Faltenkanal, Konstruktion und neu fertigen

Oktober 5th, 2011

Ohne jegliche Unterlagen einen solchen Faltenkanal zu fertigen war eine nicht ganz einfache Sache.
Daher habe ich mich entschlossen, diesen Vorgang hier einmal etwas darzustellen.
Zunächst die Konstruktion.
Als wichtigstes Maße benötigen wir das lichte Kanalmaß zu Balg oder Kanal. Im idealen Fall sind beide Maße natürlich gleich.
Als zweitwichtigstes Maß benötigen wir die MaximalLänge des Faltenkanals.
Alle anderen Maße können wir weitgehend selbst konstruieren, wenn man in der Regel eine Falte mit rund 5 cm breit annimmt.
Hier meine Konstruktionszeichnung, aus der man das wichtige Höhenmaß und den Grundriss mit Anlage der Falten erkennen kann:

falte01.jpg

(Als Falte bezeichnen wir Orgelbauer das Holzstück, welches mit Leder verbunden den eigentlichen beweglichen Teil des Balges darstellt)
Im nächsten Bild sehen wir die zugeschnittenen Falten aus 3mm dickem Sperrholz.

falte02.jpg

Alle Falten erhalten nun Lederstreifen, die mit Knochenleim aufgeleimt werden.

falte02a.jpg

Beim Verbinden der Falten mit anderen Falten über diese Lederstreifen muss beachtet werden, ob die Falte nach innen oder außen aufgehen soll.
Dementsprechend wird beim Aufleimen die Falte nach außen oder innen geformt und dieser Vorgang gibt den verbundenen Elementen das erforderliche Spiel, das dieser Faltenkanal beim Öffnen und Schließen benötigt.
Ein nicht unerhebliches Problem hat für mich anfangs das Aufleimen der Zwickel (das sind die Lederstreifen an den spitzen Ecken) dargestellt. Erst nach einem Gespräch mit Martin Pflüger, der sich an die Restaurierung eines historischen Keilbalges erinnerte, gab mir einen brauchbaren Fahrplan für diesen Arbeitsgang. Ansonsten muss ich bestätigen, dass kein einziger Orgelbauer mir hier irgendwelche Ratschläge geben konnte.
Man legt die verbundenen Falten nebeneinander und befestigt sie so, dass sie während des Aufleimens nicht verrutschen können. Wir haben da einfach zwei Bretter draufgelegt.
Nun können die fast quadratischen Zwickel aufgeleimt werden.

falte03.jpg

So sehen dann zwei Reihen mit Zwickel verleimten Falten aus:

falte03a.jpg

und alle vier Reihen verbunden ergeben dann dieses Bild:

falte04.jpg

und nach der Garnierung mit Blaupapier, den Leinenbändern innen und außen, sieht das Ganze dann so aus:

falte05.jpg

Keine Frage, dass wir uns in der Fertigung dieser Sache noch erheblich verbessern können - und müssen, weil noch vier solcher Kanäle ihrer Fertigung harren.
Jetzt aber geht es erst mal los in Richtung kairoanisches Verkehrschaos. Am Wochenende ist unser erster großer Arbeitseinsatz in der 21MillionenStadt.
6 Wochen nonstop Kairo.

gerhard@walcker.com

Kröpfen = eine Grundkonstruktion im Orgelbau

August 2nd, 2011

Es gibt eine Grundkonstruktion im Orgelbau, die selbst erfahrene Orgelbauer oft nicht zu deuten wissen, wiewohl sie vielleicht die Einstellung an der Kreissäge aus dem ff beherrschen. Wie gesagt aber, ohne zu wissen welcher konstruktive Grundsatz dahinter steht.

Das ist mir beim Studium einiger technischer Zeichnungen aufgefallen und auch bei der Fertigung, wobei ich nicht ausschliessen will, dass man selbst von eigener Unwissenheit überrascht wird.
Eine solche Konstruktion stellt die Formel aus dem Satz des Pythagoras: (a*a)+(b*b)= c*c (die Summen der Flächeninhalte der Kathedenquadrate sind beim rechtwinkligen Dreieck gleich dem der Fläche über der Hypotenuse). Dieser Satz war übrigens schon Jahrhunderte vorher den Babyloniern und in Indien bekannt. Was aber viel wichtiger ist, nämlich die Konsequenz, dass mit dieser Weisheit gerechnet werden kann, wurde unlängst nachgewiesen (H.Gericke, Mathematik der Antike, Orient, Abendland), dass hier die Sumerer schon 3200 v. Chr. in Stein geritzte Rechnungen durchführen konnten mit der ominösen Zahl “Wurzel aus 2. Das war zwar nur annäherungsweise geschehen, aber sollte für uns Anlaß sein, den Aberglauben aufzukünden, in der Antike wäre man einer “heiligen Zahlengeschichte um Pythagoras und seinen Schülern” hinterher gelaufen.
Steinfund der Sumerer ca. 3500 v.Chr.
sumerer.jpg

Es scheint sicher zu sein, dass den Pythagoreern das Geschehen im Quadrat, in dem die Diagonale dann eine irrationale Zahl darstellt, wenn die Quadratseite eine schöne glatte Zahl ist, ihren ganzen “harmonischen Kosmos” durcheinanderwirbelte, der ja wie beim Christentum auch, eine auf Harmonie ausgerichtete Gottheit voraussetzte.
Wir Orgelbauer haben seit es überhaupt Orgelbau gibt, immer mit dem Quadrat und dessen Diagonale gerechnet und konstruiert.

In der Mathematik des Mittelalters bis zu Eberhard Friedrich Walcker (hier nachweisbar an seinen eigenen Aufzeichnungen im Geometrieheft und später bei seinen Mensuraufzeichnungen) waren von pi und Wurzel aus 2 abgesehen überhaupt keine irrationalen Zahlen bekannt. Das Denken dieser Meister war von Proportionen, Berechnungen über Strahlensätze und einfachsten Berechnungen, wie Addition, Divison etc. geprägt. (Leuthold schreibt in seinem Buch “Berechnungsgrundlagen der Orgelpfeifenmensuren” (…) Unterstufe des Gymnasiums”. Mir persönlich wäre diese Deutung lieber: alle Orgelpfeifen, die wir heute nachbauen, die wir als Vorbild unserer Arbeit unterlegen, sind mit diesen Berechnungsmethoden erstellt worden.

Geometrische Konstruktionen zur Gewinnung von Proportionen im Orgelbau sind nachweisbar von Salomon des Caus aus 1615, wo ein Quadrat und mittig mit 8 Dreiecken geteilt wurde und von Athanasius Kircher(1650), der mit der für diesen Blogbeitrag wichtigen Diagonale des Quadrates arbeitete.
Konstruktionen nach Caus, darunter Kirchner

caus.jpg
kircher_mensuren.jpg

Wo brauchen wir heute im Orgelbau diese geometrischen Konstruktionen noch, wo doch alle Welt weiß, dass dieser ganze Blödsinn mit “heiligen Zahlen” und “geometrischem Schnickschnak” nichts als dunkelster Aberglaube war, den wir endlich nach dem Eintreten ins gelobte Land des Digitalismus hinter uns gebracht haben. (übrigens “digit” stammt aus der römischen Antike, ist also “antiker” kalter Kaffee. Dort war es die kleinste Recheneinheit, der Finger)

Ich gebe gerne zu, dass es für mich recht einfach war, die nachfolgenden Zeichnungen über digitales CAD auszuführen, aber genauso schnell verblendet uns wiederum dieses digitale Treiben, um des Pudels Kern deutlich zu erkennen. Im Übrigen geht es nicht darum Gegenwart zu verleugnen und Vergangenheit aufzuwerten, sondern es geht schlicht darum jeder Zeit ihren spezifischen Geschmack herauszuarbeiten und zu finden. Da übertreibt man oft gerne im Sinne eines seltsamen Historismus, der ohnehin immer Gegenwart klein macht.

Nun also, nach all den vielen Vorworten, zum Pudel.

Wenn in einem Orgelgehäuse die Höhe nicht reicht, muss der Orgelbauer Pfeifen kröpfen. Auch muss er kröpfen, wenn er Kanäle über Hindernisse leitet. (Trakturen umzuleiten, bezeichnen wir hingegen nicht als “Kröpfen” sondern wir bauen Wellen, Wippen, Winkel und lenken die Kraftbetätigung solchermaßen um, wobei aber auch in diesem Fall Konstruktionen mit der Wurzel aus 2 sehr hilfreich sind).
Bei Walcker fand ich einige Zeichnungen die sich mit dem Thema beschäftigt haben, allerdings fand ich nie eine “Konstruktionserklärung”.

holzpfeifen_walcker.jpg

Die gesuchte Konstruktionserläuterung fand ich bei Peter Kraul, ISO Information Nr.32 vom November 1990, wo sehr schön in klaren und einfachen Worten die Methodik erläutert wurde . (übersetzt übrigens von Mark Venning auf English und von Kurt Lueders auf Französisch. Sollten sich Leser für diesen Artikel interessieren, so können wir ihn gerne kopieren)

Der einfachste Weg eine Pfeife oder einen Kanal umzulenken ist, einen 45 Grad Schnitt zu machen und die Pfeife oder der Kanal läuft im Winkel von 90 Grad weiter:

kropf1a.jpg

Jedermann wird sofort klar, dass dieser brutale, einfache Schnitt seine Mängel haben muß. Bei der Pfeife im Klang, beim Kanal kann man sich denken, dass die “Wirbel” ein Freudenfest feiern.
Also werden wir, um Wirbel zu vermeiden, einen doppelten Schnitt durchführen:

kropf1bl.jpg

Bertrachten Sie dieses NBild einmal aus der Warte des Zuschneiders, wenn er an der Kreissäge steht. Er muß also, um den Kanal oder die Holzpfeife an der Kreissäge abzuschneiden, einen Winkel von 22,5 Grad einstellen. Dabei muß er zweimal sägen, um einen Abgang nach oben von 90 Grad zu erhalten. Dieser Winkel von 22,5 Grad ist deshalb exakt 45/2. Dieser Schnitt und die Einstellung an der Säge muß ganz exakt sein, weil sich sonst beim Anpassen der Schnittstellen Fehler doppelt auswirken. (ist der Winkel auf 22 Grad, so ist der Abgang am Ende 88 statt 90 Grad)

Wie aber, so fragt man sich, wird dieses Kropfstück in seiner Länge bemessen?
Bei einem quadratischen Kanal (das Beste, das man sich wünschen kann) haben wir optimale Windverhältnisse, und wir können sogar zwei Winkelschnitte gleichzeitig führen, wenn der Kanal in drei Dimensionen gekröpft werden soll, also von der Seite nach oben, und von oben gesehen von links nach rechts oder umgekehrt.
Auch hier hilft uns die Geometrie, denn dann schneiden wir den Kanal mit einem Winkel von 22,5 im Anschlag und die Säge wird auf 22,5Grad gestellt. Das Ganze nennt sich dann geometrisch: Wurzel aus 3. (Die Diagonale des Kubus)

Bleiben wir beim zweidimensionalen Kröpfen.
Natürlich ist der halbe Winkel von 90 Grad = 45 Grad (wie auch im vorigen Beispiel).

kropf2_a.jpg

Und hier stellt sich nun die Frage: wie bestimme ich den Schnittpunkt, wie berechne ich die Länge des Kropfstückes?

Da sind wir wieder bei unserer einleitenden Geschichte, mit heiligen Zahlen, Proportionen und irrationalen Zahlen, indem wir kurz unser Quadrat unter die Lupe nehmen, mit dem wir diese Konstruktion vornehmen:

quadrat.jpg

Denn, gegeben ist der Abstand a zwischen dem kommenden und abgehenden Kanalstück. Nehmen wir an, ich habe 10 cm Platz zwischen diesen beiden Punkten, so multipliziere ich diese 10cm mit Wurzel aus 2 oder 1,4142 (oder mit dem im ipad integrierten Taschenrechner) und weiß dann, dass das Kanalstück an oberer Kante exakt 141,42mm lang sein muß.

Dann kann man natürlich noch, obwohl es unnötig ist, alle weiteren Winkel schön darstellen und weitere komplizierete Varianten errechnen……

kropf2_winkel.jpg
Zur Fertigung braucht man das nicht mehr.

… und all das mit dunkelstem, dunklen Aberglauben,
Sumerer, Pytagoreer, Mittelalter,

Übrigens hat Peter Kraul in seinem Vortrag gezeigt, dass unser Alltag durch und durch mit dieser verzwackten irrationalem Wurzel aus 2 durchsetzt ist, so die DINA-Formate multiplizieren oder teilen sich durch die Wurzel aus 2 zur nächsten Größe. Ja, kann man da die Mittelalteren tadeln, dass sie dieses geheimnisvolle Werkzeug für ihre Mensurgestaltung verwendet haben? Oder die Schrifthöhen, auch sie multiplizieren sich mit der Wurzel aus 2.

Wir finden neben der Mensurgestaltung, der Lenkung von Winkel und Wippen, der Balgkonstruktionen, Windladenmaßen (Ventilgrößen, Bälgchen, Bohrungen etc.), und wie hier gezeigt die Konstruktion von Kröpfen, genügend Beispiele im Orgelbau, die beweisen, dass dort immer noch das Proportionsdenken und die geometrische Gestaltung ihre Berechtigung haben.

gerhard@walcker.com

Registereinschaltung Walcker-Orgel in Kairo Baujahr 1912

Juli 17th, 2011

Wir haben es hier mit einem “Zustrom-System” zu tun, das außergewöhnlich stabil funktioniert.
Nicht nur wegen dem sagenhaften Material, das Walcker schon 1912 für seine Bälge verwendete, die den Stecher in Bewegung versetzen, der die Registerklappen öffnete, sondern auch deswegen, weil man mit diesem System bereits bei mechanischen Kegelladen und dann später bei den pneumatischen Kegelladen genügend Erfahrungen sammeln konnte.
Das Material, das für die Betätigungsbälge verwendet wurde, es handelt sich um einen schwarzen Kunststoff, der völlig unverbraucht vorhanden war, ohne jegliche Undichtigkeit. Und der nur deswegen ausgewechselt werden musste, weil durch den Ein-und Ausbau in jedem Fall Verschleiß stattfindet, der für die eine oder andere Delle sorgt.

Hier die Zeichnung für eine solche komplette elektro-pneumatische Registersteuerung

register_cad_gwm.jpg

Funktionsweise: der Hebelmagnet (rechts unten) hebt das kleine Ventil, welches den größeren Balg unten links mit Wind versorgt. Dieser Balg hebt sich und den Stecher. Dieser Stecher drückt die runde Zinkplatte des Registerventils im Windkanal, was das Aufreißen der Registerplatte nach oben bewirkt. Zwei Haken verhindern, dass die Platte nach oben wegdriftet. Soweit ich gesehen habe sind alle Zinkplatten von gleichem Durchmesser, während die Registerventile leichte Unterschiede in den Maßen aufweisen. Das größte Registerventil haben wir bei der Konzertflöte 8′ im HW, während Principal 8, Bourdon 16 und andere Register weitgehend gleich bemessen sind.

Die im Kanal unter Wind liegenden Registerklappen kennt man bei Walcker schon aus uralten Anfängen. Wir möchten sie hier in Formeines dreifachen Fotos zeigen. Ein in Holzrahmen gefasstes rundes Zinkblech wird von dem Stecher aufgestoßen und öffnet das komplette Registerventil, das dann die Registerkanzelle unter Wind setzt.

registerklappe.jpg

Die Stecher sind zusammengefasst in einem Brett:

stecher.jpg

gwm 17.7.11

Pneumatische Schleifladenorgeln in England

Mai 3rd, 2011

Sehr überrascht waren wir vor einigen Tagen in Schottland eine pneumatische Schleifladenorgel anzutreffen, die außerdem eine hervorragende Qualität besitzt. Leider aber vor etwa 15 Jahren schlecht restauriert wurde.
Der Erbauer Evans & Barr aus Irland hat das Instrument etwa 1924 erbaut (Ort und nähere Bestimmung bleiben mir leider versagt hier darzustellen, weil es sich einige Orgelbauer zur Gewohnheit haben werden lassen, hier Informationen einzusammeln, um sich dann bei der Kundschaft anzubiedern, wie erst vor wenigen Wochen geschehen von Reichenbach Orgelbau u.a., oder wie diese Schnellgründungen im Fast-Food-Orgelbau heutzutage alle heißen).
Das Instrument von E&B, also mit hervorragender Qualität ausgestattet und vorzüglichem Klang, leidet an einem nicht restauriertem Spieltisch und Undichtigkeiten in der Windanlage, Störungen in der Pneumatik.
Zunächst möchte ich kurz erläutern, welche grundsätzlichen Möglichkeiten bei der Schleiflade eigentlich möglich sind: nämlich bei der Windlade besteht durch einen Barker-Balancier-Hybrid sowohl die Möglichkeit mit Zustrom oder mit Ausstrom das Tonventil aufzureißen.
Dazu die beiden Bilder aus Reginald Withworth “the Electric Organ”. Man muss sich die Magnete wegdenken und anstelle dessen ein kleines Bälgchen und man sieht die pneumatische Funktion.
Hier zunächst ein ABSTROM-Modell, das heißt der am Ventil angehängt Balg bekommt ständig Wind. Wird das Bälgchen aktiviert, hebt es das Relais und der Wind kann entweichen, der Balg reissst das Ventil auf, der Ton erklingt.

abstrombalg-in-lade.jpg

Die nachfolgende Zeichnung zeigt eine ZUSTROM-Konstruktion. Hier wird ein außenliegender Barker bei Aktivierung des Bälgchens oder Magneten mit Wind gefüllt und öffnet das Ventil.

zustrombalg-in-lade.jpg

Ich möchte kurz erklären, warum ZUSTROM und AUSSTROM für den Orgelbauer eminent wichtige Begriffe sind.
Bei einem AUSSTROM-System liegt gewissermaßen die gesamte pneumatische Leitung ständig unter Wind. Werden hier Undichtigkeiten durch Heizung oder schlechtes Holz realisiert, dann haben wir es mit Heulern zu tun, da ja bei ausströmendem Wind die Funktion ausgeführt wird. Bei ZUSTROM-Systemen haben wir dagegen “dead-notes”, das heißt das eingeschaltete Register begrüßt uns nicht von vorneherein mit einem Pfeifton, sondern vereinzelte Töne gehen nicht. In Deutschland sind typische ZUSTROM-Systeme bei der Kegellade und ABSTROM gibt es bei Taschen-, Hängebälg- oder Membranladen. Die letzteren haben den Vorteil der schnelleren Ansprache, was sich bei Zungen positiv bemerkbar macht..
Es kommt hinzu, dass man aus Gründen der Störsicherheit beide System im Spieltisch kombinieren kann, was bei Ellerhorst, dessen Wechselwind-Spieltisch ich nachfolgend zeige, gut und plausibel dargestellt wird. Exakt ein solcher Spieltisch wurde uns an dieser Schleifladenorgel in Schottland uns präsentiert:

spieltisch_wechselwind.jpg

Hier ein Foto des Spieltisches auf dem man die Ventile und dazugehörige Mechanik erkennen kann:

dscf0402.jpg

und hier ein Foto der Keilbälgchen an der Schleiflade des SWELL dieser Orgel. Wir sehen also an den Tasten des Spieltisches das ABSTROM-System, wo der Wind ausgelassen wird und an den Keilbälgchen vor den Windladen das ZUSTROM-System. Denn die Bälgchen benötigen ja aktiven Wind, um das Relais zu heben.

dscf0167.jpg

Im Prinzip entspricht dieser Aufbau der schematischen Skizze von Whitworth, wie ich sie nachfolgend zeige. Es handelt sich dabei um die von Father Willis (Henry Willis) gebaute Orgel für St. Pauls Cathedral, die 1872 gebaut wurde und etwa mit der ersten Röhrenpneumatiken in Deutschland erfunden wurden. Die Engländer bezeichnet das System “pressure” für Zustrom.

pneum_schleiflade.jpg

Wie bereits gesagt, gab und gibt es sehr viele unterschiedliche Variationen zwischen AUSSTROM und ZUSTROM- System, wobei dieses Wechselwindsystem Vorteile hat in der Verwirklichung einfacher Koppelsysteme und in Bezug auf die Funktionssicherheit.
Mich würde interessieren, ob es in Deutschland solche Spieltische gibt und wer Erfahrung im Umgang mit solchen Spieltischen Interessantes zu sagen weiß.

gewalcker@t-onlline.de

Die Walcker-Orgel Opus 1085 in Heidelberg-Christuskirche

April 1st, 2011

Diese Orgel, im Jahre 1903 rein pneumatisch gebaut, hat in den vergangenen 100 Jahren zwar einige Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen, war aber nie soweit umgestaltet worden, dass man einer Rückführung auf das ursprüngliche Klangbild und jetzt auf den ursprünglichen technischen Zustand, nämlich die pneumatische Traktur, hätte nicht durchführen können.
Nun also ist das Werk wieder auf etwa dem Zustand wie es im Jahr 1903 war. Und das Besondere ist neben dem hervorragenden Klang, den Gerhard Lenter verantwortet, ein pneumatisches Wunderwerk, das sein Sohn Markus gestaltete.
Die Orgel, die in 1954 auf elektropneumatisch umgerüstet wurde, erklingt jetzt als pneumatische Orgel.
Dazu ist festzustellen, dass diese Spielart eine ganz hervorragende Präzision besitzt, die neben dynamischen Möglichkeiten, Register entweder spritzig schnell ansprechen zu lassen, auch ein weicheres Einschwingen der Pfeifen erlaubt. Die Präzision ist unschlagbar, das Beste, das ich bei pneumatischen Instrumenten bisher gehört und gesehen habe.
Der Klang der Orgel dürfte sehr nahe an die Schule “Fritz und Eberhard Walcker” herankommen, was bekanntlich in Oscar Wackers elsässische Bestrebungen mündete mit der späteren ersten großen Reformorgel in Dortmund Reinoldi.
Noch wird in Heidelberg hart gearbeitet, insbesondere an der Intonation. Die Einweihung soll an Ostern stattfinden.
Wer hier in Deutschland also noch die romantischen Mixturen sucht (2-1 1/3-1-4/5 oder 2-1 3/5-1) wer Sibelius-Klarinetten sucht, die hier natürlich durchschlagend sind und die auch Oscar Walcker in Mensur völlig unverändert übernommen hat oder wer die singenden Principale sucht, die sich vom I.Manual hinauf zum Dritten aufhellen, als ginge das Licht in der Kirche crescendo stufig an, der sollte nach Heidelberg, nicht nur, um den reichen Fundus an Flöten hören zu können, sondern auch, um zu sehen, dass die Walckersche Pneumatik unschlagbar exakt und präzise gearbeitet hat. Daher auch der nur schwerliche Übergang zur elektrischen Traktur, den Carl Walcker für unnötig erachtete.

Dispo aus dem Opusbuch (die bei Doering genannte Disposition ist nicht mehr aktuell)
I.Manual Hauptwerk C-g3
1 Principal 16
2 Principal 8
3 Gedackt 8
4 Doppelflöte 8
5 Viola di Gamba 8
6 Synthemtophon 8
7 Gemshorn 8
8 Octave 4
9 Rohrflöte 4
10 Rauschquinte 2 2/3+2
11 Mixtur 3-5f 2
12 Mixtur min. 4f 1 1/3
13 Trompete 8 c

II.Manual Schwellwerk
14 Bordun 16
15 Principal 8
16 Salicionnal 8
17 Dolce 8
18 Quintatön 8
19 Traversflöte 8
20 Schalmei 8
21 Octav 4
22 Flöte 4
23 Piccolo 4
24 Mixtur 3-4f 2 2/3
25 Clarinette 8

III.Manual Oberwerk schwellb.
26 Lieblich Gedackt 8
27 Geigenprincipal 8
28 Rohrflöte 8
29 Viola 8
30 Vox coelestis 8
31 Aeoliine 8
32 Traversflöte 4
33 Fugara 4

Pedal C-f1
34 Principaalbass 16
35 Violonbass 16
36 Subbass 16
37 Quintbass 10 2/3
38 Octavbass 8
39 Violoncello 8
40 Octav 4
41 Posaune 16
42 Trompete 8
T Gedacktbass 16
T Saicetbass 16

Gerhard Lenter
gerhard_lenter01.jpg


hinterm Spieltisch

spieltisch_hinten.jpg
gwm

Walcker.com von malware-Attacke betroffen

Februar 13th, 2011

Ein Teil unserer Internetseiten wurde am Samstag, den 12.02.2010 gegen 1 Uhr von einer Hackerattacke mit Verlinkung zu Trojaner oder Viren belegt. Genauere Untersuchungen laufen.
Der Stand momentan ist, dass es sich vor allem um die index-Dateien von walcker.com und bei gewalcker.de gehandelt hat. Wir spielen momentan alle Dateien von walcker.com neu auf. Denn die Attacke ist von außen auf den Server unseres Providers 1&1 geschehen, der vollkommen verantwortungslos, weder Virenscanner noch irgendwelche Hilfsmaßnahmen bereitgestellt hat. Diese Erfahrung hat uns belehrt, dass mit hohem deutschen Sättigungsgrad kein Überleben in der heutigen Internetzivilisation mehr zu halten ist. Wir werden daher diesen Provider schnellstens wechseln und empfehlen allen Webseitenjongleuren keinesfalls auf diese Firma zu setzen.
Sobald die Seiten von allen gängigen Webprüfeinrichtungen als “clean” markiert werden, melden wir uns via Newsletter erneut. Und werden hier entsprechend berichten.

gewalcker@t-online.de

Midi auf der Tamburini in Rom-Santa-Cecilia

Dezember 11th, 2010

Das MUSICAL INSTRUMENT DIGITAL INTERFACE stellt ein Datenübertragungsprotokoll zwischen Musikinstrumenten und PC dar. Auf dem PC muss dafür eine Software installiert sein, ein sogenannter “Midi-Sequencer” der diese Daten mit dem “midifiziertem” Instrument austauscht. Also vom Instrument können die Informationen gesendet und empfangen werden, ebenso vom PC.
Die Verbindung zwischen PC und Instrument muss über sogenannte “MIDI-Kabel” bewerkstelligt werden, was meist ein kleines Interface notwendig macht, da die 5-poligen “Midiein+Midiausgangskabel” nicht direkt im PC angeschlossen werden können. Diese Midi-Interfaces kann man bei Conrad für lau “25,–” samt Kabel bestellen.
Die Software, also der Midi-Sequencer, dafür schlage ich CUBASE vor, weil da alles, vom Notendruck bis zu feinsten Midieinstellungen enthalten ist, kostet in der “Essentiel-Variante” gerade mal 180,–Euro. Studiversionen gibt’s für 80,–.
Voraussetzung bei der Pfeifenorgel ist, dass das Instrument elektrisch spielbar ist und eine Midieinrichtung hat. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die nachträglich eingebaut werden können.
Es muss jedoch deutlich betont werden, dass diese MIDI-Technik keinerlei künstlerische Möglichkeiten bietet, Orgelmusik ästhetisch aufzubereiten. Der Grund liegt einfach daran, dass der mechanische Ablauf des Orgelspiels, die ganze sinnliche Erwartungshaltung des Hörers gründlich eintrübt. Und ganz anders als bei einer CD-Aufnahme, wo die menschliche Interpretation mit seinen winzigen Raum-und Zeitversetzungen, mit den kleinsten Betonungen bestimmter Akkorde oder Noten, den minimalen Tempiverzeichnungen u.a., eben alles dieses Menschenmusizieren mit ihrer Wärme und Feinfühligkeit uns Hörer erst in den vibrierenden Zustand versetzt, begierig den neuen Takten entgegenzuhören, während der Midi-Roboter ganz maschinell in sein vorgegebenes Raster einsortiert und abspielt.
Wir können diese ganze grobe Begeisterung für die Miditechnik auf seiten der Pop-und Rockindustrie nur insoweit verstehen, weil diese Technik eine gewisse Konsumhaltung befriedigt, künstlerisch aber höchst fragwürdig ist und meiner Meinung nach sogar die Entwicklung dieser Musikstile wie Heavy Metal u.a. ganz erheblich beeinträchtigt.
Dennoch sollte beobachtet werden, ob diese Technik nicht für Klangproben und andere Dinge eingesetzt werden kann, weil damit der Orgelbauer im Raum die Orgel nach seinen Vorstellungen abhören kann. Denn dazu sind nur wenige Handgriffe notwendig. Das Einstellen von Registerkombinationen kann sogar über einen Handsender erfolgen. Die Tragfähigkeit und Lautstärkenintonation verschiedener Registerkombinationen scheint damit ganz plausibel überprüfbar zu sein. Ob das die Nachteile dieser Technik aufwiegt, wage ich allerdings nach diesen wenigen Versuchen nicht abschließend festzustellen.
Im nachfolgenden Text möchte ich etwas detaillierter auf die Technik mit Sequencer und Anschluß des Interfaces mit den Kabeln eingehen.
Zunächst benötigen wir die Sequencersoftware, die vornehmlich aus dem Steinbergschen Cubase bestehen sollte. Auf alle Experimente mit Freeware kann man getrost verzichten. Cubase ist vorzüglich für die Pfeifenorgel geeignet und wir können damit alle wichtigen Einstellungen vornehmen.
sequencer.jpg
Man importiert mit dieser Software das down-geloadete Midifile (eine ganz vorzügliche Adresse für klassische Musikfiles ist: http://www.classicalmidiconnection.com/cmc/midiplay/playmidi.shtml?mid/bach/inv2v01c , wo ich bisher alle Komponisten gefunden habe, die mir wichtig erschienen. Der Download ist allerdings nicht ganz einfach. Man clickt das entsprechende file an, das im site-eigenem Player abgespielt wird. Das stoppt man und geht in die darunter liegende Zeile mit dem file-link, und gibt dort beim firefox-browser mit Rechtsclick darauf an: Ziel speichern unter.., daraufhin kann man das file.mid z.B. auf dem Desktop ablegen) in ein neues Projekt.
komponisten_satt.jpg
Nun legt man neue Midispuren an, auf die man die Daten der importierten files kopiert. (Wer hier Probleme hat kann mich kontaktieren für weitere Erklärung, da das alles nicht ganz einfach war). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Software das angehängte Midi-Interface (Midilink) erkennt, und im Recorder weiter unten, beim Abspielen der Midiausgang aufleuchtet.
Auf nachfolgenden Fotos einige Erläuterungen.
anschluessejpg.jpg orgamat.jpg
Mit diesem Sequencer kann man schneller oder langsamer ablaufen lassen und letztendlich jede einzelne Note korrigieren. Man kann ebenfalls selbst Orgelmusik über den Spieltisch einspielen und editieren, auch Noten ausdrucken. Die Begeisterung sollte sich aber in Grenzen halten, auch wenn man bis zu 1/64 Noten damit editieren kann. Denn außerhalb dieses Rasters geht absolut nichts. Das heißt, die maschinelle Mechanik, die hier am Ende abgespielt wird, wirkt unheimlich ermüdend, weil sich das erfrischende Element des leichten Verifizierens, das menschliche Spiel des laufenden Wechsels hier absolut nicht stellt.

Hier ein Video, das verschiedene Möglichkeiten zeigt:

(also die Orgel klingt nicht so spitz wie das mein Kameramikro aufgezeichnet hat)
gewalcker@t-online.de

Halbe Reise im Orgelbau - welche Bedeutung hat dies?

November 27th, 2010

Zunächst möchte ich auf einen wichtigen Beitrag zum Thema hinweisen der die mechanischen Kegelladen betrifft:
http://blog.walckerorgel.de/2010/04/14/anleitung-zum-regulieren-mechanischer-kegelladen/

Ein interessierter Organist der gleichzeitig Ingenieur ist, hat sich verwundert gezeigt, über meine Aussage, dass bei einseitiger Regulierung am Spieltisch, die “halbe Reise” in der Orgel allgemein verstellt werden wird, was dann dazu führen kann, dass zwar am Spieltisch eine solide und gerade Tastenebene in den Manualen zu sehen ist, während die Abgangswinkel und -Wellen im Orgelinneren in einen unschönen Zustand verreguliert werden, welches ganz allgemein eine zähe Traktur verursacht und die Kegel nicht mehr ganz öffnet. Es handelt sich also hier um eine mechanische Kegellade.

Die “Halbe Reise” beim Orgelbauer aber gilt bei allen mechanischen Elementen, also auch in Register- oder Schwellertraktur und natürlich erst recht bei den Spieltrakturen der Schleiflade.

Man sieht an der nachfolgend gezeigten Zeichnung, die eine liegende Winkeltraktur zeigt, dass die “halbe Reise”(roter Winkel) exakt in der Mitte des Trakturgangs liegt, der als “ganze Reise” beschrieben wird. Der Trakturgang also wird im Orgelbau mit “Reise” bezeichnet.
Wenn man verstanden hat, dass die Reise an beiden Enden, also am Ruhepunkt und am maximalen Aufgangspunkt der Traktur, ihre extremsten Bedingungen widerfährt (wie Reibung am Lager und Anfasspunkt), wird klar, dass “halbe Reise” die optimalste Stellung zu allen Trakturgliedern hat - und in keiner anderen Stellung dies so sein darf. Denn wird diese optimale Stellung vor oder hinter die “Halbe Reise” verlegt, so werden die “widrigen Bedingungen” an anderer Stelle verschärft.

Der Orgelbauer zeichnet grundsätzlich seine ganze Mechanik auch in seinen Durchschnitten immer nur in der optimalen Trakturstellung, bei der alle Glieder in eindeutigen Winkeln wie 90 oder 45 Grad zueinander stehen, also in “halber Reise”.

Vielleicht kann mir ein Orgelfreund mitteilen, woher der Begriff der “halben Reise” stammt. Denn wir sehen aus den Aufzeichnungen Oscar Walcker’s, die er wohl um 1939-45 ausgeführt hat, dass er diesen Begriff nicht erwähnte und nicht kannte.

halbe_reise.jpg

(gwm aus Rom)

Die neue elektronische Steuerung in Rom Santa Cecilia

September 27th, 2010

Nach Abschluss der Installationsarbeiten stelle ich dieses Bussystem hier einmal in ein paar Bildern vor.
Diese neue elektrische Anlage besteht aus einer Einheit, die im Spieltisch untergebracht ist. Dort finden wir Midianschluss, den Setzer, die komplette Logik für die 38 Koppeln (darunter fast in jedem Manual Sub- und Superkoppeln) und den Sender, der die Daten per twisted-pair-Kabel an den Schaltschrank, der im Unterteil der Orgel eingebaut ist, übermittelt. Eine weitere Einheit ist der Schaltschrank in der Orgel, von dem alle Magnete in der Orgel aus angesprochen werden.
Hier ist das entscheidende Element die absolute Schnelligkeit der Elektronik, damit bei vollgriffigem, gekoppelten Spiel und schnellen Trillern absolute Präzision vorliegt. Wir können bestätigen, dass dies mit den uns vorliegenden Bauteilen mit bravouröser Sicherheit gewährleistet wird, während bei selbstgebastelten Anlagen genau an dieser Stelle die entscheidenden Mängel zu finden sind.
Hier also der Spieltisch:
spieltisch021.jpg
Im linken oberen Teil befindet sich Processor, Sender, darunter die Kabelanschlüsse für +- 18V und Sicherungen der einzelnen Module. Ganz links der Gleichrichter 24V für die Elektronik. Unser Orgelstrom für Registereinstellmagnete ist 18V=.
Ein weiteres Bild vom Spieltisch, wo man den Kabelschlauch mit Stecker und Buchse erkennen kann:
spieltisch011.jpg
Wir haben zwei Buchsen, die noch ins Podium eingebaut werden und folgendermaßen bestückt sind:
stecker_buchse.jpg
zwei Kabel für 230V (Motoreinschaltung und Stromzufuhr Lichter)
vom Gleichrichter (rot+blau +-18V)
twisted pair Kabel für die Digitale Datenübermittlung

Die Datenkabel werden an den Schaltkasten angeschlossen, der hier abgebildet ist:
schaltkasten01.jpg
Die verschiedenen Module, die hier mit roten LEDs aufleuchten sind allesamt “Treiber” für Windladenmagnete. Jedes dieser hier gezeigten Module hat 16 Ausgänge. Der Rahmen ist nach außen aufklappbar. Am inneren Teil befinden sich nocheinmal so viele Module. (einer der größten Schaltkästen der mit diesem System bislang realisiert wurde).
schaltkasten02.jpg

Hier ein Detail dieser Module. Jeder Ausgang ist zudem noch mit einem LED bestückt. Wird der Ausgang angesprochen, leuchtet die LED auf. Das erspart sehr viel Fehlersuche an der falschen Stelle, wenn einmal ein Magnet nicht ansprechen sollte.
detail-schaltkasten.jpg

Insgesamt sind in dieser Orgel über 1400 Magnete, die über diese Elektronik angesteuert werden.
Ich kann mir heute ehrlich gesagt nicht vorstellen, eine vergleichbare Arbeit auf anderer Weise, als in der hier vorgestellten Art, durchzuführen.

gewalcker@t-online.de

(der Beitrag wird demnächst mit zwei kleinen, aber schönen Bildern ergänzt werden)

Die Walcker-Orgel Op.719 , III/38, in Basel mit pneumatische Kegelladen

September 12th, 2010

Dieses vorzügliche spätromantische Instrument aus dem Hause Walcker, von dem wir im höheren Norden bisher nichts zur Kenntnis nehmen wollte, ist tatsächlich nahezu vollständig erhalten (geringe Aufhellung der Mixturen, die man wieder beseitigen sollte).
Ein Umstand der uns sofort begeistert zu dem von Nicoleta Paraschivescu geschicktem Material greifen liess.
Die vorzügliche Restaurierungsarbeit wurde geleistet vom Orgelbauer Eduard Müller, der bei Metzler & Söhne gelernt hat.
Zunächst möchte ich die originale Disposition der Orgel aus 1896 zeigen, die jedem echten Orgelfreund das Herz erzittern lässt:

dispo-1896.jpg

Hieran wurden folgende Änderungen im Laufe der Zeit getan:

a) Die Dolce wurde gegen eine Fugara 4 im Jahre 1905 getauscht
b) die vierfach Mixtur von 2 2/3 auf 2 geändert und die Terzen entfernt (unbedingt sollte man das wieder retournieren)
d) die Trompete wurde 1920 ersetzt (da hätte der Austausch der Blätter gereicht)
e) eine neue Voix céleste 8′ wurde im Jahre 1920 neben die Aeoline gefügt in pneumat. Taschenlade (solcherlei Dinge haben dazu geführt, dass man der Bewegung Gründe lieferte, derartige Instrumente zu verfolgen, wie weiland die Roma und andere)
f) die Oboe 8′ wurde gegen eine aufschlagende ersetzt (verständlich, aber falsch: der butterweiche Schnurreffekt der Durchschlagenden wäre heute dazu angetan, regelrechte Pilgerzüge nach Basel zu leiten. Mindestens wöchentliche Stimmführungen allerdings hätten dazu geführt, dass regelmässig ein paar Zünglein ersetzt werden hätten müssen, was zwischen 1950 und 1980 Probleme mit sich gebracht hätte. Heute, so meine ich, wäre das kein Problem mehr)
g) die Harmonica 8 im III. hatte keine Chance: 1905 ersetzt durch eine Viola 8, dann kam 1950 ein völlig deplaziertes Flageolet 2′
h) Mixtur 2 2/3 wurde 1950 geändert in 1 1/3
i) das Pedal bekam 1920 einen Quintbass 10 2/3 dazu mit Taschenlade
j) der Harmonicabass 16 wurde zum Violonbass 8 und dann 2004 verkümmerte er zur Rohrflöte, was in dieses Klangsystem wohl überhaupt nicht reinpasst.
k) die Posaune 16′ findet sich in der neuen Disposition überhaupt nicht mehr, was wohl der dramatischste Fehler dieser Disposition dann wäre

Wir möchten aber nicht in den Reigen der allfälligen Kritik verharren, sondern das Instrument hervorheben und ausdrücklich lobend als eines der ganz wichtigen spätromantischen Walcker-Orgeln loben. Das wird durch die nachfolgenden Bilder unterstrichen.

Wie sieht denn so eine Pneumatik aus, werden viele unserer Besucher fragen, die sich bestimmt gut im Orgelbau auskennen, aber kaum in der Lage sind frisch und frei in ihrer unmittelbaren Nähe eine pneumatische Orgel aufzufinden.

Hier die Rückseite des Spieltisches. Zu beachten sind die mechanischen Registerzüge und die mechanischen festen Kombinationen.

pneumatik-hinter-spieltisch.jpg

Das folgende Bild zeigt die Steuerung der Registerventile vom Hauptwerk: Mixtur, Gamba, Gedackt, Fugara, Flauto amabile, Principal

balgleiste.jpg

Hier der Spieltisch mit einigen schönen Details

spieltisch00.jpg spieltisch01.jpg spieltisch02.jpg

Vorstellung einzelner Register mit Pfeifen

Die durchschlagende Clarinette, links mit Zinnbecher und Holzstiefeln in unterschiedlicher Höhe, was klanglich von Bedeutung ist, rechts Kopf und Kehle aus Holz mit Rahmen und Krücke aus Messing, darin “schwebt” die durchschlagende Zunge
pfeifenw01.jpg pfeifen02_clarinette.jpg

Pfeifenwerk im Hauptwerk, von links nach rechts : Trompete mit Zinkbechern, Doppelflöte 8′ in Holz, Bourdon 16′ Holz
pfeifenw03.jpg

Pfeifen des II.Manuals von links nach rechts: das erwähnte “unnötige” Flageolet 2 (kaum zu sehen), der Salicional und Geigenprincipal 8 auf Augenhöhe, Lieblich Gedackt 16′, dann ohne Deckel Wienerflöte 8′ und ganz am Rand die Becher der Clarinette 8′
pfeifenw04.jpg

und zum krönenden Schluß der vorzügliche Entwurf der Orgel (vom Breslauer Architekten Felix Henry, der mit dem neogotischen Entwurf der Kirche den Wettbewerb 1896 gewonnen hatte)

0719_basel_walcker.jpg

Bei der nachfolgenden Adresse, dort wo sich die Orgel befindet, kann übrigens ein hervorragender Prospekt über die Orgel angefordert werden:
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3
CH-4001 Basel

www.erk-bs.ch

gewalcker@t-online.de (der sich schon wieder auf die Rückreise nach Rom vorbereitet)

Die Windanlage in Rom

August 16th, 2010

In jedem Falle eine Besonderheit, die bemerkenswert ist.
Zunächst einmal war es nicht einfach, die Logik, die hinter der ganzen Anlage steckte auf Anhieb zu erkennen. Das lag daran, dass ein dritter Motor, wahrscheinlich am Schluss der Montagearbeiten von Tamburini dazu montiert wurde, der die Registerhubapparate mit rund 175mm Winddruck versorgte. Das hat man anfangs über direkten Motorwind aus einem der beiden Motoren abgezweigt. Dann hat man in dem dritten Motor in die Ansaugung diesen Motorwind gesteckt
Hier ein erstes Bild dieser seltsamen Windschaltung:
motor03.jpg
Dann war man doch recht erstaunt nahe der Raumdecke vier Bälge zu finden, die über zwei Rollventile mit Motorwind betrieben wurden. Einer der Bälge gar war mit einer drei Meter langen Schnur zum Rollventil verbunden und regulierte damit ganz akurat die 118mmWS, die zu den Windladenbälgen weitergeleitet wurden.
Hierzu zwei Bilder:
baelge01.jpg baelge02.jpg
Die unheimlich verschachtelte Kanal- und Balgverbindungen haben dann langsam eröffnet welche Kanäle zu welchen Bälgen gehören und wo Ein- und Ausgang der jeweiligen Windführung war, so dass wir einen Grundriss dieser komplexen Geschichte hier zeigen können.
Anzumerken ist, dass links von oben die Kanäle von den Motoren aus dem Dach heruntergeleitet werden. Die großen Motoren sind also nicht sichtbar sondern nur an ihren Kanälen erkennbar.
plan_balganlage.jpg

Was nun sicher viele Orgelfreunde erstaunen wird, ist, dass wir es hier mit unheimlich niederen Winddrücken für das Pfeifenwerk zu tun haben:
I.Manual Positiv = 41,5mm WS
II.Manual Hauptwerk = 46mm WS
III.Manual Schwellwerk = 44,5mm WS
IV.Manual Fernwerk = 59mm WS
Pedal = 65,5mmWS beim Subbaß und Transmissionen
Pedal rechts, Fortsetzung der Transmissionen= 58,7mmWS

Es gibt bei den Zungen höhere Drücke:
II.Manual Trompete, liegend 114mmWS
IV.Manual Tromba 111mmWS

Bombarde und Eoline = 56mmWS

Musette = 41,5mmWS

Man muss sagen, dass durch die sehr groß dimensionierten Einfaltenbälge ein sehr stabiles Windsystem und auch eine sehr ruhige Windführung gewährleistet ist. Bei Schwimmer-Regulatoren wären solche drastischen Einführungen in den Balg (Eingang 118mm WS, Ausgang 42mmWS) mit großen Problemen verbunden. Wir kennen das bei Schwimmer schnell das Flattern anfängt und erhebliche Geräusche an den Ventilen, was wir hier nicht vorfinden.

gwm (bei noch schönem Sommerwetter und gedeihlichen Temperaturen am Abend)

Das elektrische System der Tamburini in Rom (1)

Juli 31st, 2010

Wir haben in der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia sage und schreibe 1495 Magnete, die von den Registereinstellmagneten im Spieltisch ausgenommen, ausschließlich Ventile an oder in Windladen zu bewegen haben.
An dieser Zahl kann man ermessen, welche Kompliziertheit diese Orgel besitzt.
Im ersten Teil möchte ich auf das alte System und die Verbesserungen durch digitale Systeme kurz eingehen.
Wir haben durch die Digitalisierung bereits über 350 Magnete ausgemustert, welche die Komplexität dieser ganzen Steuerung noch um einiges erhöht hätte.
Es wurde mitgeteilt, dass in diesem parallelen System Störungen schon kurz nach Beginn der Fertigstellung auftraten.

Parallel - Digital?
Ich möchte ganz kurz erklären, was der Unterschied zwischen einem parallelen System und einem digitalen System ist.
Bis weit in die 90er Jahre hinein waren einfache parallele System im Orgelbau die Regel.
Diese System waren davon gekennzeichnet, dass bei einem geschlossenen Kontakt ein Kabel zuständig war das diese Information zum Magnet weiterleitete. Dazwischen konnte, wie auch heute, eine komplexe Logik liegen, aber der Magnet wurde mehr oder weniger unmittelbar von seinem zuständigen Kontakt angesteuert.

Hierzu habe ich ein einfaches Bild gezeichnet. Auf dieser Skizze sehen wir, dass für jeden der drei Kontakte ein Kabel zum Magnet führt:

skizze01_red.jpg

Bei der Digitaltechnik, die bereits seit 1968 vereinzelt im Orgelbau Zugang fand, wird für dieselbe Schaltung nur ein einziges Verbindungskabel gebraucht. Dazwischen liegen zwei synchronisierte Uhren:

skizze02_red.jpg

Was hier nun mit drei Kontakten gezeigt wurde ist natürlich mit 4 Manualen, 1 Pedal und 138 Registerschaltern (= 414 Schalter) ganz genauso möglich. Wir haben dann allerdings noch eine Logik dazwischen, welche die Impulse sortiert und z.B. sagt:
Wenn Registerschalter Fifaro 8′ ein, dann sind die Magnete der Schleiflade S5 im II.Manual freigegeben. Damit verhindern wir, dass bei beliebigem Spiel auf dem II.Manual alle Magnete mitklappern.
Es ist klar, dass z.B. beim Bordun 16′ im III.Manual, der sowohl von Pedal als auch vom III.Manual aus in verschiedenen Registertransmissionen gespielt werden kann, nur dann Magnete mitgehen, wenn die entsprechende Register eingeschaltet sind, - denn leider hat Tamburini auch nicht berücksichtigt bei diesen Einzeltonladen, den Wind abzustellen, wenn die entsprechenden Register nicht gezogen sind. Das birgt Heuler-Gefahr in sich.

Der enorme Relais-Schrott, den wir ausgebaut haben, zeigt welch unheimliche Dimension es annimmt, wenn man solche Transmissionsladen auf diesen alten Systemen aufbaut.

relais.jpg

Was wir hier auf dem Bild sehen, ist längst nicht alles, was ausgemustert wurde. Es sind Einzelteile aus Setzer, festen Kombinationen und STeuerungen, wie oben beschrieben. Die Haarnadelkontakte, die hier von Tamburini verwendet wurden sind füpr solche riesige Anlagen denkbar ungeeignet. Und es versteht sich, dass daran laufend herumgearbeitet wurde.
Die Unlogik musste hier auch noch einen erweiterten Umweg gehen, weil der Setzer natürlich nicht in den Spieltisch gepasst hat, so wurden pro Registereinstellmagnete natürlich drei Kabel nach außen geführt, was dem ganzen komplexen Ungetüm weitere Größen-Dimensionen verschafft hat.

Bei einer neuen Digitaltechnik ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der die Uhren synchronisiert werden (wie oben symbolisch gezeigt), also der Takt des Prozessors, die höchstmögliche Geschwindigkeit hat, die man heute realisieren kann. Das ist wichtig, damit schnelle Repititionen nicht von langsamen Systemen verschluckt werden. Wir sind uns auch 100%ig sicher, dass das von uns verwendete System von Sigmatek, das schnellste ist, das man derzeit in Europa für solche Dinge bekommen kann.

Daneben gilt es natürlich, die Magnete richtig einzuregulieren und mit ausreichend dimensionierten Kabel zu versorgen:
magnete.jpg

Diese Magnete an der Trompeteria, sie steuern wie man am Hintergrund erkennen kann, noch relativ langsame Taschen an, was nicht nur Regulieraufwand bedeutet, sondern vielleicht sogar Änderungen im Windsystem. Die optimale Einstellung all dieser Komponenten ist fast schon Sache der Intonation. Weil natürlich die Windmenge, die das Taschenventil durchlassen muss, mit dem Klang und den Nachbartönen abgestimmt werden muss. Soweit also: elektrische Steuerung und Windfluss an der Tasche bis zum Klang, ein einheitlicher organischer Gedanke. Man sollte nicht glauben, dass der Orgelbauer sich bequem für eine Sache spezialisieren darf und dann von der anderen nichts mehr wissen will.

magnete2.jpg

gwm

Druckpunktfeder im Tamburini-Spieltisch

Juli 24th, 2010

Das Thema “Druckpunkt” in elektrischen Spieltischen hat beinahe etwas Mystisches, wenn ich mir die verschiedenen Konstruktionen in den 60er und 70er Jahren betrachte. Walcker hat hier nicht schlecht Lehrgeld bezahlen dürfen. In us-amerikanischen Spieltischen sind derartige Dinge Selbstverständlichkeiten. Bei uns in Europa hat sich das eigentlich nie richtig durchgesetzt. Bei August gibt es “Magnetschnäpper” die zwar gut funktionieren, aber nur im ersten Moment eine Wirkung haben, bis der Magnet abreisst.
Die Tamburini-Konstruktion hier in Rom hat einen leichten Druckpunkt, der der Künstlichkeit anderer Konstruktionen entbehrt und gleichzeitig das einzige Rückführelement der Taste ist. Daher halte ich diese Konbstruktion, die auch keine Gewichte mehr benötigt, für ausgewogen. Die Qualität ist nicht schlecht.
Hier zunächst einmal eine Skizze eines Einzelkontaktes mit Beispiel. Wir sehen an der oberen Skizze, wenn die Taste nach oben geht, überwindet sie ein Spannung nach der sie gewissermaßen nach oben gerissen wird. Dieser “Schnapp-Punkt” wird an der Taste als überwundener Druckpunkt gefühlt.
einzelkontakt.jpg
An diesen beiden Fotos sieht man die gleiche Taste einmal unbewegt und ein weiters Mal durchgedrückt:
e_aus.jpg ein.jpg

und hier noch eine Ansicht von oben
tastenkontakte.jpg

(gwm - auf dem Sprung weitere der 250 Kirchen Roms zu besichtigen)

Die elektrischen Schleifladen von Tamburini

Juli 21st, 2010

Es hat uns schon sehr erstaunt, als man zum ersten Mal die ungewöhnlich aufwendigen Schleifendichtungen sah, die von Tamburini auf die Stöcke aufgebracht waren. Nun muss dazu gesagt werden, dass bei Winddrücken von 45-55mm WS die Anforderungen an Schleifenzug und Schleifendichtung nicht überstrapaziert werden. Daher auch sind auf dem Fundamentbrett, also unter der Schleife keine Dichtungen, sondern lediglich sauber eingefräste Reiter als Entlastung auf der Schleife angebracht.
schleife-ansicht.jpg schleife-auf-funadmentbrett.jpg
Die Dichtungen sind mit amerik. Havannaleder gefertigt, wobei ein Außenring in Blei ausgeführt ist, der auf der Schleife entlag streicht, wenn die Schleife gezogen wird, die Dichtung wird etwas aufgeblasen wenn der Ton gespielt wird. Am Ende der Schleife ist eine Leerdichtung die mit einer Feder versehen ist.

einzelner-ring.jpg stock_dichtungen.jpg

Der Ventilkasten mit den Magneten und Anhängungen ist eher enttäuschend: keinerlei Reguliermöglichkeit, dafür eine unglückliche Montage von RC-Gliedern in der Windlade. Das kann absolut nicht empfohlen werden, weil ab und zu mal so ein Kondensator explodieren kann und in der Lade unschöne Kabelbrände entstehen können.
schleiflade_tonventile.jpg
Die Konstruktion der Registerzugsapparatur ist dagegen etwas uns vollkommen Unbekanntes: hier werden mit 145mmWs ein Hubaggregat betrieben, das von ein paar störenden Geräuschen abgesehen, doch ganz passabel funktioniert. Zumindest erinnere ich mich an meine Lehrzeit 1967 als in Deutschland sehr große Probleme mit den damals gängigen Binder-Magneten auftraten, die jene Weltfirma beinahe in den Konkurs trieb. Und viele Orgelbauer zu den plumpen pneumatischen Registerzügen zurückkehrten.
wila_mit_registerzuege.jpg
Die komplette Orgelanlage bei dieser Tamburini-Orgel, die gekennzeichnet ist von den 7 Schleifladen und unzähligen (rund 30) Einzeltonladen, die vorwiegend als Taschenladen gestaltet sind, kann durch die räumliche Enge und der neobarocken Konzeption (die eigentlich nur einen gravierenden Fehler enthält, nämlich, dass im Pedal kein nennenswerter Bass realisiert wurde) als musikalisch äußerst begrenztes Instrument gesehen werden.
Auch mit unseren Diskussionen um Kompromiss- oder Universalorgeln, wo ja letztendlich immer eine ökonomische Lösung avisiert wird, gerät dann ins Zwielicht, wenn man die Romantik ausklammern will oder nur alibiweise mit einbringt.
Auch der große Aufwand an Sub-Superkoppeln und Transmissionen kann echten Baß und weite, tragfähige Mensuren nicht ersetzen. Die ursprüngliche Walcker-Orgel mit nur rund 34 Register hätte davon Lieder singen können.
(gwm)

Die Windlade der Trompette orizzontal in Rom-Santa-Cecilia

Juli 17th, 2010

Die Windlade der Trompette orizzontal, also der spanischen Trompete, von der ich schon mehrere Varianten besonders bei Walcker und in Spanien gesehen habe, sind in der Regel mit Windladen anzufertigen, die etwas höhere Ansprüche genügen muß, weil durch die Schräglage der Pfeifen andersartige Beanspruchung auftritt. Die hier vorliegende Variante hat alle anderen mir bekannten Variationen um Längen an schlechter Qualität geschlagen.
Grund dafür ist der einfache Umstand, dass man einen durchgehenden Stock von über 2,50m Länge verwendet hat, der natürlich im Laufe der Zeit und durch Wassereinwirkung des darüber liegenden Fensters, schwer gelitten hat. Die Orgelbauer haben mit verschiedenen Mitteln versucht die Zusammenstecher aufzulösen, wobei man weitere Schrauben reingedreht hat und Klebeversuche unternahm, die aber alle erfolglos waren.
Aus diesem Grund, und weil der Aufwand nun doch relativ groß ist, dieses Register wieder richtig spielbar zu machen, wollen wir das hier etwas ausführlicher zeigen.
Wir sehen auf dem ersten Foto die Windlade mit abgeschrauben Stock und hier die Filzpappe, die als Dichtung für derartig großflächige Flächen völlig ungeeignet ist. Wiewohl dieses Material ohnehin auch sonst nicht viel bei Abdichtungen bringt – es war halt billig und wurde auch von Walcker verschiedene Male in den 60er Jahren verwendet.
Hier haben wir uns dafür entschlossen Dichtungen aus zwei Lagen Filz und Leder anzubringen. (Das Leder ist ja nie gleichmässig dick und mit einem Filzbelag von 2mm hat man noch genügend Flexibilität auf diese Länge gut abzudichten)
Dazu aber war nötig den Filzpappebelag herunter zu bekommen, was kmeine leichte Übung war. Die ausgerissenen und Zusammenstecher-fördernden Holzsplitter wurden wieder eingeleimt bzw. mit Holzkitt aufgefüllt.
Auf der Rückseite dieser Lade sehen wir Heribert Klein, der mit Entsetzen die Technik dieser 114mm Druck behafteten Lade studiert. Erkennend, dass diese Taschen auf 2-3mm Gang begrenzt wurden, weil ansonsten die An-und Absprache der Trompetten-Pfeifen sehr unschön geworden wären. Auch die unschönen Entlasungsbohrungen auf Foto1 und Foto2 zu sehen, wurden gesetzt, um diesem Umstand Rechnung zu tragen. In diesem Fall, bei diesem hohen Winddruck sind diese Taschen die denkbar schlechteste Windladentechnik die eingesetzt werden konnte.
Aus Spanien kennen wir schöne und funktionable Schleifladen und von Walcker kennen wir auch praktikable Kegelladen (die eigentlich immer für hohe Windladendrücke geeignet sich, weil sich ja dieser Druck nicht in der Traktur bemerkbar macht. Bei Taschen ist das anders, die liegen ja in der Windlade, umgeben vom selben Pfeifendruck).
Hier an dieser Windlade sind relativ viele Zusammenstecher teils durch schlechte Holzqualität (siehe Foto2, wo man einen durchgehend Riss durch die ganze Lade sehen kann) und andererseits durch das relativ empfindliche Taschensystem, das mit begrenzter Taschenreise sicher am Wesen von Ausstromsystem vorbei marschiert.
Zu diesem Beitrag bringen wir später noch Fotos vom reparierten Stock und Klangbeispiele.
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Ausstromladen bei Tamburini

Juli 2nd, 2010

Sehr interessant ist der Umstand, dass die Einzeltonladen für die Zungen auf ein Ausstromsystem basieren, das etwas unverständlich allerdings, einmal mit Relais und ein anderes Mal direkt über den Magnet gesteuert wird. Wir haben hier zwei schöne Beispiele im Echo IV. Manual gefunden: das erste Beispiel zeigt die Tomba, das andere die Tromba squillo. Die Membranen sind allesamt zu erneuern, während das recht dicke, weiße Leder der Ausstrombälgchen gut erhalten ist. Bei den Membranen haben wir es mit einer unglücklichen Konstruktion mit Kupferenden zu tun, was ein Weiteres für raschen Verschleiß tut.
Aber der Umstand, dass hier Ausstromsysteme verwendet wurden, zeigt, dass auch die Italiener die vorzüglichen Eigenschaften der “Taschenlade” in Sachen schnelle Ansprache und Repetition erkannt haben.
Hier zunächst die Einzelteile auf kariertem 5mm Rasterpapier:
baelgchen.jpg
und hier die Windladen, wie sie eingebaut sind im Schwellkasten des “Eco” (Echo).
windlade-tromba_eco.jpg windlade-tromba_squillo_eco.jpg

Für alle Windladen, egal ob es sich um Schleifladen oder Einzeltonladen handelt, gibt es jene einfach und gut brauchbaren “Stimmklaviaturen”, die man mit den über eine Schnur aufgereihten Keilen bedient.
stimmklaviatur.jpg

Die werden allerdings bei der neuen Elektronik entfallen. Da die Kistchen doch ganz schön Platz in der engen Orgel wegnehmen und jedes unnötige Kabel immer eine Störungsquelle darstellt.
Dann werden wir die Intonation und Stimmung über digitales Funkgerät vornehmen, was nicht unbedingt einfacher, aber eben zeitgemässer ist.
gwm