auszubauen, um ordentlich diese Koppeln zu regulieren.

Crescendo Walze
Diese Einrichtung ist relativ einfach: ein Kasten wird bei eingeschalteter Walze unter Wind gesetzt, darüber befindet sich ein Schieber, der stufenlos die Öffnung freigibt für die angeschlossenen Registerrohre. Dieser Schieber wir rein mechanisch vom Crescendotritt aus bewegt.

crescendowalze.jpg

Hier noch ein Foto von der nahezu fertig gestellten Spieltisch-Front:

spieltisch.jpg

Und ab morgen wird wieder english-spoken. Wir hoffen nur, beim olympiaden Verkehr nicht allzu starkt in Kontrollmaßnahmen eingebettet zu werden.

gerhard@walcker.com
21.7.12

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (5)

Juli 14th, 2012

Von Motherwell haben wir in der Zwischenzeit rund 3000 Fotos erstellt, die wir zur Arbeit über iPad und Fotobuch für unsere Zwecke zugängig gemacht haben. Hieraus können wir gerne für Interessenten Bilder weiterleiten, wenn diese für ähnliche Zwecke benötigt werden. Hier ein Foto, wie wir das hier archiviert haben.
buch.jpg

Die Register werden im Spieltisch einmal über die Registerzüge eingeschaltet. Andere Möglichkeiten bieten sich über die Festen Kombinationen, wie Tutti. Hierzu ist erforderlich, dass Rückschlagventile dazwischen geschaltet werden, damit nicht ein einzelnes Register andere Register dazu zieht. Dies hat Walcker über solche über der Bohrung angebrachten Metallplättchen bewerkstelligt, wie in den nachfolgenden Fotos gezeigt.
Kommt der Wind von unten, so hebt der Druck das Plättchen an und lässt die Funktion folgen. Kommt Wind von oben, wird die Weiterleitung durch das aufschlagende Plättchen verhindert.

register_rueckschlagventile.jpg
register_rueckschlagventile_a.jpg

Wir zeigen hier zwei Bilder über den Aufbau der Manualklaviaturen in einem solchen pneumatischen Spieltisch. Beim ersten Foto sehen wir im Hintergrund die Ventile und darunter die Einhängung der Tasten – unter den Tasten die Keilblägchen der Manualkoppel. Diese Ventile werden mit einem Holzkästchen, das permanent unter Wind steht, umschlossen, was man auf dem zweiten Bild sieht. Auf diesem Foto erkennt man auch die mechanische Drückerschaltung unter dem I. Manual und unter dem II.Manual. Hier werden die Sub-Superkoppeln des Schwellwerks geschaltet.

tasten_ii.jpg

tasten_iia.jpg

Diese Koppeln hat man nicht mehr in dem sehr eng angelegten Spieltisch untergebracht und hat sie daher direkt hinter den Spieltisch angebaut. Der weitgehend fertig restaurierte Sub-Super-Koppelapparat zeigt uns wieder einmal, dass solch eine Orgel eigentlich nur aus lauter Bohrungen (und ein paar Pfeifen) besteht.

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sub_super.jpg

Nun, nach über zwei Monaten Arbeit in unserer Werkstatt (noch nicht berichtet haben wir über die Restaurierung der beiden Bälge, was in weiterem Blog folgen soll) werden wir in 8 Tagen nun wieder mit Pack und Kegel Richtung Engellande ziehen, um dort die hier gezeigten Teile wieder einzubauen. Noch ungeklärt ist ein Umstand, der elementar an der Zerstörung der Bleileitungen mitgewirkt hat, nämlich die Umstellung des Spieltisches, mit Gesicht zum Westfenster, wo er , wie das folgende Foto zeigt, nicht hingehört. Weil dadurch eine Störung der “Bedienungsharmonie” erfolgt ist. Wahrscheinlich werden wir den Spieltisch wieder umstellen, damit links das “Great” und rechts das “Swell bedient werden kann, wie es sich gehört. Aber wer weiß.

console_organ.jpg
gerhard@walcker.com

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (4)

Juli 8th, 2012

Bei diesem Blog möchte ich zwei Dinge an diesem Spieltisch zeigen.
Einmal wie die mechanische Bewegung in Winddruck gewandelt wird und zum anderen den Aufbau der Registerstaffelei.
Um das Ineinandergreifen von Keilbälgchen und Mechanik der Tasten zu verstehen, habe ich ein kleines Schema gezeichnet.
Hier ist die Taste des II.Man. gedrückt, während das I.Manual unbewegt ist. Es sind symbolisch zwei Koppelbälgchen eingezeichnet, die zeigen, wie solch eine Koppel funktioniert:

trakturschema.jpg

Auf dem nachfolgenden Bild, das die Tastenventile vom I.Man zeigt, sehen wir, wie die Ventile und die Keilbälgchen angeordnet sind.

tastenventile01.jpg

Alle Keilbälgchen mussten wegen fehlerhafter Belederung, die vor zehn Jahren stattfand, von uns erneut beledert werden. Ebenso mussten wir die Ventile neu beledern, weil man hier falsches Leder verwendet hat, das starke Klopfgeräusche hervorrief und nicht gut abdichtete.

tastenventile.jpg

Um das Abdichten etwas zu verbessern, haben wir unter dem Leder noch eine Garnitur Filz geleimt, was auch die ungleiche Dicke von Leder etwas ausgleicht.

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Das Foto des Ventilbretts von oben zeigt, wie akurat und eng es auf dieser Tastenteilung zugeht. Die Ventile sind durchweg aus gut getrocknetem Nußbaum gefertigt. Um mittendrin ein Ventil nachzubearbeiten oder zu regulieren, ist der Ausbau von Nachbarventilen erforderlich.

ventilbrett.jpg

Die Registerstaffeleien rechts und links arbeiten mit einer ähnlichen Technik: es wird beim Herausziehen des Registerzuges ein kleines Ventil geöffnet, das Wind in ein Bleirohr freigibt. Dieses Bleirohr führt zu einem Kästchen, in dem Rückschlagventile aus Alublech eingebaut sind, welche Tutti oder Festen Kombinationen die Handregister abschalten können.
Der Ausbau einer solchen Registerstafflei ist ein Abenteuer für sich. Wir haben das mit ein paar Bildern dokumentiert.

regstaffel.jpg regstaffel2.jpg regstaffel4.jpg regstaffel5.jpg regstaffel3a.jpg

gerhard@walcker.com 8.7.2012

How to use bone glue or hide glue in pipe organs

Juli 3rd, 2012

In this workshop I want to show how to work with natural glues.
Both hide glue as well as bone glue can only be processed with water.
The first picture shows all necessary parts you need:
dsc_0010.jpg
1. electric cooker (variable from 40-80 Grad Celsius) if possible with a movable container. So you can move it to the workpiece.
2. brush, if possible with no metal clip as glue and metal react chemically
3. bone ore hide pallets
4. water

To start take about 200g from the pallets and take same amount of water. Some more or less of water does not make much of.
This is bone granules:
dsc_0012.jpg
and this is granules made of skins:
dsc_0014.jpg
We prefer hide glue for leather and small paper gluing.

After having enriched the granules with same of water and warmed up (about 30minutes) in the electric heater to 70 Grad Celsius, the glue should have the consictency, as shown on the photo:

dsc_0031.jpg

This glue is ready for use.
The glue should be applied to the material harder side.
You can keep this glue the whole day in the electric heater at 70 Grad Celsius – but every hour you should add water to the glue, as water evaporates. After finishing your work put of the electric heater, clean the brushes with water. Next morning you can start the heater again, and after 30 minutes you can work with this glue again.
You can do some more than 10 days with the same glue. I never had problems with this method.

The glue needs about ten-15 minutes to fix leather to wood, but you have to wait more than 2 hours before you can load it.

Very important: the vessel must be closed by cover to keep the glue in the right consistency a long time.
dsc_0019.jpg

Paper, like the blue one we take for all windlines and bellows, is better to glue with wallpaper paste. Becouse the large areas are better to manage with this stuff than with the hide glue (but with this glue, some time ago they glued the books, what was a very long time ago made from paper)

gerhard@walcker.com 3rd July 2012

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (3)

Juni 30th, 2012

Der Spieltisch ist in weiten Teilen fertig gestellt.
Wir können daher heute ein Bild von vorne zeigen, das in wesentlichen Punkten erläutert wird:

spieltisch-von-vorne.jpg

Unter den beiden Manualklaviaturen befinden sich insgesamt 7 Drucktaster, welche die Koppeln, Crescendo und den Tremolo einschalten – und zwar mit Ausnahme des Tremolo alles rein mechanisch.
Dafür ist ein Relaisapparat direkt unter dem Travers angebracht, der es mit den dort eingebauten Keilbälgchen auch ermöglicht diese 6 Funktionen über die Festen Kombinationen und dem Tutti einschalten zu können. Diese mechanisch- pneumatische Kombination ist sehr interessant und das vergegenwärtigt uns, dass die Orgelbauer dieser Zeit immer mechanisch gedacht haben.
Im unteren Bereich sehen wir die zwei Apparate der Festen Kombinationen, die mit 7 Pistons eingeschaltet werden können und die in Schwellwerk und Hauptwerk aufgeteilt sind, weil dadurch die einfache Abschaltung der Handregister über jeweils ein Relais für HW und SW ermöglicht wurde. Nur beim Tutti werden beide Relais angesteuert. Und das erklärt nun auch, warum wir zwei Registerabgängs-Kästchen haben – denn diese werden sowohl vom Tutti wie von den EinzelHandregister angefahren.

Es gibt in der Pneumatik wie in der Digitaltechnik Relais die man als UND- ODER- NAND-Gatter bezeichnen könnte. Das heißt, wenn man eine Funktion von zwei unterschiedlichen Steuerungsquellen bewerkstelligen lassen will, die sich aber nicht gegenseitig beeinflussen dürfen, dann haben wir es mit einem Oder-Relais zu tun. Das hat Walcker auf zwei unterschiedliche Arten gelöst:

relais_a.jpg

Bei dem Relais mit dem Rückschlagventil ist lediglich ein kleines Aluplättchen eingebaut, das entwedet den Wind von rechts oder unten weiterleitet nach links zu dem Keilblägchen, ohne dass Wind zu einem der zuströmenden Quellen zurückleitet wird. Man könnte das aber auch wie das aufwändigere Relais links gestalten, mit zwei Keilbälgchen. Das in diesem Fall wegen der größeren Windmenge zum Balg der Tutti-Einschaltung, der alle Register hier unter Wind setzt, nicht anders gestaltet hätte werden können.
Ein identischer ODER_Relais sieht man nachfolgend, wo Crescendo und Tutti jeweils ein Keilbälgchen bedienen, das ein größeres Ventil öffnet und mit einer Bohrung dahinter wird der “Absteller im Hauptwerk” mit Wind bedient.

relais_b.jpg

Jetzt sind wir noch dabei die abgehenden Bleirohre neu einzubauen und zu verlegen, was eigentlich eine recht einfache Arbeit ist, wie man hier sehen kann:

bleirohreii.jpg

Interessant ist die mechanische Steuerung der Pedalwindleitungen. Es handelt sich eigentlich um Abstromventile, die durch die Feder beständig zugedrückt wird und bei Druck auf die Taste nach unten fallen und das Ventil so öffnen. Dann stehen alle drei Rohre pro Taste des Pedals unter Wind:

pedal01beide.jpg

Dazu zwei Fotos,die während der Arbeit an diesen Pedalapparat gemacht wurden und wo man im Hintergrund ein iPad sieht, das uns ständig mit Fotos unterstützte, damit man immer gut informiert ist, wie es denn vorher ausgesehen hat:

pedal02.jpg pedal03.jpg

Und hier noch eine walckersche Originalzeichnung, die uns immer irgendwie begleitet hat, wenns um pneumatische Spieltische geht, nämlich spieltisch_pfeddershm.jpgdie Zeichnung des Pfeddersheimer Spieltisches, der immerhin mit einer Organola ausgestattet ist und schon von daher für Aufsehen sorgt.

gerhard@walcker.com 30.6.12

Pneumatischer Spieltisch Motherwell (2)

Juni 23rd, 2012

Das nachfolgende Bild “Spieltischrückseite Motherwell” zeigt den Spieltisch, wie er bei uns in die Werkstatt angeliefert wurde, nach dem Ausbau der Manualklaviaturen und teilweisem Ausbau der Bleirohre. Lassen Sie sich von den roten und gelben Plastikschläuchen nicht irritieren, die werden natürlich entfernt und gegen Bleirohre ersetzt. Sondern es geht bei dieser Rückseitenansicht darum, trotz dem ersten “chaotischen” Eindruck, ein grobes Schema aufzuzeigen.
Die pneumatischen Spieltische bei Walcker waren recht einfach in ihrer Konstruktion. Die “Mechanik” hat hier immer noch stark durchgeleuchtet, weswegen sämtliche Koppeln über Bälgchen gesteuert wurden, was für die Sub- und Superkoppeln ins Schwellwerk einen Anbau an den Spieltisch erforderte, der direkt hinter dem Pedalkästchen platziert wurde, was auf unserem Foto nicht sichtbar ist.

Das nachfolgende Bild also erklärt sich von selbst mit den Textanmerkungen. Um es in allen Details scharf zu haben, ist das Bild mit rund 220 kB etwas größer als normalerweise im Web notwendig.
spieltisch_webvariante.jpg

Die Mechanik besteht darin, dass die Tasten ein kleines Ventil betätigen, das Winddruck über die oben gezeigten Bleiröhren zu den Keilbälgchen der Tonrelais unter den Windladen führen.
Diese Tastenmechanik (I.Manual-Great) sehen Sie hier:
manualgreat.jpg

Die hier gezeigten Kupferdrähte mit den Lederwürteln führen in das unter Wind stehende Kästchen, in dem diese Ventile eingebaut sind, die wir auf dem nachfolgendem Bild sehen:
manualgreat02.jpg

Die hinter diesem ersten Manual liegenden Keilbälgchen (die entfernt wurden, da sie neu beledert werden müssen, weil die Engländern einen falschen Klebstoff verwendet haben) sind für die Koppel II/I zuständig.
Das heißt sobald eine Taste des I.Manuals betätigt wird, werden Bleirohr zum Ton des I.Manuals und Koppelbälgchen unter Wind gesetzt – erst wenn der Koppelbalg II/I einen Eisenbalken von diesen Koppelbälgchen anhebt, damit diese arbeiten können, kann die Koppel in Funktion treten. Das eben ist ein typisch mechanischer Gedanke, der bei Walcker bis zum Ende des II.WK alle Konstruktionen, auch innerhalb elektrischer und elektropneumatischer Orgeln, beherrscht hat. Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, dass im Orgelbau erst mit dem Aufkommen der Elektronik ab den 1970er Jahren eine Annäherung an das technische Ingenieursdenken stattgefunden hat, dass aber damit sich gleichzeitig weiter vom künstlerischen Orgelbau entfernt hat. Denn zur Kunst gehört einfach eine zur Metaphysik der Künste abstrahierende Denkweise und nicht die Abstraktion zur Mathematik und Technik, die von der Muse subtrahiert. Ich denke dabei an Eberhard Friedrich Walcker, der Pfeifenmaße teilweise mit einem Stift sich zeichnerisch vergegenwärtigte ohne dabei eine einzige Zahl zu nennen (Quelle: EFW-Notizbücher). Dieses sinnliche Element spart Energie für den wesentlichen künstlerischen Impuls, den die Klanggebung erfordert. Wer viel Zeit und Denken im Reich der Technik verbringt, wird diesen Impuls nie spüren. Das ist es, was Rupp als die “Brückenbauer” und “Ingenieursorgelbauer” abfällig verurteilte.

Nun zurück zu unserem Spieltisch, der von uns allerdings konsequente “Künstleraskese” einfordert, weil wir letzten Endes hier nur zum Ziel kommen, wenn die Funktion aller Teile garantiert werden kann – und das sollte einige Dezennien Dauer erfahren dürfen.

Hier noch der Hinweis, dass bei solch einem Spieltisch alle Filzteile an den Tasten ersetzt werden müssen, und das sind hier bei jeder Taste die Kaschmirstreifen an vorderer Tastenführung und der Kaschmir in der mittleren Bohrung. Der grün gewebte Filz für den Tastenanschlag ist ebenso stillschweigend zu erneuern. Man kann übrigens sicher sein, dass außerhalb Deutschlands kein gewebter Filz durch Reparaturen der Eingeborenen jemals in irgendwelchen Orgeln das Licht der Welt erblickt hat. (auch Kaschmir ist ja ein gewebter Filz)
tastenaustuchen.jpg

Wie eine solche Bleirohrleiste, die Abgangleisten der beiden Manuale, aussehen kann, wenn man Weißleim anstelle Planatol (das ist zwar auch ein Kunstharzeim,allerdings bewahrt dieser beim Trocknen eine gewisse Elastizität, was das Herausnehmen der Bleirohre aber leichter ermöglicht) sieht man an dem nachfolgenden Foto. Die abgebrochenen Bleistümpfe zeigen, wohin die Reise geht.
abgangswinkel.jpg

Und hier noch ein Bild von den Pedalkoppelbälgchen I/P, welche die oben gezeigten Ventile öffnen. Sobald dieser schwarze Eisenrahmen durch den entsprechenden Balg hochgehoben wird, bekommen die Bälgchen Gelegenheit, die Ledermuttern der Ventile anzuheben. Alle Bälgchen in diesem Spieltisch mussten wir schweren Herzens neu beledern, obwohl diese erst vor wenigen Jahren erneuert wurden. Das zeigt, dass man mit wenig Wissen in Materialkunde sehr viel Schaden anrichten kann. Die “englisch” verleimten Koppelbälgchen haben so zäh reagiert, sodass man nicht glauben wollte, hier mit spritziger Repetition rechnen zu können.
pedalbaelgchen.jpg

gewalcker@t-online.de
23.6.12