über Walcker Orgelbau

16.8.2010

Die Windanlage in Rom

Abgelegt unter: Tamburini-Roma, Windanlage — gewalcker @ 19:04

In jedem Falle eine Besonderheit, die bemerkenswert ist.
Zunächst einmal war es nicht einfach, die Logik, die hinter der ganzen Anlage steckte auf Anhieb zu erkennen. Das lag daran, dass ein dritter Motor, wahrscheinlich am Schluss der Montagearbeiten von Tamburini dazu montiert wurde, der die Registerhubapparate mit rund 175mm Winddruck versorgte. Das hat man anfangs über direkten Motorwind aus einem der beiden Motoren abgezweigt. Dann hat man in dem dritten Motor in die Ansaugung diesen Motorwind gesteckt
Hier ein erstes Bild dieser seltsamen Windschaltung:
motor03.jpg
Dann war man doch recht erstaunt nahe der Raumdecke vier Bälge zu finden, die über zwei Rollventile mit Motorwind betrieben wurden. Einer der Bälge gar war mit einer drei Meter langen Schnur zum Rollventil verbunden und regulierte damit ganz akurat die 118mmWS, die zu den Windladenbälgen weitergeleitet wurden.
Hierzu zwei Bilder:
baelge01.jpg baelge02.jpg
Die unheimlich verschachtelte Kanal- und Balgverbindungen haben dann langsam eröffnet welche Kanäle zu welchen Bälgen gehören und wo Ein- und Ausgang der jeweiligen Windführung war, so dass wir einen Grundriss dieser komplexen Geschichte hier zeigen können.
Anzumerken ist, dass links von oben die Kanäle von den Motoren aus dem Dach heruntergeleitet werden. Die großen Motoren sind also nicht sichtbar sondern nur an ihren Kanälen erkennbar.
plan_balganlage.jpg

Was nun sicher viele Orgelfreunde erstaunen wird, ist, dass wir es hier mit unheimlich niederen Winddrücken für das Pfeifenwerk zu tun haben:
I.Manual Positiv = 41,5mm WS
II.Manual Hauptwerk = 46mm WS
III.Manual Schwellwerk = 44,5mm WS
IV.Manual Fernwerk = 59mm WS
Pedal = 65,5mmWS beim Subbaß und Transmissionen
Pedal rechts, Fortsetzung der Transmissionen= 58,7mmWS

Es gibt bei den Zungen höhere Drücke:
II.Manual Trompete, liegend 114mmWS
IV.Manual Tromba 111mmWS

Bombarde und Eoline = 56mmWS

Musette = 41,5mmWS

Man muss sagen, dass durch die sehr groß dimensionierten Einfaltenbälge ein sehr stabiles Windsystem und auch eine sehr ruhige Windführung gewährleistet ist. Bei Schwimmer-Regulatoren wären solche drastischen Einführungen in den Balg (Eingang 118mm WS, Ausgang 42mmWS) mit großen Problemen verbunden. Wir kennen das bei Schwimmer schnell das Flattern anfängt und erhebliche Geräusche an den Ventilen, was wir hier nicht vorfinden.

gwm (bei noch schönem Sommerwetter und gedeihlichen Temperaturen am Abend)

31.7.2010

Das elektrische System der Tamburini in Rom (1)

Abgelegt unter: Tamburini-Roma, Windladen, Allgemein — gewalcker @ 17:08

Wir haben in der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia sage und schreibe 1495 Magnete, die von den Registereinstellmagneten im Spieltisch ausgenommen, ausschließlich Ventile an oder in Windladen zu bewegen haben.
An dieser Zahl kann man ermessen, welche Kompliziertheit diese Orgel besitzt.
Im ersten Teil möchte ich auf das alte System und die Verbesserungen durch digitale Systeme kurz eingehen.
Wir haben durch die Digitalisierung bereits über 350 Magnete ausgemustert, welche die Komplexität dieser ganzen Steuerung noch um einiges erhöht hätte.
Es wurde mitgeteilt, dass in diesem parallelen System Störungen schon kurz nach Beginn der Fertigstellung auftraten.

Parallel - Digital?
Ich möchte ganz kurz erklären, was der Unterschied zwischen einem parallelen System und einem digitalen System ist.
Bis weit in die 90er Jahre hinein waren einfache parallele System im Orgelbau die Regel.
Diese System waren davon gekennzeichnet, dass bei einem geschlossenen Kontakt ein Kabel zuständig war das diese Information zum Magnet weiterleitete. Dazwischen konnte, wie auch heute, eine komplexe Logik liegen, aber der Magnet wurde mehr oder weniger unmittelbar von seinem zuständigen Kontakt angesteuert.

Hierzu habe ich ein einfaches Bild gezeichnet. Auf dieser Skizze sehen wir, dass für jeden der drei Kontakte ein Kabel zum Magnet führt:

skizze01_red.jpg

Bei der Digitaltechnik, die bereits seit 1968 vereinzelt im Orgelbau Zugang fand, wird für dieselbe Schaltung nur ein einziges Verbindungskabel gebraucht. Dazwischen liegen zwei synchronisierte Uhren:

skizze02_red.jpg

Was hier nun mit drei Kontakten gezeigt wurde ist natürlich mit 4 Manualen, 1 Pedal und 138 Registerschaltern (= 414 Schalter) ganz genauso möglich. Wir haben dann allerdings noch eine Logik dazwischen, welche die Impulse sortiert und z.B. sagt:
Wenn Registerschalter Fifaro 8′ ein, dann sind die Magnete der Schleiflade S5 im II.Manual freigegeben. Damit verhindern wir, dass bei beliebigem Spiel auf dem II.Manual alle Magnete mitklappern.
Es ist klar, dass z.B. beim Bordun 16′ im III.Manual, der sowohl von Pedal als auch vom III.Manual aus in verschiedenen Registertransmissionen gespielt werden kann, nur dann Magnete mitgehen, wenn die entsprechende Register eingeschaltet sind, - denn leider hat Tamburini auch nicht berücksichtigt bei diesen Einzeltonladen, den Wind abzustellen, wenn die entsprechenden Register nicht gezogen sind. Das birgt Heuler-Gefahr in sich.

Der enorme Relais-Schrott, den wir ausgebaut haben, zeigt welch unheimliche Dimension es annimmt, wenn man solche Transmissionsladen auf diesen alten Systemen aufbaut.

relais.jpg

Was wir hier auf dem Bild sehen, ist längst nicht alles, was ausgemustert wurde. Es sind Einzelteile aus Setzer, festen Kombinationen und STeuerungen, wie oben beschrieben. Die Haarnadelkontakte, die hier von Tamburini verwendet wurden sind füpr solche riesige Anlagen denkbar ungeeignet. Und es versteht sich, dass daran laufend herumgearbeitet wurde.
Die Unlogik musste hier auch noch einen erweiterten Umweg gehen, weil der Setzer natürlich nicht in den Spieltisch gepasst hat, so wurden pro Registereinstellmagnete natürlich drei Kabel nach außen geführt, was dem ganzen komplexen Ungetüm weitere Größen-Dimensionen verschafft hat.

Bei einer neuen Digitaltechnik ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit, mit der die Uhren synchronisiert werden (wie oben symbolisch gezeigt), also der Takt des Prozessors, die höchstmögliche Geschwindigkeit hat, die man heute realisieren kann. Das ist wichtig, damit schnelle Repititionen nicht von langsamen Systemen verschluckt werden. Wir sind uns auch 100%ig sicher, dass das von uns verwendete System von Sigmatek, das schnellste ist, das man derzeit in Europa für solche Dinge bekommen kann.

Daneben gilt es natürlich, die Magnete richtig einzuregulieren und mit ausreichend dimensionierten Kabel zu versorgen:
magnete.jpg

Diese Magnete an der Trompeteria, sie steuern wie man am Hintergrund erkennen kann, noch relativ langsame Taschen an, was nicht nur Regulieraufwand bedeutet, sondern vielleicht sogar Änderungen im Windsystem. Die optimale Einstellung all dieser Komponenten ist fast schon Sache der Intonation. Weil natürlich die Windmenge, die das Taschenventil durchlassen muss, mit dem Klang und den Nachbartönen abgestimmt werden muss. Soweit also: elektrische Steuerung und Windfluss an der Tasche bis zum Klang, ein einheitlicher organischer Gedanke. Man sollte nicht glauben, dass der Orgelbauer sich bequem für eine Sache spezialisieren darf und dann von der anderen nichts mehr wissen will.

magnete2.jpg

gwm

24.7.2010

Druckpunktfeder im Tamburini-Spieltisch

Abgelegt unter: Tamburini-Roma, Spieltische — gewalcker @ 17:03

Das Thema “Druckpunkt” in elektrischen Spieltischen hat beinahe etwas Mystisches, wenn ich mir die verschiedenen Konstruktionen in den 60er und 70er Jahren betrachte. Walcker hat hier nicht schlecht Lehrgeld bezahlen dürfen. In us-amerikanischen Spieltischen sind derartige Dinge Selbstverständlichkeiten. Bei uns in Europa hat sich das eigentlich nie richtig durchgesetzt. Bei August gibt es “Magnetschnäpper” die zwar gut funktionieren, aber nur im ersten Moment eine Wirkung haben, bis der Magnet abreisst.
Die Tamburini-Konstruktion hier in Rom hat einen leichten Druckpunkt, der der Künstlichkeit anderer Konstruktionen entbehrt und gleichzeitig das einzige Rückführelement der Taste ist. Daher halte ich diese Konbstruktion, die auch keine Gewichte mehr benötigt, für ausgewogen. Die Qualität ist nicht schlecht.
Hier zunächst einmal eine Skizze eines Einzelkontaktes mit Beispiel. Wir sehen an der oberen Skizze, wenn die Taste nach oben geht, überwindet sie ein Spannung nach der sie gewissermaßen nach oben gerissen wird. Dieser “Schnapp-Punkt” wird an der Taste als überwundener Druckpunkt gefühlt.
einzelkontakt.jpg
An diesen beiden Fotos sieht man die gleiche Taste einmal unbewegt und ein weiters Mal durchgedrückt:
e_aus.jpg ein.jpg

und hier noch eine Ansicht von oben
tastenkontakte.jpg

(gwm - auf dem Sprung weitere der 250 Kirchen Roms zu besichtigen)

21.7.2010

Die elektrischen Schleifladen von Tamburini

Abgelegt unter: Tamburini-Roma — gewalcker @ 19:33

Es hat uns schon sehr erstaunt, als man zum ersten Mal die ungewöhnlich aufwendigen Schleifendichtungen sah, die von Tamburini auf die Stöcke aufgebracht waren. Nun muss dazu gesagt werden, dass bei Winddrücken von 45-55mm WS die Anforderungen an Schleifenzug und Schleifendichtung nicht überstrapaziert werden. Daher auch sind auf dem Fundamentbrett, also unter der Schleife keine Dichtungen, sondern lediglich sauber eingefräste Reiter als Entlastung auf der Schleife angebracht.
schleife-ansicht.jpg schleife-auf-funadmentbrett.jpg
Die Dichtungen sind mit amerik. Havannaleder gefertigt, wobei ein Außenring in Blei ausgeführt ist, der auf der Schleife entlag streicht, wenn die Schleife gezogen wird, die Dichtung wird etwas aufgeblasen wenn der Ton gespielt wird. Am Ende der Schleife ist eine Leerdichtung die mit einer Feder versehen ist.

einzelner-ring.jpg stock_dichtungen.jpg

Der Ventilkasten mit den Magneten und Anhängungen ist eher enttäuschend: keinerlei Reguliermöglichkeit, dafür eine unglückliche Montage von RC-Gliedern in der Windlade. Das kann absolut nicht empfohlen werden, weil ab und zu mal so ein Kondensator explodieren kann und in der Lade unschöne Kabelbrände entstehen können.
schleiflade_tonventile.jpg
Die Konstruktion der Registerzugsapparatur ist dagegen etwas uns vollkommen Unbekanntes: hier werden mit 145mmWs ein Hubaggregat betrieben, das von ein paar störenden Geräuschen abgesehen, doch ganz passabel funktioniert. Zumindest erinnere ich mich an meine Lehrzeit 1967 als in Deutschland sehr große Probleme mit den damals gängigen Binder-Magneten auftraten, die jene Weltfirma beinahe in den Konkurs trieb. Und viele Orgelbauer zu den plumpen pneumatischen Registerzügen zurückkehrten.
wila_mit_registerzuege.jpg
Die komplette Orgelanlage bei dieser Tamburini-Orgel, die gekennzeichnet ist von den 7 Schleifladen und unzähligen (rund 30) Einzeltonladen, die vorwiegend als Taschenladen gestaltet sind, kann durch die räumliche Enge und der neobarocken Konzeption (die eigentlich nur einen gravierenden Fehler enthält, nämlich, dass im Pedal kein nennenswerter Bass realisiert wurde) als musikalisch äußerst begrenztes Instrument gesehen werden.
Auch mit unseren Diskussionen um Kompromiss- oder Universalorgeln, wo ja letztendlich immer eine ökonomische Lösung avisiert wird, gerät dann ins Zwielicht, wenn man die Romantik ausklammern will oder nur alibiweise mit einbringt.
Auch der große Aufwand an Sub-Superkoppeln und Transmissionen kann echten Baß und weite, tragfähige Mensuren nicht ersetzen. Die ursprüngliche Walcker-Orgel mit nur rund 34 Register hätte davon Lieder singen können.
(gwm)

17.7.2010

Die Windlade der Trompette orizzontal in Rom-Santa-Cecilia

Abgelegt unter: Tamburini-Roma — gewalcker @ 19:15

Die Windlade der Trompette orizzontal, also der spanischen Trompete, von der ich schon mehrere Varianten besonders bei Walcker und in Spanien gesehen habe, sind in der Regel mit Windladen anzufertigen, die etwas höhere Ansprüche genügen muß, weil durch die Schräglage der Pfeifen andersartige Beanspruchung auftritt. Die hier vorliegende Variante hat alle anderen mir bekannten Variationen um Längen an schlechter Qualität geschlagen.
Grund dafür ist der einfache Umstand, dass man einen durchgehenden Stock von über 2,50m Länge verwendet hat, der natürlich im Laufe der Zeit und durch Wassereinwirkung des darüber liegenden Fensters, schwer gelitten hat. Die Orgelbauer haben mit verschiedenen Mitteln versucht die Zusammenstecher aufzulösen, wobei man weitere Schrauben reingedreht hat und Klebeversuche unternahm, die aber alle erfolglos waren.
Aus diesem Grund, und weil der Aufwand nun doch relativ groß ist, dieses Register wieder richtig spielbar zu machen, wollen wir das hier etwas ausführlicher zeigen.
Wir sehen auf dem ersten Foto die Windlade mit abgeschrauben Stock und hier die Filzpappe, die als Dichtung für derartig großflächige Flächen völlig ungeeignet ist. Wiewohl dieses Material ohnehin auch sonst nicht viel bei Abdichtungen bringt – es war halt billig und wurde auch von Walcker verschiedene Male in den 60er Jahren verwendet.
Hier haben wir uns dafür entschlossen Dichtungen aus zwei Lagen Filz und Leder anzubringen. (Das Leder ist ja nie gleichmässig dick und mit einem Filzbelag von 2mm hat man noch genügend Flexibilität auf diese Länge gut abzudichten)
Dazu aber war nötig den Filzpappebelag herunter zu bekommen, was kmeine leichte Übung war. Die ausgerissenen und Zusammenstecher-fördernden Holzsplitter wurden wieder eingeleimt bzw. mit Holzkitt aufgefüllt.
Auf der Rückseite dieser Lade sehen wir Heribert Klein, der mit Entsetzen die Technik dieser 114mm Druck behafteten Lade studiert. Erkennend, dass diese Taschen auf 2-3mm Gang begrenzt wurden, weil ansonsten die An-und Absprache der Trompetten-Pfeifen sehr unschön geworden wären. Auch die unschönen Entlasungsbohrungen auf Foto1 und Foto2 zu sehen, wurden gesetzt, um diesem Umstand Rechnung zu tragen. In diesem Fall, bei diesem hohen Winddruck sind diese Taschen die denkbar schlechteste Windladentechnik die eingesetzt werden konnte.
Aus Spanien kennen wir schöne und funktionable Schleifladen und von Walcker kennen wir auch praktikable Kegelladen (die eigentlich immer für hohe Windladendrücke geeignet sich, weil sich ja dieser Druck nicht in der Traktur bemerkbar macht. Bei Taschen ist das anders, die liegen ja in der Windlade, umgeben vom selben Pfeifendruck).
Hier an dieser Windlade sind relativ viele Zusammenstecher teils durch schlechte Holzqualität (siehe Foto2, wo man einen durchgehend Riss durch die ganze Lade sehen kann) und andererseits durch das relativ empfindliche Taschensystem, das mit begrenzter Taschenreise sicher am Wesen von Ausstromsystem vorbei marschiert.
Zu diesem Beitrag bringen wir später noch Fotos vom reparierten Stock und Klangbeispiele.
(weiterlesen…)

2.7.2010

Ausstromladen bei Tamburini

Abgelegt unter: Tamburini-Roma — gewalcker @ 18:29

Sehr interessant ist der Umstand, dass die Einzeltonladen für die Zungen auf ein Ausstromsystem basieren, das etwas unverständlich allerdings, einmal mit Relais und ein anderes Mal direkt über den Magnet gesteuert wird. Wir haben hier zwei schöne Beispiele im Echo IV. Manual gefunden: das erste Beispiel zeigt die Tomba, das andere die Tromba squillo. Die Membranen sind allesamt zu erneuern, während das recht dicke, weiße Leder der Ausstrombälgchen gut erhalten ist. Bei den Membranen haben wir es mit einer unglücklichen Konstruktion mit Kupferenden zu tun, was ein Weiteres für raschen Verschleiß tut.
Aber der Umstand, dass hier Ausstromsysteme verwendet wurden, zeigt, dass auch die Italiener die vorzüglichen Eigenschaften der “Taschenlade” in Sachen schnelle Ansprache und Repetition erkannt haben.
Hier zunächst die Einzelteile auf kariertem 5mm Rasterpapier:
baelgchen.jpg
und hier die Windladen, wie sie eingebaut sind im Schwellkasten des “Eco” (Echo).
windlade-tromba_eco.jpg windlade-tromba_squillo_eco.jpg

Für alle Windladen, egal ob es sich um Schleifladen oder Einzeltonladen handelt, gibt es jene einfach und gut brauchbaren “Stimmklaviaturen”, die man mit den über eine Schnur aufgereihten Keilen bedient.
stimmklaviatur.jpg

Die werden allerdings bei der neuen Elektronik entfallen. Da die Kistchen doch ganz schön Platz in der engen Orgel wegnehmen und jedes unnötige Kabel immer eine Störungsquelle darstellt.
Dann werden wir die Intonation und Stimmung über digitales Funkgerät vornehmen, was nicht unbedingt einfacher, aber eben zeitgemässer ist.
gwm

30.6.2010

Die Tamburini-Orgel in Santa-Cecilia-Roma

Abgelegt unter: Tamburini-Roma — gewalcker @ 17:38

Diese Orgel wird von uns z.Zt. renoviert und im Bereich der Elektro-Mechanik vollständig erneuert.
Das System von Tamburini 1964 gebaut hat bis vor wenigen Jahren durchaus seine Berechtigung gehabt, ist aber heute hoffnungslos veraltet und in einem entscheidenden Punkte sehr sensibel: es sind die dünnen Kontakte aus Kupfer, die keinen langen Schleifweg haben, bei dem sie wieder oxidbefreit neu aufspielen können.
Ansonsten aber ist das Tamburini-System in elektrischen Belangen gut durchdacht und großzügig ausgeführt. Viele Dinge allerdings waren schon zur Erbauungszeit veraltet.
Zunächst einmal das Anschlußbrett der Orgel, das mit sage und schreibe 3500 Lötpunkten, bei denen manchmal bis zu 6 Kabel aufgelötet sind, enthalten. Zuerst ein Detail, aus dem erkennbar ist, dass die Kabel teilweise nicht verlötet sondern nur gewickelt sind:
anschlussbrett01.jpg
Hier das komplette Anschlussbrett:
anschlussbrett02.jpg
und hier einige Bilder der veralteten, gigantischen Relaisanlage:
schaltkasten01.jpg
schaltkasten02_.jpg
der armdicke Kabelstrang:
kabelstraenge.jpg

und hier Bilder der entheiligten Konsole. Sehr interessant der Umstand, dass man die komplette Registerstaffelei mit zwei Handgriffen herauskippen kann um dann an den ebenfalls herausklappbaren Tasten zu arbeiten. Diese Kontakte der Tasten sind übrigens ohne großen Funkenabbrand und Verschleis. Der Grund ist eine interessante Hebeltechnik und der Einbau von Schalttransistoren, was vor rund 20 Jahren gemacht worden sein muß :
spielt01.jpg spielt02.jpg spielt03.jpg spielt04.jpg spielt05.jpg

gwm (in Roma bei einer wahrlich sengenden Hitze im Internetcafe)

15.4.2010

Pneumatik anstelle Barkerhebel - Oscar Walckers Vorschläge

Abgelegt unter: Walcker Orgeln, Allgemein — gewalcker @ 16:16

Pneumatisch-mechanische Ventilbetätigungen bei Schleifladen anstelle von Barkerhebeln von Oscar Walcker vorgeschlagen am 15.Aug. 1941.
Der Übergang von Registerkanzellenladen wie Taschen-und Kegelladen auf Schleifladen verlief bei der Firma Walcker gleichzeitig mit einem Generationswechsel.
Nicht nur der Wechsel von einem Windladensystem zum anderen sondern auch die Abkehr von elektropneumatischen Auslaß-Systemen oder reinen elektrischen System der Multiplexinstrumente, die anfangs durchaus von den Leuten der Orgelbewegung begrüßt wurden, und der Wandel hin zur Mechanik brachte eine ganz gewaltige Metamorphose zustande.
So ist es nicht verwunderlich, dass bei Walcker zunächst die pneumatischen und elektropneumatischen Systeme mit der von allen Sachverständigen geforderten Schleiflade in Verbindung gebracht wurden. Die Registermechanik wurde durch pneumatische Bälge ersetzt.
Bild aus der Fertigung:
0000_apparate.jpg
Die Tonkanzellenventile wurden durch barkerähnliche Bälge aufgerissen, die wiederum über eine Mechanik und dazwischen liegendes Ausstromsystem angesteuert wurde. Man konnte sich einfach von diesen Gedanken der penumatischen Ansteuerung, die uns heute völlig abstrus vorkommen, nicht lösen (siehe Zeichnung A)
schleiflade_pneum_venti_z01.jpg
Eine weitere Variante, die ebenfalls sehr oft und detailliert gezeichnet worden war, ist diejenige (Zeichnung B) welche einen relativ großen Ausstrombalg, Ventilbalg, (wie er ähnlich bei Registerkanzellen zum Öffnen der Registerkanzelle verwendet wurde) verwendet. Wir können uns anhand der Zeichnung gut vorstellen, welch enormer Empfindlichkeit eine solche Trakturen ausgeliefert sind.
schleiflade_pneum_venti_z02.jpg
Auch die Variante C, bei der unter dem Ventilkasten Keilbälge angeordnet sind, die mit ausströmendem Wind das Tonventil aufreißen, hat seine Eigenarten. So kann an der Mutter über der Traktur die Schnelligkeit, mit der das Ventil wieder schließen soll reguliert werden.
schleiflade_pneum_venti_z03.jpg
Allen drei Konstruktionen liegt vor allem der Gedanke zu Grunde möglichst effektiv die Ventile aufzuziehen und dabei keine Klopfgeräusche zu verursachen, wie das beim normalen Barkerhebel der Fall sein kann.
Zeichnungen werden von Oscar Walcker am 15.Aug.1941 kommentiert.
Wir werden in Zukunft weiter zu untersuchen haben, wo solche Orgeln gebaut wurden, die jene Spieleinrichtungen hatten, und wie sich das alles bewährt hat. Und noch schöner wird es sein, wenn man Instrumente findet, wo solche Spieleinrichtungen vielleicht noch funktionstüchtig sind!
Weitere Dokumente sind
a) die Beschreibung der Systeme von Dr. Oscar Walcker
schleiflade_pneum_ventil.jpg

b) Liste Größe der Tonventil-Bälge lt. Oscar Walcker
schleiflade_pneum_tabell.jpg

14.4.2010

Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen

Abgelegt unter: Windladen, Allgemein — gewalcker @ 18:56

Anleitung zum Regulieren mechanischer Kegelladen. Das hieß bei Oscar Walcker im Jahre 1928 (sehen Sie die originale Aktennotiz aus 28.11.1928 weiter unten als Bild) ANLEITUNG zur REGULIERUNG der MECHANIK bei MECHANISCHEN ORGELN.
Denn der Altmeister des Deutschen Orgelbaus hatte noch sehr wenig mit mechanischen Schleifladen zu tun. Es war für ihn klar, dass es sich nur um Kegelladen handeln kann.
Aber zu diesem Thema kommen wir in einem der nächsten Blogs. Weil das Thema „Walcker und die ersten neobarocken Schleifladen-Orgeln“ bereits bei mir vorbereitet wurde und mit Sicherheit auch erhebliches Umdenken bei historisch gewachsenen Vorstellungen verursachen wird.
Wer bereits Gelegenheit hatte mechanische Kegelladen zu regulieren, oder nur ein paar Handgriffe in der Mechanik einer Kegellade leisten konnte, der weiß, welch komplexes Thema hier angeschnitten ist. Reguliert man nämlich entgegen der hier vorgelegten Systematik, so kann man am Ende dieser Arbeit wieder vorn vorne beginnen. Daher sollten sich Orgelbauer, die nur selten an mechanischen Kegelladen zu schaffen haben, unbedingt Oscar Walckers Methode ausdrucken und in die Akten der jeweiligen Orgel übernehmen.

Die nachfolgende Abschrift ist nicht wortwörtlich vorgenommen worden, sondern in heutiger Rede verfasst. Auch wurde die Tabelle nicht zweimal mit 2mm Addition an jeder Stelle erneut geschrieben. Wer die exakte Formulierung Oscar Walckers bevorzugt, der kann das untere Dokument ausdrucken.

freie Abschrift OV/B.28.11.1928
Anleitung
zur Regulierung der Mechanik bei mechanischen Orgeln.
1. Bei einer zweimanualigen Orgel ohne Oberladen:
Zuerst wird das I.Manual reguliert und bei der Windlade angefangen. Man sieht nach, ob die Wellen auf den Stellärmchen aufliegen; dann wird nachgesehen, ob die Kegel der Wellen einen Weg machen, der bei den verschiedenen Laden auch verschieden ist, und zwar macht der Kegel folgenden Gang:
I.Man. Unterlade 7,5mm
I.M. Oberlade 6,7mm
II.M. Unterlade 7,0mm
II.M. Oberlade 6,5mm
Pedallade 11,0mm
Hinzu kommen noch die 2mm Leerreise (Abstand Kegeldrehmutter zu Wellenärmchen)
Damit ist die Wellenärmchenreise 2mm+ die oben angegebenen Werte.
Es ist darauf zu achten, dass bei angezogener Welle (Taste ist gedrückt) die Anschlagmuttern der Kegel auf dem Bodenholz anliegen. Gegebenenfalls nachregulieren, weil sonst Blasgeräusche hier entstehen und die Kegel nicht ganz aufmachen.

2. Bei zweimanualigen Orgel mit Oberladen:
Sind Oberladen vorhanden, so werden diese sofort nach den Unterladen reguliert, ehe man an die Klaviaturen geht.
Oberlade und Unterlade werden miteinander verbunden, ohne dass hier eine Leerreise entsteht.
Als Leerreise darf nur der bereits im oberen Absatz erwähnte Abstand von 2mm zwischen Wellenarm und Kegeldrehmutter sein. Jedoch muss die Leerreise bei den Oberladen im I.Manual um 0,8mm und im II.Man um 0,5mm größer sein als bei der Unterlade.
Beim Einhängen der Mechanik muss insbesondere darauf gesehen werden, dass beim Eindrücken des Stiftchens oder Einhängen der Abstraktennasen, sich die Abstrakte mindestens 1mm seitlich bewegen kann. Vor dem Einhängen danach sehen, dass die Winkel leicht fallen.
Auf die Stiftchen ist es zweckmäßig eine Papierscheibe aufkleben, damit der Stift nicht herausfallen kann.

3. Sind die Laden reguliert, so stellt man nunmehr den Gang der Manualtasten fest. (ich würde davor noch sagen, es ist festzustellen, dass alle Wellen von Wellenbrettern und Abgangswinkel auf halbe Reise überprüft werden, also in exakter Mitte zwischen nicht gedrückt und gedrückten Zustand auf 90 Grad zur Welle oder Winkelarm zu stehen kommt, da extreme Verstellungen wieder die Tastenregulierung durcheinander bringen Anm.gwm)
Und zwar reguliert man die tiefste und die höchste Taste des I.Manuals derart, dass das I.Manual einschließlich Leergang 11,5mm macht.
Diese Regulierung darf jedoch nicht an der Taste selbst, sondern muss in der Orgel am Wellenbrett oder Raster vorgenommen werden.
Die Tasten müssen in der Lage sein, im gedrückten Zustand die Wellen so zu bewegen, dass die Anschlagmuttern unter den Kegeln am Bodenholz anliegen – also im Tastengang von 11,5mm sind die vorher besprochenen 2mm Leerreise an der Welle enthalten.
Nach dieser Regulierung an Wellenbrett bzw. Abgangswinkel in der Orgel wird die Regulierung an den Tasten des I.Manuals vorgenommen. Und dies natürlich in der Form, dass die Tasten möglichst gleichmäßig zu liegen kommen und möglichst gleiche Reise haben.
Die gleiche Regulierung nimmt man vor am II.Manual wobei hier die Tasten eine Reise von 10mm haben sollen. Ein mögliches III.Manual soll mit 9mm Reise nach Oscar Walcker betrieben werden.
Beim Pedal macht der Kegel 11mm Reise, die Taste macht 17mm Gang, also ist hier eine Leerreise von 6mm. Davon sind 3mm Leereise bei den Wellen und 3mm an den Stechern unter der Pedaltaste.

4. Regulierung der Koppeln
Hierauf erfolgt die Regulierung der Koppel II/I. Diese Koppel wird nun gezogen und die Wippe derart reguliert, dass zwischen Wippe und Mutter ca 0,5mm Leerreise sich ergibt, d.h. die Wippe darf am Mütterchen nicht straff anliegen, das sich sonst beim Ziehen der Koppel die Tasten mitbewegen würden.
Die Pedalkoppeln werden ebenso reguliert, nur dass hier zwischen Wippe und Mütterchen 2mm Leereise sein soll.
Nach meiner Erfahrung ist es immer sinnvoll beim Regulieren der Koppeln den Organisten mit einzubeziehen, weil jeder einen anderen Geschmack hat, wie die Abfolge der Ertönung sein soll. Manche wünschen akkurat zur gleichen Zeit die Manuale mit dem Pedal zu hören, während es oft sinnvoller ist, das I.Man etwas nach dem Pedal hören zu lassen und eine Idee später noch das II.Manual. (womit wir wieder bei der Dynamisierung des Spielbetriebes wären).
gwm

regulieren01.jpg regulieren02.jpg

14.3.2010

Die Walcker-Orgel Opus 876 -Bj 1899, Motherwell-Schottland, II/23

Abgelegt unter: Walcker Orgeln — gewalcker @ 13:17

Eine vollständig erhaltene, rein pneumatische Walcker-Orgel zu finden, ist heute nicht mehr einfach, aber es gelingt hin und wieder in anderen Ländern.
Hier vorab die Disposition dieser spätromantischen Walcker-Orgel, die leider dank unprofessionellem Service heute nicht mehr spielbar ist:
0876 Motherwell (Schottland)
Orgel wurde bestellt am 30.Jan 1899 - lieferbar August 1899
Auslieferung muss aber später erfolgt sein, da Nachbestellungen später.

I.Manual C-c4=61 Noten GREAT
1. Bourdon 16’ Holz
2. Open Diapason 8’ Probezinn, Prospekt, Ds-Mensur
3. Double Flute 8’ Holz
4. Dulziana 8’ von Metall
5. Viola di Gamba 8’ von Metall (nach Dolce)
6. Harmonic Flute 4’ von Holz
7. Principal 4’ von Metall E-Mensur
8. Fifteenth 2’ von Probezinn, 1 Ton enger
9. Mixtur 2 2/3’ 3fach von Metall, 2 2/3-2-?
10. Trumpet 8’ von Metall

II.Manual C-c4=61 Noten SWELL
11. Lieblich Gedackt 16’ von Holz
12. Gedackt 8’ von Holz
13. Small Diapason 8’ 12 Holz, Rest Metall, (Flötenprincipal)
14. Echo Gamba 8’ von Metall
15. Voix celeste 8` von 4’ an Metall (nach Echo Gamb)
16. Principal 4’ von Metall Fs Mensur
17. Rohrfluite 4’ von Metall
18. Cornett 8’ 3 fach Metall, C 4-2 2/3-1 3/5, c 2-1 1/3-4/5
19. Horn 8’ von Metall
20. Oboe 8’ von Metall

Pedal C-f1= 30 Noten
21. Diapason 16’ C-H Holz, Rest Probzinn im Prospekt – stark, weit mensuriert, Gs-Mens
22. Subbaß 16’ von Holz, F Mensur
23. Violoncello 8’ aus Metall

Swell to Great
Great to Pedal
Swell to Pedal
Swell Superoctav
Swell Suboctav
Tremulant for Swell
Balanced Swell Pedal
Gerneralcrescendo and Diminendo
Tutti
Windladen: rein pneumatische Kegelladen

Die Kirche hat sich mit dem Gedanken getragen, die pneumtische Traktur zu elektrifizieren. Also die bekannte “faustische” Weise, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, anstatt zuerst einmal darüber nachzudenken, dass wir hier eine wirklich großartige historische Substanz zu erhalten haben. Klar, dass wir diesem “pragmatischen Orgelbauervorschlag” glatt und energisch widersprachen.
Nun zeige ich einige jener Bilder, die uns immer wieder Furcht einflössen, wenn man den Kasten einmal geöffnet hat, und zunächst völlig ratlos vor den letzten Jahren des “general tuning” stehen.

ansicht.jpg

balg01.jpg kanalstueck.jpg pfeifen.jpg pfeifen1.jpg pfeifen2.jpg

Pneumatik
pneum01.jpg pneum02.jpg pneum03.jpg

Spieltisch
seite1.jpg spieltisch.jpg spieltisch2.jpg spieltisch3.jpg spieltisch4.jpg

Wer das letzte Bild gesehen hat, der hat tief in das Herz des wartenden Orgelbauers geblickt.

gwm

14.2.2010

Solingen -Lutherkirche, weitere Entwicklung der Arbeiten

Abgelegt unter: Spieltische, Allgemein — gewalcker @ 21:09

Kein Frage, wer in zwei Wochen einen kompletten Spieltischumbau für diese dreimanualige Orgel vornehmen will, der hat mit allerhand Überstunden zu rechnen, wenn der Organist sich Ziele gesetzt hat. Und zwar an Samstag und Sonntagen. Das ist um so erfreulicher, je schlechter das Wetter ist und je mehr „Fasching“ und andere volkstümliche Gemeinheiten den Orgelbauer verschrecken.
Wir haben es uns angewöhnt sehr langsam bei solchen technischen Dingen, wie beim Einbau von „Tausendfüsslern“ und anderem Heiligkeiten der Neuzeit zu werden, weil oft ein einziges falsch gelötetes Kabel für Schrecken sorgen kann.
Hier nun unser erstes Wochenende mit einem Sonntag, der, wenn ich richtig gezählt habe ( es hat sich nicht um einen solch berühmten „Zählgottesdienst“ gehandelt, bei dem die Effizienz der verschiedenen Kirchenmusiken statistisch exakt durch Eruierung der Kirchenbesucher in Zahlen erfasst werden) also rund 30 Glieder harrten in den harten Kirchenbänken, sollten aber unter anständiger Heizung, der Predigt „von der Liebe“ und Rosensonntag gelauscht haben. Dazu gabs neue und deftige Kirchenmusik vom Kantor Audersch am Elektropianola und einer herzhaften Truhe, die mit Obertönen gut bestückt war.
An den Bildern soll man erkennen, welche Wirkung diese Kirchengebäude der Jahrhundertwende immer noch haben.
Nachmittags lag man dann zwei Stunden im kargen Hotelzimmer – nur Max Reger auf den Ohren – auf Doesburger und Berliner Orgeln. Mein persönliches Amen an diesem Sonntag.

Unsere zwei Mitarbeiter an diesem Sonntag, den 14.Feb.2010
solingen3.jpg

Der Kirchenbesuch in breitgefächerter Kirche
solingen3a.jpg

Neue Garnituren an Drucktaster unter dem ersten.
solingen3b.jpg

Improvisation über vier Kirchenfenster:
sofe1.jpg sofe2.jpg sofe3.jpg sofe4.jpg

gwm vom Tatort

8.2.2010

Solingen, Einbau eines Setzers, erster Tag

Abgelegt unter: Allgemein — gewalcker @ 20:31

Festgehalten mit einem Bild, an dem man sieht, wie es morgens vor Arbeitsantritt im Spieltisch ausgesehen hat und am Abend, wo kein einziges Kabel der Registersteuerung mehr im Spieltisch enthalten ist.
Wir wollen hier mal zeigen, wie so ein Einbau (hoffentlich) optimal verlaufen kann. Dabei sollen vor allem die Bilder für sich selbst sprechen. Nach diesem Ausbau der alten Registerschalter und Freien Kombinationsschalter werden neue Register-Einstellmagnete eingebaut.
Hier aber nun das Bild das den Morgen und den Abend gleichzeitig zeigt (für ganzes Bild, darauf clicken):
solingen01.jpg

gwm (bei schneidender Kälte in der besten Kneipe der Messerstadt)

24.1.2010

Neue Setzeranlage - alter Spieltisch am Beispiel Lutherki Solingen

Abgelegt unter: Spieltische, Allgemein — gewalcker @ 15:32

Noch bevor es wieder losgeht nach Rom, habe ich die Spieltischzeichnung für Solingen fertig gestellt, wo ich in den ersten Februarwochen einen neuen Setzer einbauen werden.
Ein interessanter Studienfall: hier gehen sukzessive die Schalter kaputt weswegen der geplante Setzer, der ursprünglich wegen zu hoher Kosten nicht eingebaut werden sollte, nun doch eingebaut wird.
Dafür werden alle Registerschalter gegen sogenannte Registereinstellmagn ete getauscht. Die gravierten Registertasten bleiben erhalten. Die Drucktaster unter dem I.Man werden komplett erneuert, ebenso die Pistons wie auf der Zeichnung gezeigt.
solingen_luth.jpg.
Interessant ist, dass man die alte analoge Walze erhalten kann und nicht auf digitale Speicher-Walzen ausweichen muss.
Hier das Bild des Spieltisches, der gehörig durchgeschüttelt werden wird:
so_spielt.jpg

21.1.2010

Walcker-Orgel in China

Abgelegt unter: Allgemein — gewalcker @ 11:31

Es gibt doch eine Walcker-Orgel in China, was nicht aus den Opusbüchern und Listen bisher hervorgegangen ist. Die politischen Situationen haben oft auch Lieferungen nach China verschleiert, weil teilweise Besatzungen durch Japan stattfanden, was Lieferungen nach Japan suggerierte.
Nun also haben ein Professor aus Honkong und ich herausgearbeitet, dass Walcker eine Orgel nach China geliefert hat, und zwar das nachfolgende Instrument, das im Jahre 1938 als Opus 2635 nach Harbin (Manschuko= eine phantasievolle japanische Erfindung) ging, und die sich zweifelsfrei in China befindet. Ob das Instrument noch gespielt wird ist allerdings fraglich. Sicher aber ist, dass bei unserer nächsten Opus-aktualisierung auf Walcker.com auch dieses Instrument eingebracht wird.

2635_harbin.jpg

(gwm)

26.12.2009

Gran Fabrica De Organos Tubulares – Sistema Pneumatico de E.F.Walcker Y Compania

Abgelegt unter: spanisch, Walcker Orgeln, Allgemein — gewalcker @ 17:20

Gran Fabrica De Organos Tubulares – Sistema Pneumatico de E.F.Walcker Y Compania – Ludwigsburgo, Alemania - México, 25 de Agosto de 1904.
Es la Fábrica de E. F. Walcker y Comp. la más grande y afamada en el mundo y la que marcha á la cabeza de todas las de su especie.
La Fábrica de E. F. Walcker y Comp. es la que ha sido siempre premiada en todas las Exposiciones Universales á que ha concurrido, con las primeras medallas, altas recompensas, títulos y condecoraciones.
En el año de 1895 á la Casa de Walcker le fue encomendada la construcción de un órgano flautado para la Basílica de San Pedro en Roma, cuyo encargo fue desempeñado con tan lisonjero éxito, que la Casa constructora fue felicitada y obsequiada por su Santidad León XIII, con la Gran Medalla de Oro, y además obtuvo la honra de ser nombrada proveedora del Vaticano.
En la construcción de estos famosos instrumentos sólo se emplean materiales de primera calidad y-la mano de obra más perfecta; nada se omite de lo que tienda á asegurar la duración y la perfección de las partes mecánicas y de la estructura general del instrumento; todo lo que la ciencia y el gusto musical pueden producir, está aprovechado. En el órgano de Walcker, el carácter de los diversos registros, es producción de artistas especialmente adiestrados en este difícil trabajo; en cuanto á la construcción de los tubos, se escogen siempre los materiales más adecuados; el material que tiene el más insignificante defecto, es rechazado desde luego.
Cada órgano, cualquiera que sea su tamaño, se sujeta á un estudio y cuidado especial, de manera que todas y cada una de sus partes alcancen una excelencia máxima. Los recursos de la Fábrica de Walcker son tan numerosos y tan grandes, que les permiten no ahorrar ningún gasto para obtener la perfección absoluta del instrumento, tanto en el tono como en la mano de obra. Naturalmente ocurre preguntar, ¿por qué medios la Fábrica de Walcker, ha alcanzado un renombre universal? Sin duda porque en su manufactura y desarrollo artísticos, están ocupados hombres que han llegado á la mayor habilidad en la construcción del órgano. A la cabeza de la Fábrica se encuentran los Sres. D. Carlos, Eberhard y Osear Walcker, á quienes secundan un sinnúmero de ayudantes versados en la ciencia de la acústica, expertos organistas de primera clase.
Desde la fundación de la Fábrica en 1820, se han construido arriba de 20,000 registros sonantes de órgano, cuyas flautas alcanzan la enorme cifra de r.000,000. El número de registros sonantes que se fabricaron el año próximo pasado de 1903, pasa de 1,500 con cerca de. . . 100,000 flautas. Estas enormes cifras indican el crédito y demanda de los Órganos de Walcker. Sumamente interesante es dar un vistazo al índice de la Fábrica en donde constan los lugares en donde se han instalado sus instrumentos; parece que no falta ni una Ciudad de importancia en el mundo, que no cuente con uno de estos preciosos instrumentos.
El renombre universal de los órganos flautados de Walcker, lo confirman las innumerables cartas de felicitación que hemos recibido tanto del Venerable Clero como de los Ilustrísimos Señores Arzobispos y Obispos que nos han encomendado la construcción de un órgano tubular de la Casa de Walcker, y de cuya instalación y supremas cualidades han quedado plenamente satisfechos.
Hasta hoy hay instalados en esta República 24 Órganos de Walcker, y hasta el fin del presenté año, tendremos montados otros 10 Órganos más. En este año hasta la fecha hemos mandado construir 14 Órganos de Walcker, y este gran número, es la eminente prueba del éxito y aceptación que entre nosotros han tenido dichos instrumentos.
No obstante que los referidos Órganos los hemos montado en distintos climas, no hemos tenido ninguna reclamación, la cual prueba, forma ya por sí misma una recomendación.
Entre los órganos en construcción se encuentra el de la Catedral de Morelia, recientemente contratado, obra maestra como existen pocas en Europa y en los Estados Unidos del Norte, y que será el Órgano más grande y más hermoso en toda la América Latina. Verdadera satisfacción nos causa que nuestra casa haya sido la preferida para contratar tan grandioso instrumento, y que tanto el Ilustrísimo y Reverendísimo Señor Arzobispo Dr.D. Atenógenes Silva como el Venerable Cabildo de la Ar-quidiócesis de Michoacán, hayan depositado en nosotros su confianza para dar cima á tan colosal empresa; lo cual pone de manifiesto la superioridad de los instrumentos de la Fábrica f I más grande que existe en el mundo y que nos honramos en representar en esta República, y el gran crédito de que goza nuestra casa, por ser la que mayores garantías presta á su estimable clientela, pues llevando más de diez lustros de existencia, las bases sobre que descansa son sólidas, grande por consiguiente la práctica adquirida, y elementos y personal suficientemente apto, para cumplir con religiosidad todos y cada uno de los compromisos contraídos, no omitiendo gasto ni sacrificio alguno para que el resultado de sus trabajos, sea superior á sus ofrecimientos. Esto no sucederá lo mismo con una casa establecida en pequeño, pues sus pocos medios de acción, y la pequeña esfera en que se mueven, no menos que el reducido número de personal de que puede disponer, no le permitirá dar satisfacción completa á sus ofrecimientos, aunque su voluntad sea mucha.
Tenemos además que advertir que en los precios de los órganos tubulares hay tanta diferencia, como en los precios de los pianos; y esto depende de la primacía de la fábrica de donde procedan. Desde que se fundó nuestra Casa, siempre nuestros cuidados y desvelos han
consistido en procurar que todos los instrumentos que importemos sean de una Fábrica afamada; y lo que en pianos y armónicos mucho nos preocupa, debe de interesarnos aun más cuando se trata de órganos tubulares. Muy fácil nos sería encargar órganos de precio más reducido, pero esto no conviene ni á nuestra estimable clientela, ni al buen nombre de nuestra Casa; porque un instrumento barato, no está construido con materiales de primera clase, en poco tiempo sufriría descomposturas, y como el órgano es un instrumento tan delicado, daría por resultado que en pocos años se tuviera un instrumento defectuoso; así pues, repetimos, hay que preferir los órganos de Walcker porque están fabricados con materiales de primera clase, porque los órganos de Walcker son los más ricos y bellos en su sonido, y, finalmente, porque Walcker con sus órganos tiene la fama tan justamente adquirida como Steinway con sus pianos.
Si en Europa otras fábricas no pueden igualar la construcción de los Órganos Walcker, menos podrán igualarlos en la República Mexicana, ya por la falta de materiales á propósito * para la construcción, ó ya también por falta de un personal bastante instruido, que como es bien sabido, esto sólo se consigue con mucho tiempo y paciencia.
Nosotros hemos pedido al Gobierno una concesión para montar con toda la maquinaria necesaria una Fábrica de Órganos, porque hasta ahora en México no hay ninguna, aunque algunos pretenden tener Fábrica no se les debe creer porque trabajan con un aparato tan primitivo, que para personas inteligentes y conocedoras en la materia no tiene ningún valor. Aunque nosotros queremos instalar la Fábrica con los últimos adelantos, y nos proponemos contratar un basto personal entre todo lo mejor de las Fábricas alemanas, tenemos que confesar, que no ignoramos las dificultades que tenemos que vencer y sí, sabemos muy bien que transcurrirán muchos años para que nosotros lleguemos á fabricar un Órgano debidamente acabado, y que para que nosotros lleguemos á fabricar un instrumento como los mejores de Europa, tales como los de E. F. Walcker y Cía., repetimos: tendrán que transcurrir muchos años, y todavía así dudamos conseguirlo. Mientras tanto, siempre que las personas quieran tener un órgano artísticamente acabado, se resolverán mandar construir el instrumento en la fábrica de Walcker, y nosotros no dejaremos de importar estos magníficos órganos, que tan buen resultado han dado en México.
Suplicamos pues á nuestra estimable clientela, se sirva tener presentes todas estas consideraciones, y no dudamos que ellas lo inducirán á preferir, en caso de que lo necesite, un instrumento supremo de la Casa referida de E. F. Walcker y Cía., que tenemos el gusto de proponer y que llena perfectamente todas las necesidades del culto.
A los señores Obispos y Curas les daremos con mucho gusto datos y explicaciones de estos notables órganos, y siempre estamos dispuestos á facilitar dibujos, disposiciones y presupuestos con la más grande economía posible en el precio.
Con orgullo podemos decir que nuestra Casa es lamas entendida y competente en este ramo, pues que contamos con bastante personal inteligente para cumplir cualquier compromiso.

blatt01.jpg dispo_01_03.jpg

skizze_leon.jpg dispo_leon.jpg

skizze_fresnillo.jpg dispo_0505.jpg

skizze_potosi.jpg dispo_0706.jpg

skizze_queretaro.jpg dispo_0809.jpg

skizze_teocaltiche.jpg dispo_1011.jpg

skizze_morelia.jpg dispo_morellaluis.jpg

skizze_sanfelipe.jpg dispo_san_felipe.jpg

skizze_merida.jpg dispo_merida.jpg

Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo
Gerhard Walcker-Mayer
gerhard@walcker.com

18.12.2009

Der letzte röhrenpneumatische Titan - Hannover, Stadthalle

Abgelegt unter: Windladen, Zeichnungen, Windanlage, Dispositionen, Spieltische, Allgemein — gewalcker @ 18:48

Als der letzte röhrenpneumatische Titan am 27.Dez 1914 in der Stadthalle zu Hannover vor 4000 Zuhörern eingeweiht wurde, stand bereits der I.Weltkrieg in hellem Feuer.
Die von Furtwängler und Hammer erbaute Orgel mit IV/124 Register war anders als bei Walcker und Sauer, noch ein rein röhrenpneumatisches Werk, so dass uns deswegen diese Orgel, die durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, als etwas ganz besonderes erscheinen muß. Zudem ist dieses Werk in Taschenladenbauweise exakt wie es Walcker und Sauer bauten, hergestellt.
Ganz besonders interessiert uns natürlich, wie es in der Orgel ausgesehen hat und was wir hier für einen Spieltisch antreffen. Immerhin wurden 4 Freie Kombinationen, die dann natürlich pneumatisch funktionierten, betrieben. Es muss ein heiliger Schauder den Orgelbauern den Rücken heruntergelaufen sein, wenn hier Reparaturen erforderlich waren. Denn aus verschiedenen Zeichnungen der Firma Walcker kann man sehr schön erkennen, welche Komplexität und Fehlermöglichkeiten bei einer solchen Konstruktion möglich waren.
Eine ganz besondere Freude war es, festzustellen, dass auch dieses Heft aus der Bibliothek eines ganz berühmten Organisten und Komponisten stammt, das sich nun in meiner Bibliothek befindet: von Gerard Bunk.
titelblatt.jpg

Das Deckblatt der Schrift zeigt die Stadthalle in Hannover mit ihrer patheonähnlichen Kuppel:

titelblatt02.jpg

Hier die Disposition der Orgel

dispo.jpg

Orgelansicht:
orgelansicht.jpg

Grundriss der Orgel

orgel_grundriss.jpg

Schnitt durch die komplette Halle:

halle_komplett.jpg

Schnitt durch die Orgel

schnitt_orgel.jpg

und hier diese hochinteressanten Ansichten in der Orgel, die wir leider nie mehr real zu Gesicht bekommen können, und die wohl die größte pneumatischen Relais zeigen, die je gebaut wurden:

innenansicht01.jpg innenansicht_relais02.jpg

Hier nun der Spieltisch in drei verschiedenen Ansichten, Zeichnungen:

spieltisch_foto.jpg spieltisch_schnitt.jpg spieltisch_z.jpg

Last not least, die Personen, die hier zum Bau beitrugen und das Windladensystem

personen.jpg wila_system.jpg

gwm

ergänzender Link zur ZEITSCHRIFT FÜR INSTRUMENTENBAU, die 1915 zu dieser Orgel geschrieben hat DANK an HOLGER FETT

Nächste Seite »

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )