Kingussie05 Klänge von gesägten Kernstichen

November 5th, 2016

Klänge von gesägten Kernstichen.
Noch sind wir dabei, die ersten Prinzipale, hier im Lande der “Exitisten” Diapason genannt (allerdings ist das auch schon wieder zu stark verallgemeinert, weil der “Open Diapason” unserem Principal und der “Stopped Diapason” europäischen Gedackten entspricht, wohlbemerkt immer als Achtfußregister gedacht) langsam gedanklich ins eigene Klangbild einzusortieren.

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Bei dem oben gezeigten Foto haben wir es mit Pfeifen des Diapason 8 im Great zu tun. Dieselbe Gestaltung finden sich aber in allen anderen Registern, weswegen die Klänge sich nicht ordentlich in Farbe und Charakteristika unterscheiden.
Durch das extrem dicke Pfeifenmaterial aus Blei und durch die sägegezahnartigen Kernstiche wird der gesamte Klang der Orgel ohnehin dick und farblos. Die extrem aufgeweiteten Kernspalten bewirken zudem, dass dieser dickflüssige Klangbrei unschön und platt sich ausbreitet.

Diapason 8′ Great in der Front, das C in der Mitte, alle aus Zink:
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So bemerkt man beim Diapason 8′ im “Great”, der an sich in den unteren Oktave ganz gut durchgeht, im Unterschied zum “Lieblich Gedackt 8′” nur, dass das letzte Register um einige Grade an Farblosigkeit und Langeweile gesteigerter daherkommt, aber im Kern dieselbe Klangsubstanz aufweist. Was bleibt da zu tun?

Nun, zuerst fiel mir auf, dass bei mäßigem Geraderichten der Kernspalten der Klang schöner und runder wird. Im Bass etwas die Klangkraft anheben und im Diskant etwas herunterfahren, das macht das Register allemal angenehmer.

Nun haben wir den Diapason 8 im Hauptwerk fertig, die Claribel Flute 8 ist ebenso ganz in Ordnung.
Claribel Flute 8 im Great:
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Ich will versuchen, nächste Woche den Organisten mal jenseits der “Amazing Grace Episcopal Atmosphäre” zu ein paar Takten zu animieren, die hier die Klänge etwas demonstrieren.

Der Diapason 8 im II.Manual, Swell, tiefe Oktave mit Stopped Diapason 8 gemeinsam, aber so gut wie unhörbar at the moment:
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gwm

die 13 Orgeln im Cairngorm Nationalpark

Oktober 30th, 2016

01 Kingussie, Parish Church, Orgel von Evans & Barr II/18, gebaut 1925.
02 Laggan Parish Church, die wir nächste Woche besuchen werden, befindet sich eine Thomas Casson -Orgel mit I/6, 1900 (Daten werden überprüft und mit Bild in diesem Block ergänzt)
03 Rothiemurchus, St. John’s Episcopal Church, es soll dort eine kleine einmanualige Orgel sein von Christopher Dickens gebaut 1980
04 Grantown on Spey in der Inverallan Parish Church steht eine Henry Hilsdon (Glasgow)-Orgel aus 1920, die 1980 von Sandy Edmonstone repariert wurde. Register und sonstige Details sind nicht bekannt.
05 Tomintoul, Parish Church, eine Walcker-Dulsanell-Orgel gebaut 1903 mit 6 Register auf einem Manual, ohne Pedal. Wurde von uns 2009 restauriert
06 Tombae, Church of Incarnation. Diese Orgel wurde 1870 vom Schotten James Conacher gebaut, wir haben die Orgel gehört und ich schätze mal 12-14 Register auf II.Manuale. Die Kirche ist seit Jahren baufällig und wird nicht mehr benutzt. Die Orgel ist ein Klangjuwel.
07 Ballater, Glenmuick Parish Church, Orgel von Forster & Andrews, II/16 aus 1889
08 Ballater, St. Nathallan’s Roman Catholic Church, Thomas Robson aus London hat diese Orgel I/5 im jahr 1850 gebaut
09 Ballater, St. Kentigern’s Episcopal Church, die Orgel der King’s College Kapelle von 1959, enthält Pfeifen der Vorgängerin, eine Walcker-Orgel. Größe und Details unklar.
10 Braemar, St. Andrew’s Roman Catholic Church, Orgel von Henry Willis aus 1903 mit II/11.
11 Kilmaveonaig, Blair Atholl, die St. Adamnan’s Episcopal Church, anonymer Orgelbauer, könnte um 1800 gebaut sein, unklar wieviel Register auf einem Manual.
12 Blair Atholl Parish Church, gebaut von John Miller aus Perth und Dundee gebaut 1910 mit II/10.
13 Blair Atholl, Blair Castle, Besuch hier ist sehr zu empfehlen. Die kleine Orgel ist aus 1630 und damit die zweitälteste in UK. Erbauer könnte John Loosemore gewesen sein. I/5 mit Tretvorrichtung und Principal, Stop Diapason und Regal

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Kingussie04 Orgelbefeuchtungsgerät von Watkins & Watson Limited

Oktober 23rd, 2016

Selten bin ich so gründlich belehrt worden, wie in dieser Sache.

Wir waren nämlich der Meinung, dass eine direkte Luftbefeuchtung über die Windanlage Schimmel auslöst und nur unter schwierigen Umständen zu exakt voraussagbaren Ergebnissen führt.
Hier in Kingussie haben sie seit Jahren diese direkte Einspeisung von feuchtem Wind in die Windanlage. Mein erster Schritt war, dieses Gerät auszuschalten, bevor wir an die gründliche Untersuchung der Orgel gingen. Gleichzeitig ging einher, dass wir hier während unserer Arbeiten, die Heizung anstellten, die uns tagsüber mit etwa 16-18 Grad Celsius Wärme versorgten.

Als Ergebnis dieser Umstellung mussten wir feststellen, dass mehr und mehr der Winddruck in der Windversorgungsleitung zum Spieltisch sank. Und zwar um rund 40 mm WS. Am Anfang hatten wir 145mmWS gemessen, nun also nach drei Wochen sank der Winddruck auf 105mmWS.
Dieser kritische Windkanal wurde an allen Ecken und Kanten untersucht, abgedichtet wo es nur ging, und so konnten wir wieder auf rund 140mmWS blicken. Aber erst nach den Einschalten des “humidifiers” konnten wieder Werte gemessen werden, wie ich das von Anfang an erwartet hatte: nach drei Tagen endlich waren wir auf 160mmWS, was ursprünglich so gewesen sein musste.

Das Einspeisen dieser feuchten Luft wird durch ein “Organ Humidifier Type D12a” von Watkins & Warson Limited besorgt. Diese Geräte sind extrem teuer, aber bei pneumatischen Orgeln hier in GB Standard. Es werden sage und schreibe 10 Liter Wasser am Tag in die Windanlage hinein geblasen, mit dem Ergebnis, dass alle Lederdichtungen und kleine Mängel im Holz geschlossen werden. Wir haben das Gerät so eingestellt, dass es rund 12 Stunden am Tag läuft. Nach etwa 10 Jahren wird ein neues Gerät benötigt, wenn man den Unsinn macht, wie hier, dass man das Gerät 24 Stunden lang laufen lässt.
Auf dem nachfolgenden Bild sehen wir den Humidifier mit angeschlossener Wasserleitung und Windanschluß an den Windkanal zur Orgel. Die Wasserleitung wurde mit einer Wärmeleitung versehen. Der zusätzliche Winddruck durch dieses Gerät beträgt rund 5,5 mm WS.

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Schimmel wurde nur an ganz wenigen Stellen in Windlade und Balg gefunden, in durchaus geringem Aufwand.

Meiner Meinung nach ist eine externe Zeitschaltuhr ein excellenter Weg dieses Gerät zu steuern. Durch den zusätzlichen Einbau eines Luftfeuchtesteuerelements, das auch manuell dazu gefahren werden kann, hat man eine Menge Möglichkeiten, dieses Gerät optimal zur Wirkung zu bringen.
Für pneumatische Orgeln, die bei Trockenheit ihre Störungen an Lederbälgchen und Holzschwankungen zu Äußerungen veranlassen, das Beste das es derzeit gibt.

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und hier noch ein Bild, das uns während der Arbeit draußen im courtyard widerfuhr, when sun came:
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Kingussie03 Bemerkungen zur Pneumatik

Oktober 16th, 2016

Unser dritter Blog über die pneumatische Schleifladenorgel von Evans & Barr in Kingussie beschäftigt sich diesmal um die Pneumatik, die bei dieser Orgel besonders im Winter, wenn die Luftfeuchte rapide abfällt, zu Problemen Anlass gab.
Wir haben diese pneumatische Steuerung gründlich ausgemessen und können dazu folgendes sagen: Der Winddruck am Spieltisch beträgt an dem Punkt, wo die Rohre eingesetzt werden exakt 124 mmWS. Sind leichte Ventilunebenheiten, so dass bei geschlossener Taste Wind in das Bleirohr austritt, kann am Auslassventil gegenreguliert werden. Dabei fällt der Winddruck bei Betätigung der Taste etwas ab. Unter 120mm WS haben wir jedoch keinen Zustromwind festgestellt.

im Spieltisch an den Auslassventilen kann der Wind im Ruhezustand rabgestellt werden:
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Je mehr Widerstände hinter dem Bleirohr zu überwinden sind, desto größer wird der Winddruckabfall, und desto schwächer reagiert das Keilbälgchen beim Öffnen des Ventils an der Windlade. Diese Widerstände sind unterschiedlicher Natur. Die Länge des Bleirohrs ist ein entscheidender Widerstand, dazu kommen die verschiedenen Relais, durch die der Wind sich bewegen muss, bevor er ans “Ziel” kommt.
Jeder noch so kleine Knick, jeder Anschluss und Durchlauf stellt einen Widerstand dar, der am Ende mit Winddruckabfall honoriert wird.
Wir haben deswegen alle Bleirohre mit 10 Atü ausgeblasen und danach am Ende der Bleirohre den Winddruck der vom Spieltisch kommt gemessen.
Der Winddruck nach Durchgang in den 4m langen Bleirohre hat dabei etwa 5% Verlust erlitten, so dass rund 118-120mmWS an der nachfolgend aufgezeigten Koppelmaschine ankam.

Die Koppelanlage an der man erkennen kann, dass der Wind über die Bleirohre zur Koppelanlage im II.Manual erhebliche Widerstände durchlaufen muss, bevor er zur Windlade abgeht:
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Hier allerdings stellen wir beim Abgang zum I.Man weitere rund 10% Winddruckabfall und beim II.Manual erhebliche 25% Abfall fest.
Beim II.Manual ist das konstruktionsbedingt durch die Sub und Superkoppeln verursacht. Ein erheblicher “Bremser” stellen die Rückschlagventile aus Holz dar. Eine sehr logisch erscheinende Sache, die aber ihre Tücken hat.

Rückschlagventile im II.Manual an mehreren Stellen:
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Zusammengefasst sei gesagt, dass am Ende das Keilbälgchen, welches ein recht schweres Ventil zum Öffnen für die Barkerhebel heben muss, welches mindestens 60-80mmWS Wind erfordert, gut und mit ausreichend Reserve an Wind versorgt werden muss. Alles Dinge, die in Vergangenheit mit Problemen behaftet waren – insbesondere im II.Manual.
So hat man in trockenen Wintern an diesen Keilbälgchen Ausfälle erlebt, weil durch die Trockenheit, das Leder der Keilbälgchen (hier in England heißen diese Elemente “motors”) zusätzlichen Spannungen ausgesetzt wurde. Die Wirkungen waren: Heuler, weil das Bälgchen durchs Leder erstarrte oder nicht spielbare Töne, weil ebendieser “motor” durch vertrocknete Lederstarre nicht mehr angezogen hatte.
Die Gemeinde hat ein Feuchtigkeitsgerät in die Windanlage integriert, dass unablässig zu allen Zeiten feuchte Luft in die Orgel geblasen hat. Dies hat zwar verhindert, dass solche Störungen weiterhin auftraten, aber dadurch wurde die Orgel mit Feuchtigkeit überversorgt.
Nun wollen wir danach sehen, das eine und andere gut dynamisch miteinander zu verknüpfen, ohne zukünftige Störungen zuzulassen.

Dann noch zwei Bilder aus den schottischen Highlands unmittelbar neben Kingussie
die Kirche am Loch Alvie
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und ein romantischer Fluß bei Feschiebridge
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16.10.16

Kingussie 02 zum außergewöhnlichen Spieltisch

Oktober 9th, 2016

Wir sind jetzt genau 3 Wochen in Kingussie und haben bereits damit begonnen, den Spieltisch wieder zusammenzubauen, den ich hiermit etwas beschreiben will.
Es gibt zwei Manuale C-c4 und Pedal 30 Tasten.
Die Abgänge hinter den Tasten geschehen pneumatisch mit einem Winddruck von 145mm WS! Dazu kommt, dass die Bleirohre eine Größe von 10mm außen haben, womit die Bedingungen für eine reibungslose Zustrom-Pneumatik recht gut sein sollten.
(Auf dem Kontinent trifft man kaum mehr als 8mm oder 9mm – Röhren an)
Evans&Barr haben hierzu einen einzigen mechanisch angesteuerten Apparat geschaffen, der beinahe mustergültig gut gemacht wurde.
Pro Taste gibt es zwei Ventile, eins für den Zustrom zum Koppel-oder Verteilerapparat in der Orgel und ein Ventil, das die Bleiröhre nach getaner Arbeit vom Wind entlastet. Hervorragend gemacht und durchdacht. Im nachfolgenden Foto sieht man den komplexen Steuerkasten, darauf ein Bild vom Entlastungsventilchen.

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Ein einfache Handskizze soll den Zusammenspiel der einzelnen Elemente zeigen.

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Der Einbau dieser Apparatur geschieht recht einfach, da keinerlei Bohrungen in Tasten oder Wippen berücksichtigt werden müssen. Man schiebt den Kasten praktisch einfach auf die Tastenenden und die Sache passt, vorausgesetzt, die Regulierung der Wippen und Tasten sind vorher abgestimmt worden.

Im nachfolgenden Bild dann sehen wir von der Spieltischrückseite auf diese Apparatur mit den Bleiröhren im Vordergrund. Wichtig ist, dass die Enden der Bleirohre vor Einbau ganz sauber sind und mit einer Drahtbürste gerichtet werden, damit dort der Warmleim haften bleibt. Dieser warme Knochenleim eignet sich als bester Klebstoff, weil bei Entfernung eines solchen Bleirohres nur kurz angehoben werden muss, der kristallisierte Leim knarzt kurz und gibt das Bleirohr frei. Alle anderen Klebstoffe, besonders die synthetischen Weißleime etc., sind ungeeignet, weil das Entfernen solcher Bleirohre zum Zirkuskunststück ausarten kann.

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Die Tasten sind mit einer hervorragenden Qualität gefertigt, was man an dem nachfolgenden Foto sehen kann. Es handelt sich ja hier um einen Spieltisch der über 90 Jahre regelmäßig traktiert wurde. Die Einregulierung kann auf zwei unterschiedliche Arten gemacht werden: man reguliert mit Unterlegpapier in der Mitte oder/und man reguliert an der Ledermutter zum Ventil.

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Zum Schluss noch eine Besonderheit in diesem Spieltisch: über ein einziges Ausstromventil wird hier eine Doppeldruckfunktion der Pistons und Drücker realisiert, wie ich das bisher noch nicht gesehen habe. Durch eine Madenschraube wird ein schwacher Dauerwind eingestellt. Drückt man nun den Piston oder Drucktaster, öffnet das Ventil durch den Wind im Kasten und bleibt in dieser Stellung bis erneut der Piston betätigt wird, dann fällt das Ventil wieder in die andere Richtung und schließt.

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Kingussie Evans & Barr – Orgel (01)

Oktober 2nd, 2016

Evans und Barr war die erste Orgelbaufirma in Nordirland. In Dublin gab es die Firma Telford seit 1830.
Die Presbytarian Churches haben etwas später als die Scottish Churches die Pfeifenorgel ab etwa 1900 zugelassen. Charles Evans und Williams Barr, Mitarbeiter der Firma Nicholson and Lord von Walsall, haben für diese Firma zu jener Zeit an verschiedenen Orgeln in Irland gearbeitet.
Als 1901-02 in Newcastle die Orgel in der Parish Church installiert wurde, könnte sich Evans und Barr entschlossen haben, sich selbständig zu machen. 1903 gründeten sie dann ihre Firma in Belfast City.
Von etwa 1915b bis 1930 bauten Evans & Barr viele und sehr gute Instrumente in Wales und Scotland. Darunter befindet sich auch unsere Orgel aus 1924-25 mit pneumatischen Schleifladen. 1963 wurde das Unternehmen geschlossen nachdem die Firma mehr als 300 Instrumente gebaut haben soll.
Geschätzt wurden ihre Instrumente wegen wunderschöner Klänge der Dulcianas, der differenzierten Bourdon-und ihren klaren Diapasonklängen. Die Flöten wurden relativ eng bemessen. Die schönen Clarabellas waren im Klang zwischen Diapason und Dulciana ausbalanciert. Der Gesamtklang der Orgeln war durch Sub-Superkoppeln in den II.Manualen breit und voluminös. Gegen den übrigen englischen Orgelklang der Zeit gesetzt würde ich sagen, die Evans & Barr – Klänge sind zurückhaltender, in England sagen sie: “more dull”, ähnlich den Eberhard Friedrich Walcker-Orgeln der ersten 30 Jahre, gemäßigter, auf empfindlichere Ohren gerichtet.
Die besonderen Mensuren werden wir mit Klangbeispielen i.L. der Zeit hier in weiteren Blogs vorstellen.

Specification:
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simpler Orgelgrundriss
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Erste Kontakte beim Ausbau der Orgelteile und Besuch einer kleinen Schülergruppe
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Interessant am Spieltisch ist, dass die Pedalkoppeln mechanisch gestaltet werden, während die anderen Koppeln pneumatisch, außerhalb des Spieltisches unter der Windlade des Hauptwerks, hier natürlich “Great” benannt, durchgeführt werden:
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so haben wir also an der recht schwierig auszubauenden Pedalklaviatur einen Hebel für die Pneumatik und einen Wellenarm für die Mechanik:
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Die Schleifwindlade möchte ich hier mit zwei Bildern vorstellen, dem Ventilkasten der uns offenbart, dass alle Ventile mit einer einzigen Holzleiste befestigt wurden und die Schleifen keinerlei Dichtungen besitzen, dafür mit den berüchtigten “Spanischen Reitern” ausgeführt wurden (das sind die Fräsungen neben den Bohrungen. Hier in Kingussie funktioniert das System hervorragend, ohne Verschleißteile wie Filz oder Leder.

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Ganz anders die Windladen des Pedals, die mit einem Ausstrombälgchen und verlängertem Ventil ausgestatteten Mechanismus die Pfeifenöffnungen steuern:

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Pneumatische Schleifladen funktionieren in etwa nach der nachfolgenden Skizze:

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Es ist also sehr viel Leder notwendig, ein Bälgchen pro Ton und eine Art Barkerhebel pro Ton-Ventil. Das kann zu folgenden Störungen Anlass geben:
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Wir wollen alle Lederteile der vergangenen nahezu 100 Jahren neu fassen:
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Zum Abschluss noch zwei Bilder aus der Gegend. Unmittelbar um die Kirche herum liegt der fantastische alte Friedhof, der uns jedem Morgen mit einem typisch schottischen “good morning” begrüßt und die “barraks”, ein altes Castle mit Kaserne, das um 1500 seine Funktionen bis 1740 erfüllt hat:

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gewalcker@t-online.de 02oct16

Oboe 8′ im Walcker-Positiv E

Juli 18th, 2015

Im vorigen Blogbeitrag habe ich die Arbeiten in der Werkstatt etwas aufgezeichnet.
Jetzt zeige ich den Einbau der Oboe 8′ in das Positiv in Wuppertal, Lichtenplatzer Kapelle.
Auf den Platz der vormaligen Mixtur 3fach steht nun diese wunderschöne Oboe, die sich übrigens ganz fantastisch mit dem übrigen Ensemble verbindet.

Hier zunächst ein Foto von der Seite, ganz rechts das Gemshorn 8′, Rohrflöte 4′, Prinzipal 2′, Quinte 2 2/3′ und dann besagte Oboe 8′:
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Zum Stimmen der Oboe müssen ein paar Pfeifen ausgebaut werden, aber dann kommt man problemlos ans ganze Pfeifenwerk der Zunge und der kleinen Pfeifen von Prinzipal und Quinte.

zum Vergleich ein Foto aus ähnlicher Perspektive vor dieser Arbeit, also mit Stock der Mixtur 3 fach:
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Von vorne gesehen haben wir diese zwei Bilder:
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Und hier haben wir drei Klangfiles vom mir als Orgelbauer bespielt (ohne jeden Anspruch auf musikalische Ästhetik, aber die neue Klangwelt dieser Orgel ganz gut dokumentierend):

I.Man/Oboe 8′ II.Man/Gemshorn 8′

II.Man/Rohrflöte 4′

I.Man/Prinzipal 4′

gwm am 18.7.15

Austausch Mixtur gegen Oboe 8′

Juli 4th, 2015

Wenn in einer Kirchengemeinde seit 10 Jahren der Registerzug der Mixtur nie betätigt wurde, weil man sich dieses Register nicht antun möchte, dann ist guter Rat gefragt.
Mein ursprünglicher Vorschlag war diese Mixtur zu zähmen und weicher zu intonieren. Denn im Grunde bin ich immer der Auffassung, dass ursprüngliche Konzeptionen ihren Sinn gehabt haben.
Aber dieser Vorschlag hatte keine durchschlagende Wirkung, so dass ich über gegangen bin, ein Austausch des Registers gegen eine Oboe 8′ vorzuschlagen. Heute nun sind wir der Sache ein paar Schritte näher gekommen.

Zunächst einmal ein Bild, aus dem der begrenzte Platz in dieser Kleinorgel erkennbar wird:
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Eine technische Bearbeitung wurde vorgenommen, der Stock der Mixtur wurde ausgebaut, das neue Pfeifenwerk der Oboe auf dem Stock plaziert. Insbesondere bei Positiven ist durch die Manualteilung der Kanzellen ab etwa 2 Oktaven mit einer äußerst begrenzten Platzsituation auf dem Stock zu rechnen. Eine detaillierte Aufzeichnung via Computer ist erforderlich, wie hier gezeigt:
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Die Bohrungen auf dem Stock mit 2-3facher Mixtur werden zu einem Windkanal pro Ton gefräst:
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Auf den neuen Stock wird die Zeichnung im Maßstab 1:1 aufgelegt und die Bohrungen angerissen:
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Die neuen Bohrungen der Oboe-Pfeifen werden gebohrt und mit einem Sandbohrer brennend ausgekesselt:
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auf der Rückseite dieses Stocks verfräsen wir und tragen den Leim auf:
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Die Zeichnung wird auch genutzt, um die Bohrungen im Rasterbrett anzureissen. Da die Stiefelmaße der Zungenpfeifen sehr gut zu handhaben sind, beim Bohren dieser Bretter, geht es recht rasch mit dem Einrstrieren:
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Noch müssen die Hängeraster gefertigt werden und das Ganze wird danach verpackt und vor Ort eingebaut.
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gewalcker@t-online.de 04.07.15

Elektropneumatische Kegelladen (II.Teil)

Juni 16th, 2015

Bevor es an die Restaurierung oder Reparatur einer solchen Windlade geht, muss man sich eine Liste erstellen, auf welcher alle erforderlichen Lederteile aufgeführt sind, die man auszuwechseln hat. Hier in Cartago an der Walcker-Orgel von 1957 handelt es sich um die kompletten Membranen und wie im vorigen Teil erläutert um die Relaismembranen bzw. die Belederung der Relaisventile.

Hier zunächst eine Zeichnung von Walcker aus den 50er Jahren, welche die gängigen Membranen der elektropn. Kegelladen enthält:
Membranen

Dann erstellt man sich eine Liste nach der Disposition der Orgel. Hier in Cartago haben wir folgende Membranliste erstellt:
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Nachdem man nun also alle notwendigen Membranen erstellt oder gekauft hat und die Membranleisten bereinigt wurden (säubern, abschleifen, Oberflächenbehandlung) kann es losgehen: Die Membranen werden nebeneinandergelegt, so wie sie eingebaut werden. Wir haben auf unserer Windlade im I.Man. C-Cs-Teilung und legen also die Membranleisten genau so an, wie diese nachher eingebaut werden. Jetzt muss nur noch klar sein, wie der Registerverlauf auf der Windlade ist, und wir können beginnen die Membranen mit Hautleim aufzuleimen.

Hierzu das folgende Foto
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Sind alle Leisten bestückt, empfiehlt es sich, die Membranleisten durch die Relaisöffnung anzublasen, um so festzustellen, ob alle Membranen sauber anheben. Dann bleibt nur noch der Weg zur Windlade, um die neu garnierten Leisten wieder einzubauen:
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Bei den Stöcken habe ich mich entschlossen, hier anstatt auf die Dämme der Windladen das zur Dichtung notwendige Molton anzubringen. Es ist so einfacher zu verleimen. Wir haben das Molton in Costa Rica besorgt, das nicht ganz die gleich gute Qualität hat wie unser deutsches Molton. Daher entschloss ich mich noch zusätzlich Blaupapier anzuleimen, damit die Löcher besser ausgeschnitten werden können. Was ganz hervorragend geklappt hat:
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Inzwischen haben wir auf dieser Windlade drei Register wieder spielbar. Es war schön, den Organisten zu erleben, der hier seit 15 Jahren die Orgel und das Elektrium spielt, als er nach probeweisem Spiel anerkannte: So schön habe er diese Oktave 4′ noch nie gehört und vor allem nie vollständig.

gewalcker@t-online.de 15.Juni 15

Elektropneumatische Kegelladen bei Walcker 1957

Juni 8th, 2015

Walcker hat bis in die 60er Jahre Kegelladen nach Mittel-und Südamerika gebaut. Dieses System hat bei den 8 Vertretern in den Ländern Lateinamerikas weitaus mehr Vertrauen besessen, als die in Europa längst wieder gängigen Schleifladenkonstruktionen.
Grundsätzlich ist der Aufbau bei elektropneumatischen Kegelladen wie auf der hier von Laukhuff erstellten Zeichnung.

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In einem wesentlichen Punkt aber weicht Walcker (und viele andere Orgelbauer) von dieser Konzeption ab: der Hebel- oder Wippmagnet steuert nicht direkt das Relais-Ventil sondern eine Membrane, die mehr Kraft hat, um das Relaisventil zuverlässig zu heben. Der komplette Relais-Satz sieht aus wie auf diesem Foto aus unserer Arbeit in Cartago, Costa Rica:

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Damit hat man zwar eine zuverlässigere Lösung, aber auch ein Element mehr, das beim Verfallen weitere Störungen mit sich bringen kann.
Die Relais sind wie auf diesem Foto gezeigt wird gestaltet. Wir sehen eine Pappscheibe, die mit einer Lederscheibe abdichtet und durch zwei Metallstifte geführt wird. Der Gang (Reise) dieses Ventil beträgt exakt 2,5mm.

Mit einer Holzabstrakte wird die Einhaltung dieses wichtigen Maßes gewährleistet. Um späteres Verregulieren von unten her, bei der Auflage des Relaisdrahtes über einen befilzten Holzwürtel auf der Membrane zu verhindern, wird auf den Draht ein Tropfen Haut-oder Knochenleim eingelassen.

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Das gesamte Relais der Cs-Seite des I.Manuals sieht dann folgendermaßen aus:

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Die Einschaltung der Register wird auf vergleichbare Weise gestaltet. Hier haben wir ja bei den Schleifladenorgeln, die weitaus weniger Wind verbrauchen als Kegelladen, viel größere Magnete. Obwohl bei den Kegelladen ein viel größerer Windverbrauch wegen ihrer dispositionellen Orientierung an Orgelromantik und Orgelbewegung.
Hingegen hat man bei elektrisch gesteuerten Schleifladen einen viel größeren Stromverbrauch, auch eine weitaus kompliziertere Elektronik, die diesen Stromverbrauch reguliert.
Bei der elektrisch gesteuerten Kegellade öffnet ein Hebelmagnet ein Ventil, welches Wind zur Membrane führt. Diese Membrane wiederum öffnet ein kleines Ventil das ein großes Balgventil öffnet und die Registerkanzelle unter Wind setzt. Bei der Kegellade handelt es sich um das sicherste Registerkanzellensystem überhaupt. Allerdings ist es mit dem Nachteil behaftet auch das lauteste System zu sein. Denn alle Kegel werden bei Betätigung des entsprechenden Tones bewegt, egal welche Register gezogen sind, während bei Taschenladen nur die Taschen bewegt werden, deren Register eingeschaltet sind. Das laute Klappern von Kegeln beim Spielen einer Dolce oder Unda maris kann ein echter Totschläger sein, und da lob ich mir die Taschenlade.

Hebelmagnetsteuerung von Walcker:

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Der Vorteil von diesen elektrisch gesteuerten Kegelladen gegenüber Auslasssystemen ist, dass ein totes Bälgchen oder Membran keinen Heuler verursacht, wie bei Ausstromsystemen – das beruhigt – besonders in Lateinamerika.

07.06.2015 gewalcker@t-online.de

Schwimmer-Keilbälge Cartago

Juni 6th, 2015

Diese Schwimmer-Keilbälge wie wir sie hier in Cartago vorfinden, halte ich persönlich für die beste Form von Schwimmerbälgen.
Wir haben in Moyeuvre gesehen, dass die parallel aufgehenden Schwimmerbälge mit Rollventilen und wenn man nur einen großen Balg verwendet im Sinne eines Magazinbalges, dass diese Art nicht erfolgversprechend bei größerem Windverbrauch ist.
Dort, wo Sub- und Superkoppeln eingebaut sind, wo Bourdon und Prinzipal 16′ gefüttert werden sollen, da sollte man in der Regel keine Schwimmer verwenden. Wenn aber Schwimmer, dann für jedes Manual einen Keil-Schwimmer.
Hier in Cartago haben wir 5 solche Schwimmer-Keilbälge. Also Motorbalg, für jedes der drei Manuale und fürs Pedal jeweils einen Balg.
Damit kann man sehr sensitiv einregulieren.
Auch wenn alle Manuale und das Pedal auf fast den gleichen Winddruck von rund 90mmWs einreguliert werden.
Bei der Renovierung oder Restaurierung eines solchen Keilbalges sind ein paar Details zu beachten, die wir hier nachfolgend zeigen.
Hier der Motorbalg, der die 150mmWS vom Motor auf 120mmWS reduziert, und diesen Wind über die beiden Kondukten in die Orgel einspeist.
Die linke Kondukte führt über einen Puffer zu den beiden Schwellwerken, die rechte Kondukte über Puffer zu I.Manual und Pedal.
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Die beiden Puffer haben wir in die vorgegebenen Rahmen mit Gummituch gefertigt und innen mit Leder gedichtet. Diese Puffer wurden aus Gründen der Erdbebensicherheit eingebaut.
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Die vorige Lösung mit Leder war ungünstig bei diesen großen Durchmessern (280mm).
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Der Balg reguliert im Inneren mit einem sogenannten Galgenventil Windmenge und damit den Druck. Übrigens ähnlich den ersten Wasserorgeln.
Erstaunt habe ich festgestellt, dass das Übersetzungsverhältnis 800mm zu 160mm ist, also 5:1 ausmacht.
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Von dieser Perspektive aus sieht man zuerst auf das Scharnier, das mit Hautleim und Tapeziernägel befestigt wird. Hier werden zwei Gummitücher eingesetzt, je außen und innen eines. Dort , wo die Bewegung des Schwimmers erfolgt haben wir 95mm Tuchbreite, am Scharnier sind es nur 60mm. Die Größe der Schwimmerfläche ist etwa bei allen Bälgen gleich und beträgt rund 1250x850mm.
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An diesem Band kann das Spiel des Galgenventils eingestellt werden: je mehr man es herauszieht, um so weniger Gang hat das Ventil.
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Last not least: in diesem Zimmer, wo sich der Motor und sein Balg befindet, hält sich jetzt im Sommer auch die Polizei auf, während der großen Wallfahrt, um die ganzen Kameras die auf und in der Basilika montiert sind zu steuern. Das heißt, die Gewichte am Balg müssen gut befestigt sein, damit sie nicht verschoben werden können und der Druck der ganzen Orgel darunter leidet.
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Die beiden fertig gestellten Bälge haben nun unter Realbedingungen gezeigt, dass sie einverstanden sind, mit der Methode, die wir angewandt haben. Nicht so der Motor. Er ist sowohl im Windrad als auch im Lager beschädigt, und es scheint, dass wir ihn auswechseln müssen.
06.Juni 2015 gewalcker@t-online.de

Windanlage Cartago

Mai 31st, 2015

Bei dieser Orgel, deren Restaurierung wir am 18.Mai 2015 begonnen haben, handelt es sich um eine Walcker-Orgel, Opus 3589, Bj. 1957, III/31.
Weitere Details werden im Zuge unserer Berichte auf dieser Blogseite mitgeteilt werden.
Wir beginnen also mit der Windanlage dieser Orgel, die aus 5 Schwimmerbälgen besteht, die mit Galgenventilen regulieren. Die Kondukten sind aus Pappe hergestellt, die mit Lederpuffern an den Kegelwindladen oder Weiterführungen befestigt wurden, damit bei kleineren Erderschütterungen keine Zerstörungen der Anschlüsse auftreten können. Das hat auch gut funktioniert. Im Moment sind fast alle Lederpuffer undicht und müssen neu beledert werden.
Es handelt sich hier in Cartago um ein elektropneumatisches Kegelladensystem, das ebenfalls gut funktionierte. Allerdings stand die Orgel rund 30-40 cm unter Wasser, was Probleme in der Schwachstromelektrik und bei allen Dichtungen verursachte.
Die Windladen wie alle Holzteile sind aus massiver Eiche gefertigt, was es überhaupt nach solchen Eingriffen von Natur und Mensch erst ermöglichte, diese Orgel wieder herzurichten.

Hier zunächst einmal ein Beispiel von Windanschlüssen mit zwei Puffern am Motorbalg:
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Die in diesem Fall viel zu dünne Belederung der Puffer wurde einfach mit einem Gummituch überklebt. Ab dieser Stelle war der Winddruck dann gleich einmal für die ganze Orgel viel zu niedrig.

Ein weiteres Beispiel zeigt die fehlerhafte Anwendung von Membranen. Auf diesem Foto wird das Relais des I.Manuals gezeigt, das im Laufe der Jahre mit immer groteskeren Membranen garniert wurde. Viel zu kleine Membranen, oder rechts, wo das halbe Windloch zugeleimt wurde etc. :
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Und nun zwei positive Beispiele. Diese Orgel ist praktisch nur deswegen restaurierbar, weil die Qualität der Materialien hervorragend ist. Wir haben es in allen Teilen mit bestem Eichenholz zu tun, das auf einfachste Weise gereinigt und mit Öl-Terpentinbalsam wieder hergerichtet werden kann. Das gibt dem Holz auch einen gewissen Schutz vor der enormen Luftfeuchte, die hier in der Regel um 70-90% liegt:
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und hier Beispiel einer Stock-Metamorphose:
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Cartago, 31.05.15 gewalcker@t-online.de

Hängebalgladen Härpfer (Moyeuvre)

November 22nd, 2014

Bei Hängebälgladen haben wir eine Registerkanzellenlade vor uns, die bei der Restaurierung gewisse Besonderheiten aufweisen. Leider hat jeder Orgelbauer eigene Systeme eingebracht, was Restaurierungen mit weiteren speziellen Eigenheiten befrachtet:

moyeuvre_violonbass

hier ein Foto, das zeigt, wie das Ganze in natura aussieht:
moyeuvre_juni_01

1. Bei Haerpfer sind die innenliegenden Federn so schwach, dass der Trakturwind rund 25mm höher sein muss, als der Pfeifendruck. Reduziert man diesen Trakturwind, werden viele Bälgchen “schwach” und es entstehen Heuler. Dies war ein Grund bei Walcker, die Federn außenliegend zu fertigen und regulierbar zu gestalten.

2. Ebenfalls durch die schwachen Federn verursacht, werden minimale Versetzungen des Bälgchens bei Neueinleimen bestraft. Einen Millimeter zu nah an der Pfeifenbohrung bewirkt, dass das Bälgchen nicht öffnet. Wird das Bälgchen hingegen einen Millimeter zu weit von der Bohrung plaziert, kann es Heuler geben.
Man sieht also, dass dieses System von Härpfer mit enormer Sensibilität ausgestattet ist, wenngleich es schwerfällt die Bälgchen nach Ausbau und neuer Belederung, nun selbst um nur einen Millimeter versetzt einzubauen. Aber durch diesen Akt des Ausbau- Wiedereinbaus wurde in der Regel die Feder leicht geschwächt, was zu Heuler führen kann.
Die Ansprache der Pfeifen geschieht ganz organisch und besonders bei Streicher und Zungen hat man ansprechende Wirkungen.

Schlecht ist allerdings, dass man erst mit vollständig eingerichtetem Register erfährt, welche Bälgchen Probleme hervorrufen, weil bei vollgriffigem Spiel der Pfeifendruck in der Registerkanzelle sinkt und dann der Pfeifenwinddruck manchmal nicht mehr ausreicht die Bälgchen zum Öffnen zu bewegen.

Das heißt dann im negativen Falle: alle Pfeifen des Registers wieder abräumen, Stöcke aufschrauben, fehlfunktionierende Bälgchen nacharbeiten, die Pfeifen wieder ins Raster, und nun ausprobieren, ob alles klappt.

Das kann in der Regel zwei, drei Male gemacht werden, bevor man ein ausgeglichenes Register besitzt. Denn die Intonation der Pfeifen ist vom Öffnen der Bälgchen elementar abhängig. Machen die zu wenig auf, kann die Lautstärke nicht über Fuß oder Kernspalte erwirkt werden.

Hier am Ende möchte ich noch ein Bild aus Solingen, eine Weyland-Orgel aus 1960, einfügen, das ebenfalls mit (Laukhuff-) Auslaßladen bestückt ist, die ebenso ihre Seltsamkeiten aufweisen:
solingen_luther_zeichn

gwm 18.12.2014

Windanlage in spätromantischen Orgel – Beispiel Motherwell Op.876 Bj.1900

April 5th, 2013

Ein großer Irrtum liegt vor, wenn man meint, bei diesen spätromantischen “singenden” Orgeln, die Windanlage, die ursprünglich organisch mit Hand-oder Fußbetrieb den Wind erzeugte, einfach einen Motor anstelle des Menschen zu setzen, und dann immer noch die Weichheit und Gediegenheit des warmen Klanges erwarten zu können.
Aus Kostengründen wird es oft nicht möglich sein, die Bälge elektro-mechanisch zu betreiben, aber man hat mit zusätzlichen Bälgen die Möglichkeit die schlimmsten Auswüchse des direkten Motorbetriebes zu mildern.
Das möchte ich an diesem Beispiel kurz demonstrieren.
Zunächst die Zeichnung der Windanlage, die ich darunter kurz kommentiere:
zustand_beim_bau

Wir sehen in der Mitte zwischen den beiden Orgelwerken ein großes Handrad, das mit einem Riemen an eine excentrische Welle verbunden ist. Diese Welle treibt drei Keilbalggebläse, dessen Wind über die graue aquarellierten Kanäle links zum Hauptwerk und rechts zum Schwellwerk geleitet werden.
Die beiden Magazinbälge haben die Aufgabe, das Volumen zu speichern, die Keilbälge über den Magazinbälgen regulieren den Winddruck. Wir können davon ausgehen, dass der Kalkant etwa 90-100mm maximal an Druck von Hand erzeugen konnte, so dass also die Winddruckregulierung keine große Bedeutung hatte, während die Speicherung des Windvolumens durch die beiden Magazinbälge die Hauptaufgabe dieser Windanlage war. Deswegen waren an den Magazinbälgen auch keine Regulierventile angebracht. Hierzu noch eine Ansicht des Gebläses mit seinen drei Keilbälgen:
ansicht_geblaese

Diese ganze “Harmonie” wurde beim Einbau eines elektrischen Gebläsemotors radikal zerstört und wir können davon ausgehen, dass diese Ausgewogenheit erheblich Schaden gelitten hat. Wie übrigens meistens, wenn in solche ausdifferenzierten Systeme mit Brachialmethoden eingegriffen wurde. Dazu das nächste Bild, welches zeigt, wie urplötzlich die Windalanage in Schieflage geraten ist:
zustand-jetzt

Hier bläst der Motor mit sage und schreibe 200mmWS in das zuvor mechanisch betriebene “Gebläse” über ein Rollventil, das vom ersten Magazinbalg nun den Druck auf rund 120mmWS reduziert. Wir sehen also, dass der erste Magazinbalg die komplette Winddruckregulierung übernimmt, während der zweite Balg unter dem Hauptwerk überhaupt keine Aufgabe mehr hat, ebenso der Keilbalg über dem Schwellwerk wird seiner Funktion entledigt und wurde vom Orgelbauer damals stillgelegt.
Dass diese Orgel nun nicht mehr “singt” sondern nur noch “Trompete” ist, der alle Musik aus dem Leib herausgeprügelt wurde, das sollte nach diesen kurzen Einführungen unvermittelt klar werden.

Doch wie kann man das Problem beseitigen, und zwar unter den vorliegenden ökumenischen Bedingungen: Wir haben uns lange überlegt welche Mittel und Möglichkeiten wir haben und ich bin zuum Entschluss gekommen hinter dem Motor einen weiteren Magazinbalg einzubauen, der die monströsen 200mm WS des Motors erheblich reduziert und dahinter das ursprünglich von Walcker eingerichtete Windsystem so belasssen werden kann. Engültig will ich mich noch nicht festlegen, in jedem Falle sollte diese Windsituation wesentlich besser werden als sie zuvor war.
Ein weiterer Blog in dieser Sache soll das Thema abschliessen.
gewalcker@t-online.de
5.4.2013

Prospektpfeifen-Füsse reparieren

Dezember 4th, 2012

Immer wieder treten an Prospektpfeifen aus Zinnlegierung unschöne Verformungen auf, die auch zu klanglicher Einbuße an diesen Pfeifen führen.
Hier stelle ich ein relativ einfaches Verfahren dar, wie man diese Pfeifenfüße reparieren kann.

1) Solchermaßen gekrümmte und verbogene Prospekpfeifen-Füße haben zwei Nachteile:
a)die Pfeifen werden mit der Zeit immer schwächer in der Klangstärke und b) die Ästhetik geht über in die Gefahr, dass die Pfeife aus der Verankerung reissen kann.
pfeifen01.jpg

2)Ich empfehle bei umfangreicher Reparatur den Bau einer solcher Pfeifenlade. Beachtet werden muß, dass der Pfeifenkörper mit einer Schutzschicht versehen ist, wo die Pfeife mit dem Filz in Berührung kommt, da sich sonst die Patina am Filz abreibt und hoch aufglänzt.
pfeifen02a.jpg

3) Diese Arbeiten sollte jeder Orgelbauer auf Wartung beherrschen und dafür ist eine recht kleine Werkzeug+ Materialauswahl notwendig:
Lötkolben mit Temp-Regulierung
Gute Japan-Säge von Diktum
Steinplatte für den Lötkolben
Faseisen
Feile und Satz Schleifpapiere (250er)
Stahlwolle mit 4 Nullen 0000
Klebeband, Lötzinn und Stearin
Eine Zwiebel, um die Lötkolben seitlich gegen Zinnbeschlag abzustumpfen (es lötet sich dann besser und der angenehme Zwiebelgeruch erinnert hin und wieder ans Mittagessen)
pfeifen02.jpg

4) Der krumme Fußteil wird mit einer scharfen Säge gut und sauber abgesägt. Danach werden der Pfeifenfuß und das neu aufzulötende Teil mit dem Faseisen behandelt, so dass wir sauberen Platz für die zu erfolgende Lötnaht bekommen.
pfeifen03.jpg pfeifen03a.jpg pfeifen04.jpg

5) zu dem neu gefertigten Stumpen ist folgendes zu sagen. Dieser Teil sollte die gleiche Legierung, wie die Prospektpfeife haben und er sollte nach meiner Erfahrung rund doppelte Dicke aufweisen, damit nicht bald wieder eine Verformung auftritt. Die aber kommt ohnehin, weil der dünnere Pfeifenfuß über dem dicken Stumpenteil einer Verformung unterliegt und so nach rund 30-40 Jahren leicht über dem neuen Teil sich dickbauchartig verformt.

6) die gefasten Stellen an Stumpen und Fuß werden mit Stearin bestrichen. Dieses Flußmittel verhindert rasche Oxidation und sorgt für besseren Lötfluß.
pfeifen06.jpg

7) Der Stumpen wird nun mit Klebeband an den Fuß befestigt. Hier gut prüfen, weil nach dem ersten Lötauftrag nur noch minimal geformt werden kann.
pfeifen07.jpg

8) Das Löten ist nicht jedermanns Sache. Wer lange nicht mehr gelötet hat, sollte sich auf der Pfeifenrückseite warm löten. Wir machen zuerst eine einzige kurze Lötverbindung und prüfen dann, dass der Stumpen richtig gut sitzt. Danach heften wir einen weiteren Lötschritt nach dem anderen, um am Ende eine einzige gute und runde Lötnaht über die ganze Rundung hinzubekommen.
pfeifen08b.jpg pfeifen08a.jpg

9) die überstehende Lötnaht wird mit Schleifpapier auch anfangs mit Feile glatt gemacht
pfeifen09.jpg

10) dann mit 250-400er Schleifpapier, am Ende mit feinster Stahlwolle 0000 (4 Nullen) und obendrauf noch Sidol als allerfeinstes Poliermittel. Damit gibts auf dem Pfeifenfuß mit Sicherheit keine Patina mehr.
pfeifen10.jpg
pfeifen11.jpg

11) aber das Ergebnis nach 1/2 Tag Arbeit kann sich sehen lassen:
pfeifen15.jpg

Rückfragen wie immer an
gerhard@walcker.com
4.12.12

working on a pneumatic cone-chest organ (1)

August 4th, 2012

We want to show our work in this blog on the Walcker organ in Motherwell Scotland.

It starts with the pedal. We have here the relais of the notes.

a lead pipe supplies a small motor with wind. This actions a bigger motor with a cone-velve, which opens a very big motor for to open 2 large cone velves to give the wind to the large Violonbass pipes.
first you see inside this relais, above its the under side
ped_relais.jpg
then you see how this relais is under the windchest, here you see the 2 big motors for opening the cone-velves
ped_relais02.jpg
and on this picture you see the different parts before installation
ped_relais01.jpg

This 10 inches wide motor opens the wind for the stop of the Violon 16′ in the pedal
ped_balg_violonb16.jpg

and this is the stop combination machine for 3 combinations, piano, mezzoforte and forte in Great with 10 stops. There are aluminium plates as velves and small wooden valves.
hw_register_komb00.jpg hw_register_komb0.jpg hw_register_komb01.jpg

gerhard@walcker.com aug4th2012